Dieses Blog durchsuchen

Wird geladen...

29 Januar 2007

Wachstumsaussichten für 2007: Brasiliens BIP wird um 3,5 % zunehmen

Das glaubt jedenfalls "der Finanzmarkt" laut Wochenbericht der Zentralbank. Der Wert von 3,5 % hält sich jetzt schon 22 Wochen und die Befragten änderten ihre Meinung auch nicht wegen des PAC - Programmes, welches ein Wachstum von mindestens 4,5 % ermöglichen soll.

Der Mittelwert aus diesen wöchentlichen Befragungen der Zentralbank für das BIP des Vorjahres liegt, ebenfalls unverändert, bei 2,73 %.

Das Einzige, was stieg, war die Prognose für den Leitzins, die jetzt für das Ende des laufenden Jahres bei 11,75 %/a liegt, vorher betrug die Vorhersage 11,5 %/a. Die letzte Leitzinsreduzierung auf 13 %/a betrug nur 0,25 %-Punkte anstelle der erwarteten 0,5 %-Punkte, das veranlaßte die Befragten zur Vorsicht.

Die Prognose für die diesjährige Inflation, gemessen am IPCA-Index, ist zur Zeit 4,09 %/a, der vorige Wert betrug 4,07 %/a. Das Ziel der Regierung ist es, 4,5 %/a nicht zu überschreiten.

Die Vorhersagen für 2007 zur Handelsbilanz glauben an einen Überschuß von 39 Mrd. US$.

Abgesehen vom Leitzins sind dies alles sehr günstigen Werte für unsere Verhältnisse und der Leitzins sollte nicht überbewertet werden, denn der Spread könnte schon heute viel niedriger sein und die Kredite damit wesentlich verbilligen.

28 Januar 2007

Was halten die Brasilianer vom Programa de Aceleração do Crescimento (PAC) ihrer Regierung?

Der Erfolg des Programmes der Regierung Lula zur Beschleunigung des Wachstums wurde am 23.1.07 von 4201 Befragten (siehe http://noticias.uol.com.br/uolnews/enquetes/economia.jhtm?id=920#r) so eingeschätzt (in Klammern die Werte vom 28.1.07 von 7895 Befragten) :

30,90 (29,51) % Das Programm wird harmlos / unschädlich sein und die brasilianische Wirtschaft bleibt wie sie ist
19,78 (21,05) % Es ist zu früh, um ein Urteil abzugeben
19,16 (18,78) % Das Programm wird Erfolg haben und die brasilianische Wirtschaft wird mindestens 5 % im Jahr wachsen
18,23 (18,70) % Das Programm wird relativ erfolgreich sein und die brasilianische Wirtschaft wird wachsen, aber nicht das Ziel von 5 % im Jahr erreichen
11,93 (11,96) % Das Programm wird ein Reinfall werden und die brasilianische Wirtschaft wird nur langsamer wachsen

Über das PAC - Programm selbst werde ich ausführlich auf der Internationalen ZFU - Tagung über Zukunfts- und Wachstumsmärkte am 24. und 25. April 2007 in der Schweiz sprechen, das Tagungsprogramm können Sie unter http://www.eurolatinainternational.com.br/Deutsch/Homepage/zuw.pdf herunterladen, die Überschrift dieses Beitrages ist damit verlinkt.

Fremdsprachengebrauch unter Strafe

Natürlich dürfen Sie in Brasilien weiterhin Deutsch sprechen und schreiben, obwohl dies auch schon mal verboten war. Aber Sie dürfen keine Anzeige veröffentlichen, die ein nicht übersetztes Wort einer Fremdsprache benutzt, wenn diese Anzeige ein Angebot an einen Kunden enthält. Und die Übersetzung darf sich nicht wie Versicherungsbedingungen hinter Kleinstbuchstaben verbergen, sondern muß in der selben Aufmachung wie das fremdsprachliche Wort gezeigt werden. Das gilt provisorisch seit Mitte Januar für ganz Brasilien. Also Schluß mit "30 % Off!" und ähnlichem Unsinn. Ob die Schilder an den Bäumen "Garage Sale" mit der portugiesischen Erklärung "Familie zieht um, verkauft alles" auch verschwinden werden?

China plant Invasion Brasiliens?

Keine Angst, ich schließe nicht an den vorherigen Beitrag an und es handelt sich auch nicht um eine militärische Invasion, sondern um eine ökonomische. Der größte chinesische Kfz-Hersteller, Chery Automobile, kündigte nämlich am 23.1.07 an, drei neue Fabriken im Ausland bauen zu wollen, eine davon in Lateinamerika. Über Partnerschaften ist der Autobauer bereits in Brasilien, Ägypten, Iran, Malaisia, Rußland und Ukraine tätig. Im Vorjahr hatte die Firma im Ausland 50.000 Fahrzeuge abgesetzt, dieses Jahre sollen es 70.000 werden. 2006 hat China insgesamt 340.000 Fahrzeuge exportiert. Chery plant dieses Jahr, 393.000 Fahrzeuge (Vorjahr 305.000) zu verkaufen und 2010 dann eine Million. 2007 will man sieben neue Modelle auf den Markt bringen. Neben Chery wollen die anderen chinesischen Autobauer Geely Automobile, Great Wall Motors und First Automotive Works ebenfalls Fabriken im Ausland errichten.

Brasilien, ziehe dich warm an!

Fürchtet Lateinamerika einen Krieg?

Hugo Chávez malt manchmal das Schreckgespenst einer US-Invasion Venezuelas an die Wand und manche ultranationalistischen Brasilianer fürchten, daß die Yankees ihnen den Amazonasurwald wegnehmen werden. Aber "reale und augenblickliche" Krisenherde, die ein Aufrüsten der Lateinamerikaner rechtfertigen würden, sind eigentlich selbst am weiten Horizont nicht sichtbar.

Trotzdem wird Venezuela für anfänglich 290 Mio. US$ russische Boden-Luft-Raketen Tor-M1 kaufen, offiziell letzten Donnerstag von Verteidigungsminister Raul Baduel bekanntgegeben. Vorher hatte Venezuela sich schon mit chinesischen Radarstationen und 24 russischen Sukhoi-30 - Jägern eingedeckt.

Chile kaufte für 45 Mio. US$ 20 US-amerikanische Harpoon - Raketen.

Brasilien rüstet französische Exocet - Raketen um und prüft das russisch - indische Angebot, Luft - Boden- und Boden - Boden - Raketen von BraHmos Areospace für 1,4 Mio. US$ pro Stück zu kaufen. Die brasilianische Avibrás Aeroespacial hat die cruise - Rakete AV/MT entwickelt und erfolgreich getestet, es fehlt nur noch der Beschaffungsauftrag der Regierung.

Argentinien und Kolumbien prüfen zur Zeit ähnliche Waffensysteme, die Regierung in Bogotá hält dafür anfänglich 10 Mio. US$ bereit, aus Buenos Aires hört man keine Zahlen. Die kolumbianische Luftwaffe bestückt die 25 Supertucanos, die man 2005 von Brasilien gekauft hat, mit intelligenten lasergeführten 900 kg - Bomben.

Hinweise an die Politiker dieser Länder, wofür wirklich Geld ausgegeben werden sollte, fruchten sicher nicht, dazu ist das Rüstungsgeschäft zu einträglich.

Das soziale Netz in Brasilien und seine Auswirkungen

Meine kürzlichen Ausführungen über die Auswirkungen der populistischen "Wohltaten" unseres Präsidenten und seiner Regierungsmannschaft sind in Sachsen nicht nur auf Kritik, sondern auch auf Unglauben gestoßen, obwohl mir die genannten Zahlen von einem altgedienten brasilianischen Diplomaten und Unternehmer genannt wurden, der Brasilien sicher besser kennt als ein deutscher Kritiker, der hier für ein Jahr gelebt hat. Ich bin zwar erst 1978 in Brasilien angekommen, habe aber auch schon einige Erfahrung sammeln können. Diese erlaubt mir z.B. Zeitungen auf Portugiesisch zu lesen und da fand ich heute (Estado de São Paulo, 28.1.2007, Seite 2, Artikel "Ein ewiger Wiederanfang" von Prof. Gaudêncio Torquato) folgende Zeilen:

"... zwischenzeitlich überdecken die Wunden die soziale Matraze, auf deren Auffüllung Lula besteht, um gute Wählerstimmen zu garantieren. Wer z.B. durch das Landesinnere im Nordosten reist, erschreckt sich über die Vermehrung des "vale-bucho" (meine freie Übersetzung: Bauchgutschein), volkstümlicher Name für das Mutterschaftsgeld, ca. 1.450 R$, während vier Monaten an die Mütter gezahlt. Diese Wohltat, verglichen mit dem Tageslohn eines landwirtschaftlichen Arbeiters (10 R$), reizt zur Schwangerschaft. Familien mit 5 Kindern sind an der Tagesordnung. Ein Verbrechen: Die künftige Nachkommenschaft wird, sogar als commodity, für den Erwerb materieller Güter benutzt. Genau das, künftige Babys werden als Garantie für Kredite benutzt ..."

Also, was Brasilien dringend braucht, ist eine gute breitangelegte Ausbildung auf Grundschulniveau, ein für jeden Brasilianer zugängliches vorzügliches Gesundheitssystem und eine ausreichende Rente, den Rest kann man getrost der Privatinitiative überlassen. Geld verteilen ohne sich über die Herkunft Gedanken zu machen, war schon immer eine Domäne der Linken, siehe heute Hugo Chávez in Venezuela und leider auch immer mehr die Arbeiterparteiregierung Brasiliens.

11 Januar 2007

Es lebe die SOZIALE BUNDESREPUBLIK BRASILIEN...

... hoffentlich nicht als Nachahmerin der anscheinend ausgerufenen SOZIALISTISCHEN REPUBLIK VENEZUELA mit einem Dauerpräsidenten Chavez! Warum sage ich dies? Heute erreichte mich die Nachricht, daß der Hausmeister eines Wohnhochhauses in Natal (Rio Grande do Norte) um seine Entlassung gebeten hat. Nicht außergewöhnlich in einem Land, in dem ein fristgerecht entlassener Arbeitnehmer seinen "Fundo de Garantia" ausbezahlt bekommt, wobei der "reiche" Arbeitgeber 40 % Strafe auf diese Summe zahlen muß (wegen der Ungerechtigkeit, die Entlassung ausgesprochen zu haben) und weitere 10 %, weil die Regierung das Entlassen an sich (noch) schwieriger bzw. teurer machen will. Aber dieser Geldsegen war nicht der Grund, um Entlassung nachzusuchen (wohlgemerkt, kündigen wollte der Hausmeister nicht, denn dann bekäme er seinen "Fundo de Garantia" nicht, der 8 % seiner monatlichen Bezüge ausmacht, die jeden Monat auf ein Sperrkonto gehen), sondern die schlichte Tatsache, daß er lieber dem Steuerzahler auf der Tasche liegen wollte, als zu arbeiten.

Hier seine Monatsrechnung:

Für 3 Kinder je 175 R$ Schulgeld = 525 R$
Bürgerkarte (Cartão cidadão) = 350 R$
Gasgutschein = 70 R$
Transportgutschein (in seinem Fall 4 Fahrten täglich geschätzt), 8 R$/Tag x 20 Tage = 160 R$
Essensgutschein, 3,50 R$/Tag x 30 Tage x 5 Personen (er, seine Frau und 3 Kinder) = 525 R$

SUMME = 1.630 R$ (heute ca. 582 €)

Heute verdient diese arme ausgebeutete Mann 830 R$, was seinen Arbeitgeber ca. das Doppelte kostet. Künftig gehört er, der Hausmeister, nicht der Arbeitgeber, zu den Ausbeutern und der Steuerzahler bleibt auf der Strecke. Übrigens sind Löhne und Gehälter (da gibt es keinen Unterschied in Brasilien, hier sind alle "trabalhadores") bis zu 1.257,12 R$/Monat von der Einkommensteuer befreit.

Jetzt raten Sie mal, wieso unser neuer alter Präsident vor allem mit den Stimmen der im armen Norden lebenden Brasilianer wiedergewählt wurde?

03 Januar 2007

2009 ist das Jahr der Naturfaser

Was haben der Hauptmann von Köpenick und Freddy Quinn gemeinsam? Der Hauptmann von Köpenick floch Fußmatten aus Sisal und Freddy Quinn besang weiße Segelschiffe, die mit Sicherheit Sisaltaue verwendeten, um nach Hong Kong zu gelangen. Und was hat das mit Brasilien, meinem Dauerthema, zu tun?

Meine Wahlheimat ist der weltgrößte Sisalproduzent mit einem Anteil von 50 % an der planetaren Produktion, die 400.000 to im Jahr beträgt. Das Sisalgeschäft sorgt in Brasilien für 700.000 direkt und indirekt Beschäftigte in 74 Gemeinden und Städten, wobei sich die Produktion zu 95 % auf den Bundesstaat Bahia konzentriert. Die Hauptimporteure sind die USA, Deutschland, Japan, Frankreich und China.

Das Geschäft wird durch die Aufnahme von Sisal in die Gruppe der Naturfasern, die 2009 aufgrund eines UNO-Beschlusses besonders gefördert werden sollen, sicher noch ausgeweitet. Zu dieser Gruppe gehören auch Baumwolle, Schurwolle, Jute, Leinen, Seide und Kokusfasern. Auskünfte in Brasilien geben Apex-Brasil und Sindifibras.

Diese Zeilen wurden von mir

hier und wie Sie unschwer an meiner Mütze erkennen können, auf einem iBook von Apple geschrieben:

Aber ab 8.1.2007 erleben Sie mich wieder mit Krawatte im Büro, wenn dies Ihnen ein Trost ist!