27 Dezember 2007

2,415 Millionen Neuzulassungen, Neuwagenverkauf 2007 auf Rekordhöhe

Per 25.12.2007 sind 2,415 Millionen neue Fahrzeuge im Inland verkauft und zugelassen worden. 118.200 davon waren LKWs und Omnibusse, der Rest PKWs und Lieferwagen. Das sind immerhin 25 % mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Bei Motorrädern betrug die Steigerung sogar 40 %, bis 25.12.2007 waren es 1,675 Millionen.

Brasilien hat mehr als 5.000 Städte und Gemeinden, aber die Hälfte der Neuzulassungen bei Autos konzentrierte sich auf nur 20 davon, mit São Paulo an der Spitze. 15 dieser Städte sind Hauptstädte, hier die Liste:

% aller 
Neuzu-
lassungen

13,58 São Paulo
5,40 Belo Horizonte
4,89 Curitiba
4,78 Rio de Janeiro
3,89 Brasília
2,19 Salvador
1,80 Goiânia
1,77 Porto Alegre
1,61 Recife
1,60 Fortaleza
1,54 Campinas
1,11 São Bernado do Campo
1,02 Manaus
1,01 São Luis
0,82 Belém
0,82 Florianópolis
0,82 Santo André
0,82 Riberão Preto
0,75 Natal
0,74 Santos

Im Bundesstaat São Paulo wurden 33,27 % aller Neuzulassungen getätigt, dann kommen Minas Gerais mit 10,58 und Paraná mit 8,67 %. Jetzt wissen Sie, wo die Musik spielt und wo Sie Verkehrsstauungen zu erwarten haben.

PS: Ich wurde nach einer Quelle für Kfz-Statistiken gefragt, hier ist sie: http://anfavea.com.br/anuario2007/Cap00_2007.pdf

2,415 Millionen Neuzulassungen, Neuwagenverkauf 2007 auf Rekordhöhe

Per 25.12.2007 sind 2,415 Millionen neue Fahrzeuge im Inland verkauft und zugelassen worden. 118.200 davon waren LKWs und Omnibusse, der Rest PKWs und Lieferwagen. Das sind immerhin 25 % mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Bei Motorrädern betrug die Steigerung sogar 40 %, bis 25.12.2007 waren es 1,675 Millionen.

Brasilien hat mehr als 5.000 Städte und Gemeinden, aber die Hälfte der Neuzulassungen bei Autos konzentrierte sich auf nur 20 davon, mit São Paulo an der Spitze. 15 dieser Städte sind Hauptstädte, hier die Liste:

% aller 
Neuzu-
lassungen

13,58 São Paulo
5,40 Belo Horizonte
4,89 Curitiba
4,78 Rio de Janeiro
3,89 Brasília
2,19 Salvador
1,80 Goiânia
1,77 Porto Alegre
1,61 Recife
1,60 Fortaleza
1,54 Campinas
1,11 São Bernado do Campo
1,02 Manaus
1,01 São Luis
0,82 Belém
0,82 Florianópolis
0,82 Santo André
0,82 Riberão Preto
0,75 Natal
0,74 Santos

Im Bundesstaat São Paulo wurden 33,27 % aller Neuzulassungen getätigt, dann kommen Minas Gerais mit 10,58 und Paraná mit 8,67 %. Jetzt wissen Sie, wo die Musik spielt und wo Sie Verkehrsstauungen zu erwarten haben.

26 Dezember 2007

Brand in der Poliklinik von São Paulo

Ausgerechnet zu Weihnachten mußte es passieren und durch diesen Brand, der gestern ausbrach und von 42 Feuerwehren drei Stunden lang bekämpft wurde, werden heute bis zu viertausend Personen ohne ärztliche Behandlung bleiben, nur Notfälle können im betroffenen Klinikteil angenommen werden. Das Hospital das Clínicas ist der größte Krankenhauskomplex Lateinamerikas, hier werden 45.000 Operationen im Jahr vorgenommen! Von den 15.000 Mitarbeitern sind 3.449 Ärzte. Das Krankenhaus hat sechs Einheiten, 2.096 Betten und verfügt über ein Budget von 1,1 Mrd. R$. Nächstes Jahr wird eine Krebsklinik eröffnet, die mit 23 Stockwerken und 582 Betten wahrscheinlich die größte ihrer Art weltweit sein wird. 

22 Dezember 2007

Weihnachten in Brasilien, dem Land der Gegensätze

Straße vor weihnachtlich geschmücktem (hier unsichtbaren) Supermarkt in Riberão Preto:
Diesen schönen Weihnachtsmann malte meine Frau vor 20 Jahren:
Und diesen Weihnachtsgruß schickte unsere Tochter aus Deutschland, damit wir wissen, wie Schnee aussieht:
Aber es gibt auch Weihnachtsbäume bei uns, hier im Hotel Le Privilege in Riberão Preto:
Und der Weihnachtsmann (links) darf auch nicht fehlen:
Festlich geschmückte Bäckerei:
Und dieser Supermarkt kündigt an, daß man seine Weihnachtseinkäufe erst am 7.2.1008 bezahlen muß, ohne Zinsen:
Und das ist der Supermarkt, vor dem sich das oben gezeigte Loch auftut:
Aber so sieht es auch aus zu Weihnachten:
Denn wir haben ja Sommer:
In der Hand halte ich eine soeben gepflückte Apfelsine:
Diese Geiger geigen sonst im Philarmonieorchester von São Paulo:
Weihnachtsgänse sind hier (leider) unbekannt:

21 Dezember 2007

Brasilien hat keine 194 Millionen Einwohner...

... wie es oft publiziert wird. Es sind nur 183.987.291 Menschen, die im Zensus, der am 16. April 2007 begann, gezählt wurden. Mit Hilfe von PDAs und neunzigtausend Interviewern übrigens. Elftausendvierhundert Brasilianer sind danach über hundert Jahre alt. Und ich sage nur 184 Millionen, weil ich daran denke, welche Fläche diesen Menschen zur Verfügung steht. Da kann man als Europäer in Europa nur neidisch werden. Ich als Europäer in Brasilien habe allerdings auch nichts von dem vielen Platz, weil ich im überfüllten São Paulo lebe.

Wieder ein Beispiel für den schlechten (oder ungewohnten?) Umgang mit Zahlen, die heutige Pressenotiz über die Zahlen des IBGE (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística) lautet übersetzt: "Ungefähr 180,7 Millionen Personen wurden befragt, was sechzig Prozent der geschätzten Bevölkerung entspricht..."  Also hat Brasilien über 301 Millionen Einwohner?

Natürlich nicht! Details können Sie in meinem Buch WIRTSCHAFTSBOOM AM ZUCKERHUT lesen, vorbestellbar bei Amazon (http://www.amazon.de/Wirtschaftsboom-Zuckerhut-Strategien-langfristigen-Brasilien/dp/3636015591):

Naumann, Karlheinz Kurt
Wirtschaftsboom am Zuckerhut - Strategien für langfristigen Erfolg in Brasilien
1. Auflage 2008
Redline - Wirtschaftsverlag Heidelberg
220 Seiten, Hardcover
Format 14,8 x 21,0 cm
ISBN 978-3-636-01559-4
Preis Euro 24,90




20 Dezember 2007

Geld kommt mit Rekordwerten rein, aber die Zahlungsbilanz wird 2008 defizitär

2008, meint die brasilianische Zentralbank jetzt, werden wir ein Zahlungsbilanzdefizit von 3,5 Mrd. US$ haben, nachdem es fünf Jahre lang ununterbrochen Zahlungsbilanzüberschüsse gab. Zuletzt 2007, mit 2,4 Mrd. US$.

Der Export soll 2008 von 160 im laufenden Jahr auf 172 Mrd. US$ steigen, die Importe von 121 auf 142 Mrd. US$. Damit verringert sich der Handelsbilanzüberschuß von heute 39 auf 30 Mrd. US$ nächstes Jahr.

Gewinn- und Dividendentransfer wird von der Zentralbank für 2008 mit 20 Mrd. US$ angenommen, 2007 waren es 20,9 Mrd. US$. Das Geld, welches aus dem Ausland als Investition nach Brasilien kommt, fließt stärker als zur Zeit der Privatisierung, 35 Mrd. US$ waren es 2007 und 2008 erwartet man immerhin 28 Mrd. US$. Die Privatisierung brachte 2000 den bisherigen Rekordwert von 32,8 Mrd. US$. In Titel und Aktien investierten Ausländer in diesem Jahr 38,5 Mrd. US$, 2008 schätzt man bei der Zentralbank, werden es 26 Mrd. US$ sein.

Wichtige Investitionen in Brasilien:

• Die VW - LKW - Sparte wird in den nächsten fünf Jahren eine Milliarde Reais in Resende im Bundesstaat Rio de Janeiro investieren, bis zu 30 % davon gehen in die Entwicklung neuer Fahrzeuge. VW will aus dieser Fabrik ein Entwicklungszentrum für emerging markets machen, also werden wir wohl bald VW - LKWs und auch Busse aus Brasilien in Rußland, Indien und China auf der Straße sehen. Der Rest der Investition wird für die Ausweitung der Produktionskapazität von heute 185 auf 210 Fahrzeuge pro Tag verwendet werden und für ein neues Logistikzentrum.
• Fiat steht dem nicht nach, in Betim wird die Fabrik für eine Kapazitätsausweitung von 700.000 auf 800.000 Fahrzeuge im Jahr vorbereitet und die Gruppenfirma Teksid wird eine neue Aluminiumgießerei bauen, deren Standort noch nicht feststeht. Insgesamt will Fiat in Brasilien fünf Milliarden Reais bis 2010 investieren.
• Petrobrás schießt den Vogel ab, 55 Milliarden Reais Investition in 2008 und eine auf 2008 vorgezogene Erschließung des Ölfeldes Tupi in der Bucht von Santos, wo dann ab Ende nächsten Jahres 40.000 barrels Erdöl täglich gefördert werden sollen. Übrigens sind 12 % der genannten Investitionssumme für Standorte außerhalb Brasiliens vorgesehen.
• Zum Schluß noch die Meldung, daß die Regierung mit der Versteigerung der 3G - Konzessionen für die Mobiltelefonie in zwei Tagen 5,148 Mrd. R$ eingenommen hat, eine Investition unserer Telefongesellschaften.

19 Dezember 2007

Wechselkursentwicklung € - R$



Die reichsten Städte Brasiliens

Alle Werte von 2005 und in R$ 
(Umrechnungskurs z.Z. 1 € = 2,60 R$)

BIP - Summe
São Paulo 263.177.148.000
Rio de Janeiro 118.979.752.000
Brasília  80.516.682.000
Curitiba 29.821.203.000
Belo Horizonte 28.386.694.000

BIP pro Kopf
Cascalho 289.838
Araporã 223.027
São Francisco do Conde 211.601
Triunfo 193.347
Porto Real 174.695

PIB Landwirtschaft + Viehzucht
Campo Verde 735.118.000
São Desidério 559.299.000
Sapezal 558.529.000
Primavera do Leste 466.430.000
Diamantino 445.634.000

PIB Industrie
São Paulo 52.654.368.000
Rio de Janeiro 13.678.937.000
Campos dos Goytacazes 12.954.886.000
Manaus 11.307.489.000
Guarulhos 7.723.755.000

PIB Dienstleistungen
São Paulo 165.021.435.000
Rio de Janeiro 77.666.123.000
Brasília 65.732.732.000
Porto Alegre 19.889.809.000
Belo Horizonte 19.363.306.000

Schade, daß man São Paulo und Campo Verde nicht in einer "Flurbereinigung" verschmelzen kann! Diese Kombination wäre unschlagbar. Die Zahlen der jeweils ersten hundert Städte finden Sie in meinem Buch WIRTSCHAFTSBOOM AM ZUCKERHUT, welches ab April im Buchhandel ist und bereits bei Amazon vorbestellt werden kann.

Wo bin ich denn?

An Sau Paulo und San Paolo habe ich mich schon gewöhnt, aber jetzt sogar dies:
Ob hier Freud mitgespielt hat? Dabei ist es doch ganz einfach: SÃO PAULO!

Brasilien erobert 6. Platz auf der Welt-BIP-Rangliste

Und in Deutschland fällt der Geschäftsklimaindex im Dezember von 104,2 auf 103 Punkte und das HWWI prognostiziert ein BIP-Wachstum von 1,7 % für 2008. Trübe Aussichten für mein Vaterland. Zur selben Zeit freut sich Brasilien, nicht nur über die Sonne, sondern auch über ein erwartetes BIP-Wachstum von 5 % nächstes Jahr und über einen 3%-Anteil am Welt-BIP. DIe Weltbank hat gerade eine neue Rangliste auf der Basis der Werte von 2005 publiziert, wobei als Kriterium die Kauftkraftparität der jeweiligen Landeswährung zum Dollars benutzt wurde, nicht die zum Wechselkurs umgerechneten Werte. Mit diesem Kriterium also sieht die Welt so aus:

Anteil (%) am Welt-BIP Land
23  USA
10 China
Japan
5 Deutschland
Indien
3 Großbritannien, Frankreich, Rußland, Italien, Brasilien
2 Spanien, Mexiko

Natürlich ist ein Trick dabei, denn die Brasilianer waren großzügig beim Abrunden und vergaßen, deutlich darauf hinzuweisen, daß auf dem Podest des sechsten Platzes ziemliches Gedränge herrscht, weil sich fünf Länder auf ihm drängen. Die, wenn man den BIP-Anteil nicht auf drei Prozent abrundet, genau die Reihenfolge einnehmen, die ich in der Tabelle angab, d.h. Brasilien steht in Wirklichkeit auf dem zehnten Platz. Aber, immerhin! 

Die ersten fünf Länder, also USA, China, Japan, Deutschland und Indien, repräsentieren die Hälfte der Weltwirtschaft! Und Brasilien die Hälfte der Wirtschaft Südamerikas!

18 Dezember 2007

Ausländische Touristen in Brasilien

sind im Mittel nach einer Mitteilung des Tourismusministeriums zwischen 32 und 50 Jahre alt, haben eine Universitätsausbildung genossen und 66 % waren schon mehrmals in unserem schönen Land. Sie bleiben 18 bis 19 Tage und geben pro Tag 92 Dollar aus (2005: 89 Dollar). Sie sollen sogar mit der Infrastruktur zufrieden sein. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Universität von São Paulo, die letztes Jahr 27.000 Touristen befragt hat. 2006 kamen fünf Millionen Touristen nach Brasilien und ließen 4,316 Mrd. Dollar im Lande.

Eine Plausibilitätskontrolle ergibt für die durchschnittlichen Ausgaben pro Tag folgenden Werte:
4.316 Millionen Dollar : 5 Mio. Touristen = 863 Dollar / Tourist
836 Dollar /Tourist : 18,5 Tage = 47 Dollar/Tag und Tourist
Schlussfolgerung: Ich kann nicht rechnen oder die USP kann es nicht oder das Ministerium hat einen falschen Wert veröffentlicht. Oder der die Meldung weitergebende Journalist hat eine Fehler begangen.

Die meisten Touristen kamen aus Europa, dann folgt Argentinien und dann kommen die USA. 96 % werden wiederkommen. 84 % sahen ihre Erwartungen voll erfüllt, 14 % zumindest teilweise, nur 2 % waren enttäuscht. 44 % kamen zur Erholung nach Brasilien, 28 % waren aus geschäftlichen Gründen hier, 24 % haben Freunde und Verwandte besucht, etwas über 1 % haben Kurse besucht.

Mit Vorbehalt, siehe die Plausibilitätsrechnung: Erholungssuchende gaben 75 Dollar und Geschäftsreisende 165 Dollar täglich aus.

Die beliebtesten Ziele für die Erholungssuchenden waren Rio de Janeiro vor Foz de Iguaçú, Florianópolis, Salvador und São Paulo. Die Geschäftsreisenden kamen vor allen nach São Paulo, gefolgt von Rio de Janeiro, Curitiba, Porto Alegre und
Belo Horizonte.

16 Dezember 2007

Immer mehr Brasilianer gehören zur Mittelschicht!

Datafolha hat eine Studie veröffentlicht, nach der mehr als 20 Mio. Brasilianer über 16 Jahre in den letzten fünf Jahren die Klasse D/E verlassen haben und zur Klasse C aufgestiegen sind. Alleine von Januar 2003 bis Juni 2006 waren es sechs Millionen. Damit ist die Klasse D/E, zu der vor fünf Jahren noch 46 % der Brasilianer gehörten, nur noch 26 % stark. Die Klasse C wuchs von 32 auf 49 %, damit ist ca. die Hälfte der Wahlberechtigten in dieser Gruppe. In Brasilien ist man mit 16 Jahren wahlberechtigt, das sind zur Zeit 125 Millionen Brasilianer. Bei der Klasse A/B änderte sich wenig, sie wuchs von 20 auf 23 %. Interessant noch, daß die größten Umwälzungen auf dem Lande stattfanden und am stärksten in den armen Regionen im Norden Brasiliens waren. Wichtig ist allein, die Mittelschicht wächst, eine sehr gute Nachricht!

Anmerkung: ich wurde gefragt, was es mit A,B,C et cetera auf sich hat. Diese Klasseneinteilung, beginnend mit A, der Oberschicht, wurde von der Werbebranche erfunden, um die der Werbung meist schutzlos ausgesetzte Bevölkerung Brasiliens nach Kaufkraft einzuteilen.

Mehr Rindviecher als Brasilianer

Aber noch noch nicht lange, denn 1994 hatten wir "nur" 158.000.000 Rinder, heute sind es bereits 205.000.000. Und Brasilianer gibt es zwischen 190.000.000 und 194.000.000, ganz genau weiß es keiner. 1994 waren die brasilianischen Rinder für 68 % der Methanemissionen des Landes in Höhe von 13 Millionen Tonnen verantwortlich. Und von der brasilianischen Bevölkerung ist etwas mehr als die Hälfte ökonomisch aktiv und verantwortlich für ein BIP von ca. 1,1 Billionen US$. Als PPP (Kaufkraftparität zum US$) wären es 1,6 Billionen Internationale Dollars. Und damit stehen wir beim BIP an zehnter Stelle der Länder dieser Erde und bei den Rindviechern nach Indien an zweiter, noch vor Argentinien und den USA. Dabei schwören viele Brasilianer, daß es in Argentinien mehr Rindviecher als in Brasilien gibt.

13 Dezember 2007

Schecksteuer CPMF wird 2008 nicht mehr erhoben

Die Regierung Lula hat heute kurz nach Mitternacht eine empfindliche Niederlage erlitten. Der Senat stimmte einer Verlängerung der Schecksteuer, die seit Jahren "vorübergehend" erhoben wird, um das Gesundheitssystem zu finanzieren, nicht zu. Diese Steuer, die als Nebeneffekt einen Plausibilitätsabgleich zwischen Einkommenssteuererklärung und Kontenbewegungen erlaubt, wurde von der Regierung Lula, als sie noch Opposition war, erbittert bekämpft. Genauso erbittert kämpfte man jetzt für den Erhalt, was im Parlament, wo die Regierung eine bequeme Mehrheit hat, auch gelang. Die Steuer ist wichtig für die Regierung, weil sie bisher die Mittel für alles, nur nicht den Gesundheitssektor, verwendet. Und es geht immerhin um vierzig Milliarden Real im Jahr, kein Pappenstiel. Jetzt ist sie (endlich) gezwungen, über Sparmaßnahmen nachzudenken, wird aber wohl Möglichkeiten suchen (und finden), dem Steuerzahler den künftig fehlenden Betrag auf irgendeine  Weise aus der Tasche zu ziehen.

PS vom 14.12.2007: Die Opposition gibt bereits zu verstehen, daß man die Schecksteuer 2008 eventuell wieder einführen könne, aber nur im Rahmen einer allgemeinen Steuerreform.

12 Dezember 2007

Neue BIP-Werte für Brasilien veröffentlicht

Frisch aus der Druckerpresse, die Vierteljahreswerte des brasilianischen Bruttoinlandsproduktes, jeweils Wachstum gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum:

3. Vierteljahr 2007: + 5,7 %
2. Vierteljahr 2007: + 5,6 %
1. Vierteljahr 2007: + 4,5 %
4. Vierteljahr 2006: + 5,1 %
3. Vierteljahr 2006: + 4,4 %
2. Vierteljahr 2006: + 1,5 %

Immerhin dreimal über 5 %, das spornt an! 

Das BIP im dritten Vierteljahr 2007 betrug absolut 645,2 Mrd. R$, davon waren allerdings nur 551,6 Mrd. R$ Wertschöpfung, der Rest von 93,6 Mrd. R$ geht à conto Steuern. Die Wachstumswerte nach Ursprung waren: 

Landwirtschaft (Ackerbau + Viehzucht) + 9,2 % (Erntezeit! Zucker + Weizen)
Industrie + 5,0 %
Dienstleistung + 4,8 %

Die bis September 2007 kumulierten Werte des laufenden Jahres ändern die oben gezeigte Reihenfolge:

Industrie + 5,1 %
Dienstleistung + 4,7 %
Landwirtschaft + 4,3 %
 
Mit solchen Werten kann man leben und es ist kein Wunder, daß die Zustimmung zum Wirken unseres Präsidenten Lula und seiner Regierung stetig steigt. Sie tat es gerade um 3 Prozentpunkte und erreichte mit 51 % Zustimmung den höchsten Wert von 2007.

Bauindustrie boomt in Brasilien

Aber trotzdem wohnen noch 1,6 Millionen (oder sogar 2 Millionen nach anderen Schätzungen)  Einwohner von São Paulo in Favellas, das entspricht der Einwohnerzahl von Curitiba! Die beträgt heute 1,78 Millionen Menschen.

Entlang unserer beiden Flüsse Pinheiros und Tietê direkt an den die sie begleitenden Stadtautobahnen exitieren neunzehn dieser Elendsviertel. In den insgesamt 1.573 kleinen und großen Favellas São Paulos "wohnen" vierhunderttausend Familien auf 30 Quadratkilometern. In São Paulo gibt es das größte Wohnungsdefizit in Brasilien, es fehlen 1,517 Millionen Wohnungen! Schuld daran ist die Auflösung der Banco Nacional de Habitação BNH, die den Wohngsbau bis 1986 finanzierte und für die lange keine Nachfolgeorganisation geschaffen wurde. Jetzt will die Bundesregierung zusätzliche drei Milliarden R$ aus den Mitteln des  Garantiefonds FGTS in das Wohnungsfinanzierungsprogramm pumpen.

In São Paulo wuchs die Anzahl der lancierten Wohngsbauten von Januar bis Oktober 2007 um 60,8 % und der Wohnungsverkauf um 26,2 %. Aber dabei handelt es sich um Objekte, die für die Einwohner der Favellas unerschwinglich sind.

Um die Preiserhöhungen beim Baumaterial zu bekämpfen, schließen sich übrigens immer mehr Baufirmen und Bauträger zu Genossenschaften zusammen, um eine bessere Preisverhandlungsposition aufgrund der gebündelten Nachfrage zu gewinnen. Diese bisher zehn bis zwölf  Genossenschaften beginnen auch schon, aus China (Porzellanartikel) und Europa (Zement) zu importieren.


Verkehrsradar in Brasilien wurde modernisiert

10 Dezember 2007

Arbeitssicherheit in Brasilien

Badelatschen am Strand sind ja durchaus in Ordnung, aber hier auf dem Dach?

Dieser Rohbau (grosses Einfamilienhaus, geschätzt 450 bis 500 Quadratmeter überbaute Fläche) brauchte hier bis zum Richtfest (was in Brasilien nicht gefeiert wird) ein Jahr, u.a. weil Ziegel einzeln abgeladen und dann (wenn man das  erste Stockwerk mauern will) nach oben geworfen, aufgefangen und abgelegt werden. Dabei gibt es hier LKWs mit eigenem Kran, sie werden nur nicht benutzt, Hilfsarbeiter sind billiger.

09 Dezember 2007

Unerwarteter Effekt der Dollarschwäche...

...die sich in dieser Graphik klar manifestiert
und deren Ende nach dem hier sichtbaren Kurvenverlauf nicht abzusehen ist, ist die "Massenflucht" von Brasilianern aus den USA. Anders kann man es schon nicht bezeichnen, wenn man sich ein Beispiel von vielen betrachtet. Da gibt es die Kleinstadt Itabirinha mit zehntausend Einwohnern, von denen schon gleichzeitig dreitausend vorübergehend in den USA arbeiteten und ihre sauer verdienten Dollars nachhause schickten. Das ist jetzt vorbei, denn beim Umtausch in den brasilianischen Real bleibt so wenig übrig, daß es sich für viele mit schlecht bezahlten  jobs schon nicht mehr lohnt, in der Ferne zu schuften. Deshalb sind bereits eintausend Bürger Itabirinhas enttäuscht in ihre Heimatstadt 110 km entfernt von Governador Valadares in Minas Gerais zurückgekehrt und investieren dort ihre mitgebrachten Dollar. Von den ca. zweihundert Firmen der Stadt wurden einhundert in den letzten drei Jahren gegründet und die Stadt hofft jetzt sogar auf einen asphaltierten  Zugang, der Fortschritt ist nicht mehr aufzuhalten. Und die Bauindustrie boomt, denn viele der Heimkehrer lassen sich Häuser im US-amerikanischen Stil bauen. Die vorgenannte Stadt Governador Valadares ist übrigens berühmt dafür, daß sehr viele ihrer Einwohner ihr Glück in den USA versuchten, die Mehrzahl als illegale Einwanderer, die in Brasilien Schlagzeilen machten und machen, wenn sie deportiert werden.

08 Dezember 2007

Grundstücksverkauf in Brasilien

Ich habe von einem Blogleser einer Anfrage erhalten, die ich leider nicht mehr finde, deshalb antworte ich an dieser Stelle. Das Thema ist eventuell auch für Dritte interessant, es geht nämlich darum, einen Anteil an einem Grundstück in Brasilien zu verkaufen, welches zwei deutsche Eigentümer hat, von denen einer spurlos verschwunden ist. Und der andere hat jetzt das Problem, dass er seinen Teil erst dem Miteigentümer anbieten muß, bevor er ihn an einen Dritten verkaufen kann.

Ich bin kein Anwalt (habe aber vier in der Familie) und kann / darf daher keine Rechtsauskunft geben, aber ein Blick in http://www.anwaltskanzlei-cvw.de/deutsch/faelle/Auslandsrecht/fall_a6.html ist vielleicht aufschlußreich. Ich würde das Angebot per Zeitungsanzeige in Brasilien und Deutschland machen, vielleicht ist damit dem Recht genüge getan? Aber eine endgültige Auskunft müßte ein Anwalt geben. 

Die Frage ist, wer kauft ein solches Grundstück mit einem verschwundenen Miteigentümer? Und kann man eventuell dessen Anteil ersitzen? 

Brasiliens Zahlungsbilanz rutscht (vorübergehend?) ins Negative

Im Oktober betrug das Defizit schon 42 Millionen Dollar, nicht viel, aber im November - die genauen Zahlen liegen noch nicht vor -- sind es wahrscheinlich schon 700 Millionen Dollar gewesen. Trotzdem rechnet der Finanzminister nicht mit Auswirkungen auf das Wachstum des Bruttoinlandproduktes, es wird seiner Meinung nach 2008 um fünf Prozent wachsen. Sollte der Export in die Knie gehen - siehe die Wechselkursentwicklung weiter unten der letzten fünf Jahre und der letzten vier Wochen, die dies nicht unwahrscheinlich erscheinen läßt - können es aber auch nur viereinhalb oder sogar vier Prozent werden. Aufs Jahr gesehen, sind wir noch im Positiven, der Zahlungsbilanzüberschuß 2007 wird auf zehn Milliarden Dollar geschätzt und die Prognose für 2008 lautet auf fünf Milliarden Dollar.


Wenn man sich diese Schwankungen innerhalb von vier Wochen ansieht, fragt man sich als brasilianischer Exporteur, was sicherer ist, eine Rechnungsstellung in Euro (oder in Dollar) mit 30, 60 oder 90 Tagen Zahlungsziel oder die Teilnahme an einer Pokerrunde? 

07 Dezember 2007

Wenn man Ärzte und Juristen braucht, sollte man vorsichtig sein...

...denn die Qualitätsunterschiede sind groß! Über die hohe Durchfallquote der Juristen in Brasilien beim vorgeschriebenem OAB - Examen habe ich schon früher berichtet, aber ohne bestandene Prüfung dürfen diese den Anwaltsberuf nicht ausüben. Das schützt den Mandanten, aber wer schützt den Patienten in Brasilien? Denn Ärzte unterziehen sich zwar auch einer Prüfung, aber wer durchfällt, darf trotzdem praktizieren!

In diesem Jahr betrug die Durchfallquote der Medizinstudenten im sechsten Ausbildungsjahr, die an der Prüfung des CREMESP - Conselho Regional de Medicina do Estado de São Paulo teilnahmen, satte 56 %! Die Prüfung fand das dritte Mal statt und die Teilnahme ist bisher freiwillig. Es hatten sich 833 Studenten von 2.300  bereiterklärt, an dem Experiment teilzunehmen. 2006 fielen 38 % durch und 2005 "nur" 31 %. Die Verschlechterung der Ergebnisse ist erschreckend und bezieht sich vor allem auf Gynäkologie, Geburtshilfe und Pediatrie, also immer auf die Schwächsten! 

Es gibt zur Zeit 31 Ausbildungsstätten für künftige Mediziner im Bundesstaat São Paulo, acht davon wurden zwischen 2002 und 2007 gegründet. Leider sagt die Studie nichts darüber, wo die Durchgefallenen studieren, aber es ist sehr wahrscheinlich, daß es große Qualitätsunterschiede zwischen den Ausbildungsstätten gibt.

06 Dezember 2007

Brasiliens Industrie mit Volldampf voraus!

Die Analytiker irrten mit 1,3 % mal wieder, die Industrieproduktion Brasiliens wuchs zweimal stärker als von ihnen vorausgesagt. Allein im Oktober 2007 betrug das Wachstum 2,8 %, das beste Ergebnis seit vier Jahren. Und im Vergleich zum Oktober 2006 waren es 10,3 % und von Januar bis Oktober des laufenden Jahres kumuliert 5,9 %.

Das ist wieder mal Grund für die Zentralbank, am Leitzins von 11,25 % / a festzuhalten, weil man schon eine Überhitzung fürchtet. Denn das Wachstum der industriellen Produktion wird zwar durch den Exportbedarf gestützt, hat aber als Nährboden die steigende Inlandsnachfrage. Diese wiederum steigt, weil das Kreditangebot größer geworden ist, die Bezüge von Angestellten und Arbeitern gestiegen sind und immer mehr Leute in Lohn und Brot stehen. 

Der Automobilsektor trug besonders zu dieser positiven Entwicklung bei, hier betrug das Wachstum dieses Jahr von September auf Oktober 7 %, per Oktober 14,3 % und beim Vergleich von Oktober 2007 zum Oktober 2006 sind es sogar 29,5 %. Aber auch Kühlschränke, Fernsehapparate, Radios, Stereogeräte trugen ihr Scherflein zum Wachstum bei.

Besonders bemerkenwert ist die Tatsache, daß selbst vom Import gebeutelte Sektoren eine Erholung zeigen, z.B. sank die industrielle Produktion von Schuhen von Januar bis September 2007 um 4,6 %, wuchs aber im Oktober 2007 gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 9,2 %. 

Unsere deutschen Maschinenbauer müssen aufpassen, im Oktober 2007 betrug das Industriewachstum bei Kapitalgütern gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat 26,8 %. Wenn man sich die Käufer der Industriegüter ansieht, merkt man große Unterschiede. Hier die Wachstumswerte nach Bestimmungsmarkt:

13,2 % Industrie
60,6 % Landwirtschaft
30,1 % Transport
52,6 % Energie
23,1 % Bauwirtschaft
20,2 % sonstiger Bedarf einschließlich Informatik und Telefonie

Diese Zahlen deuten auf eine starke Ausweitung der Investitionen hin - die Auslastung der installierten Kapazität beträgt zur Zeit 82,8 %. Und dazu kommt noch der Import an Kapitalgütern, der im Oktober 2007 gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 39 % auf Dollarbasis gestiegen ist. Deshalb ist der Finanzminister Mantega auch optimistisch und glaubt an 6 % Industriewachstum für 2007. Und blickt beruhigt auf Devisenreserven von 179 Mrd. US$.

Konkretes Investitionsbeispiel, Gerdau investiert 400 Mio. US$ in ein Walzwerk für Grobbleche, ein Markt, der bisher von Usiminas dominiert wurde. Das Walzwerk wird die Produktion 2010 aufnehmen, in ihm werden 200 Arbeitsplätze geschaffen, die Kapazität wird 870.000 to/a betragen. 

Und den Beweis, daß einige brasilianische Unternehmen vorbildlich hinsichtlich ihrer Wettbewerbsfähigkeit sind, findet man im jährlichenBoston Consulting - Bericht über die hundert besten  Firmen (BCG 100) in schnell wachsenden Ländern, er enthält dreizehn brasilianische Firmen, nämlich Braskem, Coteminas, Vale, Embraer, Gerdau Steel, Marcopolo, Natura, Perdigão, Petrobrás, Sadia, Votorantim, WEG und JBS Friboi.

Allerdings gibt es hier auch einen Wermutstropfen, China führt die Liste mit 41 Firmen an, gefolgt von Indien mit 20; Mexiko mit 7 und Rußland mit 6 kommen allerdings erst nach Brasilien.




Nazis in Brasilien, SS-Mitglieder schließen Blutpakt

Man glaubt es kaum, aber das Gefängnissystem São Paulos beherbergt in der Nähe Sorocabas in der Strafanstalt II von Guareí das COMANDO NAZISTA DA CRIMINALIDADE. Auch ohne Übersetzung wird klar, daß die Mitglieder bereits dort sind, wo sie hingehören. Gegründet wurde das CNC im August 2006 als Abspaltung oder schicker spin off der SS, was Seita Satânica bedeutet. Seita heißt Sekte und man kann nur hoffen, daß den Mitgliedern die schwarzen Kerzen nicht ausgehen. Und die Messer, denn wer Mitglied werden will, muß einen Blutpakt eingehen und sich einen kleinen Finger abschneiden. Man fragt sich, welche Vorteile die Mitgliedschaft bietet bei einer so hohen Eintrittsschwelle.

02 Dezember 2007

Die Fleischtöpfe Brasiliens

Hier sehen Sie unser Firmenpoolmitglied Achim Flesser von creative precision engineering beim Fotografieren einer Fleischportion,
die meinem Freund und Geschäftspartner Peter Paes heute beim Mittagessen in der Churrascaria FOGO DE CHÃO in São Paulo angeboten wurde:Herr Paes ist verständlicherweise nur schwer davon zu überzeugen, in Deutschland in einem "Steakhouse" einzukehren, die Portionen sind ihm dort zu klein! Herrn Flessers wahres Betätigungsfeld ist übrigens das Entwickeln und Optimieren von Produkten und Produktionsprozessen, vor allem aus den Bereichen Feinmechanik, Elektromechanik und Maschinenbau.