18 Dezember 2008

Weihnachten steht vor der Tür!

Und das bedeutet, dass viele Leute Geld für Geschenke ausgeben. Ausländische und insbesondere deutsche  Geschäftsleute sollten sich jetzt die Kursentwicklung des Euro zum Real ansehen

und entscheiden, was sie in Brasilien einkaufen möchten. Erinnern Sie sich daran, was ich am 25.1.0.08 unter dem Titel "Es wird nicht alles so heiss gegessen, wie es gekocht wird" veröffentlichte? Hier als Hilfe noch mal eine der Tabellen:

Weltweites Produktranking und die Position Brasiliens:
Nr. 1 in Ethanol
Nr. 2 in Jeans, Keramikteilen und Buskarrosserien
Nr. 3 in Linienflugzeugen, Schuhen und Motorrädern
Nr. 4 in Bier
Nr. 5 in Seide und Radiogeräten
Nr. 6 in Kfz, CDs und Zement
Nr. 7 in Zellstoff, Papier, Textilien und Bekleidung
Nr. 8 in Stahl

Es müssen also nicht immer commodities sein, Sie können auch Werkzeugmaschinen, Autos, Pumpen und viele andere Industrieerzeugnisse - bei dem Kurs sehr günstig - einkaufen. Ab dem 23.2.2009 berate ich wieder in der IHK Essen und in der IHK Stuttgart Brasilieninteressierte kostenlos. Ich würde mich freuen, dann auch Blogleser begrüssen zu dürfen, um über diese Einkaufsmöglichkeiten zu sprechen und wie Sie sie durch eine Mitgliedschaft im Firmenpool Brasilien / Merocur der IHK Essen wahrnehmen können. Anmeldung zu den Gesprächen wie üblich über die Herren Slomke (Essen) und Sterzinger (Stuttgart).

16 Dezember 2008

Brasilien und die nahe Zukunft

Die Zukunft ist umso leichter vorhersehbar, je mehr sie in der Vergangenheit liegt. Deswegen ist die Übung, bereits Geschehenes zu erklären und anderen Leuten Fehlverhalten nachzuweisen, sehr beliebt. Anders ist es bei echten Vorhersagen; diese sind dann beliebt, wenn sie langfristig sind, denn wenn das vor langer Zeit vorhergesehen Ereignis nicht eintreffen sollte, erinnert sich schon niemand  mehr an die Prognose und den falschen Propheten. Und sollte sie doch (wider Erwarten?) richtig sein, kann der Prophet sich leicht in Erinnerung bringen: "Wie ich schon damals richtig sagte...".

Mal sehen, was man in einigen Monaten über das Wachstum der brasilianischen Industrie sagen wird. Heute jedenfalls meint der Dachverband der Industrie CNI, dass das BIP im vierten Quartal um 1,5 Prozentpunkte gegenüber dem dritten Quartal fallen wird. Und das erste Vierteljahr 2009 soll einen weiteren Rückgang von 1,1 Prozentpunkten bringen. Damit wird die Vorhersage für 2009 deutlich schlechter als noch vor DER KRISE gedacht, aber immer noch wesentlich besser als die Prognose für Deutschland. Denn der Industriedachverband glaubt an 2,4 % Wachstum, wobei das industrielle BIP nur um 1,8 % zunehmen wird. Wachstumsträger werden vor allem die Konsumenten sein, 3 % werden die brasilianischen Familien mehr ausgeben als 2008 und dadurch das BIP wachsen lassen. 

Was - bisher jedenfalls - wenige deutsche Konsumgüterhersteller veranlasst hat, den Blick nach Brasilien schweifen zu lassen. Aber vielleicht ändert sich dies jetzt - der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe!

14 Dezember 2008

Wie Brasilianer DIE KRISE sehen

Es reicht fuer sie aus, auf die Hoefe unserer Kfz-Hersteller zu gucken, dort steht ein Neuwagen neben dem anderen und wartet nicht auf Godot, aber auf Kaeufer. Man koennte aber trotzdem versucht sein, zu sagen, man sehe die Krise vor lauter Autos nicht, denn wer sich in diesen Tagen zum Einkaufen in die Viertel von São Paulo wagt, wo "das Volk" einkauft, der wird sich fuehlen wie eine Sardine in ihrer Buechse. Und um sich herum einen wahren Kaufrausch erleben. Der hoffentlich anhaelt, wenn Weihnachten vorueber ist.

Agnelli, der VALE-Chef, forderte bereits von der Regierung eine Flexiblisierung der Arbeitsgesetzgebung, um den Firmen eine schnelle und kostenguenstige Loesung ihrer Auslastungsprobleme zu ermoeglichen. Denn - kommen wir zurueck auf die Autohalden - viele Firmen sind von einem Absatzeinbruch ueberrascht worden und konnten ihre Produktion nicht rechtzeitig drosseln. Das Ergebnis sind unerwuenschte Fertigwarenbestaende. Und wenn die Pipeline nicht zugemacht wird, fliessen immer mehr Rohstoffe und Halbfertigwaren von den Lieferanten in die verarbeitende Industrie, die dann zwar mangels Kaeufer nicht mehr auf Halde fertigt, aber ihre Mitarbeiter in Urlaub schickt, wenn nicht sogar entlaesst. Wenn spaeter die Nachfrage wieder anzieht, kann sie wahrscheinlich nicht befriedigt werden, weil die erwahnten Lieferanten auch Leute, wenn auch spaeter als ihre Kunden, abgebaut haben und nicht sofort lieferfaehig sind. Und wegen der gebrannten Kinder, die das Feuer scheuen, haben dann die Fabriken der verarbeitenden Industrie auch zunaechst ihre Vorraete aufgebraucht und zu spaet nachbestellt. Was zu erhoehten Bestellungen fuehren kann, wodurch sich spaeter Bestaende aufbauen, weil die Nachfrage nicht echt war...

Diesen Zyklus kann man im klassischen Buch "System Dynamics" von Prof. J. W. Forrester vom MIT in etwa nachlesen. Ich habe Anfang der 70er Jahre das Glueck gehabt, damit und dem zugehoerigen Simulationssystem arbeiten zu koennen und dabei Prof. Gert von Kortzfleisch von der Uni Mannheim kennenzulernen. Bei WIKIPEDIA koennen Sie ueber ihn u.a. lesen: "1968 war er am Massachusetts Institute of Technology tätig, von dort zurückgekehrt führte er das Gedankengut der Systemdynamik in Deutschland ein. Unter seinen Schülern sind insbesondere Erich Zahn und Peter Milling als Co-Autoren der Studie Grenzen des Wachstums zu nennen."

Da bleibt nur zu hoffen, dass unsere Wirtschaftsfuehrer dieses Gedankengut auch verinnerlicht haben und anwenden. Womit leider nicht zu rechnen ist, wissenschaftliche Methoden sind in der Politik wie die Logik meist nicht gefragt und in der Wirtschaft legt man Wert auf die Praxis: Theorie - vor allem, wenn sie schwerverstaendlich ist, wird als wenig nuetzlich abgetan.

Nun, die Praxis sieht so aus:
  • Das Co-makership der Kfz-Industrie funktioniert nicht;  wenn es hart auf hart kommt, springt der Lieferant ueber die Klinge nach den Motto "lieber er als wir"
  • Beweis (einer unter vielen): die Aussage eines Einkaufvorstandes der Kfz-Industrie mir gegenueber, wenn man Verlust mache, muessen dies die Lieferanten ebenfalls tun
  • Im November 2008 hatten laut einer FGV - Umfrage 32 % der brasilianischen Fahrzeugindustrie Ueberbestaende, vor einem Jahr waren es 0 %
  • Bei den Zulieferanten sieht es aehnlich aus, die Zahlen sind 17 und 3 %
  • Der Stahlhersteller CSN hatte bis September keine aufgelaufenen Fertigwarenbestaende, was produziert war, verliess den Hof in Richtung Kunden. Jetzt schaetzt der Firmenchef Benjamin Steinbruch, dass man zum Jahresende einen Fertigwarenbestand in die Bilanz aufnehmen muss, der einem normalen Zweimonatsbedarf entspricht. Wobei die Frage offenbleibt, was normal ist.
  • Die Zahl trifft uebrigens auch auf die Autobauer in Brasilien zu, augenblicklich haben sie mit ueber 300.000 fertigen Fahrzeugen auf ihren Hoefen genug fuer den "normalen" Zweimonatsbedarf.
Zum Trost die Worte einer nach der Krise befragten Kundin in einer populaeren, d.h. preisguenstigen Einkaufsstrasse fuer Konsumenten der Klasse C, D und E in São Paulo: "Krise? Welche Krise?" Ihr Wort in Gottes Ohr!

12 Dezember 2008

Wie Lenny Larsson DIE KRISE sieht











Diese sehr illustrativen Kommentare erhielt ich von meinem Schulfreund Dr. Wolfgang Stein. Danke, Wolfgang!

11 Dezember 2008

Wie es zur Krise kam und was die brasilianische Regierung dagegen unternimmt

Mein Freund Harald Sterzinger hat die Erklärung gefunden:

"So oder so ähnlich muss es wohl gewesen sein ...

Mandy besitzt eine Bar in Kreuzberg. Um den Umsatz zu steigern, beschließt sie, die Getränke der Stammkundschaft (hauptsächlich alkoholkranke Hartz-IV-Empfänger) auf den Deckel zu nehmen, ihnen also Kredit zu gewähren.

Das spricht sich in Kreuzberg schnell herum und immer mehr Kundschaft desselben Segments drängt sich in Mandy's Bar. Da die Kunden sich um die Bezahlung keine Sorgen machen müssen, erhöht Mandy sukzessive die Preise für den Alkohol und erhöht damit auch massiv ihren Umsatz.

Der junge und dynamische Kundenberater der lokalen Bank bemerkt Mandy's Erfolg und bietet ihr zur Liquiditätssicherung eine unbegrenzte Kreditlinie an. Um die Deckung macht er sich keinerlei Sorgen, er hat ja die Schulden der Trinker als Deckung.

Zur Refinanzierung transformieren top ausgebildete Investmentbanker die Bierdeckel in verbriefte Schuldverschreibungen mit den Bezeichnungen SUFFBOND®, ALKBOND® und KOTZBOND®. Diese Papiere laufen unter der modernen Bezeichnung SPA Super Prima Anleihen und werden bei einer usbekischen Online-Versicherung per Email abgesichert. Daraufhin werden sie von mehreren Rating-Agenturen (gegen lebenslanges Freibier in Mandy's Bar) mit ausgezeichneten Bewertungen versehen. Niemand versteht zwar, was die Abkürzungen dieser Produkte bedeuten oder was genau diese Papiere beinhalten, aber dank steigender Kurse und hoher Renditen werden diese Konstrukte ein Renner für institutionelle Investoren.

Vorstände und Investmentspezialisten der Bank erhalten Boni im dreistelligen Millionenbereich.

Eines Tages, obwohl die Kurse immer noch steigen, stellt ein Risk Manager (der inzwischen wegen seiner negativen Grundeinstellung selbstverständlich entlassen wurde) fest, dass es an der Zeit sei, die ältesten Deckel von Mandy's Kunden langsam fällig zu stellen. Überraschenderweise können weder die ersten noch die nächsten Hartz-IV-Empfänger ihre Schulden, von denen viele inzwischen ein Vielfaches ihres Jahreseinkommens betragen, bezahlen.

Solange man auch nachforscht, es kommen so gut wie keine Tilgungen ins Haus. Mandy macht Konkurs. SUFFBOND® und ALKBOND® verlieren 95%, KOTZBOND® hält sich besser und stabilisiert sich bei einem Kurswert von 20%.

Die Lieferanten hatten Mandy extrem lange Zahlungsfristen gewährt und zudem selbst in die Super Prima Anleihen investiert. Der Wein- und der Schnapslieferant gehen Konkurs, der Bierlieferant wird dank massiver staatlicher Zuschüsse von einer ausländischen Investorengruppe übernommen.

Die Bank wird durch Steuergelder gerettet. Der Bankvorstand verzichtet für das abgelaufene Geschäftsjahr auf den Bonus.

In diesem Sinne...

Disclaimer: Dies ist ein völlig aus der Luft gegriffenes Beispiel zu Schulungszwecken. Ähnlichkeiten mit eventuell wahren Gegebenheiten oder Personen sind zufällig und keineswegs beabsichtigt.
"

Jetzt wissen wir, was wahrscheinlich geschehen ist. Und wie reagierte die brasilianische Regierung? Heute hat sie erstmal Autos mit 1,0 l Hubraum von der Industrialisierungssteuer IPI  befreit und die für Mittelklassefahrzeuge gesenkt. Dazu kommt die Einführung zweier weiterer Einkommensteuerstufen (7,5 und 22,5 % neben den bestehenden von 15 und 27,5 %) für natürliche Personen und die Reduktion der Steuer auf Finanzoperationen, IOF = Imposto sobre Operações Financeiras genannt. Dieses lobenswerte, aber wahrscheinlich unzureichende Paket wird der Regierung 8,4 Mrd. R$ weniger Einnahmen bescheren.
 
Die Einkommen natürlicher Personen werden damit ab 1.1.2009 so besteuert:
  • bis R$ 1.434 = 0 %  
  • über R$ 1.434 bis R$ 2.150 = 7,5 %
  • über R$ 2.150 bis R$ 2.866 = 15 %
  • über R$ 2.866 bis R$ 3.582 = 22,5 %
  • über R$ 3.582 = 27,5 %
 Mindereinnahmen der Regierung durch dies Massnahme = ca. 4,9 Mrd. R$

Die Industrialisierungssteuer für benzinbetriebene  1,0 l - Wagen wird von 7 auf 0 % gesenkt, für Autos über 1 bis 2 l Hubraum von 13 auf 6,5 %. Nur für größere Fahrzeuge müssen weiterhin 25 % IPI gezahlt werden. Alkohol- und Flexfahrzeuge haben ebenfalls neue Regelungen. Hier betragen die Mindereinnahmen ca. 1 Mrd. R$, wobei die Regierung darauf hofft, dass die Autobauer bzw. -händler die Steuerentlastung an den Autokäufer weitergeben werden. Und dass es zu keinen Entlassungen im Automobilsektor kommt.

Der letzte Bestandteil des Paketes, die Reduzierung der IOF - Steuer für natürliche Personen auf 1,5 %/a, soll diesen die Kreditaufnahme leichter machen. Was sich die Regierung 2,5 Mrd. R$ kosten lässt. Aber der Leitzins SELIC wurde gestern unverändert gelassen und beträgt immer noch 13,75 %/a.

Weitere 10 Mrd. US$, die aus den Währungsreserven genommen werden, sollen Firmen mit Fremdwährungsverbindlichkeiten zur Verfügung gestellt werden, damit diese ihren Verpflichtungen im Ausland nachkommen können.

Und das alles wegen der Bierdeckel!? Danke, Harald!

10 Dezember 2008

Fortsetzung folgt...aber wann?

Das BIP Brasiliens läßt die Muskeln spielen. Im dritten Vierteljahr dieses ereignisreichen Jahres des Herrn 2008 stieg es gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um nicht erahnte 6,8 %. Das ist der höchste Anstieg im vorletzten Vierteljahr eines Jahres seit 1996:

III. Vierteljahr
  • 1996: + 6,0 %
  • 1997: + 1,6 %
  • 1998: - 0,1 %
  • 1999: - 1,0 %
  • 2000: + 4,2 %
  • 2001: + 0,5 %
  • 2002: + 3,7 %
  • 2003: + 0,4 %
  • 2004: + 5,3 %
  • 2005: + 3,0 %
  • 2006: + 4,7 %
  • 2007: + 5,4 %
  • 2008: + 6,8 %
  • 2009: ?????????
Hauptwachstumsträger (dieses Wortungetüm könnte von einem Politiker stammen) waren die Bauwirtschaft (+ 11,7 %), der Bergbau (+ 7,8 %) und die verarbeitende Industrie (+ 5,9 %). Fragt sich jetzt, was das letzte Vierteljahr für eine Überraschung bringen wird. Und ob die PT-Regierung, aus ihrem wirtschaftlich friedvollen und prosperierenden Paradies wegen der Sünden der US-Amerikaner vertrieben, es schafft, die Kurve zu kriegen. Bis jetzt sieht es so aus, als ob zu unser aller Glück Brasilien die augenblickliche Krise besser übersteht als die so genannten Industrieländer. Zu unser aller Glück auch deshalb, weil die Industrieländer, ihrer Wachstumschancen in ihrer unmittelbaren Umwelt beraubt, in die Schwellenländer und insbesondere nach Brasilien ausweichen können, um wenigstens im einstelligen Bereich Positionen auszubauen. Was heute einen Kunden in Europa nicht davon abhielt, mit Hinweis auf einen Spar - Ukas der Konzernleitung einen Auftrag einzufrieren, weil man z.Z. nicht nach Brasilien reisen dürfe. Und das bei einem Konzern der Bauzulieferbranche und 11,7 % (siehe weiter oben) BIP-Wachstum der Bauwirtschaft in Brasilien. Man sieht mal wieder, welches Unheil diese allgemeinen Sparanweisungen - "Sie müssen wie alle Kollegen 10 % Ihrer Personalkosten einsparen!" - anrichten. Anstatt zum Beispiel die Aufträge generierenden Vertriebskosten zulasten der nicht wertschöpfenden Verwaltungskosten zu steigern, wird alles über einen Kamm geschoren. Herzlichen Glückwunsch in der Gemeinde der Kurzsichtigen!

Wissen Sie, was exotisch ist? Während ich diese Zeilen schreiben, machen sich in meinem Kaminschlot kleine Papageien lautstark bemerkbar. Es ist schon das zweite Mal, das Papageien dort ihr Nest gebaut und ihre Eier gelegt haben. Das ist exotisch!

09 Dezember 2008

Der Euro-Kurs fixiert sich auf einem neuen Niveau - von 2,60 auf 3,00 R$?

Das war der Kurs R$/€ am 10.12.2008: 3,2059/3,2708! Und dies ist der Kursverlauf seit Jahresbeginn:

Erinnern Sie sich noch an diesen Blogeintrag?
08 August 2008
Ungebremste Talfahrt des Euro in Brasilien?
Jetzt fragt man sich langsam, wohin die Reise geht. Der 8.8.08 ist wohl nicht für jeden ein Glückstag, höchstens für die Chinesen. Der Euro knickte heute bereits gegenüber dem US-Dollar ein und wer weiß, ob mit 1 € = 2,3545 R$ das Ende der Fahnenstange erreicht ist? Viele Expatriates fragen mich, weil etliche davon Euro verdienen und zurecht besorgt sind, denn wer verliert schon gerne mehr als ein Drittel seiner Bezüge in weniger als drei Jahren? Und bei der Lufthansa wird gestreikt! Sorgen habe die Leute... 


So schnell vergeht der Glanz der Welt - sic transit gloria mundi!

Wind, Wasser und Sonne - brasilianischer Windräderexport








Mit freundlicher Genehmigung von Holger Brandt, der diese Fotos am vergangenen Sonntag in Santos aufnahm.

Aus der Bankenkrise nichts gelernt?

Banken arbeiten nicht mit eigenem Geld. Sie arbeiten mit dem Geld ihrer Konteninhaber und Anleger und nehmen selbst Kredite auf. Diese Kredite sind natürlich nicht kostenlos, d.h. die aufnehmende Bank muß Zinsen zahlen. Und verleiht das Geld anschließend und erhält Zinsen. Den Unterschied dieser Zinssätze nennt man spread und dieser beträgt in Brasilien satte 28,4 Prozentpunkte. Diesen Weltrekordwert rechtfertigen die Banken mit folgender Aufstellung:
  • 13,5 % Verwaltungskosten
  • 37,35 % faule Kredite
  • 3,59 % Zwangsdepot (z.Z. insgesamt ca. 270 Mrd. R$)
  • 8,09 % Abgaben
  • 10,53 % Steuern
  • 26,93 % Nettomarge
Das bedeutet, dass vom spread von 28,4 % (Oktober 2008) 7,65 Prozentpunkte Gewinn für die Banken übrigblieb. Das wirft einige Fragen auf:
  • Wenn faule Kredite den größten Einfluss auf den spread haben, könnte eine Zinsherabsetzung für den Kreditnehmer diesen nicht derart entlasten, dass er seinen Kredit problemlos zurückzahlt, die Menge der faulen Kredite zurückgeht und damit der spread sinken könnte, ohne die Marge der Banken zu beeinträchtigen?
  • Kann die Regierung durch Verminderung des zinslosen Zwangsdepots bei der Zentralbank den Banken wirklich eine solche Erleichterung bieten, dass diese ihren Zinssatz für Kreditnehmer substanziell senken, wenn der Einfluss des Zwangsdepots nur 3,59 % beträgt?
  • Sind unsere Abgaben und Steuern vielleicht im Vergleich zu anderen Ländern für unseren Banken zu hoch?
Im September betrug der mittlere spread in Brasilien 26,4 %, im Oktober die genannten 28,4 %. Sehen wir uns zum Vergleich einige andere Länder und ihre Oktoberwerte an: 
  • Kolumbien 7,4 %
  • Frankreich 7,0 %
  • Venezuela 6,4 %
  • Mexiko 4,4 %
  • China 3,3 %
  • Argentinien 3,1 %
  • USA 2,9 %
  • Japan 1,1 %
  • Holland 0,7 %
Die komplette Liste von 43 Ländern finden Sie im Site des IMF.

Aber es soll keiner sagen, in Brasilien verbessere sich nichts, denn 2001 war unser spread 39,95 %! Was nichts daran ändert, dass der heutige Wert immer noch der höchste der Welt ist!

08 Dezember 2008

Wind, Wasser und Sonne - Brasilien wappnet sich gegen einseitige Abhängigkeit von fossilen Treibstoffen

Diese Fotos nahm ich vor einigen Tagen in der Nähe der Firma WOBBEN in Sorocaba auf. Sie zeigen die Stärke des brasilianischen Windkraftprogrammes. Anschließend besuchte ich die Gießereien von VOITH und BR METALS, wo die Naben der Windräder gegossen werden. Unmittelbarer Anlass war der Besuch der Firma W. HUMBERG, Mitglied des Firmenpools Brasilien / Mercosul der IHK Essen, die den Pool zum Jahresende verläßt. Ihre Sauerstoffkernlanzen werden bereits erfolgreich in Brasilien verkauft und künftig wird das Unternehmen eine Tochterfirma in Brasilien unterhalten, um Gießereien, Stahlwerke, Schrotthöfe, Abbruchunternehmen und Werften zu beliefern. Dazu schreibe ich noch einen speziellen Beitrag.















In der vorigen Woche kündete Alan Kardec Pinto, Präsident einer für Biotreibstoffe zuständigen Petrobrástocher, auf einer Konferenz in Rio eine Verdreifachung der jährlichen Ethanolproduktion auf ca. 70 Mrd. Liter an. Bereits heute werden 46 % des nationalen Energieverbrauches durch Hydro- und Bioenergie abgedeckt. Ausländische Investoren haben sich bereits den Zugriff auf 12 % der Ethanolprodukte aus Zuckerrohr gesichert, weil die Ausbeute in Brasilien mit 6.000 bis 10.000 Liter Ethanol je Hektar viel besser sei als die von Mais in den USA, bei dem nur 3.000 Liter pro Hektar anfallen.

Bereits 12 Prozent der Zuckerrohr-Ethanolproduktion sei »internationalisiert«, sprich, in der Hand von ausländischen Investoren. In Brasilien könne je Hektar 6000 bis 10 000 Liter Ethanol auf Basis von Zuckerrohr produziert werden. In den USA kämen von einem Hektar Mais nur etwa 3000 Liter bei gleichzeitig deutlich höherem Energieeinsatz. Ab 2010 soll in Brasilien auch die Gewinnung von Biodiesel vorangetrieben werden, dafür könne Brasilien laut Staatssekretär Bertone 70 Mio. Hektar Rinderweisen verwenden.

06 Dezember 2008

Brasilianische Fahrzeughersteller revidieren Absatzprognose für 2008

Im Oktober ging der Fahrzeugabsatz in Brasilien bereits um 11 % zurück, im November brach er sogar um mehr als ein Viertel ein. ANFAVEA, der Fahrzeugherstellerverband, meint daher, dass der Absatz 2008 nicht 24 %, sondern nur noch 14 % gegenüber 2007 wachsen wird. Bei der Produktion sieht es ähnlich aus, anstatt 15 % wird die Steigerung nur knapp 9 % betragen.
Dies sind die brasilianischen Fahrzeughersteller, die dem Verband ANFAVEA angehören:

US-Dollar und EURO zum Real am 5.12.2008 (Kursentwicklung der letzten drei Monate)




05 Dezember 2008

Die Rolle Brasiliens als globaler Commodityversorger gefährdet?

Wahrscheinlich nicht, denn der Real wird immer billiger und die Commodities auch. Gestern lag der Kurs unserer Währung gegenüber dem Euro bei 3,2020 / 3,2662, der Dollar stieg über die 2,50 R$ - Marke:
Das Problem Brasiliens liegt eher bei den fallenden Preisen, die einerseits Entlastung und weniger Inflationsdruck bei den Abnehmern bedeuten, den brasilianischen Exporteuren aber die Suppe versalzen, denn sie erlösen nicht nur weniger, sondern müssen zusätzlich mit einer sinkenden Nachfrage fertigwerden.




Und diese sinkende Nachfrage führt bereits zu Entlassungen, so will VALE über 1.000 Mitarbeiter freisetzen, wie es beschönigend heißt. Goldmann Sachs meint aber, dass Brasilien und die arabischen Länder die Krise gut überstehen werden. Gary Cohn, der Vizepräsident, ist sogar der Meinung, dass Brasilien unter den BRIC-Ländern am besten dasteht. Die Brasilianer meinen dies wohl auch, denn 70 % (!!!) bewerten die Arbeit unseres Präsidenten mit Bestnoten, d.h. mit optimo oder bom, was optimal und gut bedeutet. Solche Werte hat noch kein anderer frei gewählter Staatschef Brasiliens erzielt. 2009 wird alles besser, glauben die Brasilianer laut einer Datafolhaumfrage. Danach meinen 78 %, dass ihr Leben im nächsten Jahr besser sein wird, 65 % glauben dies auch in Bezug auf das Land. 72 % sagen, dass sie von der Weltwirtschaftskrise gehört hätten, aber nur 14 % halten sich für gut informiert. Bleibt zu hoffen, dass diese optimistische Meinung sich zu einer self-fulfilling prophecy oder selbsterfüllenden Vorhersage entwickelt! 

 

30 November 2008

Pressemeldung zu ANDRITZ: Grossauftrag aus Brasilien

Graz (aktiencheck.de AG) - Die zum internationalen Technologie-Konzern Andritz (ISIN AT0000730007 / WKN 632305) gehörende Andritz VA TECH HYDRO hat von Madeira Energia S.A., Brasilien, einen Auftrag zur Lieferung von Ausrüstungen sowie zur Montage- und Inbetriebnahme-Überwachung für das in Brasilien zu errichtende Wasserkraftwerk Santo Antônio erhalten. Der Auftragswert beträgt rund 250 MEUR.

Das Wasserkraftwerk Santo Antônio wird als Teil des Madeira River-Complex, der neben Santo Antônio mit 3.150 MW auch das Kraftwerk Jirau mit 3.300 MW umfasst, am Fluss Madeira errichtet und einen wesentlichen Beitrag zur Deckung des stark wachsenden Strombedarfs in Brasilien leisten.

Das Kraftwerk wird mit 44 Maschinensätzen ausgerüstet, darunter die leistungsstärksten Rohrturbinen der Welt mit je 72 MW. Andritz VA TECH HYDRO Brasil und die kürzlich erworbene Andritz Hydro Inepar do Brasil werden zwölf Turbinen, zwölf Generatoren und 24 Spannungsregler für die Generatoren liefern. Der erste Satz soll Mitte 2012 in Betrieb gehen.

Rohrturbinen eignen sich besonders gut für geringe Fallhöhen und damit für Wasserkraftwerksprojekte mit großen Durchflussmengen, wie dies beim Fluss Madeira der Fall ist. Sie bieten einen hohen Wirkungsgrad, da sie zur Gänze unter Wasser sind und damit auch große Schwankungen in den Durchflussmengen bewältigen können.


Andritz VA TECH HYDRO: Die zur Andritz-Gruppe gehörende Andritz VA TECH HYDRO ist ein globaler Anbieter von elektromechanischen Ausrüstungen und Serviceleistungen ('water-to-wire') für Wasserkraftwerke und einer der weltweit größten Anbieter im Markt für hydraulische Stromerzeugung. Im Wachstumsmarkt Kraftwerkserneuerung ist die Firma führend. Diese und andere Pressemitteilungen der Andritz VA TECH HYDRO sind unter www.vatech-hydro.com abrufbar.

Die Andritz-Gruppe Die Andritz-Gruppe ist einer der weltweit führenden Lieferanten von kundenindividuell maßgeschneiderten Anlagen, Systemen und Dienstleistungen für die Zellstoff- und Papierindustrie, für Wasserkraftwerke, die Stahlindustrie sowie andere Spezialindustrien (Fest-Flüssig-Trennung, Futtermittel und Biomasse). Der Hauptsitz der Gruppe, die weltweit rund 13.200 Mitarbeiter beschäftigt, befindet sich in Graz, Österreich. Andritz verfügt über Produktionsstätten sowie Service- und Vertriebsgesellschaften auf der ganzen Welt. (Ad hoc vom 28.11.2008) (28.11.2008/ac/n/a)


Link zur Originalmeldung

29 November 2008

An der Quelle saß der Knabe

und labte sich. In unserem Fall handelt es sich um die nur teilweise privatisierte Petrobrás, Brasiliens grösste Firma, die vollständig unter Regierungseinfluss steht. Und diese Regierung hat der brasilianischen Wirtschaft 10,6 Mrd. R$ zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, die als Kredite bei der Banco do Brasil und der Caixa Econômica Federal abgerufen werden können. Und siehe da, heimlich, still und leise nahm Petrobrás diese Möglichkeit in Anspruch und nahm insgesamt 2,7 Mrd. R$ auf - ein Viertel der Summe, die für die ganze brasilianische Wirtschaft bestimmt war. So weit, so gut - wenn man nicht wüsste, dass Petrobrás im dritten Vierteljahr 10,85 Mrd. R$ Nettogewinn gemacht hat und per September diesen Jahres sogar 26,56 Mrd. R$. Kann es sein, dass - wieder mal - eine Staatsfirma schlecht geführt wird? 

Übrigens fragte vor einigen Tagen ein Blogleser, warum die Benzinpreise in Brasilien nicht sinken, obwohl das Rohöl nur noch ein Drittel des Preises, der vor der Krise erzielt wurde, kostet. Eventuell liegt die Antwort nicht in der Kostenremaneszenz oder den teuren Importen, die trotz aller Unabhängigkeitserklärungen der Regierung nach wie vor nötig sind, sondern einfach in der häufigen Misswirtschaft staatlicher Unternehmen?

Wirtschaftsboom am Zuckerhut

In meinem Buch ist leider nur ein einziges Foto veröffentlicht worden - von der schönen Insel der Dunkelheit, auf Portugiesisch Ilha do Bréu. Das Foto ist auch entsprechend dunkel. Jetzt kann ich diesen nicht von mir verschuldeten Mangel ausgleichen, denn AMAZON lässt das Hochladen von Fotos zu. Wenn Sie also in den Buchtitel Wirtschaftsboom am Zuckerhut klicken, kommen Sie nicht nur zur Buchbeschreibung, sondern gleichzeitig auch zu einer kleinen Bildergalerie, die ich von Zeit zu Zeit ergänzen werde. Viel Spaß beim Ansehen! 

28 November 2008

BIP der G8- und G20 - Länder in Billionen US$

Quelle: Estado de São Paulo

Brasilien - junges Land mit alten Leuten?

Die Lebenserwartung beträgt in Brasilien heute für Männer 69,1 und für Frauen 76,7 Jahre, im Mittel sind es 72,8 Jahre. 1980 waren es nur 59,6 bzw. 66,0 Jahre und im Mittel 62,7 Jahre. Ein Fortschritt, auf den das Land stolz sein kann. 

Und was bringt die Zukunft? 2050 soll der Mittelwert der Lebenserwartung schon 81,3 Jahre betragen. Zu diesem Zeitpunkt wird das Land für 100 Kinder 173 betagte Mitbürger haben, ein Verhältnis, welches wir an den Beiträgen zur Rentenversicherung spüren werden. Schuld daran ist nicht nur die bessere medizinische Versorgung und Ernährung, sondern vor allem auch das Absinken der durchschnittlichen Kinderzahl. Heute hat eine Brasilianerin im Mittel 1,86 Kinder, 2028 werden es nach demografischen Hochrechnungen nur noch 1,5 sein.

Deshalb rutscht Brasilien auch von Platz Nr. 5 bis 2050 auf Platz Nr. 8 ab, wie diese Liste der bevölkerungsreichsten Länder unseres Planeten zeigt (Einwohner 2008, in Klammern die Werte für 2050):

Weltbevölkerung 6,7  Mrd. (9,2 Mrd.), davon:
  1. China 1,3 Mrd (1,4 Mrd)
  2. Indien 1,2 Mrd (1,6 Mrd)
  3. USA 309 Mio (402 Mio)
  4. Indonesien 234 Mio (297 Mio)
  5. Brasilien 190 Mio (215 Mio)
  6. Pakistan 167 Mio (292 Mio)
  7. Bangladesh 161 Mio (254 Mio)
  8. Nigeria 151 Mio (289 Mio)
  9. Russland 142 Mio (? Mio)
  10. Japan 128 Mio (? Mio)
  11. "Demokratische Republik" Kongo ? Mio (186 Mio)
  12. Äthiopien ? Mio (183 Mio)
Für Brasilien ist ein Wachstum der Bevölkerung bis 2038 absehbar, zu diesem Zeitpunkt wird Brasilien 219 Mio Einwohner haben und dann geht's bergab. Aber unsere Bevölkerungspyramide wie dann wie die der entwickelten Länder heute aussehen. Hoffen wir, dass alle anderen Kriterien ebenfalls aufgeholt haben!

Weitere Information (interaktive Weltkarte): bitte klicken! 

26 November 2008

5.564 Städte und Gemeinden hat Brasilien...

...455 davon ohne einen einzigen Arzt im öffentlichen Gesundheitswesen! Hier die Anzahl der Gemeinden und Städte nach Region:
  • Südosten 111
  • Süden 116
  • Nordosten 177
Im Bundesstaat São Paulo haben nur Sagres (2.300 Einwohner) und Suzanápolis (2.900 Einwohner) keinen Arzt des öffentlichen Gesundheitswesens. Brasilien hat im Mittel 1,15 Ärzte pro 100.000 Einwohner, aber in Staaten wie Acre sind es nur 0,8 und die noch schlecht verteilt. Ärzte werden an 176 brasilianischen Fakultäten (hier heißen sie noch nicht Fachbereiche) ausgebildet, aber eben nicht genug mit dem brennenden Wunsch, auf's Land zu ziehen und Gutes zu tun, vor allem nicht als Mitarbeiter des Staates.

Mord und Totschlag

Morde passieren weltweit, leider sitzen wir dabei in Lateinamerika im Brennpunkt. Da kann ich beim Betrachten der folgenden Ziffern nur sagen: Ach wäre ich doch in Mexiko geblieben! Und die Mär vom friedfertigen Brasilianer ist damit wohl auch erledigt?

Das ist die Mordrate pro 100.000 Einwohner ohne junge Mordopfer (in Klammern junge Mordopfer zwischen 15 und 24 Jahren pro 100.000 Einwohner):
  • Afrika 8,5 (16,1)
  • Nordamerika 4,6 (12,0)
  • Lateinamerika 16,1 (36,6)
  • Karibik 13,2 (31,6)
  • Europa 1,3 (1,2)
  • Ozeanien 1,2 (1,6)
Nur in Europa und Ozeanien werden mehr ältere als jüngere Menschen ermordet. In Lateinamerika sehen die Verhältnisse so aus:

Morde pro 100.000 Einwohner gesamt (in Klammern Mordopfer zwischen 15 und 24 Jahren)
  • El Salvador 48,8 (92,3)
  • Kolumbien 43,8 (73,4)
  • Venezuela 29,5 (64,2)
  • Guatemala 28,5 (55,4)
  • Brasilien 25,2 (51,6)
  • Ekuador 18,0 (26,1)
  • Paraguay 12,3 22,3()
  • Nicaragua 10,4 (16,6)
  • Panama 10,4 (17,8)
  • Mexiko 9,3 (10,4)
  • Costa Rica 7,5 (9,2)
  • Kuba 6,0 (7,7)
  • Argentinien 5,8 (9,4)
  • Dominikanische Republik 5,6 (9,1)
  • Chile 5,4 (7,9)
  • Uruguay 4,5 (7,0)
Quelle: RITLA - Rede de Informação Tecnológica Latino-Americana vom 25.11.2008 

25 November 2008

Ein Bild der Krise, die keine sein sollte

Zuerst hat unser (ich schreibe als Bewohner Brasiliens, wenn auch mit deutschen Pass) Präsident gesagt, die Krise überlasse er seinem Kollegen Bush. Jetzt befasst er sich notgedrungenermassen doch mit ihr. In seiner letzten Besprechung mit den Bundesministern in diesem Jahr am 24.11.2008 wurden zunächst  Ziele gesetzt:
  • PAC-Investitionswachstum 10 % (2008: 16 %)
  • Wirtschaftswachstum 4 %
  • IOF-Reduzierung für Not leidende Sektoren wie Kfz-Industrie, Agrarbereich und Bausektor (IOF = Imposto sobre Operações Financeiras)
  • Kreditlinie für Lieferanten von Ausrüstung für Förderung und Verarbeitung von Erdöl und -gas
  • unabhängiger Fond für Notfälle von 14 Mrd. R$ (Fond existiert noch nicht, muss vom Kongress genehmigt werden)
Außerdem soll die Bevölkerung per Anzeigen zum Konsum angehalten werden - Durchhalteparolen? Und natürlich soll das PAC-Programm  (Programa de Aceleração do Crescimento = Programm zur Beschleunigung des Wachstums) durchgezogen werden, es geht um Investitionen von 200 Mrd. R$ bis Ende 2010. Allerdings hat unsere Regierung mit der Umsetzung Probleme, nicht so sehr wegen des Geldes, sondern wegen fehlender Managementfähigkeiten. Aber Geld wird auch fehlen, 2009 wird der geschätzte Steuerausfall wahrscheinlich 8 Mrd. R$ betragen. D.h. die Regierung muss an's Eingemachte und wird sparen müssen. 

Und der Konsument? 2008 wird er zum Jahresende für eine Wachstum des Handels von 9,5 % gesorgt haben, 2009 wird es wahrscheinlich nur für 5 bis 6 % reichen, aber immerhin, Wachstum! Und KMUs merken noch nichts von der Krise, im Gegensatz zu den Konzernen, die ihre Investitionspläne z.Z. sorgfältig überarbeiten.  Unter anderem weil sie kein Geld mehr so leicht im Ausland aufnehmen können, denn Dollar und Euro sind knapp, man merkt es am Kurs.

Der Aktienkurs spiegelt übrigens nicht den Wert unserer börsennotierten Firmen wider, wer Geld hat, sollte Übernahmen realisieren.

Wer keines hat, sollte auf keinen Fall Schulden in Brasilien machen. Der mittlere Zinssatz für Bankkredite beträgt 45 % im Jahr, nämlich 59,8 % für natürliche Personen und 31,9 % für juristische. Das Kreditvolumen hat mit 1,187 Mrd. R$ trotzdem das Jahresziel von 40 % vom BIP der Zentralbank mit 40,2 % schon überschritten. 

Unsere brasilianischen Exporteure haben Grund zur Freude, weil der Real um 30 % schwächer ist als vor vier Wochen, aber die Importeure haben kein Geld, also was soll‘s? Aber unser Import wird natürlich teurer, d.h. wir müssen uns auf eine Steigerung der Inflationsrate einrichten. Und Brasilianer reisen natürlich weniger in's Ausland wegen des Wechselkurses, also freuen sich wenigstens die Hotelbesitzer in Brasilien.

Unsere Regierung hat weniger Grund zur Freude, die Auslandszahlungsbilanz ist negativ, z.Z. um fast 25 Mrd. US$. Letztes Jahr um diese Zeit hatten wir noch einen Überschuss von 3,5 Mrd. US$. Aber die Direktinvestitionen aus dem Ausland haben einen absoluten Höchstwert seit Beginn der Aufzeichungen 1947 durch die Zentralbank erreicht, per Oktober waren es 34,7 Mrd. US$! 

Noch ein Wort zum Ölpreis. Er ist gefallen wie nie, aber an den Zapfsäulen hat sich diese Reduktion bisher nicht bemerkbar gemacht!

24 November 2008

VW setzt u.a. auf Brasilien

Volkswagen hat ehrgeizige Ziele. Das Programm "Strategie 2018" sieht ein Business Reengineering mit dem Ziel der Digitalen Fabrik vor, außerdem eine weltweite Jahresproduktion von mindestens 6,6 Mio. Fahrzeugen bei einer Kapitalrendite von 21 %. Da die Auslieferungen an Kunden in Nordamerika nach Zahlen, die in  digitalPlant Business + Engineering 6/2008 (vor der Krise!) veröffentlicht wurden, von 2007 auf 2018 nur um 7 % wachsen werden und die in Europa nur um 4 %, sind die Schwellenländer gefragter denn je. Denn z.B. in Brasilien glaubt VW an ein Wachstum von 52 %! In absoluten Zahlen bedeutet dies ein Anstieg von 2,3 auf 3,5 Mio. Fahrzeuge.

Wie stark wird der Euro?


Vor einigen Tagen habe ich gefragt, wie schwach wird der Real? Ich will mich nicht wiederholen, deshalb frage ich jetzt, wie stark wird der Euro? Aber die Tendenz hat sich nicht geändert und ist für den deutschen Export nach Brasilien schlecht, denn vor kurzer Zeit krebste der Euro noch bei 2,40 R$ herum. Das bedeutet 30 % Verteuerung für deutsche Ware, sicher nicht einfach ohne Magenbeschwerden zu schlucken.  Aber eventuell ein Grund, wenn man wirklich Brasiliengeschäfte machen will, über die Gründung einer lokalen Niederlassung nachzudenken.

Weniger Getreide?


Obwohl die mit Getreide beflanzte Fläche in der Ernteperiode 2008/2009 47,95 Mio. Hektar beträgt, 2007/2008 waren es 47,4 Mio. Hektar, gehen brasilianische Spezialisten von einem Rückgang der Ernteerträge aus. Eine der Ursachen sei nicht etwa das Wetter, sondern die Verknappung der Kredite für den Landwirtschaftssektor. Selbst auf diesem Gebiet wirkt sich also die leichtsinnige US-Hypothekenvergabepraxis der jüngsten Vergangenheit und die aberwitzige Vergütungspraxis für daran beteiligte Bankmitarbeiter im fernen Brasilien aus. Und wenn weniger geerntet wird, werden weniger Lkw gebraucht, wenn weniger Lkw gebraucht werden, müssen weniger Lkw-Motoren gebaut werden, deshalb wird weniger Material eingekauft..., eine Schraube ohne Ende. Viele und gerade große Firmen haben ihre Investitionspläne angepasst. Ein wichtiger Trafohersteller hat z.B. seine Absicht, eine neue Imprägnieranlage zu kaufen, fallen lassen und wird seine alte renovieren. Die neue Anlage genoss vor einigen Monaten noch höchste Priorität, weil die Kapazität dringend verdoppelt werden musste, so viele Kundenaufträge warteten auf Erledigung. Das war einmal und kommt hoffentlich wieder - im Gegensatz zum treuen Husaren.

19 November 2008

Wie schwach wird der Real?

Schwer zu sagen, aber im Augenblick sieht es nicht nach einem nur vorübergehenden Schwächeanfall aus. Wobei ich mich beim Betrachten der Tabelle frage, warum wir in Brasilien glauben, Firmengeschäfte wechselkursmäßig anders als die Privatgeschäfte von Touristen behandeln zu müssen. Und warum das private Umwechseln von Hartwährung (wenn man diese Unterscheidung noch treffen will) in Reais und umgekehrt zu einer Schwarzmarkttätigkeit erklärt wurde, nichtsdestotrotz der so genannte Parallelkurs aber in den Zeitungen und im Internet publiziert wird. Dass es schlechter kommen kann als es schon ist, zeigt der Rückgang der Pkw-Zulassungen (einschließlich Lieferwagen) in der ersten Novemberhälfte 2008 gegenüber der von 2007. Er betrug 20,7 %, was kein Pappenstiel ist, wollten wir doch dieses Jahr erstmalig 3,5 Mio. Fahrzeuge bauen. 

Der US-Immobilienmarkt hat das bewirkt, was die Chaostheorie dem Schmetterlingsflügelschlag über dem Atlantik zuschreibt, beide sollen in der Lage sein, verheerende Wirbelstürme auszulösen, die weit entfernt von ihrer Ursache ihre unheilvolle Wirkung zeigen. Und das, obwohl die brasilianische Bundesregierung zusammen mit der Landesregierung des Bundesstaates São Paulo bis zu 8 Mrd. R$ bereitgestellt hat, um den Autoherstellern bei der Finanzierung der Neuwagenverkäufe finanziell unter die Arme zu greifen. Trotz Fabrikverkauf und hoher Nachlässe fruchtete diese Anstrengung bisher nicht, was zeigt, dass den Verbrauchern vielleicht nicht (nur) Geld, sondern (auch) Vertrauen fehlt.

18 November 2008

Die Sonnyboys Lateinamerikas

Ob es einem Brasilianer gut oder schlecht geht, scheint sich auf seinen Gemütszustand nicht groß auszuwirken, er ist meist mit sich und dem Leben zufrieden. Das sagt wenigstens die Untersuchung der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID - Banco Interamericano de Desenvolvimento), nach der Brasilien das siebente Land der 23 Lateinamerikas in puncto Zufriedenheit mit dem Leben ist. Auf einer Skala von 1 bis 10 erhielt Brasilien 6,2 (Mittelwert Lateinamerikas = 5,8)und liegt damit gleichauf mit Kolumbien und Jamaika. Den ersten Rang erhielt mit 7,4 Costa Rica (kein Wunder bei dem Namen - Reiche Küste!), das Schlußlicht bildet Haiti, wo Brasilien als UNO-Schutzmacht fungiert, mit 3,8. Immerhin 82 % der Lateinamerikaner sind mit ihrer Arbeit zufrieden - ich wage nicht auszudenken, welcher Wert bei einer Befragung in Deutschland herauskäme. Der wichtigste Zufriedenheitsfaktor ist der Lebensmitteleinkauf - bei uns ist man mit Wenigem zufrieden.

Nordamerika ist die Region mit der größten Zufriedenheit, was sich in einem Wert von 7,5 ausdrückt. Den niedrigsten Wert weist das subsaharische Afrika mit 4,2 auf.

Man merkt, die Werte sind nicht ganz aktuell, die neueste Weltfinanz- und -wirtschaftskrise hat sich nicht auf sie ausgewirkt. Denn es wurden im Rahmen einer weltweiten Studie des Gallup Institutes 40.000 Personen in Lateinamerika befragt, aber zwischen November 2005 und Dezember 2007.

Bezüglich der Zufriedenheit mit der Arbeit erreichte Brasilien mit 89,2 zufriedenen Personen den vierten Rank, noch zufriedener waren 93,6 % der Einwohner Guatemalas, 92,9 % Costa Ricas und 90,6 % Venezuelas. Erstaunlicherweise sind 81 % der Einwohner Lateinamerikas mit ihrer Arbeit (= Anstellung) zufrieden, obwohl ein Viertel der Bevölkerung nicht genug verdient, um der Armut zu entfliehen. Denn das wichtigste Zufriedenheitskriterium war nicht die Einkommenshöhe, sondern die erfahrene Anerkennung und die Flexibilität bei der Arbeit. Das sollten sich die Gewerkschaften hinter die Ohren schreiben.

Leider liegt Brasilien, was die Zufriedenheit mit der Ausbildung angeht, auf den hinteren Plätzen - nur 64 % der Brasilianer, der Guatemalteken und Ekuatorianer sind zufrieden, gegenüber einem Mittelwert von 70 % für Lateinamerika. Der höchste Wert - 85 % - wurde in Guatemala erfragt, der niedrigste - 43 % - in Haiti.

83 % der Brasilianer sind mit ihren Wohnbedingungen zufrieden - trotz unserer Favelas. Ein identischer Wert gilt für Kolumbien und El Salvador. Der Mittelwert beträgt 80 %. Den höchsten Wert weisen die Guatemalteken mit 90 % auf, was vielleicht mit dem Klima in diesem Land zusammenhängt.

Vier von fünf Einwohnern Lateinamerikas sind mit ihrer Stadt und ihren Wohnungen zufrieden, aber trotzdem gehen 60 % - der höchste Wert weltweit - nachts aus Sicherheitsgründen nur ungern alleine auf die Straße. Deswegen war ich nicht erstaunt, als ich im Rahmen eines Projektes einige Zeit in Quito verbrachte, nachts vor den guten Restaurants Wächter mit Pumguns sah.

17 November 2008

Die 20 lukrativsten Banken beider Amerikas (ohne Kanada)

Gewinn in Mio. US$ per Ende September 2008

Wells Fargo - 1.637
Bank of America - 1.177
Bradesco - 997,9 BRASILIEN
Banco do Brasil - 975,3 BRASILIEN
Itaú - 965,2 BRASILIEN
Goldman Sachs - 845
US Bancorp - 576
JP Morgan - 527
State Street - 477
Unibanco - 367,5 BRASILIEN
BB&T - 358
Santander Serfin - 324,1
SunTrust Banks - 312,4
Charles Schwab - 304
Bank of NY Mellon - 303
Santander Brasil - 259,5 BRASILIEN
PNC Bank - 248
GFBanorte - 209,1
Bsantander - 174,7
Chile - 168,6

Kommentar überflüssig!

Brasiliens Import geht schon zurück!

Die Krise zeigt neben der Schwächung des Reals - der Eurokurs liegt augenblicklich bei 2,9315 / 2,9950 - auch die erste Auswirkung auf den Import, der in der ersten Novemberhälfte 2009 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 7,1 % zurückging. Per 16.11.08 betrug der Novemberimport 7,3 Mrd. US$ (731 Mio. US$ / Tag). Kumuliert für das Jahr ist der Import aber gewachsen, insgesamt per angegeben Datum um 21,5 %. Der Export betrug im November per 16.11.08 8,520 Mrd. US$ (852 Mio. US$ / Tag). Dieser mittlere Tageswert ist 21,3 % höher als der des ganzen Novembers 2007 und 1,3 % höher als der von Oktober 2008. Der Handelsbilanzüberschuss der ersten zwei Novemberwochen diesen Jahres ist 1,211 Mrd. US$ (121,1 Mio. US$ / Tag) und ist damit 19,8 % höher als der des ganzen Novembers 2007. Auf's Jahr bezogen wuchs der Export per 16.11.08 um 27,3 % gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres und der Import um 50,1 %! Damit ist der Handelsüberschuss des laufenden Jahres per 16.11.08 um 38,7 % auf 22,031 Mrd. US$ zurückgegangen.


15 November 2008

Sechs Wochen reichen für kräftige €-Aufwertung gegenüber dem R$

Daumen hoch oder runter?

In Europa zeigt er ganz sicher nach unten, denn laut Zeitungsberichten verlieren augenblicklich täglich  fast 10.000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Und zuerst trifft es natürlich die Schwachen, dazu gehören auch Einwanderer. In Spanien sind 46 % der Einwanderer arbeitslos, in den anderen europäischen Ländern sieht es ähnlich aus. Und die Lokomotive Europas, Deutschland, stößt den Dampf auch nur noch asthmatisch aus. 2009 soll das BIP um 0,8 % zurückgehen. Wobei ich mich frage, warum der IMF dies nicht klar sagt, sondern von Konzentration spricht. Mit Augenauswischerei ist niemanden gedient. Denn zwischen August und Oktober wurde schon ein Rückgang von 0,5 % festgestellt, im zweiten Quartal waren es bereits 0,4 %.

In Brasilien sieht es (noch?) anders aus, denn hier weist der Daumen auch 2009 nach oben. Wachstum ist angesagt, die Antwort auf das "wieviel?" wäre allerdings reine Spekulation. Werte von 2,5 bis 4,5 % werden diskutiert, lassen wir uns am 31.12.2009 überraschen. Sinkende Nachfrage nach Commodities und gemäß dem Gesetz von Angebot und Nachfrage sinkende Preise dafür werden auch in Brasilien trotz üppiger tropischer Vegetation die Bäume nicht in den Himmel wachsen lassen. 

Trotzdem wittern kluge Investoren Morgenluft, z.B. der weltgrößte schwedisch-finnische Papierhersteller Stora Enso, der den herben Währungsverlust von Aracruz ausnutzt, um ihren Anteil an der Veracel zu kaufen. Wenn es Stora Enso gelingt, die Kontrolle der Veracel in die Hand zu bekommen, wäre sie damit der größte Player im brasilianischen Zellulosemarkt. Und Aracruz könnte die durch spekulative Währungsgeschäfte selbst verursachten Schulden bezahlen, mehr als zwei Milliarden Dollar  allein an Banken. Mit 10 bis 15 Jahren Zeit für die Tilgung. Es geht also nicht nur dem kleinen Sparer an den Kragen, mit dem Unterschied, dass dieser dem Geschehen relativ hilflos ausgeliefert ist.

14 November 2008

Standort Brasilien

Brasilien ist groß, da ist die Standortfrage wichtig. Die Automobilindustrie siedelt Zulieferer in der Nähe an wegen der Just in Time - Lieferungen. Und geht in wirtschaftlich entwickelbare Gebiete, weil dort die Lohn- und andere Kosten niedriger sind und Fördermittel winken. Ohne dabei die Logistikkosten zu vergessen, denn die Kunden verteilen sich auf ganz Brasilien. Aber sie konzentrieren sich naturgemäß dort, wo das Land wirtschaftlich am stärksten und die Kaufkraft der dortigen Bewohner am höchsten ist. Wenn man eine ABC-Analyse des brasilianischen BIP nach Lokalität macht, erkennt man, dass sieben Bundesstaaten und der Bundesdistrikt fast 80 % des nationalen BIP auf sich konzentrieren. Und Brasilien hat immerhin siebenundzwanzig Bundesstaaten! 

Laut Mitteilung des IBGE - Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística sind die privilegierten Gebiete São Paulo, Rio, Minas Gerais, Rio Grande do Sul, Paraná, Bahia, Santa Catarina und der Distrito Federal (Stand, wie üblich etwas überholt, von 2006). Von 2002 auf 2006 hat der arme Norden seinen Anteil um 0,4 Prozentpunkte erhöht und der reiche Süden 0,6 Prozentpunkte verloren. Ein Prozentpunkt in dieser Rechnung steht für 23,7 Mrd. R$.

Die Reichen leben, wie kann es anders sein, im Distrito Federal, wo die Regierung sitzt und das Prokopfbruttoinlandsprodukt 37.600 R$ beträgt. São Paulo, auf dem zweiten Platz, hat 19.548 R$ und Rio 17.695 R$. Das Schlusslicht ist mit 4.213 R$ der Bundesstaat Piauí, etwas besser kommen Maranhão mit 4.628 R$ und Alagoas mit 5.164 R$ weg. Der ehemalige Präsident Sarney kommt aus Maranhão und sein Kollege Collor de Mello aus Alagoas, aber das ist sicher ein purer Zufall. Nur Distrito Federal, São Paulo, Rio de Janeiro, Santa Catarina, Espírito Santo, Rio Grande do Sul, Paraná und Mato Grosso lagen 2006 über dem brasilianischem Durchschnitt. São Paulo hatte 2002 noch 34,6 % vom nationalen BIP, 2006 waren es "nur noch" 33,9 %. Rio Grande do Sul verlor ebenfalls, von 7,1 auf 6,6 %.

Jetzt bleibt die Gretchenfrage: Soll man sich dort ansiedeln, wo die Starken sind oder ist es besser, in schwachen Gebieten der König zu sein?
 

Angebot und Nachfrage...

...bestimmen den Wert einer Ware. Und wenn die Ware Geld heißt, ist der (Auf-) Preis der Zinssatz, zu dem es ausgeliehen wird. Und an diesem zeigt sich, daß Brasilien doch nicht so ganz ungeschoren davonkommt, wie es uns unser Präsident weismachen wollte. Denn die heutigen Zinsen sind so hoch wie seit Mai 2003 nicht mehr. Der deutsche Leser zittert wahrscheinlich jetzt oder zieht ungläubig die Augenbrauen hoch, aber es ist wahr! Ein persönlicher Kredit kostet 6,15 % im Monat bzw. 104,57 % im Jahr. Aber es kommt noch schlechter! Wer seine Kreditkartenschulden nicht am vereinbarten Tag bezahlt, wird mit einem Zinssatz von 9,24 % im Monat bzw. 188,7 % im Jahr bestraft. 

12 November 2008

Stellenangebot AREA SALES MANAGER SÜDAMERIKA in SÃO PAULO

Ich suche für eine deutsche Firma den AREA SALES MANAGER für Südamerika, der der Aufzugsdivision zugeordnet sein wird. Der Einsatzort ist überwiegend São Paulo.

Zu seinen Aufgaben gehört die kaufmännische und technische Beratung der Kunden in Südamerika, der Ausbau des Geschäftes mit bestehenden und neu zu gewinnenden Kunden auf dem südamerikanischen Sektor mit Seilprodukten, die selbständige Initiierung, Koordinierung und Betreuung aller vertrieblichen Aktivitäten und die Unterstützung bei der Auslegung von Tragmitteln für Aufzugsanlagen.

Die Voraussetzungen, die ein erfolgreicher Bewerber erfüllen muss, sind eine technische Ausbildung idealerweise in der Aufzugstechnik, verhandlungssicheres Englisch, Spanisch oder Portugiesisch, nachweisbare Erfolge im Vertrieb, Reisebereitschaft weltweit, selbstständige Organisation und gute Strukturierung, selbstsichere und zielorientierte Persönlichkeit mit Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen, hohes Maß an Engagement und Leistungswillen.

Vollständige Bewerbungen mit Lebenslauf, Foto, Zeugnissen und Angabe von Referenzen bitte an mich unter eurolatina@eurolatinainternational.com.br mit Angabe des Gehaltswunsches und des frühesten Termins für einen Arbeitsbeginn.