23 Mai 2008

IMD-Wettbewerbsfähigkeitsstudie

Das Lausanner Institut für Management-Entwicklung hat wieder den Finger in die Wunde gelegt; Brasilien konnte auf der neuesten Ländervergleichsliste über Wettbewerbsfähigkeit zwar sechs Positionen vorrücken, aber selbst der jetzt eroberte 43. Platz der 55 untersuchten Länder stellt unserer Regierung ein Armutszeugnis aus. Aber bevor ich dazu Stellung beziehe, weise ich darauf hin, dass die viel geschmähten USA die IMD-Liste seit 1994 anführen. Ihnen dicht auf den Fersen und aufrückend sind Singapur, Hongkong, die Schweiz und Luxemburg. An der Grösse kann es also nicht liegen, dass Brasilien auf die hinteren Plätze verwiesen wurde. Die Untersuchung wird übrigens seit 1989 durchgeführt und berücksichtigt 331 Kriterien.

Die BRIC-Staaten konnten sich folgende Plätze sichern:

17. Platz: China
29. Platz: Indien
43. Platz: Brasilien
47. Platz: Russland

Unser Pech ist die Zusammensetzung der Bewertungskriterien aus den vier Bereichen
  • Unternehmerische Effizienz
  • Wirtschaftliche Entwicklung
  • Regierungseffizienz
  • Infrastruktur
Die Ergebnisse der ersten beiden Bereiche hängen grösstenteils von der Privatwirtschaft ab und hier konnte Brasilien punkten. So liegen wir bei der unternehmerischen Effizienz nicht mehr auf Platz 40, sondern auf Platz 29. In der Gesamtbewertung rückten wir wie gesagt 6 Plätze vor, bei diesem Einzelbereich aber um 11 Plätze. Bei der wirtschaftlichen Entwicklung geht es uns auch nicht sooo schlecht, trotz der ungebremsten Ausgabesucht der Regierung, die durch ein Rekordsteuereinkommen unterstützt wird. Unsere Inflation ist (noch) unter Kontrolle, das BIP wächst und die Währungsreserven haben an früher nie gedachte Werte erreicht. Und vielleicht mit am wichtigsten, das BIP per Capita steigt ebenfalls!

Bei der Regierungseffizienz konnten wir uns zwar um drei Positionen verbessern, liegen aber immer noch weit abgeschlagen auf dem einundfünfzigsten Platz, für das Einzelkriterium "nötige Zeit für Firmengründung" liegen wir sogar auf dem allerletzten Platz. Was meine leidgeprüften Kunden, die über Eurolatina Firmen in Brasilien gründen lassen, zähneknirschend und oft ungläubig bestätigen können. Von anderen Dingen wie dem komplizierten Steuersystem, dem teuren Rentensystem und dem mit Regeln und Beschäftigungsnebenkosten überbürdeten Arbeitsgesetz ganz zu schweigen. 

Leider liegen wir bei der Infrastruktur, zu der das IMD auch das Erziehungswesen zählt, nicht besser. Und wenn wir uns Flughäfen, Autobahnen und Bundesstrassen sowie Häfen ansehen sowie die Wasserver- und entsorgung, können wir uns nur Sorgen machen um Brasilien, weil es der Regierung nicht gelingt, schnell fühlbare Verbesserungen zu erzielen. Die viel gepriesenen PPPs haben bisher auch wenig zu einer Verbesserung beigetragen. 

Dazu passt übrigens eine Meldung von heute, nach der die Flüge des internationalen Flughafens von São Paulo, Guarulhos, am Beginn des verlängerten Wochenendes zu über zwanzig Prozent um mehr als eine halbe Stunde verspätet waren. Ohne Schnee oder Windhosen, etwas Frühnebel in Buenos Aires und unsere eigene Inkompetenz reichten aus, dieses Ergebnis zu erzielen.

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