31 August 2008

NRW-AUWI-Tag den BRIC-Staaten gewidmet

Noch gut zwei Wochen und in Essen findet am 16.9.2008 der nordrheinwestfälische Außenwirtschaftstag statt, der den BRIC-Staaten gewidmet ist. Rechtzeitig zur Einstimmung fand ich folgenden Artikel in der WELT, der vor allem die sehr positive Situation Brasiliens herausstreicht:

Brasilien: Anleger schauen zuerst auf Rohstoffpreise
31. August 2008, 02:13 Uhr
Von den vier BRIC-Ländern steht Brasilien zurzeit am besten da. Das Land am Zuckerhut profitierte lange von einer äußerst seriösen Finanzpolitik seiner Regierung und vom bis Mitte des Jahres rasanten Anstieg der Rohstoffpreise. Das Ergebnis ließ sich am Aktienmarkt ablesen: Seit 2003 hatte sich der brasilianische Index Bovespa zeitweilig verfünffacht. Ganz allerdings kann sich das südamerikanische Land von fallenden Rohstoffpreisen und Finanzkrise dann doch nicht abkoppeln. Seit Jahresanfang liegt das Börsenbarometer mit gut zehn Prozent im Minus. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktien-Index Dax büßte im selben Zeitraum etwa 20 Prozent ein.

"Brasilien hat seine Hausaufgaben gemacht und steht heute deutlich stabiler da als früher", sagt Rainer Schäfer, Schwellenländerexperte bei Allianz Dresdner Economic Research. So hat das Land sein traditionelles Inflationsproblem in den Griff bekommen. Die Teuerungsrate liegt unter fünf Prozent. Das Wachstum für das vergangene Jahr lag bei 5,4 Prozent, für 2008 liegen die Schätzungen bei fünf Prozent. Auch soziale Probleme haben sich durch Regierungsprogramme reduziert: Die Zahl der Armen hat sich seit dem Amtsantritt des Präsident Lula da Silva 2003 um etwa ein Drittel verringert.

Ob der von wenigen Großunternehmen dominierte Bovespa seine beeindruckende Entwicklung wieder aufnehmen kann, hängt auch davon ab, wie sich die Rohstoffpreise entwickeln werden. Denn ob Öl, Soja, Eisenerz, Kaffee oder Zucker: Brasilien profitiert auf breiter Front von steigenden Notierungen am Weltmarkt. Doch das Land hat sich im Zuge der Anstrengungen der vergangenen Jahre breiter aufgestellt und verfügt mittlerweile neben einem ausgeprägten Industriesektor auch über eine breite Palette an Dienstleistungsunternehmen. Mittelfristig jedenfalls sind Analysten für Brasilien überwiegend positiv gestimmt.

30 August 2008

BIP-Wachstum Brasilien (%) und der "Rest der Welt" bis 2009

Wieviele Brasilianer gibt es?

Laut IBGE waren es am 1. Juli 2008 genau 189.612.814 Menschen, die sich glücklich fühlen dürfen, Brasilianer zu sein. Sie bewohnen 5.565 Gemeinden ganz unterschiedlicher Grösse. Hier die Spitzenreiter mit Angabe der offiziellen Einwohnerzahl:
  1. São Paulo: 10,99 Mio. (nur die Stadt, Groß-São Paulo hat. ca. 20 Mio. Einwohner)
  2. Rio de Janeiro: 6,16
  3. Salvador: 2,95
  4. Brasília: 2,56
  5. Fortaleza: 2,47
  6. Belo Horizonte: 2,43
  7. Curitiba: 1,82
  8. Manaus: 1,71
  9. Recife: 1,55
  10. Porto Alegre: 1,43
Auf der anderen Seite steht als Schlusslicht die kleinste Gemeinde Brasiliens, Borá im Bundesstaat São Paulo hat nur 834 Einwohner. Weniger als tausend Einwohner hat nur eine weitere Gemeinde, Serra da Saudade in Minas Gerais.

Die brasilianische Bevölkerung wächst zur Zeit nur noch mit 1,3 % jährlich, was im Mittel 2 Kinder pro Brasilianerin bedeutet. In Europa kommen auf eine Frau nur 1,1 Kinder. Eine demografische Projektion zeigt in 30 Jahren ein Brasilien mit einer nicht mehr wachsenden Bevölkerung von 22o Mio. Menschen.

Be happy - Sei glücklich!

Das brauchen Sie einem Brasilianer nicht zu sagen. Er ist es, wenn auch vielleicht nicht unbedingt jetzt und hier, aber später und dort. Das merkt man an der ständigen Bereitschaft zum Lächeln und an der Antwort auf ein "Wie geht's? - Como vai?", die von "Beleza - Schönheit" über "Tudo bem - Alles gut" bis hin zum nicht mehr zu übertreffenden "Tudo ótimo - Alles optimal" reicht. In Blumenau sagt man übrigens auch "Tudo azul - Alles blau!". 

Der schönste Begrüssungsdialog zwischen zwei Brasilianern ist sicher dieser:
"Tudo bom?" - "Alles in Ordnung?"
"Tudo bem!" - "Alles ok!"
"Então 'ta bom!" - "Dann ist es ja gut!"

Aber es gibt immer Leute, die sich nicht auf ihren ersten Eindruck verlassen, sie wollen es genau wissen und schicken andere Leute los, um ihren Mitmenschen Fragen zu stellen. Das hat das Gallup-Institut unter der Koordinierung von Marcelo Neri von der Fundação Getulio Vargas, unserer renommierten Wirtschaftshochschule, gemacht. Die Ergebnisse der Umfrage werden jetzt am Dienstag veröffentlicht. Danach ist der Brasilianer von 132 Völkern der Erde der glücklichste Mensch -  was die Zukunft betrifft. Was bestätigt, dass Brasilien ein Land der Zukunft ist, wie es schon so oft kolportiert wurde. Und tatsächlich ist es der Brasilianer, der in seiner Erwartung auf die Zukunft der nächsten fünf Jahre alle anderen Völker hinter sich lässt und sogar die glücklichen Dänen mit ihren glücklichen Kühen (Keine Kommentare bitte, ich weiss, die sind mehr im Allgäu zu finden! Aber die dänische Butter wird ja schliesslich nicht aus importierter Milch gemacht.) entthront und auf Platz 3 verweist. Auf einer Skala von 0 bis 10 zur Einschätzung der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben in 2012 erreichte der Brasilianer 2007 den Wert 8,4 - mehr als alle anderen dieser Welt. 

Übrigens räumt die Studie auch mit dem Vorurteil auf, das Geld nicht glücklich mache. Mit jeder Einkommensverdoppelung steigt danach das Glücksgefühl, d.h. die Zufriedenheit mit dem Leben, um 15 %. Das sollten Chefs nicht zu ernst nehmen, eine gewährte Gehaltserhöhung macht zwar den Empfänger glücklich, aber nach anderen Untersuchungen nicht sehr lange.

Bei ZF ist man dieser Tage auch glücklich; warum, können Sie in der Schwäbischen Zeitung (wo sonst?) lesen! 

23 August 2008

22 August 2008

Wie sich Kleinfritzchen die Geschäftsreise seines Chefs nach Brasilien vorstellt







Dass die Wirklichkeit ganz anders aussieht, kann mir jeder Exportleiter bestätigen, der (sehr) früh aufsteht, den Tag im Auto, im Flugzeug und in Konferenzräumen verbringt und abends mit Kunden ausgehen und zwischendrin und anschliessend noch Zeit finden muss, um Angebote und Berichte zu schreiben und seine E-Mails zu beantworten. Mein hier abgelichteter Freund Volker Niemann kann ein Lied davon singen. Dafür ist seine Anlagenbaufirma AMS aber auch sehr erfolgreich, der Einsatz rund um die Uhr hat sich für ihn und seine Firma ausgezahlt. 

€-R$-Berg-und-Talfahrt am Ende (?) und es boomt!


Beim €-Kurs sieht es z.Z. aus wie bei der Börse, an der viele brasilianische Firmen an Wert eingebüßt haben. Gut für gierige Heuschrecken und seriöse Anleger, die ein Schnäppchen machen wollen.

Rechts sehen Sie die Kursentwicklung des € zum R$ der letzten 5 Jahre, der letzten 12 und der letzten 3 Monate. Seit einem Jahr zeigte der Kurs ein zyklisches Verhalten, welches jetzt überdeutlich abbrach. Seit Wochen bleibt der eigentlich erwartete Wertzuwachs des € aus und es bleibt die Frage offen, ob der € gegenüber dem R$ weiterhin an Wert verliert, sich auf ein Niveau unterhalb von 2,30 R$ stabilisiert oder wieder an Wert gewinnt. Eine Voraussage will ich nicht wagen, dafür hängt das Geschehen  zu sehr von der US$ - € - Entwicklung ab und u.a. davon, wie sich das Verhältnis USA - Rußland - Nato entwickelt. 

Aber ich kann eine Aussage zu einer Auswirkung des starken R$ machen: Brasilianische Firmen jeder Größe investieren kräftig. In den letzten Wochen seit meiner Rückkehr aus Europa war ich ununterbrochen mit Kunden in Brasilien unterwegs, um brasilianische Firmen zu besuchen. U.a. besuchte ich dabei eine kleine Messe mit nur sieben Ausstellern in Belo Horizonte, die meinem deutschen Kunden mehrere Anfragen nach seinen Maschinen bescherte. Dabei ging es um Umweltschutz und Erosionsvermeidung. Ein andere Firma war mit mir in Santa Catarina und São Paulo und erhielt ebenfalls mehrere Anfragen für Imprägnieranlagen. Eine ist für ein grosses neues Werk einer Firma bestimmt, die Zentrifugen für die Zuckerrohrverarbeitung herstellt. Zwei solcher Imprägnieranlagen baut mein Besucher bereits für einen hiesigen Kunden. Ein weiterer Kunde besuchte mit mir Werften in Santa Catarina, São Paulo und Rio de Janeiro und auch hier gab es Investitionen in Form von Yachten zu sehen, deren Wert in einigen Fällen 20 Mio. US$ erreichte. Bei diesen Besuchen sah ich in Timbó eine nagelneue Elektromotorenfabrik mit importierten Maschinen, darunter eine teure Laserblechbearbeitungsmaschine. Nächste Woche bin ich mit einem Mitglied des Firmenpools der IHK Essen unterwegs zu Autoteilehändlern, welches den Ersatzteilmarkt in Brasilien über lokale Händler besser erschließen will. Er stellt Dieselmotorkomponenten her und verspricht sich ein gutes Geschäft wegen des stark steigenden Absatzes von LKWs, die u.a. für den Transport der erwarteten Rekordernte benötigt werden. 

Vielen dieser brasilianischen Firmen wird von uns eine Finanzierung angeboten, um unseren Kunden das Geschäft zu erleichtern. Aber oft wird uns stolz gesagt, dass man eine solche nicht benötige, weil man soviel flüssige Mittel habe, dass man alle Einkäufe, auch grössere Investitionen, aus Eigenmitteln bestreiten könne. 

Das animiert vermehrt deutsche Firmen, sich in Brasilien niederzulassen, sei es über Neugründungen oder über Firmenkäufe. Dieser Trend ist nach meiner persönlichen Erfahrung zunehmend, trotz (oder wegen) China und Indien. Brasilien ist eben doch berechenbarer, kulturell näher und wächst auch, zwar nicht so stark, aber stetig. 




21 August 2008

Deutsch-Brasilianische Wirtschaftstage 2008 in Köln

Pressemitteilung des BDI vom 21.8.08:

Mit ihrer diesjährigen Lateinamerika-Reise hat Bundeskanzlerin Merkel die Bedeutung der Region für die deutsche Wirtschaft erneut hervorgehoben. In Brasilien machte sie gleich zwei Mal Station. Mit ca. 190 Mio. Einwohnern und einem stabil wachsenden BIP von über 1,3 Mrd. USD (2007) zählt das Land zu den großen emerging economies (BRICs). Der Investitionsbedarf in Brasilien ist groß. Eine stabile Wirtschafts- und Finanzpolitik und nicht zuletzt der jüngst verliehene Investment-Grade lassen auch in Zukunft umfangreiche Investitionen in Brasilien erwarten. Bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Lula sollen ca. 200 Mrd. € allein in die Infrastruktur investiert werden. Das Land ist aber nicht nur wichtigster Handels- und Investitionspartner in der Region, sondern gilt auch in globalen Fragen als strategischer Partner Deutschlands.

Seit über 25 Jahren organisieren der BDI und sein brasilianischer Counterpart CNI die Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage. Die diesjährige Konferenz findet unter dem Motto „Mobilität, Energiesicherheit und Klimaschutz – Herausforderungen für Wirtschaft und Politik“ vom 24. bis 26. August 2008 in Köln statt. Im letzten Jahr eröffnete Staatspräsident Lula da Silva die Konferenz im brasilianischen Blumenau. Der brasilianische Wirtschaftminister Miguel Jorge hat für die diesjährige Konferenz zugesagt. Thematischer Schwerpunkt in diesem Jahr ist der Beitrag der Industrie bzw. der Umwelttechnologie zur Sicherung von Mobilität und nachhaltiger Produktion. Die Workshops behandeln die Bereiche Energiesicherheit, Bioenergie, Automobilindustrie, chemische und pharmazeutische Industrie, Technologie und Infrastruktur sowie die Umsetzungspläne der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Vor dem Hintergrund der herausragenden Bedeutung von Bildung, Forschung und Entwicklung wird sich ein Innovationsforum mit bilateraler Kooperation in diesem Bereich beschäftigen. Die Erfolge einzelner Projekte deutsch-brasilianischer Zusammenarbeit werden vorgestellt und darüber hinaus neuer Forschungsbedarf diskutiert.


Die FAZ schreibt dazu am 17.8.08 in der Sonntagsausgabe unter dem Titel BLICK NACH BRASILIEN: Vor allem mittelständische Unternehmen sind von ihrem Engagement in China eher enttäuscht. Ihr Blick wendet sich von fernost immer öfter nach Brasilien. Das südamerikanische Land hat die längste Wachstumsperiode seiner Geschichte - und ein Ende ist nicht in Sicht. Anders als in China sind Menschenrechte, Demokratie und Rechtssicherheit in Brasilien keine Fremdworte. Da passt es, dass der Bundesverband der Deutschen Industrie am Sonntag seine deutsch-brasiliansichen Wirtschaftstage in Köln eröffnet. Der Trend weist immer stärker nach Lateinamerika.

Am 16.9.08 findet der NRW-Außenwirtschaftstag in Essen statt, der dieses Jahr den BRIC-Staaten gewidmet ist. Anläßlich dieser Veranstaltung berate ich wieder kostenlos Brasilieninteressenten in Essen (15. - 17.9.) und in Stuttgart (18. -19.9.), jeweils in der IHK oder auf Anfrage auch in Firmen.

12 August 2008

Modern & Antik

In São Paulo können Sie alles nebeneinander haben. Hier zum Beispiel ein schickes und großzügiges Foyer, aber nicht das eines Luxushotels, sondern des Albert - Einstein - Krankenhauses:
Diese moderne Pizzeria mit traditionellem Ofen finden Sie ebenfalls im Albert - Einstein - Krankenhaus:
Und hier ein echter Retrolook auf dem Weg zum Krankenhaus, ein Buick aus dem Jahr 1956:

Diebstähle im Vierminutentakt

In der gleichnamigen Hauptstadt des Bundesstaates São Paulo wird alle vier Minuten ein Diebstahl verübt - dabei sind die Autodiebstähle noch nicht mitgezählt! Per Juni 2008 waren es laut Polizeistatistik 75.944 Fälle, d.h. 417 pro Tag oder 17 pro Stunde. Wenn man die bekannten, d.h. zur Anzeige gebrachten Fälle der letzten acht Jahre addiert, kommt man auf 1.200.000 Diebstähle! In 2000 wurden 107.555 Fälle bekannt, 2005 waren es dann schon 176.181 Diebstähle und 2007 "nur" noch 148.305. Die Prognose für das laufende Jahr liegt bei über 140.000. Interessant ist, dass die Zunahme der Diebstähle mit der Verbesserung der Lebensumstände in Verbindung gebracht wird, nach dem Motto "die Leute haben mehr (und zeigen es), das muss man ihnen wegnehmen". Also macht Gelegenheit wirklich Diebe? Zumindest im Zentrum von São Paulo mit seinen Menschenmassen, in denen professionelle Diebe leicht Beute machen und dann unerkannt untertauchen können. Also Vorsicht vor allem mit Laptops, Mobiltelefonen und teuren Assessoires, die leicht an Hehler weiter verkauft werden können - weit unter dem Wert, den der Eigentümer dafür gezahlt hat.

10 August 2008

Brasiliens Wirtschaft setzt auf Wachstum und investiert

Alle sprechen von Lebensmittelknappheit. Brasiliens größter Minenbetreiber VALE belässt es nicht beim Reden, sondern handelt. Denn wenn man die Lebensmittelknappheit vermeiden will, muss von den Landwirten mehr angebaut werden und dazu braucht man dann sicherlich auch Düngemittel, die Phosphat und Pottasche enthalten, die Vale liefern will. Dazu guckt die Firma über den Tellerrand und sucht nach Abbaumöglichkeiten u.a. in Argentinien, Mozambique und Angola. In Peru, schreibt der „Estado de São Paulo“, wird Vale 479 Mio. US$ investieren, um 3,9 Mio. Tonnen Phosphat jährlich zu fördern. Die Mine wurde bereits 2005 gekauft und soll ab 2010 produzieren.

Vale hat die Finger übrigens in vielen Geschäften, u.a. versucht man, Naturgas zu finden und bohrt schon eifrig nach diesem Energieträger.

Als Düngemittelkäufer könnte bei Vale die Mitsui (japanisch), CHS Inc. (US amerikanisch) und PMG Trading (brasilianisch) gehörende MULTIGRAIN auftreten. Die Firma wird in Bahia in einem 120.000 Hektar großem Komplex für 350 Mio. US$ eine Ethanolfabrik bauen, die drei Jahre nach Baubeginn eine Verarbeitungskapazität von 3,5 Mio. Tonnen Zuckerrohr im Jahr erreichen soll. Laut UNICA - União da Agroindústria Canavieira sollen bis 2011 in Brasilien 90 neue Zuckerraffinerien zur Ethanolgewinnung in Betrieb genommen werden. Der augenblickliche Verbrauch liegt bei über 20 Mrd. Litern jährlich (+ 19 %). Der Export soll gegenüber dem Vorjahr von 4,5 auf 5 Mrd. Litern steigen.

Damit es keine Transportmittelknappheit gibt, investieren Volkswagen und Mercedes Benz in ihr Lastwagengeschäft. VW will 2018 im Jahr 150.000 Lkw bauen, 19 % dafür sollen in die anderen BRIC-Staaten exportiert werden. Ab September 2008 fährt man bereits im Dreischichtbetrieb, dazu wurden 1.300 neue Mitarbeiter eingestellt. Bei den Lkw über 5 to hat VW in Brasilien einen Marktanteil von 31,4 %. Die Lkw-Fabrik wird in den nächsten 10 Jahren 2 Mrd. R$ Investitionen empfangen. MERCEDES BENZ will dem nicht nachstehen und kündigte Investitionen von 500 Mio. US$ im ABC - Gebiet (Santo André, São Bernado und São Caetano an der Peripherie von São Paulo) an. Damit soll u.a. ein Logistikzentrum in Diadema eröffnet und die Lkw-Produktion um 25 % gesteigert werden.

Brasilien wird dieses Jahr bereits der sechstgrößte Kfz-Hersteller weltweit sein und denkt schon an den vierten Platz. Die meisten deutschen Zulieferer haben dies vorausgeahnt und sind schon hier. Wer noch kommen will, sollte sich beeilen, die vordersten Plätze sind nämlich schon besetzt, einige davon mehr als 50 Jahre lang.

08 August 2008

Ungebremste Talfahrt des Euro in Brasilien?

Jetzt fragt man sich langsam, wohin die Reise geht. Der 8.8.08 ist wohl nicht für jeden ein Glückstag, höchstens für die Chinesen. Der Euro knickte heute bereits gegenüber dem US-Dollar ein und wer weiß, ob mit 1 € = 2,3545 R$ das Ende der Fahnenstange erreicht ist? Viele Expatriates fragen mich, weil etliche davon Euro verdienen und zurecht besorgt sind, denn wer verliert schon gerne mehr als ein Drittel seiner Bezüge in weniger als drei Jahren? Und bei der Lufthansa wird gestreikt! Sorgen habe die Leute...

Eigentliche Ursache der Euroschwäche ist der Leitzins, in Europa unverändert niedrig, in Brasilien mit wieder steigender Tendenz. Dabei wird aus Brasilien viel Geld abgezogen, die Multis überweisen Rekordgewinne an ihre Mütter. Dies trug zum Rekorddefizit der Zahlungsbilanz Brasiliens der ersten sechs Monate 2008 von 17,402 Mrd. US$ bei.

Der Dollar stieg nicht nur gegenüber dem Euro, auch in Brasilien wuchs sein Wert gegenüber dem Real an fünf aufeinanderfolgenden Tagen und erreichte heute 1,609 R$, eine Aufwertung von 3,01 % in dieser Woche. Die Commodity-Preise fielen deshalb, was für Brasilien schlecht ist, exportieren wir doch hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte und Erze bzw. die daraus gewonnenen Metalle. Eine Vorhersage wagt noch niemand, die Experten warten ab, ob sich der Aufwärtstrend des Dollars und der Abwärtstrend der Commodities bestätigt. Letzte Meldung dazu: Die brasilianische Zentralbank kaufte heute Dollars zuletzt für 1,6113 R$ und der Euro schloss mit 2,4174 R$. 
 
Der Leitzins Brasiliens beträgt z.Z. 13 %, damit soll einer drohenden Inflationssteigerung vorgebeugt werden.  Das BIP wird den neuesten Prognosen zufolge dieses Jahr um 4,9 bis 5,0 % wachsen, 2007 waren es 5,4 %.
 

06 August 2008

Gruselige Zahlen

Unter dieser Überschrift kann man heute in der FAZ diesen Artikel lesen:

"06. August 2008: Der Auftragsrückgang in der deutschen Industrie hat sich im Juni überraschend beschleunigt. Die Bestellungen seien zum Vormonat preis- und saisonbereinigt um 2,9 Prozent zurückgegangen, teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Der Rückgang ist der stärkste seit rund einem Jahr; vor allem die Nachfrage aus dem Ausland schwindet.

Ökonomen hatten nach dem kräftigen Rückgang im Vormonat hingegen mit einer Erholung und einem leichten Auftragszuwachs um 0,5 Prozent gerechnet. Zudem wurde auch der Rückgang vom Vormonat von 0,9 Prozent auf 1,4 Prozent kräftig revidiert. Für das gesamte zweite Quartal ergibt sich damit ein Rückgang der Bestellungen um 4,1 Prozent zum Vorquartal. Bankanalysten sprachen in deutlichen Worten von „gruseligen Zahlen“, von einer „sehr großen Enttäuschung“ und von einer drohenden „Rezession im Industriesektor“.

Vor allem die Auslandsnachfrage sackte kräftig ab

„Der in den vergangenen Monaten zu verzeichnende Rückgang der Bestelltätigkeit in der Industrie insgesamt setzt sich fort“, kommentierte das Ministerium die Zahlen. Die Auslandsnachfrage bremse in stärkerem Maße als die Inlandsnachfrage, die aber ebenfalls abwärts gerichtet sei. „Die Aussichten für die Industrieproduktion haben sich damit insgesamt weiter verschlechtert“, hieß es.

Die Auslandsnachfrage sackte im Juni um kräftige 5,1 Prozent ab, während die Inlandsbestellungen um 0,6 Prozent nachgaben. Bei den Auslandsorders schwächte sich die Nachfrage aus dem Euro-Raum mit 7,7 Prozent besonders stark ab, während die Bestellungen aus den Nicht-Euro-Ländern um 3,1 Prozent sanken.

Innerhalb der Sparten konnten sich die Konsumgüterhersteller gegen den Trend stellen und sammelten 0,5 Prozent mehr Aufträge ein. Die Vorleistungsgüterproduzenten verzeichneten dagegen einen Rückgang um 1,8 Prozent, bei den Investitionsgüterherstellern waren es sogar 4,4 Prozent.

Auswirkungen auf die Zinsentscheidung?

Das Ausmaß der Auftragsrückgänge in der deutschen Industrie hat nach Einschätzung der Nord LB negativ überrascht. Die rückläufige Entwicklung halte nun schon den siebten Monat in Folge an, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Bankhauses. Besserung sei nicht in Sicht.

„Mit diesen gruseligen Zahlen“ dürften auch die „Tauben“ im EZB-Rat für die morgige Zinsentscheidung der Notenbank ein weiteres Argument an die Hand bekommen, den Leitzins trotz anhaltend hoher Inflationsraten vorerst nicht anzutasten. Mit den Auftragsdaten seien auch die Vorgaben für die am Donnerstag zur Veröffentlichung anstehenden Daten zur deutschen Industrieproduktion „denkbar ungünstig“.

„Zeichen stehen auf Rezession im Industriesektor“

„Wir waren davon ausgegangen, dass es eine Art Gegenbewegung gibt zum schwachen Monat Mai mit steigendem Auftragseingang“, sagte Marco Bargel, Analyst bei der Postbank. „Deswegen ist es eine sehr große Enttäuschung und keine gute Vorlage für die deutsche Industrie in den nächsten Monaten. Die Zeichen stehen auf Rezession im Industriesektor. Die guten Zeiten sind meines Erachtens zunächst vorbei.“

„Es geht derzeit mit Volldampf nach unten“, glaubt auch Analyst Andreas Scheuerle von der Dekabank. „Das zweite Quartal war nach der Rezession 1992/93 das schlechteste seit der Wiedervereinigung. Im Frühjahr dürfte die Wirtschaft zwischen 0,5 und 0,8 Prozent geschrumpft sein. Die Daten, die derzeit reinkommen, sind wirklich fürchterlich.“

Auftragsrückgang könnte Konjunkturpessimismus noch anheizen

Der Auftragseingang ist neben der Produktion der wichtigste realwirtschaftliche Konjunkturindikator. Wegen Großaufträgen kann er allerdings von Monat zu Monat stark schwanken. Im stabileren Zwei-Monats-Vergleich Mai/Juni zu März/April ging die Nachfrage um 3,7 Prozent zurück.

Unter dem Einfluss von Ölpreisschock, Euro-Aufwertung, Abschwung der Weltwirtschaft und Finanzkrise geht der Aufschwung der europäischen Wirtschaft derzeit insgesamt in die Knie. Die von manchen erhoffte konjunkturelle Abkoppelung von der Weltwirtschaft, die unter der Schwäche in Amerika leidet, erscheint inzwischen immer weniger möglich. Fachleute erwarten für den gesamten Euro-Raum zwar keine Rezession, jedoch eine einknickenden Konjunktur.

Die Daten zur Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal werden am kommenden Donnerstag veröffentlicht. Dabei rechnen Experten im Schnitt mit einem Rückgang um 0,5 Prozent. Die neuen Auftragsdaten könnten den Konjunkturpessimismus jedoch weiter anheizen.
"

Das ist für mich eine Gelegenheit, wieder eine Lanze für Brasilien zu brechen. Der Schaden, den der starke Euro in Deutschland anrichtet, nimmt Brasilien als Schuldigen aus, denn hier bei uns in Brasilien ist der Euro schwach, hat er doch über ein Drittel seines Wertes in den letzten zweieinhalb Jahren verloren und bewegt sich weiter auf dem absteigenden Ast, wenn man den Kursverlauf zum Real als Maßstab nimmt.

05 August 2008

ARD-Brisant vom 5.8.08

Zwischen 17:30 Uhr und 18 Uhr wurde die obige Sendung ausgestrahlt, die bei einem meiner Leser, der gerade aus Brasilien zurückgekommen war, Kopfschütteln und dieses Schreiben an die Redaktion auslöste:

"Mit Kopfschütteln habe ich Ihren Beitrag heute, 5. August 2008, zum Thema Fehlallokation bei Nahrungsmitteln verfolgt: weil im ach so reichen Deutschland Brot weg geworfen wird, hungern die Leute im ach so armen Brasilien. Wann wird aufgehört, dem deutschen Fernsehpublikum, das in seiner Mehrheit keinen Schimmer von den Verhältnissen in Südamerika hat, einen derartigen Gutmenschen-Schwachsinn aufzutischen ??? Verteilen Sie doch das zwei Tage alte Brot an die Bedürftigen im reichen, reichen Deutschland, davon gibt es mehr als genug. Hören Sie auf, sich in bester Gutmenschen-Manier in die Probleme von Brasilien, Südafrika etc. einzumischen. Aus zahlreichen Reisen in alle Regionen Brasiliens weiß ich, dass Unterernährung so gut wie kein Problem darstellt. Da wird so lange mit der Lupe gesucht, bis man das armseligste Dorf im hintersten Winkel der Nordostens ausfindig gemacht hat. Was soll das bitte schön bewirken ? Soll sich der Deutsche wie immer schlecht fühlen, weil es ihm so unglaublich gut geht ? Fangen Sie mal an, bezüglich der sich in Deutschland immer mehr ausbreitenden Armut zu recherchieren, und sehen Sie zu, wie Brasilien und andere "Entwicklungsländer" Deutschland und andere "Industrieländer" in den kommenden Jahren überholen. Dies nicht auf Basis einer Nahrungsmittelproduktion, die an der lokalen Bevölkerung vorbei geht, sondern dank einer breit gefächerten Wirtschaft, die nicht, wie in Deutschland, ständig durch selbst ernannte Gutmenschen ausgebremst wird."

Lula gibt Herrn Sax, der diese Zeilen verfasste, sicher Recht. Schließlich ist er seit Jahren durchaus erfolgreich  bemüht, den Hunger in Brasilien zu beseitigen. Zwar nicht immer mit den richtigen Mitteln - Almosen -, aber trotzdem erfolgreich. Denn ob der sättigende Reis durch Arbeit verdient oder mit den Steuern anderer bezahlt wurde, hat auf seinen Effekt keinen Einfluß, satt ist satt. Und das ist gut so.

Was die sicher immer satten Damen und Herren vom ARD wahrscheinlich nicht wissen oder wissen wollen, hätten sie heute lesen können, wenn sie denn der portugiesische Sprache mächtig wären. Denn das IPEA - Instituto de Pesquisas Econômicas Avançadas veröffentlichte eine Studie, der zufolge die Armut in den sechs untersuchten Großstadtgebieten abnahm und folgerichtig die Zahl der Reichen zunahm. 

Aber lesen wir zuerst, was die bekannte Wirtschaftshochschule Getulio Vargas in São Paulo zum Thema schreibt: Die brasilianische Mittelklasse wächst und umfasst bereits die Hälfte der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung.  2004 waren es 42,26 %, 2008 sind es schon 51,89 %. Mittelklasse (classe C) heisst hier Monatseinkünfte von 1.064 bis 4.591 R$. Die so genannte Elite (classe A + B) hat mehr als 4.591 R$ und die Aufsteiger (classe D) verdient von 768 bis 1.064 R$. Die Armen (classe E) verdient unter 768 R$ im Monat.

Von 2004 bis 2008 wuchsen die Klassen A und B von 11,61 auf 15,52 % der Bevölkerung, die Klasse D nahm von 46,13 auf 32,59 % ab. Die Armut ging in den Großstadtregionen von São Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Porto Alegre, Recife und Salvador um 13,5 Prozentpunkte zurück, ein unmittelbarer Effekt der abnehmenden Arbeitslosigkeit und der Zunahme von echten, d.h. registrierten Arbeitsverhältnissen. Im ersten Halbjahr 2008 wurden 1,361 Mio. neue Arbeitsplätze geschaffen, bis Ende des Jahres sollen es 2 Mio. sein!

Das oben erwähnte IPEA verkündete, dass die Anzahl der Armen in den erwähnten Großstadtgebieten um ein Drittel zurückgegangen sei, was immerhin ca. 4 Millionen weniger Arme bedeutet. Aber auch die Anzahl der Reichen nahm zu, sie wuchs zwischen 2003 und 2008 von 0,8 auf 1,0 % der Bevölkerung. Reich ist hier, wer mehr als 40 Minimumlöhne erhält, also über 16.600 R$ im Monat. Danach sind heute 476.500 Leute reich, 2003 waren es 362.000. Gönnen wir es ihnen und hoffen wir, das recht bald viele viele weitere Brasilianer in diese Einkommensschicht aufsteigen werden. Das Land und seine Leute haben alle Voraussetzungen dazu!

Taxifahrer in Nöten

Was hat ein Taxifahrer mit dem schwachen Euro zu tun? "Der" Taxifahrer wahrscheinlich gar nichts, aber "mein" Taxifahrer Edson, der hier in São Paulo unsere Kunden vom Flughafen abholt, sie zum Hotel und zu Kunden bringt und auch wieder zum Flughafen zurückfährt, manchmal viel. So fuhr er vor über zwei Monaten einen deutschen Geschäftsmann, der ihn per Kreditkarte am Flughafen vor seiner Rückreise entlohnen wollte. Aber dazu kam es nicht, weil die Firma, die er zuletzt besuchte, den braven Edson um seine Fuhre brachte, weil man so höflich war, den besagten deutschen Geschäftsmann zum Flughafen zu bringen. Also wurde dieser gebeten, den Lohn an Edson zu überweisen. Was seine Firma dann auch tat. Bis hierhin keine Anomalie, alles in Ordnung für deutsche Bürger. Aber nicht für die brasilianische Zentralbank. Wie kommt eine ausländische Firma dazu, also eine nichtbrasilianische juristische Person, einem brasilianischen Bürger, also einer einheimischen natürlichen Person, Geld zu schicken? Was ist denn die Grundlage dieses unerhörten Vorganges? Und so forderte die Bank in Brasilien, und keine kleine, der Name Santander bürgt dafür, dass der besagte unbescholtene Edson einen Vertrag vorlege, mit dem bewiesen werde, dass alles rechtens sei mit seiner Dienstleistung für eine natürliche Person, die von einer juristischen entlohnt wurde. Beziehungsweise werden sollte. Denn das Geld ist immer noch im Gewahrsam der Bank und kann erst dann an die Zentralbank verkauft werden, wenn besagter Vertrag vorliegt. Und da es keinen gibt, wird wohl das Geld nach Ablauf von drei Monaten zurückgeschickt werden und der wackere Edson wird dann mit Glück eine neue Überweisung erhalten, diesmal von der natürlichen Person des besagten Geschäftsmannes. Und dann wird das Geld auch zwangsumgetauscht, denn Gott bewahre, man kann doch keinem in Brasilien Ansässigen zumuten, Hartwährung zu empfangen, also zwackt man ihm eine Wechselgebühr (hier sollen es 50 R$ sein!) ab und gibt ihm Reais. Und da der Real zur Zeit die eigentliche Hartwährung ist, siehe Graphik, verliert unser Edson immer mehr, wenn sein Kunde die vereinbarte Eurosumme überweist.

Und die Moral der Geschichte? Für Edson ganz einfach, nach jeder Fuhre Barzahlung oder wenigstens per Kreditkarte, ausländische Kunden sind leider, manchmal ohne eigenes Verschulden, nicht kreditwürdig! Und wundern sich ausserdem über die hohen Taxipreise. Wahrscheinlich fahren sie zuhause immer mit dem eigenen Wagen, sonst würden sie wissen, das diese so hoch gar nicht sind. Abgesehen davon, Anfang 2005 stand der Real bei 3,70 und heute sind es knapp 2,40; eine Abwertung des Euro um 35 % bei nur geringfügig gestiegenen Preisen in Real.

28 Juli 2008

Euro immer noch auf Talfahrt


Nach einer fast vierwöchigen Europareise hatte ich genug Gelegenheit, festzustellen, was man für einen Euro in Italien, Österreich und Deutschland kaufen kann. Vor allem die Hotel- und Restaurantpreise haben mich überrascht, das Essen war nicht immer gut, aber regelmäßig teuer und die guten Hotels wesentlich kostspieliger als ähnliche in Brasilien. Wenn ich mir jetzt die letzte Wechselkursentwicklung des Euro zum Real ansehe, verstehe ich das. Ist der Euro nichts mehr wert? Oder stehen wir vor einer Blase, die nach ihrem Platzen den Real in die Tiefe reissen wird?

Sehen Sie sich dazu den Kursverlauf der letzten drei und zwölf Monate an und bilden Sie sich selbst ein Urteil!

Nach oben buckeln und nach unten treten

kann man in meiner Heimatstadt Berlin besonders gut, denn sie verfügt über 625 km Radfahrwege. Amsterdam kommt auf 400 km, Paris hat 379 km und selbst Bogotá und Kopenhagen bieten den Radfahrern, die meist Gegenwind haben, 300 km. Und São Paulo? Hier sieht es düster aus, denn unseren 300.000 Radfahrer stehen nur 23,5 km zur Verfügung, 19 km davon in Parks, also nicht auf öffentlichen Straßen. Und die 4,5 km auf den Straßen sind unbenutzbar, weil sie nie gepflegt wurden und z.T. sogar unpassierbar sind, weil Bushaltestellen auf ihnen errichtet wurden. 

30 Juni 2008

Neue Gelegenheit im September für kostenlose Brasilienberatung

Während des NRW-Aussenwirtschaftstages am 16. September 2008 in Essen haben alle Interessierten, die mich im Juni nicht sprechen konnten, weil ich mit durchschnittlich sieben Gesprächen am Tag ausgebucht war, wieder Gelegenheit, sich von mir in Sachen Brasilien kostenlos beraten zu lassen. Und wie üblich, ist die Erstberatung in der zugehörigen Woche in den IHKs Essen und Stuttgart ebenfalls kostenlos. Bitte für eine Terminabsprache in Essen wie gehabt Herrn Tobias Slomke und in Stuttgart Herrn Harald Sterzinger ansprechen.

Nach dem Dollar auch der Euro auf Talfahrt

Der starke Euro ist ein ziemlicher Witz, wenn Sie mir die saloppe Ausdrucksweise verzeihen. Auf jeden Fall gegenüber dem brasilianischen Real, nur im Vergleich zum US - Dollar kann man noch von Stärke sprechen. Aber was stark ist, ist das Interesse der deutschen Exporteure am brasilianischen Markt. Was sich u.a. in der Anzahl meiner Beratungsgespräche in der letzten Woche in Deutschland bemerkbar machte. In fünf Tagen 35 Gespräche, d.h. 7 Interessenten pro Tag - man fühlt sich an die Zeit vor 10 Jahren erinnert, als wir bis zu 19 Firmen gleichzeitig im Brasilienpool der IHK Essen hatten.

16 Juni 2008

Letzte Gelegenheit (im Juni) für ein kostenloses Beratungsgespräch!

Auf der Eurolatina-Homepage können Sie dies lesen:

Kostenlose Brasilienerstberatung am 23., 24. und 25.6.08 in der IHK ESSEN und am 26. und 27.6.08 in der IHK STUTTGART durch Karlheinz K. Naumann, Autor von "Wirtschaftsboom am Zuckerhut" und Leiter des Firmenpools Brasilien / Mercosur der IHK Essen. Individuelle Erstberatung in Firmen gegen Reisekostenerstattung innerhalb Deutschlands.

Für Anfragen bitte oben in die Links IHK ESSEN oder IHK STUTTGART klicken.

In Essen sind bis auf zwei Uhrzeiten (8:00) alle Termine ausgebucht! Wer mich also sprechen möchte, sollte sich schnell anmelden oder auf Stuttgart ausweichen.

15 Juni 2008

Verseuchter Untergrund schafft Geschäftschancen

Untergrundarbeit kann sich lohnen, vor allem, wenn es sich um Schmutzarbeit handelt, denn hier gilt besonders, was schon Kaiser Augustus seinen Beratern vor 2000 Jahren erwiderte, die gegen seinen Plan waren, für die Benutzung öffentlicher Bedürfnisanstalten Geld zu nehmen: pecunia non olet oder auf gut Deutsch "Geld stinkt nicht"! In Brasilien vervielfältigt sich die Fläche mit verseuchtem Untergrund ununterbrochen. Nicht so sehr, weil die Verseuchung ungebremst geschieht, sondern weil die Kontrolle immer besser wird, durch die Anwendung von Technologie zur ihrer Aufdeckung und durch den Einsatz von immer mehr Kontrolleuren. 

Per November 2007 waren 2.272 verseuchte Grundstücke in São Paulo bekannt, nämlich 743 in der Stadt São Paulo, 442 im erweiterten Stadtgebiet (região metropolitana), 786 im Bundeslandinneren (interior), 153 an der Küste (litoral) und 148 im Vale do Paraíba. Entwickelt hat sich diese Zahl so:
  • 2002: 255
  • 2003: 727
  • 2004: 1.336
  • 2005: 1.596
  • 2006: 1.882
  • 2007: 2.272
Verursacht wird die Verseuchung des Untergrunds zu 77 % von Tankstellen, zu 15 % von der Industrie, zu 5 % vom Handel, zu 3 % durch Abfälle und zu 1 % durch unbekannte Einflüsse oder Unfälle. Laut Cetesp - Companhia de Tecnologia de Saneamento Ambiental (bei der Umweltschutzbehörde von São Paulo aufgehängt) sind 39 % der Grundstücke "in Behandlung", 4 % sind bereits entseucht, 51 % sind ohne Lösungsvorschlag und für 6 % gibt es einen Vorschlag, aber keine Aktion. 

Wenn man bedenkt, welche Gefahren im Untergrund lauern - angefangen bei der Gesundheitsgefährdung durch Schwermetalle und karzinogene Substanzen bis hin zur Explosionsgefahr durch Kohlenwasserstoffe - sollte man meinen, dass mit Hochdruck an der Lösung des Problemes und der Vermeidung neuer Probleme gearbeitet wird. Ein positives Beispiel dafür ist das Condomínio Barão de Mauá im erweiterten Standgebiet von São Paulo, in dem 5.000 Einwohner von 72 Mehrfamilienwohnhäusern akut gefährdet waren, weil die Wohneinheiten auf einer ehemaligen Industriemüllhalde errichtet worden waren. Und diese hatte den Untergrund mit Methangas und Benzol beglückt, was zu einer Explosion in einem Wasserkasten führte, als dieser im April 2000 gewartet wurde. Dabei starb ein Arbeiter, der andere erlitt schwere Brandwunden. Die Explosionsgefahr ist in der Zwischenzeit gebannt und die Verseuchung verringert. Trotzdem gilt eine Justizentscheidung  vom September 2006, die den sofortigen Auszug der Bewohner und den Abriss aller Wohneinheiten anordnete. Geschehen ist dies noch nicht, denn eine Gruppe möchte wohnen bleiben, die andere will entschädigt werden und umziehen.

Egal wie diese Tragödie ausgeht, wer professionelle Bodenentseuchung anbieten kann, hat ein weites Geschäftsfeld zu beackern. Und eine solche Entseuchung kann schnell mal umgerechnet 150 bis 200 T€ für ein Tankstellengrundstück kosten! Und so dicht gesät sind diese Profifirmen nicht, Platz für seriöse Newcomer ist allemal.

14 Juni 2008

Müllgas könnte 15 % des brasilianischen Energiebedarfes decken!

Das sagt wenigstens eine unvollendete Studie des Bergbau- und Energieministeriums, welches trotzdem Wasser-, Wind- und Solarenergie bevorzugt fördern will. André Lobato schreibt über dieses Thema in der Tageszeitung FOLHA und zeigt auch ein Foto von Danilo Verpa von einer Energiegewinnungsanlage, die das durch den Zerfallsprozeß in der Müllhalde Bandeirantes im Norden São Paulos entstehende Methan nutzt. Der Müll der 300 größten Städte Brasiliens würde bei vollständiger Nutzung tatsächlich in der Theorie 15 % der heute verbrauchten Elektroenergie generieren können. Wegen der fehlenden Förderung hat dieser Prozess im Augenblick aber wenig Aussichten, im grossen Stil genutzt zu werden. Es gibt eine Anlage der Bundesuniversität von Rio de Janeiro mit 200 kW por Monat, das reicht gerade mal für 2.300 Haushalte. Methan aus Müll wird auch noch aus der Halde Novagerar in Nova Inguaçu (Gross-Rio de Janeiro), der schon erwähnten Halde Bandeirantes und der von São João, auch in São Paulo, verwendet. Da Methan aus organischen Abfällen bei deren Zerfall entweicht, müsste der Müll getrennt werden, was heute grösstenteils nicht geschieht. Novagerar ist übrigens die erste Müllhalde, die das Kyotoprotokoll nutzte und Kohlendioixkredite verkaufte. Die Betreibergesellschaft will künftig ein Energieunternehmen sein und rechnet mit einer Investition von 6 Mio. US$ für die Erzeugung von 6 MW, laut der Geschäftsführerin Adriana Felipeto ausreichend für 24.000 Haushalte. Die angebotene Energie stößt auf das Interesse von Firmen wie Unibanco, die die 20 MW der Halde Bandeirantes abnehmen. Die 24,8 MW der Halde São João gehen an Grossabnehmer, darunter Shoppingcenters. Der technische Nachholbedarf Brasiliens auf diesem Gebiet hat u.a. die fehlenden PPPs (Public Private Partnerships) als Grund.

10 Juni 2008

Brasilianisches BIP wächst stark

Gute Nachrichten, das brasilianische BIP stieg im ersten Vierteljahr 2008 um sage und schreibe 5,8 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Der  Zuwachs der letzten 12 Monate per März, ebenfalls 5,8 %, ist der grösste seit 1996, sagte das IBGE heute.  

Im ersten Viertel des laufenden Jahres betrug das BIP absolut gesehen 665 Mrd. R$, für das gesamte Jahr wird jetzt ein Wachstum von 4,77 % von der Zentralbank vorausgesagt, die ca. 100 Finanzinstitutionen um eine Einschätzung bat. Wobei ich mich frage, was diese dazu sagen könne, tragen sie doch zum BIP-Wachstum nur indirekt bei.

Das Investitionswachstum ist ebenfalls beachtlich, die sogenannte Bruttofixkapitalbildung (formação bruta de capital fixo) beträgt per März 2008 gegenüber dem Vorjahresvergleichswert 15,2 %, hervorgerufen durch den Import und die Produktion von Maschinen.

Ein Warnsignal ist der Rückgang der Waren- und Dienstleistungsexporte in den ersten drei Monaten 2008 gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum um 2,1 % und das gleichzeitige Ansteigen des Importes um 18,9 %. Seit 2003 steigen damit die Importe bei dieser Betrachtungsweise ununterbrochen. Und wenn der Real weiter an Stärke gewinnt, wird sich an diesem Trend nichts ändern - bloß ad infinitum funktioniert das auch nicht.

Ähnlich wie bei den Importen sieht es beim Konsum der Familien aus, der das achtzehnte Mal in ununterbrochener Folge stieg, diesmal um 6,6 %. 

Leider stiegen auch die Ausgaben der Öffentlichen Hand, nämlich per März 2008 um 5,8 % gegenüber dem Vorjahresvergleichswert.

TÜV für Dieselfahrzeuge

Am 5.6. schrieb ich schon zu diesem Thema. Nachdem fünf Wochen seit der TÜV-Pflicht für Dieselfahrzeuge in der Stadt São Paulo vergangen sind, ist die Bilanz ernüchternd. Gerade mal 20 % der erwarteten Fahrzeuge wurden vorgeführt, der Massenansturm blieb also aus. Und von diesen wenigen, es waren 738 von 2.700 erwarteten, wurden 45 % zurückgeschickt, weil sie die Abgasvorschriften nicht erfüllten. Weitere 13.000 Fahrzeuge mit der Zulassungsendnummer 1 haben jetzt nur noch Zeit bis Ende Juli. Im Schnitt müssten 342 LKWs und Diesel - Pick up's täglich geprüft werden, aber davon ist man weit entfernt. Als meine Frau beim TÜV war, war ihr Wagen zunächst allein, dann kam ein weiterer Pick up und das war's dann.

08 Juni 2008

Wechselkursentwicklung Euro - Dollar, Euro - Real und Dollar - Real

EURO-DOLLAR:
EURO-REAL:
DOLLAR-REAL:

Wird Brasilien ein ÜBERFREMDUNGSGESETZ haben?

Es sieht fast so aus, denn man muss ja jemanden dafür verantwortlich machen, dass Regenwald gerodet wird. Und was ist bequemer, als die Aufmerksamkeit der Umweltschützer ab- und auf die bösen Ausländer umzulenken?

Der Bundesstaat Mato Grosso ist besonders gut geeignet dafür, 754.700 Hektar seiner Fläche bzw. 1.377 Grundstücke sind im Namen natürlicher oder juristischer ausländischer Personen registriert. Dann kommt der Bundesstaat São Paulo, hier sind es 504.700 Hektar bzw. 11.424 Grundstücke. Weitere Bundesstaaten, die vom INCRA scheel angesehen werden, weil man fürchtet, dass die Ausländer hier den Ton angeben, sind Mato Grosso do Sul, Bahia, Minas Gerais, Paraná und Goiás. Insgesamt besitzen Ausländer in Brasilien 5,5 Mio. Hektar, 55 % davon im Amazonasgebiet.

Dass es denen jetzt eventuell an den Kragen geht, zeigt die 450.000.000 R$ - Strafe, die vom IBAMA gegen Gethal ausgesprochen wurde, weil diese Firma Holz angeblich handelt und transportiert, ohne sich an die Umweltschutzbestimmungen zu halten. Eine solche Strafe ist in dieser oder vergleichbarer Höhe noch nie gegen eine rein brasilianische Firma verhängt worden, aber hier handelt es sich ja auch um eine Firma, die dem schwedisch - britischen Investor (oder sollte man besser Sündenbock sagen?) Johan Eliasch gehört. Wie man in der Presse lesen kann, untersucht das INCRA schon, ob man die Registrierung seiner Ländereien im Amazonasgebiet rückgängig machen kann. Und die Bundesregierung kündigt an, dass man der ausländischen Invasion einen Riegel vorschieben wird.

There is no business like hotel business!

Vor einigen Jahren interessierte sich ein junger Unternehmer für Brasilien, dessen Firma Staubsauger, wie sie von Profis in Hotels und Büros verwendet werden, herstellt. Aber er konnte sich nicht dazu durchringen, in den Firmenpool Brasilien / Mercosur der IHK Essen einzutreten, weil ihm seine Erfolgsaussichten in Brasilien wegen der wenigen Hotels zu unsicher waren. Also konzentrierte es sich auf den US-Markt, wo er hoffentlich gute Geschäfte macht.

Weil ACCOR dies anders sah, findet man heute Hotels dieser Gruppe in Brasilien,  die Sovitel, Mercure, Ibis, Novotel und Formule 1 heissen und deshalb dem Europäer gut vertraut sind. Als ich 1978 nach Brasilien kam, gab es übrigens in der Südzone von São Paulo, wo meine Arbeitsstätte lag, nur ein einziges Hotel, das Novotel, welches ich dann auch vorübergehend benutzte, bis ich eine Wohnung gefunden hatte. Vor fünf Jahren hatte ACCOR gerade mal sechs Hotels im Landesinneren des Bundesstaates São Paulo.

Heute boomt es u.a. im Bundesstaat São Paulo wegen des Agrobusiness und viele Städte haben heute Einwohner, die daran glänzend verdienen und Geschäftsbesucher empfangen, die irgendwo ihr müdes Haupt betten wollen. Und damit sieht es in einigen kleinen Städten düster aus, selbst wenn man nur minimalen Komfort haben möchte. Den findet man normalerweise in Städtchen von 50.000 Einwohnern kaum, während man in Europa selbst auf den Dörfern gute Gasthöfe mit bequemen Betten und akzeptablen Badezimmern findet. Aber die Situation ändert sich zunehmend in Brasilien zum Besseren, u.a. weil die ACCOR-Gruppe investiert. So hat man heute 20 Hotels im Bundesstaat São Paulo und will weitere 32 in Städten ab 70.000 Einwohner bauen, was eine Investition von 205 Mio. R$ bedeutet. 

Auf ganz Brasilien gemünzt, werden die Zahlen noch eindrucksvoller, denn hier will man insgesamt in den nächsten vier Jahren 130 neue Hotels bauen und zwar vor allem außerhalb der Hauptstädte der einzelnen Bundesstaaten. Ein weiterer Hinweis auf das Vertrauen in ein weiterhin blühendes Agrobusiness! Die Hotels der Landeshaupstädte haben typischerweise 250 Apartments, während die im Landesinneren mit jeweils 80 auskommen müssen. Vier neue Standorte wurden schon bekanntgegeben, nämlich Lins, Santos, Andradina und Presidente Prudente. 

Aracaçatuba als Beispiel hatte früher sechs Hotels, heute sind es zwölf - das zuletzt eingeweihte ist ein IBIS-Hotel - und immer fehlen noch Übernachtsmöglichkeiten. Hier macht sich im Land des fetten Ochsen - terra do boi gordo - bemerkbar, dass heute das Zuckerrohr - Alkohol - Geschäft das grosse Geld bringt und deshalb ein neuer Name für die Region geprägt wurde. Sie heisst jetzt nova fronteira de cana was man mit "neuer Zuckerrohrgrenze" übersetzen kann. In Aracaçatuba verdreifachte sich die Anzahl der Handelsunternehmen in den letzten vier Jahren und etliche Industrien investierten in der Gegend, u.a. eine US-Firma, die in Kanada unter Nutzung von Rinderblut  Medikamente erzeugt und ein deutsch-kubanisch-brasilianisches Gemeinschaftsunterfangen, welches MDF - Platten aus Zuckerrohrabfall herstellen will. Mit diesen Platten sollen jährlich 2,5 Mrd. R$ (!!!) umgesetzt werden. Weitere Fabriken stellen schwere landwirtschaftliche Geräte her sowie Kessel für die Zucker- und Alkoholindustrie. Ein Anreiz für deutsche Firmen, nicht nur nach São Paulo zu gehen! Und vielleicht für den eingangs erwähnten Staubsaugerhersteller der Auslöser, seine Entscheidung gegen Brasilien zu überdenken?

06 Juni 2008

Kommentare oder wie man es niemanden recht machen kann

Manchmal klappt's allerdings und ich bekomme solche Zuschriften:

Hallo Herr Naumann,

vielen Dank für Ihren erfrischenden Brasilien-Blog. Seit einigen Monaten lese ich regelmäßig ihre informativen und amüsanten Artikel als Einstimmung auf unseren Umzug nach Brasilien. Einen Container haben wir aus Barcelona in der vergangenen Woche auf den Weg geschickt nach PortoAlegre. Ich habe meine spanische Freundin allerdings gewarnt ! Ihr Brasilien-Blog mit zahlreichen Anekdoten aus der Zoll-, Container- und Umzugswelt hat unsere Erwartungen auf ein Minimum reduziert. Das sind sicher die besten Voraussetzungen um das Prozedere zu überstehen ;-)

Ich freue mich immer wieder auf Ihre Berichte und werde Brasilien-Aktuell als charmantestes Leitmedium der Deutsch-Brasilianischen-Freundschaft auch nach unserer Ankunft in PortoAlegre regelmäßig lesen. Vielen Dank und Weiter so !

Mit besten Grüßen

Andreas Maladinski & Belen Camara de la Fuente
(-: geschrieben auf Mac-Book white :-)

Kein Wunder, der Kommentarist, dem ich herzlich danke, ist ja auch ein Apple-Nutzer! Aber manchmal bekomme ich auch Böses zu lesen, zum Beispiel zu meinem Post vom 24.5.08:

Sehr geehrter Herr Naumann,

leider haben Sie den Artikel in der Schwäbischen Zeitung vom 24.05. nicht genau genug gelesen. Die Lateinamerikareise der Bundeskanzlerin führte nicht nur nach Brasilien sondern auch nach Peru, Kolumbien und Mexico. In diesen Ländern spricht man, wie Sie sicherlich wissen, spanisch. In diesen Ländern sind wir ebenfalls seit vielen Jahren tätig und deshalb habe ich zuerst spanisch gelernt.

Falls Sie daran interessiert sind zu erfahren weshalb wir über einen brasilianischen Ausweis (fälschlicherweise hat der Autor von einem "Pass" gesprochen) verfügen, lassen Sie es uns bitte wissen oder holen sich Erkundigungen bei der deutsch brasilianischen Industrie- und Handelskammer ein.

P.S.: die "wahren" Fehler des Berichts sind Ihnen anscheinend nicht aufgefallen.

Mit freundlichen Grüßen,

Simone Falkenstein
Dipl. Arch. ETH

Dabei habe ich die Dame doch gar nicht angegriffen und Ihrer Firma sogar am Anfang ihrer Brasilientätigkeit Hinweise für den Standort gegeben, was die Schreiberin sicher nicht weiss. Und dass der Reporter "Pass" schreibt und "Ausweis" meint, kann der Leser seiner Zeilen ja nicht ahnen, oder? Und warum er die lobenswerten  Spanischkenntnisse meiner Kritikerin im Zusammenhang mit Gesprächen mit brasilianischen Politikern erwähnt, ist mir immer noch unklar. Ich weiss übrigens tatsächlich, dass in Mexiko Spanisch gesprochen wird, habe ich doch in diesem schönen Land gelebt und gearbeitet. Und auch die Sprachen Perus und Kolumbiens sind mir nicht verborgen geblieben, weil ich diese Länder wie alle anderen Südamerikas mit Ausnahme von Surinam, Guyana und Französisch-Guyana  privat und geschäftlich intensiv bereist habe.

Jetzt würde ich nur noch gerne wissen, ob "wir" heisst, dass Frau Falkenstein den pluralis majestaticus benutzt oder ob mehrere Angehörige ihrer Firma einen brasilianischen Ausweis haben. Wer einen solchen haben möchte, kann sich übrigens gerne an mich wenden, die Beschaffung eines solchen Dokuments, dem ein Antrag auf ein Arbeitsvisum vorausgeht, gehört zum Dienstleistungsangebot meiner Firma EUROLATINA.

Karlheinz K. Naumann
Dipl.-Ing. THD
(-: geschrieben auf iBook G4 :-)

Fahrzeugindustrie erwartet Rekordjahr

Die brasilianischen Autobauer korrigieren ihre Vorhersagen für 2008 nach oben, man erwartet jetzt, dass dieses Jahr  3,42 Mio. Fahrzeuge gebaut und im Lande 3,06 Mio. Fahrzeuge verkauft werden. Das wären Zuwächse gegenüber dem schon Rekordjahr 2007 von 15,0 % bzw. 24,2 %! Der Export wird jetzt mit 14,5 Mrd. US$ beziffert, trotz des starken Real, der das Exportgeschäft erschwert.

05 Juni 2008

Zollstreik vorbei - Export und Importwerte steigen weiter

Nach vierzig Tagen Streik flutsch er wieder -  der brasilianische Außenhandel: Per Mai 2008 betrug der Import 63,4 Mrd. US$ (+ 49,2 %) und der Export 72,05 Mrd. US$ (+ 22,2 %). Der Saldo ging von 16,76 Mrd. US$ auf 8,65 Mrd. US$ zurück. Aber wenn man die Monatswerte 2008 betrachtet, sieht man, das der Außenhandelssaldo wächst:
  • Januar: 0,94 Mrd. US$
  • Februar: 0,88 Mrd. US$
  • März: 1,01 Mrd. US$
  • April: 1,74 Mrd. US$
  • Mai: 4,08 Mrd. US$
Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass die Exportpreise von Januar bis April um 22,1 % gegenüber dem Vorjahresvergleichsraum anstiegen sind, während das Volumen der exportierten Güter und Dienstleistungen um 6,9 % zurückgegangen ist. Beim Import wuchs beides, die Preise um 21,3 % und die Importmenge um 18,4 %.

Trotz schlechter Ausbildung ist Brasilien ein Zeitungsleserland!

2007 wuchs der Zeitungsabsatz in Brasilien um 11,8 %, in den letzten 5 Jahren sogar um 24,93 %. Das wurde auf dem Weltzeitungskongress in Schweden am 2. Juni bekanntgegeben. In ganz Südamerika betrug die Zunahme 2007 nur 6,72 %, aber dieser Wert ist immer noch mehr als doppelt so hoch wie der Weltdurchschnitt, der 2,57 % betrug.  In Europa nahm der Zeitungsabsatz sogar um 1,87 % ab, in Nordamerika um 2,14 %.  Die Argentinier lasen mehr, 2007 betrug das Absatzwachstum für Zeitungen in Argentinien 7,45  %, in Chile 3,99 % und in Surinam 3,77 %. Bolivien, Ekuador, Guyana, Uruguay und Venezuela verzeichneten stabile Verhältnisse, wenigstens was den Zeitungsabsatz angeht. Und in Kolumbien ging er um 1,25 % und in Paraguay um 3,85 % zurück. Aber wer will in diesen Ländern auch die schlechten Nachrichten über Farc und Schmuggelware lesen! Von 2003 auf 2007 konnte Argentinien mit einer Absatzzunahme von 22,7 % glänzen, in Surinam betrug sie stolze 22,22 %, in Ekuador waren es immerhin noch 15,22 % und in Chile 13,82 % sowie in Kolumbien 8,97 %, in Guyana 6,67 % und in Bolivien nur noch magere 3,7 %. Paraguay verzeichnete von 2003 auf 2007 einen Rückgang von 16,67 % und Uruguay von 11,18 %. Der Umsatz wuchs in Südamerika im letzten Jahr um 10,77 %, der Weltdurchschnitt betrug demgegenüber nur 0,86 %. Also, von wegen Analphabetismus in Brasilien! Sooo schlecht sind wir auch nicht!

Umweltbewusstsein in Brasilien



Dieselfahrzeuge müssen in São Paulo seit kurzem zum TÜV, wo sie auf ihr Abgasverhalten hin überprüft und notfalls zur Einstellung oder Reparatur geschickt werden, wie in Deutschland. Mit dem Unterschied, dass der Fahrzeughalter nach bestandenem Test wie hier meine Frau einen Baumschössling als Geschenk erhält. Und dieses Geschenk kam genau zur richtigen Zeit, denn meine Frau erhielt zusammen mit einem Grundsteuerbescheid die Auflage, vor ihrem Grundstück auf dem Bürgersteig einen Baum zu pflanzen. Und sie hatte sich einen gelben Ypê-Baum ausgesucht, genau den, den sie heute geschenkt bekam. Übrigens ist die Abgasprüfung (noch) umsonst!

04 Juni 2008

Brasilianischer Leitzins um 0,5 Prozentpunkte erhöht

Das Komitee für Geldpolitik - Copom - der Zentralbank hat den Leitzins per einstimmigen Beschluss um 0,5 %-Punkte auf 12,25 %/a erhöht. Der neue Wert gilt für 45 Tage. Brasilien ist damit weiterhin unter den hauptsächlichen Wirtschaftsmächten das Land mit dem höchsten Realzins der Welt.

So geht's (nicht): Umzug nach Brasilien

Früher sagte man, wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Heute füge ich hinzu, wenn einer in Brasilien wohnen will, muss wer viel erleiden. Hier die Übersetzung einer Mitteilung eines Despachanten (wie gut, dass es sie gibt!) an einen Deutschen, der vor einigen Wochen sein Arbeitsvisum erhielt und jetzt endlich in eigenen gewohnten Sachen wohnen möchte und deshalb seinen Umzug - unter Beachtung aller Fristen und Vorschriften, wie es das Gesetz nicht nur Spartas, sondern auch Brasiliens befiehlt - auf den Weg nach Brasilien schickte, sein Umzugsgut aber bis heute nicht aus dem Zoll herausbekam:

Der Freigabeprozess Ihres Umzuges macht Fortschritte, aber wir haben immer noch nicht die Warenfreigabe. Nachfolgend die letzten Ereignisse:

- 12/05 - Das Bundesfinanzamt nahm nach 40 Tagen Streik wieder den normalen Dienst auf.
- 13/05 - Wiedervorlage einer neuen Vollmacht für die Reaktivierung der Ermächtigung, die am 15.4. ungültig wurde, mit neuer Gültigkeit bis 31.12.2008. Am selben Tag sprachen wir mit dem Beamten XXX, der darum bat, dass wir einen Antrag auf Kanzellierung der aktuellen Importerklärung stellen, mit der Änderung der Klassifizierung "unbegleitetes Gepäck IN 117 " in "vorübergehende Zulassung IN 150".
 - 16/05 - Das Bundesfinanzamt gab dies im Siscomex frei.
- 16/05 - Wir protokollierten einen Antrag auf Kanzellierung der Importerklärung, da diese nicht geändert werden darf.
- 26/05 - Der Beamte YYY forderte uns auf,  Dokumente zur Weiterverfolgung der Kanzellierung einzureichen.  - 27/05 - Wir protokollierten ein Antwortschreiben auf das Verlangen des Beamten (der Dokumente verlangte, die bereits im Besitz der Finanzbehörde waren).
- 02/06 - Der Prozess mit dem Antrag auf Ungültigkeitserklärung wurde an den Sektionschef der Behörde geleitet.
 - 03/06 - Dieser genehmigte die Ungültigkeitserklärung. Die Streichung der Importerklärung im Siscomex wurde dem Beamten YYY übertragen. 
- 04/06 - In einem Telefongespräch mit dem Beamten sagte uns dieser, dass er die Streichung im Siscomex nicht machen könne und auf Spezialisten warte, die das Systemproblem lösen und die Streichung wirksam werden lassen können.

Nach der Kanzellierung im System der bisherigen Importerklärung (die die Registrierung der neuen Importerklärung verhindert) können wir die neue Einfuhrerklärung mit der Klassifizierung der vorübergehenden Zulassung wie von der Behörde verlangt, eingeben.

31 Mai 2008

Flüge von Brasilien nach Südamerika werden billiger

Ab dem 1.6.2008 dürfen die Fluggesellschaften für Flüge aus Brasilien nach einem anderen Land Südamerikas Preisnachlässe bis 80 % geben. Ab dem 1.9.2008 dürfen die Gesellschaften ihre Flugpreise völlig frei wählen. Betroffen sind alle Flüge von Brasilien nach Argentinien, Uruguay,  Chile, Paraguay, Bolivien, Peru, Ekuador, Kolumbien, Venezuela, Guiana,  Surinam und Französisch Guiana. Früher waren die Preisnachlässe auf 30 % des IATA-Referenzwertes begrenzt, seit März auf 50 % und jetzt auf 80 %. Brasilianische Inlandsflüge sind schon seit 2005 von dieser Begrenzung ausgenommen. Die neue Regelung gilt für alle Fluggesellschaften, die aus Brasilien heraus südamerikanische Ziele anfliegen. Argentinien, Chile und Peru haben ihre Tarife schon länger frei gegeben. Damit wird man in Zukunft viel billiger von São Paulo nach Buenos Aires fliegen können, denn bisher zahlte man für die Touristenklasse 405 US$. Wer seinen Flug in Buenos Aires buchte, kam mit 205 US$ davon. Allerdings müssen die Luftfahrtgesellschaften (leider) keinen Nachlass gewähren!

Hinweis der AHK São Paulo auf neue Zollvorschriften

Seit 31. März 2008 gelten neue Richtlinien der brasilianischen Zollverwaltung bei der Ein- und Ausfuhr sowie dem Transit verschiffter Waren in allen brasilianischen Häfen. Dies teilt die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer in São Paulo mit.

Hintergrund ist die Zusammenführung der beiden bisherigen Zollsysteme "Merchante" (Importe) und "Siscomex" (Exporte) zu dem neuen elektronischen Zollsystem "SISCARGA". Ziel ist es, den Warenein- und -ausgang besser zu registrieren und zu kontrollieren.

Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Änderungen:

Der Frachtbrief / Bill of Lading muss zusätzlich zu den üblichen Angaben folgende Informationen enthalten:
  • Bruttogewicht der Ladung in Kilogramm (ohne Container-Eigengewicht)
  • Volumen der Ladung in Kubikmeter
  • alle "container seal numbers" für jeden Container
  • Typ der Produktverpackung (Paletten, Säcke, Kisten etc.)
  • NCM-Nummer (=Nomenclatura Comum do Mercosul, Warennummer des Mercosur, basierend auf dem internationalen Harmonisiertem System zur Bezeichnung von Waren)
Gefahrenfrachten müssen als solche gekennzeichnet sein und direkt zum Weitertransport verfrachtet werden, ohne unnötig lange im Hafenbereich zu verbleiben.

Hier finden Sie die neuen Fristen:

Bei der Einfuhr nach Brasilien
  • Der Frachtbrief muss 48 Arbeitsstunden vor Einlaufen des Schiffs in den ersten brasilianischen Hafen an das System SISCARGA übermittelt sein.
  • Änderungen der Einfuhrerklärung dürfen nicht später als fünf Tage vor Einlaufen des Frachters in den ersten brasilianischen Hafen im System SISCARGA vorgenommen werden.
  • Nach Ablauf dieser Frist von fünf Tagen sind Änderungen erst wieder innerhalb von 30 Tagen nach Einlaufen des Frachters in den jeweiligen brasilianischen Hafen möglich.
Bei der Ausfuhr aus Brasilien
  • Der Frachtbrief muss 72 Arbeitsstunden vor Einlaufen des Frachters im Ladehafen an SISCARGA übermittelt sein.
  • Die Zollverwaltung akzeptiert keine Cargo House, Pier (CFS), Sea Waybills, Express/Telex oder Dummy Bills of Lading.

30 Mai 2008

Lebensweisheit, auf einen brasilianischen LKW gepinselt

  • Pessimisten klagen
  • Optimisten träumen
  • Realisten arbeiten!

29 Mai 2008

Dollar auf Stand von 1999!

Heute erreichte der US$ mit 1,639 R$ den tiefsten Wert seit dem 20.1.1999, als Brasilien wegen der Währungskrise den Kurs frei schwanken liess. Auslöser war die Bekanntgabe von Fitch, dass man Brasilien den Investmentstatus zugebilligt hat.

Ausländer und Grundbesitz in Brasilien

Amazonien gehört den Brasilianern! Wobei angeblich schon viele ausländische Organisatoren begehrliche Blicke auf unseren Regenwald werfen und der brasilianischen Regierung die Verfügungsgewalt darüber streitig machen wollen. In US - Atlanten soll es sogar Karten geben, auf denen Amazonien nicht mehr zu Brasilien gehört, sondern als internationales Einflussgebiet gekennzeichnet ist. Damit diese Wunschträume nicht zur Realität werden, will die brasilianische Regierung Landkäufe durch Ausländer in ganz Brasilien, aber vor allem gedacht für das Amazonasgebiet, erschweren. Unter Ausländer fallen dabei auch brasilianische Firmen mit ausländischem Kapital. In Amazonien sind 3,1 Mio. Hektar von 5,5 Mio. Hektar registriertem Landbesitz in der Hand von Ausländern. Rolf Hackbart, der Incra-Chef mit dem typisch brasilianischem Namen, geht von einem internationalen Disput um brasilianische Ländereien aus, der die Souveränität Brasiliens bedroht. Keine guten Nachrichten für ausländische Spekulanten, die sich heute schon über schnell steigende Preise für landwirtschaftlichen Besitz beschweren, wenn sie einen solchen kaufen. Beim Verkauf sind die gestiegenen Preise natürlich ganz in Ordnung.

28 Mai 2008

Sind blutige Nasen für Brasilianer akzeptierbar?

Wenn man liest, dass nur 26 % der in Brasilien produzierten Autos einen Airbag haben, muss man dies annehmen. Ich habe früher schon mal darauf hingewiesen, dass selbst bei einem japanischen Importfahrzeug - im betrachteten Fall war es ein Suzuki - der Airbag nicht vorhanden ist, aber beim gleichen Fahrzeug in Deutschland zur Serienausstattung gehört. Unverständlich, warum die Industrie hier nicht einen weltweit identischen Maßstab ansetzt. Immerhin sind alle Neufahrzeuge in den USA, in Westeuropa und Japan mit Airbags versehen. In Brasilien sorgt jetzt der Gesetzgeber dafür, dass zumindest für die Insassen auf den Vordersitzen Airbags gesetzlich vorgeschrieben sind. Nach einer Übergangszeit von 5 Jahren gilt dies für alle Fahrzeuge. 
In Brasilien, wo zwischen 38.000 und 45.000 Personen jährlich ihr Leben durch Verkehrsunfälle verlieren, werden Airbags nur von Takata in Jundiaí und von Autoliv in Taubaté montiert, wobei mehr als die Hälfte der Komponenten importiert ist. Takata wird dieses Jahr 700.000 Einheiten montieren, 45 % mehr als im Vorjahr. Die Produktion von Autoliv liegt bei 150.000 Einheiten im Jahr. Obwohl Takata eine ausreichende Kapazität von 1 Million Einheiten hat, investiert die Firma mit 4 Mio. R$ in Modernisierung und neue Produkte. 

Als neuer Player tritt jetzt TRW Automotive auf. Die Firma, die 5.000 Mitarbeiter beschäftigt, wird 15 Mio. R$ investieren, um eine Airbag - Produktion für 120.000 Einheiten im Jahr mit 120 Mitarbeitern aufzuziehen. Bisher hatte man sich auf Sicherheitsgurte, Lenkräder, Bremssysteme und Motorteile beschränkt. TRW wird die neue Fertigung entweder in der Fabrik in Limeira oder der in Lavras unterbringen. Weitere Operationen unterhält man in Engenheiro Coelho, Três Corações, Santo André, São Bernado do Campo und in Taubaté.  

TRW will auch die Nylonfaserproduktion für den Gassack des Airbag nationalisieren, nur der Gasgenerator, der ihn bei einem Unfall aufbläst, soll importiert werden. 

Zum Abschluss noch der Hinweis, dass in den USA künftig auch externe Airbags eingeführt werden sollen, die die Verletzungsgefahr von Fussgängern bei einem Unfall reduzieren sollen.

Lesewut

kann man das sicher nicht nennen, wenn man erfährt, dass ein brasilianischer Schüler im Jahr statistisch gesehen nur 1,7 Bücher aus eigenem Antrieb liest. Immerhin mit den zwangsweise gelesenen 5,5 didaktischen Büchern kommt "der" brasilianische Schüler damit auf 7,2 gelesene Bücher pro Jahr. Diese Daten sind in einem Bericht des Instituto Pró-Livro enthalten, der heute in Brasília vorgestellt wurde. Kein Wunder, dass  unsere Schüler 2006 im Pisa-Test zu über 50 % auf dem niedrigsten Niveau des Verständnisses und der Interpretation gelesener Texte lagen. 
Die Kinder "gut" verdienender Eltern zeigen wieder mal, dass Wissen Macht ist und lesen 5,3 nicht didaktische Bücher im Jahr. Die können es sich auch leisten, bei mehr als zehn Mindestgehältern im Monat. Ehe man mir unangebrachte Ironie vorwirft, weise ich auf die Werte anderer Länder hin: In Spanien liest man 5 Bücher im Jahr, in Argentinien 5,8 und in Frankreich sogar über 7. Im armen Norden Brasiliens wird zum Ausgleich praktisch nur gelesen, was der Lehrer befiehlt. 

Hier einige der interessanten Umfrageergebnisse:

Liest Du gerne?
  • 32 %: sehr
  • 45 %: nicht sehr
  • 17 %: nein
Gründe, um zu Lesen:
  • 70 %: Zwang des Ausbilders
  • 52 %: Freude am Lesen
  • 41 %: Interesse am Stoff
  • 15 %: berufliche Wissensaktualisierung
  • 14 %: Religion
Mit welcher Häufigkeit lesen Deine Eltern:
Vater:
  • 21 %: immer
  • 28 %: manchmal
  • 43%: fast nie oder nie 
Mutter:
  • 32 %: immer
  • 37 %: manchmal
  • 29 %: fast nie oder nie
Also ein Hoch auf die Mütter!!!

Wie viele Bücher hast Du in den letzten 12 Monaten gelesen?
  • 10 %: keines
  • 6 %: kann nicht lesen (kein guter, aber ein hinreichender Grund)
  • 81 %: eines oder mehr
Gründe, um nicht zu lesen:
  • 39 %: keine Zeit
  • 38 %: hat Besseres vor
  • 22 %: kein Interesse
  • 15 %: keine Bibliothek 
  • 14 %: kein Geld
Besuchst Du eine Bibliothek?
  • 22 %: ja, regelmäßig
  • 32 %: ja, manchmal
  • 46 %: nein
Wer beeinflusst am meisten das Leseverhalten?
  • 62 %: die Mutter
  • 37 %: der Lehrer
  • 32 %: der Vater
Was machst Du am liebsten in Deiner Freizeit?
(63 % der Befragten mit einer höheren Schulausbildung ziehen Lesen vor)
  • 80 %: Fernsehen
  • 59 %: Musik hören
  • 45 %: mit Freunden ausgehen
  • 42 %: Ausruhen
  • 38 %: Lesen (Bücher, Zeitschriften, Zeitungen)
  • 30 %: im Internet surfen 
43 % haben, seitdem sie das Lesen lernten, nie ein Buch oder eine Zeitschrift geschenkt bekommen.
60 % kennen keinen, dessen Leben durch das Lesen besser geworden ist.
43 % sagten, sie hätten am meisten im Leben gelesen, bis sie 10 Jahre alt wurden.


27 Mai 2008

Blauer Dunst nimmt auch in Brasilien ab

Paula Laboissière von der Agência Brasil verbreitete die frohe Botschaft des Gesundheitsministeriums, der Zigarettenverbrauch nahm in Brasilien von 1989 auf 2004 um 32 % ab! Da freut sich der gesunde Menschenverstand und das Finanzamt und die Zigarettenindustrie haben das Nachsehen. Nur noch 17 % der Brasilianer über 15 Jahre rauchen demnach, früher waren es 32 %! Bei Erstwelt- und Schwellenländern liegt dieser Wert zwischen 27,4 und 28,9 %. Hier einige Beispiele: USA 20,8 %, Kanada 20 %, Mexiko 34,8 % und Argentinien 40,4 %. Jetzt könnte man schliessen, je ärmer, desto rauchiger, aber wenn man an die Rauschgiftprobleme der USA denkt, kommen einem vielleicht Zweifel.

3,2 Mrd. R$ Investition im Düngemittelbereich

Heute gab die deutsche DVA ein Investitionsprogramm für 5 Jahre bekannt, welches 100 Mio. US$ für eine Pflanzenschutzmittelfabrik in Ituverava (Bundesstaat São Paulo) vorsieht, mit dem der bisherige Import überflüssig gemacht werden soll. 
Aber - und dazu siehe die Überschrift - BUNGE FERTILIZANTES kann es noch besser. Die Firma wird 3,2 Mrd. R$, das sind ca.  1,23 Mrd. €, für die Ausweitung der Phosphatproduktion um sage und schreibe 1,2 Mio. Tonnen pro Jahr ausgeben. Bisher hatte BUNGE FERTILIZANTES mit BUNGE ALIMENTOS zusammen "nur" 400 Mio. R$ jährlich im Mittel der vergangenen Jahre in Brasilien investiert. Um diese Summe aufzubringen, nimmt man u.a. ein BNDES-Darlehen auf. Letztes Jahr hatte BUNGE FERTILIZANTES 8 Mrd. R$ umgesetzt, dieses Jahr sollen es 15 Mrd. R$ werden. Mit solchen Zuwachsraten sollte man sich die genannte Investition leisten können, die zeigt, welches Potential in unserer Landwirtschaft steckt (und in den weltweit steigenden Lebensmittelpreisen). 

Die Firma, die schon 70 Jahre in Brasilien tätig ist, hat die Investition für vier Projekte vorgesehen, die zwischen 2009 und 2011 abgeschlossen sein sollen. Allein 2 Mrd. R$ sind für einen Bergwerksbetrieb der Fosfertil in Patrocínio (Minas Gerais) vorgesehen, 300 Mio. R$ für Projekte in Uberaba (Minas Gerais) sowie Tapira und Catalão (beide in Goiás). In Araxá (Minas Gerais) soll für 320 Mio. R$ eine neue Mine aufgemacht werden, weitere 565 Mio. R$ sind für eine Phosphatfundstelle in Anitápolis (Santa Catarina)  vorgesehen. Damit wird es möglich, nach Abschluss der Projekte die Phosphatimporte um die Hälfte zu verringern. Brasilien verbraucht jährlich vier Millionen Tonnen Phosphat, die Hälfte davor ist importiert. Bunge wird mit diesen Investitionen den vierten Platz auf der Weltrangliste der Phosphathersteller nach Yara, OCP und Mosaic einnehmen.

Beide Beispiele sind Beweise für den Trend, trotz des starken R$ den Export nach Brasilien durch lokale Produktion zu ersetzen.

25 Mai 2008

Brasilien 2010

Wo werden wir übernächstes Jahr stehen? Wenn es nach der Regierung geht, wird das Verhältnis Investition zu BIP bei 21 % liegen. So steht es im PDP - Programm. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die Politik der Produktiven Entwicklung (Política de Desenvolvimento Produtivo). Da der Vorjahreswert bei 17,6 % liegt, glaubt eigentlich niemand daran, dass dieses Ziel erreicht werden wird, 19 % sind wahrscheinlicher. In absoluten Werten lag die Investition 2007 bei 450 Mrd. US$ und soll 2010 bei 620 Mrd. US$ liegen. Dass dieses Ziel nicht realistisch ist, wird vom Industrieverband São Paulos FIESP mit den hohen Steuern und Zinsen und dem starken Real begründet.
Beim Aussenhandel liegen die Verhältnisse ähnlich. 2007 betrug unser Export mit 160,6 Mrd. US$ nur 1,18 % des Weltexports. Dieser Wert soll auf 1,25 % steigen, was 208,8 Mrd. US$ bedeutet. Aber realistisch sind wohl nur 1,06 %, d.h. 2010 wird unser Anteil am Weltexport kleiner sein als 2007. Ab 2009 rechnet man beim Verband mit einem Aussenhandelsdefizit, weil der immer stärker werdende Real die Exporte zunehmend erschwert. 

Neulich schrieb ich über Forschung & Entwicklung. Die privaten Aufwendungen hierfür stiegen von 2000 bis 2005 um 46 %. 2007 waren es 11,9 Mrd. R$ bzw. 0,51 % vom BIP, bis Ende der aktuellen Regierung sollen 0,65 % bzw. 18,2 Mrd. R$ erreicht werden. Dies gilt für sehr wahrscheinlich und zeigt die Anstrengungen der Privatwirtschaft, zu innovieren, um international wettbewerbsfähig zu werden oder zu bleiben.

Übrigens wird der Wechselkurs von den an diesen Projektionen beteiligten Auguren künftig bei 1,00 US$ = 1,50 R$ gesehen! So sehen die letzten zwei Jahre des Kursverlaufes aus:

24 Mai 2008

Brasilienberatung im Juni 2008 in Deutschland

Vom 23. bis 25.6.08 halte ich in meiner Eigenschaft als Leiter des Firmenpools Brasilien / Mercosur der IHK ESSEN in der Kammer kostenlose Sprechstunden für Brasilieninteressierte ab. Zu diesen können Sie sich bei Herrn Tobias Slomke, dem Poolbeauftragten der Kammer, anmelden. 
Anschliessend werde ich am 26. und 27.6.08 eine identische Veranstaltung in der IKH Stuttgart anbieten, die von meinem Partner, Herrn Harald Sterzinger, organisiert wird. Sie können sich aber auch bei Herrn Julio Neto, dem stellvertretenden Leiter der Aussenwirtschaftsabteilung der Kammer anmelden.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen vorher an mich, damit ich mich gezielt auf das Gespräch mit Ihnen vorbereiten kann. Ein Hinweis auf die Homepage Ihrer Firma ist ebenfalls nützlich und deshalb willkommen.