26 Januar 2008

Gefahr auf Brasiliens Straßen

Nach einer Untersuchung der Verkehrsopfer, die im Gerichtsmedizinischen Institut von São Paulo 1999, 2001 und 2005  von der Associação Brasileira de Medicina de Tráfego - ABRAMET vorgenommen wurde, hatten 44 bis 47 % der Leichen einen wesentlich höheren Blutalkoholgehalt, als er vom Gesetz für Verkehrsteilnehmer toleriert wird.

Laut dem Gesundheitsministerium sollen auf den Straßen der brasilianischen Bundesstaathauptstädte täglich 150.000 (hundertfünfzigtausend) alkoholisierte Autofahrer unterwegs sein. Das Bewertungskriterium ist streng, um in die genannte Kategorie zu falllen, müssen Männer mindestens fünf und Frauen vier Gläser eines alkoholischen Getränkes zu sich genommmen haben.

Die Strafen dafür sollen in naher Zukunft wesentlich verschärft werden. So soll die Strafe je nach Delikt bis zur Höhe des Wertes des benutzten Fahrzeuges betragen dürfen. Wer dann einen Mercedes der C - Klasse fährt, kann ca. 250.000 R$ bzw. 100.000 € loswerden, ein teurer Drink!

Vorerst ist es noch nicht soweit, aber der Verkauf alkoholischer Getränke wurde schon mal entlang der Bundesstraßen verboten. Bier gehört wohl nicht dazu, denn viele der Autobahnraststätten verkaufen es immer noch.

Ab 2011 Terminal III für den internationalen Flughafen von São Paulo

Heute liegt die Passagierkapazität des Flughafens Cumbica  in Guarulhos bei 17 Millionen Passagieren jährlich, mit dem dritten Terminal werden es 29 Millionen sein. Insgesamt wird die Bundesregierung dafür 1 Milliarde Reais investieren müssen, in diesem Jahr werden die ersten 255 Millionen davon ausgegeben werden. 

24 Januar 2008

US-Finanzkrise und Länderrisiko Brasilien

Die Probleme der USA strahlen - natürlich - auch nach Brasilien aus. Das Länderrisiko, welches am 31.12.2007 bei 221 Punkten lag, erreichte gestern 275 Punkte, das bedeutet eine Erhöhung um 24 % in diesem Jahr. Dieser Wert bedeutet, dass eine brasilianische Anleihe 2,75 Prozenzpunkte mehr Zinsen einbringt als eine US-Staatsanleihe - eben wegen des erhöhten Risikos meines Gastlandes. Die USA werden also trotz der Krise immer noch als Hort der Stabilität angesehen, wenn es um die Risikoeinstufung anderer Länder geht.

Brasilien hat die Krise aber bisher gut verdaut, der IBOVESPA - Index schloß gestern mit 54.234 Punkten ab und die Devisenreserven des Landes liegen augenblicklich bei 186,4 Mrd. US$. Der Leitzins liegt unverändert bei 11,25 % im Jahr, könnte aber demnächst steigen. Der Erdölpreis ging schon auf 87 US$ zurück und dürfte weiter fallen. Und der Euro kostete gestern 2,64 R$, vorläufig braucht also die Alarmglocke in Brasilien nicht geläutet zu werden.

20 Januar 2008

Anzahl der Morde in Brasilien geht zurück


Ich hätte natürlich in der Überschrift auch schreiben können, dass in Angola in siebenundzwanzig Jahren Bürgerkrieg eine Millionen Menschen umgebracht wurden und Brasilien dafür ohne Bürgerkrieg dreissig Jahre brauchen wird. Diese sind seit Beginn der offiziellen Zählung der Mordopfer fast um, denn mit der Statistik wurde 1979 begonnen. Aber ich will ja niemanden davon abschrecken, nach Brasilien zu kommen, ganz im Gegenteil. Und glücklicherweise lassen sich viele Unternehmer tatsächlich nicht einschüchtern und kommen nach Brasilien. Allein 2007 gründeten wir 5 neue Firmen hier für solche Kunden.

Die Graphik zeigt die Zahlen dieser Statistik (DataSUS, Datei über Todesursachen in Brasilien des Gesundheitsministeriums), wobei 2008 und 2009 Prognosen der Tageszeitung "Estado de São Paulo" sind. Der Rückgang der Zahlen ist nicht zuletzt auf eine Abnahme der Morde in São Paulo zurückzuführen. Eine solche ist in anderen Bundesstaaten nicht immer zu spüren, so verdoppelte sich die Zahl der Morde fast von 2000 auf 2005 in Pará, auch Bahia und Maranhão verschlechterten sich. Die gefährlichsten Bundesstaaten Brasilien sind laut dieser Statistik Rio de Janeiro, Espírito Santo und Pernambuco.  

Eine schlimme Zahl wurde von Daniel Cerqueira, der die Problematik im Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada untersucht hat, genannt: In Pernambuco wurden in drei Jahren 8773 Morde verübt und nur in 0,03 %  der Fälle kam es zu einer Gerichtsverhandlung! Das ist eine Zahl, die allerdings selbst in Brasilien absolut unglaubwürdig ist, denn 0,03 % von 8773 ist 2,6, demnach wären also nur 2 bis 3 Anklagen erhoben worden. Die Frage ist, irrte der Forscher, sind die Datenbankinformationen falsch oder hat sich der Journalist vertan, der  Daniel Cerqueira befragte? Wahrscheinlich las der Journalist 0,03 x 8773 und nahm an, dass damit o,o3 % berechnet werden und nicht 3 %. Dann wäre die Anzahl der Gerichtsverfahren tatsächlich 263 und das ist - leider - ein glaubwürdiger Wert.

18 Januar 2008

Steueraufkommen 2007 in Brasilien

Die Steuereinnahmen einschließlich der Sozialversicherungsbeiträge schwemmten 602 Mrd. R$ in die Kassen der Bundesregierung, inflationskorrigiert 11 % mehr als 2006. Allein die Mehreinahmen sind doppelt so hoch wie die ab 2008 entfallene "Schecksteuer" CPMF. Das BIP wuchs 2007 um 5,2 % (vorläufiger Wert), also haben entweder juristische und natürliche Personen Steuern bezahlt, die dies bisher nicht taten, oder Steuern wurden erhöht. Das Finanzministerium wies darauf hin, dass im Steueraufkommen auch Nachzahlungen einschließlich Strafen und Zinsen enthalten seien.

Die wichtigsten inflationskorrigierten Posten der Bundeseinnahmen (deshalb ist hier die Warenumlaufsteuer ICMS nicht aufgeführt, da sie in die Kompetenz der Bundesstaaten fällt) waren (Mrd. R$):

13,655 IRPF (Einkommensteuer natürliche Personen)
69,856 IRPJ (Körperschaftssteuer)
76,626 IRRF (Quellensteuer => hier auf Einkommen)
5,208 IPI (Industrialisierungssteuer auf Autos)
15,498 IPI (Industrialisierungssteuer auf sonstige Produkte)
102,463 Cofins (Sozialversicherungsabgabe)
34,411 CSLL (Gewinnabgabe)
153,845 Sozialversicherungsbeiträge
12,253 II (Zoll)
7,833 IOF (Kapitalverkehrssteuer)
26,709 PIS (Sozialintegrationsabgabe)
36,483 CPMF (Steuer auf Kontenbewegung, entfällt ab 2008)

17 Januar 2008

Werbung in Brasilien: Dummheit, Vorspiegelung falscher Tatsachen oder geschicktes Wortspiel?

Heute war ich in einem Möbelladen in São Paulo, wo mir auf die Frage nach dem Material einer Couch vom Verkäufer gesagt wurde, es handele sich um Leder. Meine Erwiderung, das sei wohl kaum möglich, wurde mit der Bemerkung gekontert, es sei "ökologisches Leder". Meine dumme Frage, was das denn sein, wurde erschöpfend beantwortet. Ökologisches Leder ist demnach Leder, welches aus Erdölderivaten stammt.

Mit anderen Worten, ein nicht (so schnell) nachwachsender Rohstoff wird unter erheblichem Energieeinsatz gefördert, manchmal sehr umweltschädigend transportiert und in Kunststoff umgewandelt und die Marketing- und Werbestrategen machen daraus kein Kunstleder, wie es früher ehrlich genannt wurde, sondern ein verlogenes ökologisches Leder. Und die Entschuldigung des Verkäufers war, schließlich müsse kein Tier daran glauben. Und das kurz nach seiner Mittagspause, in der er wahrscheinlich ein Steak hinuntergewürgt hatte, immer an das arme Rind denkend, dessen Fell keine Couch in seinem Ökologieladen schmücken wird.

AREVA kauft in Brasilien KOBLITZ, den Spezialisten für Energie aus nachwachsenden Rohstoffen

Heute gab die französische Kernenergiegruppe Areva bekannt, dass sie 70 % der brasilianischen Koblitz übernommen hätte. Koblitz ist Spezialist für integrierte Energieerzeugungsysteme, die vor allem Biomasse benutzen. Der Firmengründer Luiz Otávio Koblitz und seine Führungsmannschaft teilen sich die verbleibenden 30 %. Die Firma beschäftigt in Recife 500 Mitarbeiter und hat u.a. bereits an 58 Projekten mitgewirkt, die sich mit der Verwendung von Zuckerrohr als Treibstoff beschäftigen.

Arevas Position in Brasilien wird damit erheblich gestärkt. Letztes Jahr setzte sie mit 1.200 Mitarbeitern 211 Mio. € in Brasilien um.

Brasilianisches Mobilfunkfieber hält 2008 an

Der Elektroelektronikverband ABINEE geht davon aus, dass 2008 ungefähr 78 Millionen Mobilfunktelefone in Brasilien hergestellt werden, das wären dann 18 % mehr als 2007.  48 Millionen Mobiltelefone sind für den Binnenmarkt bestimmt, ein Plus von 7 %.  Der Export soll sich erholen und 30 Millionen Einheiten erreichen, das würde ein Wachstum von 43 % gegenüber 2007 bedeuten.

15 Januar 2008

Milliardeninvestitionen angekündigt

Die Supermarktkette Pão de Açúcar will dieses Jahr eine Milliarde Reais in 105 neue Läden, Infrastruktur,Technologie und Logistik  investieren. Mit den neuen Läden wird die Gruppe 669 Supermärkte betreiben, 8.000 Mitarbeiter haben und 20 Mrd. R$ Bruttoumsatz erreichen. 2007 hatte die Gruppe bereits 1,2 Mrd. R$ investiert.

Carrefour hat ebenfalls, u.a. für 70 neue Läden, eine Investition von einer Milliarde Reais angekündigt, Wal-Mart sogar von 1,2 Mrd. R$ für die Eröffnung von 36 Geschäften und eines Logistikzentrums.  

Bei solchen Zahlen wundere ich mich, dass es deutsche auf die Beleuchtung von Supermärkten spezialisierte Firmen gibt, die vor dem Schritt nach Brasilien zurückschrecken. Aber wer nicht will, der hat schon. 

Die Investitionen erreichen aber auch das High-Tech-Gebiet. Die 1986 gegründete US-Firma Symetrix, die auch einen brasilianischen Teilhaber hat, der 172 Patente hält, will in Brasilien eine Halbleiterfabrik für bis zu einer Milliarde Dollar bauen. Sie soll u.a. Smart Cards, also mit Chips versehene intelligente Karten, produzieren und die vom brasilianischen Gesellschafter Prof. Carlos Paz de Araújo  entwickelte FeRAM-Technologie anwenden. 2007 hat Brasilien Halbleiter für 3,45 Mrd. US$ importiert. 

Brasilien im Mobilfunkfieber

2007 wurden 21 % mehr neue Mobiltelefonlinien freigeschaltet als 2006. Damit erreichte der Bestand an Mobilfunktelefonen Ende letzten Jahres  121 Millionen Apparate. Ein Paradies für Verkäufer von Akkus, Freisprechanlagen und anderem Zubehör. Allerdings ein Paradies, was noch entdeckt werden muß, denn dezente Freisprechanlagen kann man mit der Lupe suchen, aber kaum finden. 

Gelbfieberepidemie in Brasilien?

Das hängt davon ab, wo man sich aufhält, denn Brasilien ist groß. In Küstennähe mit Ausnahme von Espírito Santo besteht (noch) keine Gefahr. Minas Gerais, Goiás mit dem Distrito Federal, Mato Grosso do Sul, Tocantíns, Maranhão und alle davon westlich gelegenen Bundesstaaten sind aber potenzielle Infektionsgebiete. Wer diese Bundesstaaten bereist und - wichtig - die ländlichen Bereiche aufsuchen will/muß, sollte sich unbedingt 10 Tage vor Reiseantritt impfen lassen. 

Denken Sie daran, das Virus wird vom Weibchen der nicht in Städten lebenden Mücke Haemagogus und Sabethes übertragen und in Städten von der Mücke Aedes Aegypti, die auch für die Verbreitung des Denguefiebers verantwortlich ist. Es besteht keine direkte Übertragungsungsgefahr von Mensch zu Mensch!

13 Januar 2008

Gas vor Rationierung in Brasilien?

Das hängt davon ab, ob die Wirtschaft weiterhin so ungebremst brummt wie augenblicklich und ob es regnet. Wenn der Energiebedarf nämlich weiter wächst und der Regen ausbleibt, reicht die Kapazität der Wasserkraftwerke nicht aus und es müssen weitere mit Naturgas betriebene Thermokraftwerke ans Netz gehen. Alle Themokraftwerke zusammen haben 10 GW Kapazität und wenn diese gebraucht wird, fehlt Gas für die Industrie und die Haushalte. Was für die letzteren fatal wäre, da es kaum Elektroherde in Brasilien gibt. 

Heute liegt der Gasverbrauch bei 45 Mio. Kubikmeter pro Tag, 55 % davon benutzt die Industrie. Alle Gasthermokraftwerke zusammen bräuchten täglich 50 Mio. Kubikmeter. Ab Februar werden 5 Mio. Kubikmeter täglich aus Espírito Santo ins System eingespeist werden, das reicht für die Erzeugung von 1 GW. Aber das ist Theorie, denn die dazu nötige Pipeline ist noch nicht fertig. Die Vergasung von Flüssiggas ist eine weitere Option, die 7 Mio. Kubikmeter Gas pro Tag liefern könnte, aber das zugehörige Werk existiert ebenfalls noch nicht. 

Also hoffen wir auf starken Regen, sonst wird das Naturgas in wenigen Monaten nicht nur knapp, sondern es wird an wichtigen Verbrauchspunkten einfach fehlen. Was wiederum eine Chance für diejenigen bedeutet, die Pipelines und Gaswerke bauen oder die Energiealternativen anbieten können.

Nicht alle Brasilianer sind arm - im Gegenteil!

2007 bewegte der brasilianische Luxusgütermarkt laut der Beratungsgesellschaft MCF immerhin 4,3 Mrd. US$, das ist 17 % mehr als 2006. Toll, was eine sozialistische Regierung zuwege bringt, deren ehemalige graue Eminenz José Dirceu sogar daran denkt, einen Citation-Businessjet zu kaufen, um seinen Verpflichtungen als internationaler Berater besser nachzukommen, nachdem er sein Abgeordnetenmandat und sein Regierungsamt wegen eines Korruptionsskandals verloren hatte. 

Und was kaufen die Reichen denn so? Zum Beispiel BMW 760 für 700.000 R$ das Stück, umgerechnet 270.000 €. Aber auch Hubschrauber und Yachten gehören zu den bevorzugten Luxusartikeln. 2007 wurde z.B. die erste italienische Yacht Spirit 880 in Brasilien für "einige" Millionen € importiert.

Solcher Geist bewegt natürlich die Gemüter, vor allem die der Eigentümer von Marken wie Ralph Lauren, Hermés, Gucci und Stella McCartney, die dabei sind, eigene Filialen in Brasilien zu eröffnen oder ernsthaft darüber nachdenken. 

Da paßt es natürlich wunderbar, dass Brasilien 2007 nach einer Untersuchung der Boston Consulting Group auch neue Dollarmillionäre vorzuweisen hat, nämlich 60.000! Diese 60.000 Brasilianer haben jeweils mehr als eine Million US$ am Kapitalmarkt angelegt. Durch diese wundersame Vermehrung der Millionäre um 46 % auf 190.000 stieg natürlich auch das Absatzpotenzial für Luxusgüter. Denn ihnen gehören zusammen 675 Mrd. US$, das ist fast die Hälfte des BIP Brasiliens!





12 Januar 2008

Es muss nicht immer Wirtschaft sein



Zwei brasilianische Firmen führen die Liste der größten Unternehmen Lateinamerikas an

Von den 25 dem Unternehmenswert nach größten Firmen Lateinamerikas mit offenem Kapital sind 13 aus Brasilien. Dies ist 2007 die Rangreihenfolge nach dem Wert in Mrd. US$:

243 Petrobrás (Brasilien)  
155 Vale (Brasilien)  
105 America Móvil (Mexiko) 
62 Bradesco (Brasilien)
60 Itaú (Brasilien)
44 Ambev (Brasilien)
42 Banco do Brasil (Brasilien)
36 Telmex (Mexiko)
29 Wal-Mart de Mexico (Mexiko)
27 Itaúsa (Brasilien)
26 Tenari SA (Argentinien)
23 Copec (Chile)
23 CSN (Brasilien)
21 Cemex SA (Mexiko)
18 Gerdau (Brasilien)
18 Unibanco (Brasilien)
18 Santander (Brasilien)
17 YPF (Argentinien)
17 GMexico (Mexiko)
16 Carso Global Teleco (Mexiko)
16 GModelo (Mexiko)
15 Eloetrobrás (Brasilien)
14 Televisa (Mexiko)
14 Bovespa Holding (Brasil)
13 Fomento Econ. Mex. (Mexiko)

Die Inflation Brasilien stieg 2007, lag aber unter dem festgelegten Grenzwert

Brasilien misst die Inflation auf viele Weisen, wir wollen hier nur den Verbraucherpreisindex IPCA betrachten. Diese stieg zwar im letzten Jahr etwas gegenüber 2006, blieb aber im angestrebten Bereich:

Jahr Inflation % Ziel %
1999       8,94               8,00
2000      5,97               6,00
2001       7,67               4,00
2002    12,53                3,50
2003      9,30               3,25
2004      7,60                 3,75
2005      5,69                4,50
2006      3,14                 4,50
2007      4,46                 4,50
2008     4,30                   4,50

Der Inflationswert für 2008 ist der Mittelwert von Prognosen verschiedener Finanzinstitutionen. 

Schuld am Anstieg haben die Lebensmittel, die sich aufgrund klimatischer Einflüsse und der Entwicklung der Weltmarktpreise verteuerten. Dafür sanken die Preise u.a. von Autoversicherungen, Fernsehaparaten, Hifi-Anlagen, Computern, Telefonen und Elektrohaushaltsgeräten. 

Die Stadt São Paulo wirtschaftlich stärker als viele Länder

Wer nach Brasilien kommen will, um hier industriell oder kommerziell tätig zu werden, braucht keine großen Standortstudien - die Stadt São Paulo ist eigentlich immer eine gute Wahl. Wenn man sie mit den Länder dieser Welt vergleicht, bekommt man einen Eindruck von ihrer Wirtschaftskraft und erkennt, warum die Wahl nicht falsch sein kann. 

Mit einem BIP von 102,4 Mrd. US$ in 2005 läge sie auf Platz 47, vor Kuwait und Ägypten! Bei einem Vergleich mit US-Bundesländern lässt die Stadt São Paulo 22 von diesen, darunter Hawaii, Georgia und New Hampshire, hinter sich. 2005 erreichte sie auch 85 % des BIP von Israel. 

Bei einem innerbrasilianischen Vergleich liegt die Stadt São Paulo sogar an der Spitze aller brasilianischen Bundesstaaten! 2005 erreichte der Anteil des BIP der Stadt an dem Brasiliens immerhin 12,3 %! Das ist 2,5 mal der Anteil des Nordens, 6,5 mal des Bundesstaates Ceará und 94 % der Summe aller Bundesstaaten der Nordostregion Brasiliens. Jetzt versteht man auch, warum die Paulistanos (die Einwohner des Bundesstaates São Paulo werden Paulistas genannt) mehr Einfluss auf die Bundespolitik nehmen möchten und den Einfluss der Politiker aus dem armen Norden für zu groß halten.

Wenn man alle Staaten Südamerikas ohne Brasilien mit der Stadt São Paulo vergleicht, kommt man auf einen erstaunlichen Anteil von 14 %. 

Die Stadt ist das unbestrittene Finanzzentrum Lateinamerikas. In ihr gibt es 1500 Bankfilialen. Von den hundert größten Privatunternehmen Brasiliens mit nationalem Kapital haben 37 ihren Hauptsitz in der Stadt São Paulo.

Dieser Vergleich wurde anläßlich des 454. Geburtstages der Stadt von der Federacão do Comércio do Estado de São Paulo - Fecomércio SP angestellt. Und die sagt natürlich auch etwas zur Position des Handels in der Stadt aus. Danach gibt es in der Stadt 240.000 Handelsfirmen und 70 Shoppingcenters. Allein die Shoppingcenters werden monatlich von über 30 Millionen Personen besucht. Die Rua Oscar Freire im Stadtteil Jardins (Gärten) gehört laut Mistery Shopping International zu den acht luxuriösten Einkaufsstraßen der Welt! Kein Wunder, dass 30.000 (!) Millionäre die Stadt São Paulo zu ihrem Wohnort machten.

Allerdings haben wir auch unsere Probleme, z.B. den Verkehr. Unsere U-Bahn hat nur ein Streckennetz, welches 57,6 km lang ist, aber dafür schleichen auf den Straßen der Stadt neben den (zu) vielen Motorrädern,  Privatautos und LKWs mehr als 30.000 Taxis und 15.000 Omnibusse. 

11 Januar 2008

Im Westen nichts Neues: Euro - Real -Kurs letzte 5 Jahre und letztes Jahr


Mato Grosso wird umgebaut...

..der Bundesstaat nämlich, der nicht mehr rein landwirtschaftlich von Getreide- und Baumwollfeldern geprägt werden soll, sondern von der industriellen Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Dazu wird der Agroindustriesektor nach Ankündigung des Ministerpräsidenten (governador) Blairo Maggi (hat nichts mit der Würzpflanze zu tun, die in meinem Garten wächst und deren Konzentrat Sie im Kühlschrank in kleinen dunklen Flaschen aufbewahren) dieses Jahr 6.000.000.000 R$ in seinem Bundesstaat investieren und sein Wirtschaftsprofil nachhaltig ändern. 

Bunge kündigte ein zweites Sojaverarbeitungswerk mit einer Jahreskapazität von 1,3 Mio. to im Jahr an. Künftig werden also Sojabohnen nicht nur in Rondonópolis, sondern auch in Nova Mutum zerquetscht, bis das Öl nur so fließt. Die neue Fabrik kostet 150 Mio. R$ einschließlich eines Silos für 100.000 to Soja. Fabrikationsbeginn wird in vierzehn Monaten sein. 

Von den jährlich gewonnenen 100.000 Tonnen Sojaöl ist die Hälfte für die Fabrikation von Biodiesel gedacht.

Neben Bunge investieren in identische Aktivitäten die Grupo AMaggi in Lucas do Rio Verde und Cargill in Primavera do Leste. Zusammen mit Bunge bedeutet dies eine Investitionssumme von immerhin 600 Mio. R$.

Perdigão hat bereits ein Werk in Nova Mutum und der Konkurrent Sadia im Nachbarort Lucas do Rio Verde und beide planen bereits neue Fabriken. Neue Produktionsstätten wurden auch von  Santâna Textil, Cervejaria Crystal (Kristallbrauerei) und Big Frango (Großes Hähnchen) angekündigt, dazu kommen noch Schlachthäuser für Schweine und Rinder von Bertin in Diamantina und Friboi in Sorriso. 

Jetzt hat der governador nur eine Sorge, wie schaffen diese Firmen ihre Produkte an ihren Bestimmungsort? Denn die BR163 müßte verlängert werden, um einen Zugang zu den Häfen in Pará zu bieten. Der Ausbau ist im PAC-Programm schon vorgesehen.

10 Januar 2008

Elektroenergie kann in Brasilien knapp werden

Unsere brasilianische Wirtschaft boomt und das heißt gleichzeitig, daß der Energiebedarf steigt. Dies sind die Zahlen für den Verbrauch an Elektroenergie 2007:

344.613 GWh BRASILIEN (+ 5,4 % gegenüber 2006)

83.175 GWh PRIVATHAUSHALTE (+ 6,1 % gegenüber 2006)
158.289 GWh INDUSTRIE (+ 4,9 % gegenüber 2006)
53.688 GWh HANDEL (+ 6,8 % gegenüber 2006)

Dieser Energiebedarf wird zur Zeit so gedeckt:

70,83 % Wasserkraftwerke
10,45 % gasbetriebene Thermokraftwerke
7,53 % Energieimport
4,04 % ölbetriebene Thermokraftwerke
3,76 % Biomassekraftwerke
1,85  % Atomkraftwerke
1,30 % Kohlekraftwerke
0,23 % Windkraftwerke

Leider ist der Löwenanteil vom Regen abhängig und der bleibt zur Zeit aus. Deshalb wurden auch teure Thermokraftwerke reaktiviert.

Die Hersteller von Notstromaggregaten und fahrbaren Generatoren sollen sich schon mal auf Anfragen gefaßt machen! Allerdings sind von der Regierung für 2008 Investitionen geplant, insgesamt 6 Mrd. R$. Diese verteilen sich so auf die wichtigsten Staatsunternehmen aus dem Elektroenergiebereich:

Furnas Centrais Elétricas SA: 1.142.601.959 R$
Comp. Hidro Elétrica  do São Francisco (Chesf): 962.693.477 R$
Eletrobrás Termonuclear SA (Eletronuclear): 807.409.174 R$
Comp. de Geração Térmica de Energia Elétrica (CGTEE): 630.295.300 R$
Centrais Elétricas do Norte do Brasil SA (Eletronorte): 575.000.000 R$
Eletrosul Centrais Elétricas SA: 440.542.000 R$
Comp. Energética do Piauí (Cepisa): 398.488.533 R$
Manaus Energia SA: 348.300.000 R$
Centrais Elétricas de Rondônia SA (Ceron): 201.134.000 R$
Comp. Energética do Amazonas (Ceam): 143.010.000 R$
Liquigás Distribuidora SA: 118.907.405 R$
Comp. Energética de Alagoas (Ceal): 96.090.300 R$
Comp. de Eletricidade do Acre (Eletroacre): 65.170.000 R$
Centrais Elétricas Brasileiras SA (Eletrobrás): 64.000.000 R$
Centro de Pesquisas de Energia Elétrica (Cepel): 30.200.000 R$
Boa Vista Energia SA (BVEnergia): 12.3150.000 R$
Empresa de Pesquisa Energética (EPE): 2.000.000 R$

Schön zu sehen, wie exakt unsere Bürokraten planen! Bei Summen im Milliardenbereich bis auf einen Real genau! Da soll sich die Privatwirtschaft mal eine Scheibe von abschneiden. Aber an der letzten Position der Aufstellung sieht man, auch Bürokraten lassen nach, wenn es um lumpige zwei Millionen R$ geht. Da wird gerundet!

Das Budget des Ministeriums für Bergbau und Energie beträgt in diesem Jahr 5,5 Mrd. R$. Die staatlichen und privaten Investitionen für Energieerzeugung (Eigentlich falsch, Energie kann umgewandelt, aber nicht erzeugt werden - aber was kann man gegen die Umgangssprache machen?) und -verteilung sollen in den nächsten vier Jahren 219 Milliarden R$ betragen. Also, Zulieferer des Elektroenergiebereiches, stellt Euch in die Schlange!

09 Januar 2008

Investitionen aus dem Ausland wachsen 2007 weltweit am zweitstärksten in Brasilien

Das hat gestern die  UNCTAD - United Nations Conference on Trade and Development in Genf bekanntgegeben. Die direkten Nettoinvestitionen werden wahrscheinlich 37,4 Mrd. US$ erreichen und damit 99,3 % gegenüber 2006 gewachsen sein, wenn die endgültigen Zahlen vorliegen. Die brasilianische Zentralbank hat bis Ende November 33,37 Mrd. US$ registriert und geht für 2007 von 35 Mrd. US$ aus. Laut UNCTAD ist der größte Teil der Investitionen für die Erhöhung der industriellen Produktion bestimmt.

Vor Brasilien liegt Holland, welches 2006 nur 4 Mrd. US$ an ausländischen Direktinvestitionen erhielt, 2007 aber 104,3 Mrd. US$. Wenn man von dieser Zahl die 98,5 Mrd. US$ für den Kauf der ABN-Amro durch Santander abzieht, bleibt nicht viel übrig. Also kann ich getrost empfehlen, in Brasilien und nicht in Holland zu investieren.

In ganz Lateinamerika einschließlich der Karibik betrugen die ausländischen Investitionen letztes Jahr 125,8 Mrd. US$, das bedeutet gegenüber 2006 eine Zunahme von 50 % und unterstreicht, was Carl Moses am 8.1.2008 unter dem Titel "Stabiles Südamerika" in der FAZ geschrieben hat. 

Nur in Argentinien nahmen die ausländischen Direktinvestitionen 2007 gegenüber 2006 ab, um 39,6 % nämlich. In Chile wuchsen sie um 92,2 % und in Mexiko um 92,9 %, selbst Kolumbien konnte einen Zuwachs von 30 % verbuchen.

Laut UNCTAD lag das weltweite ausländische Investitionensvolumen 2007 bei 1,5 Billionen US$, davon erhielten die USA den Löwenanteil mit 192,9 Mrd. US$, 10 % mehr als 2006. Kein Wunder, bei der Abwertung des Dollars. Der zweitgrößte Anteil ging mit 171,1 Mrd. US$ nach Großbritannien, 22,6 % mehr als 2006. China erhielt 2007 weniger als 2006, 2007 wurden von Ausländern 67,3 Mrd. US$ in China investiert, 3 % weniger als 2006.

07 Januar 2008

Allen Bloglesern ein gutes Neues Jahr 2008!


So haben Sie letztes Jahr BRASILIEN AKTUELL gelesen! Der Januarwert ist übrigens falsch, der Zähler war für zwei Wochen ausgefallen, also muss der gezeigte Wert wahrscheinlich verdoppelt werden.

27 Dezember 2007

2,415 Millionen Neuzulassungen, Neuwagenverkauf 2007 auf Rekordhöhe

Per 25.12.2007 sind 2,415 Millionen neue Fahrzeuge im Inland verkauft und zugelassen worden. 118.200 davon waren LKWs und Omnibusse, der Rest PKWs und Lieferwagen. Das sind immerhin 25 % mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Bei Motorrädern betrug die Steigerung sogar 40 %, bis 25.12.2007 waren es 1,675 Millionen.

Brasilien hat mehr als 5.000 Städte und Gemeinden, aber die Hälfte der Neuzulassungen bei Autos konzentrierte sich auf nur 20 davon, mit São Paulo an der Spitze. 15 dieser Städte sind Hauptstädte, hier die Liste:

% aller 
Neuzu-
lassungen

13,58 São Paulo
5,40 Belo Horizonte
4,89 Curitiba
4,78 Rio de Janeiro
3,89 Brasília
2,19 Salvador
1,80 Goiânia
1,77 Porto Alegre
1,61 Recife
1,60 Fortaleza
1,54 Campinas
1,11 São Bernado do Campo
1,02 Manaus
1,01 São Luis
0,82 Belém
0,82 Florianópolis
0,82 Santo André
0,82 Riberão Preto
0,75 Natal
0,74 Santos

Im Bundesstaat São Paulo wurden 33,27 % aller Neuzulassungen getätigt, dann kommen Minas Gerais mit 10,58 und Paraná mit 8,67 %. Jetzt wissen Sie, wo die Musik spielt und wo Sie Verkehrsstauungen zu erwarten haben.

PS: Ich wurde nach einer Quelle für Kfz-Statistiken gefragt, hier ist sie: http://anfavea.com.br/anuario2007/Cap00_2007.pdf

2,415 Millionen Neuzulassungen, Neuwagenverkauf 2007 auf Rekordhöhe

Per 25.12.2007 sind 2,415 Millionen neue Fahrzeuge im Inland verkauft und zugelassen worden. 118.200 davon waren LKWs und Omnibusse, der Rest PKWs und Lieferwagen. Das sind immerhin 25 % mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Bei Motorrädern betrug die Steigerung sogar 40 %, bis 25.12.2007 waren es 1,675 Millionen.

Brasilien hat mehr als 5.000 Städte und Gemeinden, aber die Hälfte der Neuzulassungen bei Autos konzentrierte sich auf nur 20 davon, mit São Paulo an der Spitze. 15 dieser Städte sind Hauptstädte, hier die Liste:

% aller 
Neuzu-
lassungen

13,58 São Paulo
5,40 Belo Horizonte
4,89 Curitiba
4,78 Rio de Janeiro
3,89 Brasília
2,19 Salvador
1,80 Goiânia
1,77 Porto Alegre
1,61 Recife
1,60 Fortaleza
1,54 Campinas
1,11 São Bernado do Campo
1,02 Manaus
1,01 São Luis
0,82 Belém
0,82 Florianópolis
0,82 Santo André
0,82 Riberão Preto
0,75 Natal
0,74 Santos

Im Bundesstaat São Paulo wurden 33,27 % aller Neuzulassungen getätigt, dann kommen Minas Gerais mit 10,58 und Paraná mit 8,67 %. Jetzt wissen Sie, wo die Musik spielt und wo Sie Verkehrsstauungen zu erwarten haben.

26 Dezember 2007

Brand in der Poliklinik von São Paulo

Ausgerechnet zu Weihnachten mußte es passieren und durch diesen Brand, der gestern ausbrach und von 42 Feuerwehren drei Stunden lang bekämpft wurde, werden heute bis zu viertausend Personen ohne ärztliche Behandlung bleiben, nur Notfälle können im betroffenen Klinikteil angenommen werden. Das Hospital das Clínicas ist der größte Krankenhauskomplex Lateinamerikas, hier werden 45.000 Operationen im Jahr vorgenommen! Von den 15.000 Mitarbeitern sind 3.449 Ärzte. Das Krankenhaus hat sechs Einheiten, 2.096 Betten und verfügt über ein Budget von 1,1 Mrd. R$. Nächstes Jahr wird eine Krebsklinik eröffnet, die mit 23 Stockwerken und 582 Betten wahrscheinlich die größte ihrer Art weltweit sein wird. 

22 Dezember 2007

Weihnachten in Brasilien, dem Land der Gegensätze

Straße vor weihnachtlich geschmücktem (hier unsichtbaren) Supermarkt in Riberão Preto:
Diesen schönen Weihnachtsmann malte meine Frau vor 20 Jahren:
Und diesen Weihnachtsgruß schickte unsere Tochter aus Deutschland, damit wir wissen, wie Schnee aussieht:
Aber es gibt auch Weihnachtsbäume bei uns, hier im Hotel Le Privilege in Riberão Preto:
Und der Weihnachtsmann (links) darf auch nicht fehlen:
Festlich geschmückte Bäckerei:
Und dieser Supermarkt kündigt an, daß man seine Weihnachtseinkäufe erst am 7.2.1008 bezahlen muß, ohne Zinsen:
Und das ist der Supermarkt, vor dem sich das oben gezeigte Loch auftut:
Aber so sieht es auch aus zu Weihnachten:
Denn wir haben ja Sommer:
In der Hand halte ich eine soeben gepflückte Apfelsine:
Diese Geiger geigen sonst im Philarmonieorchester von São Paulo:
Weihnachtsgänse sind hier (leider) unbekannt:

21 Dezember 2007

Brasilien hat keine 194 Millionen Einwohner...

... wie es oft publiziert wird. Es sind nur 183.987.291 Menschen, die im Zensus, der am 16. April 2007 begann, gezählt wurden. Mit Hilfe von PDAs und neunzigtausend Interviewern übrigens. Elftausendvierhundert Brasilianer sind danach über hundert Jahre alt. Und ich sage nur 184 Millionen, weil ich daran denke, welche Fläche diesen Menschen zur Verfügung steht. Da kann man als Europäer in Europa nur neidisch werden. Ich als Europäer in Brasilien habe allerdings auch nichts von dem vielen Platz, weil ich im überfüllten São Paulo lebe.

Wieder ein Beispiel für den schlechten (oder ungewohnten?) Umgang mit Zahlen, die heutige Pressenotiz über die Zahlen des IBGE (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística) lautet übersetzt: "Ungefähr 180,7 Millionen Personen wurden befragt, was sechzig Prozent der geschätzten Bevölkerung entspricht..."  Also hat Brasilien über 301 Millionen Einwohner?

Natürlich nicht! Details können Sie in meinem Buch WIRTSCHAFTSBOOM AM ZUCKERHUT lesen, vorbestellbar bei Amazon (http://www.amazon.de/Wirtschaftsboom-Zuckerhut-Strategien-langfristigen-Brasilien/dp/3636015591):

Naumann, Karlheinz Kurt
Wirtschaftsboom am Zuckerhut - Strategien für langfristigen Erfolg in Brasilien
1. Auflage 2008
Redline - Wirtschaftsverlag Heidelberg
220 Seiten, Hardcover
Format 14,8 x 21,0 cm
ISBN 978-3-636-01559-4
Preis Euro 24,90




20 Dezember 2007

Geld kommt mit Rekordwerten rein, aber die Zahlungsbilanz wird 2008 defizitär

2008, meint die brasilianische Zentralbank jetzt, werden wir ein Zahlungsbilanzdefizit von 3,5 Mrd. US$ haben, nachdem es fünf Jahre lang ununterbrochen Zahlungsbilanzüberschüsse gab. Zuletzt 2007, mit 2,4 Mrd. US$.

Der Export soll 2008 von 160 im laufenden Jahr auf 172 Mrd. US$ steigen, die Importe von 121 auf 142 Mrd. US$. Damit verringert sich der Handelsbilanzüberschuß von heute 39 auf 30 Mrd. US$ nächstes Jahr.

Gewinn- und Dividendentransfer wird von der Zentralbank für 2008 mit 20 Mrd. US$ angenommen, 2007 waren es 20,9 Mrd. US$. Das Geld, welches aus dem Ausland als Investition nach Brasilien kommt, fließt stärker als zur Zeit der Privatisierung, 35 Mrd. US$ waren es 2007 und 2008 erwartet man immerhin 28 Mrd. US$. Die Privatisierung brachte 2000 den bisherigen Rekordwert von 32,8 Mrd. US$. In Titel und Aktien investierten Ausländer in diesem Jahr 38,5 Mrd. US$, 2008 schätzt man bei der Zentralbank, werden es 26 Mrd. US$ sein.

Wichtige Investitionen in Brasilien:

• Die VW - LKW - Sparte wird in den nächsten fünf Jahren eine Milliarde Reais in Resende im Bundesstaat Rio de Janeiro investieren, bis zu 30 % davon gehen in die Entwicklung neuer Fahrzeuge. VW will aus dieser Fabrik ein Entwicklungszentrum für emerging markets machen, also werden wir wohl bald VW - LKWs und auch Busse aus Brasilien in Rußland, Indien und China auf der Straße sehen. Der Rest der Investition wird für die Ausweitung der Produktionskapazität von heute 185 auf 210 Fahrzeuge pro Tag verwendet werden und für ein neues Logistikzentrum.
• Fiat steht dem nicht nach, in Betim wird die Fabrik für eine Kapazitätsausweitung von 700.000 auf 800.000 Fahrzeuge im Jahr vorbereitet und die Gruppenfirma Teksid wird eine neue Aluminiumgießerei bauen, deren Standort noch nicht feststeht. Insgesamt will Fiat in Brasilien fünf Milliarden Reais bis 2010 investieren.
• Petrobrás schießt den Vogel ab, 55 Milliarden Reais Investition in 2008 und eine auf 2008 vorgezogene Erschließung des Ölfeldes Tupi in der Bucht von Santos, wo dann ab Ende nächsten Jahres 40.000 barrels Erdöl täglich gefördert werden sollen. Übrigens sind 12 % der genannten Investitionssumme für Standorte außerhalb Brasiliens vorgesehen.
• Zum Schluß noch die Meldung, daß die Regierung mit der Versteigerung der 3G - Konzessionen für die Mobiltelefonie in zwei Tagen 5,148 Mrd. R$ eingenommen hat, eine Investition unserer Telefongesellschaften.

19 Dezember 2007

Wechselkursentwicklung € - R$



Die reichsten Städte Brasiliens

Alle Werte von 2005 und in R$ 
(Umrechnungskurs z.Z. 1 € = 2,60 R$)

BIP - Summe
São Paulo 263.177.148.000
Rio de Janeiro 118.979.752.000
Brasília  80.516.682.000
Curitiba 29.821.203.000
Belo Horizonte 28.386.694.000

BIP pro Kopf
Cascalho 289.838
Araporã 223.027
São Francisco do Conde 211.601
Triunfo 193.347
Porto Real 174.695

PIB Landwirtschaft + Viehzucht
Campo Verde 735.118.000
São Desidério 559.299.000
Sapezal 558.529.000
Primavera do Leste 466.430.000
Diamantino 445.634.000

PIB Industrie
São Paulo 52.654.368.000
Rio de Janeiro 13.678.937.000
Campos dos Goytacazes 12.954.886.000
Manaus 11.307.489.000
Guarulhos 7.723.755.000

PIB Dienstleistungen
São Paulo 165.021.435.000
Rio de Janeiro 77.666.123.000
Brasília 65.732.732.000
Porto Alegre 19.889.809.000
Belo Horizonte 19.363.306.000

Schade, daß man São Paulo und Campo Verde nicht in einer "Flurbereinigung" verschmelzen kann! Diese Kombination wäre unschlagbar. Die Zahlen der jeweils ersten hundert Städte finden Sie in meinem Buch WIRTSCHAFTSBOOM AM ZUCKERHUT, welches ab April im Buchhandel ist und bereits bei Amazon vorbestellt werden kann.

Wo bin ich denn?

An Sau Paulo und San Paolo habe ich mich schon gewöhnt, aber jetzt sogar dies:
Ob hier Freud mitgespielt hat? Dabei ist es doch ganz einfach: SÃO PAULO!

Brasilien erobert 6. Platz auf der Welt-BIP-Rangliste

Und in Deutschland fällt der Geschäftsklimaindex im Dezember von 104,2 auf 103 Punkte und das HWWI prognostiziert ein BIP-Wachstum von 1,7 % für 2008. Trübe Aussichten für mein Vaterland. Zur selben Zeit freut sich Brasilien, nicht nur über die Sonne, sondern auch über ein erwartetes BIP-Wachstum von 5 % nächstes Jahr und über einen 3%-Anteil am Welt-BIP. DIe Weltbank hat gerade eine neue Rangliste auf der Basis der Werte von 2005 publiziert, wobei als Kriterium die Kauftkraftparität der jeweiligen Landeswährung zum Dollars benutzt wurde, nicht die zum Wechselkurs umgerechneten Werte. Mit diesem Kriterium also sieht die Welt so aus:

Anteil (%) am Welt-BIP Land
23  USA
10 China
Japan
5 Deutschland
Indien
3 Großbritannien, Frankreich, Rußland, Italien, Brasilien
2 Spanien, Mexiko

Natürlich ist ein Trick dabei, denn die Brasilianer waren großzügig beim Abrunden und vergaßen, deutlich darauf hinzuweisen, daß auf dem Podest des sechsten Platzes ziemliches Gedränge herrscht, weil sich fünf Länder auf ihm drängen. Die, wenn man den BIP-Anteil nicht auf drei Prozent abrundet, genau die Reihenfolge einnehmen, die ich in der Tabelle angab, d.h. Brasilien steht in Wirklichkeit auf dem zehnten Platz. Aber, immerhin! 

Die ersten fünf Länder, also USA, China, Japan, Deutschland und Indien, repräsentieren die Hälfte der Weltwirtschaft! Und Brasilien die Hälfte der Wirtschaft Südamerikas!

18 Dezember 2007

Ausländische Touristen in Brasilien

sind im Mittel nach einer Mitteilung des Tourismusministeriums zwischen 32 und 50 Jahre alt, haben eine Universitätsausbildung genossen und 66 % waren schon mehrmals in unserem schönen Land. Sie bleiben 18 bis 19 Tage und geben pro Tag 92 Dollar aus (2005: 89 Dollar). Sie sollen sogar mit der Infrastruktur zufrieden sein. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Universität von São Paulo, die letztes Jahr 27.000 Touristen befragt hat. 2006 kamen fünf Millionen Touristen nach Brasilien und ließen 4,316 Mrd. Dollar im Lande.

Eine Plausibilitätskontrolle ergibt für die durchschnittlichen Ausgaben pro Tag folgenden Werte:
4.316 Millionen Dollar : 5 Mio. Touristen = 863 Dollar / Tourist
836 Dollar /Tourist : 18,5 Tage = 47 Dollar/Tag und Tourist
Schlussfolgerung: Ich kann nicht rechnen oder die USP kann es nicht oder das Ministerium hat einen falschen Wert veröffentlicht. Oder der die Meldung weitergebende Journalist hat eine Fehler begangen.

Die meisten Touristen kamen aus Europa, dann folgt Argentinien und dann kommen die USA. 96 % werden wiederkommen. 84 % sahen ihre Erwartungen voll erfüllt, 14 % zumindest teilweise, nur 2 % waren enttäuscht. 44 % kamen zur Erholung nach Brasilien, 28 % waren aus geschäftlichen Gründen hier, 24 % haben Freunde und Verwandte besucht, etwas über 1 % haben Kurse besucht.

Mit Vorbehalt, siehe die Plausibilitätsrechnung: Erholungssuchende gaben 75 Dollar und Geschäftsreisende 165 Dollar täglich aus.

Die beliebtesten Ziele für die Erholungssuchenden waren Rio de Janeiro vor Foz de Iguaçú, Florianópolis, Salvador und São Paulo. Die Geschäftsreisenden kamen vor allen nach São Paulo, gefolgt von Rio de Janeiro, Curitiba, Porto Alegre und
Belo Horizonte.

16 Dezember 2007

Immer mehr Brasilianer gehören zur Mittelschicht!

Datafolha hat eine Studie veröffentlicht, nach der mehr als 20 Mio. Brasilianer über 16 Jahre in den letzten fünf Jahren die Klasse D/E verlassen haben und zur Klasse C aufgestiegen sind. Alleine von Januar 2003 bis Juni 2006 waren es sechs Millionen. Damit ist die Klasse D/E, zu der vor fünf Jahren noch 46 % der Brasilianer gehörten, nur noch 26 % stark. Die Klasse C wuchs von 32 auf 49 %, damit ist ca. die Hälfte der Wahlberechtigten in dieser Gruppe. In Brasilien ist man mit 16 Jahren wahlberechtigt, das sind zur Zeit 125 Millionen Brasilianer. Bei der Klasse A/B änderte sich wenig, sie wuchs von 20 auf 23 %. Interessant noch, daß die größten Umwälzungen auf dem Lande stattfanden und am stärksten in den armen Regionen im Norden Brasiliens waren. Wichtig ist allein, die Mittelschicht wächst, eine sehr gute Nachricht!

Anmerkung: ich wurde gefragt, was es mit A,B,C et cetera auf sich hat. Diese Klasseneinteilung, beginnend mit A, der Oberschicht, wurde von der Werbebranche erfunden, um die der Werbung meist schutzlos ausgesetzte Bevölkerung Brasiliens nach Kaufkraft einzuteilen.

Mehr Rindviecher als Brasilianer

Aber noch noch nicht lange, denn 1994 hatten wir "nur" 158.000.000 Rinder, heute sind es bereits 205.000.000. Und Brasilianer gibt es zwischen 190.000.000 und 194.000.000, ganz genau weiß es keiner. 1994 waren die brasilianischen Rinder für 68 % der Methanemissionen des Landes in Höhe von 13 Millionen Tonnen verantwortlich. Und von der brasilianischen Bevölkerung ist etwas mehr als die Hälfte ökonomisch aktiv und verantwortlich für ein BIP von ca. 1,1 Billionen US$. Als PPP (Kaufkraftparität zum US$) wären es 1,6 Billionen Internationale Dollars. Und damit stehen wir beim BIP an zehnter Stelle der Länder dieser Erde und bei den Rindviechern nach Indien an zweiter, noch vor Argentinien und den USA. Dabei schwören viele Brasilianer, daß es in Argentinien mehr Rindviecher als in Brasilien gibt.

15 Dezember 2007

Weihnachtsbaum in São Paulo am Ibirapuerapark

EMBRAER weiter auf Überholkurs! Und wie!!!

Denn 2008 will man um 25 % wachsen! Das sind einige Daten unseres brasilianischen Flugzeugbauers:

Umsatz
2006: 3,9 Mrd. US$
2007: 5,0 Mrd. US$

Ausgelieferte Flugzeuge 
2007: 165 bis 170

Investition
2008 + 2009: 1 Mrd. US$

Kunden
USA: 50 bis 60 %
China: 15 %

13 Dezember 2007

Schecksteuer CPMF wird 2008 nicht mehr erhoben

Die Regierung Lula hat heute kurz nach Mitternacht eine empfindliche Niederlage erlitten. Der Senat stimmte einer Verlängerung der Schecksteuer, die seit Jahren "vorübergehend" erhoben wird, um das Gesundheitssystem zu finanzieren, nicht zu. Diese Steuer, die als Nebeneffekt einen Plausibilitätsabgleich zwischen Einkommenssteuererklärung und Kontenbewegungen erlaubt, wurde von der Regierung Lula, als sie noch Opposition war, erbittert bekämpft. Genauso erbittert kämpfte man jetzt für den Erhalt, was im Parlament, wo die Regierung eine bequeme Mehrheit hat, auch gelang. Die Steuer ist wichtig für die Regierung, weil sie bisher die Mittel für alles, nur nicht den Gesundheitssektor, verwendet. Und es geht immerhin um vierzig Milliarden Real im Jahr, kein Pappenstiel. Jetzt ist sie (endlich) gezwungen, über Sparmaßnahmen nachzudenken, wird aber wohl Möglichkeiten suchen (und finden), dem Steuerzahler den künftig fehlenden Betrag auf irgendeine  Weise aus der Tasche zu ziehen.

PS vom 14.12.2007: Die Opposition gibt bereits zu verstehen, daß man die Schecksteuer 2008 eventuell wieder einführen könne, aber nur im Rahmen einer allgemeinen Steuerreform.

12 Dezember 2007

Neue BIP-Werte für Brasilien veröffentlicht

Frisch aus der Druckerpresse, die Vierteljahreswerte des brasilianischen Bruttoinlandsproduktes, jeweils Wachstum gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum:

3. Vierteljahr 2007: + 5,7 %
2. Vierteljahr 2007: + 5,6 %
1. Vierteljahr 2007: + 4,5 %
4. Vierteljahr 2006: + 5,1 %
3. Vierteljahr 2006: + 4,4 %
2. Vierteljahr 2006: + 1,5 %

Immerhin dreimal über 5 %, das spornt an! 

Das BIP im dritten Vierteljahr 2007 betrug absolut 645,2 Mrd. R$, davon waren allerdings nur 551,6 Mrd. R$ Wertschöpfung, der Rest von 93,6 Mrd. R$ geht à conto Steuern. Die Wachstumswerte nach Ursprung waren: 

Landwirtschaft (Ackerbau + Viehzucht) + 9,2 % (Erntezeit! Zucker + Weizen)
Industrie + 5,0 %
Dienstleistung + 4,8 %

Die bis September 2007 kumulierten Werte des laufenden Jahres ändern die oben gezeigte Reihenfolge:

Industrie + 5,1 %
Dienstleistung + 4,7 %
Landwirtschaft + 4,3 %
 
Mit solchen Werten kann man leben und es ist kein Wunder, daß die Zustimmung zum Wirken unseres Präsidenten Lula und seiner Regierung stetig steigt. Sie tat es gerade um 3 Prozentpunkte und erreichte mit 51 % Zustimmung den höchsten Wert von 2007.

Bauindustrie boomt in Brasilien

Aber trotzdem wohnen noch 1,6 Millionen (oder sogar 2 Millionen nach anderen Schätzungen)  Einwohner von São Paulo in Favellas, das entspricht der Einwohnerzahl von Curitiba! Die beträgt heute 1,78 Millionen Menschen.

Entlang unserer beiden Flüsse Pinheiros und Tietê direkt an den die sie begleitenden Stadtautobahnen exitieren neunzehn dieser Elendsviertel. In den insgesamt 1.573 kleinen und großen Favellas São Paulos "wohnen" vierhunderttausend Familien auf 30 Quadratkilometern. In São Paulo gibt es das größte Wohnungsdefizit in Brasilien, es fehlen 1,517 Millionen Wohnungen! Schuld daran ist die Auflösung der Banco Nacional de Habitação BNH, die den Wohngsbau bis 1986 finanzierte und für die lange keine Nachfolgeorganisation geschaffen wurde. Jetzt will die Bundesregierung zusätzliche drei Milliarden R$ aus den Mitteln des  Garantiefonds FGTS in das Wohnungsfinanzierungsprogramm pumpen.

In São Paulo wuchs die Anzahl der lancierten Wohngsbauten von Januar bis Oktober 2007 um 60,8 % und der Wohnungsverkauf um 26,2 %. Aber dabei handelt es sich um Objekte, die für die Einwohner der Favellas unerschwinglich sind.

Um die Preiserhöhungen beim Baumaterial zu bekämpfen, schließen sich übrigens immer mehr Baufirmen und Bauträger zu Genossenschaften zusammen, um eine bessere Preisverhandlungsposition aufgrund der gebündelten Nachfrage zu gewinnen. Diese bisher zehn bis zwölf  Genossenschaften beginnen auch schon, aus China (Porzellanartikel) und Europa (Zement) zu importieren.


Verkehrsradar in Brasilien wurde modernisiert

10 Dezember 2007

Arbeitssicherheit in Brasilien

Badelatschen am Strand sind ja durchaus in Ordnung, aber hier auf dem Dach?

Dieser Rohbau (grosses Einfamilienhaus, geschätzt 450 bis 500 Quadratmeter überbaute Fläche) brauchte hier bis zum Richtfest (was in Brasilien nicht gefeiert wird) ein Jahr, u.a. weil Ziegel einzeln abgeladen und dann (wenn man das  erste Stockwerk mauern will) nach oben geworfen, aufgefangen und abgelegt werden. Dabei gibt es hier LKWs mit eigenem Kran, sie werden nur nicht benutzt, Hilfsarbeiter sind billiger.

09 Dezember 2007

Unerwarteter Effekt der Dollarschwäche...

...die sich in dieser Graphik klar manifestiert
und deren Ende nach dem hier sichtbaren Kurvenverlauf nicht abzusehen ist, ist die "Massenflucht" von Brasilianern aus den USA. Anders kann man es schon nicht bezeichnen, wenn man sich ein Beispiel von vielen betrachtet. Da gibt es die Kleinstadt Itabirinha mit zehntausend Einwohnern, von denen schon gleichzeitig dreitausend vorübergehend in den USA arbeiteten und ihre sauer verdienten Dollars nachhause schickten. Das ist jetzt vorbei, denn beim Umtausch in den brasilianischen Real bleibt so wenig übrig, daß es sich für viele mit schlecht bezahlten  jobs schon nicht mehr lohnt, in der Ferne zu schuften. Deshalb sind bereits eintausend Bürger Itabirinhas enttäuscht in ihre Heimatstadt 110 km entfernt von Governador Valadares in Minas Gerais zurückgekehrt und investieren dort ihre mitgebrachten Dollar. Von den ca. zweihundert Firmen der Stadt wurden einhundert in den letzten drei Jahren gegründet und die Stadt hofft jetzt sogar auf einen asphaltierten  Zugang, der Fortschritt ist nicht mehr aufzuhalten. Und die Bauindustrie boomt, denn viele der Heimkehrer lassen sich Häuser im US-amerikanischen Stil bauen. Die vorgenannte Stadt Governador Valadares ist übrigens berühmt dafür, daß sehr viele ihrer Einwohner ihr Glück in den USA versuchten, die Mehrzahl als illegale Einwanderer, die in Brasilien Schlagzeilen machten und machen, wenn sie deportiert werden.

08 Dezember 2007

Grundstücksverkauf in Brasilien

Ich habe von einem Blogleser einer Anfrage erhalten, die ich leider nicht mehr finde, deshalb antworte ich an dieser Stelle. Das Thema ist eventuell auch für Dritte interessant, es geht nämlich darum, einen Anteil an einem Grundstück in Brasilien zu verkaufen, welches zwei deutsche Eigentümer hat, von denen einer spurlos verschwunden ist. Und der andere hat jetzt das Problem, dass er seinen Teil erst dem Miteigentümer anbieten muß, bevor er ihn an einen Dritten verkaufen kann.

Ich bin kein Anwalt (habe aber vier in der Familie) und kann / darf daher keine Rechtsauskunft geben, aber ein Blick in http://www.anwaltskanzlei-cvw.de/deutsch/faelle/Auslandsrecht/fall_a6.html ist vielleicht aufschlußreich. Ich würde das Angebot per Zeitungsanzeige in Brasilien und Deutschland machen, vielleicht ist damit dem Recht genüge getan? Aber eine endgültige Auskunft müßte ein Anwalt geben. 

Die Frage ist, wer kauft ein solches Grundstück mit einem verschwundenen Miteigentümer? Und kann man eventuell dessen Anteil ersitzen? 

Brasiliens Zahlungsbilanz rutscht (vorübergehend?) ins Negative

Im Oktober betrug das Defizit schon 42 Millionen Dollar, nicht viel, aber im November - die genauen Zahlen liegen noch nicht vor -- sind es wahrscheinlich schon 700 Millionen Dollar gewesen. Trotzdem rechnet der Finanzminister nicht mit Auswirkungen auf das Wachstum des Bruttoinlandproduktes, es wird seiner Meinung nach 2008 um fünf Prozent wachsen. Sollte der Export in die Knie gehen - siehe die Wechselkursentwicklung weiter unten der letzten fünf Jahre und der letzten vier Wochen, die dies nicht unwahrscheinlich erscheinen läßt - können es aber auch nur viereinhalb oder sogar vier Prozent werden. Aufs Jahr gesehen, sind wir noch im Positiven, der Zahlungsbilanzüberschuß 2007 wird auf zehn Milliarden Dollar geschätzt und die Prognose für 2008 lautet auf fünf Milliarden Dollar.


Wenn man sich diese Schwankungen innerhalb von vier Wochen ansieht, fragt man sich als brasilianischer Exporteur, was sicherer ist, eine Rechnungsstellung in Euro (oder in Dollar) mit 30, 60 oder 90 Tagen Zahlungsziel oder die Teilnahme an einer Pokerrunde? 

07 Dezember 2007

Wenn man Ärzte und Juristen braucht, sollte man vorsichtig sein...

...denn die Qualitätsunterschiede sind groß! Über die hohe Durchfallquote der Juristen in Brasilien beim vorgeschriebenem OAB - Examen habe ich schon früher berichtet, aber ohne bestandene Prüfung dürfen diese den Anwaltsberuf nicht ausüben. Das schützt den Mandanten, aber wer schützt den Patienten in Brasilien? Denn Ärzte unterziehen sich zwar auch einer Prüfung, aber wer durchfällt, darf trotzdem praktizieren!

In diesem Jahr betrug die Durchfallquote der Medizinstudenten im sechsten Ausbildungsjahr, die an der Prüfung des CREMESP - Conselho Regional de Medicina do Estado de São Paulo teilnahmen, satte 56 %! Die Prüfung fand das dritte Mal statt und die Teilnahme ist bisher freiwillig. Es hatten sich 833 Studenten von 2.300  bereiterklärt, an dem Experiment teilzunehmen. 2006 fielen 38 % durch und 2005 "nur" 31 %. Die Verschlechterung der Ergebnisse ist erschreckend und bezieht sich vor allem auf Gynäkologie, Geburtshilfe und Pediatrie, also immer auf die Schwächsten! 

Es gibt zur Zeit 31 Ausbildungsstätten für künftige Mediziner im Bundesstaat São Paulo, acht davon wurden zwischen 2002 und 2007 gegründet. Leider sagt die Studie nichts darüber, wo die Durchgefallenen studieren, aber es ist sehr wahrscheinlich, daß es große Qualitätsunterschiede zwischen den Ausbildungsstätten gibt.

06 Dezember 2007

Brasiliens Industrie mit Volldampf voraus!

Die Analytiker irrten mit 1,3 % mal wieder, die Industrieproduktion Brasiliens wuchs zweimal stärker als von ihnen vorausgesagt. Allein im Oktober 2007 betrug das Wachstum 2,8 %, das beste Ergebnis seit vier Jahren. Und im Vergleich zum Oktober 2006 waren es 10,3 % und von Januar bis Oktober des laufenden Jahres kumuliert 5,9 %.

Das ist wieder mal Grund für die Zentralbank, am Leitzins von 11,25 % / a festzuhalten, weil man schon eine Überhitzung fürchtet. Denn das Wachstum der industriellen Produktion wird zwar durch den Exportbedarf gestützt, hat aber als Nährboden die steigende Inlandsnachfrage. Diese wiederum steigt, weil das Kreditangebot größer geworden ist, die Bezüge von Angestellten und Arbeitern gestiegen sind und immer mehr Leute in Lohn und Brot stehen. 

Der Automobilsektor trug besonders zu dieser positiven Entwicklung bei, hier betrug das Wachstum dieses Jahr von September auf Oktober 7 %, per Oktober 14,3 % und beim Vergleich von Oktober 2007 zum Oktober 2006 sind es sogar 29,5 %. Aber auch Kühlschränke, Fernsehapparate, Radios, Stereogeräte trugen ihr Scherflein zum Wachstum bei.

Besonders bemerkenwert ist die Tatsache, daß selbst vom Import gebeutelte Sektoren eine Erholung zeigen, z.B. sank die industrielle Produktion von Schuhen von Januar bis September 2007 um 4,6 %, wuchs aber im Oktober 2007 gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 9,2 %. 

Unsere deutschen Maschinenbauer müssen aufpassen, im Oktober 2007 betrug das Industriewachstum bei Kapitalgütern gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat 26,8 %. Wenn man sich die Käufer der Industriegüter ansieht, merkt man große Unterschiede. Hier die Wachstumswerte nach Bestimmungsmarkt:

13,2 % Industrie
60,6 % Landwirtschaft
30,1 % Transport
52,6 % Energie
23,1 % Bauwirtschaft
20,2 % sonstiger Bedarf einschließlich Informatik und Telefonie

Diese Zahlen deuten auf eine starke Ausweitung der Investitionen hin - die Auslastung der installierten Kapazität beträgt zur Zeit 82,8 %. Und dazu kommt noch der Import an Kapitalgütern, der im Oktober 2007 gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 39 % auf Dollarbasis gestiegen ist. Deshalb ist der Finanzminister Mantega auch optimistisch und glaubt an 6 % Industriewachstum für 2007. Und blickt beruhigt auf Devisenreserven von 179 Mrd. US$.

Konkretes Investitionsbeispiel, Gerdau investiert 400 Mio. US$ in ein Walzwerk für Grobbleche, ein Markt, der bisher von Usiminas dominiert wurde. Das Walzwerk wird die Produktion 2010 aufnehmen, in ihm werden 200 Arbeitsplätze geschaffen, die Kapazität wird 870.000 to/a betragen. 

Und den Beweis, daß einige brasilianische Unternehmen vorbildlich hinsichtlich ihrer Wettbewerbsfähigkeit sind, findet man im jährlichenBoston Consulting - Bericht über die hundert besten  Firmen (BCG 100) in schnell wachsenden Ländern, er enthält dreizehn brasilianische Firmen, nämlich Braskem, Coteminas, Vale, Embraer, Gerdau Steel, Marcopolo, Natura, Perdigão, Petrobrás, Sadia, Votorantim, WEG und JBS Friboi.

Allerdings gibt es hier auch einen Wermutstropfen, China führt die Liste mit 41 Firmen an, gefolgt von Indien mit 20; Mexiko mit 7 und Rußland mit 6 kommen allerdings erst nach Brasilien.




Nazis in Brasilien, SS-Mitglieder schließen Blutpakt

Man glaubt es kaum, aber das Gefängnissystem São Paulos beherbergt in der Nähe Sorocabas in der Strafanstalt II von Guareí das COMANDO NAZISTA DA CRIMINALIDADE. Auch ohne Übersetzung wird klar, daß die Mitglieder bereits dort sind, wo sie hingehören. Gegründet wurde das CNC im August 2006 als Abspaltung oder schicker spin off der SS, was Seita Satânica bedeutet. Seita heißt Sekte und man kann nur hoffen, daß den Mitgliedern die schwarzen Kerzen nicht ausgehen. Und die Messer, denn wer Mitglied werden will, muß einen Blutpakt eingehen und sich einen kleinen Finger abschneiden. Man fragt sich, welche Vorteile die Mitgliedschaft bietet bei einer so hohen Eintrittsschwelle.

05 Dezember 2007

Clustermap: 6.226 Besuche vom 21.2. bis 5.12.07 auf der Eurolatinahomepage

02 Dezember 2007

Die Fleischtöpfe Brasiliens

Hier sehen Sie unser Firmenpoolmitglied Achim Flesser von creative precision engineering beim Fotografieren einer Fleischportion,
die meinem Freund und Geschäftspartner Peter Paes heute beim Mittagessen in der Churrascaria FOGO DE CHÃO in São Paulo angeboten wurde:Herr Paes ist verständlicherweise nur schwer davon zu überzeugen, in Deutschland in einem "Steakhouse" einzukehren, die Portionen sind ihm dort zu klein! Herrn Flessers wahres Betätigungsfeld ist übrigens das Entwickeln und Optimieren von Produkten und Produktionsprozessen, vor allem aus den Bereichen Feinmechanik, Elektromechanik und Maschinenbau.