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31 August 2008

NRW-AUWI-Tag den BRIC-Staaten gewidmet

Noch gut zwei Wochen und in Essen findet am 16.9.2008 der nordrheinwestfälische Außenwirtschaftstag statt, der den BRIC-Staaten gewidmet ist. Rechtzeitig zur Einstimmung fand ich folgenden Artikel in der WELT, der vor allem die sehr positive Situation Brasiliens herausstreicht:

Brasilien: Anleger schauen zuerst auf Rohstoffpreise
31. August 2008, 02:13 Uhr
Von den vier BRIC-Ländern steht Brasilien zurzeit am besten da. Das Land am Zuckerhut profitierte lange von einer äußerst seriösen Finanzpolitik seiner Regierung und vom bis Mitte des Jahres rasanten Anstieg der Rohstoffpreise. Das Ergebnis ließ sich am Aktienmarkt ablesen: Seit 2003 hatte sich der brasilianische Index Bovespa zeitweilig verfünffacht. Ganz allerdings kann sich das südamerikanische Land von fallenden Rohstoffpreisen und Finanzkrise dann doch nicht abkoppeln. Seit Jahresanfang liegt das Börsenbarometer mit gut zehn Prozent im Minus. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktien-Index Dax büßte im selben Zeitraum etwa 20 Prozent ein.

"Brasilien hat seine Hausaufgaben gemacht und steht heute deutlich stabiler da als früher", sagt Rainer Schäfer, Schwellenländerexperte bei Allianz Dresdner Economic Research. So hat das Land sein traditionelles Inflationsproblem in den Griff bekommen. Die Teuerungsrate liegt unter fünf Prozent. Das Wachstum für das vergangene Jahr lag bei 5,4 Prozent, für 2008 liegen die Schätzungen bei fünf Prozent. Auch soziale Probleme haben sich durch Regierungsprogramme reduziert: Die Zahl der Armen hat sich seit dem Amtsantritt des Präsident Lula da Silva 2003 um etwa ein Drittel verringert.

Ob der von wenigen Großunternehmen dominierte Bovespa seine beeindruckende Entwicklung wieder aufnehmen kann, hängt auch davon ab, wie sich die Rohstoffpreise entwickeln werden. Denn ob Öl, Soja, Eisenerz, Kaffee oder Zucker: Brasilien profitiert auf breiter Front von steigenden Notierungen am Weltmarkt. Doch das Land hat sich im Zuge der Anstrengungen der vergangenen Jahre breiter aufgestellt und verfügt mittlerweile neben einem ausgeprägten Industriesektor auch über eine breite Palette an Dienstleistungsunternehmen. Mittelfristig jedenfalls sind Analysten für Brasilien überwiegend positiv gestimmt.

30 August 2008

BIP-Wachstum Brasilien (%) und der "Rest der Welt" bis 2009

Wieviele Brasilianer gibt es?

Laut IBGE waren es am 1. Juli 2008 genau 189.612.814 Menschen, die sich glücklich fühlen dürfen, Brasilianer zu sein. Sie bewohnen 5.565 Gemeinden ganz unterschiedlicher Grösse. Hier die Spitzenreiter mit Angabe der offiziellen Einwohnerzahl:
  1. São Paulo: 10,99 Mio. (nur die Stadt, Groß-São Paulo hat. ca. 20 Mio. Einwohner)
  2. Rio de Janeiro: 6,16
  3. Salvador: 2,95
  4. Brasília: 2,56
  5. Fortaleza: 2,47
  6. Belo Horizonte: 2,43
  7. Curitiba: 1,82
  8. Manaus: 1,71
  9. Recife: 1,55
  10. Porto Alegre: 1,43
Auf der anderen Seite steht als Schlusslicht die kleinste Gemeinde Brasiliens, Borá im Bundesstaat São Paulo hat nur 834 Einwohner. Weniger als tausend Einwohner hat nur eine weitere Gemeinde, Serra da Saudade in Minas Gerais.

Die brasilianische Bevölkerung wächst zur Zeit nur noch mit 1,3 % jährlich, was im Mittel 2 Kinder pro Brasilianerin bedeutet. In Europa kommen auf eine Frau nur 1,1 Kinder. Eine demografische Projektion zeigt in 30 Jahren ein Brasilien mit einer nicht mehr wachsenden Bevölkerung von 22o Mio. Menschen.

Be happy - Sei glücklich!

Das brauchen Sie einem Brasilianer nicht zu sagen. Er ist es, wenn auch vielleicht nicht unbedingt jetzt und hier, aber später und dort. Das merkt man an der ständigen Bereitschaft zum Lächeln und an der Antwort auf ein "Wie geht's? - Como vai?", die von "Beleza - Schönheit" über "Tudo bem - Alles gut" bis hin zum nicht mehr zu übertreffenden "Tudo ótimo - Alles optimal" reicht. In Blumenau sagt man übrigens auch "Tudo azul - Alles blau!". 

Der schönste Begrüssungsdialog zwischen zwei Brasilianern ist sicher dieser:
"Tudo bom?" - "Alles in Ordnung?"
"Tudo bem!" - "Alles ok!"
"Então 'ta bom!" - "Dann ist es ja gut!"

Aber es gibt immer Leute, die sich nicht auf ihren ersten Eindruck verlassen, sie wollen es genau wissen und schicken andere Leute los, um ihren Mitmenschen Fragen zu stellen. Das hat das Gallup-Institut unter der Koordinierung von Marcelo Neri von der Fundação Getulio Vargas, unserer renommierten Wirtschaftshochschule, gemacht. Die Ergebnisse der Umfrage werden jetzt am Dienstag veröffentlicht. Danach ist der Brasilianer von 132 Völkern der Erde der glücklichste Mensch -  was die Zukunft betrifft. Was bestätigt, dass Brasilien ein Land der Zukunft ist, wie es schon so oft kolportiert wurde. Und tatsächlich ist es der Brasilianer, der in seiner Erwartung auf die Zukunft der nächsten fünf Jahre alle anderen Völker hinter sich lässt und sogar die glücklichen Dänen mit ihren glücklichen Kühen (Keine Kommentare bitte, ich weiss, die sind mehr im Allgäu zu finden! Aber die dänische Butter wird ja schliesslich nicht aus importierter Milch gemacht.) entthront und auf Platz 3 verweist. Auf einer Skala von 0 bis 10 zur Einschätzung der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben in 2012 erreichte der Brasilianer 2007 den Wert 8,4 - mehr als alle anderen dieser Welt. 

Übrigens räumt die Studie auch mit dem Vorurteil auf, das Geld nicht glücklich mache. Mit jeder Einkommensverdoppelung steigt danach das Glücksgefühl, d.h. die Zufriedenheit mit dem Leben, um 15 %. Das sollten Chefs nicht zu ernst nehmen, eine gewährte Gehaltserhöhung macht zwar den Empfänger glücklich, aber nach anderen Untersuchungen nicht sehr lange.

Bei ZF ist man dieser Tage auch glücklich; warum, können Sie in der Schwäbischen Zeitung (wo sonst?) lesen! 

22 August 2008

Wie sich Kleinfritzchen die Geschäftsreise seines Chefs nach Brasilien vorstellt







Dass die Wirklichkeit ganz anders aussieht, kann mir jeder Exportleiter bestätigen, der (sehr) früh aufsteht, den Tag im Auto, im Flugzeug und in Konferenzräumen verbringt und abends mit Kunden ausgehen und zwischendrin und anschliessend noch Zeit finden muss, um Angebote und Berichte zu schreiben und seine E-Mails zu beantworten. Mein hier abgelichteter Freund Volker Niemann kann ein Lied davon singen. Dafür ist seine Anlagenbaufirma AMS aber auch sehr erfolgreich, der Einsatz rund um die Uhr hat sich für ihn und seine Firma ausgezahlt. 

€-R$-Berg-und-Talfahrt am Ende (?) und es boomt!


Beim €-Kurs sieht es z.Z. aus wie bei der Börse, an der viele brasilianische Firmen an Wert eingebüßt haben. Gut für gierige Heuschrecken und seriöse Anleger, die ein Schnäppchen machen wollen.

Rechts sehen Sie die Kursentwicklung des € zum R$ der letzten 5 Jahre, der letzten 12 und der letzten 3 Monate. Seit einem Jahr zeigte der Kurs ein zyklisches Verhalten, welches jetzt überdeutlich abbrach. Seit Wochen bleibt der eigentlich erwartete Wertzuwachs des € aus und es bleibt die Frage offen, ob der € gegenüber dem R$ weiterhin an Wert verliert, sich auf ein Niveau unterhalb von 2,30 R$ stabilisiert oder wieder an Wert gewinnt. Eine Voraussage will ich nicht wagen, dafür hängt das Geschehen  zu sehr von der US$ - € - Entwicklung ab und u.a. davon, wie sich das Verhältnis USA - Rußland - Nato entwickelt. 

Aber ich kann eine Aussage zu einer Auswirkung des starken R$ machen: Brasilianische Firmen jeder Größe investieren kräftig. In den letzten Wochen seit meiner Rückkehr aus Europa war ich ununterbrochen mit Kunden in Brasilien unterwegs, um brasilianische Firmen zu besuchen. U.a. besuchte ich dabei eine kleine Messe mit nur sieben Ausstellern in Belo Horizonte, die meinem deutschen Kunden mehrere Anfragen nach seinen Maschinen bescherte. Dabei ging es um Umweltschutz und Erosionsvermeidung. Ein andere Firma war mit mir in Santa Catarina und São Paulo und erhielt ebenfalls mehrere Anfragen für Imprägnieranlagen. Eine ist für ein grosses neues Werk einer Firma bestimmt, die Zentrifugen für die Zuckerrohrverarbeitung herstellt. Zwei solcher Imprägnieranlagen baut mein Besucher bereits für einen hiesigen Kunden. Ein weiterer Kunde besuchte mit mir Werften in Santa Catarina, São Paulo und Rio de Janeiro und auch hier gab es Investitionen in Form von Yachten zu sehen, deren Wert in einigen Fällen 20 Mio. US$ erreichte. Bei diesen Besuchen sah ich in Timbó eine nagelneue Elektromotorenfabrik mit importierten Maschinen, darunter eine teure Laserblechbearbeitungsmaschine. Nächste Woche bin ich mit einem Mitglied des Firmenpools der IHK Essen unterwegs zu Autoteilehändlern, welches den Ersatzteilmarkt in Brasilien über lokale Händler besser erschließen will. Er stellt Dieselmotorkomponenten her und verspricht sich ein gutes Geschäft wegen des stark steigenden Absatzes von LKWs, die u.a. für den Transport der erwarteten Rekordernte benötigt werden. 

Vielen dieser brasilianischen Firmen wird von uns eine Finanzierung angeboten, um unseren Kunden das Geschäft zu erleichtern. Aber oft wird uns stolz gesagt, dass man eine solche nicht benötige, weil man soviel flüssige Mittel habe, dass man alle Einkäufe, auch grössere Investitionen, aus Eigenmitteln bestreiten könne. 

Das animiert vermehrt deutsche Firmen, sich in Brasilien niederzulassen, sei es über Neugründungen oder über Firmenkäufe. Dieser Trend ist nach meiner persönlichen Erfahrung zunehmend, trotz (oder wegen) China und Indien. Brasilien ist eben doch berechenbarer, kulturell näher und wächst auch, zwar nicht so stark, aber stetig. 




21 August 2008

Deutsch-Brasilianische Wirtschaftstage 2008 in Köln

Pressemitteilung des BDI vom 21.8.08:

Mit ihrer diesjährigen Lateinamerika-Reise hat Bundeskanzlerin Merkel die Bedeutung der Region für die deutsche Wirtschaft erneut hervorgehoben. In Brasilien machte sie gleich zwei Mal Station. Mit ca. 190 Mio. Einwohnern und einem stabil wachsenden BIP von über 1,3 Mrd. USD (2007) zählt das Land zu den großen emerging economies (BRICs). Der Investitionsbedarf in Brasilien ist groß. Eine stabile Wirtschafts- und Finanzpolitik und nicht zuletzt der jüngst verliehene Investment-Grade lassen auch in Zukunft umfangreiche Investitionen in Brasilien erwarten. Bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Lula sollen ca. 200 Mrd. € allein in die Infrastruktur investiert werden. Das Land ist aber nicht nur wichtigster Handels- und Investitionspartner in der Region, sondern gilt auch in globalen Fragen als strategischer Partner Deutschlands.

Seit über 25 Jahren organisieren der BDI und sein brasilianischer Counterpart CNI die Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage. Die diesjährige Konferenz findet unter dem Motto „Mobilität, Energiesicherheit und Klimaschutz – Herausforderungen für Wirtschaft und Politik“ vom 24. bis 26. August 2008 in Köln statt. Im letzten Jahr eröffnete Staatspräsident Lula da Silva die Konferenz im brasilianischen Blumenau. Der brasilianische Wirtschaftminister Miguel Jorge hat für die diesjährige Konferenz zugesagt. Thematischer Schwerpunkt in diesem Jahr ist der Beitrag der Industrie bzw. der Umwelttechnologie zur Sicherung von Mobilität und nachhaltiger Produktion. Die Workshops behandeln die Bereiche Energiesicherheit, Bioenergie, Automobilindustrie, chemische und pharmazeutische Industrie, Technologie und Infrastruktur sowie die Umsetzungspläne der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Vor dem Hintergrund der herausragenden Bedeutung von Bildung, Forschung und Entwicklung wird sich ein Innovationsforum mit bilateraler Kooperation in diesem Bereich beschäftigen. Die Erfolge einzelner Projekte deutsch-brasilianischer Zusammenarbeit werden vorgestellt und darüber hinaus neuer Forschungsbedarf diskutiert.


Die FAZ schreibt dazu am 17.8.08 in der Sonntagsausgabe unter dem Titel BLICK NACH BRASILIEN: Vor allem mittelständische Unternehmen sind von ihrem Engagement in China eher enttäuscht. Ihr Blick wendet sich von fernost immer öfter nach Brasilien. Das südamerikanische Land hat die längste Wachstumsperiode seiner Geschichte - und ein Ende ist nicht in Sicht. Anders als in China sind Menschenrechte, Demokratie und Rechtssicherheit in Brasilien keine Fremdworte. Da passt es, dass der Bundesverband der Deutschen Industrie am Sonntag seine deutsch-brasiliansichen Wirtschaftstage in Köln eröffnet. Der Trend weist immer stärker nach Lateinamerika.

Am 16.9.08 findet der NRW-Außenwirtschaftstag in Essen statt, der dieses Jahr den BRIC-Staaten gewidmet ist. Anläßlich dieser Veranstaltung berate ich wieder kostenlos Brasilieninteressenten in Essen (15. - 17.9.) und in Stuttgart (18. -19.9.), jeweils in der IHK oder auf Anfrage auch in Firmen.

12 August 2008

Modern & Antik

In São Paulo können Sie alles nebeneinander haben. Hier zum Beispiel ein schickes und großzügiges Foyer, aber nicht das eines Luxushotels, sondern des Albert - Einstein - Krankenhauses:
Diese moderne Pizzeria mit traditionellem Ofen finden Sie ebenfalls im Albert - Einstein - Krankenhaus:
Und hier ein echter Retrolook auf dem Weg zum Krankenhaus, ein Buick aus dem Jahr 1956:

Diebstähle im Vierminutentakt

In der gleichnamigen Hauptstadt des Bundesstaates São Paulo wird alle vier Minuten ein Diebstahl verübt - dabei sind die Autodiebstähle noch nicht mitgezählt! Per Juni 2008 waren es laut Polizeistatistik 75.944 Fälle, d.h. 417 pro Tag oder 17 pro Stunde. Wenn man die bekannten, d.h. zur Anzeige gebrachten Fälle der letzten acht Jahre addiert, kommt man auf 1.200.000 Diebstähle! In 2000 wurden 107.555 Fälle bekannt, 2005 waren es dann schon 176.181 Diebstähle und 2007 "nur" noch 148.305. Die Prognose für das laufende Jahr liegt bei über 140.000. Interessant ist, dass die Zunahme der Diebstähle mit der Verbesserung der Lebensumstände in Verbindung gebracht wird, nach dem Motto "die Leute haben mehr (und zeigen es), das muss man ihnen wegnehmen". Also macht Gelegenheit wirklich Diebe? Zumindest im Zentrum von São Paulo mit seinen Menschenmassen, in denen professionelle Diebe leicht Beute machen und dann unerkannt untertauchen können. Also Vorsicht vor allem mit Laptops, Mobiltelefonen und teuren Assessoires, die leicht an Hehler weiter verkauft werden können - weit unter dem Wert, den der Eigentümer dafür gezahlt hat.

10 August 2008

Brasiliens Wirtschaft setzt auf Wachstum und investiert

Alle sprechen von Lebensmittelknappheit. Brasiliens größter Minenbetreiber VALE belässt es nicht beim Reden, sondern handelt. Denn wenn man die Lebensmittelknappheit vermeiden will, muss von den Landwirten mehr angebaut werden und dazu braucht man dann sicherlich auch Düngemittel, die Phosphat und Pottasche enthalten, die Vale liefern will. Dazu guckt die Firma über den Tellerrand und sucht nach Abbaumöglichkeiten u.a. in Argentinien, Mozambique und Angola. In Peru, schreibt der „Estado de São Paulo“, wird Vale 479 Mio. US$ investieren, um 3,9 Mio. Tonnen Phosphat jährlich zu fördern. Die Mine wurde bereits 2005 gekauft und soll ab 2010 produzieren.

Vale hat die Finger übrigens in vielen Geschäften, u.a. versucht man, Naturgas zu finden und bohrt schon eifrig nach diesem Energieträger.

Als Düngemittelkäufer könnte bei Vale die Mitsui (japanisch), CHS Inc. (US amerikanisch) und PMG Trading (brasilianisch) gehörende MULTIGRAIN auftreten. Die Firma wird in Bahia in einem 120.000 Hektar großem Komplex für 350 Mio. US$ eine Ethanolfabrik bauen, die drei Jahre nach Baubeginn eine Verarbeitungskapazität von 3,5 Mio. Tonnen Zuckerrohr im Jahr erreichen soll. Laut UNICA - União da Agroindústria Canavieira sollen bis 2011 in Brasilien 90 neue Zuckerraffinerien zur Ethanolgewinnung in Betrieb genommen werden. Der augenblickliche Verbrauch liegt bei über 20 Mrd. Litern jährlich (+ 19 %). Der Export soll gegenüber dem Vorjahr von 4,5 auf 5 Mrd. Litern steigen.

Damit es keine Transportmittelknappheit gibt, investieren Volkswagen und Mercedes Benz in ihr Lastwagengeschäft. VW will 2018 im Jahr 150.000 Lkw bauen, 19 % dafür sollen in die anderen BRIC-Staaten exportiert werden. Ab September 2008 fährt man bereits im Dreischichtbetrieb, dazu wurden 1.300 neue Mitarbeiter eingestellt. Bei den Lkw über 5 to hat VW in Brasilien einen Marktanteil von 31,4 %. Die Lkw-Fabrik wird in den nächsten 10 Jahren 2 Mrd. R$ Investitionen empfangen. MERCEDES BENZ will dem nicht nachstehen und kündigte Investitionen von 500 Mio. US$ im ABC - Gebiet (Santo André, São Bernado und São Caetano an der Peripherie von São Paulo) an. Damit soll u.a. ein Logistikzentrum in Diadema eröffnet und die Lkw-Produktion um 25 % gesteigert werden.

Brasilien wird dieses Jahr bereits der sechstgrößte Kfz-Hersteller weltweit sein und denkt schon an den vierten Platz. Die meisten deutschen Zulieferer haben dies vorausgeahnt und sind schon hier. Wer noch kommen will, sollte sich beeilen, die vordersten Plätze sind nämlich schon besetzt, einige davon mehr als 50 Jahre lang.

08 August 2008

Ungebremste Talfahrt des Euro in Brasilien?

Jetzt fragt man sich langsam, wohin die Reise geht. Der 8.8.08 ist wohl nicht für jeden ein Glückstag, höchstens für die Chinesen. Der Euro knickte heute bereits gegenüber dem US-Dollar ein und wer weiß, ob mit 1 € = 2,3545 R$ das Ende der Fahnenstange erreicht ist? Viele Expatriates fragen mich, weil etliche davon Euro verdienen und zurecht besorgt sind, denn wer verliert schon gerne mehr als ein Drittel seiner Bezüge in weniger als drei Jahren? Und bei der Lufthansa wird gestreikt! Sorgen habe die Leute...

Eigentliche Ursache der Euroschwäche ist der Leitzins, in Europa unverändert niedrig, in Brasilien mit wieder steigender Tendenz. Dabei wird aus Brasilien viel Geld abgezogen, die Multis überweisen Rekordgewinne an ihre Mütter. Dies trug zum Rekorddefizit der Zahlungsbilanz Brasiliens der ersten sechs Monate 2008 von 17,402 Mrd. US$ bei.

Der Dollar stieg nicht nur gegenüber dem Euro, auch in Brasilien wuchs sein Wert gegenüber dem Real an fünf aufeinanderfolgenden Tagen und erreichte heute 1,609 R$, eine Aufwertung von 3,01 % in dieser Woche. Die Commodity-Preise fielen deshalb, was für Brasilien schlecht ist, exportieren wir doch hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte und Erze bzw. die daraus gewonnenen Metalle. Eine Vorhersage wagt noch niemand, die Experten warten ab, ob sich der Aufwärtstrend des Dollars und der Abwärtstrend der Commodities bestätigt. Letzte Meldung dazu: Die brasilianische Zentralbank kaufte heute Dollars zuletzt für 1,6113 R$ und der Euro schloss mit 2,4174 R$. 
 
Der Leitzins Brasiliens beträgt z.Z. 13 %, damit soll einer drohenden Inflationssteigerung vorgebeugt werden.  Das BIP wird den neuesten Prognosen zufolge dieses Jahr um 4,9 bis 5,0 % wachsen, 2007 waren es 5,4 %.
 

06 August 2008

Gruselige Zahlen

Unter dieser Überschrift kann man heute in der FAZ diesen Artikel lesen:

"06. August 2008: Der Auftragsrückgang in der deutschen Industrie hat sich im Juni überraschend beschleunigt. Die Bestellungen seien zum Vormonat preis- und saisonbereinigt um 2,9 Prozent zurückgegangen, teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Der Rückgang ist der stärkste seit rund einem Jahr; vor allem die Nachfrage aus dem Ausland schwindet.

Ökonomen hatten nach dem kräftigen Rückgang im Vormonat hingegen mit einer Erholung und einem leichten Auftragszuwachs um 0,5 Prozent gerechnet. Zudem wurde auch der Rückgang vom Vormonat von 0,9 Prozent auf 1,4 Prozent kräftig revidiert. Für das gesamte zweite Quartal ergibt sich damit ein Rückgang der Bestellungen um 4,1 Prozent zum Vorquartal. Bankanalysten sprachen in deutlichen Worten von „gruseligen Zahlen“, von einer „sehr großen Enttäuschung“ und von einer drohenden „Rezession im Industriesektor“.

Vor allem die Auslandsnachfrage sackte kräftig ab

„Der in den vergangenen Monaten zu verzeichnende Rückgang der Bestelltätigkeit in der Industrie insgesamt setzt sich fort“, kommentierte das Ministerium die Zahlen. Die Auslandsnachfrage bremse in stärkerem Maße als die Inlandsnachfrage, die aber ebenfalls abwärts gerichtet sei. „Die Aussichten für die Industrieproduktion haben sich damit insgesamt weiter verschlechtert“, hieß es.

Die Auslandsnachfrage sackte im Juni um kräftige 5,1 Prozent ab, während die Inlandsbestellungen um 0,6 Prozent nachgaben. Bei den Auslandsorders schwächte sich die Nachfrage aus dem Euro-Raum mit 7,7 Prozent besonders stark ab, während die Bestellungen aus den Nicht-Euro-Ländern um 3,1 Prozent sanken.

Innerhalb der Sparten konnten sich die Konsumgüterhersteller gegen den Trend stellen und sammelten 0,5 Prozent mehr Aufträge ein. Die Vorleistungsgüterproduzenten verzeichneten dagegen einen Rückgang um 1,8 Prozent, bei den Investitionsgüterherstellern waren es sogar 4,4 Prozent.

Auswirkungen auf die Zinsentscheidung?

Das Ausmaß der Auftragsrückgänge in der deutschen Industrie hat nach Einschätzung der Nord LB negativ überrascht. Die rückläufige Entwicklung halte nun schon den siebten Monat in Folge an, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Bankhauses. Besserung sei nicht in Sicht.

„Mit diesen gruseligen Zahlen“ dürften auch die „Tauben“ im EZB-Rat für die morgige Zinsentscheidung der Notenbank ein weiteres Argument an die Hand bekommen, den Leitzins trotz anhaltend hoher Inflationsraten vorerst nicht anzutasten. Mit den Auftragsdaten seien auch die Vorgaben für die am Donnerstag zur Veröffentlichung anstehenden Daten zur deutschen Industrieproduktion „denkbar ungünstig“.

„Zeichen stehen auf Rezession im Industriesektor“

„Wir waren davon ausgegangen, dass es eine Art Gegenbewegung gibt zum schwachen Monat Mai mit steigendem Auftragseingang“, sagte Marco Bargel, Analyst bei der Postbank. „Deswegen ist es eine sehr große Enttäuschung und keine gute Vorlage für die deutsche Industrie in den nächsten Monaten. Die Zeichen stehen auf Rezession im Industriesektor. Die guten Zeiten sind meines Erachtens zunächst vorbei.“

„Es geht derzeit mit Volldampf nach unten“, glaubt auch Analyst Andreas Scheuerle von der Dekabank. „Das zweite Quartal war nach der Rezession 1992/93 das schlechteste seit der Wiedervereinigung. Im Frühjahr dürfte die Wirtschaft zwischen 0,5 und 0,8 Prozent geschrumpft sein. Die Daten, die derzeit reinkommen, sind wirklich fürchterlich.“

Auftragsrückgang könnte Konjunkturpessimismus noch anheizen

Der Auftragseingang ist neben der Produktion der wichtigste realwirtschaftliche Konjunkturindikator. Wegen Großaufträgen kann er allerdings von Monat zu Monat stark schwanken. Im stabileren Zwei-Monats-Vergleich Mai/Juni zu März/April ging die Nachfrage um 3,7 Prozent zurück.

Unter dem Einfluss von Ölpreisschock, Euro-Aufwertung, Abschwung der Weltwirtschaft und Finanzkrise geht der Aufschwung der europäischen Wirtschaft derzeit insgesamt in die Knie. Die von manchen erhoffte konjunkturelle Abkoppelung von der Weltwirtschaft, die unter der Schwäche in Amerika leidet, erscheint inzwischen immer weniger möglich. Fachleute erwarten für den gesamten Euro-Raum zwar keine Rezession, jedoch eine einknickenden Konjunktur.

Die Daten zur Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal werden am kommenden Donnerstag veröffentlicht. Dabei rechnen Experten im Schnitt mit einem Rückgang um 0,5 Prozent. Die neuen Auftragsdaten könnten den Konjunkturpessimismus jedoch weiter anheizen.
"

Das ist für mich eine Gelegenheit, wieder eine Lanze für Brasilien zu brechen. Der Schaden, den der starke Euro in Deutschland anrichtet, nimmt Brasilien als Schuldigen aus, denn hier bei uns in Brasilien ist der Euro schwach, hat er doch über ein Drittel seines Wertes in den letzten zweieinhalb Jahren verloren und bewegt sich weiter auf dem absteigenden Ast, wenn man den Kursverlauf zum Real als Maßstab nimmt.

05 August 2008

ARD-Brisant vom 5.8.08

Zwischen 17:30 Uhr und 18 Uhr wurde die obige Sendung ausgestrahlt, die bei einem meiner Leser, der gerade aus Brasilien zurückgekommen war, Kopfschütteln und dieses Schreiben an die Redaktion auslöste:

"Mit Kopfschütteln habe ich Ihren Beitrag heute, 5. August 2008, zum Thema Fehlallokation bei Nahrungsmitteln verfolgt: weil im ach so reichen Deutschland Brot weg geworfen wird, hungern die Leute im ach so armen Brasilien. Wann wird aufgehört, dem deutschen Fernsehpublikum, das in seiner Mehrheit keinen Schimmer von den Verhältnissen in Südamerika hat, einen derartigen Gutmenschen-Schwachsinn aufzutischen ??? Verteilen Sie doch das zwei Tage alte Brot an die Bedürftigen im reichen, reichen Deutschland, davon gibt es mehr als genug. Hören Sie auf, sich in bester Gutmenschen-Manier in die Probleme von Brasilien, Südafrika etc. einzumischen. Aus zahlreichen Reisen in alle Regionen Brasiliens weiß ich, dass Unterernährung so gut wie kein Problem darstellt. Da wird so lange mit der Lupe gesucht, bis man das armseligste Dorf im hintersten Winkel der Nordostens ausfindig gemacht hat. Was soll das bitte schön bewirken ? Soll sich der Deutsche wie immer schlecht fühlen, weil es ihm so unglaublich gut geht ? Fangen Sie mal an, bezüglich der sich in Deutschland immer mehr ausbreitenden Armut zu recherchieren, und sehen Sie zu, wie Brasilien und andere "Entwicklungsländer" Deutschland und andere "Industrieländer" in den kommenden Jahren überholen. Dies nicht auf Basis einer Nahrungsmittelproduktion, die an der lokalen Bevölkerung vorbei geht, sondern dank einer breit gefächerten Wirtschaft, die nicht, wie in Deutschland, ständig durch selbst ernannte Gutmenschen ausgebremst wird."

Lula gibt Herrn Sax, der diese Zeilen verfasste, sicher Recht. Schließlich ist er seit Jahren durchaus erfolgreich  bemüht, den Hunger in Brasilien zu beseitigen. Zwar nicht immer mit den richtigen Mitteln - Almosen -, aber trotzdem erfolgreich. Denn ob der sättigende Reis durch Arbeit verdient oder mit den Steuern anderer bezahlt wurde, hat auf seinen Effekt keinen Einfluß, satt ist satt. Und das ist gut so.

Was die sicher immer satten Damen und Herren vom ARD wahrscheinlich nicht wissen oder wissen wollen, hätten sie heute lesen können, wenn sie denn der portugiesische Sprache mächtig wären. Denn das IPEA - Instituto de Pesquisas Econômicas Avançadas veröffentlichte eine Studie, der zufolge die Armut in den sechs untersuchten Großstadtgebieten abnahm und folgerichtig die Zahl der Reichen zunahm. 

Aber lesen wir zuerst, was die bekannte Wirtschaftshochschule Getulio Vargas in São Paulo zum Thema schreibt: Die brasilianische Mittelklasse wächst und umfasst bereits die Hälfte der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung.  2004 waren es 42,26 %, 2008 sind es schon 51,89 %. Mittelklasse (classe C) heisst hier Monatseinkünfte von 1.064 bis 4.591 R$. Die so genannte Elite (classe A + B) hat mehr als 4.591 R$ und die Aufsteiger (classe D) verdient von 768 bis 1.064 R$. Die Armen (classe E) verdient unter 768 R$ im Monat.

Von 2004 bis 2008 wuchsen die Klassen A und B von 11,61 auf 15,52 % der Bevölkerung, die Klasse D nahm von 46,13 auf 32,59 % ab. Die Armut ging in den Großstadtregionen von São Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Porto Alegre, Recife und Salvador um 13,5 Prozentpunkte zurück, ein unmittelbarer Effekt der abnehmenden Arbeitslosigkeit und der Zunahme von echten, d.h. registrierten Arbeitsverhältnissen. Im ersten Halbjahr 2008 wurden 1,361 Mio. neue Arbeitsplätze geschaffen, bis Ende des Jahres sollen es 2 Mio. sein!

Das oben erwähnte IPEA verkündete, dass die Anzahl der Armen in den erwähnten Großstadtgebieten um ein Drittel zurückgegangen sei, was immerhin ca. 4 Millionen weniger Arme bedeutet. Aber auch die Anzahl der Reichen nahm zu, sie wuchs zwischen 2003 und 2008 von 0,8 auf 1,0 % der Bevölkerung. Reich ist hier, wer mehr als 40 Minimumlöhne erhält, also über 16.600 R$ im Monat. Danach sind heute 476.500 Leute reich, 2003 waren es 362.000. Gönnen wir es ihnen und hoffen wir, das recht bald viele viele weitere Brasilianer in diese Einkommensschicht aufsteigen werden. Das Land und seine Leute haben alle Voraussetzungen dazu!

Taxifahrer in Nöten

Was hat ein Taxifahrer mit dem schwachen Euro zu tun? "Der" Taxifahrer wahrscheinlich gar nichts, aber "mein" Taxifahrer Edson, der hier in São Paulo unsere Kunden vom Flughafen abholt, sie zum Hotel und zu Kunden bringt und auch wieder zum Flughafen zurückfährt, manchmal viel. So fuhr er vor über zwei Monaten einen deutschen Geschäftsmann, der ihn per Kreditkarte am Flughafen vor seiner Rückreise entlohnen wollte. Aber dazu kam es nicht, weil die Firma, die er zuletzt besuchte, den braven Edson um seine Fuhre brachte, weil man so höflich war, den besagten deutschen Geschäftsmann zum Flughafen zu bringen. Also wurde dieser gebeten, den Lohn an Edson zu überweisen. Was seine Firma dann auch tat. Bis hierhin keine Anomalie, alles in Ordnung für deutsche Bürger. Aber nicht für die brasilianische Zentralbank. Wie kommt eine ausländische Firma dazu, also eine nichtbrasilianische juristische Person, einem brasilianischen Bürger, also einer einheimischen natürlichen Person, Geld zu schicken? Was ist denn die Grundlage dieses unerhörten Vorganges? Und so forderte die Bank in Brasilien, und keine kleine, der Name Santander bürgt dafür, dass der besagte unbescholtene Edson einen Vertrag vorlege, mit dem bewiesen werde, dass alles rechtens sei mit seiner Dienstleistung für eine natürliche Person, die von einer juristischen entlohnt wurde. Beziehungsweise werden sollte. Denn das Geld ist immer noch im Gewahrsam der Bank und kann erst dann an die Zentralbank verkauft werden, wenn besagter Vertrag vorliegt. Und da es keinen gibt, wird wohl das Geld nach Ablauf von drei Monaten zurückgeschickt werden und der wackere Edson wird dann mit Glück eine neue Überweisung erhalten, diesmal von der natürlichen Person des besagten Geschäftsmannes. Und dann wird das Geld auch zwangsumgetauscht, denn Gott bewahre, man kann doch keinem in Brasilien Ansässigen zumuten, Hartwährung zu empfangen, also zwackt man ihm eine Wechselgebühr (hier sollen es 50 R$ sein!) ab und gibt ihm Reais. Und da der Real zur Zeit die eigentliche Hartwährung ist, siehe Graphik, verliert unser Edson immer mehr, wenn sein Kunde die vereinbarte Eurosumme überweist.

Und die Moral der Geschichte? Für Edson ganz einfach, nach jeder Fuhre Barzahlung oder wenigstens per Kreditkarte, ausländische Kunden sind leider, manchmal ohne eigenes Verschulden, nicht kreditwürdig! Und wundern sich ausserdem über die hohen Taxipreise. Wahrscheinlich fahren sie zuhause immer mit dem eigenen Wagen, sonst würden sie wissen, das diese so hoch gar nicht sind. Abgesehen davon, Anfang 2005 stand der Real bei 3,70 und heute sind es knapp 2,40; eine Abwertung des Euro um 35 % bei nur geringfügig gestiegenen Preisen in Real.