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12 Juli 2010

Gerdau investiert

Nach der Einweihung des neuen ThyssenKrupp-Stahlwerkes und der Investitionsankündigungen Eike Batistas ist jetzt die Reihe an Gerdau, dem brasilianischen Stahlgiganten, der von João Gerdau gegründet wurde. Dieser war als Johannes Heinrich Kaspar Gerdau in Altona am 14. November 1849 geboren worden und starb in Porto Alegre am 24.11.1917. 1869 kam er in Brasilien an, wo er 1901 die Cia. Fábrica de Pregos Ponta de Paris kaufte und dieser Nagelfabrik unter dem Namen Gerdau zu ungeahntem Auftrieb verhalf.

Am 7.7.2010 kündigte die Gruppe an, zwei Walzwerke für 2,4 Mrd. R$ bauen zu wollen, die zusammen 1,9 Mio. Stahl jährlich verarbeiten können. Es geht um ein Grobblechwalzwerk und um ein Warmwalzwerk für Coils in Ouro Branco in Minas Gerais. Ab 2010 will die Gruppe Flachstahl in Brasilien herstellen. Die Investitionssumme wird zu 70 % Zulieferer in Brasilien beglücken. Abnehmer des Stahls werden Werften, die Petroindustrie, die Bauindustrie und der Schwermaschinenbau sein.

11 Juli 2010

Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande

und solche Glaubwürdigkeitsprobleme sind weit verbreitet. Schlimm wird es allerdings, wenn der Justiz nicht mehr geglaubt wird, was in Brasilien der Fall ist. Die Standesvereinigung OAB der brasilianischen Rechtsanwälte hat untersuchen lassen, wie weit das Vertrauen in öffentliche Institutionen geht und Erschreckendes herausgefunden:
  • nur 33 % der Befragten vertrauen den Gerichten
  • nur 28 % vertrauen der Legislative, d.h. dem Parlament
  • nur 21 % vertrauen den Parteiorganisationen
Besser, aber immer noch im Grenzbereich, d.h. weit entfernt vom Ideal, sind andere Institutionen:
  • immerhin vertrauen 63 % den Streitkräften, für ein Land mit einer Militärdiktaturvergangenheit ein ausgezeichneter Wert
  • Grossunternehmen wird von 54 % vertraut
  • der Bundesregierung wird von 43 % der Befragten vertraut - was im krassen Gegensatz zu Lulas Popularität und Zustimmungsrate von weit über 80 % steht
  • 42 % vertrauen dem Fernsehen; die Unschuldsengel sterben eben nicht aus
  • der Presse vertrauen 41 %, deshalb sagt wohl der Volksmund: "er lügt wie gedruckt"
  • selbst der in Brasilien mit grossem Misstrauen beäugten Polizei vertrauen immerhin noch 38 %
  • für die katholische Kirche bleiben noch 34 % übrig, im Schulterschluss mit den Gerichten, kein Ruhmesblatt für beide Institutionen
1.550 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten wurden befragt und viele sprachen in Bezug auf die Justiz aus persönlicher Erfahrung, denn 28 % nahmen die Justiz zur Lösung von arbeitsrechtlichen Problemen in Anspruch, 24 % riefen sie wegen familienrechtlicher Probleme an. 19 % suchten ihre Rechte als Verbraucher, 8 % hatten sozialversicherungsrechtlichen Probleme, von 6 % wurde die Kriminalgerichtsbarkeit angerufen und 3 % liessen verkehrsrechtliche Streitigkeiten lösen. Das Ergebnis liess oft zu wünschen übrig, 49 % waren sehr oder ziemlich unzufrieden. Niedriglöhner riefen die Gerichte weniger häufig als Gutverdienende an, 75 % hatten schon die Hilfe eines Anwalts gesucht.

Handelt es sich bei den Brasilianern um ein Volk der Streithähne oder ist Brasilien ein besonders ungerechtes Land? Es trifft wohl eher die zweite Annahme zu, verbunden mit schlechten Gesetzen wie im Falle der Arbeitsgerichtsbarkeit. Und ein Richter richtet nicht nach seinem Gerechtigkeitsgefühl, sondern nach dem Gesetz. Und über dieses Gesetz kann man folgende Zeilen lesen: Das brasilianische Arbeitsrecht orientiert sich an der italienischen Carta de Lavoro, dem Arbeitsgesetz­buch Mussolinis. An der Spitze der Arbeitsbeziehungen steht der Staat mit seiner Arbeitsgerichtsbarkeit. Er erhebt eine obligatorische Gewerkschaftssteuer, die von Arbeitnehmern und Betrieben zuentrichten ist. Die über 12.000 Gewerkschaften in Brasilien sind nur lokal und für einzelne Berufsgruppen zugelassen. Ein Recht auf betriebliche Interessenvertretung existiert nicht. Klicken Sie in LINK, um zum Originalbeitrag zu kommen.

02 Juli 2010

Rio zieht Investitionen an

"Das neue integrierte Hüttenwerk, das ThyssenKrupp für 5,2 Mrd € im Bundesstaat Rio de Janeiro errichtet, ist die größte industrielle Investition der letzten zehn Jahre in Brasilien und zugleich das erste große Stahlwerk, das in diesem Land seit Mitte der achtziger Jahre gebaut wird." Das wurde in der Pressemitteilung der Firma vom 18.6.2010 zur Einweihung des Hüttenwerkes geschrieben.

Dies liess wohl den 52jährigen Eike Batista, dessen Mutter Hamburgerin und dessen Vater Brasilianer ist, nicht ruhen. Munition dazu hat er, in 10 Jahren machte er aus einer Milliarde Dollar siebenundzwanzig und wird auf der aktuellen Forbes-Liste als achtreichster Mann der Welt geführt. Dieser erfolgreiche Unternehmer hat jetzt für den Bundesstaat Rio de Janeiro Investitionen seiner Firmengruppe EBX in Höhe von 34,8 Mrd. R$ bis 2012 angekündigt. Das sind mit dem Kurs von heute 19,3 Mrd. US$, 3,7 x mehr als die Investition ThyssenKrupps. Die wichtigsten Positionen auf der "Einkaufsliste" von Eike Batista sind:
  • 6,1 Mrd. R$ für die Häfen Açu und Sudeste
  • 9,0 Mrd. R$ für Stahlwerksaktivitäten, zusammen mit der chinesischen Wisco
  • 4,2 Mrd. R$ für die Exploration von Erdöl
  • 15,0 Mrd. R$ für die Energieerzeugung
  • 0,5 Mrd. R$ für "Sonstiges"

01 Juli 2010

In Brasilien wird kräftig investiert

Eine Untersuchung der Finanzdatenfirma Serasa Experian, die 500 Firmen einschloss, zeigt Rekordwerte für Investitionen im ersten Vierteljahr 2010. Die analysierten Firmen stehen für 43 % des Umsatzes der Industrie, 18 % des Umsatzes des Handels und 39 % des Umsatzes der Dienstleister, sind also durchaus repräsentativ für unsere Volkswirtschaft. 2008 wurden im ersten Vierteljahr 7,7 % vom Umsatz aller untersuchter Firmen investiert, 2009 waren es 7,8 % und 2010 sogar 8,3 %!

Nach Sektoren aufgeschlüsselt haben wir folgende Investitionswerte in % des Umsatzes, jeweils für das erste Vierteljahr:

Industrie Handel Dienstleistung
2008 7,6 1,3 10,8
2009 6,3 1,9 11,7
2010 6,2 2,5 12,6

Ist der Handel noch so klein, bringt er doch mehr als Arbeit ein, gilt wohl nicht mehr, heute muss man Dienstleister sein!

Dies ist übrigens mein Blogeintrag Nr. 1.000!

Mercosur mal anders

(Aus der heutigen FAZ)