17 November 2018

Eurolatina bietet Komplettservice für Brasilieninteressierte


Wie Du mir, so ich Dir!

Was heißen soll, je offener eine Volkswirtschaft für Importe von Waren, Dienstleistungen, Ideen und Menschen ist, desto mehr wird sie auch exportieren und von diesem Austausch profitieren.

Leider sieht die Realität in Brasilien bis heute ganz anders aus, denn unsere Handelsbarrieren kosten den Verbraucher 130 Mrd. R$ jährlich. Das ist der Wert, der 2015 zusätzlich laut IPEA - Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada für Haushaltsprodukte ausgegeben wurde, wobei alleine die Autoindustrie für Zusatzausgaben in Höhe von 18,7 Mrd. R$ verantwortlich war. Das weiß jeder Expatriate, der sich hier ein Auto kauft und sich noch an die Preise in seinem Heimatland erinnern kann, vor allem, wenn das Heimatland USA oder Deutschland heisst. 

Aber wenn der gewählte Präsident Bolsonaro nur die Hälfte von dem verwirklicht, was er angekündigt hat, dass wird sich das gewaltig ändern. Und die andere Hälfte wird er auch schaffen, wenn er mit dem Rückhalt der Bevölkerung gegen einen heute unverantwortlichen Kongress und Obersten Bundesgerichtshof rechnen kann, die ihm jetzt schon vor Amtsantritt Knüppel zwischen die Beine werfen. 

Wie es weiter geht, können Sie bald lesen. Ich warte nur noch die ersten hundert Tage der Regierung Bolsonaro ab, um Sie ins Bild zu setzen. 

Wendet sich das Blatt?

Herr Prof. Dr. Detlef Jena schrieb über eine berüchtigte berühmte Person der Zeitgeschichte:
"Es gibt ein berühmtes Beispiel, wie sich der Stimmungsumschwung unter dem Banner der allzeit populären "political correctness" hin zu Napoleon vollzogen hat. Am 1. März landete Napoleon in der Nähe von Cannes, sammelte Truppen, die zu ihm überliefen, und versprach dem Volk radikale demokratische Reformen. Napoleon eilte der Ruf schneller voraus, als die Adler auf den Standarten der Alten Garde fliegen und schneller als die Journalisten schreiben konnten.

Auch der "Moniteur", das offizielle Blatt der französischen Regierung, wurde von der Rückkehr des Exkaisers überrascht. Die Herausgeber und Redakteure wussten nicht so recht, wie sie die Landung Napoleons und seinen Marsch auf Paris kommentieren sollten. Es ist auch unter dem Aspekt des tollkühnen Mutes mancher moderner Satireblätter aufregend, zu verfolgen, wie sich die Schlagzeilen des "Moniteur" innerhalb weniger Tage wandelten: Am 1. März 1815: "Der Menschenfresser hat seine Höhle verlassen." Am 2. März: "Der Werwolf von Korsika ist soeben bei Cap Juan gelandet." Am folgenden Tag: "Der Tiger ist zu Gap angelangt." Am 4. März übernachtete das "Ungeheuer" in Grenoble, um sich tags darauf in einen "Tyrann" zu verwandeln und als solcher durch Lyon zu reiten. Am 6. März wollen die Frontkorrespondenten den "Usurpator" bereits 60 Meilen vor Paris entdeckt haben. Jetzt flogen die Federn. 7. März: "Bonaparte rückt schnell vorwärts." Noch blieb ein Rest von Ungewissheit: "... aber er wird nie in Paris einziehen." Da irrte der "Moniteur" und musste sich am 8. März korrigieren: "Napoleon wird morgen unter unseren Mauern sein." Es ging Schlag auf Schlag. 9. März: "Der Kaiser ist zu Fontainebleau angelangt." Und einen Tag später die Gewissheit: "Seine Kaiserliche und Königliche Majestät hielten gestern Abend Ihren Einzug in Ihr Tuilerien-Schloss, in der Mitte Ihrer getreuen Untertanen."

Dazu passen in Brasilien diese Ausgaben von EXAME und VEJA mit einem staatsmännischen Bolsonaro:





Das sah, als der Wahlausgang noch nicht feststand, ganz anders aus:



Das muss sicher nicht weiter kommentiert werden. Ich will dazu nur dieses sagen: Was ich bisher von Bolsonaro gehört und gelesen habe und zwar vor und nach der Wahl, lässt mich glauben, dass wir mit etwas Glück ab dem 1.1.2019 den besten brasilianischen Präsidenten seit vierzig Jahren erleben werden. Wie die Präsidenten davor waren, weiß ich nicht aus eigenem Erleben und will mich daher dazu nicht äußern, aber dass keiner der Präsidenten seit 1978 Bolsonaro das Wasser reichen kann, davon bin ich überzeugt, einschließlich des (zu)vielgelobten FHC, der in meinen Augen viel von seinem Nimbus verloren hat. Und wenn das germanische Sprichwort "Viel Feind, viel Ehr" gilt, dann ist Jaír Messias Bolsonaro ein äußerst ehrenvoller Zeitgenosse.

Zitatquelle: Prof. Dr. Detlef Jena / 18.03.15

09 November 2018

Risiko für die brasilianische Demokratie ist sehr gering, meint Politikberatung

Das schrieb die AHK São Paulo in ihrem Wochenbericht vom 9.11.2018 und fährt fort:

"Die Regierung des gewählten, ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro bringt Risiken für Brasilien mit sich. Doch nach Einschätzung des internationalen Beratungsunternehmens Eurasia, das sich auf politische Risikoanalysen spezialisierte hat, ist die brasilianische Demokratie nicht unmittelbar bedroht. Eurasia macht sich auch über den Fortbestand der rechtsstaatlichen Institutionen des Landes keine großen Sorgen.
Zwar gibt die Beratungsfirma zu, dass die Risiken wegen der Haushaltskrise und der Folgen der Rezession sowie der starken politischen Polarisierung höher sind als normal.„Allerdings halten wir die Sorgen in und außerhalb Brasilien, dass die Demokratie bedroht sein könnte, für stark übertrieben“, so Eurasia."

Genau das habe ich schon vor der Wahl gesagt und diese Meinung teilen alle die, die nicht hysterisch sind oder von Berufs wegen dagegen. 

Weitere Themen des Wochenberichtes:

Konjunktur

Zentralbank belässt Leitzins bei 6,5% und verweist auf gesunkene Inflationsrisiken

Analysten rechnen erst für Ende 2019 wieder mit steigenden Zinsen
Industrie

Geplante Auflösung des Industrieministeriums stößt auf geteiltes Echo in der Industrie

Zuspruch finden die versprochenen marktfreundlichen Reformen der neuen Regierung
Internationaler Wettbewerb

Brasilien verbessert seine Position im Ease of Doing Business Ranking der Weltbank

Trotzdem belegt das Land nur den 109. Platz unter 190 Volkswirtschaften
Infrastruktur

CCR erhält Zuschlag für den Betrieb der „Rodovia de Integração do Sul“

Autobahnbetreiber sticht vier Konkurrenten aus – Investitionen von R$ 7,8 Mrd.
Kfz-Industrie

VW stellt 350 neue Mitarbeiter im LKW-Werk Resende ein 

Während der Absatzkrise hatte der Konzern an dem Standort 3.000 Stellen gestrichen

05 November 2018

Was der Deutsch-Brasilianer Stephan Grüner zu Bolsonaro meint

Herr Grüner, ein sehr bekannter und wichtiger Logistiker, der neben seiner beruflichen Tätigkeit die BVL - Bundesvereinigung Logistik in Brasilien vertritt, hatte mir als Reaktion auf meinen Post DIE LAGE BRASILIENS NACH DEN PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN 2018 geschrieben:

Guter Artikel!!! Der gewählte Präsident Bolsonaro hat bereits positive Entscheidungen getroffen und zeigte auch, dass er sich bei kritischen Themen Meinungen unterschiedlicher Parteien anhört. Wir müssen nach vorne schauen. Leider verbreitet die  deutsche Presse nur Angst über die Einführung einer Diktatur und die Verfolgung von Minderheiten!! Dies wird nicht stattfinden! Die Rede von Bolsonaro beim Wahlsieg ist ein klares positives Zeichen dafür gewesen. Auch wenn ein Versuch in diese Richtung gemacht werden sollte, sind die brasilianische Bevölkerung und deren Institutionen stark genug, um dagegen zu wirken. Sicherlich ist die Kriminalität (Hauptagenda der neuen Regierung) aufgrund sozialer Probleme und dem Drogengeschäft erschreckend, jedoch darf man nicht vergessen in welcher Harmonie Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religion hier erfolgreich zusammenleben. Es liegt nun an uns Brasilianern für eine bessere Zukunft zu arbeiten. BG Stephan Gruener

Kurz darauf schickte er mir den Text seines Kommentars zu einem Spiegelartikel, den ich voll unterschreibe - nicht den Spiegelartikel, sondern den Kommentar. Das ist der Link zum Artikel

http://www.spiegel.de/politik/ausland/martin-schulz-besucht-luiz-inacio-lula-da-silva-im-gefaengnis-vor-brasilien-wahl-a-1225827.html 

und hier der Kommentar:

Eine absolut respektlose Geste gegenüber Brasilien! Leider ist im politischen Establishment unseres Landes die Korruption in großem Masse verbreitet: Gelder, die in das Gesundheit-, Bildungssystem etc.  fließen sollten, liegen heute in der Schweiz, Bahamas, Panama etc. Seit den Ermittlungen der Lava Jato (2014) wurden erstmalig in Südamerika Haftbefehle gegen die mächtigsten Politikern und Unternehmern ausgeführt! Ich bin Deutsch-Brasilianer und hier aufgewachsen und kann nur eines sagen: die laufenden Ermittlungen sind unsere einzige Hoffnung, um endlich einen neuen Weg mit weniger Korruption und mehr Seriosität in der Politik einzuleiten. Auch mit weiteren Erfolgen ist dies noch ein weiter Weg!

Und jetzt kommen Sie, Herr Schulz, in Absprache mit Frau Nahle und dem deutschen Außenministerium „überraschend“ zu Lula mit solchen Aussagen kurz vor den Präsidentschaftswahlen. In ihrem Briefing vor Ihrer Abreise oder im direkten Kontakt mit ihrem Vertrauensmann haben Sie doch bestimmt von den Details zu den insgesamt 9 Anklagen gegen Lula erfahren! Auch er ist Teil einer kriminellen Organisation. Die Ergebnisse des Lava Jato lassen keine Zweifel: über 120 Verhaftungen von Mitgliedern aus 14 Parteien, über 900 ausgeführte Durchsuchungsbefehle und BRL 11 Milliarden (USD 3 Milliarden) wurden zurückgeführt!!! Weitere Ermittlungen erspare ich mir hier zu erwähnen. Und kurioserweise hatte der Sohn von Lula, Fabio, während der Amtszeit seines Vaters einen meteorischen Aufstieg vom Zoogehilfen zu einem Multimillionär (vielleicht sogar Milliardär) erlebt!

Was sollen die Verbindungen der Parteiführung der SPD zur „Arbeiterpartei“ PT nun bedeuten? Sind Sie oder die SPD Herrn Lula etwas schuldig? Auf welcher juristischen Basis bezweifeln Sie die brasilianische Justiz? Meinen Sie wirklich, dass eine Hetze von Arm gegen Reich das richtige für unser Land ist? … die Führung der PT Partei ist Teil der höchsten Elite Brasiliens aus geklautem Geld des Volkes. Schreckt Sie dies nicht ab? 

Fazit: in der Politik verliert die Ethik die Rolle. Zumindest bei Herrn Schulz und der SPD.

Dem brauche ich nichts mehr hinzuzufügen! Höchstens noch den Beginn des Spiegelartikels, damit Sie verstehen, warum Herr Grüner so empört reagierte:

Der frühere SPD-Vorsitzende Martin Schulz hat überraschend den inhaftierten Ex-Präsidenten Brasiliens, Luiz Inácio Lula da Silva, im Gefängnis getroffen. "Ich habe einen sehr mutigen und kämpferischen Mann hier besucht", sagte Schulz am Donnerstagabend vor dem Gefängnis im südbrasilianischen Curitiba mit Blick auf den in Umfragen für die Präsidentschaftswahl führenden Lula. "Keine Macht der Welt kann mich daran hindern, zu einem Mann, den ich seit vielen Jahren kenne und dem ich vertraue, zu sagen: Ich glaube dir."

03 November 2018

FORBES bietet eine vernünftige Sicht auf Brasilien

Unverständlich, dass der Economist da nicht mitzieht. Aber jeder muss nach seiner Fasson glücklich werden. FORBES veröffentlichte unter dem Titel

President-Elect Bolsonaro To Brazil's Bureaucrats: 'You're Fired'

diesen ausgewogenen Artikel, klicken Sie in den Titel und lesen Sie ihn, es lohnt sich. Ein weiterer lesenswerter Artikel ist
Auch hier einfach klicken, um ihn zu lesen. Und zum Schluss lesen Sie bitte diesen Artikel

FORBES publiziert auch Informationen unter der Rubrik BEST COUNTRIES FOR BUSINESS. Hier kommen Sie zur Brasilienseite.

Der Bolsonaro-Effekt erlaubt es, wieder nach Brasilien zu exportieren



Sowohl der US-Dollar als auch der Euro haben, seitdem es erst wahrscheinlich war und dann feststand, dass Jaír Messias Bolsonaro ab 1.1.2019 Brasilien regieren wird, gegenüber dem Real an Wert verloren, was den Exporteuren, deren Waren zunehmend von den brasilianischen Importeuren als zu teuer empfunden wurden, zugute kommt.

In diesem Zusammenhang ist es angebracht, unsere Geschäftsfreunde in Deutschland darauf hinzuweisen, dass nicht automatisch deutsche Verhältnisse auf Brasilien übertragen werden können.  Ich habe einen bestimmten Fall im Auge, bei dem es um den Luftfrachtversand Tür zu Tür von 50 kg Versuchsmaterial - wertloser Abfall! - für Pressversuche geht. Von Deutschland nach Brasilien kostet das 250 €, von Brasilien nach Deutschland aber 1.200 US$.

Aber die Sache ist noch nicht zu Ende. Der Kunde, der eigentlich seinen eigenen Abfall als Muster ohne Wert nach Deutschland schicken sollte, sagte, dass dies wegen der innerbetrieblichen Bürokratie (Genehmigungsverfahren, SAP, ...?) sehr lange dauern würde. Es sei keine Sache der Kosten, sondern der Zeit. Also haben wir gesagt, in Ordnung, schickt uns das Material und wir sorgen für den Transport. Das bedeutete aber, dass wir uns als Kunde registrieren sollten, denn man müsse uns das Material verkaufen, wenn auch nur für einen symbolischen Preis. Und für die Registrierung würden neben unseren Firmendaten auch Bankreferenzen, eine Kopie des Gesellschaftsvertrages und, man höre und staune, ein Kreditbrief benötigt. Ja spinnen die denn, die Römer? Auf letzteren wurde dann verzichtet, weil ich sagte, dann solle unserer Kunde sein Testmaterial bitte selbst auf den Weg bringen, auch wenn dies von mir aus 3 Monate bis zur Ankunft in unserem Labor in Deutschland dauern würde. Fazit? Wir werden uns eine Testmaschine besorgen, einen Mitarbeiter ausbilden und künftig die Anwendungsversuche in Brasilien im eigenen Haus machen.

Vorläufig haben wir in den sauren Apfel gebissen und 1.200 US$ investiert in der Hoffnung, dass unser Kunde uns eine Presse abkauft, deren Preis wegen des besseren Wechselkurses jetzt hoffentlich nicht sein Budget sprengt. Hoffentlich ist jetzt noch unsere Bankreferenz ausreichend, dass man uns auch zutraut, einen Centavo für den Abfall zahlen zu können.

Gestern noch auf hohen Rossen, morgen durch die Brust geschossen!

1824 dichtete Wilhelm Hauff sein berühmtestes Gedicht, welches ich hier zitiere, um darauf hinzuweisen, dass sich die Verhältnisse auch global gesehen, schnell ändern können. Schnell ist natürlich relativ bei einer globalen Betrachtung, aber 10 Jahre sind ein vernünftiger Zeitraum, um Veränderungen zu erkennen, hier bei der absoluten Höhe des BIP (Werte in Mrd. US$):







Das Vereinigte Königreich wurde gerupft, die USA haben ihre Vormachtstellung verteidigen können, aber China ist auf Angriffskurs, Deutschland war 1961 nicht dabei, sprang dann 1971 gleich auf Platz zwei und wurde 2011 von China und Japan überholt.1971 erscheint auch Brasilien das erste Mal, 1981 konnte es vom zehnten auf den achten Platz vorrücken, 2001 verschwand es wieder aus der Rangliste der ersten zehn Länder und lag 2011 auf Platz sieben.

Irgendwann in naher Zukunft liegt China wahrscheinlich vorne, Indien dahinter, Deutschland wird abgeschlagen und, wer weiß, von Brasilien überholt? Die folgende Tabelle zeigt die geschätzten BIP-Werte der zwanzig größten Volkswirtschaften von 2016 bis 2050, zusammengestellt im Februar 2017 von PricewaterhouseCoopers aus dem Vereinigten Königreich. Da hatte noch niemand an Bolsonaro gedacht. Und wer weiß, ob es 2050, wenn Brasilien Deutschland überholt haben soll, das Vereinigte Königreich überhaupt noch in seiner jetzigen Form gibt.

PPP = Purchasing Power Parity 
Quelle: Wikipedia

Was uns hier natürlich besonders interessiert, ist der Vergleich der Positionen von Deutschland und Brasilien:



Brasilien ist Deutschland also auf den Fersen und wird in elf Jahren zum Sprung ansetzen, um dann Deutschland deutlich hinter sich zu lassen. Das mag sich heute nach reiner Spekulation anhören, aber in einer Welt, in der Zwanzigjährige eine Smartphone-APP programmieren und damit ohne nennenswerte  Investition zu Milliardären werden können, ist alles möglich. Altbewährte Geschäftsmodelle werden über Nacht obsolet, ganze Wirtschaftszweige verschwinden, andere entstehen neu - und das alles mit einer bisher nie gedachten Geschwindigkeit und im globalen Maßstab.

Fazit: Trauen Sie niemandem über 20 und investieren Sie in Brasilien! Do not trust anyone over 20 and invest in Brazil! Não confie em ninguém com mais de 20 anos e invista no Brasil!¡No confíe en nadie mayor de 20 e invierta en Brasil! Ne faites confiance à personne de plus de 20 ans et investissez au Brésil! Non fidarti di nessuno con più di 20 anni e investi in Brasile! 20歳以上の人を信頼してブラジルに投資しないでください!

02 November 2018

Schlimm, diese Diktatur in Brasilien!

Am vierten Tag der "Diktatur" des Hauptmanns der Reserve Jaír Messias Bolsonaro
  • fiel der Benzinpreis um 6%
  • fiel der Dieselpreis um 10%
  • stiege der Ibovespa-Börsenindex um 3,7%
  • fiel der Dollarkurs auf 3,69 R$
  • sagte der Eigentümer von Havan, dass er 500 Mio. R$ in Brasilien investieren und 5.000 Arbeitsplätze schaffen werde
  • kündigte Toyota Investitionen von 1 Mrd. R$ in Brasilien an
  • ist ein Reservegeneral künftiger Vizepräsident der Republik und würde im Falle der dauerhaften Verhinderung von Bolsonaro Präsident werden (wie Eisenhower)
  • steht General Augusto Heleno als Verteidigungsminister fest
  • steht Bundesrichte Sérgio Moro als Justizminister fest
  • steht der "Chikagoboy" Paulo Guedes als Wirtschafts- und Finanzminister (wie Schiller) fest
  • steht der Astronaut, Ingenieur der besten TU Brasiliens, Wissenschaftler und Oberstleutnant Marcos Pontes als Wissenschaftsminister fest
  • steht Onix Lorenzoni als Innenminister fest
  • sagt Israels Regierung, dass man eine Entsalzungsanlage für Meerwasser im Nordosten Brasiliens bauen werde
Schlimm, diese Diktatur! Meinte Heinz Sattler, als er mir die obige Nachricht auf Portugiesisch schickte. Und dabei hat der Diktator sein Amt noch gar nicht übernommen! Aber, eigentlich, wenn ein Diktator was auf sich hält, dann nimmt er sich doch das Amt, oder? Also, wer mit solchen Ambitionen bis zum 1.1.2019 darauf wartet, dass der jetzige Präsident es ihm übergibt, mit dem kann ja etwas nicht stimmen!

Und die AHK Brasilien schrieb in ihrem neuesten Wochenbericht vom 2.11.2018 u.a.:
"Die Sanierung des Staatshaushalts mittels Rentenreform und Privatisierungen, die Unabhängigkeit der Zentralbank und ein härterer Kurs bei der inneren Sicherheit sind drei der wichtigsten Themen, denen sich der neugewählte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro verschrieben hat."

Darf der denn das? Ein härterer Kurs bei der inneren Sicherheit? Zu diesem Thema, welches frontal die Menschenrechte unserer Kriminellen angreift (IRONIE!!!), sagt die AHK:
"Mit Blick auf das Nachbarland Kolumbien, dessen Wirtschaft von der Befriedung des jahrzehntelangen Konfliktes zwischen dem Staat und der Guerillaorganisation Farc deutlich profitierte, könnte auch das von Bolsonaro versprochene härtere Vorgehen im Bereich öffentliche Sicherheit mittelfristig eine positive Wirkung auf das Wirtschaftswachstum entfalten. Von 2001 bis 2016 starben in Brasilien fast 800.000 Menschen durch Gewaltverbrechen, nur 50.000 Menschen weniger als die Summe aller Menschen, die in den Kriegen im Irak und in Syrien sowie in Terroranschlägen weltweit umgekommen sind."

Und führt zum Schluß aus:
"Die brasilianische Wirtschaft ist bereit für eine neue Wachstumsphase. Die Fabriken haben freie Produktionskapazitäten. Inflation und Zinsniveau sind historisch niedrig. Die Leistungsbilanz des Landes ist weitgehend ausgeglichen. Die Devisenkassen sind gut gefüllt. Wenn die neue Regierung die richtigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen ergreift – dazu gehören vor allem die schnelle Konsolidierung der Staatsfinanzen und die Beibehaltung der Unabhängigkeit der Zentralbank – stehen die Chancen für einen Wirtschaftsaufschwung gut. Neben den Wirtschaftsreformen muss sich der rechtskonservative neue Präsident aber auch zu Demokratie und Rechtsstaat bekennen. Ansonsten könnte der Aufschwung ein Strohfeuer bleiben."

Und wenn schon so darauf herumgeritten wird, dass Bolsonaro als Reserveoffizier die latente Gefahr einer Militärdiktatur mit sich herum trägt, dann war diese Gefahr bisher in den USA viel höher. Bei https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_presidents_of_the_United_States_by_military_rank kann man nachzählen, von den bisherigen US-Präsidenten waren 12 General, 6 Oberst, 2 Oberstleutnant, 2 Major, 8 Hauptmann, 1 Gefreiter (haben wir auch schon mal gehabt, wollen wir nie mehr) und 13 Ungediente.

Und von Dr. Achim Schudt bekam ich diese Nachricht übermittelt:

Unterzeichnen

Ein Faschist, der den Regenwald platt walzen will, ist seit Montag Präsident in Brasilien. Wie es dazu kam? Mächtige Firmen haben Millionen ausgegeben, um Falschnachrichten auf WhatsApp zu seinen Gunsten zu verbreiten. Damit so etwas nie wieder geschieht und nicht noch mehr solcher Politiker an die Macht kommen: Fordern wir von CEO Mark Zuckerberg, dass er seine Social Media Plattformen in Ordnung bringt!
UNTERZEICHNEN

Liebe Freundinnen und Freunde,

es ist angsteinflößend: Der Mann, den Brasilien soeben zum Präsidenten gewählt hat, will den Amazonas-Regenwald platt walzen und drohte, dass 30.000 “Linke” getötet werden sollten. Darüber hinaus verehrt er Diktaturen! Noch vor einigen Monaten wollte fast niemand diesen Kandidaten wählen. Wie konnte es soweit kommen?

Die Antwort lautet: WhatsApp -- der Nachrichtendienst, der zu Facebook gehört.

Dessen CEO, Mark Zuckerberg, hat untätig zugesehen, wie reiche Konzerne Millionen ausgaben, um Falschnachrichten und Hassrede über WhatsApp zu streuen -- bis die Menschen in Brasilien einem Faschisten mehr vertrauten als jedem anderen.

Zuckerberg hätte es frühzeitig stoppen und die Nutzer aufklären können -- doch er hat es nicht. Jetzt liegt es an uns, Facebook eine Lektion zu erteilen, damit das Unternehmen endlich Verantwortung übernimmt: für Falschnachrichten und Hasstiraden, die via WhatsApp verbreitet werden -- und damit nicht noch mehr solcher Politiker an die Macht kommen:

Hier unterzeichnen, um Social Media in Ordnung zu bringen!

WhatsApp ist ein Paradies für Falschnachrichten: Inhalte sind verschlüsselt, sodass niemand genau weiß, was vor sich geht. Erst als bereits Millionen von gefälschten Nachrichten im Umlauf waren, wurden Journalisten in Brasilien auf das Thema aufmerksam! Es gibt aber einen Ausweg: WhatsApp davon zu überzeugen, Nutzern die Möglichkeit zu geben, vor potenziellen Falschnachrichten gewarnt zu werden.

Damit das funktioniert, könnte WhatsApp den Benutzern möglicherweise erlauben, Verschlüsselung bedarfsweise einzustellen -- eine Lösung, die gleichzeitig unsere Demokratie und unsere Privatsphäre schützt.

Die Menge an Falschnachrichten, die sich derzeit in unseren sozialen Netzwerken verbreiten, verursacht eine gigantische globale Krise. Auf Facebook sind weiterhin hunderte Millionen von gefälschten Konten aktiv. Und YouTube hat zwei Milliarden (!) Benutzer, die bis zu einer Stunde Videos am Tag schauen. Das erschreckende daran: Laut Forschern lenkt der YouTube Algorithmus diese Zuschauer zu extremistischen und rassistischen Inhalten.

Darum wehrt sich unsere Bewegung
 und drängt Social Media Plattformen -- darunter auch WhatsApp -- sich für Bürger, Demokratien und wahrhaftige Informationen einzusetzen.

Unterzeichnen Sie die Petition -- bevor noch mehr Faschisten soziale Medien einsetzen, um uns alle gegeneinander aufzuhetzen!

Hier unterzeichnen, um Social Media in Ordnung zu bringen!
Avaaz kämpft gegen Falschnachrichten und Desinformationskampagnen auf der ganzen Welt. In Brasilien haben wir eine Gruppe ins Leben gerufen, die Fakten überprüft -- und dadurch wurde eines der größten Desinformations-Netzwerke in Brasilien aufgedeckt und außer Gefecht gesetzt. Aber wir waren zu spät. In unserer Gesellschaft haben Algorithmen auf Social Media zu viel Macht erhalten -- und sie füttern uns Gift. Bringen wir das in Ordnung, bevor es zu spät ist!

Mit Hoffnung

Ricken, Christoph, Fadi, Emma, Alice, Rosa und das ganze Team von Avaaz

Weitere Informationen:

Brasilien: Nun hilft nur beten (Süddeutsche Zeitung)
https://www.sueddeutsche.de/politik/brasilien-bolsonaro-praesident-1.4189542

Wahlkampf mit gekauften WhatsApp-Nachrichten: Die brasilianische Lügenfabrik (Spiegel.de)
http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/brasilien-wahlkampf-mit-gekaufter-whatsapp-flut-a-1234483.html

Pressefreiheit in Brasilien: Bolsonaros Medienattacken und die Folgen (Deutschlandfunk.de)
https://www.deutschlandfunk.de/pressefreiheit-in-brasilien-bolsonaros-medienattacken-und.2907.de.html?dram:article_id=431872

Manipulationsvorwurf gegen Rechtspopulisten Bolsonaro (Deutsche Welle)
https://www.dw.com/de/manipulationsvorwurf-gegen-rechtspopulisten-bolsonaro/a-45951594

Brasiliens WhatsApp-Kapitän: Ein Wahlkampf an der Fake-News-Front (Wired.de)
https://www.wired.de/article/brasiliens-whatsapp-kapitaen-ein-wahlkampf-an-der-fake-news-front

Und auf Englisch:

Election of Jair Bolsonaro in Brazil threatens the planet (The Guardian)
https://www.theguardian.com/world/2018/oct/30/election-of-jair-bolsonaro-in-brazil-threatens-the-planet

Corruption, fake news, and WhatsApp: how Bolsonaro won Brazil (Vox)
https://www.vox.com/world/2018/10/29/18025066/bolsonaro-brazil-elections-voters-q-a

Fake News Is Poisoning Brazilian Politics. WhatsApp Can Stop It. (The New York Times)
https://www.nytimes.com/2018/10/17/opinion/brazil-election-fake-news-whatsapp.html

Who is the 'Trump of the Tropics?': Brazil's divisive new president, Jair Bolsonaro— in his own words (CNBC)
https://www.cnbc.com/2018/10/29/brazil-election-jair-bolsonaros-most-controversial-quotes.html

The three types of WhatsApp users getting Brazil's Jair Bolsonaro elected (The Guardian)
https://www.theguardian.com/world/2018/oct/25/brazil-president-jair-bolsonaro-whatsapp-fake-news

Da fragt man sich manchmal, ob die Presse- und Meinungsfreiheit wirklich jedem zustehen muss. Oder ob man eine Art Führerschein für Leser solcher verqueren Meinungen einführen kann, damit sichergestellt ist, dass nur kluge und aufgeklärte Köpfe sie zu sehen bekommen. 

Da das alles nicht geht, wie wäre es dann mit guter Schulbildung für alle, damit die Schreiber solchen Unsinns gar nicht erst ernst genommen würden? 

Brasilien investiert wieder!

Brasil toma coragem - Brasilien fasst Mut - Brazil takes courage
Olhem para as manchetes sobre investimentos planejados:
Sehen Sie sich die Schlagzeilen über geplante Investitionen an: 
Look at the headlines about planned investments: - Dunlop vai investir R$ 153 milhões em fábrica na Grande Curitiba - JAC vai investir R$ 200 milhões em fábrica em Goiás para 2019 - Após vitória de Bolsonaro, empresa (Grupo Kyly) anuncia investimento de R$ 40 milhões para 2019 - Smurfit Kappa vai investir 25 milhões de dólares no Brasil - SMART vai investir R$ 700 milhões até 2021 - Setor portuário privado vai investir R$ 530 milhões em Santa Catarina em 2019 - Beiersdorf vai investir R$ 300 milhões na expansão de sua fábrica no Brasil - Condor vai investir R$ 40 milhões para construir segundo hipermercado em Santa Catarina - Empresário confirma investimentos de R$ 500 milhões para a Havan em 2019 - Leroy Merlin investirá R$ 300 milhões no país em 2019 Inacreditável o que a esperança para um governo melhor pode fazer! 
Unglaublich, was die Hoffnung auf eine bessere Regierung tun kann! 
Unbelievable what hope for a better government can do!

28 Oktober 2018

Jaír Messias Bolsonaro

Quelle: Internetausgabe O ESTADO DE SÃO PAULO vom 28.10.2018

Gewählt, verspricht Bolsonaro die Verfassung, die Demokratie und die Freiheit zu verteidigen

Der künftige Präsident zitiert die Bibel und sagt, dass er Reformen durchführen wird, um Brasilien in eine "große, freie und prosperierende Nation" umzuwandeln

Bolsonaro wird Brasilien ab 1.1.2019 regieren

und Doria wird zu diesem Datum das Amt des Ministerpräsidenten des Bundesstaates São Paulo übernehmen. Damit ist der von der Mehrheit der Brasilianer herbeigesehnte Neubeginn möglich geworden. Und Jaír Messias Bolsonaro hat in einer ersten Verlautbarung klar herausgestellt, dass die Zeit des um den Brei herumreden vorbei ist. Unter seiner Regierung wird nichts schöngeredet werden, sondern der Wahrheit ins Auge geschaut und es werden die nötigen Maßnahmen ergriffen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Er betonte, dass er die Verfassung beachten werde, aber wohl auch die Bibel - im Gegensatz zu Parteien mit einem C im Namen, die das Christliche nur noch als Aushängeschild betrachten und genauso einen Halbmond zeigen könnten.

Als das Wahlergebnis verkündet wurde, starteten die Feuerwerksraketen und begannen die Menschen zu jubeln. Nun, nicht alle, aber dazu schrieb mir eben ein brasilianischer Bekannter: "Tudo deu certo, mas lamento do fundo do meu coração que 45 milhões de brasileiros ainda votaram neste partido bandido. Parece a síndrome de Estocolmo! Vamos ver se conseguimos melhorar no futuro!" Übersetzt: "Alles ist gut gelaufen, aber ich bedauere aus tiefstem Herzen, dass 45 Millionen Brasilianer immer noch diese Banditenpartei gewählt haben. Sieht aus wie das Stockholm-Syndrom! Mal sehen, ob wir uns in Zukunft verbessern können!"


ESTADÃO: BOLSONARO ZUM PRÄSIDENTEN GEWÄHLT

ECONOMIST: JAIR BOLSONARO ZURÜCKHALTEN

NEW YORK TIMES: JAIR BOLSONARO, RECHTSAUSSEN-POPULIST, ZUM PRÄSIDENTEN BRASILIENS GEWÄHLT


Der SPIEGEL hat seine übliche Meinung:

Die von mir markierte Textstelle kann ich nur gutheißen und würde nur "wird" anstelle des "könnte" schreiben. Denn das braucht Brasilien, einen radikalen Wechsel in der Art und Weise, wie dieses wunderbare Land regiert wird. Dass dies geht, hat der künftige Präsident schon durch seinen Wahlkampf gezeigt, ohne Parteienfinanzierung, ohne kostspieligen Anzeigen und Kampagnen, aber unter massivem Einsatz des Internets, u.a. unter Nutzung von Facebook und WhatsApp. Und mit der Unterstützung sehr sehr vieler Freiwilliger, die sich seiner Internetkampagne annahmen, ohne Bezahlung und ohne teure marketeers. Und dass man nicht immer politisch korrekt sein muss, um gewählt zu werden, hat er auch bewiesen. Damit ist er einer der seltenen Politiker, die den Wähler nicht für dumm halten und auch nicht für dumm verkaufen wollen.

Steve Bannon, der frühere Chefstrategist von Donald Trump, hält viel von Bolsonaro und wenig von "normalen" Politikern. So sagte er der Zeitung VALOR ECONÔMICO: "Ich glaube, dass er (Bolsonaro) durch die Umkehrung der Krisensituation in Brasilien ein Führer der globalen Szene werden wird". Und fügte hinzu, dass Brasilien hinter Indien und China zurückgeblieben sei, weil es von einer korrupten und inkompetenten Elite regiert wurde. Was man sich auch in anderen Ländern hinter den Spiegel stecken sollte.

Wussten Sie übrigens, dass der neue Präsident einen deutschen und einen italienischen Urgroßvater hat?

Hier weitere Nachrichten, die ich über WhatsApp erhielt:

Vencemos (wir haben gewonnen) 🙏🙏🙏🇧🇷🇧🇷🇧🇷🇧🇷👏💙👏💙👏

Unter neuer Leitung



Das Weinen ist frei, Lula nicht
Hier ruht die PT - hier ruht der Kommunismus
Ab nächstem Jahr die neue BOLSA FAMÍLIA (Familientasche = Sozialhilfe)
Mit dieser Tasche kannst Du deine Familie versorgen!

Für heute genug, in den nächsten Tagen werde ich mehr darüber schreiben, was wir vom neuen Präsidenten und seiner Regierungsmannschaft Gutes erwarten können. Gott, der ja Brasilianer sein soll,  sei mit ihm! Oder wie Bolsonaro sagt: BRASILIEN ÜBER ALLEM UND GOTT ÜBER ALLEN! (Versuchen Sie ja nicht, daraus abzuleiten, dass die erste Strophe des Deutschlandliedes jetzt öffentlich gesungen werden darf; es sei denn, sie wollen sich wie Bolsonaro in die rechtsradikale Ecke drücken lassen)





27 Oktober 2018

Vox populi

Wahlen sind eine ernste Sache, erst recht Präsidentschaftswahlen im fünftgrößten Land dieser Erde mit fast 215 Millionen Einwohnern. Brasilien ist auch gespaltenes Land, gespalten zwischen Anhängern und Gegnern der Linken und Rechten, wobei sich die Häme der politischen Witze häufig über die Arbeiterpartei, ihre prominenten und weniger prominenten Mitglieder und das Debakel, welches sie in 13 Jahren an der Macht anrichteten, ergießt. Und wie man schon aus dem Dritten Reich und aus den sozialistischen Arbeiter- und Bauernparadiesen weiß, ist der Witz die Waffe und die Rache des kleinen Mannes. Deshalb gebe ich hier in willkürlicher Reihenfolge einige der Witze übersetzt wieder, die mich bis heute erreichten. Dass sie sich meist unverblümt gegen den Sozialismus richten, ist meiner Vergangenheit geschuldet, habe ich ihn doch als Kind in der "DDR" kennengelernt, wo ich als Schüler den Aufstand der Bauarbeiter am 17. Juni mit anschließender Ausrufung des Ausnahmezustandes in Ostberlin von unserem Balkon aus erleben und auch in der Schule mit einem Maschinengewehr schießen "durfte", dazu kamen Märsche am 1. Mai mit roten Fahnen, das "freiwillige" Einsammeln von Kartoffelkäfern auf den Feldern, der versteckte Religionsunterricht spätnachmittags im Dachgeschoss einer Mietskaserne, das Ansehen von Kriegsfilmen mit heldenmütigen Rotarmisten und verabscheuungswürdigen  kriminellen deutschen Soldaten und das Sammeln von Altmetall für den Aufbau des Sozialismus. Dank der Initiative meiner Eltern habe ich später im eingekesselten und dann von den Kommunisten eingemauerten Westberlin gelebt, was tausendfach besser war als die Diktatur in Ostberlin. Denn nur in Ostberlin sagte eine Stecknadel zur anderen: "Drehe dich nicht um, hinter uns geht eine Sicherheitsnadel". Jetzt mache ich aber endlich den Sprung nach Brasilien:
  1. Es ist absurd, sich einen Messerstich einzufangen und sich dann nicht der Debatte der Kandidaten  zu stellen. Es ist normal, einen Gefängnisinsassen zu besuchen, um sich Anweisungen zu holen, wie das Land zu regieren sei.
  2. 2002, 2006, 2010 und 2014 hat die PT die Präsidentschaftswahlen gewonnen. 2018 sagt sie, sie müßte die Wahlen gewinnen, um das zerstörte Land aufzubauen. Ist das Volk geistig zurückgeblieben oder gibt es ein anderes Problem?
  3. Ironie ist, wenn Lehrer gegen Bolsonaro sind und nachher weinen, wenn sie im Unterricht von den "Opfern der Gesellschaft" gequält werden.
  4. Meine 80 Jahre alten Großeltern haben sich nie über das Militärregime beklagt, aber meine 20 Jahre alten Freunde sind traumatisiert!
  5. Die PT hat sieben Diktaturen unterstützt, nämlich Kongo, Kuba, Venezuela, Zimbabwe, Angola, Äquatorialguinea und Gabun. Aber Bolsonaro bedroht unsere Demokratie!
  6. Du hast Angst, dass Bolsonaro die Bevölkerung bewaffnet, aber du fürchtest dich nicht, wenn Haddad die Banditen freilässt.
  7. Was für ein Volk ohne Gedächtnis! 2006, als Lula nicht zur Kandidatendebatte ging, war er weder krank noch niedergestochen, aber vielleicht betrunken.
  8. Das Kinder aus armen Familien Ärzte werden, hat es schon vor den PT-Regierungen gegeben, aber Ingenieure, die ihr Geld als UBER-Fahrer verdienen, erst danach!
  9. Ein Gaucho verbringt seinen Urlaub in São Paulo und besucht den Zoo. Ein kleines Mädchen kommt einem Gitter zu nahe, hinter dem ein Löwe sitzt, der seine Pranke ausstreckt, um das Kind in den Käfig zu ziehen. Der Gaucho haut dem Löwen auf die Nase und rettet das Mädchen. Ein Reporter der "Folha de São Paulo" hat das gesehen und fragt den mutigen Mann nach seinem Beruf und seiner politischen Einstellung. Der antwortet, er sei Militär und werde Bolsonaro wählen. Am nächsten Tag steht in der Zeitung "Radikaler, der Militärdiktatur nahestehender  Rechtsextremer greift afrikanischen Einwanderer an und raubt ihm sein Mittagessen".
  10. Die Stimme Bolsonaro zu geben, ist ein Schuss ins Dunkle, eine Stimme für Haddad ist ein Kopfschuss.
Ich möchte zum Schluss betonen, das mir die obigen Witze, die so lustig nicht sind, ausschließlich von brasilianischen Freunden und Bekannten geschickt und nicht von mir erfunden wurden.

Die "letzte Hoffnung" gegen einen Rechtsruck in Brasilien

In der Süddeutschen Zeitung erschien  am 26. Oktober 2018 dieser Artikel über Fernando Haddad, der am 28. entweder zum Präsidenten Brasiliens gewählt werden wird oder neuer faktischer Führer der Arbeiterpartei sein wird und damit Führer der Opposition gegen den dann erfolgreichen Kandidaten Bolsonaro. Der Artikel wurde mir zugeschickt und ich kann es mir nicht verkneifen, zu fragen, warum ein Rechtsruck so schlimm ist, dass man eine letzte Hoffnung aufbieten muss, diesen zu verhindern. Ist denn ein Linksruck im umgekehrten Fall weniger schlimm? Die jüngste Vergangenheit hat eigentlich gezeigt, dass dem nicht so ist. Und was die Wähler Brasiliens, die geneigt sind, Bolsonaro ihre Stimme zu geben, verhindern möchten, ist genau das, was im Artikel der rechten Seite zugeschrieben wird. Hier herrscht nämlich die große Sorge, dass im Fall eines Wahlsieges der Linken, also Haddads, aus Brasilien ein weiteres Venezuela entsteht. Und was die Wähler Bolsonaros ebenso ängstigt, ist die Aussicht, dass mit Haddad eine Vizepräsidentin mitgewählt wird, die der kommunistischen Partei Brasiliens, der PCdB, angehört. Und da man in Brasilien mit dem Präsidenten automatisch den Vizepräsidenten mitwählt, rückt bei einer Verhinderung der Amtsführung eines Präsidenten Haddad automatisch seine Vizepräsidentin nach. Und das will wohl keiner wirklich, es sei denn, er hat schon seinen Koffer gepackt und will sowieso auswandern. So, wie es viele Venezolaner machen, die es im eigenen Land nicht mehr aushalten, weil dieses sich in der Zwischenzeit in eine kommunistische und extrem korrupte Diktatur verwandelt hat und die deshalb u.a. nach Brasilien flüchteten. Die würden dann vom Regen in die Traufe kommen. Aber zurück zu Haddad, wer wie ich in São Paulo wohnt und ihn als Oberbürgermeister dieser Stadt erlebt hat, kann wohl auch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, sich Haddad, der schon als Oberbürgermeister überfordert war, als Präsidenten Brasiliens zu wünschen. Und das im Artikel erwähnte "nachhaltige Verkehrskonzept" bestand im wesentlichen aus dem Aufpinseln von Fahrradwegen auf unseren Straßen, ohne Sinn und Verstand. Wer mehr dazu lesen möchte, klicke bitte in ABSURDISTAN. Wenn Bolsonaro von Säuberung spricht, dann hat er heute dabei die Unterstützung von mindestens 49.276.990 Brasilianern, die ihn im ersten Wahlgang ihre Stimme gaben. Die haben ihn nämlich mit ihrer Stimme bedacht, weil sie genug von der Vetternwirtschaft der PT haben, genug von der Inkompetenz dieser Partei und ihrer Amtsträger, genug von der Korruption ihrer führenden Mitglieder und Anhänger, genug von deren Lügen und Betrügereien. Die Süddeutsche Zeitung wäre gut beraten, auch darüber zu schreiben, was die führenden Mitglieder der PT sagen, die zum großen Teil rechtskräftig in einem Kriminalprozess verurteilt worden sind und einsitzen. So sagte der ehemalige Kabinettschef Lulas, José Dirceu, der zu 21 Jahren Haft verurteilt wurde, "É questão de tempo para a gente tomar o poder" unlängst in einem Interview mit der Zeitung El País. Hätte Bolsonaro "Es ist eine Frage der Zeit, bis wir die Macht übernehmen" gesagt, würde ein Aufschrei durch die linke Welt gehen, aber wenn es ein verurteilter linker Krimineller sagt, der die rechte Hand des ebenfalls inhaftierten ehemaligen Präsidenten Lulas war, kräht kein Hahn danach. 

Meine Empfehlung ist, den Wählerwillen zu achten, vor allem wenn es sich wie im Fall Bolsonaros im ersten Wahlgang um fast 50 Millionen Brasilianer handelt, die ihn manifestierten, in dem sie dem als Rechtsradikalen verteufelten Kandidaten ihre Stimme gaben. Und der von der Süddeutschen Zeitung zum Intellektuellen hochgejubelte Haddad hat es immerhin auf etwas mehr als 31 Millionen Stimmen gebracht. 

Wobei die Frage erlaubt sein muss, ob das Land einen Theoretiker braucht, um es aus der Sch.... zu holen, in die es der Autoditakt Lula, der stolz darauf ist, auch ohne Bücher zu lesen, Präsident geworden zu sein (was ich verstehen kann!), und seine Platzhalterin, die kaum vernünftiges Portugiesisch sprechende Dilma, mit Erfahrung als Revolutionärin, aber ohne jegliche Eignung zur Präsidentin, hineingeritten haben. Aber bei den Linken sind solche Lebensläufe wohl gebräuchlich, schließlich war Maduro, der Diktator Venezuelas, früher Busfahrer. 

Und eine letzte Frage für heute, warum erachtet die brasilianische Linke die hiesige Version der Sozialdemokraten als rechts und die Konservativen, von mir aus die Erzkonservativen, als rechtsradikal und warum folgt eine Süddeutsche Zeitung dieser Einschätzung?

147.302.354 Brasilianer sind wahlpflichtig, aber etliche gehen trotzdem nicht zur Wahl oder geben ungültige Stimmen ab. Da im zweiten Wahlgang der erfolgreiche Kandidat der ist, der die meisten Stimmen auf sich vereinigt und es sich um eine Stichwahl handelt, müsste also der künftige Präsident, wenn alle Wahlpflichtigen für einen der beiden Kandidaten stimmen würden, mindestens 73.651.178 Stimmen erhalten, um gewählt zu sein. Morgen werden weniger genügen; wieviel, werden wir in ca. 24 Stunden wissen.

Mehr zu den Wahlen bei WIKIDEDIA.

22 Oktober 2018

Schlafen deutsche Unternehmer oder sehen sie Brasilien anders als ihre Kollegen aus USA, China, Frankreich und Großbritannien?

Ausländische Firmen haben sich in den letzten 5 Jahren massiv in Brasilien an lokalen Firmen beteiligt oder diese komplett übernommen. Deutschland liegt dabei hinter dem Brexitland Großbritannien auf dem 5. Platz nach Anzahl der Transaktionen:


Gerade im Krisenjahr 2017 stieg die Anzahl der Transaktionen auf 108. Leicht erklärbar, denn so billig konnte man sich noch nie in jüngster Zeit in Brasilien einkaufen.


Auch bei der Höhe der Investitionen sticht das Krisenjahr 2017 mit 40 Mrd. R$ hervor.
K

Warum deutsche Unternehmen hier ihre Chancen nicht wahrnehmen, ist mir unverständlich. In Deutschland brummte die Wirtschaft 2017 und es war genug Geld vorhanden, um es in Brasilien einzusetzen. Aber dann kommt immer wieder das Argument, warum in einem komplizierten Land investieren, wenn man woanders einfacher Gewinne erzielen kann. Verständlich, dass Länder wie die USA und China anders denken, die USA sind von je her bekannt für den Pragmatismus ihrer Unternehmer und für das Fehlen jeglicher Ideologie, und China ist ehrgeizig, will expandieren und die USA überholen. Aber Frankreich und Großbritannien vor Deutschland? Und die kleinen Niederlande direkt dahinter? Ob das etwas mit der Kolonialerfahrung dieser Länder zu tun hat? Mit dem Unternehmensgeist von geborenen Händlern, die schon immer die ganze Welt als ihren Marktplatz betrachtet haben? Ich weiß es nicht, aber ich sehe die Zahlen und das Interesse deutscher Unternehmen an Brasilien. Natürlich sind schon ca. 1.600 deutsche Firmen in Brasilien tätig, aber es gibt tausende, die es nicht sind. Die Chefs und Eigentümer dieser Unternehmen sollten sich besser über Brasilien informieren und nicht nur die ideologisch beeinflussten Artikel nicht neutraler Journalisten lesen. Wer sich informieren will und dabei sowohl die schlechten als auch die guten Seiten Brasiliens kennenlernen möchte, kann mich gerne ansprechen. Benutzen Sie das Kontaktformular auf der rechten Seite des Blogs, ich antworte umgehend.

Brasilianer demonstrieren gegen Haddad, Lula und PT und für Bolsonaro



Die neueste Wahlprognose von CNT/MDA gibt Bolsonaro 57% und Haddad 43%. Der NEW YORK TIMES fällt dazu nichts anderes ein, als "Traurige Auswahl Brasiliens" als Überschrift für einen Leitartikel über unsere Wahlen zu wählen. Ich kann mich nicht erinnern, dass man ähnlich kritisch über den kriminellen Ex-Präsidenten und seine unfähige und aus dem Amt entfernte Nachfolgerin Dilma geschrieben hätte. Aber selbst Obama hatte über Lula gesagt, "this is the guy"! Auch US-Präsidenten, die beliebter als Donald Trump sind, jedenfalls bei den Demokraten, haben nicht immer die Weisheit gepachtet. Zeitungen bzw. ihre Redakteure und Reporter schon gleich gar nicht, würde der Bayer sagen.

21 Oktober 2018

Herzlicher Empfang für Haddad in Rio und Demonstration für Bolsonaro in São Paulo

Raten Sie mal, wer ab 1.1.2019 Präsident Brasiliens sein wird?

Quelle: Internetausgabe des "O Estado de São Paulo" vom 21.10.2108
Angst vor einer Militärdiktatur scheint hier niemand zu haben; im Gegenteil, die Menge hebt hervor, dass Bolsonaro Hauptmann war. In Brasilien hat das Militär keine Probleme mit seiner Akzeptanz in der Bevölkerung, das Oberkommando lebt Demokratie vor und betont immer wieder, dass Bolsonaro nicht der Kandidat der Streitkräfte sei. Man habe keinen Kandidaten, weil die Streitkräfte eine Institution des Staates seien und nicht einer Regierung oder Partei. Und was die frühere Militärdiktatur angeht, die ich noch miterlebt habe, muss auch gesehen werden, dass Brasilien ohne das Eingreifen der Streitkräfte 1961 eine Linksdiktatur wie damals Kuba und heute Venezuela geworden wäre. Und als nach 21 Jahren Herrschaft der Militärs General Geisel als Präsident abdankte und General Figueiredo gewählt wurde und anschließend ein ziviler Präsident, der leider vor Amtsantritt im Krankenhaus starb, war der Übergang von der Militärdiktatur zur Demokratie nicht durch eine Revolution erzwungen, sondern geschah aus freien Stücken.

Und das sagt der Papst zur Ideologie? Sie führe immer zur Diktatur, die für das Volk denkt und das Volk nicht denken lässt!