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21 August 2010

Himmlische Ruhe

sollte in grosser Höhe herrschen, z.B. im Flugzeug. Aber fliegen Sie mal mit einer Gruppe junger Brasilianer oder Argentinier mit der TAM oder jetzt bald LATAM, dann kann daraus durchaus höllischer Lärm werden - wobei dieser nicht bewusst zur Störung ruhebedürftiger Passagiere angewandt wird, er ist einfach Ausdruck von Unbekümmertheit, auch den Bedürfnissen der Mitmenschen gegenüber. Besonders störend finde ich, wenn jemand in meiner Nähe - solange das Flugzeug noch mit offenen Türen am Boden verharrt - telefoniert, weil die schiere Lautstärke der Stimme meist zur Kommunikation ausreicht, das Mobiltelefon brauchen manche Leute dazu gar nicht.

Das wird jetzt noch schlimmer werden, denn leider hat die europäische Flugaufsichtsbehörde EASA zusammen mit der brasilianischen ANAC den Gebrauch von Mobiltelefonen für Höhen über 3.000 m in einigen TAM-Flugzeugen der Marke Airbus freigegeben. Es fehlt nur noch die Festsetzung des Preises dieses neuen Services und es kann losgehen. Gott sei Dank hat bisher nur die TAM um die Freigabe der Benutzung von Mobiltelefonen während des Fluges nachgesucht, ein guter Grund, diese Gesellschaft künftig zu meiden. Die Lufthansa, so las ich vor längerer Zeit, denkt auch darüber nach, Mobiltelefone während des Fluges benutzen zu lassen, aber nur zum Austausch von E-Mails und SMS.

Wie sagte der grosse Meister Wilhelm Busch? Musik wird störend oft empfunden, derweil sie mit Geräusch verbunden! Das gilt auch für die menschliche Stimme in Verbindung mit Mobiltelefonen.

Dass die Möglichkeit, während des Fluges zu telefonieren, von vielen Passagieren gewünscht wird, kann man nicht nur wegen der Umfrageergebnisse zu diesem Thema vermuten, sondern auch an der Zahl der Mobiltelefone in Brasilien ablesen. Aktuell sind es 187.000.000, zum Jahresende sollen es 200.000.000 werden. Die 192 Mio. Einwohner Brasiliens werden nach Hochrechnungen bereits ab November mehr als ein Mobiltelefon pro Person besitzen. Einige Bundesstaaten sind bereits soweit, das ist die Anzahl der Mobiltelefone pro Einwohner:
  1. Bundesdistrikt: 165,9
  2. São Paulo: 114,2
  3. Mato Grosso do Sul: 110,6
  4. Rio de Janeiro: 108,6
  5. Rio Grande do Sul: 195,3
Die Telekommunikationsfirmen, die vom Kommunikationshunger der Brasilianer leben - und nicht schlecht - sind (% = Anteil "lebender" Mobiltelefonlinien):
  1. Vivo 30,25 %
  2. Claro 25,42 %
  3. TIM 24,05 %
  4. Oí 19,93 %
Die Summe ergibt nur 99,65 %; vielleicht hat José Luis de Souza, Direktor der Teleco, seine Zahlen abgerundet. Aber die fehlenden 0,35 % sind bei 200 Mio. Telefonen insgesamt immerhin 700.000 Telefone, eigentlich sollten solche Mengen nicht einfach unter den Tisch fallen. Oder sind solche Zahlen peanuts?

Seit Mai 2010 gibt es übrigens keine analogen Mobiltelefonlinien mehr in Brasilien. Dafür gibt es immer noch ein Hindernis, unsere jetzt 100 % digitalen Mobiltelefone effizient zu benutzen. Wer mit ausländischer SIM-Karte telefoniert, kann eine +49 xxxx xxxxxxxx - Nummer benutzen. Mit brasilianischer SIM-Karte funktioniert dies nicht, weil man für Telefonate in's Ausland, z.B. nach Deutschland, 002149 wählen muss anstatt +49 und bei Ferngesprächen im Inland z.B. 02121 nach Rio, anstatt nur die Vorwahl 021 zu benutzen. 21 ist dabei die Nummer einer der obigen Telefongesellschaften, eine andere ist z.B. 15. Wer wir ich zwei SIM-Karten, eine deutsche und eine brasilianische, benutzt, muss deshalb alle Telefonnummern doppelt speichern, im Fall meiner Büronummer also sowohl +55 11 5666 8266 als auch 002155 11 5666 8266. Wenn jemand weiss, wie man diesen Aufwand vermeiden kann, soll er es mir bitte sagen.

Noch eine Information über die augenblicklichen Marktanteile der in Brasilien verwendeten Technologie:
  1. 88,16 % GSM
  2. 5,71 % 3G
  3. 2,85 % CDMA
  4. 0,08 % TDMA
Die Summe ist 96,8 %, also hat auch hier keiner die Zahlen nachgerechnet oder 3GS wird gesondert betrachtet und wurde nicht angegeben.

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