22 November 2007

Hart wie in China

Brasilien: Jetzt zieht es deutsche Mittelständler nach Brasilien. Doch der Geschäftsalltag im Land des tropischen Karnevals ist überhaupt nicht lustig.

Stefan Schmersal war bestens vorbereitet, um in Brasilien ein Unternehmen zu gründen. Seine Familie betrieb seit den Siebzigerjahren eine Schaltgerätefabrik in dem Amazonasstaat, er selbst hatte dort schon gearbeitet, spricht fließend Portugiesisch und kennt den Alltag im Land.

Dennoch war Schmersal überrascht, wie kompliziert und teuer es für ihn wurde, einen weiteren Betrieb in der Nähe von São Paulo zu gründen. Ein halbes Jahr dauerte der Kampf um Betriebsgenehmigung, Steuernummer und Eintrag ins Firmenregister. Allein die Lizenz zum Import von Produkten aus Deutschland ließ mehrere Monate auf sich warten. Viel öfter als erwartet musste sich Schmersal teurer und nervenaufreibender Hilfe von Anwälten und Beratern bedienen. Bis heute durfte er, aus Angst der Banken vor Geldwäsche, in Brasilien nicht einmal ein privates Bankkonto eröffnen.

„Lästig, aufwendig und zeitintensiv“, schimpft Schmersal. „Die Auflagen für ausländische Unternehmer sind hemmend und gelegentlich investitionsfeindlich.“ Dabei ist der 55-jährige Unternehmer aus dem nordrhein-westfälischen Löhne alles andere als ein ahnungsloser Provinzler. Seine Steute Schmersal Schaltgeräte GmbH & Co. KG betreibt schon seit Jahren Niederlassungen auch in den USA und China. Schmersal kann vergleichen und urteilt: „In Brasilien ist die Unternehmensgründung so schwierig wie in China.“

Solche Erfahrungen machen immer mehr deutsche Mittelständler. Denn vor allem kleinere und mittlere Unternehmen zieht es derzeit in Scharen nach Brasilien. Zu den 25. Deutsch-Brasilianischen Unternehmertagen in dieser Woche im südbrasilianischen Blumenau kommen so viele Teilnehmer wie noch nie. Sogar Präsident Luis Inácio Lula da Silva wird die bisher eher seltenen Gäste aus Alemanha beehren. „Wir erleben eine eindeutige Trendwende“, sagt Rolf Dieter Acker, Präsident der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer in São Paulo. „Nach den Großunternehmen in den Siebzigerjahren und der Auto-Industrie in den Neunzigern kommen jetzt vor allem kleine Unternehmen aus Deutschland nach Brasilien.“

Die Einwanderer lockt der Wachstumsmarkt des südamerikanischen Riesen: Die zehntgrößte Volkswirtschaft erlebt den längsten Aufschwung seit 30 Jahren. Mit dem B für Brasilien gehört das Land mit Russland, Indien und China zu den sogenannten BRIC-Staaten, den wachstumsstärksten Regionen der Welt. Als Rohstofflieferanten haben es brasilianische Unternehmen wie Petrobras oder Companhia Vale do Rio Doce zu Weltruhm gebracht.

Davon wollen deutsche Dienstleister und Zulieferer profitieren. Vor allem in den Branchen Logistik, Energie, Umwelt, Bau und Landwirtschaft winkt das große Geschäft. Brasilien muss gewaltig in die Infrastruktur investieren, wo nach vielen Krisenjahren der Nachholbedarf immens ist. Auch die Fußballweltmeisterschaft 2014, soll einen zusätzlichen Schub bringen. „Viele Mittelständler sind enttäuscht vom Geschäft in China – und schauen sich nach neuen Märkten um“, sagt der Unternehmensberater Sönke Böge in São Paulo: „Brasilien ist da eine attraktive Alternative.“

Doch die Newcomer aus dem Mittelstand unterschätzen regelmäßig die Startschwierigkeiten. Die heutige Generation der Geschäftsführer und Eigentümer hat ihre Auslandserfahrungen vor allem in Osteuropa und Asien gesammelt. „Es fehlen Nachwuchsmanager mit Erfahrungen in Südamerika“, sagt Thomas Timm, Geschäftsführer der Handelskammer in São Paulo. Die meisten meinen irrtümlich, das vermeintlich westliche Brasilien einschätzen zu können. „Auch global erfahrene Mittelständler denken oft, Brasilien funktioniere mehr oder weniger wie Deutschland, weil alles europäisch aussieht“, sagt Andreas Sanden, Rechtsanwalt in São Paulo: „Doch das täuscht.“

Im brasilianischen Gesellschaftsrecht oder beim Verbraucherschutz etwa gleichen die Regeln zwar den deutschen, doch sie werden anders angewendet. Zwar ist auch in Deutschland der Umgang mit Steuern und Abgaben komplex – in Brasilien aber ist der Paragrafendschungel noch dichter. Nur der beauftragte Fatorista, der Steuerberechner, hat den Durchblick. Regelungen ändern sich extrem häufig und in kaum nachvollziehbarer Weise – aber das Finanzamt ahndet streng jede Nachlässigkeit. „Kleinste Fehler bei den Angaben können sich nach ein paar Jahren zu horrenden Strafen summieren“, sagt Wirtschaftsanwalt Hans Jürgen Holweg.

Auch das arbeitnehmerfreundliche Arbeitsrecht Brasiliens, das aus den Dreißigerjahren stammt, kann deutsche Mittelständler viel Geld kosten. Kontrolliert ein Unternehmen zum Beispiel die Arbeitszeiten seiner Angestellten nicht, drohen ihm auch Jahre später noch hohe Nachzahlungen an Mitarbeiter für angeblich geleistete Überstunden oder Wochenendarbeit. Auch Handelsvertreter werden im brasilianischen Arbeitsrecht begünstigt. So können deren Arbeitsverträge, wenn sie befristet sind, nicht verlängert werden, sondern gehen automatisch in unbefristete über, wenn sie nicht tatsächlich beendet wurden. Oder Mitarbeiter, die in guten Zeiten Boni erhalten haben, können in schlechten Zeiten die Zulagen einklagen, weil sie ein Recht dazu erlangt haben.

Überrascht stellen viele Neueinsteiger fest, dass Brasiliens Regeln alles andere als locker sind im Land des überbordenden Karnevals. „Hier geht es für ausländische Unternehmen nicht flexibler zu als in Deutschland“, sagt Anwalt Thomas Benes Felsberg, „deswegen sollten sie gar nicht erst versuchen, brasilianische Sitten zu übernehmen.“ Ausländische Firmen werden von den Behörden tendenziell genauer geprüft. Und die Gesetzgebung hat sich in den vergangenen 20 Jahren grundlegend gewandelt. Die Umweltvorschriften etwa sind heute so streng wie in den USA. Auch wer eine Firma kauft und die Immobilie nicht sorgfältig durchcheckt, kann böse Überraschungen erleben: Er haftet für Altlasten, aber auch für anderes Fehlverhalten des Vorbesitzers in der Vergangenheit.

So sperrte die brasilianische Umweltbehörde kürzlich einem deutschen Zulieferer für die Bauindustrie sein frisch erworbenes Firmengelände. Die Sanierung würde mehr kosten als das Areal. Jetzt droht dem Unternehmen noch eine Umweltklage. „Deutsche Unternehmen müssen genau analysieren, ob sich ihr Geschäft noch lohnt, wenn sie alle gesetzlichen Auflagen einhalten“, empfiehlt Felsberg. Denn der brasilianische Konkurrent kann durch seine lokalen Kontakte eher darauf setzen, dass die Behörden ihn in Ruhe lassen.

Selbst wenn die Ansiedlung klappt, unterschätzen viele Neueinsteiger die Kosten, um in Brasilien ins Geschäft zu kommen. „Die wenigsten Mittelständler haben eine Vorstellung ihres längerfristigen Finanzbedarfs“, sagt der Unternehmensberater Karlheinz Naumann in São Paulo. Die Gründung einer Handelsvertretung verschlingt drei Monate. Um ein Unternehmen auf die Beine zu stellen, vergeht ein halbes Jahr – so lautet eine Faustregel für Firmengründungen, die reibungslos über die Bühne gehen. Dafür müssen 40.000 bis 60.000 Euro veranschlagt werden. Noch länger dauert es, bis die ersten Aufträge eintreffen. Durststrecken über ein, zwei Jahre sind üblich. „Wer dann vom Mutterhaus keinen Kredit bekommt, hängt schnell durch“, sagt Anwalt Sanden. Denn deutsche Banken, die bei den ersten Finanzierungen helfen könnten, sind in Brasilien rar. Lokale Institute bieten Kredit nur gegen horrende Zinsen.

Auch die Besetzung von Führungspositionen misslingt oft. Deutsche und brasilianische Chefs unterscheiden sich in ihrer Mentalität. „Ein deutscher Mittelständler will selbst anpacken“, sagt Anwalt Rolf Petermann, „ein brasilianischer Unternehmer hält sich erst für erfolgreich, wenn andere für ihn arbeiten.“ „Wenn Ihnen ein blauäugiger Deutschbrasilianer gegenüber sitzt, glauben Sie zu wissen, wie der denkt“, warnt Personalberater Böge, „das ist aber falsch."

Kommt der vermeintliche Landsmann dann noch nett und verbindlich daher, ist die Gefahr umso größer, ihn zu unterschätzen. Gerade Mittelständler zögern, sich bei der Rekrutierung professioneller Hilfe zu bedienen. „Die vertrauen lieber auf den Rat eines Amigos, als einen Headhunter zu bezahlen“, sagt Anwalt Sanden, der sich öfters über die Personalentscheidungen seiner Klienten wundert. „Wenn der künftige Geschäftsführer länger über sein Dienstwagenmodell diskutiert als über Umsatzziele, dann stimmt was nicht.“

Trotz aller Schwierigkeiten lohnt sich für die meisten Mittelständler offenbar der teure Einstieg in Brasilien. „Der Markteintritt wird meist ein Drittel teurer als geplant“, sagt Anwalt Böge, „dafür machen sie in fünf Jahren doppelt so hohe Gewinne wie erwartet.“ Anwalt Felsberg empfiehlt den Newcomern deshalb, nicht nach dem ersten Rückschlag aufzugeben: „Am besten, Sie haben es nicht so eilig.“

[21.11.2007] alexander.busch@wiwo.de (São Paulo)

Meine Anmerkungen: Wenn Sie in die Überschrift klicken, kommen Sie zum Originalbeitrag in der Wirtschaftswoche. Was das Zitat angeht, nach dem ich 40.000 bis 60.000 € für reibungslose Firmengründungen nenne, möchte ich darauf hinweisen, dass die reine Firmengründung natürlich billiger ist. Aber bis Ihre neu gegründete Firma arbeitsfähig ist, also einschließlich erster Büroausstattung und -besetzung müssen Sie durchaus mit der genannten Summe rechnen. Alles andere wäre unrealistisch. Im übrigen wird von Herrn Busch genau das gesagt und zitiert, was ich auch in meinem im April 2008 erscheinenden Buch "Wirtschaftsboom am Zuckerhut" schreibe, nämlich dass es sich wirklich lohnt, nach Brasilien zu kommen, aber mit der entsprechenden Vorbereitung und einer fachmännischen landeskundigen Begleitung.

07 November 2007

Brasiliens Devisenreserven steigen

170,6 Mrd. US$ hat die Zentralbank bereits gehortet, alleine in den letzten drei Tagen kamen 3 Mrd. US$ dazu. Aber um Gas in Bolivien, Nigeria und Algerien zu kaufen, wird Brasilien diese Dollar auch benötigen. Große Unternehmen wie Bayer und Michelin stellen bereits ihre Produktion um, um wahlweise Gas oder Öl benutzen zu können. Denn sie wollen nicht auf die Gastanker, die 2008 und 2009 zum Einsatz kommen, warten, das wäre zu unsicher. 
Und wie soll man die Dollarreserven bewerten? Hier eine kleine Hilfe:

Real - Dollar - Kursentwicklung der letzten fünf Jahre:


Euro - Dollar - Kursentwicklung der letzten fünf Jahre:


Real - Dollar - Kursentwicklung der letzten zwölf Monate:


Euro - Dollar - Kursentwicklung der letzten zwölf Monate:


Wie man sieht, ist das Leben in Brasilien für Expatriates, die in Euro verdienen, nicht billiger geworden!

06 November 2007

Riesengewinne...aber bei den Banken!

Itaú hat den Vogel abgeschossen, in den ersten neun Monaten 2007 erzielte die Bank mit 6,444 Milliarden R$  mehr Gewinn als irgendeine börsennotierte  brasilianische Bank in den vergangenen zwanzig Jahren in zwölf Monaten! Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum ist das eine Steigerung von satten 113 %, herzlichen Glückwunsch! Die Kreditkunden kann man wahrscheinlich nicht beglückwünschen, denn deren Sollzinsen werden immer noch durch zweistellige Prozentzahlen ausgedrückt.

Der Dollar liegt bei 1,736 R$ wie im März 2000, lang' ist es her! Das Öl kratzt bereits die 100 Dollarmarke an; quo vadis, mundo?

05 November 2007

Brasilien - ein Land des Luxus?

Als Abnehmerland sicher, denn der Markt an Luxusartikeln beziffert sich in Brasilien auf 3,6 Milliarden US$ jährlich. 70 % davon werden in São Paulo abgesetzt! Zum Beispiel stehen auf der Warteliste für die Lotion LaPrairie 40 Brasilianer, die für eine Einheit 1.950 R$ ausgeben  wollen, das sind 780 €. Immerhin hat die Klasse A mehr Vertreter in Brasilien als manches europäisches Land!

Export der BRIC - Länder

Dies ist der Export 2000 und in Klammern 2006 in Milliarden US-Dollar:
  • Brasilien 55,1 (137,5)
  • Rußland 105,6 (304,5)
  • Indien 42,4 (120,2)
  • China 249,2 (969,1)
Brasiliens relative Position wird sich wahrscheinlich noch verschlechtern, durch den starken Real und durch die Ambitionen Chinas. China kaufte vor kurzem noch riesige Mengen Stahl im Ausland, heute exportiert das Land Stahl. Fertigwaren nehmen bei Brasilien nur 35 % des Exports ein, im Falle Indiens sind es 70 % und bei China schon 90 %. Rußlands Export ist stark im Erdöl- und Erdgasbereich und bei Diamanten. 

Innovation mit Hindernissen

In den USA arbeiten 80 % der dort lebenden Wissenschaftler in der Wirtschaft, in Brasilien sind es 16 %. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn die Ergebnisse der Forschungsarbeit der brasilianischen Universitäten von den hiesigen Unternehmen genutzt würden, aber das ist nur zu einem kleinen Teil der Fall, weil Wirtschaft und Wissenschaft kaum zusammenarbeiten. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber das vorhandene Potential wird nicht genügend genutzt. Dabei liegt Brasilien bei der Publikation wissenschaftlicher Schriften auf Platz 17 der Welt. Dies ist der Prozentanteil der privaten Aufwendungen für Forschung & Entwicklung am BIP laut einer OECD - Statistik:
  • 2,6 % Schweden
  • 2,3 % Japan
  • 1,9 % Südkorea
  • 1,7 % Deutschland
  • 1,7 % USA
  • 1,2 % Frankreich
  • 0,9 % Kanada
  • 0,8 % Grossbritannien
  • 0,7 % Australien
  • 0,7 % Irland
  • 0,6 % Spanien
  • 0,5 % Italien
  • 0,4 % Brasilien
  • 0,3 % Portugal
  • 0,1 % Mexiko
Brasilien hat also noch einen weiten Weg vor sich, allerdings entwickelte westliche Länder wie Italien ebenfalls.

04 November 2007

Frage an Macintosh-Benutzer wegen eines iCal-Problems

In der normalen Kalenderansicht steht korrekt "Samstag 3" und "Sonntag 4", aber in der Druckvorschau erscheint anstelle des Sonntages mit dem Datum 4.11. plötzlich nochmal der Sonnabend mit dem Datum des 3.11., ausgedruckt wird ebenfalls zweimal der Sonnabend:
Hat jemand unter den Lesern von Brasilien Aktuell, der auch einen Macintosh benutzt, eine Ahnung, wie man diesen Fehler beseitigt und was seine Ursache ist? Ich bekomme zwar in zwei Wochen den Leoparden und hoffe, dass nach der Installation der Defekt verschwunden ist, würde aber trotzdem gerne wissen, was der Panther falsch macht! Das Problem existiert übrigens sowohl auf meinem G3- als auch auf meinem G4-iBook.

03 November 2007

Brasiliens Wirtschaft steigert Gewinne

SERASA, eine brasilianische Kreditauskunftsfirma, hat die Situation von 9.700 Firmen anhand ihrer Bilanzen analysiert und festgestellt, daß deren Umsatzrentabilität einen Sprung nach oben gemacht hat. 2006 betrug der Mittelwert 5,5 %, im ersten Halbjahr 2007 aber schon 6,6 %. Wenn man sich die Situation der einzelnen Sektoren ansieht, kann man wichtige Unterschiede erkennen:

Industrie
Mittelwert 6,7 %
Stahlerzeuger 23,0  %
Papier & Zellulose 17,9 %
Chemie & Petrochemie 5,9 %

Dienstleistungen
Mittelwert 9,9 %
Elektroenergie 18,1 %
Festnetztelefonie 11,8 %
Transport 7,3 %

Handel
Mittelwert 2,0 %
Oberbekleidung 6,1 %
Fahrzeuge und Komponenten 2,2 %
Nahrungsmittel 1,6 %

Die Umsatzrentabilität des Mobiltelefonbereiches betrug übrigens nur sehr magere 0,3 %. Der Telefonsektor ist seit 1989 privatisiert. 

02 November 2007

Interlagos - São Paulo

Wie von Herrn Besser aus Madrid gewünscht, folgt ein Foto, welches meinen Blick aus dem Bürofenster zeigt, hier kann ich abends den Sonnenuntergang über dem Wasser erleben:



01 November 2007

Valparaíso

Ich habe immer geglaubt, mit meinem Büro in Interlagos mit Blick auf den Stausee Guarapiranga eine privilegierte Lage zu haben, aber mein Partner in Chile Malte Medo hat mich eines besseren belehrt, hier sehen Sie sein Büro:


Wenn Sie ihn zur Verbesserung Ihrer Produktion um Rat fragen möchten, dies ist seine E-Mailadresse: medo@medo-consulting.de

Der Euro steigt gegenüber dem Dollar, was aber den Real nicht beeindruckt

Euro - Real letzte drei Monate:


Dollar - Real letzte drei Monate:


Euro - Real letzte fünf Jahre:


Dollar - Real letzte fünf Jahre:

Diese Entwicklung sei all den Kunden ins Stammbuch geschrieben, die sich darüber wundern, daß sie heute in Euro mehr für Nebenkosten wie Hotel, Postversand, Warentransport, Taxi et cetera bezahlen müssen als vor einem Vierteljahr und dies zum Anlaß nehmen, diesbezügliche Rechnungen nur schleppend und murrend zu begleichen. Sie sollen sich damit trösten, daß ihre brasilianischen Kunden im Gegenzug mehr importieren können, weil der Import für sie jeden Tag billiger wird.

31 Oktober 2007

Boom mit gebremsten Schaum

Die  brasilianische Wirtschaft wächst und wächst und wächst? Nicht so, wie es sein könnte. Die Nachfrage ist da, im Erdölbereich, im Bergbau, aber auch in der Autoindustrie, bei unserem einzigen Flugzeugbauer, im Informatiksektor, im Einzelhandel und bei der Bekleidungsindustrie. Aber sie kann nicht befriedigt werden, denn es fehlt an ausgebildeten Mitarbeitern, was sich übrigens sogar im Agrobusiness bemerkbar macht, vor allem im Zucker - Alkohol - Bereich. 

Eine der ganz großen Elektromotorhersteller, die weit über Brasiliens Grenzen bekannte und weltweit agierende WEG, hat dieses Jahr schon dreitausendfünfhundert Mitarbeiter eingestellt, aber hat immer noch fünfhundert offene Stellen! Caterpillar und Volvo sind ebenfalls auf der Suche nach Fachkräften. Die Autoindustrie, die bereits im Dreischichtbetrieb arbeitet, griff deshalb schon auf ihre Rentner zurück. 

Der Engpaß liegt bei der Ausbildung und ist deshalb so schnell nicht zu beseitigen. Ein anderer Engpaß wurde vor zwei Wochen angekündigt. Petrobrás mußte die Auslieferung von Erdgas um siebzehn Prozent zurücknehmen, um die Versorgung der Thermokraftwerke nicht zu gefährden. Dafür ging den Tankstellen das Naturgas aus und die Fahrzeuge, die mit Gas betrieben werden, darunter viele Taxis, bildeten lange Schlangen vor den wenigen Tankstellen, wo man noch Gas tanken konnte. Im Bundesstaat Rio mußten Glas- und Chemiefabriken stillgelegt werden, darunter Bayer. Und Bolivien hat kein Geld für dringend nötige Investitionen, aber Petrobrás bzw. die Regierung Lula signalisiert schon, daß man trotz der Enteignung der Petrobrásstützpunkte wieder investieren wird. Bedingung ist natürlich, daß die Bolivianer sich an die neuen Verträge halten. Bei den alten Verträgen hat es jedenfalls nicht geklappt...

30 Oktober 2007

Wirtschaftsboom am Zuckerhut - ab April 2008 im Buchhandel!

Will Brasilien Devisen???

Anscheinend nicht, denn wenn eine Firma ihrer nicht operativen Tochter Geld nach Brasilien überweisen will, weil mangels Guthaben sonst das Firmenkonto geschlossen wird, gibt es Hindernisse. Das Geld kommt zwar an, aber die Bank fragt vor dem Zwangsumtausch, wofür es bestimmt ist. Und da gibt es nur wenige Möglichkeiten, zu denen das einfache Zurverfügungstellen eines Betrages nicht gehört. Da muss es schon eine Kapitalerhöhung oder ein Darlehen, ein Dienstleistungshonorar oder eine Spesenerstattung sein. Und das Geld landet in Landeswährung nur auf dem Firmenkonto, wenn alle erforderlichen Dokumente zum Nachweis der Klassifizierung der Überweisung eingereicht werden. Unabhängig von der Höhe der Überweisung!

Und wie sieht es bei Kontoeröffnungen für Ausländer aus? Wenn ein frisch eingewanderter Mitarbeiter einer Firma ein privates Bankkonto aufmachen möchte, um sein von einer brasilianischen Firma in Landeswährung gezahltes Gehalt zu bekommen, verlangt die Bank eine Kopie seiner Gehaltsabrechnung (neben seiner Steuernummer et cetera). Und wenn es sich um das erste Gehalt handelt und die Gehaltsabrechnung noch nicht vorliegt, kann das Konto eben nicht eröffnet werden.

Und wenn ein frisch eingewanderter Mitarbeiter nur ein befristetes Visum hat, eröffnen manche Banken überhaupt kein Konto für ihn. Es sei denn, er versucht es bei einer anderen Filiale der selben Bank. dann klappt es (manchmal).

29 Oktober 2007

Der Höhenflug des R$ ist kaum zu bremsen...

...oder ist es eher der Sinkflug des US$? Nachdem der Leitzins in den USA offensichtlich reduziert werden wird, machen sich die Auswirkungen schon im voraus bemerkbar, der Kurs (câmbio comercial) war heute 1 US$ = 1,756 R$. Man ist es schon leid, jeden Tag zu sagen, wann der Kurs das letzte Mal so tief lag. Wer es wissen will, es ist siebeneinhalb Jahre her (April 2000). Dafür steigt der IBOVESPA - Index, heute auf 65.336 Punkte. Wohl dem, der Geld zum Anlegen hat!

28 Oktober 2007

Neugestaltete Eurolatina-Homepage

Wenn Sie Zeit und Lust haben, klicken Sie bitte in die Überschrift. Sie kommen dann zur Eurolatina - Homepage. Der Webauftritt wurde von mir gestrafft und übersichtlicher gestaltet. Der deutsche Teil ist vorläufig abgeschlossen, der portugiesische teilweise, am spanischen und englischen arbeite ich noch.

27 Oktober 2007

FOKUS LATEINAMERIKA

Wenn Sie in die Überschrift klicken, kommen Sie zum FOKUS LATEINAMERIKA der DEUTSCHEN WELLE. In der nächsten Woche können Sie in diesem Radioprogramm ein Interview mit mir hören. Das Thema sind die unerwarteten Probleme und Fallstricke, die einen deutschen Unternehmer in Brasilien erwarten mit Hinweisen, wie diese von den Neuankömmlingen im Lande vermieden werden können. Wobei manchmal auch die Alteingesessenen betroffen sind.

Die Programmbeiträge können übrigens auch heruntergeladen werden, wer auf seinem Rechner iTunes hat, kann diese Aufgabe getrost dem Programm überlassen, hier ist der Vorgang über ein kostenloses Abonnement automatisiert.

SENDERHINWEIS:
Kompakte Hintergrundinformationen aus Lateinamerika. Das Wichtigste aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Kritische Analysen, lebendige Reportagen, exemplarische Alltagsgeschichten. Mo. bis Fr., um 22.15 Uhr MEZ.

Eurolatina

Hier sehen Sie die geographische Verteilung der 5.141 Besucher, die in den letzten acht Monaten auf der Eurolatina - Homepage waren:

Höhen und Tiefen in Brasilien

Diese Woche hat einige Leute glücklich gemacht, andere eher weniger. Zu den Glücklichen gehören die Verkäufer und die Käufer der BOVESPA-Aktien, denn die Börsenholding ging gestern an die Börse und erlöste 5,1 Mrd. R$ für ihre Aktien. Diese stiegen daraufhin um 52 %. Insgesamt wurden gestern 10,1 Mrd. R$ an der BOVESPA umgesetzt, ein neuer Rekord. Auch der Börsenindex schaffte mit 64.275 Punkten einen Rekord und da wollte der US$ nicht nachstehen und sackte auf den tiefsten Wert seit April 2000 ab,  1,769 R$ war er nur noch wert. Es steht zu befürchten (oder zu hoffen, hängt vom Blickwinkel ab), daß er noch tiefer sinkt, wenn die BOVESPA - Aktien bezahlt werden und dazu US$ ins Land strömen, denn 80 % der Aktien wurden im Ausland geordert. 

Weniger glücklich waren gestern sicher die neun Hauptbeschuldigten im Fall Cisco, die verdächtigt werden, im großen Umfang über Scheinfirmen - laranjas, also Apfelsinen sagt man dazu bei uns -  unterfakturierte Produkte importiert zu haben, deren Untersuchungshaft angeordnet wurde. 

Nicht glücklich, aber auch nicht unglücklich war ein ehemaliger Kunde von mir, der einen nach Brasilien verkauften Stanz- und Biegeautomaten auf der CORTE & CONFORMAÇÃO ausstellen wollte. Wie er mir vorgestern erzählte, konnten er und weitere elf Aussteller diesem Namen nicht gerecht werden, denn die auszustellenden Maschinen waren im Zoll und da blieben sie auch vorläufig. Aber wenigstens konnten etliche Maschinen auf der Stanz- und Umformmesse trotz des Handicaps verkauft werden. Ein Hinweis in diesem Zusammenhang auf die lange Zeit, die man in bestimmten Sektoren braucht, um Exporterfolg zu verzeichnen. Um obige Maschine zu verkaufen, waren anderthalb Jahre Einsatz des lokalen Verkäufers nötig! Aber es hat sich gelohnt und der von mir aufgebaute Firmenpool Brasilien / Mercosur der IHK Essen hat ein weiteres zufriedenes ex - Mitglied.

22 Oktober 2007

Eurokurs zum Real vom 19.10.2007

kommerzieller Kurs: 
2,5421 Kauf / 2,5427 Verkauf

Tourismuskurs:
2,4500 Kauf / 2,6830 Verkauf BANCO DO BRASIL
2,5200 Kauf / 2,7100 Verkauf COTACÃO SA

Der gespaltene Kurs ist zwar angeblich schon längst abgeschafft, lebt aber immer noch!

Brasiliens Außenhandel

Der höchste Einfuhrzoll beträgt in Brasilien 35 %, der mittlere ist 12,5 %. Man überlegt, den Höchstwert zu halbieren, dann würden 39 % der tatsächlich erhobenen Zölle niedriger. Aber bis dahin ist es noch weit und ohne Zugeständnisse seiner Handelspartner im Agrarbereich wird Brasilien ebenfalls starr bleiben.

Dabei schwimmen unserem Land die Felle weg, denn alleine 2006 hat Brasilien USA - Exporte im Wert von etwas mehr als einer Milliarde US$ an China verloren. Diese Aufzählung spricht Bände (BR = Brasilien, C = China, Export in Mrd. US$ in die USA):
  • 2000: BR 13,7 / C 99,6
  • 2001: BR 14,4 / C 102,1
  • 2002: BR 15,6 / C 124,8
  • 2003: BR 17,7 / C 151,6
  • 2004: BR 21,1 / C 196,2
  • 2005: BR 24,3 / C 242,6
  • 2006: BR 26,2 / C 287,1
Die brasilianischen Verluste wiegen schwer und beeinträchtigen etliche Wirtschaftszweige:
  • 305,5 Mio.US$ Maschinen und elektrische Apparate
  • 81,1 Mio. US$ Schuhe und ähnliche Erzeugnisse
  • 80,2 Mio. US$ Gußeisen, Eisen und Stahl
  • 78,3 Mio. US$ Maschinen und mechanische Instrumente
  • 74,8 Mio. US$ Möbel
  • 66,8 Mio. US$ Holz und Holzkohle
  • 50,2 Mio. US$ Textilerzeugnisse
  • 49,9 Mio. US$ Fe - Gußteile
  • 43,5 Mio. US$ Aluminium und Alu-Erzeugnisse
  • 34,2 Mio. US$ Autos
  • 194,9 Mio. US$ sonstige Erzeugnisse
Besorgniserregend muß für Brasilien sein, daß nur 30,2 % der Produkte mit einem Exportrückgang von insgesamt 1,06 Mrd. US$ kaum Technologie enthalten, 26,3 % aber Hochtechnologieprodukte waren. 

21 Oktober 2007

Devisenreserven und Investmentfond

Brasiliens Zentralbank kauft wieder US-Dollar, in drei Arbeitstagen wuchsen deshalb die Devisenreserven um 1,8 Mrd. US$. Erst bei 180 Mrd. US$ will man aufhören, die Reserven weiter zu vergrößern, dazu fehlen nur noch 16 Mrd. US$, die man wahrscheinlich bis Mitte Dezember „im Sack“ hat. Hoffentlich fällt dann der Dollar ohne Intervention der Zentralbank nicht ins Bodenlose. Aber Minister Mantega beruhigt bereits die Gemüter, die Käufe gehen weiter, aber nicht zur Erhöhung der Devisenreserven (bzw. zur Erhöhung des Dollarkurses), sondern zur Bildung eines Investmentfonds (FUNDO SOBERANO DO BRASIL).

16 Oktober 2007

Unorthodoxe Kostenvermeidungsmethoden sind teuer

Der US-Konzern Cisco Systems steht unter dem Verdacht, seit 2002 die hohen Importkosten Brasiliens durch Unterfakturierung und Steuerhinterziehung reduziert zu haben. Vierzig Personen sind verhaftet worden, der Wert der Imporware soll 500 Mio.US$ betragen und die nachzuzahlenden Steuern plus Strafen und Zinsen sollen bis 1,5 Mrd. R$ betragen. Das sind Größenordnungen, die der Mittelstand sich als Umsatz erträumt.

15 Oktober 2007

Warum brasilianische Exporteure ihre Europreise erhöhen müssen

Von den Dollarpreisen ganz zu schweigen, denn der Real wurde ihm gegenüber in den letzten fünf Jahren um fast 100 % aufgewertet. Aber sprechen wir vom Euro:
  • Dieser in den letzten 5 Jahren eine Tauchfahrt von 3,90 R$ auf jetzt unter 2,55 R$ gemacht
  • Wenn der Exporteur seine Preise in Real trotz Inflation konstant hielt, bekommt er heute für 50.000 € Warenwert nur 127.500 R$; nur, weil es vor fünf Jahren noch 195.000 R$ gewesen wären
  • Der Exporteur hat also eine Einbuße von 67.500 R$ zu verzeichnen, die sich natürlich in seiner Gewinn- und Verlustrechnung stark bemerkbar macht, denn er zahlt seine Ausgaben in R$, nicht in €
  • Um in R$ keine Einbuße zu erleiden, müßte er also seine €-Preise anheben, in unserem Beispiel von 50.000 € auf 76.471 €, das sind rund 53 % Erhöhung
  • Welcher Einkäufer in Deutschland glaubt ihm jetzt, daß er bei dieser Erhöhung keinen R$ mehr in der Tasche hat als vor fünf  Jahren bei dem niedrigeren Preis? Das 53 % Preiserhöhung nur der Werterhaltung dienen? Und noch nicht einmal einen Inflationsausgleich beinhalten?
Wenn Sie sich jetzt diesen Kursverlauf ansehen, erkennen Sie, daß man gar nicht 5 Jahre zurückgehen muß, denn der wesentliche Kursverlust fand 2005 statt, also in nur einem Jahr!

Was dem einen "sin Uhl" ist dem anderen "sin Nachtigall", d.h. der deutsche Exporteur kann sich natürlich genauso freuen, wie der brasilianische sich ärgern muß. Übrigens gelten diese Ausführungen natürlich auch für den Export von Dienstleistungen von Brasilien nach Euroland, für den Fall, daß sich jemand über unsere Honorare wundert (die noch nicht angepaßt wurden).

14 Oktober 2007

Spanier laufen Deutschen in Brasilien den Rang ab

Wenn ThyssenKrupp kein neues Stahlwerk im Bundesstaat Rio de Janeiro bauen würde, sähe die Situation noch finsterer aus, denn spanische Unternehmen haben inzwischen in den letzten zehn Jahren in Brasilien 33 Milliarden US$ investiert:

  • OHL und ACCIONA haben letzten Dienstag die Konzession von sechs Bundesstraßen mit insgesamt 2.278 km ersteigert, angeboten waren sieben mit 2.600 km. OHL hatte bereits vorher die Konzession für vier Bundesstraßen und ist damit nach der Straßenlänge mit insgesamt 3.225 km Marktführer. 
  • Santander hatte 2000 die Landesbank von São Paulo, Banespa, gekauft. Letzten Mittwoch kam über ein Konsortium noch die ABN Amro dazu, damit ist Santander nach Banco do Brasil und Bradesco jetzt die drittgrößte Bank in Brasilien.
  • Im Dezember 2006 hatten ABENGOA und ISOLUX vier von sechs angebotenen Hochspannungsleitungen gekauft.
  • Schon 1998 hatte die TELEFÓNICA die Telesp gekauft, die heute bei den stationären Telefonen mit 12,2 Millionen Apparaten den Rang 2 einnimmt. Bei den Mobiltelefonen ist die Firma Teilhaberin des größten brasilianischen Anbieters Vivo.

13 Oktober 2007

Kursentwicklung von Dollar und Euro zum Real


EURO - REAL während der letzten 5 Jahre

DOLLAR - REAL während der letzten 5 Jahre



EURO - REAL während der letzten 12 Monate


DOLLAR - REAL während der letzten 12 Monate


Exporteure sollten in die Überschrift klicken und die Gunst der Stunde nutzen!

12 Oktober 2007

Investitionsrekord

59 Milliarden US$ als Investition in fünf Jahren, das ist die Summe, die Vale do Rio Doce ankündigte. Das ist der höchste Investitionsplan einer privaten Firma, den es je in Brasilien gegeben hat! Alleine 2008 sollen 11 Milliarden US$ investiert werden. Hier einige weitere Investitionszahlen für 2008:
  • 3,6 Mrd. US$ im NE - Erzbereich
  • 3,2 Mrd. US$ im Eisenerzbereich
  • 1,8 Mrd. US$ für Logistik
  • 0,755 Mrd. US$ im Aluminiumbereich
  • 0,470 Mrd. US$ für Erzeugung von Elektroenergie

Firmenpool Brasilien, Wechselkurs und Marktchancen in Brasilien

Die Mühlen des Mittelstandes mahlen manchmal sehr langsam, aber hoffentlich fein. Ich bin mindestens viermal im Jahr in Deutschland, um für eine Firmenpoolmitgliedschaft zu werben. Da ich kein Waschmittel verkaufe, versuche ich immer im Vorfeld die an Brasilien interessierten Firmen kostenlos (!) zu beraten und zwar mit Hilfe einer realistischen Markteinschätzung und Angabe von Erfahrungswerten zum Aufwand, den brasilianischen Markt erfolgreich zu bedienen. Dabei verstecke ich nie die Probleme, die in Brasilien auf den deutschen Unternehmer warten. Ist das vielleicht der Grund, warum Firmen sich erst zwei bis drei Jahre nach einem (und oft einem zweiten und dritten) Beratungsgespräch wieder melden, um Poolmitglied zu werden?

Wenn eine Firma sich dann endlich entschieden hat, geschieht dies manchmal nur halbherzig, was ich daran merke, daß kein Firmenmitarbeiter, egal welcher Ebene, während der Mitgliedschaft Brasilien besucht. Dann ist der Poolbeitrag, der an die Trägerorganisation IHK Essen gezahlt wird, eigentlich verschwendetes Geld. Wer Erfolg haben will, muß Brasilien besuchen und hier durch uns vorbereitete Gespräche mit Geschäftspartnern, seien es Kunden oder Vertriebsmittler, führen, um Aufträge zu erhalten. Daß das funktioniert, zeigt das Beispiel eines Besuchers, der gestern wieder abflog. Es war sein zweiter Besuch und der Erfolg zeigt sich in einem Umsatz für Maschinenbaukomponenten in Höhe von 300.000 € in diesem Jahr. Dafür muß man eben mal in vier Tagen 800 km mit mir mit dem Auto fahren und einen Firmenbesuch per Flugzeug machen, um bei neun Firmen vorzusprechen. Was nicht schlecht ist, wenn man bedenkt, daß wir gestern wegen des heutigen Feiertages in São Paulo 220 km Stau auf den Hauptverkehrsadern hatten.

Was ich auch immer feststelle, ist die Zugeknöpftheit des Mittelstandes, wenn es um Beschaffung von Informationen geht. Diese sind meist nicht öffentlich zugänglich und trotzdem wollen die wenigsten Firmen dafür bezahlen. Dabei sind diese niedrigen Kosten schnell wieder hereingespielt, wenn man wegen der guten Marktkenntnis erfolgreich ist. 

Im Augenblick haben Firmen, deren Produkte die Wettbewerbsfähigkeit der brasilianischen Industrie stärken, große Chancen. Der Dollar lag gestern kurzzeitig bei 1,789 R$ (der niedrigste Wert seit dem 31.7.2000!) und schloß dann mit 1,806 R$. Das erleichert den Export deutscher Maschinenbauprodukte, mit denen die hiesige Produktivität so gesteigert werden kann, daß Brasilien weiter exportfähig bleibt und die einheimische Industrie nicht weiter Markt an den Import verliert. Gestern war ich bei einer brasilianischen Firma ca. 550 km von São Paulo entfernt, die mit WMW - Werkzeugmaschinen arbeitet! Wer diese Firma nicht kennt, es handelt sich bei dem Hersteller um einen VEB, also für die Jüngeren, um einen volkseigenen Betrieb der DDR, der die Maschine vor 45 Jahren lieferte!

Wer jetzt nicht versucht, nach Brasilien zu kommen oder zu verkaufen, wird es wahrscheinlich nie machen. Die augenblickliche Wechselkursentwicklung ist so günstig für den deutschen Exporteur, daß er agieren sollte. Zum Jahresende wird 1 US$ = 1,75 R$ erwartet und am Ende des ersten Vierteljahres 2008 sehen seriöse Analytiker den Kurs bei 1,70 R$. Brasilien ist die zehntgrößte Volkswirtschaft dieser Welt, ist das fünftgrößte Land der Erde, unheimlich reich an natürlichen Ressourcen und die 190 Millionen Brasilianer transformieren sich zunehmend in Konsumenten, worauf warten die Exporteure??? Wie sagte gestern der Eigentümer der von mir besuchten Firma meinem deutschen Besucher? Brasilien ist reich, die Wirtschaft floriert trotz aller bürokratischen Hürden, es gibt mehr als genug Geschäftsmöglichkeiten. Aber der Ausländer, der in Brasilien Geschäfte machen will, sollte sich wegen der Probleme mit einem einheimischen Partner zusammentun, der Land, Leute und Geschäftsusancen kennt. Das kann ich nur unterstreichen, aber mit dem Zusatz, sich diesen brasilianischen Partner sehr sorgfältig auszusuchen. 

Und wer Maschinen exportiert, sollte an die für hiesige Verhältnisse sehr günstigen Finanzierungsangebote z.B. der WestLB oder LBBW denken!  Selbst wenn der brasilianische Kunde nicht flüssig ist, gibt es Wege, ihm den Kauf einer Maschine ohne Nachteile oder Risiken für den Exporteur zu ermöglichen!

PS: Wenn Sie mehr über den Firmenpool Brasilien / Mercosur der IHK Essen wissen wollen, klicken Sie bitte in die Überschrift!

11 Oktober 2007

Weltwindenergiepreis für Brasilien

Am 20.3.2006 hatte ich rückblickend über Windenergie in Brasilien geschrieben. In Argentinien fand gerade die sechste Weltwindenergiekonferenz statt, auf der Brasiliens PROINFA - Programm am 5. Oktober mit obigem Preis ausgezeichnet wurde.

Der Weltwindenergieverband sagt dazu (Zitat): "Durch den Einsatz der Preisträger sei das Windenergiepotenzial Brasiliens derart genutzt worden, dass das Land zur führenden Windenergie-Nation in Lateinamerika wurde, lobte die WWEA. Seit dem Start des Proinfa-Programms seien Kaufverträge über 1.423 Megawatt Windkraft-Leistung geschlossen worden, die bis Dezember 2008 installiert sein sollen. Gegenwärtig hat Brasilien eine Windstrom-Kapazität von insgesamt 237 MW, von der 208 MW im Jahr 2006 im Zuge des Proinfa-Programms realisiert wurden. Die WWEA sieht die Schaffung und Umsetzung des Proinfa-Programms als ein herausragendes Beispiel dafür, wie ein Schwellenland die Windenergie im großen Stil einführen kann. Ein fester Einspeisetarif für einen bestimmten Zeitraum habe bereits in Dänemark, Deutschland und Spanien für einen rasanten Ausbau der Windenergie-Industrie gesorgt und Brasilien sei das erste lateinamerikanische Land, welches vergleichbare Regelungen getroffen habe und dennoch die spezifischen Bedingungen vor Ort beachte. Aus diesem Grund muss die Wertschöpfung von Windparks zu 60 % in Brasilien erfolgen, was den Ausbau einer eigenen Windindustrie erforderlich macht, gemeinsam mit internationalen Windenergieanlagenherstellern."

07 Oktober 2007

Petrobrás - ein Gigant

  • Nettoeinnahmen: 158,2 Mrd. R$/a
  • Nettogewinn: 25,9 Mrd. R$/a
  • Investitionen: 33,7 Mrd. R$
  • Aktionäre: 247.580 (die aber gegenüber der Regierung, die trotz Privatisierung auch Aktionär ist, nichts zu sagen haben, d.h. Petrobrás ist halbstaatlich unter dem vollen Einfluß der Regierung)
  • Exploration: 63 Bohrungen, davon 44 im Meer
  • Reserven: 11,458 Billionen barrels Erdöl und (äquivalentes) Erdgas
  • Förderung: 12.895 produktive Bohrungen, 725 davon im Meer
  • Produktionsplattformen: 103, davon 76 stationäre
  • Raffinerien: 16
  • Ausstoß der Raffinerien: 1.872.000 barrels am Tag
  • Pipelines: 31.089 km
  • Flotte: 155 Schiffe, davon 51 eigene
  • Tankstellen: 5.870, davon 638 eigene
  • Düngemittel: 3 Fabriken, 1.852 metrischen Tonnen Ammonium, 1.598 metrische Tonnen Harnstoff

China, Brasilien und Schuhe

Sie kennen doch die alte Geschichte vom Schuhverkäufer aus den Zeiten, als man solche Dinge noch sagen konnte, ohne gleich in den Verdacht der Diskriminierung zu kommen, der begeistert aus Afrika zurückkommt: "Alle laufen dort barfuß herum, welch ein Markt!". Wobei wir nicht den pessimistischen Kollegen vergessen sollten, der enttäuscht nach seiner Afrikareise meinte "Kein Markt, kann man vergessen, niemand benutzt dort Schuhe!".

Auch in Brasilien laufen viele Menschen barfuß oder mit "Minimalsandalen" herum, wobei es durchaus diskriminierend gemeint ist, wenn jemand als pé de chinelo bezeichnet wird, also als Träger solcher Sandalen, die meist den ganz Armen in Form von einfachen Gummisohlen mit einer Schlaufe für die Zehen vorbehalten sind. Wenn sie nicht durch geschicktes Marketing und Formgebung aufgewertet und damit auch für die Mittelschicht hoffähig werden und sich in dieser Form mittlerweile sogar zum Exportschlager entwickelten. 

China hat heute zwischen 300 und 400 Millionen Verbraucher. In Brasilien sind es weit weniger, die Einwohnerschaft wird auf knapp 190 Millionen geschätzt, und nicht alle sind Konsumenten. Und was hat das mit Schuhen zu tun?

Brasilien ist der viertgrößte Schuhexporteur des Planeten mit einer Gesamtproduktion von 796 Millionen Paar im Jahr, davon werden 180 Millionen exportiert. Von Januar bis August 2007 exportierte Brasilien dabei nach China 59.000 Paar Schuhe im Wert von 927.000 US$. Das nimmt sich bescheiden gegenüber den 14,5 Millionen Paar aus, die Brasilien im Wert von 89,8 Millionen US$ aus China im gleichen Zeitraum bezog.  Wobei der bescheidene Export nach China durch die unaufhörliche Aufwertung des Real mehr als gefährdet ist. 

06 Oktober 2007

Wo wird BRASILIEN AKTUELL gelesen?

Aus diesen Ländern kamen die letzten 100 Leser von Brasilien Aktuell:
Und die Computer der Leser haben folgende Betriebssysteme:
Wobei mich als langjähriger Apple - Benutzter freut, daß "meine" Gemeinde mit 14 % vertreten ist. Sie wissen ja, frage nie jemanden, welchen Rechner er benutzt. Denn wenn es ein Macintosh ist, wird er es dir erzählen. Und wenn es ein Windowsrechner ist, warum willst Du ihn beschämen?


Neue Stahlwerke bieten Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Anlagenbauer und Zulieferer

Vale do Rio Doce hat viel vor, nachdem man einen höheren Firmenwert als Petrobrás vorzeigen kann (Beitrag vom 29.9.07). Nach den 5 Mrd. US$, die das neue Stahlwerk Cia. Siderúrgica Vitória im Bundestaat Espírito Santo, welches ein Gemeinschaftsunterfangen mit Baosteel aus China ist, kosten wird, will man ähnliche Summen in den Bau zweier weiterer neuer Stahlwerke investieren. Diese sollen mit der indischen Tata und der japanischen JFE gebaut werden.

Übernahme verändert brasilianische Bankenlandschaft

Die Übernahme der ABN Amro durch ein Konsortium verändert unsere Bankenlandschaft. In Brasilien fällt ABN der spanischen Santander - Bank zu, damit haben wir, nach Aktiva geordnet, eine neue Rangfolge:
  1. Banco do Brasil: 333 Mrd. R$
  2. Bradesco: 291 Mrd. R$
  3. Santander + ABN: 278 Mrd. R$
  4. Itaú: 255 Mrd. R$
  5. Caixa Económica: 238 Mrd. R$
  6. Unibanco: 130 Mrd. R$
  7. HSBC: 68 Mrd. R$
  8. Safra: 67 Mrd. R$
  9. Votorantim: 60 Mrd. R$
Beide Banken zusammen beschäftigen in Brasilien über 53.000 Mitarbeiter, wobei nach der Fusion diese Zahl wahrscheinlich deutlich kleiner sein wird. Im Gegenzug wird der vereinigte Gewinn von 2,26 Mrd. R$ (erstes Halbjahr 2007) sicher steigen. Den bringen dann die heute über 21.000 Kunden, die sich an fast 17.000 Bankautomaten selbst bedienen können.

Nochmal Kriminalität und Morde

Die brasilianische Regierung war vom UNO-Bericht nicht begeistert, der der Stadt São Paulo 1 % (siehe Beitrag vom 3.10.07) aller weltweit verübten Morde zuschrieb und hat günstigere Zahlen vorgelegt. Trotzdem muß, obwohl nach diesen Zahlen die Mordrate erheblich zurückgegangen ist, beachtet werden, daß Mörder lange Zeit in einer Justizvollzugsanstalt bleiben. Dementsprechend sind diese im Bundesstaat São Paulo auch  "gut besetzt":
  • Raub / Diebstahl: 37.832 Strafgefangene
  • Rauschgifthandel: 26.529 Strafgefangene  
  • Mord ersten Grades: 10.507 Strafgefangene
  • Mord zweiten Grades: 6.060 Strafgefangene
  • Raubüberfall mit Todesfolge: 4.539 Strafgefangene
  • Vergewaltigung: 3.268 Strafgefangene
In nur einem Jahr wurden im Bundesstaat São Paulo 10.207 Rauschgifthändler festgenommen. Im Juni 2006 saßen wegen dieses Deliktes 18.040 Täter ein, ein Jahr später waren es schon 28.247, also 58 % mehr. Wenn man von der Zahl der im Juni 2006 Einsitzenden die internationalen Rauschgifthändler abzieht, bleiben immer noch 17.234 übrig, im Juni 2007 waren es schon 26.529. Der Bundesstaat São Paulo ist der einzige Brasiliens, der eine Justizvollzugsanstalt nur für Ausländer besitzt, dort in Itaí sitzen 900 Täter aus 80 Nationalitäten ein. Die meisten von ihnen wurden wegen Rauschgifthandels in den Flughäfen des Bundesstaates verurteilt. Die Zahl der wegen internationalen Rauschgifthandels Einsitzenden stieg von 806 im Juni 2006 auf 1.718 im Juni 2007. Auch Vergewaltiger haben den zweifelhaften Vorzug, besondere Strafanstalten zu "bewohnen", in Oswaldo Cruz und Sorocaba findet man in den beiden Sonderstrafanstalten nur diese Art von Häftling, die in "normalen" Gefängnissen um ihr Leben fürchten müßten.  

Wer dies liest, fühlt vielleicht den Drang, die EXPOSEC - International Security Fair in São Paulo zu besuchen, die vom 27. bis 29. Mai 2008 im Centro de Exposições Imigrantes stattfindet. Letztes Jahr haben dort 256 Firmen ausgestellt, die Messe wurde von 23.000 Menschen besucht.

05 Oktober 2007

Dollar auf Siebenjahrestiefstand

Der Dollarkurs (comercial) rutschte heute auf 1,804 R$ ab, so tief stand er seit dem 15.8.2000 nicht mehr. Schuld sind die Höhenflüge unserer Aktienkurse, Investoren verkaufen Dollar und kaufen Aktien. Und wo soll das enden? Die Auguren sprechen schon von 1,50 R$ pro Dollar für nächstes Jahr. Frohes Planen!

€ zum R$ am 4.10.07:
US$ zum R$ am 4.10.07:

Big Brother hat auch seine guten Seiten...

...denn die Kraftfahrzeugversicherungen werden nach einer Zeitungsmeldung von heute wahrscheinlich billiger werden, eventuell bis zu 20 %. Also heißen wir die totale Fahrzeugüberwachung in São Paulo willkommen?

(Nachtrag zum Blogeintrag vom 3.9.07)

04 Oktober 2007

Bilder vom Tag der Deutschen Einheit im Club Transatlântico in São Paulo






03 Oktober 2007

Big Brother kommt demnächst in São Paulo an

Nach zehnjähriger Diskussion ist es soweit, im März 2008 wird das System ausgeschrieben, welches eine lückenlose Überwachung aller Fahrzeuge in São Paulo und später auch in anderen brasilianischen Städten erlaubt. Bei uns in São Paulo werden 2.500 Antennen in der Stadt installiert werden, die die Signale der tags in den vorbeifahrenden Autos empfangen und an eine Zentrale zur Überwachung und Auswertung weiterleiten. Ausgestrahlt werden eine laufende Nummer (des tags), die Zulassungsnummer, die Fahrgestellnummer und das Nummernschild, damit kann genau festgestellt werden, wer wolang fährt und eventuell später auch, wie schnell(!). Für die Verkehrsplanung eine großartige Sache und für das Finanzamt und die Polizei ebenfalls, denn ein Drittel der Fahrzeughalter in São Paulo haben Schulden wie nicht bezahlte Zulassungsgebühren und Verkehrsstrafen. Und gestohlene Fahrzeuge lassen sich dann auch besser verfolgen, wenn die Diebe den tag im Fahrzeug lassen. Die Installation soll ab Werk erfolgen und die nachträgliche Anbringung bei schon laufenden Autos soll dem Eigner nichts kosten. Ich habe schon einen tag in meinem Auto, um an Mautstellen ohne zu halten durchzufahren, die Rechnung bekomme ich am Monatsende, die Bezahlung erfolgt per Bankeinzug. Der Fortschritt läßt sich nicht aufhalten?!

1 % aller Morde dieser Welt werden in São Paulo verübt?

Das fragt man sich in Brasilien und das sagt die UNO in einer gerade vorgelegten Verbrechensstudie. Die sich im Fall Brasiliens leider auf alte Zahlen, nämlich  zurück bis 1999 bezieht. Damals war der Höhepunkt einer Mordwelle in São Paulo erreicht, 52,2 % Morde auf je 100.000 Bewohner der Stadt. 2002 lag der Wert bei 43,7 und 2006 schon bei 18,9. Heute sind es 11 Morde auf 100.000 Stadtbewohner, immer noch zuviel, aber bestimmt auch für die UNO erwähnenswert. Wer hat wohl ein Interesse daran, solche Zahlen zu verfälschen und Panik zu schüren?

Analphabeten in Brasília

Kongress wird in Brasilien CONGRESSO geschrieben. Das wußte der Stempelmacher, der diesen offiziellen Stempel herstellte, denn in der unteren Zeile wurde die korrekte Schreibweise gewählt. Aber welche Teufel haben ihn geritten, als er die erste Zeile schrieb??? CONGREÇO ist definitiv falsch!

01 Oktober 2007

US-Dollar auf dem tiefsten Stand seit dem 17. August 2000

Am 1. Oktober 2007 schloß der Kurs mit 1,00 US = 1,81 R$ ab. Im September wurde der Dollar gegenüber der brasilianischen Währung um 6,52 % abgewertet, am 1. Oktober fiel er weitere 1,36 %. Mit ein Grund ist der Dollarverkauf durch ausländische Investoren, die Aktien in Brasilien kaufen, der Bovespa - Index stieg im September um mehr als 10 % und lag am 1. Oktober bei 62.340 Punkten. Wohl dem, der Geld zum Anlegen hat! Und die brasilianischen Exporteure warten auf die Zentralbank, denn nur dieser wird noch zugetraut, den Dollarkurssturz abzufangen. Die brasilianischen Importeure freuen sich und merken nicht, daß sie sich und dem Land keinen Gefallen tuen, wenn die industrielle Kraft des Landes nicht genutzt wird. Und die Importe wachsen und wachsen. Aber noch ist die Auslastung der einheimischen Industrie sehr gut, fragt sich, wie lange noch. 

Wer Technologie zu bieten hat, die es brasilianischen Fabriken erlaubt, in Augenhöhe mit ausländischen Firmen zu konkurrieren, sollte diese jetzt zur Produktivitätserhöhung, Kostensenkung und Qualitätssteigerung in Brasilien anbieten! Unsere Technologietransferprojekte zeigen, daß hier wirklich Nachfrage besteht. Also, carpe diem! Nutzen Sie die Gunst der Stunde! Denn mit dem starken Real kann zur Zeit importierte Spitzentechnologie auch bezahlt werden. Was übrigens mein Besuch auf der Exposibram bestätigte, denn dort waren etliche teure Maschinen mit dem Schild "verkauft" zu sehen.

29 September 2007

Zahlen zum brasilianischen Bergbau zeigen Absatzchancen für deutsche Exporteure

  • 28 Mrd. US$ sollen in den nächsten vier Jahren für Prospektion ausgegeben werden
  • 17,2 Mrd. US$ war der Handelsbilanzsaldo des Bergbaues, der Stahlerzeugung und des Metallsektors
  • 2007 soll der Wert auf 18,3 Mrd. US$ steigen
  • Der Wert der Vale do Rio Doce stieg seit 2004 um den Faktor 3,4
  • Der Bergbauanteil am BIP Brasiliens beträgt 5 %
  • Allein der Eisenerzsektor macht 0,75 % vom BIP aus
  • Zwischen 2000 und 2007 stieg der Eisenerzpreis um 180 %

Vale do Rio Doce überholt Petrobrás!

Vale do Rio Doce, der Vorzeigekonzern Brasiliens, wenn es um Bergbau geht, wurde am 7. Mai 1997 privatisiert und hört seitdem nicht auf, zu wachsen. Die Gruppe ist auf ihrem Sektor schon die Nummer drei auf der Welt und schlug am 28.9.2007 die nur teilprivatisierte Petrobrás, was den Firmenwert angeht, 156,3 Mrd. US$ gegenüber 155,4 Mrd. US$. Der Gewinn von Vale do Rio Doce (Tal des süßen Flusses) wuchs 557 % zwischen 2002 und 2006, der Nettogewinn von Petrobrás schaffte "nur" 220 %. Aber absolut gesehen schlägt Petrobrás mit 25,9 Mrd. R$ Nettogewinn gegenüber 13,4 Mrd. R$ Vale do Rio Doce immer noch. Der Vorteil der Bergbaufirma ist, daß sie keinem politischen Einfluß unterliegt, deshalb fordert auch die Arbeiterpartei von Lula die Zurücknahme der Privatisierung. Man stelle sich vor, wieviele Pöstchen und Posten man hier für politisches Wohlverhalten vergeben könnte, von den Geldern die man dringend für Wahlkämpfe und "andere Ausgaben" (siehe auch KORRUPTION IN BRASILIEN) braucht, ganz zu schweigen. Aber Gott sei Dank sind wir in Brasilien und nicht in Venezuela oder Bolivien, wo der Ruf nach Verstaatlichung wirklich ernst genommen werden müßte.

Exposibram und NRW

Der brasilianische Bergbau hört nicht auf, zu wachsen, was sich im Ausbau des Messezentrums in Belo Horizonte widerspiegelt, wo ich die Bergbaumesse Exposibram auf Einladung der Messe Düsseldorf und von NRW International besucht habe. Der NRW - Gemeinschaftsstand war gut bestückt, folgende Firmen stellten hier aus: Coal Control, DSI DYWIDAG, Eplan, Hard-Wear, Humboldt Wedag, Nilos, Putzmeister, Schwing, Voith Turbo, Wirtgen:


Hier sehen Sie den Schwing - Stand:


Links Herr Cem Bagci von der Messe Düsseldorf, in der Mitte Frau Miriam Palaschinski von NRW International und rechts Ihr Blogger:


Auf dem Weg zum Flughafen Confins von Belo Horizonte diese Aufschrift: FÜR DEN GENERALSTREIK GEGEN DIE REFORMEN. Daneben steht noch (mein Taxifahrer war zu schnell für meine Kamera, deswegen kann ich den Originaltext hier nicht zeigen): TOD DEN GROSSGRUNDBESITZERN:
Götz von Berlichingen hätte wahrscheinlich gesagt: TROTZDEM!


Der Flughafen Confins auf meinem Heimflug nach São Paulo fotografiert:

26 September 2007

Korruption in Brasilien


Die in Brasilien TRANSPARÊNCIA INTERNACIONAL genannte Nichtregierungsorganisation hat wieder mal einen Bericht vorgelegt und auf einer Skala von 0 bis 10 insgesamt 180 Länder klassifiziert, wobei man im Fall Brasiliens wohl eher sagen sollte desklassifiziert. Aber immerhin, anstelle von 3,3 wie im vorigen Jahr erreichten wir jetzt den Wert 3,5. Dazu muß man wissen, daß 3,3 der schlechteste Wert war, den Brasilien jemals erhielt, unter dem Präsidenten Fernando Henrique Cardoso waren es 4,1 (1999). Letztes Jahr nahm Brasilien den siebzigsten Platz ein und fiel dieses Jahr um zwei Plätze zurück, trotz der leichten Verbesserung der Benotung, weil neue Länder in die Bewertung mit einbezogen wurden. Bruno Speck, der Vertreter von Transparência Internacional in Brasilien, sorgte dafür, daß Brasilien sein Fett abbekam, denn er wies darauf hin, daß alle Noten unter 5 schwerwiegende Probleme für das betroffene Land, seine Wirtschaft und Einwohner bedeuten. In Südamerika gibt es aber immerhin zwei Länder, die darüber liegen, Chile mit 7,0 und Uruguay mit 6,7! An der Spitze stehen die Länder Dänemark, Finnland und Neuseeland mit jeweils 9,4, Somalia und Mianmar bilden mit 1,4 das Ende der Schlange. Irak mit 1,5 und Haiti mit 1,6 sind auch nicht viel besser. Deutschland fiel übrigens von 8,0 auf 7,8 zurück und blieb unverändert auf Platz 16. Die Karte von Transparency International, die ich dem deutschen Site der Organisation entnommen habe, vermittelt ein gutes Bild der globalen Situation. Man beachte die oft geschmähten USA! Grönland ist zwar weiß wie in einer Waschmittelwerbung, wurde aber nicht bewertet. Hier gilt also "weißer als weiß" nicht!

Paketversand von Prospekten / Firmenbroschüren

Das leidige Thema hatten wir schon. Ein Kunde schickte uns am 20. Juli 2007 zwei Pakete mit Prospekten, die (zunächst!) nie ankamen. Eines der Pakete hatte 5 kg, das andere wog 6 kg, in beiden Fällen wurde der Zollwert auf der Paketkarte mit 10 € angegeben. Das Porto betrug 37 und 52 €.

Da ein Direktor der Firma im Oktober in Brasilien mit mir Kunden besuchen will, biß man in den sauren Apfel und schickte neue Prospekte per DHL. Die auch ankamen und für die wir hier vor Ort wie folgt auf Basis des deklarierten Wertes von 30 € berappen mußten:

- 60 % Zoll = 18 €
- 18 % ICMS (Warenumlaufsteuer) = 10,54 € (Steuer auf Steuer von oben herab gerechnet!)
- Zollgebühren = 16,94 €

Kaum hatten wir die 45,48 € in Landeswährung bezahlt , kamen heute die beiden Pakete an, 69 Tage nachdem sie in Siegen abgestempelt wurden! Und ohne irgendwelche Kosten in Brasilien, Freihauslieferung! Sie waren zur Kontrolle geöffnet worden, der Inhalt wurde überprüft und genehmigt und das Ganze wurde nicht als Import wie im Fall der DHL-Sendung behandelt. Als Adressat war ich mit Namen der Firma und Firmenanschrift genannt.

Wer also Prospekte im Wert von 30 € verschickt, verursacht beim Empfänger in Brasilien 45,48 € Kosten. Wer sich dieses Geld offiziell von seinem Kunden zurückholt, zahlt für die Überweisung per Banco do Brasil in Deutschland 20 € Überweisungsgebühr und in Brasilien 20 US$ Umtauschgebühr. Damit zahlt der Absender außer den DHL-Gebühren noch zusätzlich satte 79,77 €, um seine Prospekte ins gelobte Land zu bringen.

Fazit: Schicken Sie Ihre Prospekte OHNE RECHNUNG per Post und möglichst an eine PRIVATANSCHRIFT, aber zwei oder drei Monate vor dem Bedarfsdatum. Oder - wenn die Zeit knapp ist - nehmen Sie ruhig einen Kurierdienst, aber deklarieren Sie nur einen (1,00 €) Euro!

Bilder meiner letzten Deutschlandreise

Hier sehen Sie mich bei einem Beratungsgespräch anläßlich der NRW - Firmenpooltage im September 2007. Einmal jährlich treffen sich alle Firmenpoolmanager an zwei Tagen in zwei IHKs und geben kostenlos Auskunft über ihre Länder und die spezifischen Geschäftsmöglichkeiten der interessierten Firma. Die Firmen füllen dazu vorher einen Fragebogen aus, damit sich der Firmenpoolmanager vorbereiten kann. Ich halte immer zusätzlich zu den beiden erwähnten Tagen Sprechstunden in der IHK Essen, die Träger des von mir geleiteten Firmenpools Brasilien / Mercosur ist, und in der IHK Stuttgart.
Während meines Septemberaufenthaltes hielt ich in der IHK Pfalz in Ludwigshafen ein Brasilienseminar ab.
Im Anschluß an dieses Seminar besuchte ich noch meinen Lektor, Herrn Wurster, vom Redline - Verlag in Heidelberg, der im Frühjahr 2008 mein Buch BRASILIEN -DER JAGUARSTAAT mit vielen Hinweisen für einen Markteintritt und Beispielen erfolgreicher und erfolgloser Firmen herausbringen wird.

Schulzeugnisse und Verkehrspolizei

Was haben Schulzeugnisse und Verkehrspolizei gemeinsam? Ganz einfach, in São Paulo gibt es beides nicht! Sie lesen richtig, wir haben weder Verkehrspolizei noch Schulzeugnisse in den öffentlichen Schulen.

Erst ab Oktober gibt es wieder Schulzeugnisse mit Noten (hier von 1 bis 10) und einer schriftlichen Beurteilung des Schülers durch den Lehrer. Heute ist es den (öffentlichen) Schulen freigestellt, Zeugnisse auszustellen oder den Eltern mündlich mitzuteilen, wie die Kinder sich in der Schule machen.

Vor fünf Jahren wurde die Verkehrspolizei in São Paulo aufgelöst. Jetzt sollen 1.375 Militärpolizisten wieder den Verkehr an 1.011 Orten in der Stadt überwachen. 156 dieser Orte haben dabei Priorität, denn dort ist vermutlich das Aufkommen an Bußgeldern und Verkehrsstrafen besonders hoch. Denn die Aufgabe der Verkehrspolizei ist genau diese, Strafen auszustellen!

Freuen wir uns über den Fortschritt! Zumindestens darüber, daß man erkannt hat, das Schüler irgendwann mal erwachsen und dann unbarmherzig beurteilt werden, von ihren Vorgesetzten, Kunden oder Partnern. Und anhand der Zeugnisse werden die Kinder jetzt wenigstens auf das reale Leben in Brasilien vorbereitet, nicht auf das klassen- und elitenlose in Utopia. Und wegen der Verkehrsstrafen sollten wir uns auch keine grauen Haare wachsen lassen, bisher wurden Übertretungen durch "Roboter", sprich automatische Geschwindigkeitsmeßgeräte und Erkennungsgeräte, die Autos per Nummernschild erfassen, die im jeweiligen Gebiet zu bestimmten Zeiten (unser "rodízio") nicht fahren dürfen, erfaßt und jetzt werden diese eben durch richtige Menschen unterstützt.

24 September 2007

Brasilien verzeichnet Rekordgeldeingänge aus dem Ausland und macht Investoren das Leben schwer

Geld fließt wie seit der Privatisierungswelle nicht mehr nach Brasilien. Aber wer sein Geld nicht an der Börse anlegen, sondern in industrielle Aktivitäten stecken will, hat Probleme mit der Gründung seiner brasilianischen Firma. Diese sind z.Z. so groß, daß selbst die Chinesen der brasilianischen Regierung schon gesteckt haben, daß durch Bürokratie, Umweltschutzgenehmigungen, Arbeitsgesetzgebung und kompliziertes Steuersystem neue Fabriken verhindert werden - mag Präsident Lula, der sein bisher erfolgloses PAC-Programm über den grünen Klee lobt, dies auch anders sehen. Aber er lebt sowieso nicht in unserem Brasilien, sondern in einem Land, in welchem Milch und Honig fließen und dessen Grenzen innerhalb Brasilias verlaufen.

Die Einführung des SUPERSIMPLES war mit soviel Schwierigkeiten verbunden, daß alle Firmengründungen der letzten Monate um mehr als 40 Tage verzögert wurden, ohne den vorausgegangenen Bummelstreik der Zentralbank, der die Registrierung von Auslandskapital Monate verzögerte. Die ständigen Anpassungen und Änderungen durch das Finanzministerium, bedingt durch schlechte handwerkliche Arbeit bei der Formulierung der zugrundeliegenden Gesetze und Ausführungsbestimmungen für SUPERSIMPLES, haben zu einer Überlastung der Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung geführt, was wiederum zu einem Rückstau der Firmengründungsprozesse führte. Zur Zeit ist man dabei, die Anzahl der Prozesse u.a. dadurch zu verringern, daß man sie einfach an die Antragsteller zurückschickt und irgendwelche Gründe vorschiebt, z.B. die Notwendigkeit neuer Dokumente, um einen neuen Antrag zu erzwingen. Und da man z.B. als ausländischer Teilhaber einer brasilianischen Firma eine brasilianische Steuernummer haben muß, führt dies zu der paradoxen Situation, daß sich die Erteilung dieser Steuernummer zur Zeit hinzieht, der Gesellschaftsvertrag der neuen Firma schon im Handelsregister eingetragen wurde, aber sie keine CNPJ - Steuernummer erhält, weil diese erst unter Nennung der Steuernummern der Gesellschafter beantragt werden kann. Und ein Unternehmen ohne CNPJ existiert nicht, es kann keine Mitarbeiter einstellen, kein Bankkonto eröffnen, kein Stammkapital empfangen - mit anderen Worten, Warten auf Godot. Und wenn ein Mitarbeiter aus dem Ausland im neuen Betrieb arbeiten soll, muß dieser auf den Abschluß seines Arbeitsvertrages warten, für den die CNPJ - Nummer unerläßlich ist, um seinen Antrag auf ein Arbeitsvisum stellen zu können.

Ein Lichtblick in Deutschland, dort sollen künftig GmbH - Gründungen nach englischem Ltd. - Vorbild in einem Tag abgewickelt werden können. Hoffentlich exportiert Deutschland dieses Verfahren anschließend nach Brasilien, eine lohnende Aufgabe für den scheidenden bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber und künftigen Entbürokratisierer der EU!