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08 September 2015

Warum es der brasilianischen Landwirtschaft gut geht

Das soll am Beispiel der Zuckerrohrindustrie erklärt werden, der es durch Investition in Technologie gelang, ihre Produktivität zu erhöhen. Die Zucker und Ethanol herstellende São Martinho-Gruppe betrieb 1987 eine einzige Zuckerrohrmühle in São Paulo mit einer Kapazität von 4,5 Mio. to pro Erntesaison und hatte 12.000 Mitarbeiter, d.h. 3,8 Beschäftigte pro 1.000 to verarbeitetes Zuckerrohr. 2014 waren es schon 4 Zuckerrohrmühlen, 13.400 Mitarbeiter und 21 Mio. to verarbeitetes Zuckerrohr pro Ernte, was nur noch 0,64 Mitarbeiter pro 1.000 to bedeutet. Das Unternehmen hat also seine Produktivität von 1987 zu 2014 um das sechsfache erhöht! Was sich in der EBITDA-Marge niederschlug, die sich von 40 auf 48 % in den letzten vier Jahren verbesserte. Nur ein Drittel der Gesamtkosten sind heute Personalkosten.

2014 haben die brasilianischen Zuckerrohrverarbeiter 1,53 Personen pro 1.000 to Zuckerrohr beschäftigt; im Mittelwesten, wo die Ernte bereits zu 90 % mechanisiert ist, sind es sogar nur 1,35. São Martinho hat also die Produktivität verbessert, aber ist noch weit entfernt vom Durchschnitt, wie er vom Brasilianischen Zuckerrohrindustrieerband UNICA errechnet wurde.

Wegen der allgemeinen Krise, die auch die Zuckerrohrindustrie nicht verschonte, sind in der jüngsten Vergangenheit keine Erweiterungsinvestitionen mehr gemacht worden; aber wegen des Verbotes, Zuckerrohrfelder vor der manuellen Ernte abzufackeln, wurden die Bemühungen, die gefährliche und mühselige Handarbeit durch Maschineneinsatz abzulösen, gewaltig verstärkt. Vor 2006 wurden noch 2,6 Personen pro 1.000 to verarbeitetes Zuckerrohr beschäftigt, die heutigen 1,53 Personen werden sich künftig wohl auf 0,7 reduzieren. So groß ist das noch vorhandene Einsparungspotenzial. Viel hängt von der Erntetechnologie ab, es gibt Zuckerrohrplantagen, wo jede Maschine 1.000 to pro Tag erntet und andere, wo es nur 500 to täglich sind.

Der größte Zuckerrohrverarbeiter Raízen Energia hat 23 Fabriken mit 32.000 Mitarbeitern, die in der Ernteperiode 2014/15 insgesamt 57 Mio. to Zuckerrohr verarbeiteten, das entspricht einem Index von 0,56. Wenn man nur das eigene Zuckerrohr der Firma betrachtet, geht der Index auf 1,06 hoch.

Das Unternehmen setzt z.B. Drohnen für die Ernteüberwachung ein. São Martinho läßt 60 % seiner Erntemaschine schon von einem Autopiloten steuern, dieser Prozentsatz soll auf 100 % steigen - damit wäre der Einsatz des Menschen auf Planung und Überwachung der Ernte und Pflege und Instandhaltung der Erntemaschinen beschränkt.


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