29 September 2007

Zahlen zum brasilianischen Bergbau zeigen Absatzchancen für deutsche Exporteure

  • 28 Mrd. US$ sollen in den nächsten vier Jahren für Prospektion ausgegeben werden
  • 17,2 Mrd. US$ war der Handelsbilanzsaldo des Bergbaues, der Stahlerzeugung und des Metallsektors
  • 2007 soll der Wert auf 18,3 Mrd. US$ steigen
  • Der Wert der Vale do Rio Doce stieg seit 2004 um den Faktor 3,4
  • Der Bergbauanteil am BIP Brasiliens beträgt 5 %
  • Allein der Eisenerzsektor macht 0,75 % vom BIP aus
  • Zwischen 2000 und 2007 stieg der Eisenerzpreis um 180 %

Vale do Rio Doce überholt Petrobrás!

Vale do Rio Doce, der Vorzeigekonzern Brasiliens, wenn es um Bergbau geht, wurde am 7. Mai 1997 privatisiert und hört seitdem nicht auf, zu wachsen. Die Gruppe ist auf ihrem Sektor schon die Nummer drei auf der Welt und schlug am 28.9.2007 die nur teilprivatisierte Petrobrás, was den Firmenwert angeht, 156,3 Mrd. US$ gegenüber 155,4 Mrd. US$. Der Gewinn von Vale do Rio Doce (Tal des süßen Flusses) wuchs 557 % zwischen 2002 und 2006, der Nettogewinn von Petrobrás schaffte "nur" 220 %. Aber absolut gesehen schlägt Petrobrás mit 25,9 Mrd. R$ Nettogewinn gegenüber 13,4 Mrd. R$ Vale do Rio Doce immer noch. Der Vorteil der Bergbaufirma ist, daß sie keinem politischen Einfluß unterliegt, deshalb fordert auch die Arbeiterpartei von Lula die Zurücknahme der Privatisierung. Man stelle sich vor, wieviele Pöstchen und Posten man hier für politisches Wohlverhalten vergeben könnte, von den Geldern die man dringend für Wahlkämpfe und "andere Ausgaben" (siehe auch KORRUPTION IN BRASILIEN) braucht, ganz zu schweigen. Aber Gott sei Dank sind wir in Brasilien und nicht in Venezuela oder Bolivien, wo der Ruf nach Verstaatlichung wirklich ernst genommen werden müßte.

Exposibram und NRW

Der brasilianische Bergbau hört nicht auf, zu wachsen, was sich im Ausbau des Messezentrums in Belo Horizonte widerspiegelt, wo ich die Bergbaumesse Exposibram auf Einladung der Messe Düsseldorf und von NRW International besucht habe. Der NRW - Gemeinschaftsstand war gut bestückt, folgende Firmen stellten hier aus: Coal Control, DSI DYWIDAG, Eplan, Hard-Wear, Humboldt Wedag, Nilos, Putzmeister, Schwing, Voith Turbo, Wirtgen:


Hier sehen Sie den Schwing - Stand:


Links Herr Cem Bagci von der Messe Düsseldorf, in der Mitte Frau Miriam Palaschinski von NRW International und rechts Ihr Blogger:


Auf dem Weg zum Flughafen Confins von Belo Horizonte diese Aufschrift: FÜR DEN GENERALSTREIK GEGEN DIE REFORMEN. Daneben steht noch (mein Taxifahrer war zu schnell für meine Kamera, deswegen kann ich den Originaltext hier nicht zeigen): TOD DEN GROSSGRUNDBESITZERN:
Götz von Berlichingen hätte wahrscheinlich gesagt: TROTZDEM!


Der Flughafen Confins auf meinem Heimflug nach São Paulo fotografiert:

26 September 2007

Korruption in Brasilien


Die in Brasilien TRANSPARÊNCIA INTERNACIONAL genannte Nichtregierungsorganisation hat wieder mal einen Bericht vorgelegt und auf einer Skala von 0 bis 10 insgesamt 180 Länder klassifiziert, wobei man im Fall Brasiliens wohl eher sagen sollte desklassifiziert. Aber immerhin, anstelle von 3,3 wie im vorigen Jahr erreichten wir jetzt den Wert 3,5. Dazu muß man wissen, daß 3,3 der schlechteste Wert war, den Brasilien jemals erhielt, unter dem Präsidenten Fernando Henrique Cardoso waren es 4,1 (1999). Letztes Jahr nahm Brasilien den siebzigsten Platz ein und fiel dieses Jahr um zwei Plätze zurück, trotz der leichten Verbesserung der Benotung, weil neue Länder in die Bewertung mit einbezogen wurden. Bruno Speck, der Vertreter von Transparência Internacional in Brasilien, sorgte dafür, daß Brasilien sein Fett abbekam, denn er wies darauf hin, daß alle Noten unter 5 schwerwiegende Probleme für das betroffene Land, seine Wirtschaft und Einwohner bedeuten. In Südamerika gibt es aber immerhin zwei Länder, die darüber liegen, Chile mit 7,0 und Uruguay mit 6,7! An der Spitze stehen die Länder Dänemark, Finnland und Neuseeland mit jeweils 9,4, Somalia und Mianmar bilden mit 1,4 das Ende der Schlange. Irak mit 1,5 und Haiti mit 1,6 sind auch nicht viel besser. Deutschland fiel übrigens von 8,0 auf 7,8 zurück und blieb unverändert auf Platz 16. Die Karte von Transparency International, die ich dem deutschen Site der Organisation entnommen habe, vermittelt ein gutes Bild der globalen Situation. Man beachte die oft geschmähten USA! Grönland ist zwar weiß wie in einer Waschmittelwerbung, wurde aber nicht bewertet. Hier gilt also "weißer als weiß" nicht!

Paketversand von Prospekten / Firmenbroschüren

Das leidige Thema hatten wir schon. Ein Kunde schickte uns am 20. Juli 2007 zwei Pakete mit Prospekten, die (zunächst!) nie ankamen. Eines der Pakete hatte 5 kg, das andere wog 6 kg, in beiden Fällen wurde der Zollwert auf der Paketkarte mit 10 € angegeben. Das Porto betrug 37 und 52 €.

Da ein Direktor der Firma im Oktober in Brasilien mit mir Kunden besuchen will, biß man in den sauren Apfel und schickte neue Prospekte per DHL. Die auch ankamen und für die wir hier vor Ort wie folgt auf Basis des deklarierten Wertes von 30 € berappen mußten:

- 60 % Zoll = 18 €
- 18 % ICMS (Warenumlaufsteuer) = 10,54 € (Steuer auf Steuer von oben herab gerechnet!)
- Zollgebühren = 16,94 €

Kaum hatten wir die 45,48 € in Landeswährung bezahlt , kamen heute die beiden Pakete an, 69 Tage nachdem sie in Siegen abgestempelt wurden! Und ohne irgendwelche Kosten in Brasilien, Freihauslieferung! Sie waren zur Kontrolle geöffnet worden, der Inhalt wurde überprüft und genehmigt und das Ganze wurde nicht als Import wie im Fall der DHL-Sendung behandelt. Als Adressat war ich mit Namen der Firma und Firmenanschrift genannt.

Wer also Prospekte im Wert von 30 € verschickt, verursacht beim Empfänger in Brasilien 45,48 € Kosten. Wer sich dieses Geld offiziell von seinem Kunden zurückholt, zahlt für die Überweisung per Banco do Brasil in Deutschland 20 € Überweisungsgebühr und in Brasilien 20 US$ Umtauschgebühr. Damit zahlt der Absender außer den DHL-Gebühren noch zusätzlich satte 79,77 €, um seine Prospekte ins gelobte Land zu bringen.

Fazit: Schicken Sie Ihre Prospekte OHNE RECHNUNG per Post und möglichst an eine PRIVATANSCHRIFT, aber zwei oder drei Monate vor dem Bedarfsdatum. Oder - wenn die Zeit knapp ist - nehmen Sie ruhig einen Kurierdienst, aber deklarieren Sie nur einen (1,00 €) Euro!

Bilder meiner letzten Deutschlandreise

Hier sehen Sie mich bei einem Beratungsgespräch anläßlich der NRW - Firmenpooltage im September 2007. Einmal jährlich treffen sich alle Firmenpoolmanager an zwei Tagen in zwei IHKs und geben kostenlos Auskunft über ihre Länder und die spezifischen Geschäftsmöglichkeiten der interessierten Firma. Die Firmen füllen dazu vorher einen Fragebogen aus, damit sich der Firmenpoolmanager vorbereiten kann. Ich halte immer zusätzlich zu den beiden erwähnten Tagen Sprechstunden in der IHK Essen, die Träger des von mir geleiteten Firmenpools Brasilien / Mercosur ist, und in der IHK Stuttgart.
Während meines Septemberaufenthaltes hielt ich in der IHK Pfalz in Ludwigshafen ein Brasilienseminar ab.
Im Anschluß an dieses Seminar besuchte ich noch meinen Lektor, Herrn Wurster, vom Redline - Verlag in Heidelberg, der im Frühjahr 2008 mein Buch BRASILIEN -DER JAGUARSTAAT mit vielen Hinweisen für einen Markteintritt und Beispielen erfolgreicher und erfolgloser Firmen herausbringen wird.

Schulzeugnisse und Verkehrspolizei

Was haben Schulzeugnisse und Verkehrspolizei gemeinsam? Ganz einfach, in São Paulo gibt es beides nicht! Sie lesen richtig, wir haben weder Verkehrspolizei noch Schulzeugnisse in den öffentlichen Schulen.

Erst ab Oktober gibt es wieder Schulzeugnisse mit Noten (hier von 1 bis 10) und einer schriftlichen Beurteilung des Schülers durch den Lehrer. Heute ist es den (öffentlichen) Schulen freigestellt, Zeugnisse auszustellen oder den Eltern mündlich mitzuteilen, wie die Kinder sich in der Schule machen.

Vor fünf Jahren wurde die Verkehrspolizei in São Paulo aufgelöst. Jetzt sollen 1.375 Militärpolizisten wieder den Verkehr an 1.011 Orten in der Stadt überwachen. 156 dieser Orte haben dabei Priorität, denn dort ist vermutlich das Aufkommen an Bußgeldern und Verkehrsstrafen besonders hoch. Denn die Aufgabe der Verkehrspolizei ist genau diese, Strafen auszustellen!

Freuen wir uns über den Fortschritt! Zumindestens darüber, daß man erkannt hat, das Schüler irgendwann mal erwachsen und dann unbarmherzig beurteilt werden, von ihren Vorgesetzten, Kunden oder Partnern. Und anhand der Zeugnisse werden die Kinder jetzt wenigstens auf das reale Leben in Brasilien vorbereitet, nicht auf das klassen- und elitenlose in Utopia. Und wegen der Verkehrsstrafen sollten wir uns auch keine grauen Haare wachsen lassen, bisher wurden Übertretungen durch "Roboter", sprich automatische Geschwindigkeitsmeßgeräte und Erkennungsgeräte, die Autos per Nummernschild erfassen, die im jeweiligen Gebiet zu bestimmten Zeiten (unser "rodízio") nicht fahren dürfen, erfaßt und jetzt werden diese eben durch richtige Menschen unterstützt.

24 September 2007

Brasilien verzeichnet Rekordgeldeingänge aus dem Ausland und macht Investoren das Leben schwer

Geld fließt wie seit der Privatisierungswelle nicht mehr nach Brasilien. Aber wer sein Geld nicht an der Börse anlegen, sondern in industrielle Aktivitäten stecken will, hat Probleme mit der Gründung seiner brasilianischen Firma. Diese sind z.Z. so groß, daß selbst die Chinesen der brasilianischen Regierung schon gesteckt haben, daß durch Bürokratie, Umweltschutzgenehmigungen, Arbeitsgesetzgebung und kompliziertes Steuersystem neue Fabriken verhindert werden - mag Präsident Lula, der sein bisher erfolgloses PAC-Programm über den grünen Klee lobt, dies auch anders sehen. Aber er lebt sowieso nicht in unserem Brasilien, sondern in einem Land, in welchem Milch und Honig fließen und dessen Grenzen innerhalb Brasilias verlaufen.

Die Einführung des SUPERSIMPLES war mit soviel Schwierigkeiten verbunden, daß alle Firmengründungen der letzten Monate um mehr als 40 Tage verzögert wurden, ohne den vorausgegangenen Bummelstreik der Zentralbank, der die Registrierung von Auslandskapital Monate verzögerte. Die ständigen Anpassungen und Änderungen durch das Finanzministerium, bedingt durch schlechte handwerkliche Arbeit bei der Formulierung der zugrundeliegenden Gesetze und Ausführungsbestimmungen für SUPERSIMPLES, haben zu einer Überlastung der Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung geführt, was wiederum zu einem Rückstau der Firmengründungsprozesse führte. Zur Zeit ist man dabei, die Anzahl der Prozesse u.a. dadurch zu verringern, daß man sie einfach an die Antragsteller zurückschickt und irgendwelche Gründe vorschiebt, z.B. die Notwendigkeit neuer Dokumente, um einen neuen Antrag zu erzwingen. Und da man z.B. als ausländischer Teilhaber einer brasilianischen Firma eine brasilianische Steuernummer haben muß, führt dies zu der paradoxen Situation, daß sich die Erteilung dieser Steuernummer zur Zeit hinzieht, der Gesellschaftsvertrag der neuen Firma schon im Handelsregister eingetragen wurde, aber sie keine CNPJ - Steuernummer erhält, weil diese erst unter Nennung der Steuernummern der Gesellschafter beantragt werden kann. Und ein Unternehmen ohne CNPJ existiert nicht, es kann keine Mitarbeiter einstellen, kein Bankkonto eröffnen, kein Stammkapital empfangen - mit anderen Worten, Warten auf Godot. Und wenn ein Mitarbeiter aus dem Ausland im neuen Betrieb arbeiten soll, muß dieser auf den Abschluß seines Arbeitsvertrages warten, für den die CNPJ - Nummer unerläßlich ist, um seinen Antrag auf ein Arbeitsvisum stellen zu können.

Ein Lichtblick in Deutschland, dort sollen künftig GmbH - Gründungen nach englischem Ltd. - Vorbild in einem Tag abgewickelt werden können. Hoffentlich exportiert Deutschland dieses Verfahren anschließend nach Brasilien, eine lohnende Aufgabe für den scheidenden bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber und künftigen Entbürokratisierer der EU!

23 September 2007

Autos, Autos, Autos...

São Paulo erstickt in Autos, angeblich sollen hier nach Tokio die meisten Fahrzeuge in einer Stadt zirkulieren oder soll man besser im Stau stehen sagen? Es sind wahrscheinlich ca. 6 Mio. Fahrzeuge, die uns in São Paulo Mobilität erlauben sollen, in ganz Indien gibt es nur 8 Mio., davon 2,5 Mio. NKWs. Kalkutta z.B. hat nur 500.000 Fahrzeuge, ein künftiges Paradies für Autoverkäufer? Und in Indien leben fünfmal mehr Menschen als in Brasilien, man stelle sich die Verkehrsverhältnisse vor, wenn dieses Land die relative Autodichte  Brasiliens erreicht hat! Von China ganz zu schweigen.

22 September 2007

Trotz Rekordbewertung gegenüber dem US-Dollar schwächelt der EURO gegenüber dem Real

Euro zum Real, letzte drei Monate:
Euro zum Real, letzte fünf Jahre:

Hubschrauber am Himmel São Paulos werden zur Gefahr

Am Montag dieser Woche mußte der Pilot einer TAM - Maschine im Anflug auf Congonhas, unseren Stadtflughafen, die Landung abbrechen, weil ihm ein Hubschrauber in die Quere kam. Bis 2003 wurde der Hubschrauberverkehr São Paulos nicht zentral gelenkt, deshalb wurden 2003 auch 79 gefährliche Situationen im Zusammenhang mit Hubschraubern registriert. 2004 rückte die Stadt mit fast 500 Hubschraubern, ca. die Hälfte des nationalen Bestandes, auf Platz zwei der weltweiten Rangliste vor, nur von New York übertroffen. Im selben Jahr wurde eine Fläche von 102 Quadratkilometern in der Stadt geschaffen, in der die Hubschrauberflüge überwacht werden. In diesem Gebiet fallen jährlich 200.000 Flüge mit Flugzeugen und 60.000 mit Hubschraubern an. Täglich fliegen 350 der ca. 500 in São Paulo registrierten Hubschrauber über der Stadt und stützen sich dabei auf ein Netz von 210 Hubschrauberlandeplätzen, von denen 131 Unregelmäßigkeiten aufweisen, weil sie nicht den Vorschriften entsprechen oder ihre Lage die Nachbarn lärmmäßig belästigt. Es wurden schon Werte von 95 dB gemessen, obwohl der Grenzwert 70 dB beträgt.

Als ich gestern, aus Deutschland zurückgekehrt, die Stadt durchqueren mußte, um nach Hause zu gelangen, brauchte ich keinen Hubschrauber, der Straßenverkehr war wider Erwarten problemlos. Wer während meines zweiwöchigen Deutschlandaufenthaltes auf Nachricht von mir gewartet hat, kann beruhigt sein, unbeantwortete Anfragen werden nächste Woche bearbeitet! Ebenso werde ich Kontakt mit den Firmen aufnehmen, die sich zu kostenlosen Beratungsgesprächen mit mir bei IHKs einschrieben, aber nicht erschienen sind. Abgesehen davon, daß es unbefriedigend ist, wenn ich fast 10.000 km reise, mir einen Leihwagen nehme und im Hotel übernachte, um in einer IHK gratis über Brasilien Auskunft zu geben und der Vertreter einer interessierten Firma einfach nicht erscheint und ich Leerlauf habe, möchte ich diesen Firmen dennoch Gelegenheit geben, mir ihre Fragen zu stellen. Aber das nächste Mal gibt es einen Termin mit mir vielleicht nur gegen eine "Schutzgebühr", die bei Erscheinen zurückerstattet wird. Vielleicht hilft dies, um gegen "außer Spesen nichts gewesen" anzukämpfen? Ein Besucher, der als  letzter auf meiner Terminliste stand, erschien übrigens und sprach mit dem Poolmanagern anderer Länder. Leider wartete er im Gegensatz zu mir nicht bis 18:00, um planmäßig mit mir zu sprechen. Dabei wäre es so einfach gewesen, im Laufe des Tages an meinem Tisch in der gastgebenden IHK vorbeizukommen und sich abzumelden. Wer seine Lieferanten so behandelt, darf sich nicht wundern, wenn diese nicht liefern wollen. Über solche "Erfolgsfaktoren und Erfolgsmenschen" im Brasiliengeschäft können Sie demnächst mehr in meinem Brasilienbuch, welches Anfang 2008 bei Redline in Heidelberg erscheint, lesen.

16 September 2007

2008 werden weltweit ca. 60 Mio. Kfz - Neuzulassungen erwartet!

In diesem Jahr werden es fast 58 Millionen neue Fahrzeuge sein, die für Arbeitsplätze und Staus sorgen werden. Hier die Prognose für 2007 in Mio. Neuzulassungen (also keine Produktionszahlen!):
  • 16,51 USA
  • 4,64 Japan
  • 4,26 China
  • 3,47 Deutschland
  • 2,35 Großbritannien
  • 2,35 Italien
  • 2,00 Frankreich
  • 1,77 Rußland
  • 1,63 Spanien
  • 1,62 Kanada
  • 1,56 Brasilien
  • 1,31 Indien
  • 1,14 Mexiko
Bemerkenswert, daß Afrika mit 930 Mio. Einwohnern 2007 nur 0,85 Mio. Neuzulassungen erwartet, während es in Ozeanien mit viel weniger Einwohnern schon 0,73 sind und Holland und Belgien zusammen mit etwas weniger als 27 Mio. Einwohner auf  gut eine Million Neuzulassungen kommen werden. 

Die BRIC - Länder nehmen laut obiger Tabelle eine sehr unterschiedliche Situation ein und vermutlich wird Brasilien hier bald das Schlußlicht sein, wenn es der Regierung nicht gelingt, durch die Realisierung der längst überfälligen Reformen die Kaufkraft so zu stärken, daß sich mehr Brasilianer ein Auto leisten können. Welches dann wahrscheinlich beim Ersteinstieg als Billigauto ein chinesisches Fabrikat sein und aus Uruguay kommen wird (siehe Blog vom 2.9.: Autos in Brasilien).

07 September 2007

5 Millionen Brasilianer plötzlich verschwunden!

Und die Regierung schlägt daraus noch Gewinn! Ein skrupelloses Manöver Lulas? Nein, seien Sie beruhigt, diesmal geht es nur um die Ehrlichkeit. Die der Steuerzahler nämlich, die bisher erwachsene Abhängige in ihrer Einkommensteuererklärung aufführen konnten, aber nicht nachweisen mußten, daß diese Personen auch existierten oder wirklich wirtschaftlich abhängig sind. Jetzt hat der Fiskus nur darum gebeten, die Steuernummer der Abhängigen neben deren Namen zu schreiben, und siehe da, welch' Wunder, die Anzahl der unterhaltenen Personen verringerte sich über Nacht um 5 Millionen und der Staat zahlt 1 Mrd. R$ weniger Steuern zurück.

05 September 2007

Fälle von Denguefieber nehmen in Brasilien zu

Das Denguefieber, oft falsch Denge Fieber oder Dengefieber geschrieben, auch Siebentagefieber genannt, kann leider nicht durch eine Impfung vermieden und bei Ausbruch auch nicht bekämpft werden, nur die Symptome können gemildert und die körpereigenen Abwehrkräfte mobilisiert und unterstützt werden. Da eine Art des Fiebers manchmal zum Tode des Erkrankten führt, sei darauf hingewiesen, daß bis Juli in Brasilien 438.949 Denguekranke erfaßt wurden, daß sind 45 % mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Also Vorsicht vor dem Übertrager Aedes Aegypti, der sich bevorzugt da aufhält, wo stehendes Wasser vorhanden ist und sei es ein Rest Regenwasser in einem alten Autoreifen oder in einem Teller im Garten, auf dem ein Blumentopf steht. Diese Vorsicht gilt vor allem für Reisende, die die Bundesstaaten Mato Grosso do Sul (72.183 Fälle gegenüber 12.813), Rio de Janeiro (46.857 Fälle gegenüber 28.676) und Paraná (43.691 Fälle gegenüber 4.300) aufsuchen.

Noch ein Hinweis für Leute, die gerne lesen; in seinem Buch "Das Testament" beschreibt John Grisham nicht nur eindrucksvoll plastisch Brasilien, sondern auch, wie der Held, ein alkoholsüchtiger US - Anwalt, am Denguefieber erkrankt und knapp am Tod vorbeischlittert. Wirklich zu empfehlen!

03 September 2007

Kokospalmenverkauf vor der Formel I - Rennstrecke in São Paulo

Neuer Außenhandelsrekord Brasiliens

Das ist wieder eine Bestätigung dafür, daß eine Öffnung für den Import auch den Export fördert, wenn auch der starke Real sich in einer Schrumpfung des Handelsbilanzüberschusses bemerkbar macht. Im August 2007 konnte die brasilianische Außenwirtschaft neue Rekorde verzeichnen, 15,101 Mrd. US$ Export und 11,566 Mrd. US$ Import, aufs Jahr gesehen per August 102,434 Mrd. US$ Export und 74,921 Mrd. US$ Import. Damit beträgt der Handelbilanzüberschuß per August 27,513 Mrd. US$, was allerdings kein Rekordwert mehr ist. Die Prognosen für das laufende Jahr sind günstig, so sehen Volkswirtschaftler einen Handelsbilanzüberschuß von 42,7 Mrd. US$ zum Jahresende voraus, im Vorjahr waren es 46,077 Mrd. US$ und 2008 sollen es 37 Mrd. US$ sein. Das meint jedenfalls die Zentralbank, die ungefähr hundert Finanzinstitute dazu befragt hat.

Schön für deutsche (und andere) Exporteure, im August stieg der Import um 26,7 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum, während es beim Export 10,5 % waren.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, Geschäfte mit Brasilien zu machen, sollte nicht die Gelegenheit versäumen, mit mir darüber in Deutschland zu sprechen. Ich werde ab nächster Woche wieder kostenlose Beratungsgespräche in Industrie- und Handelskammern führen, Interessenten im norddeutschen Raum wenden sich bitte für eine Terminvereinbarung an Herrn Slomke von der IHK Essen und im süddeutschen Raum an Herrn Sterzinger vom Eurolatinabüro Gärtringen (bei Stuttgart). Die Termine sind:

10.9. IHK Essen
11.9. IHK Dortmund
12.9. IHK Wuppertal
13.9. IHK Essen
14.9. IHK Essen

18.9. IHK Ludwigshafen (ganztägiges Brasilienseminar, anschließend individuelle Beratungsgespräche, Anmeldung bei Frau Kim Gronemeier)
19.9. IHK Stuttgart
20.9. IHK Stuttgart


Kontakt - E - Mails:

Frau Gronemeier kim.gronemeier@pfalz.ihk24.de
Herr Slomke tobias.slomke@essen.ihk.de
Herr Sterzinger sterzinger@t-online.de

Produktivität in Brasilien fällt dramatisch

Die ILO (International Labour Organization) hat eine neue Produktivitätsstatistik publiziert, die für Brasilien nicht gerade schmeichelhaft ausgefallen ist, vor allem auch unter dem Gesichtspunkt eines sehr starken Real. Danach hat die Produktivität von 1980 auf 2005 um 3,4 % im Dienstleistungsbereich abgenommen, in der Industrie betrug der Rückgang 0,9 %, im Transportwesen 1,0 % und nur in der Landwirtschaft nahm die Produktivität um 3,6 % zu. Kein Wunder, daß die ILO glaubt, daß die rotchinesischen Arbeiter zum Ende dieses Jahrzehnts die Kollegen aus Brasilien überholt haben werden. Von 1996 bis 2005 stieg die Wertschöpfung in China von 6.300 auf 12.500 US$ pro Kopf und Jahr, während die brasilianische 2005 zwar noch einen Vorsprung hatte, aber mit einem absoluten Wert von 14.700 US$ betrug die Differenz nur 2.200 US$ pro Kopf und Jahr.

Was mehr als besorgniserregend ist und sicher u.a. die hohen Zinsen als Ursache für fehlende Modernisierungsinvestitionen hat, ist der Rückgang der Produktivität in der brasilianischen Industrie, von 7.100 US$ auf 5.600 US$ pro Kopf und Jahr im Zeitraum 1980 bis 2005. Geradezu katastrophal ist der Rückgang im Einzelhandel während der Periode von 1980 bis 2004, von 3.900 US$ pro Kopf und Jahr auf 1.700 US$.

Viele schimpfen auf die US-Amerikaner, aber der Brasilianer produziert im Vergleich zu seinem US-Kollegen nur 5 % dessen Wertschöpfung!!! Details finden Sie im Site http://www.ilo.org der Weltarbeitsorganisation.

02 September 2007

Auf der Ilha do Bréu in der Nähe des Atomkraftwerkes von Angra gibt es keine Elektrizität, aber tagsüber viel Sonne!

Hier können Sie Urlaub machen oder auch nur einige Stunden verbringen! Die Insel ist so klein, daß man sie in weniger als einer halben Stunde umschwimmen kann. Ein Restaurant sorgt für das leibliche Wohl und Musik und Boote für Unterhaltung. Sogar Delphine und Seeschildkröten können Sie mit etwas Glück sehen. Details finden Sie im Site ILHA DO BRÉU, dazu brauchen Sie nur in die Überschrift zu klicken. Aber erwarten Sie keinen Luxus, nur Natur und Erholung! Etlicher meiner Kunden haben die Insel schon kennengelernt.

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Arbeitslosigkeit

Bisher habe ich geglaubt, daß nur die brasilianische Presse, die oft nicht zwischen Millionen und Milliarden (bei uns bilhões) unterscheidet, solche Probleme hat, aber siehe da, auch in Deutschland ist man sich nicht sicher, was große Zahlen angeht. Wobei die Einwohnerzahl Deutschlands eigentlich eine Plausibilitätskontrolle auf Kommasetzung hin erlauben sollte.

Autos in Brasilien

Heute vor fünfzig Jahren wurde die Produktion des VW Kombi in São Bernado de Campos aufgenommen und bis heute laufen die Bullies vom Band, einer nach dem anderen, ohne Unterbrechung, neunzig am Tag, bis dato 1.383.557 Einheiten, immer Marktführer in seinem Segment! 1.290.502 Fahrzeuge wurden im Inland abgesetzt, der Rest in mehr als hundert Länder exportiert.

Er läuft und läuft und läuft, ob man das in fünfzig Jahren vom Effa M 100 auch sagen wird, ist unwahrscheinlich. Dieses Fahrzeug hat seinen Ursprung auf chinesischen Reißbrettern (heute eher CAD - Bildschirmen) und soll ab 2008 in Uruguay, mit einem japanischen Suzuki 1 Liter - Motor von 47 PS ausgerüstet, montiert und nach Brasilien exportert werden. Hier wird der Verkaufspreis 22.980 R$ betragen, ca. 8.500 €, damit wäre der UNO Mille von Fiat als billigstes Auto, er kostet 24.060 R$, enthront. Ausgestattet mit elektrischen Fensterhebern vorne, vier Türen und Airconditioning werden die anfänglich fünftausend jährlich hergestellten und über zehn Händler in Groß - São Paulo vertriebenen Fahrzeuge, die von einer einzigen Kundendienstwerkstätte betreut werden, sicher Käufer finden. Wenn diese sich mit den Unzulänglichkeiten der chinesischen Ingenieurskunst abfinden, wie z.B. der Schwergängigkeit der Lenkung. Aber wer auf den Preis gucken muß, hat keine große Wahlmöglichkeit. Und wenn die Chinesen es den Japanern erfolgreich nachmachen, deren Autos anfänglich auch nicht gerade attraktiv waren, ihre Fahrzeuge kontinuierlich zu verbessern, wächst hier sicher eine ernstzunehmende Konkurrenz für die etablierten Hersteller heran. Und da wir Europäer ja genug Autos in China bauen und den Chinesen Einblick in unsere Fabrikationsgeheimnisse gewähren, sollte dies den Chinesen nicht allzu schwer fallen. Was sagte Lenin noch vom Strick und den Kapitalisten? Aber dieses Thema will ich lieber nicht vertiefen, um nicht eine Polemik heraufzubeschwören.