25 November 2010

Grün ist in Brasilien nicht "in", wenn dies Geld kostet

1.100 Brasilianer in 11 Großstädten wurden befragt und ihre Aussagen lassen nur einen Schluss zu, man ist für die Umwelt, solange dies den eigenen Geldbeutel nicht zu sehr belastet. Hier die Umfrageergebnisse:

  1. Verwendung von energiesparenden Lampen: 77 %
  2. Verwendung von Plastiktüten: 90 %
  3. Vorzug von umweltfreundlichen Produkten: 43 %
  4. Verwendung von elektrischen Haushaltsgeräten mit niedrigem Energieverbrauch: 63 %
  5. Entsorgung von gebrauchtem Bratöl über das Spülbecken in der Küche: 23 %
  6. Entsorgung von Medikamenten über dem Verfallsdatum zusammen mit Hausmüll:44 %
  7. Kauf von Mineralwasser in Flaschen: 38 %
  8. Kauf von Eiern und Hähnchen ohne Hormonzusatz: 23 %
  9. Kauf von Produkten mit wiederaufbereitbarer Verpackung: 53 %
Die Befragten waren nur teilweise bereit, umweltschützende Verhaltensweisen anzunehmen:
  1. Hausmüll separieren: 66 %
  2. Weniger Wasser zu verbrauchen: 63 %
  3. Weniger Elektroenergie zu verbrauchen: 46 %
  4. Keine Plastikbeutel zu benutzen: 40 %
  5. Umweltschädigende Firmen zu boykottieren: 18 %
  6. Weniger Gas zu verbrauchen: 15 %
  7. Steuern für die Säuberung von Flüssen zu zahlen: 12 %
  8. Mehr für Lebensmittel zu zahlen, deren pflanzliche Basis ohne chemische Produkte angebaut wurde: 9 %
  9. Geld für Umweltschutzorganisationen zu spenden: 8 %
  10. Mehr für Haushaltsgeräte zu zahlen, wenn diese weniger Energie verbrauchen: 7 %

24 November 2010

Die Flughäfen von São Paulo und Rio

werden selbst von deutschen Reisebüros nicht immer gekannt.
Deshalb sehen Sie hier die Lage folgender Flughäfen:
  1. Viracopos ist der hauptsächlich als Frachtflughafen benutzte Flughafen Campinas', ca. 100 km von São Paulo entfernt; er war vor vielen Jahren der internationale Flughafen São Paulos
  2. Guarulhos, auch Cumbica genannt, ist heute der internationale Flughafen von São Paulo; er liegt wie, sein Name andeutet, in der direkt und übergangslos an São Paulo grenzenden Millionenstadt Guarulhos, die zu Gross-São Paulo mit 20.000.000 Einwohnern gehört
  3. Congonhas ist der Stadtflughafen von São Paulo, er liegt in der Südzone der Stadt und wird für Inlandsflüge benutzt; hier können Sie die Luftbrücke nach Rio - Santos Dumont benutzen
  4. Santos Dumont ist der Stadtflughafen von Rio de Janeiro, seine Piste beginnt und endet kurz vor dem Atlantik, er liegt dicht am Zuckerhut und damit auch am Strand von Copa Cabana
  5. Galeão ist der internationale Flughafen von Rio mit Direktanbindung an den internationalen Flughafen von São Paulo; er liegt etwas ausserhalb auf einer Insel und die Verbindungsstadtautobahn Linha Vermelha (rote Linie) zur Stadt gilt wegen vieler Überfälle als gefährlich
Nicht genannt habe ich hier einen weiteren Flughafen im Norden der Stadt São Paulo; dieser heisst Campo de Marte und ist für das Militär und Privatpiloten gedacht. Einen weiteren Flughafen für Privatmaschinen und Lufttaxis finden Sie zwischen Campinas und São Paulo in Jundiaí. Dazu kommen in den Städten selbst zahlreiche Heliports.

Wenn Sie zum Jahresende nach Brasilien kommen, machen Sie sich auf ein Chaos auf den grossen Flughäfen Rios und São Paulos gefasst. Zwar wurde das overbooking schon verboten, aber diese Massnahme wird bei dem grossen Passagieraufkommen und der ungenügenden Infrastruktur der Flughäfen wenig ausrichten. Ich habe schon mal 2 Stunden gewartet, nur um in den Bereich der Handgepäck- und Passkontrolle für internationale Flüge in Guarulhos zu gelangen!

Übrigens noch ein Hinweis, SAO als Flughafen gibt es nicht, es ist GRU für Guarulhos.

21 November 2010

Bungee Jumping in São Paulo am Guarapiranga - Stausee vor dem Eurolatina-Büro




Wem die Emotion der Vorweihnachtszeit nicht aussreicht, dem wird etwas geboten in São Paulo, als Zuschauer oder als aktiver Bungee Jumper! Ich gebe zu, dass mir Weihnachten reicht!

Brasilien auf dem Weg zur Atommacht


Brasilien treibt sein Nuklearprogramm weiter voran, sowohl das Atomunterseeboot -Programm als auch die friedliche Nutzung der Atomkraft zur Energiegewinnung genießen höchste Priorität.

Die brasilianische Marine will bis 2047 sechs atomgetriebene Unterseeboote und zusätzliche 20 konventionelle U-Boote betreiben. Die zusätzlichen konventionellen U-Boote werden 15 neue und fünf generalüberholte sein.

Jedes Atomunterseeboot wird ungefähr 550 Mio. € kosten; das erste, welches schon im Bau ist, wird allerdings 2 Milliarden Euro verschlingen, in diesem Wert sind nämlich die Kosten  des Technologietransfers mit eingeschlossen.  Die Atomunterseeboote werden mit Unterstützung der französischen Werft DCNS  entworfen, gebaut werden sie in einer im Bau befindlichen Werft in Itaguaí im Süden von Rio de Janeiro. Direkt daneben baut Odebecht  den zugehörigen Marinestützpunkt.

Das erste Los konventioneller U-Boote umfasst 15 Einheiten. Die ersten vier sind vom Typ Scorpéne, aber circa 100 t schwerer und 5 m länger als das französische Original. Dazu kommen vier U-Boote der Tupiklasse,  die  mit deutscher Technologie gebaut wurden und modernisiert werden müssen. Das gleiche gilt für einen von brasilianischen Marineingenieuren gebautes U-Boot der Tikuna- Klasse.

Dieses Programm wird unterstützt von einer brasilianischen Fabrik zur Urananreicherung in Iperó,  circa 130 km von Sao Paulo entfernt. Ab Dezember kann diese Fabrik 40 t angereichertes Material pro Jahr produzieren, der Startschuss dazu wird von Präsident Lula gegeben werden.

Interessant ist die Begründung des Admirals Júlio Moura Netos, warum dieses Programm so wichtig ist. Unter anderem sagte er, dass jedes Jahr brasilianische Waren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar von Brasilien aus verschifft werden und die dazu benutzten Seewege geschützt werden müssten.  Gut, dass es nicht der deutsche Verteidigungsminister war, der dies sagte, denn für eine solche Aussage hätte er wahrscheinlich in Deutschland Schläge einstecken müssen.

Bis 2030 sollen außerdem die nächsten vier Atomkraftwerke in neuen Nuklearzentren ans Netz gehen. Zwei dieser Atomkraftwerke werden entweder in Bahia, Pernambuco, Alagos oder Sergipe installiert werden.  Bei Angra dos Reis im Bundesstaat Rio de Janeiro wurden bereits die Arbeiten am Kraftwerk Angra III begonnen, diese wurden vor 20 Jahren unterbrochen.

Näheres darüber kann man von der Associação Brasileira para o Desenvolvimento das Atividades Nucleares  erfahren. Dieser brasilianische Verband für die Entwicklung der Nuklearaktivitäten setzt sich sehr dafür ein, dass das staatliche Monopol für die Nutzung der Atomkraft zur Energiegewinnung gebrochen wird. Der Präsident des Verbandes, Antonio Muller,  sagte, das zurzeit weltweit 53 Atomkraftwerke im Bau seien.  Offensichtlich sind die Grünen Deutschlands anderer Meinung als ihre Kollegen im Ausland, sonst wäre diese Zahl wesentlich niedriger. Aber in Deutschland kommt der Strom ja aus der Steckdose (die von Atomkraftwerken in den Nachbarländern gespeist wird).

18 November 2010

Weihnachten steht vor der Tür! Obwohl wir noch mehr als einen Monat warten müssen!

Blick aus meinem Büro auf den noch nicht vollständig montierten Weihnachtsbaum am Ufer des Stausees Guarapiranga im Süden São Paulos nahe der Formel I - Rennstrecke

Sprechen Sie portugiesisch?

Wenn nicht, klicken Sie in LEHRGANG und lernen sie die Sprache!

Ich hätte übrigens auch "Sprechen Sie Portugiesisch?" schreiben können. Warum, können Sie hier in einem Beitrag von Dagmar Jenner lesen:


Sprechen Sie Deutsch oder deutsch?

Geschrieben am 29. Mai 2009 Dagmar Jenner Keine Kommentare
Die Groß- und Kleinschreibung von Sprachen bereitet paradoxerweise auch Sprachprofis Probleme. Heute erhielt ich eine Bewerbung einer Übersetzerin, die angab, deutsch-englisch-Übersetzerin zu sein. Hier ist die Kleinschreibung entschieden falsch, weil es sich um ein Substantiv handelt.
Sprachen als Adjektive wiederum werden kleingeschrieben: Er hat einen englischen Akzent. Sie trägt ihr Referat französisch vor.
Sobald eine Präposition davor steht, liegt eine Substantivierung vor und es wird großgeschrieben: Sie trägt ihr Referat auf Französisch vor. Mit Englisch kommt man heutzutage fast überall zurecht.
Obwohl hier keine Präposition vorliegt, schreibt man die Sprache auch in folgendem Beispiel groß, weil ein Possessivpronomen auch auf eine Substantivierung hinweist: Mit meinem Italienisch ist es nicht weit her.
Übrigens sind in folgendem Beispiel beide Möglichkeiten erlaubt.
Wir sprechen Französisch./Wir sprechen französisch.
Erklärung: Hier kann man einerseits nach dem Substantiv fragen: Welche Sprache sprechen Sie? Die Antwort ist dann ein großgeschriebenes Substantiv.
Wenn Sie diese Aussage als Antwort auf die Frage 
Wie sprechen Sie? verstehen, können Sie kleinschreiben: Wir sprechen französisch.
Abschließend: Da es sich bei einer Übersetzerin um ein Substantiv handelt, wird natürlich auch das zusammengesetzte Substantiv großgeschrieben: Deutsch-Englisch-Übersetzerin.

16 November 2010

Brasilien lockt den deutschen Mittelstand


Artikel aus der Böblinger Kreiszeitung vom 13.11.2010 (zum Vergrössern in den Artikel klicken!)

Brasilien lockt Versicherer

Originalartikel aus dem Handelsblatt

15 November 2010

€-R$-Kurs der letzten 5 Jahre


In diesem Zusammenhang ist ein Spiegelartikel zum "Weltwährungskrieg", der Brasilien mehrfach erwähnt, sehr interessant!

14 November 2010

Blauer Dunst

Der Spiegel schreibt in seiner aktuellen Ausgabe: "Die USA verschärfen den Kampf gegen das Rauchen: Auf Zigarettenpackungen sollen künftig drastische Fotos von faulen Zähnen, zerstörten Lungen und Leichen zu sehen sein. In Deutschland werden ähnliche Pläne erst mal verschoben - dabei befürworten Wissenschaftler solche Ekelbilder. Belgier, Briten, Rumänen oder Letten kennen das bereits: Kauft man eine Schachtel Zigaretten, hat man beste Chancen, ekelhafte Bilder von Nikotin-Opfern zu sehen. Faulige Zähne, faustgroße Tumoren, geschwärzte Lungen gehören zu den Schockmotiven, die Raucher von ihrem Tun abbringen sollen."
Wieder mal ist Brasilien ein in Europa unbekannter Vorreiter. Das Rauchverbot in Restaurants war der Anfang, der damalige Oberbürgermeister Maluf von São Paulo sprach es bereits 1995 aus. Und die oben zitierten Ekelbilder gibt es auch schon längs bei uns in Brasilien, was aber den harten Kern der überzeugten Raucher nicht davon abhält, ihrer Leidenschaft weiter zu frönen. Wobei bei sich bei vielen um eine Hassliebe handelt, denn Aufhören wollen die meisten, aber "der Wille ist stark, doch das Fleisch ist schwach".

Übrigens gehen die Dänen mit Pfeiferauchern milder um, ihr Hinweis auf die Gefährlichkeit des Rauchens ist sehr dezent und ohne Bild, d.h. Analphabeten können fröhlich weiterrauchen nach dem Motto, "was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss"!

11 November 2010

DILMA ROUSSEFF ZUR PRÄSIDENTIN BRASILIENS GEWÄHLT

KATASTROPHE ODER KONTINUITÄT?
Am 31. Oktober wurde die bis vor kurzem der Bevölkerung weitgehend unbekannte Favoritin Lulas mit 56 % gewählt und bewies damit vorerst nur dessen überragende Rolle im Brasilien der Gegenwart und wohl auch der nahen Zukunft. Ob sich die glanzlose und wenig charismatische ehemalige Terroristin und Linksextremistin aus gutbürgerlichem Haus von diesem Einfluss freimachen kann, wird sich ab dem 1. Januar 2011 zeigen, wenn sie ihr Amt antritt. Wie es dann weitergeht, ist reine Spekulation, aber sicher wird Brasilien unter ihrer Führung nationalistischer werden und dem Einfluss des linken Flügels der Arbeiterpartei stärker ausgesetzt sein. Aber der Koalitionspartner PMDB, der den Vizepräsidenten Michael Temer stellt, wird schon aus ureigenem Interesse dafür sorgen, dass die ideologischen Bäume nicht in den Himmel wachsen und die bisherige vordergründig sehr erfolgreiche Wirtschaftspolitik weiter verfolgt wird. Die wirtschaftlichen Sachzwänge werden ein Übriges tun. Brasilien wird weiter überdurchschnittlich wachsen und hoffentlich unter der neuen Präsidentin, die einen sehr technokratischen Hintergrund hat, auch die überfälligen Reformen zu den Themen Steuern, Arbeitsgesetzgebung, Sozialversicherung, Gesundheitswesen, Wahlrecht, Parteienfinanzierung und Rechtsprechung endlich anpacken. Der mehr redegewaltige als tatkräftige Lula hatte diese weder gewollt noch geschafft. Weitere Herausforderungen, die auf Dilma Rousseff warten, sind der überstarke Real, die in vielen Gegenden weiterhin prekäre Infrastruktur, die zunehmend unkontrollierte Ausgabenwut der Öffentlichen Hand und das Unvermögen der Regierung, die durchaus vorhandenen Geldmittel sinnvoll und schnell für Investitionen einzusetzen. Die Fussballweltmeisterschaft, die Olympiade in Rio und die Rekordvorkommen an Erdöl und Erdgas im Meeresgrund – allerdings auch in Rekordtiefen – bieten der neuen Präsidentin aber auch Chancen zur Profilierung und dem Land die Möglichkeit, ganze Entwicklungsschritte einfach zu überspringen. Fazit: Brasilien lohnt sich auch 2011 und danach für deutsche Investoren!

PS: Wie Sie sehen, bin ich wieder zurück in Brasilien und schreibbereit!

01 November 2010

Deutsche Pressestimmen zur brasilianischen Präsidentenwahl

Dilma Rousseff zur ersten Präsidentin gewählt

Rousseff will Brasiliens Wunderwirtschaft stärken

Wer hat Dilma gewählt?

Zum Vergrössern in das Bild klicken!


31 Oktober 2010

Dilma gewinnt die Präsidentenwahl

Erste Hochrechnung:

Mehr über die künftige Präsidentin Brasiliens DILMA ROUSSEFF, die mit 56 % gegenüber 44 % für José Serra im zweiten Wahlgang gewann, erfahren Sie durch Klicken in die pdf-Version meines Vortrages "Brasilien nach der Wahl Dilma Rousseffs zur Präsidentin", den ich am 2.11.2010 in Essen halten werde. Diese können Sie direkt im Internet lesen. Die PP-Version habe ich wieder herausgenommen, weil man diese erst auf den Rechner laden musste, um sie zu lesen. Danke, Herr Gradl, Ihr Hinweis ist auf fruchtbaren Boden gefallen, auch das falsche Datum der Vortragsvorlage habe ich korrigiert:

Guten Tag Herr Naumann,
soeben habe ich Ihre Präsentation "Brasilien nach der Wahl" gelesen. Vielen Dank für diese kompakte und sehr gehaltvolle Zusammenstellung.

Erlauben Sie, dass ich auf 2 Dinge hinweise:
- Die Präsentation ließ sich erst erfolgreich öffnen, nachdem ich sie auf meinen Rechner geladen hatte. Ursache???
- Auf den Folien erscheint links unten ein Datum von 2007. Das wollen Sie vor Ihrem Vortrag sicher noch anpassen.

Vielen Dank und Gruß,
Johann Gradl

28 Oktober 2010

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer...

Euro - Real - Kursverlauf
...aber vielleicht sind ja noch mehr Schwalben unterwegs?

Vale zeigt, was die Privatisierung aus einem schwächelnden Staatsbetrieb machen kann

2011 will das PRIVATunternehmen 24 Mrd. US$ investieren. In den letzten 12 Monaten bis einschliesslich September 2010 betrugen die Investitionen 10,7 Mrd. US$, wir sprechen also von einem Zuwachs von 125 %! Das Budget für das nächste Jahr sieht 73 % der Mittel für Projekte vor und 8,3 % für Forschung & Entwicklung. Der Gewinn im dritten Quartal 2010 betrug 10,6 Mrd. R$, 253 % mehr als im Vorjahresvergleichsraum. Der Abbau von Eisenerz ist immer noch der wichtigste Sektor, aber Düngemittel, Kupfer und Kohle gewinnen an Bedeutung. Allein 2,5 Mrd. US$ sind den Düngemitteln im Investitionsplan für 2011 gewidmet, Basismetalle - u.a. Kupfer - erhalten 4,3 Mrd. US$, Logistik 5 Mrd. US$, Kohle 1,6 Mrd. US$, Stahlerzeugung 677 Mio. US$ und Energie 794 Mio. US$. 63,8 % des Geldes wird patriotisch in Brasilien ausgegeben werden. 1,9 Mrd. US$ sind für Investitionen in Kanada bestimmt, 1,4 Mrd. US$ für Argentinien, 1,13 Mrd. US$ für Guinea, 1,12 Mrd. US$ für Mozambique und für China 663 Mio. US$. 18 Grossprojekte werden bis 2012 operativ und werden dann Einnahmen generieren. In 2015 will man 522 Mio. to Erz fördern, 42 Mio. to Kohle, 3,4 Mio. to Kalium und 12,7 Mio. to Rohphosphat, 691 T to Kupfer und 381 T to Nickel.

Hat die holländische Krankheit Brasilien erreicht?


Die FIESP, der Industrieverband São Paulos, meint ja, denn der BIP-Anteil der weiterverarbeitenden Industrie sei von ehemals 27 auf jetzt 15 % gefallen. Schuld wird den Importen gegeben, die durch den überbewerteten Real ungebremst in die Höhe geschnellt seien. Ohne Saisonbereinigung sei der Aktivitätsindex INA im September gegenüber dem August um 0,4 % zurückgegangen.

Brasilien muss deshalb wettbewerbsfähiger werden, aber das wird durch die einengende Arbeitsgesetzgebung, durch die hohe Besteuerung auch der Investitionen in Betriebsmittel und durch die hohen Schuldzinsen, die den Banken Rekordgewinne bescheren, erfolgreich verhindert. Davon will die regierende Arbeiterpartei, die sich vehement gegen weitere Privatisierungen wehrt, obwohl ehemalige Staatsbetriebe jetzt nach ihrer Privatisierung ebenfalls Rekordgewinne einfahren, nicht sehen. Im Gegenteil, die Regierung Lula hat in 8 Jahren keine einzige der grossartig angekündigten Reformen verwirklicht und von der wahrscheinlichen neuen Präsidenten Dilma ist wohl nichts in dieser Richtung zu erwarten. Selbst ausländische Blätter wie der Economist, die sich hüten, in die internen Belange eines Landes einzugreifen bzw. diese zu kritisch zu kommentieren, halten den sozialdemokratischen Gegenkandidaten Serra für die bessere Alternative. aber dieser scheint nach den Vorhersagen keine Chance zu haben, die Wahlgeschenke in Form von Sozialhilfe wiegen zu schwer bei der Masse der armen Wähler.

Dieses Jahr wird die Industrie trotzdem um 10 bis 11 % wachsen, aber dieses Wachstum schöpft das Potential der brasilianischen Industrie angesichts der hohen Nachfrage nicht aus, was durch den Import beweisen wird. 

Winterzeit

An diesem Wochenende ist es aus mit der Sommerzeit in Deutschland. Bitte denken Sie daran, dass der Zeitunterschied zu dem Teil Brasiliens, in dem wir augenblicklich Sommerzeit haben, dann nur noch drei Stunden beträgt.

25 Oktober 2010

Doktorinnen auf dem Vormarsch

Früher hiess es für eine ehrgeizige Studentin, wenn sie keinen Doktor macht, heiratet sie einen. Diese Zeiten sind vorbei, denn in de USA waren im letzten Jahr 50,4 % der frisch Promovierten Frauen!  Bei der Vorstufe, dem Diplom, war der Frauenanteil sogar noch höher, 60,4 %!


In Brasilien kommen auf 1.000 Einwohner, statistisch gesehen, denn wer will sich schon zerteilen lassen, 1,4 Doktoren, in der Schweiz sind es allerdings 23, also 16mal so viel. Das muss an der gesunden Bergluft liegen und der Milch, die nicht nur im Allgäu von glücklichen Kühen kommt. Am Schulsystem kann es nach Darstellung unserer jetzigen Regierung nicht liegen, denn dort wurde ja von ihr schon viel gemacht - nunca antes neste país.... (- niemals vorher in diesem Land...).

2008 wurden in Brasilien 10.705 Doktortitel erlangt, aber seit 2004 haben die Männer (auch?) auf diesem Feld ihre Vorherrschaft verloren. 51,5 % der Doktoren waren 2008 Frauen! Sie haben in ganz Brasilien den Männern den Rang abgelaufen mit der Ausnahme des Norden, wo ihr Anteil „nur“ 47,8 % betrug.

Brasilien ist damit, gemessen am Verhältnis von Doktorinnen zu Doktoren, das dritte Land auf der weltweiten Promotionsskala, hinter Portugal und Italien, also alles lateinische Länder, in denen Frauen angeblich weniger zu sagen haben.

22 Oktober 2010

Vertreter der LANDLOSENBEWEGUNG MST im Einsatz am Ufer des Rio Solimões








17 Oktober 2010

Brasilianisch zu lernen

ist einfacher als Portugiesisch. Mir hat dabei 1978 diese Buch geholfen:




Da ich oft nach einer Möglichkeit gefragt werde, brasilianisches Portugiesisch zu lernen, gebe ich diese Antwort: Uneingeschränkte Empfehlung!

16 Oktober 2010

Das Verteufeln der Privatisierung

durch Lula und seine Anhänger ist schon grotesk. Aber in der Vergangenheit hat die sozialdemokratische Opposition sich dadurch in's Bockshorn jagen lassen und Lulas Gegenkandidat Alckmin verlor die Präsidentenwahl, weil er auf die Vorwürfe Lulas, dass seine Partei unter FHC Volkseigentum verschleudert habe, nur mit Ausflüchten antwortete. Dabei hätte er schon damals gute Argumente für die Privatisierung gehabt. Ausserdem hätte er die Privatisierung der VEBs durch die Treuhand als Beispiel anführen können. Oder er hätte diesen Witz erzählt: "Kommt ein Kunde in eine volkseigenene Schlachterei in Ostberlin und verlangt 250 g Mettwurst. "Ham' wa nich", ist die Antwort. Die sich auch nicht ändert, als der Kunde nacheinander - und erfolglos - je 250 g gemischten Aufschnitt, Leberwurst, Salami, Schinken und Zervelatwurst (Ich hätte diese mit C geschrieben, aber mein Rechtschreibeprogramm gab Z vor?!) verlangt. Auf seine verärgerte Frage, was man eigentlich hätte, bekommt er zur Antwort: "Um 18:00 geschlossen". Und als er enttäuscht das Geschäft mit knurrendem Magen verlässt, hört er noch, wie der Verkäufer zu seinem Kollegen sagt: "Mensch, hat der vielleicht ein Gedächtnis!".

Aber zu den Tatsachen, was hat die Privatisierung 1998 in Brasilien gebracht?
  • Zum Beispiel, dass es statt 22,1 Mio. Fixanschlüsse heute 60 Mio. Fixanschlüsse gibt, d.h. 172 % mehr Telefonanschlüsse durch die Privatisierung. Dazu kommt, dass vor der Privatisierung ein Fixanschluss 970 R$ gekostet hat mit 3 Jahren Wartezeit, da es aber keine Anschlüsse gab, musste man 9.000 R$ zahlen, um einen zu bekommen. Heute kostet der Anschluss nichts, man zahlt nur 115 R$ für die Installation und wartet maximal 7 Arbeitstage. 
  • Vor der Privatisierung gab es 7,37 Mio. Mobiltelefone in Brasilien. Ich hatte damals eines für 1.000 US$ gekauft und trug das Gewicht eines Ziegelsteines mit mir herum. Heute gibt es 190 Mio. Mobiltelefone (die mit Vertrag nur noch Cents kosten), also mehr als Brasilien Einwohner hat, darunter iPhones und andere Smartphonemodelle. Steigerungsrate durch Privatisierung: 2.478 %. 
  • Die Firma VALE, damals noch Vale do Rio Doce genannt, war vor der Privatisierung 8,1 Mrd. R$ wert, viel Geld, auch für eine Bergbaugesellschaft. Heute kostet sie aber 272,6 Mrd. R$, also 3.265 % Wertsteigerung durch rückläufige Sozialisierung, sprich Privatisierung. Der Nettogewinn stieg von 756 Mio. R$ auf 10,2 Mrd. R$, 1.249 % Steigerung. Die Anzahl der Mitarbeiter wurde von 11.000 auf 40.000 erhöht, 264 % Steigerung. Und die Produktion wuchs von 114 Mio. to Eisenerz auf 300 Mio. to, 163 % Steigerung!
  • Embraer, unser Flugzeugfabrikant, mit deren damaligem Präsidenten Osiris Silva ich in Deutschland war, lieferte 1997 genau 4 Flugzeuge aus, 2010 werden es 227 sein, eine Steigerung von 5.575 %. Die Anzahl der Mitarbeiter stieg von 6.087 auf 17.009, 179 % Steigerung. Und der Umsatz, der 1997 vor der Privatisierung 764 Mio. US$ betrug, wird dieses Jahr 5 Mrd. US$ erreichen, 555 % Steigerung. Und eine verärgerte Bombardier ist unbezahlbar für Embraer, die übrigens schon der viertgrösste Hersteller der Welt von Zivilflugzeugen ist.
Übrigens hat Lula selbst zwei Banken privatisiert. Noch eine Frage zu diesem Thema, Herr  Staatspräsident und Frau Präsidentenamtskandidatin?

Geld zu haben kann teuer werden; vor allem, wenn es mit Schulden erlangt wurde

Das muss die brasilianische Bundesregierung feststellen, die schon über 280 Mrd. US$ Währungsreserven angehäuft hat, die dem Land pro Jahr 45 Mrd. R$ kosten, das sind 1,5 % des Bruttosozialproduktes Brasiliens. Und damit mehr als alle Investitionen der Öffentlichen Hand, die für 2010 geplant sind. Im ersten Halbjahr investierte die Regierung den Rekordwert (Wahljahr!) von 20,6 Mrd. R$, dieser Wert wird im zweiten Halbjahr schwerlich erreicht werden. Aber selbst wenn es so wäre, kämen wir nur auf 41,2 Mrd. R$.

Warum sind uns diese Reserven so lieb und vor allem so teuer? Weil die US$ in Staatsanleihen sogenannter Erste – Welt – Länder angelegt werden, die einen Zinsatz nahe Null haben. Da die US$ aber von der brasilianischen Regierung mit geborgtem Geld gekauft werden, hat sie und damit alle, die in Brasilien leben, ein Problem. Denn hier bei uns beträgt der Leitzins zur Zeit 10,75 % im Jahr und die Differenz zum Habenzinssatz macht die Kosten aus.

Laut Schatzminister Guido Mantega wird Brasilien in Kürze mehr als 300 Mrd. US$ Währungsreserven besitzen. Am letzten Arbeitstag 2009 waren es „nur“ 239 Mrd. US$, am 14.10.2010 waren sie auf 280,5 Mrd. US$ gestiegen, ein Zuwachs von 17,4 %.

Die Graphik (Quelle: O Estado de São Paulo von heute) zeigt die Entwicklung der Währungsreserven und des Länderrisikos Brasilien der letzten 12 Monate. Erstaunlich, dass sich das Länderrisiko unabhängig von der Währungsreserven entwickelt. Ob das so bleiben wird, ist ungewiss, denn die Anleger suchen sich Länder mit hohem Wachstum und hoher Verzinsung aus – Brasilien wird dieses Jahr fast 8 % wachsen und der Leitzins ist fast zweistellig, eine ideale Konstellation. Aber ob diese Situation noch lange anhält, mag bezweifelt werden, denn auf der einen Seite strömten in den letzten Monaten 90 Mrd. US$ nach Brasilien, was auf der anderen Seite eine enorme Stärkung des R$ verursacht, mit negativen Folgen für den brasilianischen Export, mit einem Anwachsen des brasilianischen Importes und mit verheerenden Folgen für die brasilianische Industrie, deren Waren immer mehr durch ausländische ersetzt werden. Das Gespenst der Desindustrialisierung wird bereits an die Wand gemalt und der ehemalige Zentralbankpräsident Affonso Celso Pastore spricht von eine Dollartsunami, der Brasilien heimsucht.

Brasilien ist übrigens unter den BRIC-Staaten die Nummer 1, was Internationalisierung angeht. Die akkumulierten Fremdwährungsdirektinvestitionen (IDE) Brasiliens erreichten letztes Jahr  25 % des BIP, während Russland  bei 21 %, Indien bei 13 % und China bei 10 % lagen. Nach einer Studie von Prof. Antonio Corrêa de Lacerda der PUG-SP auf Grundlagen von Daten der UNCTAD sind in Brasilien mehr als 400 der 500 weltgrössten transnationalen Firmen vertreten, die exportieren und zwei Drittel der internationalen Aussenhandels in ihren Händen haben. Aber auch hier kündigen sich Änderungen an, denn heute ist es im Gegensatz zu früher sehr teuer, in Brasilien zu investieren, der R$ ist einfach zu stark geworden. Und wenn man die absoluten Werte ansieht, sind die Fremdwährungsdirektinvestitionen Chinas enorm hoch (IDE in Mrd. US$ 2009):
26,0 Brasilien
38,7 Russland
34,6 Indien
95,0 China

Das Geld, was heute nach Brasilien fliesst, geht nicht in die verarbeitende Industrie, sondern vor allem in die Petrochemie, die Stahlerzeugung und in den Papier- und Zellulosesektor. Per Juli 2010 hatte Brasilien 21,8 Mrd. US$ aus dem Ausland erhalten, 46 % davon für den Dienstleistungssektor, die Landwirtschaft und Viehzucht sowie für den Bergbau. 23 % waren für die Chemiebranche bestimmt.

Brasiliens Anteil an der Weltwirtschaft ist immer noch sehr klein, 2009 war der Anteil der Exporte nur 1,2 % und der der Importe nur 1,1 %. Das liegt mit daran, dass auch die Multis in Brasilien vor allem für den Binnenmarkt produzieren. Ausserdem wird der Export durch den Realkurs und durch die Bürokratie erschwert und durch die mangelhafte Infrastruktur des Landes weiter behindert.

Zur Abrundung noch eine Graphik zum Wechselkurs € - R$ der letzten 12 Monate:

15 Oktober 2010

CEAGESP - Companhia de Entrepostos e Armazéns Gerais de São Paulo

Am 12.9.2010 hatte ich über die Grossmarkthalle von São Paulo und ihrem bedauernswerten Zustand geschrieben. Sie ist die drittgrösste der Welt, vor ihr rangieren nur die Grossmärkte von Paris und New York. Jetzt hat das zuständige Bezirksrathaus von der CEAGESP eine sofortige Reform der Anlage verlangt, weil die Sicherheit der dort arbeitenden Menschen und der Besucher nicht mehr gewährleistet sei.

Einige Zahlen mögen die Grösse des Marktes verdeutlichen:

  • 24 h rund um die Uhr geöffnet
  • 700.000 Quadratmeter Fläche
  • pro Tag 50.000 Besucher, 7.000 LKW, 3.000 PKW, über 3.000 Träger, 3.000 Händler und deren Angestellte
  • Umschlag pro Tag im Gross- und Einzelhandel 10.000 to Früchte, Obst, Gemüse, Fische, Blumen aus 1.500 brasilianischen Städten und 18 Ländern

Zeitzonen und Sommerzeit

Als Ergänzung zum vorherigen Post sei darauf hingewiesen, dass nicht in ganz Brasilien ab Sonntag Sommerzeit herrscht, nur in den Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Paraná, Santa Catarina, São Paulo, Rio de Janeiro, Espírito Santo, Minas Gerais, Goiás, Mato Grosso und Mato Grosso do Sul sowie im Distrito Federal gilt diese Regelung, die 80 Mio. R$ Einsparung bringen soll.

Unabhängig von der Sommerzeit hat Brasilien drei Zeitzonen, nämlich

  • Rio Grande do Sul, Santa Catarina, Paraná, São Paulo, Minas Gerais, Rio de Janeiro, Espírito Santo, Goiás und Distrito Federal, die alle dieselbe Uhrzeit haben wie die Bundeshauptstadt Brasília
  • Eine Stunde zurück liegen Bahia, Alagoas, Pernambuco, Paraíba, Rio Grande do Norte, Ceará, Piauí, Maranhão, Tocantins, Pará, Amapá, Mato Grosso und Mato Grosso do Sul
  • Zwei Stunden zurück liegen Acre, Amazonas, Roraima und Rondônia


Wobei es böse Zungen gibt, die behaupten, dass es Regionen gäbe, die nicht nur eine oder zwei Stunden zurücklägen. Aber das ist ein polemisches Thema, welches ich gerne den Wahlkämpfern überlasse.

14 Oktober 2010

Frühaufsteher

wird man manchmal, ohne es zu wollen. Zum Beispiel, wenn man in Brasilien wohnt und deutsche Kunden hat, die um 8:00 MEZ am Schreibtisch sitzen und glauben, ich täte es auch. Deshalb der Hinweis, dass wir augenblicklich 5 Stunden Zeitunterschied zwischen Brasilien und Deutschland haben. Links die heutige Situation, die ich deshalb vor einem Telefonat in die angegebenen Länder prüfe, um nicht den beschriebenen Lapsus selbst zu begehen. Die ändert sich am Sonnabend um Mitternacht brasilianischer Zeit, wenn unsere Sommerzeit beginnt. Dann geht der Zeitunterschied zu Deutschland auf 4 Stunden zurück. Und wenn in Deutschland keine Sommerzeit mehr ist, dann sind es nur noch 3 Stunden. Und wenn mich dann jemand aus Deutschland um 8:00 MEZ anruft, habe ich 5:00 morgens, das ist dann schon fast meine normale Weckzeit.

12 Oktober 2010

Arbeitslosigkeit ist nobelpreiswürdig

Jedenfalls als Thema einer wissenschaftlichen Untersuchung des Phänomens, dass bei Vorliegen freier Arbeitsplätze die Arbeitslosenquote nicht zurückgeht, wenn die Arbeitslosenversicherung zu gut und zu lange zahlt und das Entlassen, politisch korrekt Freistellen, von Arbeitnehmern bürokratisch und teuer ist. Darauf hätte man vielleicht auch mit gesundem Menschenverstand kommen können, aber jetzt haben drei frisch gebackene Nobelpreisträger dafür gesorgt, dass die Erkenntnis wissenschaftlich untermauert ist.

In Brasilien wurde noch ein anderes Phänomen untersucht. Es stellte sich nämlich heraus, dass seit 2004 bis heute die Arbeitslosigkeit der classe baixa, auf Deutsch traut man sich gar nicht, niedrige Klasse geschweige denn Unterschicht zu schreiben, von 20,7 auf 26,27 % angestiegen ist, während sie unter den mais ricos, also den Reicheren, von 4,04 auf 1,4 % zurückging. Zur classe baixa wurden die 20 % am unteren Ende der Einkommensskala erklärt, die weniger als 203,30 R$ im Monat verdienen, während die Reicheren die 20 % sind, die mehr als 812,30 R$ monatlich verdienen. Dramatisch wird es, wenn man die Unterschiede der Arbeitslosenquote erklären will. Denn es zeigt sich, dass die Ärmeren auch dunkler als die Reicheren sind und weniger zur Schule gegangen sind. Die Frage bleibt offen, warum dies so ist, aber selbst in Brasilien wird offen der Verdacht ausgesprochen, dass versteckte Diskriminierung eine Rolle dabei spiele.

Die Untersuchung wurde vom IPEA angestellt unter Verwendung von IBGE-Daten. Sie erstreckte sich auf die Ballungszentren, Brasil metropolitano genannt. In den letzten 6 Jahren ging hier die Arbeitslosigkeit von 2,442 Millionen auf 1,6 Millionen Menschen zurück; die Arbeitslosigkeit unter den Minderverdienern stieg aber von 0,652 auf 0,668 Millionen Menschen.

Fazit: Non scholae, sed vitae discimus! Oder auf Deutsch: Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir! Was übrigens kein alter Lateiner je gesagt hat, denn Non vitae, sed scholae discimus ist ein Ausspruch Senecas, nachzulesen in "Epistulae morales ad Lucilium 106, 12", mit dem er sich darüber beklagte, dass man in den damaligen römischen Philosophenschulen nicht für das Leben, sondern für die Schule lernte.

Schreibstilanalyse





Sigmund Freud

Das Thema hat zwar keinen unmittelbaren Bezug zu Brasilien, aber da ich viel über Brasilien schreibe, habe ich diesen Test gemacht und zwar mit einem Textauszug aus meinem Buch "Wirtschaftsboom am Zuckerhut". Das Ergebnis sehen Sie oben, sehr interessant, lässt tief blicken! Zur Sicherheit habe ich den Test mit einem Bericht von mir über die Einkaufspläne von Petrobrás für  Ventile wiederholt, das Ergebnis war identisch.

11 Oktober 2010

Export nach Brasilien

Sehr geehrte Damen und Herren Ich möchte Wasserbetten nach Brasilien exportieren. Zolltarifnummer ( Andere Möbel) 9403 8900 Maße 120cm x 80cm x 150cm 120 kg Als Erstes möchte ich ein kostenloses Musterbett nach Rio de Janeiro schicken. Das Bett soll beim Hersteller abgeholt werden: XXXX Belgien und zum Endkunden nach Rio versendet werden: YYYY. Können Sie mir die Transportkosten nennen und fallen Zollgebühren an? Welche Papiere werden benötigt? Wie hoch sind die Zollgebühren wenn später das Bett ca. 950,--€ kosten wird? Da das Wasserbett in Brasilien nicht produziert wird, gibt es dafür Zollbefreiung oder eine Reduktion? Wie sieht es aus, wenn das Wasserbett als medizinisches Hilfsmaterial angesehen wird? Für die Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen sehr dankbar und verbleibe mit freundlichen Grüßen ZZZZ


Diese Fragen wurden mir aus Belgien in Form eines Kommentares zu meinem Post Brasilianische Importkosten vom 5.10.2010 gestellt. Um Wettbewerbern des Fragenden keinen Hinweis zu geben, beantworte ich die Fragen ohne Nennung des Fragenden.

1. Wegen der Transportkosten müssen Sie mit einer internationalen Spedition sprechen, sobald diese Ihnen den CIF-Wert bis zum Hafen in Rio de Janeiro genannt hat, kann ich Ihnen problemlos die Importkosten ausrechnen lassen.
2. Der Transport vom Hafen zum Endkunden in Rio muss angefragt werden.
3. Zollgebühren fallen auf jeden Fall an und nicht zu knapp, bei vielen Importen müssen auf den CIF-Wert im Mittel 65 % aufgeschlagen werden, um zu den sogenannten landed cost zu kommen.
4. Für alle Importgüter, die nicht aus brasilianischer Fertigung erhältlich sind, d.h. für die kein similar nacional existiert, kann Zollbefreiung bzw- -reduzierung beantragt werden. Diese Produkte werden dann in die ex tarifario - Liste aufgenommen und zahlen z.B. nur noch 2 % Zoll. Sie sind aber nicht von den anderen Gebühren und Steuern befreit, wie z.B. IPI, ICMS, PIS und COFINS! Übrigens gilt die Zollbefreiung oder -reduzierung für die Warennummer, d.h. alle Ihre Konkurrenten kommen auch in den Genuss Ihres erfolgreichen Antrages!
5. Das Wasserbett als medizinisches Hilfsmaterial zu importieren, kann dazu führen, dass Sie es bei der Gesundheitsbehörde ANVISA registrieren lassen müssen, was bis zu zwei Jahre dauern kann. An den Importkosten ändert eine solche Registrierung nichts. Der Registrierungsantrag muss von Ihrem Kunden gestellt werden, der dafür kräftig bezahlen muss.

Ich empfehle Ihnen, diesen LINK zu besuchen, hier können Sie eine pdf-Broschüre der AHK São Paulo herunterladen, die unter dem Titel "Wie geht's... Export nach Brasilien" alles Wesentliche zum Thema sagt.

05 Oktober 2010

Kursentwicklung US$-€-R$ seit 2001

Zum Vergrössern in das Bild klicken!

04 Oktober 2010

Volkes Stimme

hat nicht immer Recht. Rechts auf dem Bild sehen Sie den neuen Abgeordneten mit den meisten Stimmen, 1.353.820! Getroffen hat es den Fernsehclown Tiririca, hoffentlich ein würdiger Vertreter seiner Wähler. Neben ihm sehen Sie das frisch gebackene Parlamentsmitglied Chico das Verduras (Gemüsefränzchen), der mit den wenigsten Stimmen gewählt wurde, aber die kümmerlichen 5.903 haben gereicht. Der neue brasilianische Präsident wird erst am Monatsende feststehen, die Vorhersagen waren falsch, die PT-Kandidatin bekam weniger und die Grünen-Kandidatin mehr als prognostiziert. Das reichte dem Sozialdemokraten, um in die Stichwahl zu kommen und bedeutet eine (vorläufige?) Niederlage für den augenblicklichen Präsidenten.

NACHTRAG vom 5.10.2010: Tiririca muss um seinen Wahlerfolg kämpfen. Ihm wird vorgeworfen, dass er Analphabet sei und daher kein Abgeordnetenmandat ausüben dürfe. Das Internet und die Zeitungen in Brasilien widmen sich mit Eifer diesem Thema. Ob De Gaulle doch recht hatte, als er sagte, dass Brasilien kein ernstzunehmendes Land sei? Klicken Sie in LINK und Sie sehen das Ergebnis der Präsidentenwahl vom 3.10.2010.

03 Oktober 2010

Pressestimmen zu den Wahlen in Brasilien

Macherin mit Macho-Zügen

Gute Chancen für Lulas Mädchen

Der Superpräsident tritt ab

Lulas Platzhalterin soll Macht in Brasilien sichern

Die Erwählte

Kampf um Lulas Erbe

Wahl in Brasilien 2010

In wenigen Stunden werden wir wissen, was Sache ist, denn heute ist Wahltag in Brasilien. Ca. 135 Millionen Wahlverpflichtete - in Brasilien besteht Wahlpflicht und wer ihr nicht nachkommt, zahlt eine Strafe und kann ohne Quittung darüber z.B. seinen Pass nicht erneuern - wählen heute u.a. das Staatsoberhaupt der nächsten 4 Jahre. Brasilien hat also mehr Wähler als Deutschland Einwohner!

02 Oktober 2010

THE ECONOMIST über den bevorstehenden Präsidentenwechsel in Brasilien

Lula's legacy
The handover

Sehr lesenswert!

22.500 Kandidaten und ein grosses Land

Das hört sich fast so theatralisch an wie "Hundert Mann und ein Befehl", auf Deutsch von Freddy Quinn gesungen. Hoffentlich gilt nach der Wahl in Brasilien nicht "Eine Präsidentin und ein Befehl"! Unkenrufe gibt es zuhauf, aber lassen wir das Spekulieren, auch nach der ersten Wahl Lulas wurde das Chaos und das Ende der heilen Welt in Brasilien erwartet und das Länderrisiko schnellte in stratosphärische Höhen. Dann kam es ganz anders und deshalb liegt das Länderrisiko einen Tag vor der jetzigen Wahl nur etwas über 200, trotz (oder wegen?) des wahrscheinliches Wahlsieges von Lulas Kandidatin. Diese ist ein wahres Wunder, ein Marketingwunder nämlich, welches nur möglich wurde durch den Einsatz eines Parteigründers und Gewerkschaftsführers, der m.E. nach nie der Präsident aller Brasilianer war, sondern immer der seiner Parteigenossen und seiner Gesellschaftsschicht. Das zeigte er durch seinen unverhohlenen Einsatz im Wahlkampf, aus dem er sich als Staatspräsident eigentlich heraushalten sollte. Aber die res publica und die res privata wurden von der PT und ihrem Koalitionspartner PMDB nie richtig auseinandergehalten, was leider dazu führte, dass es praktisch kein von den politischen Parteien unabhängiges Berufsbeamtentum in Brasilien gibt, sondern tausenden von Parteifreunden sogenannte Vertrauensposten zugeschanzt werden, für die sie sich nicht durch eine Prüfung qualifizieren müssen. Deshalb auch der Widerstand dieser Kreise gegen weitere Privatisierungen, mindern solche doch die Anzahl der zu vergebenen (gut bezahlten) Posten.

Und um diesen Kuchen geht es jetzt und ganz wild darauf sind die oben erwähnten 22.555 Kandidaten, die sich um folgende Positionen bewerben:

  • Präsident (9 Kandidaten)
  • Ministerpräsident eines Bundesstaates (172 Kandidaten)
  • Senator (273 Kandidaten)
  • Bundestagsabgeordneter (6.028 Kandidaten)
  • Landtagsabgeordneter (14.387 Kandidaten)
  • Distriktabgeordnete (883 Kandidaten)
Da kann man für den morgigen Wahltag nur Glück wünschen! Nicht so sehr den Kandidaten, sondern den Regierten! Aber das gilt wohl für viele Länder, nicht nur für Brasilien - siehe auf Kommunalebene z.B die aktuellen Vorkommnisse um den Hauptbahnhof von Stuttgart.

Industrieproduktion wächst trotz starker Importe

Die Industrie produzierte per August 2010 im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres 14,1 % mehr; vergleicht man die letzten 12 Monate, beträgt das Wachstum immerhin noch 9,9 %.  Im August 2010 wurden 8,9 % mehr als im August 2009 produziert.

Brasilianer kaufen mehr Autos als die Deutschen!

Vorgestern sah ich im brasilianischen Fernsehen den Klassiker CASABLANCA, in dem das Lied DIE WACHT AM RHEIN von der MARSEILLAISE "untergebuttert" wird. Aber wie sollte auch das liebe Vaterland ruhig sein, wenn die Einwohner des Landes, in dem das Auto vor mehr als 100 Jahren erfunden wurde, weniger Fahrzeuge kaufen als die Brasiliens! Brasilien hat nämlich per August 2010 die vierte Position auf der Weltrangliste der Autokäufer erobert, vor Deutschland. China führt diese Liste an, seine Einwohner kauften per August 2010 mehr als 8,4 Millionen Autos, das sind 42 % mehr als im Vergleichszeitraum 2009. Die USA liegen auf dem zweiten Platz mit einem Wachstum von 8,5 %, dann folgt Japan mit 7,4 % Wachstum. Das sind die Zulassungszahlen per August 2010 (China nur PKWs, die anderen Länder PKWs + Kleintransporter):
  1. China - 8,414 Millionen
  2. USA - 7,662 Millionen
  3. Japan - 3,543 Millionen
  4. Brasilien - 2,077 Millionen
  5. Deutschland - 2,027 Millionen
Das sind die am meisten verkauften Modelle in Brasilien (Zulassungen im September 2010):
  1. Gol (VW) - 25.338
  2. Uno (Fiat) - 23.880
  3. Celta (GM) - 14.011
  4. Corsa Sedan (GM) - 13.948
  5. Fox/CrossFox (VW) - 12.709
  6. Palio (Fiat) - 9.509
  7. Fiesta (Ford) - 9.280
  8. Siena (Fiat) - 8.605
  9. Voyage (VW) - 7.422
  10. Sandero (Renault) - 6.941

Brasilien exportiert mehr Yachten

Der brasilianische Bootsbauerverband erwartet in diesem Jahr einen Export von 50 Millionen US-Dollar. Sollte sich dies bestätigen, hätte sich der Export gegenüber dem Vorjahr vervierfacht. Viele der Geschäfte in diesem Bereich werden auf der Boat Show gemacht, die sowohl in Rio als auch in São Paulo, hier jetzt vom 14.-19.10.2010, stattfindet.

Die Käufer kommen unter anderem aus den arabischen Ländern, aber traditionell auch aus den USA und Europa. Ecomariner und Fibrafort sind Beispiele für erfolgreiche Exporteure.  Brasilien hat mehr als 150 Werften, die Yachten herstellen, letztes Jahr waren es 4.200, davon 85 % in der Zweiunddreißigfußklasse. Brasilien selbst ist ein ideales Land für Bootseigentümer, den es verfügt über mehr als 45.000 km Wasserwege auf Flüssen und Stauseen, dazu kommen noch 8.500 km Küstenlinie. Der interne Markt ist längst noch nicht ausgeschöpft, denn hier in Brasilien komme ein Boot auf 300 Einwohner, während es in Europa 60 Einwohner pro Boot seien, sagt der Verband.

Daten der bevorstehenden Bootsschau:

São Paulo Boat Show
Datum: 14 - 19 Oktober 2010
Öffnungszeit: 14h - 22h (während der Woche) und 12h - 22h ( Wochenende)
Ort: Transamérica Expo Center São Paulo
Adresse: Avenida Dr. Mário Villas Boas Rodrigues, 387, Santo Amaro
Telefon: +55 (11) 2186-1001
Email: info@boatshow.com.br
Site: www.boatshow.com.br

01 Oktober 2010

Dollarzufluss = starker Real

EURO-REAL letzte 5 Jahre

EURO-REAL letzte 12 Monate
DOLLAR-EURO letzte 5 Jahre

DOLLAR-EURO letzte 12 Monate
Und der Dollarkurs? Heute gilt 1 US$ = 1,68 R$! So tief stand er schon lange nicht mehr. Und wenn es so weitergeht, können Sie darauf wetten, dass nach den Präsidentschaftswahlen am Tag der Deutschen Einheit Massnahmen von der brasilianischen Regierung ergriffen werden, um den Höhenflug des R$ zu stoppen, z.B. über eine Besteuerung spekulativer Gelder.

Am 16.9.2010 hatte Brasilien Währungsreserven von 267,185 Mrd. US$ angehäuft. Neue Werte liegen mir noch nicht vor, wer die Entwicklung bis zu diesem Tag verfolgen will, klicke bitte in den Link. Sie können auch Zeitreihen interessanter Wirtschaftsdaten direkt beim Schatzministerium aufrufen.

Das liebe Geld

spielt auch für Regierungen eine sehr wichtige Rolle. In Brasilien hat die Regierung die Kurve gekriegt und sich im Rahmen der Kapitalerhöhung der Petrobrás, die über 120 Mrd. R$ in die Kassen gespült hat, 31,9 Mrd. R$ gesichert. Damit ist der Primarüberschuss der Regierungskonten - Schatzministerium, Sozialversicherung und Zentralbank - der höchste aller Zeiten, 3,3 % vom BIP. Die 120 Mrd. R$ sind natürlich - gibt es Regierungen, die völlig sauber spielen? - nicht ausschliesslich als Geld zu verstehen, denn unsere brasilianische Regierung hat einen Anteil der Kapitalerhöhung mit den Ölreserven bezahlt, die mit diesem Geld gefördert werden sollen. Zusätzlich musste Petrobrás noch 6,991 Mrd. R$ an die Regierung überweisen, um die Ölreserven vollständig zu bezahlen. Muy amigo wird so was in Argentinien genannt und amigo da onça in Brasilien. Was übrigens Freund des Jaguars bedeutet. 


Wer mehr über Brasiliens blühende Wirtschaft kurz vor den Präsidentschaftswahlen am kommenden Sonntag wissen möchte, sollte in die Überschrift klicken. Der Link führt Sie zu einem Artikel der Bildzeitung. Aufmerksam gemacht darauf wurde ich durch folgende Nachricht: 


Sehr geehrter Herr Naumann,
Als Anlage sende ich Ihnen einen Screenshot von www.bild.de.
Unter Ihrem Buchtitel kommentiert Bild online die Kapitalerhöhung der Petrobras und die wirtschaftliche Lage Brasiliens.
Coisa boa:-)
Abraço aus Recife
Stephan Strauss



Vielen Dank, Herr Strauss! Ich war übrigens gerade zweimal geschäftlich für ein Mitglied des Firmenpools Brasilien / Mercosur der IHK Essen in Recife, erstaunlich, was für eine Wirtschaftskraft sich dort in den letzten Jahren angesammelt hat. Lauter grosse und supermoderne Unternehmen!

25 September 2010

Brasilien im Shoppingrausch

In der heutigen Internetausgabe der Financial Times Deutschland steht der nachstehende Artikel, den ich wegen seiner Wichtigkeit im Original (ohne Fotos) wiedergebe. Aufmerksam gemacht hat mich auf den Artikel mein Projektpartner in Venezuela, Herr Eike Ingo Friese.


Die Mittelschicht in dem südamerikanischen Land zählt bald schon 40 Millionen Menschen, die ihr Geld lieber ausgeben als zu sparen. Das könnte Brasilien schon 2014 zur weltweit fünftgrößten Konsumentennation aufsteigen lassen. 
von Susann Kreutzmann, São Paulo und Martin Kaelble, Berlin
Brasiliens wachsende Mittelschicht verheißt den internationalen Konsumgüterherstellern riesige Marktchancen. Laut einer jetzt veröffentlichten Studie der Getulio-Vargas-Stiftung werden in den kommenden vier Jahren 36 Millionen Brasilianer in die untere Mittelklasse aufsteigen. Und sie geben ihr Geld lieber aus als zu sparen. Damit dürfte binnen Kurzem der weltweit fünfgrößte Konsumentenmarkt nach den Vereinigten Staaten, Japan, China und Deutschland entstehen.
Zwischen 2003 und 2008 hat die neue Mittelklasse schon 32 Millionen Menschen hinzugewonnen. "Das bedeutet, innerhalb von elf Jahren wird die Mittelklasse um die Einwohnerzahl von ganz Großbritannien angestiegen sein", erklärte Marcelo Neri, Chefökonom am Zentrum für Sozialwissenschaften der Getulio-Vargas-Stiftung in Rio de Janeiro. Zugleich dürfte sich die Armut bis 2014 in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft um 50 Prozent reduzieren.
Zum wachsenden Wohlstand hat neben dem Rohstoffreichtum des Landes auch die Politik beigetragen. In den vergangenen Jahren entwickelte sich die Wirtschaft robust und ist durchschnittlich um 4,8 Prozent gewachsen. Brasilien hat auch die globale Finanzkrise vergleichsweise gut überstanden - dank einer aktiven Wirtschaftspolitik. 2010 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Schätzung der Bank of America Merrill Lynch um 7,1 Prozent steigen - auch für brasilianische Verhältnisse ein spektakuläres Ergebnis.
Hinzu kommen Einkommenssteigerungen: In der Ära von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva wurde der staatlich festgesetzte Mindestlohn verdoppelt und beträgt heute 510 Real (217,40 Euro) monatlich. Die Zahl der Arbeitsplätze - verbunden mit mehr Einkommenssicherheit - ist im gleichen Zeitraum um 29 Millionen gestiegen.
Für die Industrie ist das Wachstumspotenzial durch die rasant wachsende Mittelschicht enorm. Eine Untersuchung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zeigt, dass vor allem die Lebensmittelbranche profitiert: Deren Umsätze dürften zwischen 2008 und 2014 um 66 Prozent wachsen.
Gewinnen dürften aber auch die Bekleidungsindustrie, Produzenten von elektronischen Geräten und die Autobranche, ebenso wie Brasiliens Fluggesellschaften: Die Zahl der Inlandsflüge könnte laut Ökonom Neri innerhalb der kommenden sechs Jahre um 77 Prozent steigen. In diesem Jahr gaben zehn Prozent aller Fluggäste der größten Inlandsfluggesellschaft Gol an, zum ersten Mal geflogen zu sein. Die Tendenz ist steigend.


Brasiliens neue Mittelklasse ist ausgesprochen konsumfreudig und das sehr gerne auf Pump. Die Shoppingcenter in den Peripherien der Großstädte schießen wie Pilze aus dem Boden und locken die neue Mittelklasse-Kundschaft mit speziellen Angeboten. Fast jedes Produkt lässt sich in bis zu 36 Monatsraten finanzieren. Inzwischen werden 60 Prozent aller Produkte in Brasilien auf Kredit gekauft, von Turnschuhen über CDs bis hin zu Kosmetik. Sparen ist dagegen nicht die Sache der neuen Aufsteiger. "In Brasilien gibt es keine Tradition des Sparens. Der Mehrverdienst wird ausgegeben", sagte Neri.


Der Lohnanstieg der vergangenen Jahre hat somit direkt den Konsum befeuert. "Nicht nur das aktuelle Einkommen ist für den Konsum entscheidend", sagte Fábio Gomes, Ökonom am Wirtschaftsforschungsinstitut Insper in São Paulo. Ebenso wichtig sei die Aussicht auf ein höheres Einkommen in naher Zukunft. Diese Perspektive war und ist in Brasilien zweifellos vorhanden.


Trotz des außergewöhnlichen Wachstums der Mittelschicht bleibt die Ungleichheit in dem südamerikanischen Land ausgeprägt. "Brasilien ist weltweit unter den Top Ten der größten Ungleichheit bei der Einkommensentwicklung", betonte Neri. Auch wenn das derzeitig hohe Wirtschaftswachstum anhält und die Einkommen dementsprechend steigen, würde es laut Neri noch 30 Jahre dauern, bis Brasilien ein Niveau der Einkommensverteilung wie in den Vereinigten Staaten erreicht haben wird.




Interessant ist für mich, dass im Firmenpool Brasilien / Mercosur der IHK Essen praktisch keine deutschen Firmen der Konsumgüterbranche vertreten sind. Hoffentlich wird da ein Trend nicht verschlafen! Aber es gibt rühmliche Ausnahmen, so gibt es ein Poolmitglied, welches hochwertige Badezimmer-Armaturen in Brasilien verkaufen will und hoch zufrieden von einer ersten Erkundungsreise nach Brasilien zurückkehrte.