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21 November 2016

Pessimismus - Realismus - Optimismus

Wie so häufig, ist die goldene Mitte wohl am besten. Und um die wahre Situation Brasiliens korrekt einzuschätzen, hat Präsident Temer einen Rat in's Leben gerufen, der ihm helfen soll: 
Quelle: O ESTADO DE SÃO PAULO vom 21.11.2016
Dieses Foto ist noch schlimmer als das von Präsidentin Dilma mit ihren 39 Kabinettsmitgliedern. Warum wohl kann man in der Politik mit Logik und Vernunft so wenig erreichen? Warum muss jeder gefragt werden, darf niemand übergangen werden, muss immer politisch korrekt gearbeitet werden? Warum gibt es überhaupt politische Korrektheit? Ist sie anders als normale Korrektheit? Ist richtig manchmal unrichtig und unrichtig richtig? 

Abílio Diniz, Großaktionär bei BRF und Carrefour, der vor kurzem vollmundig verkündete, dass jetzt die Gelegenheit sei, in Brasilien zu investieren, übte sich bei der ersten Sitzung des Rates in Pessimismus: "Die Prognose ist sehr schlecht. Wir können uns nicht vorstellen, dass wir 2017 wachsen werden." Seiner Meinung nach kann kein Wachstum über den Konsum generiert werden, dieses müsse aus Infrastrukturinvestitionen kommen. Und dazu seien Reformen nötig. Viele seiner Ratskollegen teilten diese Meinung. 

Hoffen wir, dass die Botschaft ankommt und sich Temer endlich entschließt, unpopuläre, aber nötige Maßnahmen ohne weitere Verzögerung in die Tat umzusetzen. Und die Leute aus seinem Kabinett entfernt, die immer noch nicht verstanden haben, dass die Wähler kein Mauscheln mehr vertragen. Sein Kulturminister hat gestern das Handtuch geworfen, weil sein Kollege Geddel versucht hat, in eigener privater Sache Einfluß auf ihn auszuüben. Gut, dass es solche Minister gibt, die lieber auf ihr Amt verzichten, als sich zu beschmutzen und schade, dass Temer auf Leute wie Geddel nicht verzichten will (oder kann?). 

Was die Reformen angeht, gibt es den sogenannten Sachzwang. Und der wird täglich stärker. Denn da können die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes noch so sehr auf die Barrikaden gehen wie in Rio, wenn kein Geld in der Kasse ist, kann auch keines ausgezahlt werden. Die Banco do Brasil beugt sich diesem Sachzwang und kündigte an, dass man 402 Zweigstellen schließen und 379 in Filialen mit eingeschränktem Leistungsumfang umwandeln und bis zu 18.000 Mitarbeiter abbauen will. 2015 hat die Bank bis Ende September einen Nettogewinn von 11,9 Mrd. R$ erzielt, dieses Jahr sind es per Ende September nur noch 7,1 Mrd. R$. Dafür wurden bis September 2015 insgesamt 14,3 Mrd. R$ für Personal ausgegeben und im Vergleichszeitraum 2016 waren es 15,0 Mrd. R$. Hoffen wir, dass andere öffentliche Institutionen sich dieses Vorgehen als Vorbild nehmen!

Gruppen wie Brookfield aus Kanada und State Grid aus China kaufen groß in Brasilien ein. Zu diesen Optimisten gesellte sich jetzt sich die brasilianische Ultrapar-Gruppe, Eigentümerin des Tankstellennetzes Ipiranga und von Ultragaz, dem u.a. Küchengasversorger. Ultrapar wurde von der Familie Igel gegründet und hat in den letzten 6 Monaten für 5 Mrd. R$ Líquigas von Petrobras gekauft und Ale, womit sie sich zusammen mit Ipiranga die Vizeführerschaft im Kraftstoffbereich und die Marktführerschaft bei Küchengas sicherte. Ultrapar kann sich solche Einkäufe leisten, bei einem Umsatz von 75,6 Mrd. R$ jährlich liegt das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Ebitda auf Jahresbasis bei niedrigen 1,4.

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