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21 November 2010

Brasilien auf dem Weg zur Atommacht


Brasilien treibt sein Nuklearprogramm weiter voran, sowohl das Atomunterseeboot -Programm als auch die friedliche Nutzung der Atomkraft zur Energiegewinnung genießen höchste Priorität.

Die brasilianische Marine will bis 2047 sechs atomgetriebene Unterseeboote und zusätzliche 20 konventionelle U-Boote betreiben. Die zusätzlichen konventionellen U-Boote werden 15 neue und fünf generalüberholte sein.

Jedes Atomunterseeboot wird ungefähr 550 Mio. € kosten; das erste, welches schon im Bau ist, wird allerdings 2 Milliarden Euro verschlingen, in diesem Wert sind nämlich die Kosten  des Technologietransfers mit eingeschlossen.  Die Atomunterseeboote werden mit Unterstützung der französischen Werft DCNS  entworfen, gebaut werden sie in einer im Bau befindlichen Werft in Itaguaí im Süden von Rio de Janeiro. Direkt daneben baut Odebecht  den zugehörigen Marinestützpunkt.

Das erste Los konventioneller U-Boote umfasst 15 Einheiten. Die ersten vier sind vom Typ Scorpéne, aber circa 100 t schwerer und 5 m länger als das französische Original. Dazu kommen vier U-Boote der Tupiklasse,  die  mit deutscher Technologie gebaut wurden und modernisiert werden müssen. Das gleiche gilt für einen von brasilianischen Marineingenieuren gebautes U-Boot der Tikuna- Klasse.

Dieses Programm wird unterstützt von einer brasilianischen Fabrik zur Urananreicherung in Iperó,  circa 130 km von Sao Paulo entfernt. Ab Dezember kann diese Fabrik 40 t angereichertes Material pro Jahr produzieren, der Startschuss dazu wird von Präsident Lula gegeben werden.

Interessant ist die Begründung des Admirals Júlio Moura Netos, warum dieses Programm so wichtig ist. Unter anderem sagte er, dass jedes Jahr brasilianische Waren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar von Brasilien aus verschifft werden und die dazu benutzten Seewege geschützt werden müssten.  Gut, dass es nicht der deutsche Verteidigungsminister war, der dies sagte, denn für eine solche Aussage hätte er wahrscheinlich in Deutschland Schläge einstecken müssen.

Bis 2030 sollen außerdem die nächsten vier Atomkraftwerke in neuen Nuklearzentren ans Netz gehen. Zwei dieser Atomkraftwerke werden entweder in Bahia, Pernambuco, Alagos oder Sergipe installiert werden.  Bei Angra dos Reis im Bundesstaat Rio de Janeiro wurden bereits die Arbeiten am Kraftwerk Angra III begonnen, diese wurden vor 20 Jahren unterbrochen.

Näheres darüber kann man von der Associação Brasileira para o Desenvolvimento das Atividades Nucleares  erfahren. Dieser brasilianische Verband für die Entwicklung der Nuklearaktivitäten setzt sich sehr dafür ein, dass das staatliche Monopol für die Nutzung der Atomkraft zur Energiegewinnung gebrochen wird. Der Präsident des Verbandes, Antonio Muller,  sagte, das zurzeit weltweit 53 Atomkraftwerke im Bau seien.  Offensichtlich sind die Grünen Deutschlands anderer Meinung als ihre Kollegen im Ausland, sonst wäre diese Zahl wesentlich niedriger. Aber in Deutschland kommt der Strom ja aus der Steckdose (die von Atomkraftwerken in den Nachbarländern gespeist wird).

1 Kommentar:

  1. Gar freilich sind Rüstungskampagnen nicht nach dem Geschmack aller. Doch das brasilianische Militär trachtet nach Erneuerung. Bei den bras. Landstreitkräften ist bei den Panzereinheiten als Hauptwaffe derart antiquiertes Material im Einsatz, welches sich in Deutschland heutzutage nicht mal mehr in den Depots der Ersatzreserve findet! - Auch wenn freilich ein Rüstungsetat sich nicht zu Ungunsten anderer, wichtiger Ressorts auswirken soll: Brasilien kommt [unabhängig jeglicher imperialistischer Ambitionen] nicht gänzlich daran vorbei, den technischen Stand der Streitkräfte zumindest ab und an dem jeweiligen Zeitgeist anzupassen. Das gilt zum Einen generell, wenn es nicht darum gehen soll, nicht nur ein quantitativ bestehendes Präsentier-Heer zu unterhalten. Zum Anderen ist ein technologisches Schritthalten im militärischen Bereich dann von Belang, wenn im Speziellen auf der der Südhalbkugel oder im amerikanischen Raum je ein ernstzunehmender militärischer Beitrag geleistet werden muss, wie es in Haiti unter UN-Mandat der Fall war. Was die Rüstungstransfers betrifft: Im letztmaligen Verhandlungspoker hatten die Franzosen die Nase vorn. Interessant hierbei ist jedoch, dass sich Brasilien sich souverän gibt, sich nicht grundsätzlich auf bestimmte Partner festlegt und sogar russische Kampf-Hubschrauber gekauft hat. Möglicherweise haben vielleicht einschlägige deutsche Firmen auch noch eine Chance. Und auch hat der zitierte Admiral nicht unrecht. So selbstverständlich man es auch betrachten mag, der Seehandel bedingt freie Meere. Als Garant dessen fungiert eine Kriegsmarine, die im Falle eines Falles handlungsfähig ist. Ob es heute – aufgrund technologischen Fortschrittes – noch ratsam ist, bei U-Booten auf einen nuklearen Antrieb zu setzen, ist freilich streitbar.

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