22 Oktober 2018

Brasilianer demonstrieren gegen Haddad, Lula und PT und für Bolsonaro



Die neueste Wahlprognose von CNT/MDA gibt Bolsonaro 57% und Haddad 43%. Der NEW YORK TIMES fällt dazu nichts anderes ein, als "Traurige Auswahl Brasiliens" als Überschrift für einen Leitartikel über unsere Wahlen zu wählen. Ich kann mich nicht erinnern, dass man ähnlich kritisch über den kriminellen Ex-Präsidenten und seine unfähige und aus dem Amt entfernte Nachfolgerin Dilma geschrieben hätte. Aber selbst Obama hatte über Lula gesagt, "this is the guy"! Auch US-Präsidenten, die beliebter als Donald Trump sind, jedenfalls bei den Demokraten, haben nicht immer die Weisheit gepachtet. Zeitungen bzw. ihre Redakteure und Reporter schon gleich gar nicht, würde der Bayer sagen.

21 Oktober 2018

Herzlicher Empfang für Haddad in Rio und Demonstration für Bolsonaro in São Paulo

Raten Sie mal, wer ab 1.1.2019 Präsident Brasiliens sein wird?

Quelle: Internetausgabe des "O Estado de São Paulo" vom 21.10.2108
Angst vor einer Militärdiktatur scheint hier niemand zu haben; im Gegenteil, die Menge hebt hervor, dass Bolsonaro Hauptmann war. In Brasilien hat das Militär keine Probleme mit seiner Akzeptanz in der Bevölkerung, das Oberkommando lebt Demokratie vor und betont immer wieder, dass Bolsonaro nicht der Kandidat der Streitkräfte sei. Man habe keinen Kandidaten, weil die Streitkräfte eine Institution des Staates seien und nicht einer Regierung oder Partei. Und was die frühere Militärdiktatur angeht, die ich noch miterlebt habe, muss auch gesehen werden, dass Brasilien ohne das Eingreifen der Streitkräfte 1961 eine Linksdiktatur wie damals Kuba und heute Venezuela geworden wäre. Und als nach 21 Jahren Herrschaft der Militärs General Geisel als Präsident abdankte und General Figueiredo gewählt wurde und anschließend ein ziviler Präsident, der leider vor Amtsantritt im Krankenhaus starb, war der Übergang von der Militärdiktatur zur Demokratie nicht durch eine Revolution erzwungen, sondern geschah aus freien Stücken.

Und das sagt der Papst zur Ideologie? Sie führe immer zur Diktatur, die für das Volk denkt und das Volk nicht denken lässt!

19 Oktober 2018

Alles wird gut!

Das sagen sowohl meine deutschen als auch meine brasilianischen Freunde und Bekannte, seitdem die Prognosen für den Ausgang der Präsidentenwahl am 28.1018 einen sicheren Sieg Bolsonaros voraussagen. Der Wechselkurs R$ - € hat sofort darauf reagiert:

Damit kann man endlich wieder importierte Maschinen anbieten, ohne sich ein fast sicheres ZU TEUER einzuhandeln. Und die Zahl der Anfragen ist signifikant nach oben geschnellt. Allerdings sind die Käufer nach wie vor vorsichtig und wollen erst nach dem zweiten Wahlgang die entscheidende Unterschrift leisten.

Was - entgegen der veröffentlichten Meinung in Deutschland und anderen Teilen der Welt einschließlich der in Brasilien - die Bevölkerung wirklich denkt, kann ich mir vorstellen, denn ich bekomme ständig Material für diesen Blog geschickt, leider fast immer auf Portugiesisch. Trotzdem will ich einige Beispiele bringen, die illustrieren, dass der Trend wohl für die nächste Zeit nicht nach links zeigt und dass die Wähler nicht so dumm sind, wie sie manche Politiker gerne hätten. Von denen übrigens etliche schon ihre Liebe zu Bolsonaro entdeckt haben gemäß dem Motto, zeige mir, woher der Wind weht und ich drehe mein Mäntelchen entsprechend.

Interessant übrigens, dass sowohl in Deutschland - siehe AFD - und in Brasilien die Wählerentscheidung für konservative Politiker von der Presse weitgehend als Irrtum der Wähler ausgelegt wird, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf, jedenfalls nach Meinung der Journalisten, die sich gerne als unabhängig bezeichnen und alles andere als neutral sind. Und konservativ darf nicht automatisch mit rechtsradikal gleichgesetzt werden. Wobei sozialdemokratisch bei Brasiliens Linken fast schon am rechten Rand angesiedelt ist. Für die, die nur in der deutschen Presse über die Präsidentschaftswahlen in Brasilien lesen, sei noch angemerkt, dass Bolsonaro im ersten Wahlgang fast 50 Millionen Stimmen erhalten hat. Das ist das Ergebnis des ersten Wahlganges gewesen:

Kandidat   Stimmen    Prozent
Bolsonaro   49.276.990    46,03
Haddad      31.342.005    29,28
Gomes        13.344.366    12,47
Alckmin       5.096.349      4,76
Amoêdo       2.679.744      2,50
Daciolo        1.348.323      1,26
Meirelles       1.288.948      1,20
Silva              1.069.577      1,00
Dias                  859.601      0,80
Boulos              617.122      0,58
Vera                    55.762      0,05
Eymael               41.710      0,04
Goulart               30.176      0,03

Wer mehr wissen will, kann WIKIPEDIA konsultieren. Dort werden Sie aber nicht lesen, dass fast die Hälfte der Wähler Brasiliens irregeleitete rechtsradikale Anhänger der Militärdiktatur sind, wie es uns weisgemacht werden soll. Die Wahrheit ist, dass die Wähler Bolsonaros ganz einfach die Schnauze voll haben vom "Sozialismus", der den "Genossen" alles abnimmt und die Beute unter den "Bonzen" verteilt.



Diese Aussage oben links, die mir Lourenco Righetti schickte, spricht Bände: Das ist die beste von allen (Nachrichten) die ich bis jetzt erhielt: 
2002 gewann die PT
2006 gewann die PT
2010 gewann die PT
2014 gewann die PT
2018 sagt die PT (Arbeiterpartei), dass sie (die Wahlen) gewinnen müsse, um das Land zu reparieren, welches zerstört ist. Ist das Volk (geistig) zurück geblieben oder gibt es irgendein anderes Problem?


Aber ich habe Beispiele für Meinungsäußerungen versprochen:

Die deutschen Musiker von Voxxclub haben in Brasilien auf dem Oktoberfest aufgespielt und dabei den Wahlspruch Bolsonaros zitiert: "Brasil acima de tudo, Deus acima de todos" oder BRASILIEN ÜBER ALLEM UND GOTT ÜBER ALLEN! Man höre die Reaktion des brasilianischen Publikums:
Hört sich das nach einer abweichenden Meinung an?

Oder der bekannte Clown Tiririca, der bei seiner ersten Wahl zum Abgeordneten auf Anhieb die meisten Direktstimmen aller Kandidaten bekam und jetzt das zweite Mal wiedergewählt wurde. Beim ersten Mal sagte er in seiner Wahlwerbung: "Ich weiß nicht, was ein Abgeordneter macht. Wählt mich trotzdem, schlimmer als heute kann es nicht werden". Und jetzt bedankt er sich für seine Wiederwahl mit den untergeschobenen Worten "Danke, Ihr Blödmänner. Wiedergewählt. Deshalb ist Brasilien eine Scheiße". Dabei hatte er vorher im Parlament verkündet, sich nicht der Wiederwahl stellen zu wollen, weil er tief enttäuscht sei vom Gebaren seiner Kollegen. Das erinnert fast an die Aussage Max Grouchos: "Es würde mir nicht im Traum einfallen, einem Klub beizutreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen."

Warum wird Bolsonaro gewinnen? Weil weder die institutionalisierte Korruption noch dieses Brasilien hier
von den normalen Brasilianern gewünscht wird und nur Bolsonaro verspricht, diese Kriminelle nicht mit Samthandschuhen anzufassen und nicht unter ausschließlicher Beachtung der Rechte der Kriminellen und Vernachlässigung der Rechte der Opfer für ORDEM E PROGRESSO zu sorgen. Das steht ja schließlich auch als Motto in der Flagge Brasiliens, ORDNUNG UND FORTSCHRITT!

Zum Abschluss noch die Wahlprognose von gestern:

23 September 2018

Hier haben wir Sie, die Verantwortlichen

für den Zustand Brasiliens! Das behauptet zumindest derjenige, der dieses Bild gestaltet hat:


6 Präsidenten, davon zwei des Amtes enthoben, zwei nicht direkt gewählt und einer der nicht gewählten mit verkürzter Amtszeit, das machen eigentlich nur die Italiener besser. Hier fehlt aber Itamar Franco, der alsVizepräsident das Präsidentenamt von Collor übernahm und deshalb ebenfalls nur verkürzt regierte.

Bilder sind mit Vorsicht zu genießen, schrieb derjenige, der mir diese beiden Bilder zukommen ließ, denn man sieht nicht immer das ganze Bild:

Das wusste schon Nicolau Maquiavel, der heute seine Freude an den Zuständen bei uns in Brasilien (und in Deutschland!!!) hätte.

21 September 2018

Brasilienversteher

wachsen nicht auf Bäumen wie Äpfel oder Birnen, obwohl das aktuelle Titelblatt des ECONOMIST zu dieser Meinung verleiten kann. Aber ich will nicht wieder über die vermeintlichen Lomonossow Boys herziehen, sondern Bücher über Brasilien empfehlen, von denen mir vier leider nur auf Portugiesisch vorliegen, nämlich diese STANDARDWERKE, die sehr interessant sind und tiefgreifende Erkenntnisse über die Seele des Brasilianers erlauben und einem erklären, warum "der" Brasilianer (sorry, auch "die" Brasilianerin; ich wollte keinem Verfechter des Genderunwesens auf den Schlips treten, sofern er oder sie oder es einen trägt) ist, wie er  ist, wenn man sie wirklich liest und nicht nur überfliegt - und das meine ich alles ohne jegliche Ironie, vom Genderunwesen mal abgesehen:



Wer diese gelesen hat, kann mit Fug und Recht von sich behaupten, dass er ein Brasilienversteher ist. Und wer ein Buch auf Deutsch lesen möchte, der sollte meines lesen:


Es ist zwar von 2008 und daher sind die Wirtschaftszahlen nicht mehr aktuell, aber was ich über die Geschichte Brasiliens und über seine Kultur, Menschen und Geografie schrieb, gilt natürlich immer noch. 

Touristen und Geschäftsreisende werden ohne dieses Hintergrundwissen immer nur oberflächlich über das Land, in dem ich lebe und zwar gerne, urteilen können. Und dann kommt eben das heraus, was man in der zitierten Ausgabe des KOMMUNIST ECONOMIST über Jair Bolsonaro lesen kann.


20 September 2018

Chicago Boys versus Lomonosovskiye mal'chiki

Die Jungs von der Lomonossow-Universität haben offensichtlich beim ECONOMIST angeheuert und feuern von dort aus gegen Bolsonaro, den bis jetzt führenden Präsidentschaftskandidaten. Wahrscheinlich unterstützt von Absolventen der heutigen RUDN - Russischen Universität für Völkerfreundschaft, die unter Chruschtschow im Februar 1960 zu Ehren des ermordeten kongolesischen Revolutionärs und Staatsführers Patrice Lumumba gegründet und nach ihm benannt wurde. Nichts gegen Lomonossow, der ein Universalgelehrter war und in Marburg studierte, wo er 1740 die Tochter seiner Vermieterin heiratete.

Aber vieles gegen Journalisten, die über Brasilien schreiben und die Verhältnisse einseitig darstellen:


Sicher sind die Präsidenten Venezuelas und Boliviens eine weitaus größere Bedrohung als der noch nicht gewählte Bolsonaro. Und sein stärkster Gegenkandidat Haddad ist mit Sicherheit eine wirkliche Bedrohung unserer Freiheit in Brasilien, der sich offen zum Sozialismus und als Statthalter des einsitzenden Lulas bekennt und als Oberbürgermeister von São Paulo eine so klägliche Figur abgegeben hat, dass er als erster amtierender Oberbürgermeister bei der versuchten Wiederwahl bereits im ersten Wahlgang ausschied. Auf diesem Foto zeigt Haddad eindeutig seine Absicht. Auch wenn er es abstreitet, falls er gewählt wird, kann Lula wohl mit einer schnellen präsidialen Begnadigung rechnen und dann offiziell Kabinettschef von Haddad und inoffiziell Präsident Brasiliens werden.
PRÄSIDENT HADDAD IST LULA
VICE: MANUELA
Es gibt viele Brasilianer, die mögen eines dieser Plakate:


Aber wohl keinen, der beide mag.


Bolsonaro ist mit Sicherheit die größte zur Zeit bekannte Bedrohung aller Sozialisierungsbemühungen der vereinigten Linken Südamerikas und vor allem Brasiliens und der ehemalige Oberbürgermeister meiner Heimatstadt Berlin würde sagen, das ist gut so. Und sehr viele Brasilianer teilen diese Meinung und mindestens ein Deutscher.




Brian Winter, Editor-in-Chief von AMERICAS QUARTERLY, schrieb zu diesem Thema u.a. "It’s hard to believe that, in the era of Donald Trump and Brexit, anyone could be complacent about the appeal of nationalists who promise to “drain the swamp.” But Latin American establishments are running out of time. Without change, the region’s political landscape may well look radically different a year from now."

Volkes Stimme ist oft aufschlussreich. Ich bekomme sehr viele Zuschriften von Brasilianern, die sich zur bevorstehenden Präsidentenwahl äußern. Viele schicken einfach solche plakative Aussagen wie diese:

Wer Haddad sät, wird Maduro ernten!

Was von Maduro zu halten ist, sieht man in einem Videofilm, den Sie hier FILM finden. Das erinnert mich an den Witz: Genosse, was ist Cognac? Cognac ist ein Getränk, was der Genosse Staatsratsvorsitzende abends zu sich nimmt und dabei an das Volk denkt, für welches er so hart arbeitet, dass er sich bei einem Cognac entspannen muss.

Noch schnell ein Wort zu den in der Überschrift erwähnten Chicago Boys. Dazu liest man in Wikipedia:

"Die Chicago Boys sind eine Gruppe chilenischer Wirtschaftswissenschaftler, die von 1956 bis 1970 größtenteils an der University of Chicago studiert haben und die von den Ideen Friedrich August von Hayeks und Milton Friedmans inspiriert waren. Sie wurden in Chile unter der Herrschaft Augusto Pinochets wirtschafts- und sozialpolitisch sehr einflussreich. Diese Ökonomen waren von der Überlegenheit freier Märkte überzeugt, die sie durch Privatisierungs- und Deregulierungsmaßnahmen zu realisieren suchten.

Wegen der politischen Bedingungen in der Diktatur konnten sie ihre weitreichenden Reformvorstellungen zunächst ohne wesentliche Abstriche durchsetzen. Viele Kritiker wie auch Befürworter sehen in den Reformen daher ein wichtiges Experiment unter Realbedingungen, das Aufschlüsse über die Auswirkungen einer wirtschaftsliberalen und monetaristischen Praxis erlaubt. Auch in anderen lateinamerikanischen Staaten konnten Ökonomen der Chicagoer Schule an Einfluss gewinnen und werden ebenfalls oft als Chicago Boys bezeichnet."

Ich hätte nichts dagegen, wenn die Chicago Boys nach den Wahlen in Brasilien den Ton angäben. Warten wir es ab.

12 September 2018

Wird Bolsonaro ab 2019 Brasilien regieren?

Die Befragung, deren Ergebnis Sie in der Graphik sehen, begann 2 Tage nach dem Messerattentat auf den Spitzenkandidaten Bolsonaro, welches ihn fast getötet hätte. Er ist der Favorit, aber auch der Kandidat mit der höchsten Ablehnungsquote, nämlich 41%. 
Haddad, der erfolglose ehemalige Oberbürgermeister von São Paulo, der sich vor allem durch seine ohne Sinn und Verstand auf die Fahrbahn gepinselten Fahrradwege auszeichnete, übernahm gestern als Marionette von Lula dessen Platz als Präsidentschaftskandidat der Arbeiterpartei PT. Lula darf nicht kandidieren, weil er strafrechtlich in 2. Instanz verurteilt wurde und zur Zeit einsitzt.


Wegen des Anstiegs Haddads ging die Börse sofort in die Knie und der US-Dollar gewann an Wert, weil DIE LINKE FRONT Brasiliens (PT, PSOL, PCdB...) gegen die überlebenswichtigen Reformen sind und die schon gemachten zurückdrehen möchten.

Bolsonaro wurde erfolgreich von diesen Gegnern, die man ohne zu übertreiben, als seine Feinde bezeichnen kann, verteufelt, wobei die nationale und internationale Presse und auch die REDE GLOBO Schützenhilfe leisteten und weiter leisten. Dabei geht es vor allem darum, zu verhindern, dass ein Präsident Bolsonaro Privilegien zurückschraubt, die vor allem linksgerichtete Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes begünstigen. Wobei man Öffentlicher „Dienst“ schreiben müsste, denn gedient wird hier nicht, höchstens im Sinne der Selbstbedienung.

Bolsonaro ist sicher konservativ, spricht sehr vielen Brasilianern aus dem Herzen, aus dem er keine Mördergrube macht, ist deshalb politisch nicht korrekt, aber sicher kein Rechtsradikaler, wie der Spiegel schreibt, sondern eher ein lauter Stammtischpolitiker. 
Egal, wer die Wahl gewinnt, etliche jetzt schon abgeschlagene und aussichtslose Kandidaten wollen wohl unbedingt weiter Geld und Zeit verlieren und bleiben bis zum bitteren Ende dabei.

10 September 2018

419 Mio. R$ in den Wind geschossen

hat die staatliche FURNAS CENTRAIS ELÉTRICAS S.A., eine Eletrobrástochter, zusammen mit ihren Partnern J&F und BMG in Ceará und Rio Grande do Norte. Der Plan war, bis 2017 Windenergie in Elektroenergie umzuwandeln. Dazu sollten 16 Komplexe mit 16 Eolikzentralen für 1,25 Mrd. R$ errichtet werden. Seit 2012 wurden von den genannten Partnern an diesem Unterfangen 337 Mio. R$ insgesamt aufgewendet, dazu kam eine Vertragsstrafe von 81,8 Mio. R$, weil die versprochene Energie bis heute keine Lampe zum Leuchten gebracht hat. Mit dieser Zahlung konnte der Liefervertrag aufgehoben werden und man vermied, Vertragsstrafen bis zu 240 Mio. R$ zahlen zu müssen. Die Zuschüsse für die 16 Zentralen waren deshalb auf einmal Makulatur. Die Schuld wurde der argentinischen IMPSA zugeschrieben, die 300 Windkraftgeneratoren hätte liefern sollen, aber 2014 unter Hinterlassung von 3,2 Mrd. R$ Verbindlichkeiten in Konkurs ging. Jetzt geht das Jahr 2018 bald zu Ende und bis heute säßen die Bewohner der oben genannten Bundesstaaten im Dunkeln, wenn es nicht konventionell erzeugte Elektronenergie und Kerzen gäbe. Und wer zahlt die Zeche? Natürlich João Ninguém, die brasilianische Version des Amerikaners Joe Nobody. Oder auch einfach Otto Normalverbraucher, der Steuer- und Stromtarifzahler, der sich in Brasilien noch nicht einmal seinen Stromlieferanten aussuchen kann. Meine Ingenieurskollegen mögen mir die Verwendung des laienhaften Begriffes „Strom“ verzeihen, aber ich bin es müde, zum Beispiel jemanden zu verbessern, der von Stundenkilometern spricht, wenn er Kilometer pro Stunde meint. Und da werde ich jetzt nicht anfangen, über Strom, Spannung, Leistung und Arbeit im physikalischen Sinne zu referieren.

2012 hatte ich mich geärgert,einen Liefervertrag von IMPSA für eine Vakuum-Druck-Imprägniernanlage für meine AMS do Brasil Ltda., heute AMS – Nippon Rika do Brasil Ltda., nicht bekommen zu haben. Heute bin ich froh darüber, obwohl ich eigens nach Mendoza geflogen bin, um am Fuße der Anden über den Auftrag zu verhandeln. Meine Partner Holger Sax, AMS und Nippon Rika wissen es mir hoffentlich auch zu danken!

03 September 2018

Neue Nachrichten aus Absurdistan

Brasilien fördert die Kunst.
Falsch, Brasilien fördert Künstler.
Nicht falsch, aber auch nicht richtig. Brasilien fördert vor allem linke Künstler.
Endlich fast korrekt.
Brasilien fördert linke Künstler, die Opposition zur aktuellen Regierung machen, und Künstler, deren Kunst zwar nicht brotlos (ganz im Gegenteil) ist, aber wenig zum Motto in Brasilien Flagge beiträgt, welches da lautet:
ORDNUNG UND FORTSCHRITT

Warum erwähne ich das? Wesley Safadão zum Beispiel erhielt 2016 für einen Auftritt auf dem São João - Fest in Caruaru, der "Hauptstadt des Forró" Brasiliens die stolze Summe von 575.000 R$. Wobei ich nichts gegen diesen ehrenwerten Herren habe. Aber auch nichts für ihn.

Es folgten andere mit kleineren Summen, nämlich
  • Luan Santana - R$ 325 mil u
  • Bell Marques - R$ 280 mil
  • Aviões do Forró - R$ 250 mil
  • Elba Ramalho - R$ 190 mil
  • Matheus e Kauan - R$ 180 mil
  • Flávio José - R$ 100 mil
Freuen wir uns mit diesen sicher bedeutenden Künstlern über ihre Einkünfte und mit den Menschen, die ihnen begeistert zuhörten. 

Das Durchschnittseinkommen eines Brasilianers betrug 2017 ungefähr 2.200 R$ im Monat und wird als Gehalt 13mal im Jahr gezahlt. Damit erhielt João Ninguém mit heute 1 € = 4,80 R$ nur 458 € im Monat x 13 = 5.958 € im Jahr. 

Der "große Schamlose", wie der Künstlername Safadão auf Deutsch heißt, erhielt mit diesem Wechselkurs 120.000 € für einen einzigen Auftritt, also zwanzigmal so viel. Aber wer sich nicht über Fußballereinkünfte aufregt, dem kann die Bezahlung eines Künstlers in Brasilien auch egal sein. Selbst wenn das Geld aus Steuereinkünften stammt und von staatlichen Institutionen an Leute gezahlt wird, die die Regierung, die diese Mittel so großzügig verteilt, bekämpft, weil nicht mehr Lulas PT am Ruder ist. Wobei ich ausdrücklich anmerke, dass ich die politische Einstellung der erwähnten Künstler nicht kenne und daher auch nicht weiß, ob sie für oder gegen Lula oder sonst irgendeinen Politiker sind.

Gestern Abend brannte das Nationalmuseum in Rio aus:

Damit wurde ein 200 Jahre altes Gebäude, für Brasilien uralt, vernichtet, in dem die Herrscherfamilie Brasiliens residierte und welches als größtes und wichtigstes Museum Brasiliens über 20 Millionen Ausstellungsstücke beherbergte, darunter der älteste Menschenfund beider Amerikas, unersetzbare Mumien und viele andere Kostbarkeiten. 

Hier habe ich das Budget des Museums gelb gekennzeichnet:

500.000 R$ für 2013 und 54.000 R$ für 2018. Sie lesen richtig, 54.000 R$ hat die Bundesuniversität von Rio de Janeiro, die für das Museum verantwortlich ist, dieses Jahr bereitgestellt. Das entspricht 11.250 € im Jahr!!! Das fakturiert unser oben zitierter "großer Schamloser" in Minuten!

Da tröstet es wenig, dass man 21,7 Mio. R$ als Förderung von der BNDES erhalten sollte, um das Gebäude zu restaurieren, weil es nichts mehr zu restaurieren gibt. Und auch die Versprechen, dass die Ursachen des Brandes gründlich erforscht werden sollen, ohne Rücksicht auf Verluste, bringen die unersetzlichen Exponate nicht zurück. Sie erinnern aber vielleicht an den Brand, der 2010 das Schlangeninstitut im Forschungskomplex Butantã und damit 70.000 konservierte Schlangen vernichtete, die größte Sammlung ihrer Art Brasiliens. Auch hier wurde die Forschungsarbeit von über hundert Jahren vernichtet. 

Aber wen interessiert das schon in einem Land, in dem 7 von 10 Gymnasialschülern unzureichende Kenntnisse in Portugiesisch und Mathematik haben. Aber, meine Anmerkung, wahrscheinlich alle RAPPER und HIP-HOPPER und sonstigen wichtigen Künstler und das trash-Fernsehen als einzige Informationsquelle neben  Facebook kennen. Schade. Denn wenn man Kunst der Favela wie diese

"Sie wollen uns loswerden,
mit der Favela aufräumen,
aber das vereinte Volk wird das nicht dulden.
Santa Marta muss sich zusammenschließen,
nur so ist der Feind angreifbar.
Er ist der Freund des Gouverneurs,
der Feind der Favela und ein Spekulant."

fördert, die übrigens im Deutschlandfunk über den grünen Klee gelobt wurde, aber das Nationalmuseum vor die Hunde gehen lässt, weil der Rektor der UFRJ, die für das Museum verantwortlich zeichnet, es trotz finanzieller und administrativer Freiheit sträflich vernachlässigt hat, dann sollte man das Kulturministerium wirklich abschaffen. Übrigens haben die PT-Vorsitzende Gleisi "Lula" Hoffmann und ihr Senatorkollege Lindbergh sofort nach dem Brand empört getwittert, dass sei eine Folge der unverantwortlichen Austeritätspolitik der jetzigen Putschistenregierung, bis man merkte, dass der Verantwortliche Roberto Leher Mitglied der PSOL-Partei Boulos ist und die Tweeds sofort zurückzog. Pech, dass sie schon weiterverbreitet worden waren.

Lesen Sie mal, wenn Sie Portugiesisch verstehen, über das QUEERMUSEUM in Rio. Ihnen werden die Augen aufgehen, welche Prioritäten hier gesetzt wurden!

Am ausgebrannten Museum war übersetzt zu lesen:
Alle, die hier vorbeigehen, schützen diese Platte, weil sie ein Dokument birgt, das die Kultur einer Generation und einen Meilenstein in der Geschichte eines Volkes offenbart, welches seine eigene Zukunft aufzubauen wusste.

Lourenco Righetti vom brasilianischen Verband der Maschinen- und Anlagenbauer in São Paulo schickte mir dazu dieses:

🔥Queimamos o quinto maior acervo do mundo.
🔥Queimamos o fóssil de 12 mil anos de Luzia, descoberta que refez todas as pesquisas sobre ocupação das Américas.
🔥Queimamos murais de Pompeia.
🔥Queimamos o documento de assinatura da Lei Áurea
🔥Queimamos o sarcófago de Sha Amum Em Su, um dos únicos no mundo que nunca foram abertos.
🔥Queimamos o acervo de botânica Bertha Lutz.
🔥Queimamos o maior dinossauro brasileiro já montado com peças quase todas originais.
🔥Queimamos o Angaturama Limai, maior carnívoro brasileiro.
🔥Queimamos alguns fósseis de plantas já extintas.
🔥Queimamos o maior acervo de meteoritos da América Latina.
🔥Queimamos o trono do rei Adandozan, do reino africano de Daomé, datado do século XVIII.
🔥Queimamos o prédio onde foi assinada a independência do Brasil.
🔥Queimamos duas bibliotecas.
🔥Queimamos o pergaminho datado do século XI com manuscritos em grego sobre os quatro Evangelhos, o exemplar mais antigo da Biblioteca Nacional e da América Latina.
🔥Queimamos a Bíblia de Mogúncia, de 1462, primeira obra impressa a conter informações como data, lugar de impressão e os nomes dos impressores, os alemães Johann Fust e Peter Schoffer, ex-sócios de Gutemberg.
🔥Queimamos A crônica de Nuremberg, de 1493, considerado o livro mais ilustrado do século XV, com mapas xilogravados tidos como os mais antigos em livro impresso.
🔥Queimamos a Bíblia Poliglota de Antuérpia, de 1569, Obra monumental do mais renomado impressor do século XVI: Cristóvão Plantin.
🔥Queimamos a primeira edição de “Os Lusíadas”, de 1572.
🔥Queimamos a primeira edição da “Arte da gramática da língua portuguesa”, escrita pelo Padre José de Anchieta em 1595.
🔥Queimamos o “Rerum per octennium...Brasília”, de Baerle (1647), com 55 pranchas a cores desenhadas por Frans Post.
🔥Queimamos exemplar completo da famosa Encyclopédie Française, uma das obras de referência para a Revolução Francesa.
🔥Queimamos o primeiro jornal impresso do mundo, datado de 1601.
🔥Queimamos um pouco da História do Brasil e da Humanidade...

Kurz darauf erhielt ich diese Zeilen auch von Heinz Sattler.

Gut, dass es viele Brasilianer gibt, die das wissen und bedauern und sich nicht das Gehirn zudröhnen. Das gibt Hoffnung, dass im Oktober richtig gewählt wird.

21 August 2018

EUROLATINA mit neuem SITE für Deutsch sprechende Brasilieninteressierte

EUROLATINA hat zwei Internetauftritte, www.eurolatina.biz auf Portugiesisch für Kunden in Südamerika, die die Produkte der von uns vertretenden vornehmlich deutschen Firmen kaufen möchten, und www.eurolatinainternational.com.br für ausländische Kunden, die schon in Brasilien sind und Aufgaben für uns haben oder für Kunden, die den Schritt nach Brasilien erst noch vor sich haben und ihn zusammen mit uns gehen wollen.

Letzterer erstrahlt in neuem Glanz, nachdem er 4 Jahre lang nicht mehr angepasst wurde. Die alte Version wurde noch von meinem Neffen Dr. Marten Kopp erstellt, der leider aus beruflichen Gründen keine Zeit mehr hat, seinem Onkel unter die Arme zu greifen. Der neue Site wurde von unserer Kollegin Thayná Ciasca gestaltet und findet hoffentlich Anklang bei Ihnen!

16 August 2018

Logistik in China und Brasilien

Brasilien zeigt uns, was nötig ist: 

China zeigt uns heute, was möglich ist:

FAZIT: Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, dass Brasilien noch einige Defizite hat. Im Gegenteil, nutzen Sie diese, um Ihre überlegenen Dienstleistungen und Produkte an den Brasilianer zu bringen. Ich habe mich eben nicht getraut, "an den Mann zu bringen" zu schreiben, das hätte mir sicher ein Genderwissenschaftler übel genommen.

Die Gelegenheit, diese wirklich schönen und eindringlichen Filme zu zeigen, ist unserem (jetzt meine ich EUROLATINA) assoziierten Anwalt Dr. Gunnar Johansen mit Spezialisierung auf Vertrags- und Unternehmensrecht sowie Steuerberatung zu verdanken, der sie mir heute schickte und die bei mir beim Betrachten einen Aha-Effekt hervorriefen. So wie ein alter, d.h. damals junger  Grieche Heureka ausrief und sein Badewasser verspritzte, überkam mich die Vision, wie Heerscharen von Erstweltunternehmern in Brasilien einfallen, Defizite ermitteln und ihre Gegenmittel in Form von Wunderprodukten anpreisen, die ihnen aus den Händen gerissen werden. Leider zerplatzte diese Version wie eine Seifenblase und ich mache mich jetzt wieder mit dem Gedanken vertraut, morgen früh nach São José dos Campos zu fahren, um auf die alte und mühsame Art eine Maschine zu verkaufen. Man kann nicht alles haben.

Sind Sie deutscher "Expat" in Brasilien?

Dann schicken Sie Ihrer Mutter keine Blumen mit einer Flasche Veuve Cliquot über Euroflorist! Ich habe es nämlich versucht, weil meine Mutter am 14.8. immerhin das stolze Alter von 94 Jahren in Deutschland feiern durfte. Allerdings ohne Blumen und ohne Champus von mir, denn diese Sendung kam an ihrem Ehrentag nicht an. Was ich zum Anlass nahm, am selben Tag zu reklamieren und als Antwort eine noreply@....-Bestätigung bekam, dass meine Nachricht beantwortet werden würde. Heute, am 16.8., erhielt meine Mutter den korrekten Lieferschein (siehe links) mit den bestellten Blumen, aber leider ohne die Witwe. Als Ersatz wurde dieser Wein geliefert:

Abgesehen davon, dass meine Mutter Champagner mag, aber nicht diesen Wein, hatte ich für den Champus 49,99€ und nicht 5,50€ bezahlt:



Das schrieb ich meinem Lieferanten auch und bekam daraufhin wieder eine eine noreply@.....-Antwort, was sich eigentlich widerspricht. Jetzt wartet meine Mutter auf ihre Flasche Veuve Cliquot und ich auf eine Entschuldigung von Euroflorist. Mal sehen, was und eventuell wann eintrifft!

05 August 2018

Die neue Ausgabe der EUROLATINA-Nachrichten ist erschienen!

Sie haben sie nicht bekommen? Schicken Sie mir eine Nachricht und Sie werden auf den Verteiler gesetzt. Oder besuchen Sie mein virtuelles Bücherregal! 


Dort finden Sie diese und alle früheren Ausgaben,  dazu Vorträge, Berichte und Aufsätze von mir über Brasilien.

Mathematik

ist eigentlich nicht des Brasilianers Stärke. Aber man soll sich nicht täuschen, denn Brasilien ist Mitglied der IMU, der Internationalen Mathematischen Union. In deren Gruppe 5, der höchsten, was das Fachwissen angeht, ist Brasilien neben den USA, Japan und Deutschland vertreten. Artur Avila hat von der IMU 2014 die Fieldsmedaille verliehen bekommen, die praktisch ein Mathematiknobelpreis ist. Der selbe Artur Avila, der auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, hatte als Schüler 1995 in Kanada die Goldmedaille in der Internationalen Mathematikolympiade IMO erobert. Acht weitere Brasilianer eroberten Gold bei den IMOs der letzten Jahre, einer sogar zweimal. Übrigens ist keine Frau unter den Preisträgern, schade. Artur Avila hat seine Diplomarbeit in seiner Geburtsstadt Rio de Janeiro am Instituto de Matemática Pura e Aplicada (IMPA) der UFRJ geschrieben, promovierte anschließend und wurde mit 29 Jahren der jüngste Forschungschef am renommierten Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Studien in Paris.

Deses Jahr wurde die Fieldsmedaille erstmalig in der südlichen Hemisphäre verliehen und zwar in Rio. Sie kennen vielleicht den Witz mit den Regierungschefs der USA, Brasiliens, Frankreichs und Deutschlands, die durch dichten Nebel von den Washington nach São Paulo fliegen. Da fragt der US-Präsident, ob man schon über Brasilien fliege und der brasilianische Präsident streckt seinen Arm kurz aus dem Fenster und nickt mit dem Kopf und meint, dass man gerade Rio überfliege. Auf die Frage, woher er das wisse, antwortet er, dass man ihm gerade die Uhr geklaut hätte. Richtig diskriminierend, meinen Sie nicht auch? Tatsache ist, dass die vier Gewinner Peter Scholze, Alessio Figalli, Akshay Venkatesh und Caucher Birkar ungleichmäßig behandelt wurden, denn Caucher Birkar erhielt zwei Medaillen – die erste wurde ihm während der Preisverleihungszeremonie gestohlen und die Veranstalter hatten ein Einsehen und er bekam einige Tage späte eine neue Medaille. Die alte ist sicher schon eingeschmolzen. Und das wegen 15.000 R$ bzw. 3.500 €! Allerdings, wer in Brasilien den Mindestlohn - dreizahnmal monatlich, wie es das Gesetz vorschreibt - im Jahr erhält, bekommt ziemlich genau den Sachwert der Medaille für ein Jahr Arbeit. Da kann man den Gesichtsverlust für Brasilien schon mal wegstecken und seinen Patriotismus vergessen.

19 Juli 2018

Brasilien hat viele schöne Seiten!

Diese sah ich gestern auf dem Weg von NOVELIS in Pindamonhangaba zurück nach São Paulo:

06 Juli 2018

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust

schrieb schon Goethe und ich kann es kurz vor dem Spiel der Brasilianer gegen die Belgier nachvollziehen!

Was ich jetzt, nachdem ich dieses VIDEO gesehen habe, auch nachvollziehen kann, ist die schadenfrohe Reaktion vieler Brasilianer auf unser Ausscheiden in der Vorrunde der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft. Hochmut kommt vor dem Fall, kann man da DER MANNSCHAFT nur in ihr Stammbuch schreiben! Und ihrem Trainer! Und den vielen Fans, die ihnen blind zutrauten, das Ergebnis von 2014 zu wiederholen.

Wer außergewöhnlich gut verdient, sollte auch außergewöhnlich gut arbeiten, selbst als Fußballstar! Dazu mehr lesen Sie in der FAZ im Artikel "So lange müssen Fußballstars für ihre Häuser spielen". Halten Sie ein Taschentuch bereit, um Ihre Tränen zu trocknen!

02 Juli 2018

Heute wurde ich in Brasilien zum Vertriebenen!

Nicht so, wie Sie vielleicht denken. Nein, ganz anders, denn Brasilianer sind in der Regel friedliebend, aber auch laut. So sah es vor dem Spiel Brasilien - Mexiko vor meinem Bürofenster aus:

Nach dem 2:0 Brasiliens, welches ich zuhause sah, schickte mir unser Vertriebsleiter diesen Film:

Ab jetzt fühlte ich mich vertrieben und beschloss, da beide Filme aus meinem Bürofenster aufgenommen wurden, lieber zuhause zu arbeiten. Was eine gute Entschuldigung vor mir selbst war, das Spiel Japan - Belgien auch noch zu sehen. Es steht in der 32. Minute der zweiten Halbzeit gerade 2:2, was meinen Partner in Tokyo sicher nicht freuen wird.

28 Juni 2018

Was sagen die Brasilianer zur deutschen Niederlage in Russland?

Wobei ich mich natürlich auf die Fußballweltmeisterschaft beziehe, was nicht alle Kommentatoren so sehen. Hier eine Auswahl der Stellungnahmen, die ich von meinen brasilianischen Freunden erhielt:

Donald, könntest Du Kim bitten, in Südkorea einzumarschieren?
Die Mexikaner können ihr Glück nicht fassen

Die Brasilianer haben das Toreschießen noch nicht verlernt

Schadenfreude ist die beste Freude

Der Fluch der Weltmeister: Frankreich, Italien, Spanien und jetzt auch Deutschland wurden während der Gruppenspiele während der Weltmeisterschaft nach ihrem Titelerhalt eliminiert. Unser Mythos von den beim Fußball unbezwingbaren Deutschen  ist damit zum Teufel!
Deutschland wird niemals auf russischem Boden triumphieren
Geschieht den Deutschen recht. Investieren in Gesundheit, Ausbildung und Sicherheit und vergessen (darüber)  den Fußball!
Again I was f....d in Russia
Deutschland hat nicht ein Tor geschafft, um sich zu klassifizieren!
Geschieht ihnen recht, wer hat ihnen befohlen, alle Tore gegen Brasilien aufzubrauchen! 
Mexiko 3 : 0 Deutschland
Schweden 2 : 1 Deutschland
Südkorea 2 : 0 Deutschland

7 : 1 zurückgegeben. Danke (meine) Freunde.
In drei Raten...wie es Brasilianer mögen
Niemand kommt nach Brasilien, dem Macumbaland, und spielt 7:1 ohne drastische Folgen!

Und eine deutsche Reaktion:
Ramschware


BILDZEITUNG jetzt und vor vier Jahren; ein Riesenunterschied, aber die selben Worte!

07 Juni 2018

Die Welt geht nicht unter

Aber bei 4,6188 R$ = 1,0000 € kann man vermuten, dass Brasilien den Bach runtergeht. Keine Angst, wir hatten schon schlechtere Tage:



Aber auch bessere! Der nächste Präsident wird es schon richten! Oder???

31 Mai 2018

Wer zahlt die Zeche?

Wenn es zu viele Firmen in einem Sektor gibt und die Arbeit/Nachfrage/Aufträge nicht ausreichend für alle ist/sind, was geschieht dann? Man lese es bei Darwin nach, die Schwächsten geben auf und werden eliminiert, die Stärksten setzen sich durch. Oder die in Deutschland berühmte Variante "Starker Mann setzt sich für wankendes Bauunternehmen ein", dann wird ein Unternehmen favorisiert/subventioniert, aber nicht saniert/umstrukturiert/optimiert. Und das Ergebnis ist wieder das alte, das Unternehmen macht dicht, es dauert nur etwas länger und kostet etwas mehr. Den Bürger/Steuerzahler natürlich, denn der zahlt auf einmal mehr oder bekommt weniger.

Genau das ist gerade in Brasilien geschehen und passt in jedes Volkswirtschaftslehrbuch. "Die Regierung hat es gegeben, die Regierung hat es genommen, die Regierung sei gelobt!" kann man unter Missbrauch von Hiob 1, Vers 21 sagen. Denn entgegen der wundersamen Vermehrung von Brot und Fisch, die in Matthäus, Kapitel 14, Verse 15 bis 21 beschrieben wird, kann die Regierung nur verteilen, was sie hat. Und da diese Menge begrenzt ist, muss sie, was die den LKW-Fahrern gibt, anderen wegnehmen. Diese anderen haben es nur noch nicht bemerkt und haben deshalb den Streik oft sogar begrüßt und unterstützt.

Um die LKW-Fahrer künstlich in Fahrt zu halten, obwohl nicht genug Fracht für alle da ist und volkswirtschaftlich günstigere Alternativen zum Straßentransport wie Küsten- und Binnenschifffahrt und der Eisenbahnverkehr ausgebaut werden sollten, was natürlich zwangsläufig zu einer Reduzierung der LKW-Nutzung führen würde, verschließt die Regierung die Augen vor der offensichtlichen Lösung und redet alles schön. Dieses "alles ist gut" trifft zunächst die Exporteure, denen die benefits entzogen werden. Sie erhalten dieses Jahr durch die von 2% auf 0,1% reduzierte reintegra-Quote 2,27 Mrd. R$ weniger. Durch die Reduktion der IPI-Steuer von 20% auf 4% für Getränkekonzentrate der Freihandelszone Manaus wird der crédito tributário, den die Firmen vom Finanzamt zurückfordern können vermindert, was zu Mehreinnahmen des Staates in 2018 von 740 Mio. R$ führt. Und durch höhere Belastung der von den Firmen gezahlten Löhne und Gehälter (was in Brasilien nicht unterschieden wird) kommen bis Jahresende weitere 830 Mio. R$ in die Regierungskasse. Damit hat die Regierung die 4,01 Mrd. R$ zusammen, um die 2,76 Mrd. R$ zu kompensieren, die die Reduktion von PIS/Cofins für das Dieselöl kostet und der Wegfall des Cide für Dieselöl in Höhe von 1,25 Mrd. R$ in diesem Zeitraum. Damit wird der Liter Diesel um 16 Centavos billiger. Die weitere Preisreduktion von 30 Centavos pro Liter wird von der Regierung direkt an die Petrobrás gezahlt, damit die Firma aus dem Bundeshalt weiterhin saniert werden kann. Da der Bundeshaushalt aber wie schon geschrieben, nicht wächst, muss diese Subvention der Petrobrás anderen Haushaltstiteln weggenommen werden, d.h. Krankenhäuser und Universitäten, um nur einige Betroffene zu nennen, erhalten jetzt weniger als geplant. ABER NIEMAND DENKT DARAN, DEN AUFGEBLASENEN REGIERUNGSAPPARAT ZU VERSCHLANKEN ODER DIE PERSONALKOSTEN DES ÖFFENTLICHEN DIENSTES ZU REDUZIEREN.

Entgeltzahlungen an die Beschäftigten folgender Sektoren weiterhin weiterhin nicht zusätzlich belastet: Call Center, Schuhindustrie, Textilindustrie, Konfektionen, tierisches Protein, Leder, IT, Personentransport, Straßentransport von Maschinen und Anlagen sowie die Herstellung von Karosserien und Fahrzeugen. Allerdings muss die Lederindustrie künftig anstelle 1,5% jetzt 2,5% üer den Umsatz zahlen.

Die Chemieindustrie zahlt ab September ebenfalls mehr, der "angenommene PIS/Cofins- und PIS/Cofins-Import - Kredit" im Rahmen des Reiq (regime especial da indústria química) entfällt dann nämlich, was erstmal 170 Mio. R$ bringen wird.

Das alles bringt also den LKW-Fahrern eine Preisreduzierung von 46 Centavos pro Liter (allerdings am Ausgang der Raffinerien und nicht zwangsläufig an der Zapfsäule) und dem Bürger eine erhebliche Mehrbelastung. 2019 sollen die genannten Maßnahmen 16,2 Mrd. R$ freimachen, um den Dieselpreis künstlich unten zu halten und damit wirksam jede strukturelle Änderung des Transportwesens Brasiliens weiterhin zu be- oder sogar zu verhindern. Ob die Reduzierung des Abgabepreises an die Tankstellen beim Verbraucher ankommt, kann die Regierung aber nicht garantieren.

Übrigens musste Brasilien im April 2018 insgesamt 1,15 Mrd. Liter Diesel importieren, weil es nicht genug selbst herstellen kann. Im April wurden auch 446 Mio. Liter Biodiesel in Brasilien hergestellt, aber 35 Biodieselfabriken standen still und versachten damit einen täglichen Verlust von 43 Mio. R$. Dieser Aspekt wurde meines Wissens in den ganzen Diskussionen um den LKW-Fahrerstreik nie erwähnt. Aber die Stammtischpolitiker ritten darauf herum, wie abwegig es doch sei, den Kraftstoffpreis im Allgemeinen und den Dieselpreis im Besonderen an die Entwicklung des Rohölpreises und des Dollarkurses zu knüpfen, schließlich sei Brasilien doch ein großen Erdölförderland.