28 April 2017

Die Hoffnung Brasiliens

sind sicher nicht diese Demonstranten, die gegen alles und jeden sind und am heutigen "Generalstreik" der Linken teilnehmen.


Wie man sieht, marschieren hier am Vormittag nur wenige Gesinnungsgenossen wie die sogenannten "Landlosen" und Mitglieder der Linksparteien und Gewerkschaften  die Av. Atlântica im Südteil São Paulos herunter, aber da dieser punktuelle Streik den öffentlichen Nahverkehr lahmgelegt hat, bleiben die Fahrtbahnen, Fabriken, Büros, Läden, Werkstätten etc. leer.

Was uns wohl diese netten Mitmenschen mit ihrem Marsch sagen wollen? Wahrscheinlich, dass sie froh sind, dass sie für ihre Teilnahme ein Brötchen mit Mortadella, eine Dose Guaraná  und ein Handgeld bekommen.



Das Ende des kurzen Umzuges. Wissen Sie, warum diese "Revolutionäre", von ihren brasilianischen Mitbürgern auch als Vagabunden und Arbeitsscheue bezeichnet, so ruhig laufen können? Weil sie am Ende des Marsches zwei Busse erwarten, die sie nach Hause bringen - im Gegensatz zu den Brasilianern, die heute nicht demonstrieren und keinen Bus haben, der auf sie wartet!

Wenn Sie Portugiesisch verstehen, dann hören Sie selbst die Ankündigung des Transportservices durch den Lautsprecherwagen:

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Dass die Gewerkschaften zu diesem Streik aufrufen und sich die Streikenden selbst herankarren müssen, wundert nicht, bei 14,2 Millionen Arbeitslosen (13,7% Arbeitslosenquote) hat kein vernünftiger Mensch Lust, gegen seine eigenen Interessen zu verstoßen. Dabei haben sich die PTler das Datum gut ausgedacht, heute ist Freitag und wer streikt, kann wegen des 1. Mais insgesamt 4 Tage zuhause bleiben.

Wissen Sie wieviel Gewerkschaften es in Brasilien gibt? 16.500 Gewerkschaften sind hier offiziell registriert, in Deutschland sind es im wesentlichen 11 und in Großbritannien 168. Und wissen Sie, dass in Brasilien die Gewerkschaften den Gegenwert eines Tageslohnes aller Werktätigen Brasiliens pro Jahr erhalten, egal ob diese Gewerkschaftsmitglied sind oder nicht? Das waren 3,6 Mrd. R$ im letzten Jahr. Und über die Verwendung dieses Betrages müssen sie keine Rechenschaft ablegen, wegen einer Verfügung des damaligen Präsidenten Lula, dem ehemaligen Gewerkschaftsführer, der sich laut Aussage von Unternehmern von den Arbeitgebern dafür bezahlen ließ, dass er Streiks abkürzte. Und die Gewerkschaftsführer leben gut mit dieser Situation und wollen natürlich keine Änderung der Verhältnisse. In 2015 wurde ermittelt, dass 8.500 Gewerkschaftsführer bereits über 10 Jahre im Amt waren. Solch' sichere Arbeitsplätze wünschen sich die mehr als 14 Millionen Arbeitslosen auch. 

Übrigens reicht den Gewerkschaften die Zwangsabgabe der arbeitenden Bevölkerung nicht; bei Vergleichen in Arbeitskonflikten, die von den Gewerkschaften vermittelt wurden, behalten diese oft bis zu 30% der vereinbarten Abfindung ein. 

Aber 296 Abgeordnete haben vorgestern für eine Reform der Arbeitsgesetze, die 1943 beschlossen wurden und den Verhältnissen des Landes nicht mehr gerecht werden, gestimmt und 177 unverantwortliche "Volksvertreter" dagegen.  Wenn die Reform auch im Senat durchgeht, wird es Brasilien besser gehen. Ein Eckpunkt der Reform ist die Streichung der Zwangsabgabe, die häufig Gewerkschaftssteuer genannt wird, aber in Wirklichkeit keine Steuer ist. Dass dieser drohende Wegfall die Gewerkschaftsführer alarmiert, ist verständlich, aber aus Sicht der breiten Mehrarbeit sehr zu begrüßen. Übrigens streiken leider auch viele Lehrer, selbst von Privatschulen. Ich stelle mir vor, was diese "Leerer" ihren Schülern beibringen.  

Lesen Sie auch zum Vergleich mit deutschen Verhältnissen DAS ENDE DER GEWERKSCHAFTEN und WENIGER ALS JEDER FÜNFTE IST GEWERKSCHAFTER

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