27 Juli 2007

Brasilienrisiko steigt

Vor wenigen Tagen wurde der Dollarkurs noch unter 1,80 R$ gesehen und gestern stieg er überraschend (?) auf 1,928 R$, im Gleichschritt mit dem Länderrisiko, welches auf 221 Punkte sprang, nachdem es Anfang Juli unter 140 gefallen war. Auslöser war die Börse, der Ibovespa - Index lag gestern bei 53.893 (-3,76 %), nachdem er am 25.7. noch 56.001 betrug. Das erinnert uns hier in Brasilien an das Sprichwort, wenn die USA husten, liegt Lateinamerika mit Grippe im Bett.

19 Juli 2007

Brasilien nimmt Raumfahrtprogramm wieder auf

Die Agência Espacial Brasileira, eine Art Mini-NASA, hat heute erfolgreich eine 12 m lange und 2,5 to schwere suborbitale Rakete VSB 30 in eine Höhe von 285 km geschickt. Die Rakete wurde in Zusammenarbeit mit Deutschland entwickelt und von der Basisstation Alcântara in Maranhão auf die Reise gebracht, wo 2003 eine Feststoffrakete explodiert war und dabei 21 Personen tötete. An Bord befinden sich wissenschaftliche Experimente zum Studium der Mikrogravität.

Die damalige Explosion und ihre verheerenden Folgen waren z.T. darauf zurückzuführen, daß nicht "nach dem Buch" gearbeitet wurde. Auch bei dem Flugzeugunglück vom 17. Juli 2007 in São Paulo scheint einer der Gründe zu sein, daß die Hauptlandebahn des Stadtflughafens Congonhas nach Aufbringung einer neuen Pistenschicht freigegeben wurde, obwohl die Regenauffangrillen noch nicht eingefräst waren, also wieder Nichtbeachtung von Regeln.

Die Gründe für diese Nichtbeachtung sind vielfältig und reichen von reiner Inkompetenz bis hin zu krimineller Vernachlässigung aufgrund wirtschaftlicher Interessen, oft verbunden mit Korruption und Vetternwirtschaft. Die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen werden zeigen, was im Fall der TAM - Maschine der eigentliche Grund war. Viele Brasilianer weichen als Konsequenz auf den internationalen Flughafen in Guarulhos bei São Paulo aus, dessen Pisten wesentlich länger sind und im Falle eines Problemes dem Piloten mehr Zeit zur Reaktion geben. In Rio ist die Start- und Landebahn des im Meer liegenden Stadtflughafens Santos Dumont übrigens auch wie in Congonhas sehr kurz, ich selbst saß schon in Flugzeugen, die beim Landeanflug in Rio durchstarteten und einen zweiten Versuch machen mußten. In Congonhas war ich einmal in einer Maschine, die bei schwerem Regen fast auf der daneben liegenden Avenida Bandeirantes landete, ebenfall durchstartete und dann nach Guarulhos flog, übrigens ohne Angabe eines Grundes durch den Piloten. Aber Passagiere werden wohl auf der ganzen Welt wie Kleinkinder behandelt. Wir durften uns damals unser Gepäck nach einer Taxifahrt dann in Congonhas abholen, weil unsere - leere - Maschine dorthin zurückgeflogen wurde, nachdem die Passagiere abgesetzt worden waren.

Bezeichnend ist die Zurückhaltung des Staatspräsidenten, der sich bisher nicht öffentlich zum Flugzeugunglück geäußert hat, wohl aus Sorge, daß dieses seinem Image schaden wird und daher das "auf Tauchstation gehen" die beste Politik ist.

15 Juli 2007

Gehaltsniveau in Brasilien

Im Mittel verdienten abhängig in Lohn und Brot stehende Brasilianer im Juni 2007 monatlich soviel (brutto) in R$ (Quelle: Deloitte, veröffentlicht im Estado de São Paulo am 15.7.2007):

VERWALTUNG / ALLGEMEINE DIENSTE
Anwalt 3.023 (Anfänger) bis 6.338 (Senior)
Küchenhilfe 654
Verwaltungsassistent 1.558
Verwaltungshilfskraft 1.234
Küchenhilfe 842
Köchin 1.055
Reinigungskraft 678
Leiter der juristischen Abteilung 10.944
Bote 610
Fahrer (Pkw) 1.346
Fahrer (Lkw) 1.090
Cheffahrer 1.765
Portier 807
Empfangsdame 1.085
zweisprachige Sekretärin 3.585
Sekretärin eines Firmenchefs 5.070
Direktionssekretärin 3.925
Zweitsekretärin 1.698
Sekretärin 2.678
Gruppenleiter allgemeine Dienste 4.530
Telefonistin 939
Wächter 1.324

PERSONALVERWALTUNG
Analytiker (von Lebensläufen?) 2.084 (Anfänger) bis 4.192 (Senior)
Personalassistent 1.888
Sozialassistent 2.586
Hilfskrankenpfleger für Arbeitsmedizin 2.011
Hilfskraft Personalwesen 1.390
Arbeitssicherheitsingenieur 5.077
Leiter Personalwesen 11.413
Arbeitsmediziner 5.027
Personalauswahlkraft 2.693
Gruppenleiter Personalverwaltung 6.110
Arbeitssicherheitstechniker 2.433

MARKETING UND VERTRIEB
Marketinganalytiker 3.608
Marketingassistent 2.055
Verkaufsassistent 1.924
Telemarketingkraft 1.322
Assistent Verkaufsverwaltung 1.457
Leiter Vertrieb und Marketing 10.681
Kundendienstleiter 11.340
Produktlinienleiter 13.481
Marketingleiter 11.585
Produktleiter 7.710
Leiter Inlandsvertrieb 13.636
Regionalleiter Inlandsvertrieb 9.370
Telemarketingoperateur 815
Gruppenleiter Verkaufsverwaltung 4.818
Gruppenleiter Kundendienst 5.069
Gruppenleiter Kundenservice 4.932
Gruppenleiter Marketing 5.897
Gruppenleiter Telemarketing 4.057
Gruppenleiter Vertrieb 6.081
Großhandelsverkäufer 3.818
Einzelhandelsverkäufer 2.164
Technischer Verkäufer 4.058

BUCHHALTUNG UND FINANZEN
Buchhalter 2.628 (analista contábil)
Rechnunsgwesen 2.215 (Anfänger) bis 4.666 (Senior) (analista financeiro)
Buchhaltungsassistent 1.918
Rechnungswesenassistent 1.896
Buchhaltungshilfskraft 1.724
Finanzwesenhilfskraft 1.278
Leiter Finanz- und Rechnungswesen 11.768
Buchhaltungsleiter 10.972
Controllingleiter 12.808
Finanzleiter 11.094
Gruppenleiter Buchhaltung 5.685
Gruppenleiter Zahlungsverkehr 5.164
Gruppenleiter Fakturierung 5.646

INFORMATIK
Anwendungsanalytiker 4.934 (analista de negócios)
Netzwerkanalytiker 4.354 (analista de rede)
Systemanalytiker 3.094 (Anfänger) bis 6.382 (Senior)
Techniker Anwenderunterstützung 2.646 (Anfänger) bis 5.737 (Senior)
Leiter Systementwicklung 11.279
Leiter Informatik 11.605
Computeroperator 1.247 (Anfänger) bis 2.903 (Senior)
Gruppenleiter Netzwerksverwaltung 7.184

PRODUKTION, INSTANDHALTUNG, BAUWESEN
Instandhaltungshilfskraft 1.071
Laborant 2.605
Architekt 4.328
Laborhilfskraft 1.318
Hilfsarbeiter 753
Kesselschmied 1.528
Konstrukteur 2.597
Instandhaltungselektriker 1.652
Klempner 1.825
Instandhaltungsingenieur 4.522
Bauingenieur 3.587 (Anfänger) bis 6.952 (Senior)
Betriebsingenieur 4.314
Qualitätsingenieur 4.128
Produktentwicklungsingenieur 2.973 (Anfänger) bis 4.731 (Senior)
Werkzeugmacher 2.465
Werkzeugmacherfräser 3.066
Leiter Qualitätskontrolle 10.964
Leiter Produktentwicklung 10.950
Leiter Engineering 10.212 (Arbeitsvorbereitungsleiter)
Import - Export - Leiter 10.094
Instandhaltungsleiter 9.921
Fertigungsleiter 10.710
Qualitätswesenleiter 10.632
Produktionsleiter 13.106
Fertigungsgruppenleiter 2.444 (Meister)
Schreiner 1.080
Instandhaltungsmechaniker 1.939
Klimaanlagenmechaniker 1.856
Facharbeiter 2.562
Monteur 1.020
Maschinenbediener (automatische Maschinen) 1.317
Produktionsarbeiter 1.1.30
Maurer 788
Instandhaltungslackierer 1.021
Lackierer 1.829
Fertigungsplaner 2.431
Entwickler 4.046
Sägereiarbeiter 1.151
Schweißer 1.921
Gruppenleiter Qualitätskontrolle 5.051
Gruppenleiter Logistik 5.428
Gruppenleiter Instandhaltungselektriker 5.125
Gruppenleiter Instandhaltung allgemein 4.766
Gruppenleiter Instandhaltungsmechaniker 4.396
Baustellengruppenleiter 6.744
Gruppenleiter Produktion 4.798
Bautechniker 1.883
Prozesstechniker 3.234 (Arbeitsvorbereiter)
Elektroniktechniker 2.511
Chemotechniker 2.348

MATERIALWESEN, LOGISTIK
Lagerist 1.494
Import - Export - Analytiker 2.933
Lagerhilfskraft 1.114
Einkaufshilfskraft 1.488
Versandhilfskraft 857
Materialeinkäufer 2.435
Technischer Einkäufer 2.435 (Anfänger) bis 4.528 (Senior)
Einkaufsleiter 10.965
Leiter Logistik 10.093
Gabelstaplerfahrer 1.160
Gruppenleiter Lager 4.414
Lager- und Versandgruppenleiter 4.104
Einkaufsgruppenleiter 5.599
Import - Export - Gruppenleiter 5.827

GESUNDHEITSWESEN
Hilfskrankenpfleger 1.407 (180 h)
Apothekenhilfskraft 953
Leiter Krankenschwesterwesen 4.894
Krankenpfleger - Krankenschwester 2.946
Apotheker 2.514
Ernährungstechniker 2.550
Krankenpflegetechniker 1.877 (180 h)

Zur Umrechnung sei gesagt, daß heute der Euro knapp 2,60 R$ wert ist.

Zahl der Arbeitsplätze in Brasilien wächst

Im ersten Halbjahr 2007 überstieg die Zahl der Einstellungen die der Kündigungen um eine Million und das sei extra gesagt, weil es in Brasilien keine Selbstverständlichkeit ist, ohne Berücksichtigung von Schwarzarbeit. Wobei unsere Schattenwirtschaft "nicht registrierte Arbeitsplätze" bietet und die Arbeitnehmer, die von diesem Angebot Gebrauch machen, durchaus im Schatten stehen, weil sie von den Segnungen der Sozialabgaben nicht erreicht werden. Wobei diese sich in Grenzen halten, die Segnungen nämlich, nicht die Abgaben. Nur zur Erinnerung, die Kosten eines Arbeitnehmers liegen für den Arbeitgeber in der Höhe eines zweiten Bruttolohnes für den Beschäftigten. Zweiter Hinweis, in Brasilien wird nicht zwischen Lohn und Gehalt unterschieden und der Begriff trabalhador = Arbeiter ist Synonym für eine Person in einem Arbeitsverhältnis, unabhängig von der Beschäftigung, sei diese die Leitung eines Laboratoriums oder das Spülen von Reagenzgläsern.

Die Neueinstellungen wurden mit Rekordwerten in der Viehzucht und im Bauwesen vorgenommen und erreichten bei der Industrie und im Dienstleistungssektor die zweithöchsten Werte seit Beginn der Aufzeichnungen 1992 im CAGED = cadastro geral de empregados e desempregados des Arbeitsministeriums.

13 Juli 2007

Fragen zu Brasilien

Viele Blogleser kommen zu BRASILIEN AKTUELL über Einträge bei Google und anderen Suchmaschinen. Die häufigsten Anfragen betreffen Export nach Brasilien, Marktdaten, Lebenshaltungskosten, Firmendaten u.ä.

Wenn Sie, lieber Leser, im Blog keine Antworten finden, scheuen Sie sich bitte nicht, mir Ihre Fragen direkt zu schicken: kkn@eurolatinainternational.com.br

Im Rahmen meiner Möglichkeiten beantworte ich Ihre Fragen gerne bzw. sage Ihnen, wo Sie eine Antwort finden können.

12 Juli 2007

Nationalstolz oder Nationalismus?

Die Stadtverwaltung von São Paulo macht es allen Schülern, Lehrern und Mitarbeitern der öffentlichen Schulen zur Pflicht, wenigstens einmal in der Woche die brasilianische Flagge zu hissen und die Nationalhymne zu singen. Das Gesetz 14.473 dazu wurde am 11. Juli 2007 im Diário Oficial # 125 veröffentlicht. Hoffentlich hilft diese Maßnahme, den Stolz auf das eigene Land so zu steigern, daß die heutigen Schüler als Erwachsene (d.h. ab 16 Jahren) ihrer Wahlpflicht so nachkommen, daß korrupte Politiker keine Chance mehr haben.

09 Juli 2007

Real - Wechselkurs, Dollar im freien Fall?

Kaum bin ich nach drei Wochen Europa wieder in Brasilien, muß ich lesen, daß heute der US-Dollar mit 1,898 R$ gehandelt wurde. Das ist der niedrigste Dollarkurs seit dem 20.10.2000! Gegenüber dem Höchstkurs hat er ungefähr die Hälfte seines Wertes verloren! Das ist die Kursentwicklung der letzten 5 Jahre:


Und der Euro ist auch nicht mehr das, was er mal war:

11 Juni 2007

Für heute die letzten Fotos von São Paulo


Bilder, Bilder, Bilder...immer noch aus Sao Paulo





Weitere Bilder von Sao Paulo





Fotos von São Paulo





Das erwartet der "normale" Westeuropäer von Brasilien, aber in São Paulo ist es nicht die Norm!

Hier sehen Sie mich mit einer Phyton, die allerdings aus Indien komt. Für die Tierschützer sei angemerkt, daß sie bei der zuständigen brasilianischen Behörde angemeldet und von ihr registriert und genehmigt wurde.


 

Wo klickt man in die Eurolatina - Homepage?

2.471 Besucher in der Zeit vom 21.2. bis 11.6.2007:



Entweder spricht in Afrika und Rußland keiner Deutsch oder niemand interessiert sich für Brasilien?! Für ein größeres Bild klicken Sie bitte in das selbige.

10 Juni 2007

Informatikmarkt in Brasilien wächst ungebremst

2001 wurden nur 4 Mio. PCs in Brasilien verkauft, in diesem Jahr werden es 8,6 Mio. sein. Damit erhöht sich die Anzahl der PCs im Lande von damals 14 Mio. auf 40 Mio. Einheiten. Der Umsatz der Informatikindustrie stieg von 12,8 Mrd. R$ im Jahr 2000 auf 29,4 Mrd. R$ im letzten Jahr. Seit 2004 halbierte sich der Preis von PCs durch den starken R$ und den Wegfall der PSI/Cofins-Abgabe im Rahmen des Regierungsprogrammes "Computer für alle". Brasilien nimmt im PC-Verkauf heute den dritten Platz weltweit nach den USA und China ein. Nur bei den Laptops hapert es noch, da liegen wir auf Platz 8. Ihr Anteil am brasilianischen Computermarkt beträgt nur 10 % gegenüber 50 % in den USA und 70 % in Japan oder, in Lateinamerika, 25 % in Mexiko und 30 % in Chile.

Für die nächsten drei bis fünf Jahre wird ein Wachstumspotential für PCs in Brasilien von jährlich 20 % gesehen, der Laptopmarkt soll sich bis 2010 verdoppeln und dann einen Anteil von 35 % an den gesamten Computerverkäufen erreichen. Es gibt kühne Stimmen, die vorhersagen, daß in Kürze in Brasilien mehr Computer als Fernseher verkauft werden.

Schecks verlieren auch in Brasilien an Bedeutung

In Deutschland ist das Zahlen per Scheck völlig ungebräuchlich, d.h. eigentlich für den Normalverbraucher unmöglich. In Brasilien wurden 1994 noch 4,1 Mrd. Schecks ausgestellt, 2006 waren es nur noch 1,7 Mrd. Demgegenüber lag die Anzahl Kreditkartenzahlungen 1994 bei nur 0,18 Mrd, stieg aber im Vorjahr auf 1,99 Mrd.

Ende 2006 gab es 379 Mio. Kredit- und Cashkarten für 190 Mio. Brasilianer, mit denen 4,3 Mrd. Transaktionen im Wert von 246,3 Mrd. R$ ausgeführt wurden. Diese Karten werden von den meisten Leuten, die die Zahlung empfangen, nur oberflächlich angesehen, denn die Standardfrage an den Zahlenden ist hier "Debit oder Kredit?".

Übrigens kann man selbst auf manchen Wochenmärkten z.B seinen Fisch per Kreditkarte bezahlen.

Brasilianer kaufen größere Autos

Als ich 1978 in Brasilien ankam und mich wunderte, daß es viele zweitürige Wagen gab, sagte man mir, "die" Brasilianer wollen keine anderen Autos, was mir schon damals wie eine Ausrede der Fahrzeugindustrie vorkam, die die Investitionen für Viertürer scheute. Klimaanlagen, Hydrauliklenkung und andere Annehmlichkeiten mußten teuer extra bezahlt werden und waren dementsprechend selten.

Heute - sicher durch den Druck, den die Importe moderner Fahrzeuge ausübten, und durch die Überseereisen vieler Brasilianer, die im Ausland merkten, wie überholt "unsere" brasilianischen Fahrzeuge waren - ist die Kaufkraft der Autokäufer gestiegen und ihre Modellauswahl hat sich wesentlich geändert. Zwischen 2000 und 2003 lag der Anteil der Kleinwagen mit 1.000 ccm - Motor und Grundausstattung noch bei ca. 60 %, heute sind es nur noch 46 %. Kompaktautos mit stärkerem Motor und kleine Limousinen konnten ihren Anteil von 7 auf 26 % steigern.

Im letzten Jahr wurde das Classic - Modell von GM zu 66 % in der Billigversion, die um die 26.000 R$ kostet, verkauft und nur zu 34 % mit Servolenkung, Kliamanlage und potenter Stereoanlage für 33.500 R$. Heute hat die Basisversion nur noch 40 % Anteil und das besser ausgestattete Modell 60 %. Zu dieser Umkehrung der Verhältnisse hat natürlich auch die bessere, sprich langfristigere und billigere, Finanzierungsmöglichkeit beigetragen und die stabilen wirtschaftlichen Verhältnisse, die das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten, die Raten auch zahlen zu können, bestärkt.

Dieses Jahr will die brasilianische Autoindustrie 2,2 Mio. Fahrzeuge verkaufen, gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs um 14,5 %. Der bisherige Höchstwert war 1,9 Mio. Fahrzeuge, die 1997 im Inland abgesetzt wurden. Damals waren 64 % der Autos Kleinwagen.

Brasilianische Eisenbahnunternehmen investieren wieder

Zwei Projekte alleine werden schon über 1,2 Mrd. R$ erfordern, nämlich der Bau eines Eisenerzförderbandes (10 Mio. Jahrestonnen Förderkapazität!) zwischen Paranapiacaba und Guarujá mit Endstation im Stahlwerk Cosipa sowie der Eisenbahnring von São Paulo, der den Transport zum Hafen von Santos, der für 26 % des brasilianischen Außenhandels gut ist, wesentlich erleichtern wird.

Bis 1020 wird Brasilien zusammen mit den Projekten der Transnordestina und der Ferrovia Norte-Sul 2.000 km neue Schienenwege dazubekommen, die staatliche Entwicklungsbank BNDES projiziert dafür 12,5 Mrd. R$.

08 Juni 2007

Länderrisiko Brasilien

Das Länderrisiko, gemessen mit dem Schuldtitelindex für Schwellenländer EMBI+ der JP Morgan - Bank, schwankte heute für Brasilien ganz ungewöhnlich zwischen 133 und 151 Punkten. Es ist sicher gut, die weitere Entwicklung zu beobachten, um keine Trendwende zu verschlafen, obwohl eigentlich nichts auf eine Verschlechterung hindeutet - die Vorzeichen für Brasiliens Wirtschaft sind weiterhin günstig und die Börse schlägt - noch - einen Rekord nach dem anderen. Gurus sehen aber keine gefährliche Blase, hoffentlich irren sie nicht und sie platzt doch.

07 Juni 2007

Personal entlassen und die Folgen tragen

Brasilianische Mitarbeiter sind anders als ihre deutschen Pendants, das muß gerade der ausländische Chef verstehen und berücksichtigen. Je größer der soziale Abstand, desto höflicher sollte er sie behandeln, ein falsches Wort und der Mitarbeiter wirft einem im Affekt alles hin und ist weg. Und da er mit 30 Tagen Frist kündigen kann und der Arbeitgeber ihn in diesen 30 Tagen Gelegenheit für Vorstellungsgespräche geben muß, hat man seinen Mitarbeiter meist sofort verloren, denn wenn man ihn zum Verbleib zwingt, kündigt er auch innerlich.

Es gibt noch eine besondere Art der Kündigung eines Arbeitnehmers, nämlich die provozierte Kündigung durch den Arbeitgeber, damit der Arbeitnehmer an seinen fundo de garantia kommt. Auf ein Sonderkonto des Arbeitnehmers muß nämlich der Arbeitgeber jeden Monat 8 % des Gehaltes einzahlen, die der Arbeitnehmer nur bekommt, wenn ihm gekündigt wird, nicht, wenn er selbst kündigt. Hat er z.B. bei drei anderen Arbeitgebern gekündigt und braucht dieses Geld, dann kommt es durchaus vor, daß er seine Kündigung provoziert. dabei versteht er es, den Bogen nicht zu weit zu spannen, um keine fristlose Kündigung rechtzufertigen. Das Problem für den Arbeitgeber ist die z.Z. 50%ige Strafe, die er auf das im letzten Beschäftigungsverhältnis angesammelte Guthaben zahlen muß, wenn er die Kündigung ausspricht.

Man kann mit 30 Tagen Kündigungsfrist auch jeden Arbeitnehmer entlassen, muß aber die erwähnten 40 % + „vorübergehend“ weitere 10 % des aktuellen FGTS - fundo de garantia por tempo de serviço - Guthabens des Arbeitnehmers (Ausnahme: fristlose Entlassung oder Kündigung durch den Arbeitnehmer) als Strafe zahlen, dazu natürlich für die 30 Tage, in denen der Gekündigte normalerweise nicht mehr arbeitet, die Bezüge einschließlich pro rata temporis das gesetzlich vorgeschriebene 13. Gehalt und das Urlaubsgeld. Das Entlassen kann also teuer werden. Darüber hinaus hat der ex - Arbeitnehmer 3 Jahre Zeit, seinen ex - Arbeitgeber auf Überstundenzahlung etc., etc., etc. zu verklagen, was in Brasilien offensichtlich eine Art Volkssport ist.

In den USA werden jährlich 75.000 Arbeitsgerichtsprozesse angestrengt, in Frankreich 70.000 und in Japan nur 2.500. In Brasilien sind es sage und schreibe 2 Millionen mit steigender Tendenz. 2005 wurde an die Kläger, wobei darunter Arbeitnehmer zu verstehen sind, 7,19 Mrd. R$ gezahlt, in 2006 waren es sogar 13 % mehr. Pro 1.000 R$ Streitwert kostet ein Prozeß die Justizbehörden im Mittel 1.300 R$, also im Jahr 2.000.000 x 1.300 = 2,6 Mrd. R$! Kein Wunder, daß Spezialisten die Arbeitsgesetzgebung als anachronistisch, überholt, zu detailliert und irreal bezeichnen und ich füge noch teuer hinzu. 



Personal beschäftigen

„Der“ brasilianische Arbeitnehmer ist meist lernwillig, nimmt lange Arbeitszeiten als selbstverständlich hin, ist aber nicht unbedingt loyal, wenn er woanders mehr verdient. Seine positive lebensbejahende Einstellung trotz widriger Umstände ist eine typische brasilianische Eigenschaft, auch die Vorliebe für „permanentprovisorische“ Problemlösungen. Dabei ist der Brasilianer flexibel und schnell, aber wegen der patriarchalischen Leitung in eigentümergeführten Unternehmen entscheidet er ungern, das ist dem Chef vorbehalten und das muß man bei Verhandlungen berücksichtigen.

Gute Fremdsprachenkenntnisse sind selten und dementsprechend müssen sie gut bezahlt werden. Ausbildungsmängel können durch firmeninterne und externe Kurse beseitigt werden, manche der großen Firmen unterhalten für die Fabrikarbeiter regelrechte Schulen.

Sobald ein Unternehmen fest angestellte Mitarbeiter hat, hat es leider auch Probleme, seien die Mitarbeiter noch so nett, einsatzfreudig und erfolgreich. Diese Probleme bestehen aus hohen Zusatzkosten, denn die Lohnnebenkosten betragen bis zu 100 %, aus erhöhtem Verwaltungsaufwand, je nach Branche und Firmengröße eventuell aus Ärger mit der Gewerkschaft, aus Gerichtprozessen, die von ehemaligen Mitarbeitern angestrengt werden und aus Verhandlungsaufwand für die Festlegung der Kriterien, die zu der im Grundgesetz verankerten Mitarbeitererfolgsbeteiligung benutzt werden und die der Gewerkschaft zur Kenntnis - nicht zur Genehmigung - mitgeteilt werden müssen. Das Wort Erfolgsbeteiligung ist mit Bedacht gewählt worden, es handelt sich nicht um eine Gewinnbeteiligung, sondern um eine Bonuszahlung für den Fall, das vorher vereinbarte Ziele irgendwelcher Art erreicht wurden, z.B. Produktionserhöhung, Absatzsteigerung, Kostensenkung oder Termineinhaltung. Was bedeutet, daß auch, wenn eine Firma Verlust macht, sie diesen Bonus zahlen muß, wenn die vereinbarten Ziele erreicht wurden.

Aus allen diesen Gründen heraus gibt es in Brasilien eine Schattenwirtschaft, die sich auf nicht registrierte Mitarbeiter stützt, für die keine Krankenkassenbeiträge und keine für die Sozialversicherung usw. abgeführt werden. Das bedeutet nicht nur, daß solche Mitarbeiter meist von der Hand in den Mund und, was ihren Arbeitsplatz angeht, höchst unsicher leben, sondern auch, daß solche Unternehmen natürlich eine unlautere Konkurrenz für die Unternehmen, die die Last der 100 % Lohnnebenkosten tragen, darstellen. Und dies erklärt auch, warum der Staat als Arbeitsgeber so beliebt in Brasilien ist. Der zahlt nämlich nominell schlecht, aber durch viele Zusatzleistungen kann der Beamte oder Angestellte des öffentlichen Dienstes seine Bezüge vervielfachen und bekommt außerdem noch eine Pension, die mindestens seinen letzten Bezügen als Aktiver entspricht und oft diese noch durch eine vorhergehende Beförderung übersteigt. Was - dies sei nur am Rande angemerkt - wesentlich zur Notwendigkeit einer Sozialversicherungsreform beiträgt.

Personal einstellen

Die Probleme fangen bei der Personalsuche an, denn auf eine Zeitungsanzeige melden sich manchmal mehrer hundert Bewerber und oft nur auf den Verdacht hin, daß die suchende Firma vielleicht auch ihn, den Bewerber, braucht, obwohl die Anzeige auf eine ganz andere Person zugeschnitten ist. Man sollte sich also nicht wundern, wenn man einen Produktionsingenieur sucht und sich auch ein Buchhalter meldet. Dazu kommt, daß Arbeitgeberzeugnisse völlig unbekannt und ungebräuchlich sind, man also auf Interviews und Referenzen zur Beurteilung der Bewerber angewiesen ist. Auch die Ausbildungszeugnisse sagen wenig aus, wenn sie nicht von einer bekanntermaßen erstklassigen Ausbildungsstätte sind. Aus diesem Grund greifen die meisten Firmen auf Personalberater zurück und diese wiederum nehmen selten zu Anzeigen Zuflucht, sondern versuchen gute Leute, die erfolgreich bei einer Firma arbeiten, aus dieser herauszulösen.

Man hüte sich davor, die Lebensläufe, mit denen man täglich per E-Mail überhäuft wird, allzu ernst zu nehmen, die große Mehrzahl davon ist von professionellen Personalvermittlern geschrieben, die im Auftrag des Kandidaten arbeiten und oft Phantasieprodukte abliefern.

Lebensläufe sind nicht unbedingt nach europäischen Schema aufgebaut, man muß sich durch Details wie Führerscheinnummer, dem Beruf der Frau und dem Studiengang der Kinder sowie irrelevanten Kursen zu den wichtigen Informationen durchkämpfen und findet vielleicht das Alter nicht, weil es schlichtweg nicht angegeben wurden. Lückenhafte Lebensläufe sind nicht selten und Aussagen wie fließendes Englisch sollte man nachprüfen. Viele Arbeitgeber, bei denen der Kandidat manchmal weniger als ein Jahr verweilte, sind kein Ausdruck für job hopping, sondern werden als Ausdruck von Dynamik gewertet. Auch sollte man sich nicht wundern, wenn 5ojährige Ingenieure auch eine abgebrochene Ausbildung als Betriebswirt absolvierten und abends Jura studieren.

Wenn es um die Bezüge geht, sollte man sich nichts vormachen, Brasilien ist kein Billiglohnland, gute Führungskräfte kosten ebensoviel wie in Europa und billige angelernte Arbeitskräfte sind so wenig produktiv, daß man so viele davon braucht, daß man gleich eine gute Kraft einstellen kann.

Warum Brasilien?

Wenn Sie in die Überschrift klicken, werden Sie es erfahren, dann kommen Sie nämlich zu meinem Vortrag vom 21.6.2007 in Mainz auf dem Außenwirtschaftsforum. Unter http://www.forum-aussenwirtschaft.de können Sie das Programm lesen.

Eine der Gründe, der zu unternehmerischer Aktivität in Brasilien animieren kann, ist die gerade erfolgte Leitzinssenkung auf 12 % im Jahr. Damit sind wir zwar immer noch Weltmeister, denn wir führen die folgende Aufstellung der Realzinsen der nächsten 12 Monate leider immer noch an, aber gegenüber der Vergangheit ist es doch ein Fortschritt:

8,3 % Brasilien
7,6 % Türkei
5,2 % Israel
3,9 % Australien
3,6 % China

Die im täglichen Leben in Brasilien praktizierten Jahreszinsen sehen ganz anders aus:

100 % Handel
223 % Kreditkarte
146 % Überziehungskredit
87 % Bankkredit für natürliche Personen

Und wer von den Banken nichts bekommt, kann Zuflucht bei den Finanzhaien suchen, die Kleinkredite vergeben, für die Lappalie von 265 %.

Aber wir sind auf dem richtigen Weg, der Leitzins wird zum Jahresende voraussichtlich 10,5 anstelle der heutigen 12 % pro Jahr betragen und die Inflation nur 3 % pro Jahr. Und damit kann man - zumindestens in Brasilien - schon zufrieden sein.

01 Juni 2007

US$ bei 1,90 R$ - Quo vadis, greenback?

Die Kursentwicklung des US$ zum R$ der letzten 5 Jahre:


Die Kursentwicklung des € zum R$ der letzten 5 Jahre:


Die Kursentwicklung des € zum US$ der letzten 5 Jahre:


Die Kursentwicklung des US$ zum R$ der letzten 12 Monate:


Die Kursentwicklung des € zum US$ der letzten 12 Monate:


Die Erklärung von heute, als der US$ die Marke von 1,90 R$ erreichte, war das Geld, was Mittal nach Brasilien schicken wird. Traurig, wenn eine einzige Firmenübernahme den Kurs einer Währung so merkbar beeinflußt.

Wer mehr wissen will, sollte sich meinen Vortrag auf dem Außenwirtschaftsforum in Mainz am 21.6.2007 über Geschäfte mit und in Brasilien anhören. Und natürlich die Vorträge anderer Personen, die sich auf diesem Feld auskennen. Näheres bei Kim Gronemeier von der IHK Pfalz unter kim.gronemeier@pfalz.ihk24.de oder unter k.k.naumann@mac.com bei mir.

28 Mai 2007

Brasiliens Geschäftsleute vertrauen auf die Binnenkonjunktur und investieren wie seit 1999 nicht mehr

Laut einer SERASA-Untersuchung von 43.300 Jahresabschlüssen haben brasilianische Firmen so viel wie seit 1999 nicht mehr investiert:


Die absoluten Werte 2006 gegenüber dem Vorjahr weisen ebenfalls sehenswerte Zuwächse aus:


18.800 der analysierten Jahresabschlüsse stammten aus dem Handel, 14.100 aus dem Dienstleistungssektor und 10.400 aus der Industrie. Der Investitionsindex (Investition in % des Nettoumsatzes) betrug, heruntergebrochen auf Sektor und Aktivität (in Klammer Wert von 2005):

DIENSTLEISTUNG
11,7 (10,6) Elektroenergie
12,1 (12,8) Festnetztelefonie
19,4 (27,1) Mobilnetztelefonie
13,7 (12,8) Transport
15,0 (17,2) Gas
13,1 (10,8) Summe

INDUSTRIE
7,9 (5,2) Nahrungsmittel
7,8 (6,1) Petrochemie
6,1 (5,7) Stahlerzeugung
31,1 (14,3) Papier und Zellulose
7,5 (6,7) Summe

HANDEL
1,2 (1,6) kleiner Lebensmitteleinzelhandel
1,4 (1,9) Supermärkte
1,4 (1,2) Lebensmittelgroßhandel
1,3 (1,4) Summe

Als Beispiel für deutsche Investitionen diene die Firma Mauser, größter Hersteller von Kunststoff- und Metallverpackungen Brasiliens, die in diesem Jahr schon 60 Mio. R$ investiert hat, 50 Mio. R$ davon für die Fertigstellung einer neuen Fabrik im Industriepark von Bayer in Belford Roxo in der Nähe Rio de Janeiros, die 300 neue Arbeitsplätze schafft.

Daß Brasilien ein Land der Gegensätze ist, zeigt eine Meldung des Schweizer Wirtschaftsinstitutes, nach der Brasilien aufgrund der ungebrochenen Korruption jährlich auf 1,5 Mrd. US$ verzichtet, die sonst unser BIP weiter vergrößern würden. Hier ist noch ein unbestelltes Feld für unser Parlament und die Regierung.

25 Mai 2007

Sichere Flüge

Ich bin häufig beruflich in Europa und ärgere mich immer, wenn ich vor einem Weiterflug in Frankfurt bis zu 40 Minuten durch eine zusätzliche Sicherheitskontrolle - Schuhe inbegriffen - verliere und so dumme Auskünfte wie "das ist von ganz oben angeordnet" bekomme, wenn ich nach dem Sinn frage. Allerdings habe ich selbst Zweifel bekommen, als ich kürzlich von Zürich nach Stuttgart flog und direkt am Flugsteig, also nach der Handgepäck- und Personenkontrolle, noch schnell ein Mitbringsel für meine Frau kaufen wollte. Denn u.a. wurden die berühmten schweizer Taschenmesser angeboten und auf meine Frage, ob denn dies erlaubt sei, bekam ich die herzige Antwort "natürlich, sonst könnten wir ja unseren Laden dicht machen"! Schweiz, dir geht es besser?!

"Executive Search in Brasilien" oder "Wie besetze ich eine Führungsposition aus der Ferne?"

Wer eine Position im Ausland zu vergeben hat, muß bei der Auswahl eines Bewerbers nicht nur dessen Fach- und Führungskompetenz beurteilen, sondern auch seine Fähigkeit, sich in im Ausland zurechtzufinden, wohlzufühlen und akzeptiert zu werden, denn die interkulturelle Kompetenz hat großen Einfluß auf den Erfolg der ausgesuchten Führungskraft. Wenn schon die sogenannte Firmenkultur von Betrieb zu Betrieb stark unterschiedlich ist und die Integration eines neuen Mitarbeiters manchmal erheblich erschwert, umsomehr tut dies die unterschiedliche Kultur zweier Länder. Deshalb suchen Firmenchefs für die Leitung ihrer Auslandstöchter vermehrt Kandidaten, die bereits im Lande wohnen und arbeiten, wobei diese Einheimische oder Landsmänner sein können, die schon lange im Ausland tätig sind.

In Brasilien, wo wir mehrere Geschäftsführerpositionen besetzen konnten, findet man bei großen deutschen Firmen immer weniger Expatriates, weil diese erstens teuer und zweitens schwierig zu finden sind. Der Expatriate ist nicht nur deshalb teuer, weil er meist mehr verdient als der Brasilianer, sondern weil er oft schon eine auch sprachenbedingte lange Einarbeitungszeit braucht und weil seine Rückführung ebenfalls Geld kostet und diese manchmal aus so prosaischen Gründen wie Probleme mit der Ehefrau, die sich im fremden Land nicht einleben kann, notwendig wird. Deshalb gibt es bei manchen Konzernen die Regel, daß Mitarbeiter der zweiten Führungsebene, die auf Dauer im Ausland bleiben möchten, ihren Gesandtenvertrag nach drei bis fünf Jahren gegen einen einheimischen Vertrag eintauschen müssen.

Wer der Usancen- und Branchenvertrautheit im fremden Land mehr Gewicht zumißt als dem Stallgeruch, sucht deshalb anstelle eines Bewerbers aus dem eigenen Hause einen Einheimischen als Führungskraft, der dann oft das umgekehrte Sprachproblem hat, wenn er die im Mutterhaus gesprochene Sprache nicht beherrscht. Gute Englischkenntnisse beheben dieses Problem, verhindern aber nicht, daß der neue Mann nun im Mutterhaus ein Ausländer ist, der sich eventuell mit der dortigen Landeskultur nicht auskennt.

Hier muß der Personalberater besonders vorsichtig bei der Vorauswahl der Kandidaten und seiner Empfehlung sein, der Berater sollte deshalb unbedingt ein Landeskenner sein und auch die Landessprache beherrschen, wenn er den ausländischen Kandidaten richtig beurteilen will. Gerade in Brasilien kommt erschwerend hinzu, daß es keine Arbeitszeugnisse gibt, man muß sich zunächst auf oft noch nicht einmal vom Bewerber selbst geschriebene Lebensläufe verlassen, dann auf den eigenen Eindruck und nicht zuletzt auf sorgfältig recherchierte Referenzauskünfte. Der Weg, einen Landsmann, der schon lange im Ausland lebt und arbeitet, für die zu vergebene Position zu wählen, ist oft kein Ausweg, sondern ein Irrweg, wie es unsere Praxis zeigt. So kommt ein Einheimischer als vertriebsorientierter Geschäftsführer oder Personalleiter oft besser bei seinen eigenen Landsleuten an als ein Ausländer und erzielt auch besserer Ergebnisse. Wenn es sich um eine technologielastige Position im Produktions- oder Entwicklungsbereich handelt, hat wiederum der Ausländer, speziell der Deutsche, gute Karten, weil ihm der Brasilianer oft mehr zutraut als den eigenen Landsleuten.

Wichtig ist für den Auftraggeber auch, dass er sich auf die Fachkenntnisse des Beraters bei der Arbeitsvertragsgestaltung stützen kann, denn hier muß unbedingt die brasilianische Gesetzgebung berücksichtigt werden. Was es hier zu beachten gilt und welche Hürden bei der Visumserteilung für einen erfolgreichen Bewerber, der als nicht in Brasilien lebender Ausländer keine brasilianische Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung hat, zu nehmen sind, wird in einem anderen Artikel behandelt werden.

23 Mai 2007

Deutsche Exporteure freuen sich, der Real wird immer stärker

€-Kurs der letzten 3 Monate:


€-Kurs vom 23.5.2007:


Das Länderrisiko Brasilien lag übrigens am 21. Mai 2007 bei nur 139 Punkten, dem bisher niedrigsten Wert überhaupt, also der richtige Zeitpunkt zum Investieren! Zu diesem Thema erfahren Sie mehr, wenn Sie in die Überschrift klicken! Mit dem Klick laden Sie meinen Vortrag "Brasilien - Investitionen planen und erfolgreich umsetzen", den ich im April in Zürich gehalten habe. Meinen nächsten Vortrag zum Thema Brasilien halte ich am 21.6.2007 in Mainz, Näheres bei Frau Kim Gronemeier von der IHK Pfalz, Kontakt über kim.gronemeier@pfalz.ihk24.de.

21 Mai 2007

Eurolatinabüro in Chile


Viele meiner Blogleser wissen, dass ich zusammen mit der IHK Essen den Firmenpool Brasilien / Mercosur aufgebaut habe und diesen für die Kammer jetzt schon über 10 Jahre leite. Bisher stützte ich mich dabei bei Projekten außerhalb Brasiliens in Lateinamerika auf meine Partner Christian V. Schmehlik in Buenos Aires und Eike Ingo Friese in Caracas. Ab 1.6.2007 gesellt sich Malte Medo dazu, der in Valparaíso sitzt. Er ist Diplomingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik und Diplomwirtschaftsingenieur der TU Braunschweig, hat zusätzlich in Kanada studiert und bereits früher in Chile gewohnt, wo er auch die Schule besucht hat. Er ist Spezialist für Industrial Engineering und schließt in Kürze seine Doktorarbeit (Dr.-Ing.) an der TU Braunschweig ab.

Herr Medo kann Poolmitgliedern und Kunden, die mit Eurolatina über ein Direktmandat arbeiten, u.a. bei Projekten aus den Bereichen Fabrikplanung, Qualitätssicherungssysteme, Fabriklogistik, Prozeßoptimierung und Auftragsabwicklung helfen.

06 Mai 2007

Polizistenmorde

Als am 25. April 2007 in Heilbronn eine Polizistin ermordet und ihr Kollege lebensgefährlich verletzt wurde, war ich gerade mit meinem Partner aus Gärtringen in der Nähe Stuttgarts unterwegs. Wir sahen auf den Autobahnen sehr viele Streifenwagen, die an der Großfahndung teilnahmen, wie wir aus dem Autoradio erfuhren.

Heute, wieder in São Paulo, las ich in der Zeitung, daß gestern der fünfzigste in diesem Jahr in Rio de Janeiro ermordete Polizist beigesetzt wurde. Leider sind solche Morde in Brasilien schon Routine geworden, die keine vergleichbare Großfahndung mehr auslösen, auch wenn die Empörung der Polizei nicht kleiner ist als in Deutschland.

Gestern machte ich einen Besuch bei einem Bekannten im Stadtteil Interlagos von São Paulo, der gerade sein neues Haus bezogen hat. Erste Renovierungsmaßnahme war die Installation von acht Fernsehkameras zur Überwachung des Grundstückes, die Einrichtung einer Alarmanlage, die Anbringung von sensorgeschalteten Außenscheinwerfern und die Kontraktierung eines Wachdienstes. Dieser Bekannte ist ein gebranntes Kind, er wohnte einige Jahre in einem Apartment in Porto Alegre, wo seine Familie und alle anderen Bewohner des Hochhauses überfallen wurden.

Traurig, daß man hier zu solchen Vorbeugemaßnahmen gezwungen ist. Aber gut für diejenigen, die daraus ein Geschäft gemacht haben. Bewachungsfirmen gibt es in Hülle und Fülle und wer Alarmanlagen oder Elektrozäune verkaufen möchte, kann sich seine Kunden aussuchen. In Südafrika habe ich eine ähnliche Entwicklung erlebt. Als ich dort Ende 1981 zunächst im Hotel lebte, schrieb ich meiner Frau nach Brasilien, daß hier die Leute morgens ihre Garagen offenließen, damit sie abends nicht das Tor öffnen mußten. Als wir drei Jahre später das Land Richtung Mexiko verließen, ließ niemand mehr sein Garagentor offen, im Gegenteil, Alarmanlagen, die mit einer rund um die Uhr besetzten Zentrale verbunden waren, waren die Regel. Damals hätte keiner in Brasilien für so etwas Geld ausgegeben.

29 April 2007

Von nun an gehts bergauf?


So hat sich der Kurs Euro - Real in den letzten drei Monaten entwickelt, wobei man beachten sollte, daß der Euro zur Zeit Rekordwerte gegenüber dem Dollar aufweist, wobei letzterer sich nach Meinung vieler Analysten schnell wieder erholen wird.

20 April 2007

Firmenkauf in Brasilien

ist wie überall auf der Welt Vertrauenssache und bedingt oft neben einer „normalen“ due diligence auch eine tiefgehende Analyse im Personalbereich. Wer eine Firma kauft, muß sich neben der Wertermittlung auch mit der Frage befassen, auf wen in der Firma er sich verlassen kann und von wem er sich besser trennen sollte.

Aber zuerst einige Überlegungen zur Wertermittlung. Die gebräuchlichen Methoden sind nicht immer anwendbar, auch wenn vieles in den letzten Jahren durch die niedrige Inflation - zur Zeit ca. 3 % im Jahr - und die Stabilität des R$ dabei einfacher geworden ist. Als wir die ersten Firmenwertermittlungen 1988 in Brasilien durchführten, waren z.B. Umrechnungen der Bilanz- und GuV - Werte mit Jahresend- bzw. Mittelkursen nicht möglich, weil sie wegen der Inflation zu völlig falschen Werten führten. Diese Zeiten sind vorüber, aber immer noch verkaufen viele Firmen ihre Waren ohne Rechnung oder kaufen ohne Rechnung ein, um der hohen Steuerbelastung zu entfliehen. Die offizielle Buchhaltung alleine spiegelt in diesen Fällen nicht die Wahrheit wider, sie muß durch eine inoffizielle Buchhaltung ergänzt werden, die die „schwarze Kasse“ der Firma berücksichtigt.

Wir raten in diesen Fällen unseren Kunden dringend vom Kauf einer solchen Firma ab, denn „schwarze Kassen“ sind auch in Brasilien gesetzeswidrig und selbst wenn der Käufer diese Praxis nicht fortführen will, hat er Schwierigkeiten zu erwarten. Denn mit Sicherheit werden die Kunden, die ohne Rechnung bei der Firma einkauften, abspringen, wenn aufgrund der korrekten Steuerabführung auf einmal die Preise höher werden. In einem konkreten Fall, der Übernahme einer Schmelzsicherungsfirma durch einen deutschen Konzern, kam es deshalb nicht zu einem Geschäftsabschluß.

Die Wertermittlung einer Firma stützt sich weitgehend auf die in Zukunft erzielbaren Gewinne, die z.T. aus der Vergangenheit abgeleitet werden. Da gerade kleine und mittlere Unternehmen aber ihre Gewinne nicht exakt ermitteln, um Buchhaltungsaufwand zu sparen, sondern mit einem “angenommen“ Gewinn arbeiten, der pauschal versteuert wird, fehlen oft die nötigen Daten für eine Gewinnprojektion.

Weitere Probleme können sich ergeben, wenn die Firma z.B. vom Einkommen der Arbeitnehmer deren Anteil an den Sozialversicherungsabgaben abzog, aber diese Abzüge nicht an die Sozialversicherung weiterleitete. Das ist zwar kein einfacher Regelverstoß, sondern ein Verbrechen, welches entsprechend strafrechtlich verfolgt wird - wenn es entdeckt wird! Und weil viele Arbeitgeber mit dieser Entdeckung nicht rechnen, kommen solche Fälle immer wieder vor.

Da in Brasilien, welches durchaus kein Niedriglohnland mehr ist, die Lohnnebenkosten ca. 100 % der Bruttobezüge betragen, beschäftigen viele Firmen Mitarbeiter, ohne diese ordnungsgemäß zu registrieren. Da gekündigte Mitarbeiter drei Jahre Zeit haben, ihren ehemaligen Arbeitgeber zu verklagen und solche Arbeitsgerichtsprozesse in der Regel auch gewinnen, hat der Firmenkäufer hier ein weiteres Risiko zu tragen, vor allem, wenn der Erwerber ein „reicher“ Ausländer ist. Hier wittert nämlich der ehemalige Mitarbeiter eine Chance, zu Geld zu kommen und Loyalität gegenüber dem neuen Eigentümer empfindet er dabei sicher nicht. Er läßt sich alleine von der Notwendigkeit leiten, zu Geld zu kommen. Diese Notwendigkeit ergibt sich dabei schon aus der einfachen Tatsache, daß es keine der deutschen vergleichbaren Arbeitslosenversicherung gibt.

An ihrer Stelle existiert eine achtprozentige Abgabe auf den Bruttolohn, die FGTS heißt, Fundo de Garantia por Tempo Servido oder Garantiefond für Beschäftigungsdauer. Das besondere Problem liegt darin, daß bei nicht fristloser Kündigung durch den Arbeitgeber der Arbeitnehmer Zugang zu diesem Geld hat, bei eigener Kündigung bleibt es auf seinem Konto bei der Caixa Econômica Federal, der Bundessparkasse, liegen. Wenn der neue Eigentümer die Notwendigkeit zum Personalabbau sieht, muß er bei einer Entlassung z.Z. 50 % Strafe auf den auf diesem Konto liegenden Betrag zahlen, den der Entlassene zuzüglich zum Wert des Garantiefonds erhält. Das Problem liegt darin, daß diese Strafe nicht nur die Gelder berücksichtigt, die im Rahmen des gekündigten Beschäftigungsverhältnisse deponiert wurden, sondern alle angesammelten und noch nicht ausgezahlten Beträge aus früheren Arbeitsverhältnissen in die Berechnung der Strafe einbezieht. Das kann im Einzelfall sehr teuer werden, solche Risiken müssen also unbedingt bei einer due diligence berücksichtigt werden.

Bei der Beurteilung der Führungskräfte zur Entscheidung über deren Verbleib in der Firma ist der Firmenkäufer auf seinen persönlichen Eindruck angewiesen, Zeugnisse sind in Brasilien völlig unbekannt.

Also Vorsicht beim Firmenkauf, landeskundliche Spezialisten sollten die Firma vor der Übernahme gründlich durchleuchten, damit der Käufer vor Überraschungen sicher ist. Aber diese Schwierigkeiten sollten den Käufer auch nicht abschrecken, es gibt genügend Beispiele für erfolgreiche Übernahmen. Wie wichtig dabei die Persönlichkeit des Käufers ist, zeigen Beispiele aus unserer Praxis, wo Brasilianer ausländische hochverschuldete Firmen kauften und diese in wenigen Monaten ohne zusätzliche Investition nachhaltig sanierten. Ihr Geheimnis - exzellente Personalführung und Motivation ohne Verängstigung oder Verunsicherung der Mitarbeiter. Es gibt aber auch Beispiele, in denen der Verkäufer nach der Übergabe ein Konkurrenzunternehmen aufzog und die besten Leute seiner ehemaligen Firma mitnahm. Wer sich in Brasilien engagieren will, sollte sich daher sehr gründlich mit dem Umfeld seiner neuen Firma vor dem Kauf vertraut machen. Brasilien ist anders!

16 April 2007

R$ zum € unverändert bei über 2,70

15 April 2007

Können zuviele Gesetze aus einem Rechtsstaat einen Unrechtsstaat machen?

Vielleicht nicht gleich Unrecht, aber zumindestens einen ungerechten und unbeweglichen Staat. Brasilien wird von 181.318 Gesetzen, Verordnungen und ähnlichen Rechtsvorschriften mehr geknebelt als geführt. Nur 53.000 dieser 181.318 Gesetze werden tatsächlich angewandt, aber es gibt z.B. ein heute noch gültiges Gesetz, welches brasilianischen Diplomaten vorschreibt, ihre Heirat mit einer Ausländerin vom Außenminister genehmigen zu lassen. Und wenn ein Diplomat seinen brasilianischen Lebensgefährten ehelichen will? Oder eine Diplomatin - zur Zeit der Schaffung des Gesetzes wohl eine undenkbare Möglichkeit - einen Ausländer heiraten möchte? Es gibt ein anderes Gesetzt, von 1921, welches es Ausländern verbietet, brasilianischen Boden zu betreten, wenn sie verstümmelt, behindert, blind, verrückt, bettelarm oder ansteckend krank sind.

Man ist zwar bemüht, die unnützen, überholten, sich teilweise widersprechenden Gesetze für unwirksam zu erklären, aber alleine in der letzten Legislaturperiode kamen 14 Verfassungsergänzungen, 8 Komplementärgesetze, 762 normale Gesetze und 3.687 Dekrete hinzu. Was waren das für paradiesische Zeiten, als Moses die 10 Gebote verkündigte!

PS zum Unrechtsstaat: In den letzten 2 Jahren wurden in Brasilien mindestens 3 Frauen und 30 Männer für Verbrechen verurteilt, die sie nicht begangen hatten.

Brasilien noch zwei Stufen vom INVESTMENT GRADE entfernt



Aber ist das wirklich so wichtig? Brasilien hat am 4.4.07 US$ 500 MIo. aufgenommen und zahlt Zinsen wie Mexiko, welches bereits die Einstufung als "investment grade" erreicht. Offensichtlich orientiert sich der Finanzmarkt mehr am Länderrisiko als an den Einstufungen der Ratinggesellschaften.

Dazu kommt der Wechselkurs; wenn aufgrund eines besseren Ratings noch mehr US$ ins Land fließen, weil dann viele Fonds hier investieren können, deren Statuten die A - Einstufung eines Landes, in dem Geld angelegt werden soll, voraussetzt, wird der R$ noch stärker und unser Export leidet und die Industrieproduktion geht aufgrund steigender Importe zurück, das macht Leute arbeitslos, die von der Regierung unterstützt werden müssen, dazu werden Steuern erhöht, was die Leistungsfähigkeit der Industrie reduziert und die Kaufkraft der Bürger schmälert usw. ... eine sich selbstverstärkende Tendenz mit gefährlichen Folgen.

12 April 2007

Straßenszenen aus São Paulo



Wenn ein weißer Schimmel eine Tautologie ist, was ist dann ein Reifen mit eindeutigem Doppelnamen? Zwar doppelt gemoppelt, aber auf jeden Fall hält zweifach genäht besser! Und Pneutyres braucht man auch nicht zu übersetzen, gut für Export geeignet.



Früher waren es Straßenköter, die im Müll wühlten, deshalb wurden die Müllsäcke auf Pfosten deponiert, aber was nutzt dies, wenn die Pferde die Hunde abgelöst haben?

09 April 2007

Brasilienrisiko auf historischem Tiefstand, und jetzt...?

Am 9. April 2007 lag das Länderrisiko Brasilien kurzzeitig bei 154 Punkten und stieg dann wieder, aber nur um einen Punkt. Am 29. September 2002, als Lula noch ein Schreckgespenst für ausländische Investoren war, erreichte es den bisherigen Höchstwert, 2.436 Punkte. Was sollte jetzt in Verbindung mit dem starkem Real geschehen?

Die brasilianische Industrie sollte aufhören, zu jammern, obwohl sie Grund dazu hat, der Export wird immer schwieriger, die nach wie vor existierenden Zuwachsraten sind vielfach nur auf Grund von Preissteigerungen möglich, d.h. mengenmäßig gibt es Rückgänge. Und der Import beeinträchtigt auch die Industrie, die nicht exportiert, weil sie schon beginnt, einheimische Ware zu ersetzen und damit der Deindustrialisierung Brasiliens Vorschub verleiht. Aber bei der Regierung ist wenig zu holen, also ist Selbsthilfe angesagt.

Da die betroffenen Firmen vielfach von Unternehmern und nicht von angestellten Geschäftsführern geleitet werden, sollten sich diese auch als Unternehmer betätigen und nicht als Unterlasser. Denn es geht um ihre Firma. Und im Fall der angestellten Geschäftsführer geht es um ihren Posten, denn keine Firma - kein Gehalt, so einfach ist das. Für die Brasilianer heißt es also, so schnell wie möglich die verlorene Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen oder die bedrohte abzusichern. Dafür gibt es nur wenige vernünftige Möglichkeiten, eine ist die Erlangung eines Vorsprunges durch Innovation, sei es in der Organisation der Firma, sei es im Produkt- oder im Produktionsbereich, oder durch neue Köpfe. Durch bessere Mitarbeiter, Geschäftsmodelle, Abläufe, Materialien, Produkte oder Produktfunktionen und Fertigungsverfahren läßt sich der Wettbewerbsvorsprung erreichen und halten. Und dazu braucht man neue Technologien und oft auch Geld. Und wenn das Länderrisiko gering ist und die eigene Währung stark, sollte man eigentlich in der Lage sein, Technologie kaufen zu können. Und wenn die Mittel dazu nicht reichen, weil man bereits zuviel Geschäft an ausländische Wettbewerber verloren hat, muß sich eine ausländische Firma mit Geld und Technologie als Partner sichern.

Es gibt natürlich für die brasilianischen Firmen, die über Geld und Chefs mit Unternehmergeist und Unternehmungslust verfügen, noch einen ganz anderen Weg, nämlich Standorte ins Ausland zu verlagern oder sich an Firmen im Ausland zu beteiligen oder diese ganz zu übernehmen. Große Unternehmen wie Gerdau, um nur ein Beispiel zu nennen, machen dies seit Jahren und äußerst erfolgreich!

Und als ausländische Firma mit Geld und Technologie sollte man sich nicht darauf verlassen, daß man auf ewig nach Brasilien exportieren kann, denn oft macht man die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Regierung, die schon heute sehr reformunwillig ist und die Einfuhr durch extremen Bürokratismus erschwert. Also sollte man den Brasilianern und sich selbst helfen, in dem man Stützpunkte im Lande aufbaut. Und am besten mit einheimischen Partnern, die man möglichst mehrheitlich übernehmen sollte, um den Marktzugang und das Sagen zu haben. Und wenn man aus der Investitionsgüterbranche kommt oder Ingenieursdienstleistung verkauft, um so besser, verkaufen Sie Ihren brasilianischen Kunden die dringend benötigten Technologien oder Ideen für die angestrebte Innovation! Und falls möglich, finanzieren Sie den Kauf auch gleich!

Machen Sie Brasilien zum temporären Mittelpunkt Ihrer Aufmerksamkeit, es lohnt sich!
Wenn Sie Unterstützung in Anspruch nehmen wollen, nehmen Sie Kontakt mit mir auf!

PS: Was sich nach unserer Erfahrung nicht lohnt, ist mit einem Konkurrenten zusammen nach Brasilien zu gehen. Wenn man auf dem heimischen Markt Konkurrent ist, ist man es auch in Brasilien. Und wenn der Konkurrent aus einem dritten Land kommt, muß man in Brasilien drei Nationalcharaktere unter einen Hut bringen, das hat schon bei der Autolatina nicht geklappt, wo Brasilianer, US-Amerikaner von Ford und Deutsche von VW miteinander auskommen mußten. Ford hatte damals Marktanteil verloren, VW und Ford haben sich gegenseitig in die Karten geguckt und am Ende kam es zur Scheidung. Will man solch' ein Modell, sollte man seine Firma an den Konkurrenten verkaufen, das ist sicherer, zumindestens für den dann ehemaligen Eigentümer.

07 April 2007

Fröhliche Ostern!

Das wünsche ich allen Bloglesern und das können sich viele Brasilianer auch wünschen, denn von Januar 2004 bis Februar 2007 konnten wir dank des starken Reals und der dadurch ermöglichten Importe, die auf die Preise drückten, bei einigen Produkten eine kräftige Deflation verzeichnen:

- 43 % DVD-Spieler
- 28 % Reis
- 27 % Fernsehapparate
- 24 % PCs
- 14 % Sojaöl
- 13 % Margarine
- 11 % Telefonapparate
- 8 % Seife
- 7 % Nudeln

Das bedeutet nicht notwendigerweise, daß wir jetzt nur noch importierte Ware kaufen, sondern in vielen Fällen auch, daß sich die einheimische Industrie der Konkurrenz gestellt hat und durch Rationalisierung etc. wettbewerbsfähig wurde und damit ihr Überleben sicherte. Es gibt natürlich auch Fälle, wo z.B. wie bei der Spielzeugindustrie viele einheimische Produkte durch importierte ersetzt wurden, wobei der Import von der Industrie selbst durchgeführt wird. Und das heißt natürlich auch, daß man sich hier die "holländische Krankheit" geholt hat, was bedeutet, daß die Fabrikation zugunsten des Handels mit Importware zurückgefahren oder eingestellt wurde. Vielleicht nach dem Motto: "Ist der Handel noch so klein, bringt er doch mehr als Arbeit ein"? Denn eine Firma fit für den globalen Wettbewerb zu machen, besonders, wenn es u.a. auch gegen chinesische Konkurrenten geht, und wenn die eigene Regierung einen nur Knüppel zwischen die Beine wirft, ist anstrengender als Händler zu werden.

Es gibt natürlich Grenzen für die "Fitwerdung", vor allem, wenn unlauterer Wettbewerb im Spiel ist, dann kann manchmal eine Industrie nicht mithalten und verschwindet. Oder, wie im Fall der brasilianischen Textilindustrie, rafft selbst eine Regierung Lula sich doch zu Maßnahmen auf, um den Konkurs eines ganzen Sektors zu vermeiden.

03 April 2007

Wohin geht die Reise?

€-Kurs zum R$:


Eigentlich klar, warum Außenhandelsumsätze schwer zu planen sind!

Die letzten 100 Besucher von BRASILIEN AKTUELL

Besucher des Eurolatinasites


Zum Site kommen Sie durch Klicken in die Überschrift.

Heute in São Paulo gesehen

Auf diesem Aufkleber steht in Deutsch und Englisch, daß der Fahrer den Polarkreis überquert hat, aber vermutlich nicht mit diesem Auto:

























Wenn eine Reichsbäckerei (links unten: Imperial Bakery) Fleischmann - Produkte verwendet, liefert sie mit solchen LKWs aus:

02 April 2007

Kann man unter einer linken Regierung in Brasilien Gewinne machen?

Und wie! Economática listet die 20 lukrativsten Firmen Lateinamerikas mit offenem Kapital auf, 11 davon sind brasilianisch:

Petrobras (BRA, Erdöl): US$ 12,123 Milliarden
Companhia Vale do Rio Doce (BRA, Bergbau): US$ 6,282 Milliarden
América Móvil (MEX, Telekommunikation.): US$ 4,015 Milliarden
Banco do Brasil (BRA, Bank): US$ 2,827 Milliarden
Teléfonos de México (MEX, Telekommunikation.): US$ 2,639 Milliarden
Cemex S.A. (MEX, Stahl): US$ 2,375 Milliarden
Bradesco (BRA, Bank): US$ 2,364 Milliarden
Itaúsa (BRA), diversifizierte Holding: US$ 2,098 Milliarden
Tenaris S.A. (ARG, Stahl): US$ 2,059 Milliarden
Banco Itaú (BRA, Bank): US$ 2,015 Milliarden
Grupo México (MEX, Bergbau): US$ 1,528 Milliarden
YPF (ARG, Erdöl): US$ 1,442 Milliarden
Gerdau (BRA, Stahl): US$ 1,347 Milliarden
Telesp (BRA, Telekommunikation): US$ 1,317 Milliarden
AmBev (BRA, Brauerei): US$ 1,313 Milliarden
Southern Peru CC (PER, Bergbau): US$ 1,280 Milliarden
Usiminas (BRA, Stahl): US$ 1,177 Milliarden
Carso Global Teleco (MEX, Telekommunikation.): US$ 1,159 Milliarden
Wal-Mart do México (MEX, Einzelhandel): US$ 1,149 Milliarden
Arcelor Brasil (BRA, Stahl): US$ 1,061 Milliarden

01 April 2007

Céu de Brigadeiro oder Kaiserwetter...

.. anstelle der wörtlichen Übersetzung "Himmel des Luftwaffenkommandanten" herrscht im Augenblick nur meteorologisch über Brasilien, denn Lula ist nicht Helmut Kohl, der bei einem Streik der zivilen Flugkontrolleure diese entließ und durch Militärs ersetzte. Von Lula als ehemaligem Gewerkschaftsführer und Präsident nicht der Brasilianer sondern der Armen und Diskriminierten war dies nicht zu erwarten und folgerichtig wies er den Luftwaffenkommandaten von Camp Davis aus an, die befohlene Verhaftung der Meuterer zurückzunehmen und mit diesen zu verhandeln. Erstes Ergebnis, sie werden nicht bestraft und einer neuen zivilen Luftverkehrskontrollbehörde unterstellt, die wiederum dem Verteidigungsministerium angehören wird. Über tausend Flüge wurden durch die unverantwortliche Aktion der militärischen Flugkontrolleure verzögert oder gestrichen und hunderttausende Passagiere (= Wähler), auch im Ausland, beeinträchtigt. Die USA flogen z.B. Brasilien letzten Freitag einfach nicht mehr an. Dazu kommt der Schaden, der in den Grundpfeilern jeder Streitmacht der Welt angerichtet wurde, nämlich Befehlskette und Disziplin.

Alle Aktionen gegen den Luftverkehr begannen mit dem Zusammenstoß zweier Flugzeuge über brasilianischem Luftraum im letzten Jahr, wobei bei den Untersuchungen klar wurde, daß die Flugkontrolleure, die noch nicht einmal richtig Englisch verstanden und sprachen, einen erheblichen Schuldanteil haben. Die Vermutung liegt nahe, daß jetzt Verwirrung gestiftet wird, um dieser Verantwortung zu entkommen. Und wie durch die Chaostheorie erklärt, reichen wenige radikale Gewerkschaftler (beim Militär!!!), um das Chaos zu schaffen.

Unmittelbare, vom Pulikum nicht bemerkte Folge, ist, daß die großen internationalen Fluggesellschaften ihre Piloten angewiesen haben, die SLOP - Prozedur anzuwenden, was seit Mitte März geschieht. Slop heißt Strategic Lateral Offset Procedure und bedeutet, daß der Pilot links von der ihm zugewiesenen Route fliegt, um einen Zusammenprall mit einer entgegenkommenden Maschinen zu vermeiden, die von den Flugkontrolleuren dieselbe Route, nur in anderer Richtung, zugewiesen bekamen. Bisher war dieses Verfahren nur für den afrikanischen Luftraum üblich.

Nur des Interesses wegens, als der Vorgänger Lulas den US - amerikanischen Präsidenten in Camp Davis besuchte, wurde er von Lula scharf kritisiert. Aber das ist ja nicht das Gleiche, oder?

30 März 2007

R$ - Kurs gegenüber US$ und €

Am 29. März 2007 rutschte der US - Dollar auf seinen niedrigsten Wert gegenüber dem Real in sechs Jahren, nämlich 1 US$ = 2,044 R$. Die Zentralbank interveniert zwar und hat deshalb schon 107 Mrd. US$ Devisenreserven angehäuft, aber wie die Bayern sagen: "Genutzt hats enen niachts". Die echten Bayern mögen einem Berliner, der mal in Schweinfurt, wo man fränkisch spricht, gewohnt hat, diesen Versuch, bayerisch zu schreiben, nachsehen.

Im Zuge dieser Entwicklung stellte das Länderrisiko Brasiliens ebenfalls den bisherigen Rekord ein und sank auf nie gesehene 169 Punkte. Zusammen mit der neuen Methologie der BIP-Messung, die für gute Wachstumswerte sorgte bzw. offensichtlich unzutreffende Werte korrigierte, kann man nur Positives denken, wenn man nicht gerade brasilianischer Exporteur ist.

Die folgenden Kursgraphiken zeigen noch nicht die ganz neuen Werte:







28 März 2007

BIP Brasiliens von 2006 bekanntgegeben

Die Umstellung auf die neue Berechnungsmethode hat sich für Brasiliens Regierung gelohnt, danach hat Brasilien erstmalig die 1 Billion US$ - Schwelle überschritten. Anstelle wie vorher nach der alten Methode ermittelt, um 2,9 % zu wachsen, schaffte es das BIP nach der neuen Methode 3,7 % gegenüber dem Vorjahreswert zuzulegen und 2,322 Billionen R$ zu erreichen. Und das sind bei einem Kurs von aktuell 2,07 R$ = 1 US$ stolze 1,122 Billionen US$. Das paßt zu der Meldung, daß Millionen von Brasilianern zur Mittelklasse aufgestiegen sind, Details dazu schreibe ich aus Zeitmangel später.

23 März 2007

Brasiliens Wirtschaft hebt ab!

Diese Hubschrauberplattform gehört bezeichnender Weise einer Bank, aber das nur nebenbei. Das Foto nahm ich aus dem Fenster eines Büros auf, in dem ich gerade mit einem deutschen Lieferanten des neuen ThyssenKrupp-Stahlwerkes bespreche, wie wir ihm beim Aufbau einer Firma mit Fabrik in Rio helfen können, denn ThyssenKrupp betreibt wie die Autoindustrie eine follow source - Politik. Aber das Abheben ist durchaus übertragen und wörtlich gemeint, denn gestern wurden die neuen BIP-Werte der vergangenen Jahre veröffentlicht, obwohl diese ja eigentlich schon bekannt waren. Aber da Brasilien alle 5 bis 10 Jahre die Kriterien zur Ermittlung des BIP ändert - durchaus aus vernünftigen Gründen - gibt es jetzt neue Werte. Die Änderung war laut Regierung nötig, weil die Struktur der Wirtschaft sich geändert hat, man Zahlen der Volkszählung von 2000 und nicht mehr von 1985 verwenden will und die Zusammensetzung des BIP nach Herkunft jetzt wirklich ermittelt und nicht mehr nur geschätzt wird. Die Opposition ist allerdings der Ansicht, daß die Änderung gemacht wurde, um das Image von Präsident Lula aufzupolieren, dessen Regierung ja wohl einige Wachstumsdefizite aufweist. Aber lassen wir die Zahlen für sich sprechen (Werte von 2006 werden erst nächste Woche publiziert):

BIP in Mrd. US$ von 2005
1. USA 12.486
2. Japan 4.571
3. Deutschland 2.797
4. China 2.225
5. Großbritannien 2.201
6. Frankreich 2.106
7. Italien 1.766
8. Kanada 1.130
9. Spanien 1.1.27
10. Brasilien 882
11. Südkorea 793
12. Indien 775
13. Mexiko 768
14. Rußland 766
15. Australien 708

Damit hat sich Brasilien gegenüber den alten Zahlen um eine Position verbessert.

BIP-Wachstum Brasiliens in %
2000: 4,4
2001: 1,3
2002: 2,7
2003: 1,1
2004: 5,7
2005: 2,9

Der Investitionsanteil in % vom BIP hatte sich parallel in Brasilien so entwickelt:
2000: 16,8
2001: 17,0
2002: 16,4
2003: 15,3
2004: 16,1
2005: 16,3

Das sind niedrige Werte, aber die Zahlen des BIP-Wachstums und des Investitionsanteil für 2004 deuten auf einen starken Produktivitätsanstieg hin, was ja auch nicht schlecht ist.

Investitionen in % vom BIP
1. China: 40,6
2. Indien: 27,4
3. Thailand: 27,4
4. Südkorea: 22,9
5. Mexiko: 22,0
6. Chile: 21,0
7. Rußland: 20,8
8. Kanada: 20,7
9. Südafrika: 18,3
10. Argentinien: 18,0
11.Brasilien: 16,3
12. USA: 15,1

Der Wert für Brasilien sollte bei 25 % liegen, aber was nicht ist, kann ja noch werden!

Einige brasilianische Kennwerte für 2005 (in Klammer die alten Werte)
BIP: 2,148 (1,938) Billionen R$
Prokopfeinkommen: 11.662 (10.520) R$
Staatsverschuldung: 46,4 (51.5) % vom BIP
Steuerlast: 33,7 (37,4) % vom BIP
Investitionen: 16,8 (19,3) % vom BIP

Nur bei der letzten Position verschlechtert sich durch die neue Methodik ein Wert, das findet die Opposition verdächtig. Der Grund ist die zurückgehende Bedeutung der Bauindustrie.

Das BIP setzt sich so zusammen (in Klammern alte Werte):
Industrie: 30,3 (37,9) %
Dienstleistung: 64,0 (54,1) %
Landwirtschaft: 5,6 (8,0) %

Also nicht gerade die typische Entwicklungslandstruktur!

22 März 2007

TAM versus GOL, 2006 galt für diese brasilianischen Fluggesellschaften "Weniger ist mehr"

18 März 2007

Kann der Staat Wachstum garantieren?

Alexandre Marinis meint nein und weist dies durch eine Studie nach. Danach stieg der Anteil der öffentlichen Ausgaben in % des BIP, gemessen jeweils am Ende der Regierungszeit, in Brasilien stetig:

1984 Präsident Figueiredo 7,7 %
1988 Präsident Sarney 19,1 %
1994 Präsident Collor / Präsident Itamar 20,1 %
1998 Präsident Cardoso 21,8 %
2002 Präsident Cardoso 25,2 %
2006 Präsident Lula 30,2 %

Insgesamt hat Marinis die Werte von 215 Ländern von 1971 bis 2005 analysiert und fand heraus, daß der Mittelwert des BIP - Wachstums 4,7 % für die Länder betrug, deren Regierungen bis zu 10 % des BIP ausgaben. Die Länder, die 30 % ausgaben, wuchsen dagegen im Mittel nur um 2,4 %.

Den langen Marsch deutscher Linker durch die Institutionen...

...hat sich Hugo Chávez wohl als Vorbild genommen und angekündigt, daß er das Erziehungswesen des von ihm regierten Landes dazu benutzen wird, den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" zu verbreiten. Als ersten Schritt hat er einen Rat zur Verbreitung des Sozialismus an den Schulen geschaffen und droht jetzt mit der Verstaatlichung einer Universität.

Brasiliens Lula ist wohl noch nicht so weit, denn sein gerade vorgestellter Erziehungsentwicklungsplan fand sogar berechtigterweise den Beifall der Opposition. Bis 2010 sollen für den PDE - Plano de Desenvolvimento da Educação 8 Mrd. R$ bereitgestellt werden. Fragt sich jetzt nur noch, ob dieses Geld auch ausgegeben wird und wenn ja, wofür. Aber es hat den Anschein, als ob Brasilien weder dem Weg Chávez noch dem Morales folgen wird, ein weiteres Indiz dafür, daß der brasilianische Präsident vor allem ein Verballinker ist, der sein pragmatisches Denken erfolgreich verbirgt und für den Ideologie nur ein Mittel ist, an der Macht zu bleiben.

Dazu paßt der von Lula begrüßte Plan seines Kommunikationsministers, ein Regierungsfernsehen zu schaffen, was sehr nach dem Wunsch einer Perpetuierung der augenblicklichen Machtverhältnisse aussieht. Brasilien sollte sich vielleicht wenigstens hier ein Beispiel an den USA nehmen, die zwar die "Stimme Amerikas" weltweit ertönen lassen, aber nicht im eigenen Lande, weil dies wohlweislich gesetzlich verboten ist.

Wenn Sie mehr über den Einfluß des Sozialismus in Lateinamerika auf das Geschäftsleben wissen wollen, klicken Sie in die Überschrift, die mit meinem Vortrag "Brasilien und Lateinamerika: Wachstumsmärkte trotz sozialistischer Rahmenbedingungen?" verlinkt ist, den ich am 24. April in der Schweiz auf der Internationalen ZfU - Tagung über Zukunfts- und Wachstumsmärkte halten werde. Anmelden können Sie sich zu dem zweitägigen Seminar bei www.zfu.ch/weiterbildung/seminare/zuwt.htm. Am zweiten Tag spreche ich über "Brasilien: Investitionen planen und erfolgreich umsetzen".

16 März 2007

Warum Ankündigungen der brasilianischen Regierung mit Vorsicht zu genießen sind

Wenn in Brasilien Gesetzesvorhaben angekündigt werden, wird anschließend die Reaktion der Bevölkerung beobachtet und je nach gefühlter Akzeptanz der Gesetzesentwurf tatsächlich eingebracht oder stillschweigend unter den Tisch gekehrt. Neuestes, noch nicht entschiedenes Beispiel ist der Vorschlag, ein landesweites Regierungsfernsehen einzurichten, um noch besser Propaganda machen zu können, um keine stärkeren Worte zu gebrauchen.

Ein anderer Grund, regierungsseitige Ankündigungen nicht zu ernst zu nehmen und vor allem bei öffentlich genannten Investitionssummen nicht euphorisch zu reagieren, ist die Tatsache, daß die Regierung Lula durchaus Pläne hat, sogar ein Budget für diese vorsieht, aber es an der Umsetzung hapern läßt. So haben wir im Augenblick eine Denguefieberwelle, die in eine Epedimie ausarten kann, aber von den 64,2 Mio. R$, die 2007 für die Bekämpfung von Malaria und Dengue regierungseitig vorgesehen sind, wurden bis dato erst 3 (drei) % ausgegeben. Dabei ist die Situation ernst, alleine im Bundesstaat Mato Grosso do Sul wurden in diesem Jahr schon 35.000 Denguekranke registriert.