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29 März 2009

Brasilien auf Platz beim Formel I - Auftakt

Was keine Entschuldigung fuer die FAZ ist, wenn diese die neue Neue Rechtschreibung zu grosszuegig auslegt:
Und dann im selben Artikel zur traditionellen Orthographie zurueckkehrt:
Und ehe man mich darauf aufmerksam macht, dass grosszuegig mit "sz" geschrieben wird, weise ich darauf hin, dass meine in Brasilien gekaufte Tastatur keines hat.

23 März 2009

Brasilien

Der brasilianische Markt hat sich in den vergangenen Monaten positiv entwickelt und auf US-Dollar-Basis seit November 30 % zugelegt. Hauptgrund waren die Stabilisierung der Rohstoffpreise, die leichte Verbesserung des BRL/USD-Wechselkurses und die vom Markt erwarteten weiteren Zinssenkungen. In den nächsten Monaten sollten Investoren daher die Wirtschaftsmeldungen aus China im Auge behalten, um die Entwicklung der Rohstoffpreise vorwegzunehmen. Der BRL/USD-Wechselkurs sollte vorerst auf seinem aktuellen Niveau verharren. Es ist unwahrscheinlich, dass die Währungshüter die Zinsen so stark senken, wie vom Markt erwartet, wenn die Währung wieder an Boden verliert. Andererseits könnten sich die Zinserwartungen bei einer aufwertenden Währung als zu konservativ erweisen und die Aktienmärkte wieder stärker anziehen. Trotz des stark rückläufigen Wirtschaftswachstums ist Brasilien eine der wenigen aufstrebenden Volkswirtschaften, in der sich die Inlandsnachfrage in letzter Zeit stabilisiert hat. Damit könnte Brasilien als eines der wenigen Schwellenländer unter Umständen eine tiefe Rezession umgehen. Für 2009 rechnen wir mit einem negativen Wachstum von -2,6 %; 2010 dürfte Brasilien dann mit 1,8 % wieder positive Wachstumszahlen schreiben. Auf den Exportsektor entfallen nur 16 % des BIP, angesichts des einbrechenden Welthandels sicherlich ein Vorteil.

Auszug aus www.godmode-trader.de/de/aktie-analyse/In-Lateinamerika-zeichnet-sich-zaghafte-Erholung-ab,a1192961.html

Brasiliens Wachstumsmarkt - Eine ökonomische Erfolgsgeschichte

Brasiliens Wachstumsmarkt ist eine der wahren ökonomischen Erfolgsgeschichten der letzten sechs Jahre. Im Jahr 2003, man hatte gerade einen sozialistischen Präsidenten gewählt und schien nahe am üblichen Standard zu sein, war seine Mitgliedschaft in der BRIC-Gruppe in hohem Maße vorläufig.

Aber der Rohstoff-Boom von 2004 bis 2008 war äußerst segensreich für Brasilien. Die Regierung des Landes arbeitete hart, um das Haushaltsdefizit zu verringern, während die Zentralbank die Zinssätze weit oberhalb der Inflationsrate hielt. Folgerichtig war die Zentralbank, als die Rohstoff-Blase Mitte 2008 zerplatzte, in der Lage, die Inlandsnachfrage weiter wachsen zu lassen, indem sie ihre Zinspolitik lockerte.

Brasiliens Wirtschaft - gemessen am Bruttoinlandsprodukt (GDP = Gross Domestic Product) - eilte mit einem Jahres-Tempo von 5,3% in 2008 weiter. Das Prognose-Gremium von The Economist erwartet, dass Brasilien dieses Jahr nur mit einem 1,6%-Schritt wächst, aber das ist viel besser als meistens anderenorts. Seine Inflationsrate beträgt 6% - zu hoch, aber sie vermeidet zumindest Deflation.

Brasiliens kurzfristige Zinsen bleiben angemessen restriktiv bei 12,5 %, und sein Aktienmarkt verlor dieses Jahr nur 4%, was besser ist als das, was Investoren über die Wall Street sagen können.

Brasilien bleibt eine erfolgreiche Entwicklungsgeschichte, wiewohl mit einer moderaten (und nachhaltigen) Wachstumsrate. Darüber hinaus hat seine Ölgesellschaft, Petroleo Brasieiro SA (Petrobras) enorme Erdölreserven im Meer entdeckt. Die Produktion aus diesen Ölfeldern wird für 2012 erwartet. Es scheint wahrscheinlich, dass dies Brasilien zu einem der Haupt-Erdöl-Exporteure der Welt machen wird.

Wann immer jemand eine Liste der großen Wachstumswirtschaften der Welt zusammenstellt, ist Brasilien - unabhängig davon, welche Parameter verwendet werden - so gut wie sicher dabei. Unglücklicherweise haben sich einige der anderen BRIC-Nationen nicht so gut geschlagen.

Auszug aus www.investor-verlag.de/boersenwissen/handelssysteme/wachstumsmaerkte-bric-und-die-grenzen/?63044

22 März 2009

Ein armes Land mit reichen Dicken?

Neulich schrieb ich über Schönheitschirurgie, die in Brasilien nicht nur die letzte Rettung alternder Gegner eines natürlichen biologischen Prozesses, nämlich u.a dem der Faltenbildung, ist, sondern auch eine üppig sprudelnde Geldquelle für die behandelnden Ärzte, von denen nicht alle diesen Namen verdienen. Was deutlich wird, wenn man sich vor Augen hält, dass in unserem Land, in dem es laut internationaler Berichterstattung über den Karneval von schönen Menschen nur so wimmeln sollte, jede Woche 550 chirurgische Behandlungen von Fettsucht vorgenommen werden. Etliche dieser Eingriffe gehen schief und müssen durch neue Operationen korrigiert werden; Patienten nehmen bewusst zu, damit ihre Krankenversicherung den Eingriff bezahlt und Ärzte benutzen nicht genehmigte Operationstechniken und lassen sich Eingriffe mit bis zu 100.000 R$, das sind ungefähr 33.000 €, bezahlen. Dagegen ist eine Knieoperation in einem Privatkrankenhaus einschließlich Implantat für 30.000 R$ direkt preiswert - von denen die nicht gerade billige Krankenkasse 2.000 R$ übernimmt.  

20 März 2009

Unerwartete Auswirkungen DER KRISE

Selbst Lula ist nicht sooo gepanzert, wie er selbst vielleicht meint, denn die Zustimmung zu seiner Person bzw. seiner Amtsfuehrung fiel von 70 auf 65 % in einer aktuellen Befragung von ueber 11.000 Brasilianern. Wobei viele Regierungschefs heilfroh waeren, wenn sie 65 % erreichten!

Eine andere Auswirkung ist im Senat zu spueren. Der neue Praesident Sarney stellte ueberrascht fest, dass die von ihm geleitete Institution 181 Direktoren hat, die zum Teil nur sich selbst die Richtung vorgeben. 90, so verkuendete er, sollen abgeschafft werden. Daraus wurden jetzt 50, der Widerstand war wohl zu gross. Denn immerhin hat jeder Direktor neben seinem Gehalt noch das Anrecht auf eine Sonderverguetung. Interessant ist, dass Sarney 70 % der Direktorenposten selbst zwischen 2003 und 2005 geschaffen hat, als er bereits Senatspraesident war. Kurzes Gedaechnis oder Verdraengung?

Uebrigens zahlte der Senat an 3.800 Mitarbeiter (ja, dreitausendachthundert!!!) im Ferienmonat Januar insgesamt 6,2 Mio. R$ fuer Ueberstunden, die diese wohl am Strand abgeleistet haben. 

Aber auch die Privatwirtschaft bleibt nicht unberuehrt von DER KRISE. Die Autoindustrie wird jetzt in Brasilien per Gesetz gezwungen, Airbags in alle neuen Autos einzubauen. Man sollte meinen, dass ein solches Gesetz ueberfluessig sei, denn eine verantwortungsbewusste Industrie wird alles tun, um ihren Kunden das Beste vom Besten zu bieten. Weit gefehlt, die Autobauer erwarten Foerdermassnahmen fuer die lokale Produktion dieser selbstverstaendlichen Ausruestung. Die heute nur in Luxusmodellen zu findenden Airbags sind importiert. In Europa gibt es keinen Zwang, aber ueber 95 % der Neufahrzeuge haben einen (bzw. mehrere) Airbags. In Brasilien sterben jaehrlich 35.000 Menschen bei Verkehrsunfaellen und 500.000 werden verletzt.

17 März 2009

Abwasserbehandlung in Brasilien

Die Regierung Lula versucht, über das PAC - Programm wählerwirksam in Infrastrukturmaßnahmen zu investieren, aber leider ohne grossen Erfolg, wenn man von den großartigen Ankündigungen der Maßnahmen absieht. Sehen wir uns an, wie es um die Investitionen im Bereich der Abwasserbehandlung bestellt ist. Heute hat das Instituto Trata Brasil die Ergebnisse einer Studie vom 27.2.07 bis Anfang März 2009 in 27 Gemeinden mit mehr als 500.000 Einwohnern vorgestellt. Danach sind von 96 Abwasserbaustellen des Programa de Aceleração do Crescimento (Programm zur Beschleunigung des Wachstums), die von der Caixa Econômica Federal finanziert werden, 27 noch nicht begonnen worden, 24 sind verspätet und 3 abgebrochen. Nur 42 Baustellen sind im Plan oder ihm voraus. Am schlimmsten ist es um den Bundesstaat Ceará bestellt, in dem 7 Baustellen noch nicht begonnen wurden und 3 verspätet sind. In São Paulo gibt es 4 nicht begonnene und 5 verspätete, in Rio Grande do Sul und Rio Grande do Norte sind es 4 nicht angefangene und 5 verspätete.

Nach einer Studie vom Oktober 2008 des Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada haben 47,5 Millionen Brasilianer, die in Städten leben, keine adäquaten Basisdienstleistungen wie Müllabfuhr, Kanalisation und Trinkwassernetz.  Im Norden verfügen nur 43,3 % der Stadtbevölkerung mit solchen Dienstleistungen, im Zentrum und im Westen Brasiliens sind es 48,7 %, im Nordosten sind es 62,1 %, Im Südwesten und im Süden sind es 90,6 bzw. 81,1 %. 

In den ersten 4 Jahren der Regierung Lula wurden 12 Mrd. R$ in diese Basisdienstleistungen investiert, bis 2010 sollen es weitere 40 Mrd. R$ sein. Aber notwendig sind insgesamt 188 Mrd. R$! Von Februar 2007 bis März 2009 hat die Caixa Economica Federal 2,37 Mrd. R$ für 77 Baustellen in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern zur Verfügung gestellt. Davon sind 1,93 Mrd. R$ für Bauunternehmen bestimmt, die aber bisher nur 221,8 Mio R$ erhielten, für die Opposition ein klarer Beweis für das Unvermögen der Regierung, Pläne in die Tat umzusetzen. 

Auf 32 der 56 von der CEF finanzierten Baustellen sind bis jetzt weniger als 10 % der vorgesehenen Bauleistungen erbracht worden. Für die Kanalisation sind von der BNDES, der brasilianischen KfW, 385,8 Mio R$ bereitgestellt worden. Für Aufträge an Baufirmen sind davon 309 Mio R$ bestimmt, aber nur 28,3 Mio R$ wurden bis jetzt freigegeben. Bei anderen Investitionsvorhaben der Regierung sieht es leider ähnlich aus. Hoffentlich stimuliert die Präsidentenwahl 2010 unsere Regierung genug, um dieses schlechte Bild zu verbessern und allen Brasilianern "normale" Lebensbedingungen, was die Basisversorgung mit Dienstleistungen des Staates angeht, die vom Bürger bezahlt werden, zu bringen. Heute wird nur bezahlt, aber nicht geliefert - in weiten Teilen Südamerika leider die Norm.

12 März 2009

Relative Stabilität - wenigstens beim Wechselkurs

ECOGERMA 2009 IN SÃO PAULO

Wer deutsche Messen im Ausland sucht, wird bei AUMA fuendig!


Die ECOGERMA ist nach vier Tagen Dauer am 15. März zu Ende gegangen, auf ihr zeigte die crème de la crème der deutschen Industrie Ideen, Verfahren und Produkte rund um das Thema "Erneuerbare Energien".


Unternehmen wie Bosch sind bei diesem Thema führend und zeigten vielbestaunte Konzepte, hier aus dem Bereich "Alternative Antriebe für PKW"


VW als größter europäischer Kfz - Hersteller durfte da natürlich nicht fehlen.

Japanische Besucher gehörten zu den aufmerksamen Bewunderern neuer deutscher Technologien.


Kim Gronemeier von der IHK Pfalz mit Rechtsanwalt Parvis Papoli-Barawati, mit dem ich schon mehrmals bei Frau Gronemeier Tagesseminare über Brasilien abgehalten habe.


Die IHK zu Essen als Schwerpunktkammer für den Mercosur-Raum organisierte im Auftrage des Landes NRW für Unternehmen mit Sitz in Nordrhein-Westfalen eine Katalogschau zur Ecogerma. Unternehmen aus NRW stellten auf dem Stand von NRW International Produkte und Dienstleistungen vor, die nachhaltig die Umwelt schützen und Ressourcen effizienter nutzen können. Der Stand wurde vom Eurolatinateam, welches auch für den Firmenpool Brasilien / Mercosur der IHK Essen zuständig ist, betreut. Hier sehen Sie mich am ersten Messetag. 


Der sehr gelungene Stand der AHK São Paulo, der Gelegenheit für kurze Kaffeepausen bot.


Jürgen von Borries vom Centro Empresarial Europeu mit Cláudio Siber von Eurolatina.


Der Jugend wurde viel Platz eingeräumt, je eher man Kinder für Umweltthemen sensibilisiert, desto besser!


Caipirinha durfte auf einer Messe in Brasilien nicht fehlen!


Und da die Messe erst um 20:00 ihre Pforten schloss, brauchte ich auch kein schlechtes Gewissen zu haben.


Nur Fahren sollte man anschließend nicht, vor allem nicht solche Autos! Denn das könnte sehr teuer werden.


Wer die Messe verließ, trug meist schwer an den mitgenommenen Prospekten, die es leider nicht immer in der Landessprache Brasiliens gab.


Noch einmal der Stand von NRW International mit dem Eurolatina - Standpersonal Peter Waibel,  Vera Kunze und mir.


Rechts Aron J. Bocchini, der Peter Waibel bei seiner Arbeit assistierte. 


Ein Teil der Eurolatinamessemannschaft, hinter uns Erik Laass vom Vertrieb der Edur - Pumpenfabrik.


Aron J. Bocchini wartet auf den nächsten Interessenten, während Erik Laass von Frau Kunze und mir informiert wird.


Jürgen von Borries mit seinem Vetter Wedigo von Borris, die sich zufällig auf dem Stand von NRW International trafen.


Peter Waibel und Vera Kunze von Eurolatina mit Oliver Frank von der DKV, einem ehemaligen Mitglied des Firmenpools Brasilien / Mercosur der IHK Essen, der ueber unseren Pool erfolgreich in den brasilianischen Markt eingestiegen ist.


Patrick Pottie, der technische Direktor, und Jörg Hagedorn, Chef von Küttner aus Essen in Brasilien, mit mir in der Mitte.


Auch Peter Waibel konnte der Caipirinhaverlockung nicht widerstehen.


Dieter Gerding, der deutsche Honorarkonsul in Fortaleza, im Gespräch mit mir. Er wird "seiner" Landesregierung die von uns hier vertretenen NRW-Firmen besonders an's Herz legen. Es sind diese: 


Zum Schluss noch mal ein Blick auf unsere Zukunft, Schulkinder - u.a. der deutschen Schulen São Paulos - bereiten sich auf die Heimfahrt nach dem Besuch der Ecogerma vor. Am Eröffnungstag und am letzten Tag der Messe waren zusätzlich viele Berufsschüler gekommen.

11 März 2009

Leitzins auf dem richtigen Weg - nach unten!


Aber, es ist ein langer Weg nach Tipperary! Es waere schoen, ihn - den Leitzins -  im niedrigen einstelligen Bereich zu sehen, was auch gut fuer die Regierung waere. Denn die hat zur Zeit erhebliche Steuerausfaelle bzw. Mindereinnahmen zu verkraften und je niedriger der Leitzins, desto niedriger die Zinsen, die die Regierung fuer ihre hohe Inlandsverschuldung zahlen muss.

10 März 2009

Bekum und der Würstchenkrieg

Das hätten sich die Väter der 1959 gegründeten Firma Berliner Kunststoff Maschinen, kurz BEKUM, die in ihrer Homepage darauf hinweist, dass weltweit 460 Mitarbeiter in 4 Werken an der Unternehmens-Philosophie "Die Zufriedenheit unserer Kunden zu jeder Zeit sicherzustellen" arbeiten, sicher nicht träumen lassen. Sie sind in Brasilien in die Schlagzeilen geraten, aber nicht wegen des Know how's aus 16.000 verkauften Blasmaschinen, mit denen Kunststoffverpackungen hergestellt werden, sondern wegen eines Grillfestes vor den Türen des deutschen Generalkonsulates in São Paulo. Da konnte man nämlich ca. 80 Mitarbeiter der Firma, begleitet von Gewerkschaftsvertretern, sehen, die so gekleidet waren, wie man sich Deutsche im Ausland vorstellt, und das machten, was Deutsche nach Meinung der Ausländer liebend gerne tun, nämlich Würstchen grillen. Und diese wurden an die dankbaren Passanten verteilt, die es sich schmecken ließen. Unmittelbarer Anlass war die Entlassung von ca. 60 Mitarbeitern am 20.2.09, direkt vor Karneval (!!!), die bis heute ihre gesetzlich vorgeschriebenen Abfindungen nicht erhalten haben. Eine gütliche Einigung vor dem Arbeitsgericht am 3.3. verlief ergebnislos und der nächste Schritt ist die Anberaumung eines Verhandlungstermines. Seit dem 3.3. halten einige der Entlassenen eine Halle ihres ehemaligen Arbeitgebers besetzt und warten jetzt auf eine positive Entscheidung. Nach Zeitungsberichten vom 9.3. hat bisher kein Unternehmensvertreter mit den Entlassenen gesprochen, nur ein deutscher Konsul empfing einen Gewerkschaftssprecher, der ihm einen Brief mit einer Schilderung der Lage übergab, der vom Konsulat nach Rücksprache mit der Firma an das Außenministerium in Berlin weitergeleitet werden soll. Schade, dass das Motto der Firma nicht lautet "Die Zufriedenheit unserer Kunden, unserer Mitarbeiter, unserer Gesellschafter und der Öffentlichkeit zu jeder Zeit sicherzustellen"! Hört sich zwar an wie die Quadratur des Kreises, aber wenn eine der genannten Gruppen unzufrieden ist, ist etwas faul im Staate Dänemark! 

07 März 2009

Fiat erholt sich in Brasilien

Die Autoindustrie ist der Motor der Wirtschaft nicht nur in Brasilien und wenn es ihr schlecht geht, geht es vielen schlecht. Im September 2008 wurden in Brasilien im Mittel täglich 11.564 Autos verkauft, im November waren es nur noch 8.318 und jetzt im Februar schon wieder ca. 10.600 wegen der Steuersenkungen (IPI = Industrialisierungssteuer), die von der Industrie und den Händlern direkt an den Käufer weitergegeben wurden und in Brasilien den Verkauf wie in Deutschland die Abwrackprämie ankurbelten. Leider laufen die Steuersenkungen am 31.3. aus, wie sich das auf die Verkäufe auswirken wird, steht in den Sternen. Es muß natürlich befürchtet werden, dass die jetzigen Verkäufe wegen der Steuerermäßigung vorgezogen wurden  und ab April fehlen werden.

Fiat meint, im März wieder 3.000 Autos täglich zu bauen und damit in die Nähe der 3.200 Einheiten zu kommen, an die man gewöhnt war. Im Dezember letzten Jahres waren es nur ungefähr 1.000 Fahrzeuge, eine absolute Katastrophe. Die Reaktion darauf war Kurzarbeit bzw. Werksferien, um Fahrzeugbestände und Arbeitszeitguthaben abzubauen. Das ist zwischenzeitlich gelungen und der Käufer muss bei manchen Modellen schon wieder auf sein neues Auto warten. Einige Zulieferer leiden weiter, so ist z.B. Pirelli noch in selbst verordneten Werksferien. 

Wichtig für die weitere nachhaltige Erholung ist das Absinken der Zinsen und so erwarten viele Fachleute, so wir sie denn auf dem Gebiet der Finanzen noch haben oder jemals hatten, daß der Leitzins nächste Woche um mehr als ein Prozent zurückgenommen wird und zum Jahresende bei 9,75 % im Jahr liegen wird bei einer jährlichen Inflation von 5 bis 6 %. Auf diese "robuste", um ein Modewort zu gebrauchen, Erholung warten Firmen wie der Werkzeugmaschinenhersteller Grob in Brasilien sehnsüchtig, denn diese Firma hat seit Oktober vorigen Jahres keinen Auftrag mehr von der Autoindustrie bekommen. Zwar ist man noch etliche Monate wegen der langen Bearbeitungszeit der Aufträge - eine Transferstrasse zu bauen, kann ein Jahr dauern - ausgelastet, aber ohne neue Aufträge müsste die Firma,  die vorsichtshalber nur auftragsbezogen fertigt, Kapazität abbauen, d.h. direkter gesagt, Mitarbeiter entlassen. 

Auch Brasilien muss sich auf eine langsame Erholung, langsamer als gedacht und viel langsamer als von Präsident Lula vorhergesagt, einrichten. Die industrielle Produktion als Massstab wuchs im Januar gegenüber dem Dezember des Vorjahres nur um 2,3 % - aber sie wuchs. Wenn man allerdings zum Vergleich den Januar 2007 heranzieht, erkennt man das Ausmass der Krise, denn hier haben wir einen Rückgang von 17,2 % zu verzeichnen. 

Zum Schluss noch ein Kuriosum, die Kfz-Industrie produzierte im Dezember 40,8 % weniger als im Vormonat und im Januar 40,8 % mehr als im Vormonat. 

Glückwunsch an die Petrobrás

Gleich nach meiner Ankunft in Brasilien einen Glückwunsch an die halbstaatliche Petrobrás, die ihre Preise nicht senkte, als der Erdölpreis nicht in's Bodenlose fiel, aber auf ein vernünftiges Maß zurückging. Dieses Manöver brachte ihr 2008 einen Gewinn von 33,91 Mrd. R$ ein, 58 % mehr als im Jahr zuvor. 2008 war auch ein Jahr der Rekordinvestitionen, die in der Summe 53,3 Mrd. R$ erreichten. Damit baute Petrobrás die Förderkapazität auf 2,4 Mio. Barrels/Tag aus. 

Petrobrás hat übrigens ein Programm zur Finanzierung seiner brasilianischen Lieferanten in's Leben gerufen, denn mit deren Pleite ist Petrobrás nicht gedient und zur Zeit ist Betriebskapital (nicht nur) in Brasilien knapp und teuer.