22 Februar 2010

Wenn es Brei regnet, muss man den Löffel raushalten!

Das sagte ein bekannter deutscher Unternehmensberater nach der Wiedervereinigung meines Vaterlandes. Ähnlich könnte man denken, wenn man die Überschriften der Zeitungen während des Präsidentenwahljahres Brasiliens liest, heute z.B.

INFRASTRUKTUR WIRD FAST 274 MRD. R$ BIS 2013 HABEN
STUDIE DER BNDES ZEIGT, DASS VON DIESER SUMME FAST 60 % IN (DIE SEKTOREN) ELEKTROENERGIE UND TELEKOMMUNIKATION INVESTIERT WERDEN WIRD

Die genaue Verteilung ist diese:
  • 33,6 % Elektroenergie
  • 24,5 % Telekommunikation
  • 14,1 % Wasserver- und -entsorgung
  • 12,0 % Strassentransport
  • 10,6 % Schienentransport
  • 5,1 % Häfen
Vorausgesetzt wurde bei der erwähnten Studie, dass die Wirtschaft Brasiliens in den nächsten Jahren mehr als 5 % jährlich wächst.

21 Februar 2010

Kleine Ursache, grosse Wirkung!

Da steht ein LKW in São Paulo. In Ordnung, könnte man denken, lass' ihn stehen. Aber das Problem ist, er steht auf einer der beiden Marginais, wie unsere Stadtautobahnen, die L-förmig die Hälfte der Stadt umschliessen, genannt werden. Und wenn er dort eine Viertelstunde lang eine der bis zu sieben Fahrbahnen (einer Richtung) blockiert, verursacht er einen 15 km langen Stau.

2009 wuchs die Kfz-Flotte der größten Stadt Lateinamerikas um 4,6 %, die Anzahl der liegengebliebenen Fahrzeuge nahm aber um 20 % gegenüber dem Vorjahr zu. Im Mittel waren es letztes Jahr 18.777, die im Monat eine Panne hatten, einen Unfall erlitten oder verursachten oder sich wegen Treibstoffmangels von einem Automobil in ein Autoimmobil verwandelten und dadurch zu einem Verkehrsstöungsfaktor wurden. 2008 waren es nur 15.578 Fahrzeuge gewesen, die von der CET abgeschleppt werden mussten.

Von den erwähnten 15.578 abgeschleppten Fahrzeugen waren 3.548 in Unfälle verwickelt gewesen, von den 18.777 waren es 4.068. Um ein Fahrzeug zu entfernen, waren letztes Jahr im Mittel 24,8 Minuten erforderlich, 10,5 Minuten, um am Ort des Geschehens anzukommen und 14,3 Minuten für das Entfernen des havarierten Fahrzeuges aus der gestörten Zone. 73 % der Fahrzeuge waren PKWs, 8,6 % Onibusse und 18,4 % LKWs. Übrigens funktionieren auch 14 % der stationären 506 Geschwindigkeitsüberwachungseinrichtungen nicht.

Aber schimpfen wir nicht nur auf die Autofahrer! Abgesehen von den konstanten Überschwemmungen der letzten Monate und den löchrigen und schlecht signalisierten Strassen haben wir noch andere Probleme: 85 % der 1457 intelligenten Ampeln in São Paulo funktionieren nicht, 45 % der Überwachungskameras sind kaputt und 39 % der 628 Einsatzwagen der CET (São Paulos Verkehrsüberwachungsgesellschaft) warten auf eine Reparatur. Insgesamt hat die Behörde 818 Fahrzeuge, darunter auch Motorräder. 2009 hat die CET sieben neue Fahrzeuge erhalten, während in São Paulo täglich 1.000 neue Fahrzeuge zugelassen werden, ein ziemlich unausgewogenes Verhältnis also.

Aber nicht alles ist schlecht, das Verkehrsstrafenaufkommen und damit für die Stadt das Einkommen wächst. 2005 hatten wir 5,3 Mio. Fahrzeuge und mit 3,5 Mio. Bußgeldbescheiden wurden 350 Mio. R$ in die Kassen der Metropole gespült; 2009 waren 6,7 Mio. Fahrzeuge, deren Halter für 6,3 Mio. Bußgeldbescheide 473 Mio. R$ an die Stadt zahlten. Und ein weiterer Pluspunkt, 2005 waren nur 3.772 Leute bei der CET beschäftigt, 2009 waren es schon 4.592; schön, dass die Regierung auf allen Ebenen für Arbeitsplätze sorgt. Zu diesen Angestellten kommen noch die wegen ihrer Uniform Marronzinhos genannten Mitarbeiter, die sich auf der Strasse und nicht vom Schreibtisch aus um den Verkehr kümmern, 2005 waren es 1.902 und 2009 nur wenig mehr, 2.280. Aber das gibt es auch in Firmen, dass der indirekte Bereich schneller als der direkte wächst, obwohl nur letzterer zur Wertschöpfung beiträgt.

Und wenn Sie eine Wohnung in São Paulo suchen, sollten Sie auf die Entfernung zum Arbeitsplatz achten. Letztes Jahr war der Rekordstau 293 km lang und die mittlere Staulänge betrug am Nachmittag 131 km. Machen Sie es wie ich, mein Büro war schon mal 20 km von meiner Wohnung entfernt und ich verbrachte 3 Stunden täglich im Auto. Heute wohne ich 3 km weg vom Büro und kann mittags zuhause essen, was man mir leider ansieht.

Noch einige interessante Daten: São Paulo hat 17.000 km Straßen, 60.000 Kreuzungen, 2,4 Mio. Quadratmeter horizontale Signalisierung (z.B. Zebrastreifen) und täglich 20 durch Vandalen zerstörte Verkehrsschilder.

17 Februar 2010

Steigende Produktivitaet verhindert Schaffung von Arbeitsplaetzen

Man koennte auch sagen, die Wiederbesetzung von bereits vorhandenen, aber im Zuge der weltweiten Finanzkrise freigewordenen Arbeitsplaetzen wird in Brasilien verhindert, weil die Industrie ihre Produktivitaet erhoeht hat. Arbeit wird damit immer mehr zu einem Privileg gut ausgebildeter Menschen, die auch ausserhalb der immer weiter zurueckgehenden Industrietaetigkeit eine Anstellung finden, naemlich im stark wachsenden Dienstleistungssektor.

Zwischen Oktober 2008 und Dezember 2009 hat Brasiliens Industrie 334.434 Arbeitsplaetze verloren, fast zwei Drittel davon im Bundesstaat São Paulo, naemlich 212.839 Arbeitsplaetze. Erst Anfang 2011, so schaetzt der Industrieverband von São Paulo die Lage ein, werden die verlorenen Arbeitsplaetze wieder verfuegbar sein. Diese Meinung basiert auf einer Umfrage unter 365 Firmen des Bundesstaates, von denen 51 % neue Mitarbeiter einstellen und 81 % investieren wollen. Die Investitionsmittel sollen wie folgt ausgegeben werden:
  • 30 % neue Maschinen
  • 25 % neue Produktionssysteme
  • 15 % Training von Arbeitskraeften
  • 12 % Informationstechnologie
  • 11 % Fabrikerweiterung
  • 7 % Forschung und Entwicklung
Das sieht besser als als es ist, denn unser Export liegt noch weit unter den einst erreichten Werten und der Zuwachs an Arbeitsplaetzen gegenueber dem Krisenjahr 2008 laesst an eine Milchmaedchenrechnung denken. Und wer schnell schliesst, dass Technologie Arbeitsplaetze vernichtet, denkt in den Kategorien der Maschinenstuermer aus der Zeit der ersten mechanischen Webstuehle oder an die Proteste der Setzer, als die Reporter anfingen, ihre Texte direkt in den Computer (was man damals so Computer nannte) einzugeben, der dann die Setzmaschinen direkt steuerte, unter Umgehung des menschlichen Setzers, dessen Faehigkeit, Spiegelschrift zu lesen, auf einmal nicht mehr gefragt war. Dabei waren sie die einzigen Menschen, die Leonardo da Vincis Tagebuecher ohne Spiegel lesen konnten - vorausgesetzt, sie waren des mittelalterlichen Italienischen maechtig. Zwar werden tatsaechlich Arbeitsplaetze vernichtet, aber auch geschaffen, meist im indirekten Bereich der Maschinenanwender und bei den Herstellern der Maschinen und Produktionssysteme natuerlich. Wobei wieder die oben erwaehnte Einschraenkung gilt, dass die neuen Arbeitsplaetze mehr Qualifikation als die alten, verlorenen erfordern. Also sollte man meinen, dass auch im Ausbildungsbereich viele neue Arbeitsplaetze entstehen. Neulich habe ich bei einem Rotary-Mittagessen den Eigentuemer einer Schule kennengelernt. Der konnte meine Vermutung nur bestaetigen, er hat vor 30 Jahren mit 2 Lehrern angefangen und seine Kinder leiten heute eine Privalschule mit mehreren Lokalitaeten und mehr als 1.000 Schuelern.

13 Februar 2010

Brasilien war 2009 VOLVO TRUCKS größter Markt weltweit

Folgerichtig hat die Firma am 9. Februar angekündigt, zwischen 2009 und 2011 insgesamt 250 Millionen US-Dollar investieren zu wollen. Da 2009 nur 30 Millionen von dieser Summe bereits ausgegeben wurden, sind also für die nächsten zwei Jahre noch 220 Millionen geplant. Das Geld wird der Modernisierung der Lastkraftwagen und Omnibusse von Volvo dienen. 2009 musste die Firma einen Rückgang von 13,8 % ihres Absatzes in Brasilien verkraften, der nur noch 8.739 Fahrzeuge erreichte. Das war trotzdem genug für den ersten Platz, denn in den USA wurde nur 6.622 Einheiten verkauft. Die dritte Position nimmt Frankreich mit 3.002 Einheiten ein, dann folgt Großbritannien mit 2.551 und erst dann das Heimatland von Volvo, Schweden, mit 1.803 verkauften LKWs. In Brasilien sieht man die Zukunft rosig, denn man glaubt in diesem Jahr 15.000 LKWs produzieren und natürlich auch verkaufen zu können. Letztes Jahr betrug die Produktion nur 9.700 Einheiten, während es 2008 schon 14.000 Einheiten waren. Um die Produktionssteigerung verkraften zu können, wurden im Januar 250 Arbeiter - zunächst für 5 bis 6 Monate - eingestellt.

Angewandte ABC-Analyse

kann man nennen, was die Bundesfinanzbehörde vor hat. Es geht natürlich um Steuern und dabei vor allem um die Steuern, die nicht abgeführt werden. Deshalb soll ein besonderes Revier geschaffen werden, welches sich denen 10.000 bis 11.000 Firmen widmet, die pro Jahr mehr als 80 Millionen R$ umsetzen. Man möchte damit 55,4 Mr. R$ einnehmen, auf die man glaubt, Anspruch zu haben. Die Steuer zahlenden Firmen sehen das etwas anders und legten in den meisten Fällen Einspruch gegen die Steuerbescheide ein. Weiter oben wählte ich das Wort Revier, weil im Portugiesischen die Bezeichnung delegacia benutzt wurde, was treffender Weise ein gebräuchlicher Ausdruck für ein Polizeirevier ist. Siehe Al Capone, der wegen Steuerhinterziehung hinter Gittern kam und nicht wegen seiner anderen Verbrechen. Und Steuerhinterziehung ist eben ein Verbrechen und kein Vergehen, aber "nur" ein white collar crime. Es gibt eine schöne Fernsehreklame in Brasilien, in der man mit der Aufforderung, kein white collar crime zu begehen, dazu animiert wird, ein Bierglas so einzuschenken, dass man die Blume genießen kann. Viele Brasilianer lassen sich ihr Bierglas nämlich bis zum Rand füllen und wissen dadurch gar nicht, was ihnen entgeht.

Angebot und Nachfrage

Sie werden den Schweinezyklus kennen und vielleicht können wir auch bald vom Alkoholzyklus sprechen. Das Problem liegt daran, dass man aus Zuckerrohr sowohl Alkohol als Benzinersatz als auch Zucker für die Lebensmittelindustrie herstellen kann. Essigsäure übrigens auch, aber das ist wohl mehr ein Thema für Spezialisten und interessiert Otto Normalverbraucher nicht. Wichtig ist, dass die Autos vermehrt mit Benzin und weniger mit Ethanol angetrieben werden, weil Alkohol mittlerweile so teuer geworden ist, dass es sich nicht mehr lohnt, ihn zu tanken. Dazu trägt natürlich auch bei, dass der Energiegehalt von Alkohol kleiner als der von Benzin ist und die Reichweite von alkoholbetriebenen Autos kleiner als die von benzinbetriebenen bei identischem Tankinhalt ist. Im Januar 2010 dient der Alkoholverbrauch - bitte denken Sie dabei immer an Autos, und nicht an Getränke - um 25 % gegenüber dem Vergleichszeitraum 2009 zurück, im Vergleich zum Dezember des Vorjahres waren es sogar 40 %. Im Bundesstaat Minas Gerais lag der Marktanteil von Alkohol bis November des Vorjahres bei fast 50 %, heute sind es nur noch 10 %. Der mittlere Preis 1 Liters Alkohol in Belo Horizonte Bild trägt 2,05 R$, aber erst ab 1,71 R$ wurde es sich lohnen, Alkohol zu tanken.

PS: Diktiert mit MacSpeech Dictate, Erkennungsquote der Wörter praktisch 100 %, wenn ich die portugiesischen Wörter unberücksichtigt lasse bzw. manuell schreibe. Sehr zu empfehlen!!! Ich bekomme übrigens weder Rabatt bei meinen Einkäufen beim Hersteller noch eine Provision, wenn Sie sich das Programm zulegen. ich bin einfach nur begeistert, dass es endlich ein Diktatprogramm für den Mac gibt, welches diesen Namen wirklich verdient und welches absolut brauchbar ist.

Erfrischungsgetränke machen dick...

... aber als Diätversion weniger den Konsumenten und mehr den Hersteller. Coca Cola hat davon profitiert und will dieses Jahr in Brasilien 2 Mrd. R$ investieren - die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympiade 2016 stehen vor der Tür! Bis 2014 will die Firma 11 Mrd. R$ in Brasilien investieren, zwischen 2005 und 2009 waren es 6 Mrd. R$. Bleibt die Frage offen, ob Ausgaben in Werbung als Investitionen gezählt werden.

2008 betrug übrigens der Prokopfverbrauch an Erfrischungsgetränken in Brasilien 195 Dosen à 237 ml, in Mexiko waren es weltmeisterliche 650 Dosen und in den USA, dem Ursprungsland der Coca Cola, um die 600 Dosen. Zur brasilianischen Position habe ich mit 2 oder 3 Dosen beigetragen, bin also in den Augen der Geschäftsführung von Coca Cola sicher ein verlorener Fall.

12 Februar 2010

Brasilien - Marktzugangs- und Geschäftsmöglichkeiten

Im Rahmen der Aktionswochen 2010 der Sparkassen-Finanzgruppe werde ich über obiges Thema bei der Verbands-Sparkasse Wesel im Rahmen eines Unternehmerfrühstücks referieren. Die Veranstaltung beginnt am 9.3. um 9:00, Interessenten können sich bei Herrn Hanns-Walter Dahm

S-International Rhein-Ruhr GmbH
Tel. +49.201.82144-13
Fax +49.201.82144-29
www.s-international-rhein-ruhr

erkundigen, ob noch Plätze verfügbar sind.

Transgenische Treibmittel für Biodiesel aus Zuckerrohr zugelassen

Die CTNBio oder Comissão Técnica Nacional de Biosegurança ist über ihren eigenen Schatten gesprungen und hat transgenische Hefe als Treibmittel freigegeben und damit vermutlich den ungezügelten Zorn der so genannten Landlosen (sem terra) herausgefordert. Ich schreibe "so genannte", weil viele dieser netten Menschen durch Zuwendungen und Versprechen dazu gebracht wurden, ihre Heimatstadt zu verlassen und auf kostenlose Parzellen für die landwirtschaftliche Nutzung hoffen. Und wenn sich die Hoffnung erfüllt, dann gilt oft das alte Sprichwort "Ist der Handel noch so klein, bringt er doch mehr als Arbeit ein!" und die Parzellen wechseln den Besitzer. Was zwar verboten, aber einträglich ist.

Das Gute ist, dass man durch die erwähnte Zulassung jetzt aus Zuckerrohr nicht nur Ethanol, sondern auch Biodiesel herstellen kann. Brasilien ist ein Land mit Unternehmern, die diesen Namen verdienen, denn sie unternehmen und unterlassen nicht. In diesem Fall hat die Usina Boa Vista in Pirenópolis - GO die Zeichen der Zeit erkannt und wird mit einer neuen Produktionslinie schon 2011 ungefähr 2 Millionen to Biodiesel aus Zuckerohr produzieren. Biodiesel ist umweltfreundlicher als fossiles Dieselöl wegen des fehlenden Schwefels und des geringeren Partikelgehaltes. Damit ist Brasilien wieder mal Pionier bei Biotreibstoffen, denn bis heute gibt es keine Firma auf der Welt, die für Biodiesel Zuckerrohr verwendet. Amyris, die das Verfahren entwickelt hat, erhielt innerhalb eines Jahres von Risikokapitalgebern wie Votorantim Novos Negócios 100 Mio. US$ für die Entwicklungsarbeiten und das Pilotprojekt, was das starke Interesse am Biodiesel in Brasilien zeigt. Brasilien muss heute noch Diesel importieren, weil man zwar genug Erdöl als Ausgangsmaterial im eigenen Land fördert, aber leider nicht die für die Dieselölproduktion geeigneten Sorte. Deshalb dürfen auch keine Diesel-Pkw in Brasilien hergestellt werden, nur der Import ist erlaubt. Das kann sich jetzt durch Biodiesel aus Zuckerrohr ändern - und siehe meine Bemerkung über Unternehmer und Unterlasser - vielleicht schneller, als wir heute annehmen.

Das nächste Ziel ist die Produktion von Flugzeugtreibstoff, also Kerosen, für die brasilianische Luftwaffe, für die Embraer und die Luftfahrtlinie Azul, der ab 2012 von diesen Abnehmern getestet werden soll. Aber dafür müssen weitere genetische Veränderungen an der Hefe vorgenommen werden. Der Biotreibstoffherstellungsprozeß selbst bleibt weitgehend unverändert.

Siemens hat in Brasilien ehrgeizige Ziele

Adilson Primo, der hiesige Siemenschef, geht davon aus, dass seine Firma in diesem Jahr dreimal soviel wachsen wird wie das Bruttoinlandsprodukt Brasiliens. Diese Annahme ist durchaus begründet, denn letztes Jahr wurde das geringe Wachstum durch den Konsum verursacht; dieses Jahr werden die Investitionen in die brasilianische Infrastruktur ein weitaus höheres Wachstum ermöglichen. Der Staat muss in lebenswichtigen Sektoren wie Gas, Erdöl, Transport, Erziehung und Logistik investieren und braucht dazu auch Mittel aus privater Hand, weil die der BNDES, der KfW vergleichbar, nicht ausreichen. Siemens rechnet natürlich vor allem damit, aus den Investitionen für die Fußballweltmeisterschaft und die Olympiade in Brasilien Kapital schlagen zu können. 2009 hat Siemens mit 10.000 Mitarbeitern und 12 Fabriken in Brasilien 4,5 Milliarden R$ Umsatz gemacht. 2010 will man ungefähr 150 Millionen R$ investieren. Schwerpunkte werden eine Fabrik für Wasseraufbereitungsanlagen (saneamento básico) und eine für Windenergieanlagen sein.

Verpackungsfirma in Manaus wechselt Eigentümer

Manaus hat früher schon viele Leute angezogen, zum Beispiel Gummibarone - siehe den berühmten Film Fitzcaraldo mit Klaus Kinski - und Opernsänger wie Caruso. Die Glanzzeit des Gummis am Amazonas ist schon längst vorbei; dank eines Engländers, der an den Behörden vorbei Gummibaumsetzlinge aus dem Land schmuggelte, die später in Asien angepflanzt wurden. Heute ist Manaus dank seiner Freihandelszone der wichtigste Produktionsort Brasiliens der Elektronikindustrie. Die hier ansässige Verpackungsmittelfabrik der Rigesa, die eine Produktionskapazität von 25.000 t pro Jahr hat, wurde jetzt von der Gruppe Orsa übernommen. Orsa gehört Sérgio Amoroso, der auch Eigentümer von Jari Zellulose ist.

Wenn Sie die Firma in Manaus besuchen wollen, seien Sie vorsichtig, Anopheles Gambiae wartet schon darauf, Ihnen eine Ladung Plasmodien zu verpassen, wie die einzelligen Parasiten heißen, die Malaria verursachen! Allein im Januar gab es 1.709 neue Malariafälle, das sind 106 % mehr als im Januar des Vorjahres. 40.000 Personen wohne in malariagefährdeten Gebieten von Manaus, die Sie als Tourist aber wahrscheinlich nicht zu sehen bekommen.

07 Februar 2010

Mittlere Bruttoeinkommen in Brasilien x 2 = Kosten für den Arbeitgeber

Das wird z.Z. monatlich brutto in Brasilien in ausgewählten Positionen, wie sie ein Generalunternehmer besetzen muss, verdient:

Baustelleningenieur 5.133 R$
Qualitätsingenieur 5.930 R$
Entwicklungsingenieur 5.963 R$
Umwelttechnikingenieur 4.429 R$
Leiter Produktentwicklung 13.043 R$
Leiter Engineering (AV) 12.806 R$
Leiter Import/Export 12.958 R$
Leiter Instandhaltung 12.380 R$
Produktionsleiter 15.031 R$
Leiter Qualitätswesen 11.989 R$
Vorarbeiter 2.683 R$4
Instandhaltungsmechaniker 2.486 R$
Baustellenmeister 4.875 R$
Monteur 1.863 R$
Maurer 954 R$
Konstrukteur 5.120 R$
Schlosser 2.199 R$
Schweisser 1.995 R$
Baustellenaufseher 6.011 R$
Tiefbautechniker 2.694 R$
Prozesstechniker 3.698 R$
Chemotechniker 2.884 R$
Lagerist 1.854 R$
Einkäufer 3.388 R$
Einkaufsleiter 11.557 R$
Import/Exportaufseher 7.065 R$

1,00 EUR = 2,55 R$

06 Februar 2010

Male parta male dilabuntur!

Ja, so ist der Lauf der Welt, in der man sich reich rechnet und auf einmal merkt, dass die Kurse gefallen sind und der Reichtum zerronnen. Aber glücklicherweise geht die Post auch in die andere Richtung ab. Aber diesmal eben nicht und deshalb haben sieben brasilianische börsennotierte Firmen in den letzen zwei Tagen soviel an Wert verloren, dass man für diesen Betrag Amazon kaufen könnte und diese Firma kostet immerhin über 52 Mrd. US$! Die Verlierer von heute (und sicher auch wieder die Gewinner von morgen) sind:
  • Petrobrás
  • Vale
  • Santander
  • ItaúUnibanco
  • AmBev
  • Bradesco
  • Banco do Brasil
Ihr Wert ging um 52,3 Mrd. US$ zurück.

PS: Wer Probleme mit der Überschrift hat, sollte bei LATEINISCHE SPRICHWÖRTER nachsehen oder bei LATEIN FÜR ANGEBER!

Tempora mutantur et nosmet cum iis

Mit "wir" meine ich Brasilien und die europäischen Länder, denn etwas ganz und gar Unerwartetes ist geschehen. Gestern betrug das LÄNDERRISIKO BRASILIEN ganze 150 PUNKTE! Und das von GRIECHENLAND, der Wiege der abendländischen Kultur, 415 PUNKTE. Und selbst das alte "Mutterland" Brasiliens, PORTUGAL, stand bei 227 PUNKTEN und sein Nachbar auf der iberischen Halbinsel, SPANIEN, wies 165 PUNKTE aus. IRLAND hatte 169 PUNKTE und ITALIEN 155.

Das Risiko wird dabei durch das Aufgeld für Credit Default Swaps (CDS) gemessen.
Auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise (oder besser Bankenkrise?) erreichte Brasilien 355 Punkte (die Deutsche Bank - Graphik zeigt sogar einen höheren Wert als die Zahlen des O Estado de São Paulo), was bedeutet, dass ein Investor, der sich gegen eine eventuelle Zahlungsunfähigkeit Brasiliens schützen wollte, 3,55 Prozentpunkte mehr als für die Marktreferenz - CDS der USA - zahlen musste. Damals, im Oktober 2008, lag Portugal bei 85 Punkten, Spanien bei 82, Irland bei 113, Italien bei 117 und Griechenland bei 134.

Aber Brasilien hat keinen Grund, euphorisch zu werden; unsere Zahlungsbilanz und unsere Binnenverschuldung geben wenig Anlass zu Optimismus, vor allem in dem Jahr, in dem der Nachfolger Lulas gewählt wird und deshalb Wahlgeschenke angesagt sind.

03 Februar 2010

Brasilianisches Sammelsurium

Das berühmt-berüchtige Café Photo, vor allem männlichen Besuchern von São Paulo bekannt, die sich hier in's Nachtleben stürzen, muss weichen. An seiner Stelle entstehen zwei Wohntürme mit Apartments bis 1.224 Quadratmetern - gerade ausreichend für die Kleinfamilie - und Preisen pro Wohneinheit zwischen 4,5 und 12 Millionen R$. Das wären mit dem Kurs von heute (2,55 R$ = 1,00 €) immerhin 1,765 bis 4,706 €, davon könnte man auch mehrere Porsche Panamera Turbo V8 4,8 kaufen, die bei uns 749 TR$ oder 294 T€ kosten.

Aber wer bei einer Bank arbeitet, hat mit solchen Zahlen kein (grosses) Problem. Die Bradesco zahlte ihren 150 leitenden Mitarbeitern letztes Jahr 250,4 Mio. R$ fixe und variable Bezüge, das sind im Mittel 1,669 Mio. R$ oder 655 T€.

Unser Kabelfernsehen gehört nach wie vor zu den teuersten der Welt. Trotzdem konnte die Anzahl der Kunden letztes Jahr um 18 % gesteigert worden, d.h. 1,1 Mio. zusätzlicher Fernseher kommen in den Genuss von exzessiver Werbung und haben das Vergnügen, die gleichen Filme viele Male auf mehreren Kanälen sehen zu dürfen.

Wer als Fernseher vor dem Fernseher hockt, nimmt oft zu. Nicht durch das Sitzen, sondern durch Bier und Salzstangen. Da hilft manchmal eine bzw. viele Wunderpillen, deren Einnahme Abnahme verspricht. In Europa wurde eine solche Pille - bei uns heißt sie Sibutramina - verboten, in Brasilien darf sie aber weiterhin genommen werden. Hier ist sie das meistgenutzte Abmagerungsmittel, trotz des Infarktrisikos.

Aber das lange Sitzen vor dem Fernseher wird verständlich, wenn man erfährt, dass es seit 42 Tagen jeden Tag in São Paulo regnet. Damit wurde der Januar zum feuchtesten seit 60 Jahren.

01 Februar 2010

Glückwünsche an die Post

Wobei unklar ist, ob diese der deutschen oder der brasilianischen Post zustehen.

Warum die "Glückwünsche"? Am 16. Oktober 2009 schickte mir eine deutsche Firma einen Katalog zur Begutachtung. Dieser wurde am 28. Januar 2010 unbeschädigt zugestellt. Ein Kommentar erübrigt sich. Vielleicht ist nur der Hinweis, dass Luftpost benutzt wurde.