30 März 2011

Wohin reisen die Brasilianer?

Das waren 2010 die beliebtesten Ziele:
  1. Buenos Aires
  2. Orlando
  3. New York
  4. Miami
  5. Las Vegas
  6. Paris
  7. Los Angeles
  8. Santiago de Chile
  9. London
  10. Rom
Wie man sieht, gehört "Good old Germany" nicht dazu. Wenn es um Ziele in Brasilien geht, sollte man auf die Übernachtungskosten achten, diese lagen 2010 im Mittel bei
  • 314 R$ in Rio
  • 306 R$ in Búzios
  • 242 R$ in São Paulo
Wir sind nicht nur kein Billiglohnland mehr, auch den Status des Billigwohnlandes (im Hotel) haben wir verloren!

Ein Fall für die Feuerwehr?

Die in Brasilien übrigens aus Soldaten besteht, nicht aus zivilen Beamten oder Angestellten des Öffentlichen Dienstes. In anderen Ländern sichern Soldaten den Frieden (so die Theorie), in Brasilien bekämpfen sie Brände und leisten die weiteren üblichen Rettungsdienste, die man von der Feuerwehr erwartet. In Groß - São Paulo auch nur in der Theorie.

Groß - São Paulo, die sogenannte região metropolitana, die grösste Brasiliens, besteht aus 38 Städten, von denen 21 keine Feuerwehrstation haben! Von diesen 21 Städten haben 11 mehr als 80.000 Einwohner. Geschätzte 1.800.000 Menschen sind also im Notfall darauf angewiesen, dass ihnen die Feuerwehr des Nachbarortes hilft. Dies sind die Städte ohne Feuerwehr (mit Angabe der Einwohnerzahl):

  • Carapicuba 369.000
  • Embú 240.000
  • Taboão da Serra 244.000
  • Itapevi 200.000
  • Ferraz de Vasconcelos 168.000
  • Francisco Morato 154.000
  • Jandira 108.000
  • Poá 106.000
  • Santana de Parnaíba 108.000
  • Caieiras 86.000
  • Mariporã 80.000
Es wird schwierig sein, für diese Städte eine Lösung zu finden, denn das Gesetz beschränkt die Zahl der Feuerwehrleute auf 10 % der Mitglieder der Militärpolizei - wobei diese Grenze hier noch nicht erreicht wurde. Unerklärlich bleibt, dass die Stadt São Paulo nur 9.824 Feuerwehrleute hat, während Rio de Janeiro, obwohl praktisch nur ein Drittel so gross, fast doppelt so viele beschäftigt.

Die Lösung für Groß - São Paulo wird wohl zunächst die Bildung freiwilliger Feuerwehren sein, wie in den kleinen Gemeinden Deutschlands, die sich keine Berufsfeuerwehr leisten können. Nur dass es sich hier nach deutschem Maßstab um Großstädte handelt.

26 März 2011

Die brasilianische Regierung versucht, Ausgaben der Brasilianer auf Auslandsreisen einzudämmen

Brasilianer sind reiselustig, ihre Ausgaben für und auf Auslandsreisen haben sich in den ersten zwei Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum um 38 % gesteigert, auf 3,07 Mrd. US$. Ausländische Besucher Brasiliens haben ebenfalls mehr Geld im Land gelassen als vorher, ihre Ausgaben stiegen um 8,5 %. Damit wuchs das Defizit des Reisekontos auf 1,91 Mrd. US$, 66,7 % mehr als der Wert per Ende Februar 2010.

Dagegen lässt sich etwas tun und die Regierung zögerte nicht, die Steuer auf Finanzoperationen IOF - Imposto sobre Operações Financeiras für Einkäufe im Ausland, auch über das Internet, wird kommenden Montag von 2,38 auf 6,38 % erhöht.

Der starke Real verführt natürlich zum Ausgeben, ob die Steuererhöhung etwas dagegen ausrichtet, wird sich zeigen:

Pressestimmen zu Brasilien

Bundesregierung hält an Exporthilfen für brasilianisches Atomkraftwerk fest

Schätzer sehen Brasiliens Sojaernte weiter auf Rekordkurs

Wasserkraft für Brasilien

Brasiliens Zentralbank warnt vor Dollar-Flut

Resolut und erfolgreich

Brasilien hat geopolitische Ambitionen

BRIC-Think Tank Summit in Beijing eröffnet

Embraer steigert Quartalsgewinn

Deutsche Werkzeugmaschinenbauer profitieren vom Boom in Brasilien

Zwischenstopp am Zuckerhut

25 März 2011

Kriminalität

Bei meinen Vorträgen in Deutschland ging es u.a. auch um Standortfragen und deshalb auch um die Kriminalität in den verschiedenen Regionen des Landes. São Paulo wird oft als gefährlich eingestuft und es stimmt, dass in letzter Zeit etliche Taxipassagiere, vor allem, wenn sie aus einem Flughafen kamen, ihren Laptop, Uhren und Mobiltelefone bei Überfällen auf der Stadtautobahn im stockenden Feierabendverkehr verloren haben. Dagegen hilft, sich vorne zum Taxifahrer zu setzen und auf keinen Fall mit seinem Computer während der Fahrt zu arbeiten. Die Überfälle werden meist mit Hilfe zweier Motorräder ausgeführt, mit denen das überfallende Fahrzeug eingekeilt wird und die ein schnelles Entkommen gewährleisten.

Schlimmer ist es, wenn ein Mord passiert, einen PC kann man wieder kaufen.

Mit 63,3 Morden pro 100.000 Einwohnern ist der Bundesstaat Alagoas der gefährlichste Brasiliens, gefolgt von Espírito Santo mit 57,9. Vielleicht sollte man diesen Bundesstaat besser umtaufen. Pernambuco mit 42,6 Morden pro 100.000 Einwohner liegt auch über dem Wert, den man aus "zivilisierten" Ländern gewohnt ist. Pará mit 36,0 nimmt die nächste Position ein, es folgen Roraima mit 33,4; Paraíba mit 31,2; Rio de Janeiro mit 33,2; Bahia mit 29,9; Mato Grosso mit 29,5; Paraná mit 29,2;  Sergipe mit 28,8.

Minas Gerais steht mit 7,1 am besten dar, São Paulo ist mit 11 Morden pro 100.000 Einwohner weniger gefährlich als oft vermutet. Trotzdem sollte man nicht mit einer Rolex am Arm und einem Laptop unter dem Arm in der Stadt spazieren gehen.

Brasilien bleibt gefragt

Das habe ich in den letzten beiden Wochen an der Resonanz gemerkt, auf die meine Vorträge und Beratungsgespräche in Deutschland gestoßen sind. Aber nicht nur deutsche Unternehmer interessieren sich für Brasilien, auch die arabische und persische Welt. Im letzten Jahr haben Firmen aus Nordafrika und dem Mittleren Osten 4,5 Mrd. US$ in brasilianische Firmen investiert, wie eine Untersuchung von Ernst & Young über M&A zeigt. 18 % der Investitionen arabischer Unternehmen und Fonds außerhalb ihrer Region gingen nach Brasilien. Nur England erhielt mit 21 % noch mehr Mittel.

Umgekehrt ist Brasilien ein grosser Lebensmittelexporteur in die arabischen Länder und einige Firmen investieren sogar direkt, Vale z.B. hat ein Büro in Oman eröffnet.

19 März 2011

Der € im Aufwärtstrend

Wer € nach Brasilien überweisen muss oder will, hat jetzt die Gelegenheit, mehr R$ als üblich zu bekommen. Der Kurs ist von 2,17 R$ - von einigen kleineren "Rückschlägen" abgesehen - seit Jahresanfang kontinuierlich auf jetzt 2,36 R$ für einen € gestiegen. Denn bei Betrachtung des Vorjahres muss man leider sagen, dass wir solche Erholungsphasen schon hatten, denen aber immer wieder ein Absturz des €-Wertes gefolgt war. Also nutzen Sie die Chance, morgen fällt der € vielleicht wieder! Und niemand weiss, wie sich der Obamabesuch in Brasilien, das Flugverbot über Libyen und die Erdbebenkatastrophe in Japan auf den Kurs auswirken wird.

12 März 2011

E10 oder E605?

Die Erregtheit in Deutschland lässt vermuten, dass es nicht um Kraftstoff geht, sondern um ein höchst gefährliches Gift. Das hier sind einige Stimmen zu Beimischung von 10 % Ethanol zum Benzin in Deutschland:

Anna Otterbach (23), - zahnmedizinische Fachangestellte aus Crailsheim: "Ich persönlich bin für die Abschaffung von Super E10. Ich finde es einfach nicht richtig, dass in Afrika die Menschen verhungern und man hier die Agrarflächen für Kraftstoff anstatt für Nahrung bepflanzt. Solange ich mir es leisten kann, werde ich auch kein E10 tanken, da zahle ich dann doch lieber ein paar Cent mehr. Informiert habe ich mich aber trotzdem mal beim Händler, ob mein Auto das E10 verträgt."
Elke Köhnlein (45), - Bankkauffrau aus Crailsheim: "Mich betrifft dieses Problem nicht direkt, weil mein Fahrzeug mit Diesel fährt. Meine Mutter fährt jedoch einen Benziner, dadurch habe ich mich auch schon mit diesem Thema befasst. Ich befürchte nur, dass möglicherweise die Getreidenutzflächen für Kraftstoff benutzt werden anstatt für Nahrungsmittel. Wenn ich jedoch Benzin tanken müsste, würde ich auch E10 tanken."
Armin Kohr (45), - Elektroniker aus Satteldorf: "Ganz bewusst unterstütze ich das E10 nicht. Es sind ja ohnehin nicht wirklich zehn Prozent Bio-Ethanol in dem Treibstoff enthalten bis jetzt. Ich weiß nicht einmal, ob mein Auto E10 verträgt. Das interessiert mich aber auch nicht weiter, denn ich tanke Super Plus solange ich mir das leisten kann. Sollen die Lager für das Super E10 ruhig voll bleiben."
Ute Bernhardt (27), - Tätowiererin aus Crailsheim: "Ich tanke E10 aus Prinzip nicht. Ich verstehe nicht, warum man das nicht lassen konnte, denn wirklich umweltfreundlicher kann das E10 ja ohnehin nicht sein. Mein Auto müsste das E10 zwar vertragen, dennoch tanke ich weiterhin Super Plus. Allein aus dem Grund, da ich mir das nicht gefallen lassen möchte."
Karin Brück (45), - Arzthelferin aus Crailsheim: "Mir ist egal, ob das E10 wieder abgeschafft wird, aber tanken werde ich es nicht. Allein die Tatsache, dass durch diesen Treibstoff Schäden am Motor entstehen können, lässt mich am E10 zweifeln. Ich habe mich zwar bei meiner Werkstatt bereits informiert, ob mein Auto das E10 verträgt, werde aber nicht darauf umsteigen. Ich fahre nicht besonders viel Auto, daher kann ich den Preisunterschied relativ gut verkraften."
Wer in Brasilien gar nicht die Möglichkeit hat, reines Benzin zu tanken, weil unser Benzin seit Jahren über 20 % Ethanol enthält, hat einige Probleme, die Aufgeregtheit in Deutschland zu verstehen. Mir ist bisher auch kein Fall eines Importfahrzeuges bekannt, welches dadurch in Brasilien zu Schaden kam. Warum sollte sich ein solcher Mercedes, Audi, BMW, VW etc. in Brasilien anders verhalten als im Herstellerland Deutschland?  

Die Einwohner eines Landes, welches Flexmotoren verwendet, die Alkohol und Benzin in einem beliebigen Mischungsverhältnis verwenden können und wo der Alkohol aus Zuckerrohr gewonnen wird, dessen Anbau ca. 1 % der Fläche des Landes in Anspruch nimmt, haben auch keinen Grund, sich aufzuregen. 

Diese Flexmotoren wurden u.a. vom urdeutschen Autobauer VW entwickelt. Meint man in Deutschland, dass die Autoindustrie in Deutschland ahnungslos sei? Oder dass kein Technologietransfer von Brasilien nach Deutschland stattfindet? 

Übrigens verwenden wir in Brasilien Ethanol als Autokraftstoff seit 30 Jahren, auch damals war VW der führende Entwickler. 

In 30 Jahren haben sich vielleicht auch meine in der Heimat gebliebenen Landsleute an Ethanol gewöhnt und sind dann hoffentlich auch aus der "Nicht mit mir" - Partei ausgetreten.

04 März 2011

Anwaltskosten in Brasilien

Ich werde immer wieder gefragt, was ein guter Anwalt in Brasilien kostet. Hier ein Anhaltspunkt:


Seniority
Hourly Rates  (in US Dollars )
Partners
$390.00/480.00
Senior Partner
$530.00
Directors / Senior Associates
$270.00/360.00
Associates
$150.00/260.00
Interns
$75.00/115.00
Paralegals       
$115.00


Das sind die Stundensätze einer international tätigen brasilianischen Kanzlei.

03 März 2011

Brasilien ist bereits die siebentgrösste Volkswirtschaft der Welt!

Minister Guido Mantega sagte es heute, Brasiliens Wirtschaft hat die Frankreichs und Grossbritanniens überholt, wenn man die Kaufkraftparität als Massstab nimmt und hat sich damit zur Nr. 7 der Weltrangliste aufgeschwungen. Im vorigen Jahr hatte es bereits für den neunten Platz gereicht. Unter den G20-Ländern lag das BIP-Wachstum Brasiliens nur hinter dem von China, Indien, Argentinien und der Türkei.

Hier zwei Diagramme zur BIP-Entwicklung in Brasilien:

Jährliche Veränderung des BIP seit 1980 laut IBGE

Vierteljährliche Änderung des BIP laut Zentralbank

Brasiliens Wirtschaft legte 2010 um 7,5 % zu

Das BIP nahm 2010 gegenüber dem (schwachen!) Vorjahr um 7,5 % zu, das ist das größte Wachstum seit 1986. 2010 betrug der absolute Wert des BIP 3,675 Billionen R$, das Prokopf-BIP war 19.016 R$.
Die Weltfinanzkrise war verantwortlich für den BIP-Rückgang um 0,6 % in 2009. Das starke Wachstum 2010 hat zwei Gründe, das schwache Vorjahr und die Wirtschaftsankurbelungsmassnahmen der Regierung. 2011 merken wir deshalb bereits die inflationären Effekte und deshalb wurde gestern der Leitzins auf 11,75 % erhöht. Das BIP-Wachstum soll dieses Jahr auf 4,5 bis 5 % beschränkt werden.

Zum Wachstum des BIP um 7,5 % trug am meisten die Industrie bei, dieser Sektor wuchs um 10,1 %. Danach kommt der Agrobusinessbereich mit 6,5 %. Dienstleistungen einschliesslich Handel wuchsen um 5,4 %. Innerhalb der Industrie war der Rohstoffbereich führend, wie z.B. die Bergbaufirma Vale.

01 März 2011

Die Sündflut bleibt!

Trotz Investitionen in Milliardenhöhe wird São Paulo weiterhin überschwemmt, hier Bilder vom 28.2. aus dem Internet (ich weiss leider nicht, wessen Copyright ich verletze, aber wenigstens sei der Hinweis gegeben, dass die Bilder unter www.uol.com.br gefunden wurden):

















Wenn der Rhythmus der Gegenmassnahmen von der Stadtverwaltung beibehalten wird, ist eine Lösung in 40 Jahren zu erwarten, sagt der "Estado de São Paulo". Und das ist eine ernstzunehmende Zeitung.