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30 November 2006

Risikobewertung interessanter Nischen und Wachstumsbranchen

Wenn Sie an obigem Thema interessiert sind, klicken Sie bitte in die Überschrift, um das Programm der Internationalen ZfU-Tagung am 24. und 25.4.2007 über ZUKUNFTS- UND WACHSTUMSMÄRKTE in der Schweiz herunterzuladen. Dort spreche ich über

Brasilien & Lateinamerika: Wachstumsmärkte trotz sozialistischer Rahmenbedingungen?
■ Chancen und Zukunftsbranchen
■ Risikobewertung Brasilien: Auswirkungen der Wahlen,Währungsstabilität, Bildungssystem
■ Argentinien: zurück auf Wachstumskurs?
■ Chile, Venezuela

und

Brasilien: Investitionen planen und erfolgreich umsetzen
■ Eigenheiten des brasilianischen Marktes
■ Finanzierungsmöglichkeiten und Personalsuche
■ Woran viele Firmen scheitern
■ Repatrierung von Gewinnen

25 November 2006

Kurioses und Interessantes über Brasilien

In Brasiliens Rathäusern waren 2005 38,8 % mehr Personen beschäftigt (womit?) als sechs Jahre zuvor, nämlich 4.767.602. So kann man auch die (wahl)versprochenen Arbeitsplätze schaffen, aber es hat nicht gereicht, um die 10.000.000 voll zu machen, die Lula vor seiner ersten Wahl als Ziel nannte.

Der Vergleich 1999 mit 2005 zeigt eine Zunahme des Zuganges zu digitale Medien, 2005 hatten bereits 46 % (+ 207 %) der Gemeinden Internetprovider und 55 % (+ 57 %) Läden für CDs und DVDs. Aber (es kommt immer ein aber) die Anzahl der Buchläden ist um 11,4 % zurückgegangen. 69 % der brasilianischen Städte haben keine Buchläden und ebenfalls keine Institutionen für "höhere (Schul-)Ausbildung", wobei nicht klar ist, ob die Städte in beiden Fällen identisch sind oder, wie es progressive deutsche Politiker sagen würden, ob die Schnittmenge 100 % beträgt. 91 % der Städte haben übrigens auch kein Kino.

Wenn ich schon bei Wahlversprechen bin, am 5. Oktober 2006 hat die Regierung noch 4 % BIP - Wachstum für 2006 angekündigt, am 31. waren es noch 3,7 % und am 24. November nur noch 3,2 %. Aber der Präsident wurde ja wiedergewählt, da kann man die Wahrheit anschließend ja scheibchenweise verkünden. Wieder ein Beispiel für die berühmte Salamitaktik. Die Nettoeinnahmen der Regierung werden 2006 wahrscheinlich 334,2 Mrd. R$ betragen und das Defizit der Sozialversicherung 42,14 Mrd. R$. Das scheint aber keinen aufzuregen, man ist in Brasilien das Schuldenmachen gewöhnt.

Gott sei Dank glaubt ThyssenKrupp an Brasilien bzw. an die privatisierte Cia. Vale do Rio Doce, von der sie in den nächsten fünfzehn Jahren 8 Mio. to Eisenerz für 7 Mrd. US$ beziehen wird. Bisher hat ThyssenKrupp bereits 15 Mio. to jährlich gekauft. Der neue Liefervertrag soll die Versorgung des neuen Stahlwerkes CSA sichern, sobald dieses die Stahlerzeugung aufnimmt, wird der gesamte Lieferumfang 23 Mio. to jährlich betragen. An der CSA in Rio de Janeiro sind sowohl ThyssenKrupp als auch Cia. Vale do Rio Doce beteiligt. Letztere Firma ist die zweitgrößte Minengesellschaft der Welt, aber der wiedergewählte Präsident Brasiliens hätte sie nicht privatisiert. Und ThyssenKrupp hätte dann wahrscheinlich in die Röhre geguckt, die nach dem Rückzug von Mannesmann jetzt von Valourec nahtlos produziert wird.

24 November 2006

Big Brother läßt grüßen

Datenschützern in Deutschland läuft es sicher kalt den Rücken herunter, wenn Sie lesen, daß Brasilien für alle Kfz eine elektronische Überwachung per "tag" einführt, die es erlaubt, den Standort und die Route eines Fahrzeuges ebenso zu überprüfen wie die Zahlung (in Brasilien eher das Gegenteil) der jährlichen Zulassungsgebühr und Pflichtversicherung sowie von Verkehrsstrafen.

17 November 2006

Standortsuche in Brasilien

Es gibt viele Kriterien, um sich für einen Standort zu entscheiden. Ein wichtiger Grund, eine bestimmte Region zu wählen, ist sicher die wirtschaftliche Aktivität in ihr. Der Norden Brasiliens z.B. steht für 5,3 % des BIP, Zentral-West-Brasilien für 7,5 %, der Nordosten für 14,1 %, der Süden für 18,2 % und der Südosten für 54,9 %. Zu letzterer Region gehört der Bundeststaat São Paulo, der alleine 30,9 % des brasilianischen BIP auf sich konzentriert. Alle Zahlen stammmen von 2004.

Aber die Verhältnisse ändern sich, denn 1985 wurden noch 36,1 % des BIP in São Paulo erzeugt und wenn man nur das industrielle BIP betrachtet, hat der Anteil São Paulos von 52,0 % auf 40,0 % abgenommen. Die Dezentralisierung ist also deutlich zu sehen und manifestiert sich z.B. in einem Ford - Montagewerk in Bahia, was Continental zum Anlaß nahm, dort seine Reifenfabrik zu bauen.

13 November 2006

AMS - Automatic Manifest System in Brasilien ab 1.12.06

Die brasilianische Steuerbehörde zusammen mit dem Zoll führt SISCOMEX CARGA oder kurz Siscarga ein, ein System, welches dem US-amerikanischen AMS abgeguckt wurde und ab 1.12.06 praktiziert werden soll. Für den deutschen Exporteur heißt dies, daß er ab diesem Datum folgende Daten angeben muß

- das Volumen des Exportes nach Brasilien in Kubikmetern
- die Mercosur-Zolltarifnummer NCM
- die Bundessteuernummer CNPJ des Empfängers / Kommissionärs

12 November 2006

Alan Garcia in Sao Paulo

Gestern war der peruanische Präsident, der von einem Flugzeug der brasilianischen Luftwaffe abgeholt wurde, in São Paulo und stieg just in dem Hotel ab, in dem ich einen Kunden besuchte. Hier sehen Sie, welch' respektvollen Abstand die Wähler halten müssen, wenn ein Gewählter ins Hotel fährt (der Wagen rechts ist von der Bundespolizei, das Hotel ist 100 m weiter vorne rechts):


Hier wird der Wagen des Präsidenten geparkt, ich mußte deshalb einige Minuten in meinem warten, was zu vielen Entschuldigungen des Hotelmanagers führte, der draußen die ganze Aktion überwachte:


Auf dem Weg zum Hotel wurde ich auch aufgehalten, denn die Polizei überprüfte Motorradfahrer auf Waffen. Wenn Sie genau hinsehen, merken Sie, wie diskret der eine Polizist seine Waffe mit einer Hand verdeckt (klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern):

Wechselkurs

Der Wechselkurs beginnt selbst unseren Präsidenten Lula zu beunruhigen. Die Hartwährungsreserven Brasiliens ereichen bereits 80 Mrd. US$ und keiner wagt zu sagen, wo der Kurs ohne dieses Polster wäre. Was ist Ihre Prognose? Hier die Entwicklung des € - R$ - Kurses der letzten 3 Monate und der letzten 5 Jahre als Hilfe:





Eins ist klar, wenn die Regierung die immense Binnenverschuldung abbauen will, braucht sie Geld. Und dies umsoweniger, je niedriger die Zinsen sind. Und mit niedrigen Zinsen kommen weniger US$ ins Land (wir sind trotz € in Brasilien immer noch ein Dollarland) und mit weniger US$ sinkt der Wert des Real. Und die Regierung muß die Zinsen senken, denn sie braucht Wachstum. Und der Präsident steht im Wort, auch wenn auf dieses nicht viele Brasilianer bauen würden.

Brasilien stellt (wieder mal) einen Rekord auf!

Kennen Sie den Weltbankbericht DOING BUSINESS IN 2006 - CREATING JOBS? Wenn nicht, hier finden Sie ihn: http://www.doingbusiness.org/documents/DoingBusines2006_fullreport.pdf

PricewaterhouseCoopers zeigt auf Basis dieses Berichtes, daß eine Firma in Brasilien 40 mal mehr Zeit aufwendet, als eine Firma in der Schweiz, um ihren Steuerverpflichtungen nachzukommen und 8 mal als im Weltdurchschnitt und 5 mal als im lateinamerikanischen Durchschnitt. Damit liegt Brasilien unter den 175 untersuchten Ländern auf dem Spitzenplatz. Das bedeutet, daß bei uns die längste Zeit für die Steuerbürokratie aufgewendet werden muß, auf solchen Rekord kann man wirklich stolz sein!

Kleine Firmen geben danach bis zu 1,7 % ihres Umsatzes für die mit der Zahlung der Steuern einhergehenden Bürokratie aus. Wie gut, daß es ab Mitte 2007 das SUPERSIMPLES - System gibt, was diesen Aufwand für unsere kleinen Firmen reduziert. Und 1,7 % ist m.E. nach ein geschönter Wert, sehe ich doch schon in meiner Firma, welch' Aufwand getrieben werden muß.

Ratschlag für ausländische Firmengründer in Brasilien, fragen Sie uns, wir kümmern uns um die Bürokratie ihres Geschäftes und die Firmengründer um das eigentliche Geschäft. Es lebe die Fremdvergabe, hier macht sie mal wirklich Sinn.

12.11.2006, 17:00 Zeitzone Brasilia: Kommunist übernimmt Präsidentschaft!

Marx und Engels werden heute um 17:00 (20:00 MEZ) in Brasília zitiert werden, wenn der Führer der kommunistischen Partei Brasiliens und Präsident des Abgeordnetenhauses Aldo Rebelo (nomen est omen) von Lula die Präsidentschaft übernimmt. Allerdings nur bis Montagabend, wenn der gewählte und wiedergewählte Präsident von seiner Reise nach Caracas zurückkehrt, die er direkt nach der Amtsübergabe antritt, denn er muß sich ja wohl bei seinem ideologischem Chef Chaves melden. Denn sein Vize ist in den USA, um sich dort behandeln zu lassen (obwohl Lula im Wahlkampf immer wieder darauf hinwies, wie gut unser Gesundheitssystem sei) und in Brasilien muß der jeweilige Präsident sein Amt an den Vize und bei dessen Abwesenheit an den Chef des Abgeordnetenhauses temporär übergeben, wenn er ins Ausland reist. Dieser Anachronismus stammt wahrscheinlich noch aus der Segelschiff- und Postkutschenzeit und führt jetzt dazu, daß ein waschechter Kommunist brasilianischer Präsident wird. Die Generäle, die dies als nicht gewählte Präsidenten zu verhindern wußten, werden sich im Grabe umdrehen! Aber es spricht für unsere Demokratie, daß ein solcher Vorgang (die Übernahme, nicht das Umdrehen) normal ist, obwohl erst zwei zivile Präsidenten in Brasilien vom Volk gewählt wurden und ihre Amtsinsignien an den ebenfalls gewählten Nachfolger übergaben. Dieses Kunststück gelang in den letzten 80 Jahren nämlich nur Jucelino Kubitschek und Fernando Henrique Cardoso. Nicht ganz so normal ist die Tatsache, daß die erste Dame des Landes die italienische Staatsbürgerschaft beantragte und erhielt, um "die Zukunft ihrer Kinder zu sichern". Was weiß sie von ihrem Mann, was wir nicht wissen?