16 September 2009

Die freie Wirtschaft schafft Arbeitsplätze

Die Regierung natürlich auch, aber das ist eher mit dem Aufblasen eines Ballons zu vergleichen, denn unsere öffentliche Verwaltung ist jetzt schon zu aufgebläht und von zu viel Nepotismus durchdrungen, wobei man hier Nepotismus durchaus mit Vetternwirtschaft übersetzen kann. Diese Vettern (und Ehefrauen, Tanten, Cousinen, Söhne und Töchter und deren Freunde), die von Richtern, Abgeordneten und Senatoren (zur Verschleierung auch gerne über Kreuz) beschäftigt werden, erscheinen vielfach überhaupt nicht zur Arbeit, höchstens, um ihren Scheck abzuholen.

Aber immer hin hat die Privatwirtschaft (die nur 3.305 der Öffentlichen Verwaltung wurden hier einfach vereinnahmt) im August 242.000 neue offielle Arbeitsplätze geschaffen, die der Grauzone zugeordneten Wirtschaft, die ihre Angestellten nicht registriert, blieb dabei unberücksichtigt. Die Fakten stammen vom CADED - Cadastro Geral de Empregados e Desempregados (Allgemeines Register der Beschäftigten und Arbeitslosen). Die verkündete Zahl ist die beste des Jahres, seit sieben Monaten wächst die Zahl der neuen Arbeitsplatzbesetzungen in ununterbrochener Folge. Damit ist der durch die Krise entstandene Arbeitsplatzverlust ausgeglichen, wozu vor allem São Paulo (Bundesstaat) mit 78.000 Neueinstellungen beigetragen hat.

Lula war mal wieder schlecht informiert, denn er forderte die Wirtschaft zur Investition und Schaffung neuer Arbeitplätze auf, wobei er von 150.000 neuen Arbeitsplätzen im August sprach. Wahrscheinlich spricht er nicht mit seinem Arbeitsminister Carlos Lupi, der ihn aber in Schutz nahm und sagte, dass der Präsident nur die Zahlen bekommen hat, die am 7.9 vorlagen, man aber die letzten Daten erst heute erhalten hätte.

Wo Licht ist, ist auch Schatten; 1,45 Mio. Neueinstellungen standen 1,21 Mio. Entlassungen gegenüber. Damit ist der Saldo besser als der vom August 2008, als er 239.123 Stellen betrug.

Per August 2009 wurden 680.034 Arbeitsplätze geschaffen, per August 2008 waren es aber 1,803 Mio., in den letzten 12 Monaten sogar 328.509 Arbeitsplätze. Zwischen November 2008 und Januar 2009 gingen fast 800.000 registrierte Arbeitsplätze verloren.

Der Dienstleistungssektor legte im August 2009 am meisten zu, 85.568 Arbeitsplätze, + 0,66 % gegenüber dem Juli. Danach kam die verarbeitende Industrie mit 66.564 Arbeitsplätzen, + 0,92 %. Die Lebensmittelindustrie schaffte 22.614 Arbeitsplätze, die Textilindustrie 9.238, die Schuhindustrie 8.974 und die Metallverarbeitung 5.982. Der Handel registrierte 56.813 neue Arbeitsplätze, die Bauwirtschaft 39.957 und die Öffentliche Verwaltung 3.305! Nur Landwirtschaft- und Viezucht schufen weniger Arbeitsplätze als sie schloss. Der Saldo beträgt - 11.249. Allein der Kaffeeanbau verlor 29.000 Arbeitsplätze.

15 September 2009

Verbraucherzinsen auf dem niedrigsten Stand seit 1995

Tolle Nachricht, die Zinsen für den Verbraucher in Brasilien betragen nur noch 7,08 %! Was sich für uns gut anhört, lässt den Bankkunden in Deutschland kalt, mit solchen Konditionen lockt man keinen Hund hinter dem Ofen vor. Und wenn der unkundige Verbraucher im fernen Deutschland sich klarmacht, dass dieser Zinssatz pro Monat gilt, dann läuft ihm wahrscheinlich ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Und da ist es kein Trost, wenn juristische besser als natürliche Personen behandelt werden, denn Firmen wird nur ein Zinsatz von 3,98 % im Monat zugemutet. Im Januar betrug dieser noch 4,44 % und der für natürliche Personen 7,57 %. Und jetzt versuchen Sie mal, hier ein fremdfinanziertes Geschäft aufzubauen! Die vielen positiven Beispiele für ein solches Unterfangen zeigen, dass man gute Geschäfte in Brasilien machen kann, wenn man sich auskennt, Mut und Augenmass hat und vor allem Geduld und auch Glück.

14 September 2009

BOVESPA erreicht höchsten Jahreswert

Heute stieg der Bovespa-Index auf 58.867,55 Punkte, das ist bisher der höchste Wert in diesem Jahr. Das letzte Mal, als der Index über diesem Wert lag, war am 31.7.2008, als er 59.505,17 Punkte erreichte. In diesem Jahr betrug der Wertzuwachs der börsennotierten Aktien 56,77 % im Jahr und 4,21 % im Monat.

AKTUALISIERUNG VOM 16.9.09:
Der Bovespa-Index kletterte jetzt auf 60.097,28 Punkte. Das ist das erste Mal seit dem 21.7.08, dass er die 60.000 Punkte - Marke überschreiten konnte. Der Dollar fiel und der kommerzieller Kurs liegt bei nur 1,80 R$, der € bei 2,646 R$ zur Freude der brasilianischen Importeure.

Das Imperium schlägt zurück

Das ist die Antwort von VALE auf die Vorwürfe Lulas, die Firma hätte sich in der Krise nicht patriotisch verhalten und Investitionen zurückgestellt und Leute entlassen:
Heute wurde die obige Anzeige veröffentlicht. Darin steht:

VALE zieht vier Megaprojekte des Stahlsektors nach Brasilien an:
  • Aços Laminados do Pará
  • Companhia Siderúrgica do Atlântico - Rio de Janeiro
  • Companhia Siderúrgica de Ubu - Espírito Santo
  • Companhia Siderúrgica de Pecém - Ceará
Dafür sind 31,2 Mrd. R$ Investitionen nötig und es werden mehr 80.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

VALE. Die Privatfirma, die am meisten in Brasilien investiert.

Das hat die Regierung mit ihrem PAC bis heute nicht fertig gebracht. Dass bei einer solchen Firma Eike Batista, der reichste Mann Brasiliens, gerne mitmischen würde, ist klar. Zu seiner EBX-Gruppe würde VALE gut passen, aber leider will ihm die Banco Bradesco ihren Anteil nicht verkaufen. Und so weiß Eike Batista wahrscheinlich nicht, was er mit den 5,5 Mrd. US$ (Ob es nach der Krise noch so viel sind?) machen soll, die er durch den teilweisen Verkauf seiner MMX-Beteiligung an Anglo American erlöst hat. Und mit 52 Jahren ist er noch zu jung, um Däumchen zu drehen.

PS: Ich hatte übrigens irrtümlich geglaubt, dass Eike Batista schon an Vale beteiligt sei, aber diesen Zahn hat mir heute Holger Brandt gezogen! Denn wer bei Vale das Sagen hat, ist ihr Präsident Roger Agnelli, der auf eine lange Bradesco-Karriere zurückblicken kann.

13 September 2009

Trau schau wem!

Was ist schlimmer, ein Wolf im Schafspelz oder ein Schaf im Wolfspelz oder sogar ein Schaf im Schafspelz? Auf seine Exzellenz Lula passt wohl eher der Wolf im Schafspelz, denn er versucht ganz ungeniert und unter Einsatz seiner bewährten Demagogie den Staatsanteil an Brasiliens Wirtschaft wieder höher zu schrauben. Und die Opposition schlüpft in die Rolle des Schafes im Schafsfell und hat dem ausser einem kläglichen Blöken nichts entgegenzusetzen. Und selbst wenn das Schaf in den Wolfspelz schlüpft, bleibt die Opposition ein Papiertiger.

Was sind die Fakten? Für den Bergbau wird eine neue Agentur geschaffen, die die Termine für den Abschluss von Untersuchungen und die Inbetriebnahme von Bergwerken überwachen soll. Es wird künftig schwieriger werden, für solche Untersuchungen (sprich Prospektionen) und den anschliessenden Abbau der gefundenen Bodenschätze eine Genehmigung zu bekommen und die Zeitspanne für die Ausbeutung soll kürzer werden. Das bedeutet außerdem mehr Kosten und - wahrscheinlich viel - mehr Bürokratie. Die VALE ist besonders im Visier des Präsidenten, weil sie während der Krise vorsichtig mit ihren Mitteln umging und Investitionen zurückstellte. Die Firma soll nach den Vorstellungen Lulas mehr auf die Regierung hören (bald haben wir wohl Fünfjahrespläne unseligen Angedenkens) und selber vermehrt Stahlwerke betreiben und weniger Eisenerz exportieren. Im Erdöl- und Erdgasbereich wird die teilprivatisierte Petrobrás eine dominierende Rolle einnehmen, d.h. unverblümt, dass sie die einzige Firma sein wird, die die so genannten pré - sal - Vorkommen direkt ausbeuten darf und mindestens 30 % an jedem Konsortium haben wird, welches in diesem Gebiet tätig werden will. Außerdem wird es einen neuen Staatsbetrieb geben (irgendwo her müssen ja die Gelder und Posten für unsere Politiker kommen), die Petro-Sal, die ebenfalls an allen Konsortien teilhaben wird und diesen sagt, wo es lang geht. Und da Petrobrás Firmen wie Petroquímica Triunfo und Suzano Petroquímica kauft oder sich an ihnen beteiligt, wird die so erfolgreiche Privatisierung teilweise wieder rückgängig gemacht. Die Elektrizitätswirtschaft ist ebenfalls betroffen. Eletrobrás und die von ihr kontrollierten Firmen nehmen intensiv an den Versteigerungen der Konzessionen für die Generierung und Weiterleitung elektrischer Energie teil und die EPE - Empresa de Pesquisa Energética hat die Kontrolle über die Planung und Ausweitung des Sektors an die Regierung zurückgegeben. Bei den Banken hat es die staatliche Banco do Brasil schon geschafft, den Platz als größte Bank, den ihr die Itaú - Unibanco abgenommen hatte, zurückzuerobern. Sie soll die Privatbanken durch aggressive Zinssenkungen zwingen, auch ihre Kreditbedingungen zu verbessern, was meine volle Unterstützung hat. Bleibt noch der Telekommunikationssektor, der einst von der Telebrás beherrscht wurde, mit all den Nachteilen wie mehrjährige Wartezeiten auf Telefonlinien oder Abkürzung dieser durch Zahlung von umgerechnet tausenden von Euro. Diesem weißen unfähigen Elefanten soll die Verwaltung einer öffentlichen Internet - Breitbandverbindung anvertraut werden, unter Nutzung der Glasfaserkabel von Petrobrás und Furnas Centrais Elétricas. Sie soll außerdem investieren, um eine Internetanbindung in unterentwickelten Regionen Brasiliens zu gewährleisten und für den Datenverkehr der Regierung verantwortlich zeichnen.

Unser Wolf im Schafspelz hat bisher folgende Staatsbetriebe geschaffen:
  • CaixaPar - eine Tochter der Caixa Econômica Federal
  • EPE für Energieforschung
  • EBC/TV BRasil - Empresa Brasil de Comunicação e TV pública de comunicação
  • Ceitec - Centro Nacional de Tecnologia Eletrônica Avançada
  • Hermobrás
  • Banco Popular do Brasil - eine Tochter der Banco do Brasil
  • BB Administradora de Consórcios
  • PetroBio - Petrobrás Biocombustível
Auf dem Programm steht die Schaffung weiterer Staatsbetriebe: Posttransportlogistikfirma, Eximbank als Tochter der BNDES zur Exportfinanzierung, Petro-Sal, Staatseisenbahn, Bergbauregulierungsagentur. Lenin läßt grüßen! Und dabei haben wir dich schon "Good bye, Lenin" gesagt, oder?

Täglich 3 Maultiere in São Paulo verhaftet!

Man sagt bei uns auch mulas und dann weiß jeder, was gemeint ist. Nämlich keine vierbeinigen Kreuzungsergebnisse der Paarung von Pferd und Esel, sondern Menschen, die am oder im Körper versteckt Rauschgift schmuggeln und sich selbst wohl, wenn sie erwischt werden, als Esel bezeichnen. Und erwischt werden im Schnitt die oben erwähnten drei mulas alleine im Internationalen Flughafen Cumbica in Guarulhos, der zweitgrößten Stadt des Bundesstaates São Paulo, die an die Stadt São Paulo angrenzt und diese mit ihren ungeklärten Abwässern verseucht, die sie in den Rio Tietê einleitet. In diesem Jahr wurden per August bereits 313 Personen auf dem Flughafengelände festgenommen, die versucht hatten, an Bord eines Flugzeuges mit ihrer versteckten Rauschgiftladung zu gelangen. 2007 hatten es 173 Rauschgiftschmuggler vergeblich versucht, 2008 waren es 221 und dieses Jahr bei linearer Hochrechnung werden es 470 sein. Keine schönen Aussichten.

Unter den am Flughafen verhafteten 313 Personen waren zehn Nationalitäten besonders stark vertreten:
  1. Spanier
  2. Südafrikaner
  3. Rumänen
  4. Bolivianer
  5. Nigerianer
  6. Bulgaren
  7. Angolaner
  8. Portugiesen
  9. Thailänder
  10. Paraguayer
262 Ausländern stehen 51 Brasilianer gegenüber, 188 Männer und 125 Frauen waren es, die in Handschellen abgeführt wurden. Das Ziel dieser mulas waren Flughäfen in den Hauptabnehmerländern des Rauschgiftes (hauptsächlich Kokain) aus Kolumbien, Peru und Bolivien, nämlich
  • London
  • Brüssel
  • Madrid
  • Barcelona
  • Lissabon
  • Paris
  • Zürich
  • Dakar
  • Rom
  • Istanbul
  • Lagos
  • Dubai
  • Luanda
  • Johannesburg
Haben Sie Frankfurt und München auch vergeblich gesucht? Da kann man mal wieder sagen "Ich bin stolz, Deutscher zu sein", oder? Aber vorher gehen Sie lieber durchs Bahnhofsviertel unserer deutschen Großstädte, das bewahrt einen davor, Pharisäer zu werden.

Einen weiteren Kommentar hierzu gebe ich lieber nicht ab. Und was bringt das Ganze für die mulas? Bis zu 5.000 US$, wenn das Rauschgift im Körper geschmuggelt wird, oder den Tod, wenn sich der Inhalt der Päckchen in das Körperinnere ergießt oder einige Jahre Gefängnis, wenn man erwischt wird. Und die Jahre in einem brasilianischem Gefängnis zählen doppelt, allerdings nur, wenn man die Verhältnisse mit einer deutschen Strafvollzugsanstalt vergleicht. In Paraguay oder Angola sind die Gefängnisse wahrscheinlich kaum besser als unsere.

Leider kommen in diese aber nur die mulas und nicht ihre Auftraggeber. Wobei darüber zu philosophieren wäre, was ein angemessener Ort für die Rauschgiftkonsumenten wäre, die oft der so genannten Mittel- und Oberschicht angehören und dafür sorgen, dass skrupellose "Großhändler" eine Industrie aufziehen konnten, die ganze Länder wie Kolumbien oder Afghanistan fest im Griff hält und deren BIP durchaus mit dem der legitimen Industrie mithalten kann. Wobei bereits ein nicht zu vernachlässigender Teil dieser legitimen Industrie so legitim nicht ist, weil er mit blütenweiss gewaschenen Narkodollars finanziert wurde. Und als Europäer muss man dazu die EU nicht verlassen, um Beispiele zu finden.

Weltweite BIP-Veränderung im zweiten Vierteljahr 2009 gegenüber dem ersten

  1. China + 7,9 %
  2. Indien + 6,0 %
  3. Brasilien + 1,9 %
  4. Japan + 0,9 %
  5. Frankreich + 0,3 %
  6. Deutschland + 0,3 %
  7. Kanada - 0,1 %
  8. USA - 0,3 %
  9. Chile - 0,4 %
  10. Italien - 0,5 %
  11. Vereinigtes Königreich - 0,8 %
  12. Spanien - 1,0 %
  13. Mexiko - 1,1 %
  14. Russland - 10,9 %!!! Und das will ein BRIC-Staat sein?

12 September 2009

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TEST

11 September 2009

Brasiliens BIP steigt und das Land sagt der Rezession ade

Oder schreibt man Ade oder Adé? Oder adé? Ich habe alle Varianten gefunden, vielleicht gibt es einen klugen Germanisten, der mich erleuchten kann?

Aber zurück zum Thema, im zweiten Vierteljahr 2009 wuchs das brasilianische Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem ersten um 1,9 %:



Verglichen mit dem zweiten Vierteljahr 2008 war allerdings ein Rückgang von 1,2 % zu verzeichnen. Aber immerhin, die so genannte "technische" Rezession ist für uns vorbei, weil die Bevölkerung - unterstützt durch die Steuervergünstigungen der erschreckten Regierung - kräftig weiter konsumierte. Dieser Konsum stieg im zweiten Vierteljahr 2009 um 2,1 %, während die Staatsausgaben um 0,1 % fielen. Der Export wuchs um 14,1 % und der Import um 1,5 %.

Wenn man die Situation mit dem zweiten Vierteljahr 2008 vergleicht, fällt auf, dass nur der Dienstleistungssektor wuchs, um 2,4 %. Die Industrie musste einen Rückgang ihres BIP um 7,9 % und Landwirtschaft und Viehzucht um 4,2 % hinnehmen. Also ganz ungeschoren sind wir nicht davongekommen! Schlimm ist der Rückgang der Investitionen um 17 %, das ist der größte Rückgang seit Beginn der Aufschreibungen in 1996. Und der Export ging um 11,4 % und der Import um 16,5 % zurück, das muss erst wieder aufgeholt werden. Und wir wissen noch nicht, wie es weitergeht, wenn die Steuervergünstigungen abgelaufen sind.

Aber unsere Gewerkschaften meinen schon, es sei alles gut und lassen die Automobilfabriken bestreiken. Auch unser Präsident wies lautstark darauf hin, dass die Überwindung der Krise vor allem eine Grosstat des einfachen Volkes sei und kritisierte Firmen wie Vale wegen ihrer vorübergehenden Investitionszurückhaltung. Hier ist ein ähnliches Verständnis von Privateigentum zu spüren, wie es auch deutsche Regierungsmitglieder und Gewerkschaftler äußerten, als sie GM vorschreiben wollten, was die Firma mit Opel zu tun habe. Wobei ich den deutschen Wirtschaftsminister ausdrücklich vom Verdacht des Nichtverstehens der Rolle eines Unternehmers ausnehmen will.

09 September 2009

Finger weg vom Internet?

Malware-Schleudern: USA und Brasilien Spitzenreiter

08 September 2009

Was macht die Fachhochschule Flensburg in Namibia?

So transparent ist das Internet und so täuschend können Besucherstatistiken sein, denn ich nahm natürlich an, dass sich jemand in Namibia, welches ich ausführlich bereiste, als ich noch in Südafrika wohnte, für Brasilien interessiert:
----------------------------------------

Domain Name (Unknown)
IP Address 193.175.191.# (Fachhochschule Flensburg)
ISP DFN Verein
Location
Continent : Africa
Country : Namibia (Facts)
State/Region : Windhoek
City : Windhoek
Lat/Long : -22.57, 17.0836 (Map)
Distance : 6,457 kilometers
Language German
de
Operating System Microsoft WinXP
Browser Internet Explorer 7.0
Mozilla/4.0 (compatible; MSIE 7.0; Windows NT 5.1; InfoPath.2; .NET CLR 2.0.50727; FH Flensburg WS2008/2009; FH Flensburg; FH Flensburg WS2008/2009)
Javascript version 1.3
Monitor
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Search Words hafenumschlagsgebühren
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Wenn Agatha Christie noch schreiben würde...

...müsste sie und auch ihr zeitgenössischer Kollege Edgar Wallace sich heute ein anderes Land aussuchen, wenn es um flüchtige Schurken geht, die dem Empire den Rücken zukehren müssen. Denn bis dato ist Brasilien, in den Büchern beider Autoren oft als sicherer Hafen und letzte Zuflucht erwähnt, selbst für einen Ronald Biggs tatsächlich, wenn auch nicht für immer, eine zweite sichere Heimat geworden. Damit soll jetzt Schluß gemacht werden, das Programm Fim de Linha wird dafür sorgen, dass Verbrecher, die nach Brasilien flüchten, hier schnell identifiziert werden und das dass dann das Ende der Fahnenstange für selbige ist. Letztes Jahr wurden 42 Ausländer ausgeliefert, die ihre Verbrechen nicht in Brasilien begingen und deshalb hofften, hier Unterschlupf zu finden.

11,5 % der Festgenommenen waren Deutsche, Argentinier und Italiener, 9 % Portugiesen, 7 % Uruguayer, 3,5 % Franzosen, Spanier, US-Amerikaner und Norweger, 69 % gehörten anderen Nationen an. Fragen Sie mich bitte nicht, nach welchen Kriterien diese Zahlen zusammengefasst wurden, das weiss nur die Bundespolizei und die Zeitung O Estado de São Paulo, der ich sie entnahm. 30 % der Festnahmen geschahen im Bundesstaat São Paulo, 23 % in Rio de Janeiro und 47 % in anderen Bundesstaaten. Das deckt sich mit der Erwähnung des letzten Zufluchtortes in den Krimis der erwähnten britischen Autorenberühmtheiten. Grund für die Festnahme war zu 33 % Rauschgifthandel, 15 % Mord, 10 % Betrug, 7 % Kinderschändung, 5 % Raub, 3,5 % Geldwäsche und Menschenhandel und 26,5 % entfielen auf nicht spezifizierte Verbrechen. Ich nehme mal an, dass die Zahl der Festgenommenen höher als die der Ausgelieferten ist, sonst wären solche Prozentangaben bei nur 42 Personen etwas niedrig - aber es kann auch sein, dass man sich auf die Auslieferungen von 2007, 2008 und 2009 bis jetzt bezieht.

La Grande Nation rüstet das von Gott gesegnete Land auf

Und zeigt seinem engsten Verbündeten in Europa, wie man Geschäfte macht. Es reicht nämlich nicht, wenn der deutsche Wirtschaftsminister nach Brasilien reist, um im Schulterschluss mit hiesigen Politikern Einheit und Harmonie zu beschwören und keine Geschäfte macht. Aber wenn ein Sarkozy für weniger als einen Tag nach Brasilien kommt, um den Unabhängigkeitstag an der Seite seines Kollegen Lula zu feiern, werden Geschäfte für 37,5 Mrd. R$ bzw. 12,5 Mrd. € abgeschlossen. Brasilien wird nämlich von Dassault 36 Rafale-Jagdflugzeuge für 10,6 Mrd. R$ bzw. 4 Mrd. € kaufen und lässt mit diesem Höhenflug Boeing und Saab mit hängenden Flügeln auf der Erde hocken. Im Gegenzug wird Frankreich Transportflugzeuge von der Embraer beziehen und die Technologie der Kriegsgerätelieferung weitgehend offenlegen. Zu dieser Lieferung gehören auch Hubschrauber für 1,8 Mrd. € und U-Boote für 6,7 Mrd. US$. Damit ist Brasilien seinem Ziel, ein atomgetriebenes Unterseeboot zu besitzen, um sein Erdöl zu schützen, nähergekommen. Und die Deutschen stehen wie begossene Pudel dar, unsere konventionellen U-Boote waren nicht gut genug und den Nuklearantrieb haben wir nicht und werden wir auch nicht bekommen, denn 65 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges ist uns der Zugang zu dieser Technologie immer noch verboten. Auch mit unserer Beteiligung am Aufbau von Angra III und weiteren 25 (!) Atomkraftwerken sieht es düster aus, denn Lula und Sarkozy haben auch für diesen Bereich eine enge Zusammenarbeit verabredet, während wir uns in Deutschland aus dieser Technologie zurückziehen. Und damit es nicht nur bei Sonntags- bzw. Montagsreden bleibt, kommt heute die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde mit Vertretern von 16 Firmen nach São Paulo, um Nägel mit Köpfen zu machen. Sie soll dafür sorgen, dass der vergleichsweise geringe Außenhandel zwischen Brasilien und Frankreich ausgebaut wird und französische Firmen vermehrt in Brasilien investieren. Und uns bleibt die Hoffnung, dass der Schnellzug von Campinas über São Paulo nach Rio mit deutscher Magnetschwebebahntechnologie gebaut wird, die ja so gut ist, dass selbst unsere eigenen Politiker sich nicht dazu durchringen konnten, sie im Lande anzuwenden. Lassen wir uns überraschen, bis zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien vergeht ja noch einige Zeit und Sie wissen ja, kommt Zeit, kommt Rat! Übrigens konnte Sarkozy nicht das von Lula versprochene Churrasco genießen, denn die temperierten Glasscheibe über der Churrasqueira hielt die Hitze nicht aus und zersprang genau über dem fast fertigen Fleisch. Wie gut dass die erste Dame Brasiliens eine Moqueca mit Feijoão Tropeiro in der Hinterhand hatte!

06 September 2009

Jung gefreit hat nie gereut

Es sei denn, man ist der Vater der schönen Tochter und muss tief in die Tasche greifen. Dieser Griff setzt in Brasilien jährlich unglaubliche 10 Mrd. R$ frei, denn das ist die Summe, die der Heiratsmarkt hier umsetzt. Und das Heiraten scheint entweder immer mehr in Mode zu kommen oder der Brautvater lässt sich immer weniger lumpen, denn in den letzten 7 Jahren wuchs dieser Wert um 400 %. Da kann man aus Sicht derer, die mit einer Hochzeit ihren Lebensunterhalt (und etwas mehr) verdienen, nicht vom verflixten siebten Jahr sprechen. In Brasilien wird 900.000 mal jährlich geheiratet, alleine in der Stadt São Paulo werden im Jahr 66.000 Hochzeiten gefeiert! Im Mittel kostet eine brasilianische Hochzeit also 11.111,11 R$, wobei die Bandbreite aber gross ist, denn ich kenne Hochzeiten, die 500.000 R$ und mehr gekostet haben.

Und auf der Checklist der Brautpaare sind 85 Punkte zu kontrollieren, wobei einer der wichtigsten das Brautkleid ist. Eine durchschnittliche Hochzeit gibt direkt und indirekt 343 Personen Lohn und Brot, da kann ein solches Fest durchaus als volkswirtschaftlich bedeutend gewürdigt und sollte entsprechend gefördert werden.

Das erwähnte Hochzeitskleid verschlingt 10 % der Ausgaben für eine Hochzeit, der Festsaal und die Musik erfordern je 8 %, Einladungen und Erinnerungsgeschenk für die Gäste schlagen mit nur 3 % zu Buche. Die leibliche Verpflegung ist deutlich teurer, 30 % der Gesamtausgaben entfallen auf gutes Essen und Trinken. Für die Dekoration müssen 15 % beiseite gelegt werden und für den Fotografen - schließlich lebt der Mensch nicht vom Brot allein, sondern auch von seinen Erinnerungen - 12 %. Die restlichen 5 % entfallen auf unvorhergesehene Ausgaben.

Übrigens kamen früher brasilianische Bräute aus Deutschland nach São Paulo, um hier ihr Brautkleid zu kaufen - preiswert und gut. Heute kaufen brasilianische Bräute, die noch in Brasilien wohnen, ihr Brautkleid in New York, wenn sie etwas auf sich halten. Ein Hinweis, in der Rua São Caetano in São Paulo, die auch Strasse der Braut - Rua da Noiva - genannt wird, findet selbige alles, was sie zum Heiraten braucht, vor allem ein schönes Brautkleid.

05 September 2009

DIE KRISE ist in Brasilien nur noch die Krise

Und das ist der Beweis: Der Einkaufsleiterindex liegt wieder über 50! An dieser 50 scheiden sich nämlich die Geister, unterhalb schrumpft die Industrieaktivität, darüber wächst sie. Der Index wird PMI genannt, was für Indíce Gerentes de Compras steht, und wurde von der HSBC-Bank veröffentlicht. Sein Verlauf zeigt deutlich den Beginn der Krise im September vor einem Jahr und korrespondiert mit dem Wechselkurs € - R$, der ja auch wieder normale, d.h. Vorkrisenwerte, erreicht hat.

Der Index wird von der englischen Markit Group durch monatliche Befragung von 450 Einkaufsleitern der Industrie gebildet. Dabei werden neue Aufträge, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten der Lieferanten und Rohmaterialbestände ausgewertet.

Autoverkäufe brechen im August Rekord

Das Glas ist halbvoll oder halbleer. Denn im August gingen zwar die Autoverkäufe einschließlich Busse und Lastkraftwagen um 9,5 % gegenüber dem Vormonat zurück, aber brachen trotzdem einen Rekord, denn mit 258.163 im Inland verkauften Fahrzeugen war es der beste August aller Zeiten. Gegenüber dem August 2008 betrug der Zuwachs 5,5 %. Per August 2009 wurde ein Plus von 2,7 % gegenüber den ersten acht Monaten des Vorjahres erzielt.

Im Juni stellte die brasilianische Kfz-Industrie einen neuen Rekord auf, den besten Monat aller Zeiten, mit 300.200 abgesetzten Fahrzeugen. "Schuld" daran ist die Krise, denn sie bewirkte die temporäre Reduzierung / Aussetzung der Steuer auf industrialisierte Produkte - IPI, unsere Version der deutschen Abwrackprämie. Ohne diese Maßnahme der Regierung wäre der Absatz dieses Jahr 300.000 Einheiten kleiner gewesen, meint Anfavea, der Automobilherstellerverband. Und auch wichtig, diese Maßnahme verhinderte die Eliminierung von bis zu 60.000 Arbeitsplätzen!

Zur Zeit ist Fiat die erfolgreichste Marke in Brasilien mit 24,7 % Marktanteil, VW hat 23,4 %, GM kommt auf 19,7 % und Ford auf 10,3 %. Den Rest von 21,9 % teilen sich Brasilianer mit Franzosen, Koreanern und Japanern, wenn man die LKWs hinzunimmt, auch noch mit Schweden. Alle zusammen verkauften per August 1,993 Mio. Fahrzeuge in Brasilien, das sind 2,7 % mehr als im Vorjahresvergleichszeitraum - trotz DER KRISE!

Bei den Motorrädern sieht es nicht so gut aus wie bei den Autos, per August wurden 1,046 Motorräder verkauft, 21 % weniger als per August 2008. Was dem, der sich durch die Straßen São Paulos quält, sicher angenehm ist, denn schon jetzt machen dem Autofahrer die Motorradfahrer das Leben schwer - da gilt aus der egoistischen Sicht der Vierradfahrer sicher "je weniger Zweiräder, desto besser!".

03 September 2009

Interessante Broschüren über Brasilien

Im Juni hatte ich einen Vortrag in Wien gehalten, der von der Wirtschaftskammer Österreich organisiert wurde. Bei dieser können Sie diese Broschüren beziehen und sich über Förderprogramme informieren:
  • Brasilien - Firmengründung und Steuern
  • AWO-Länderreport Brasilien
  • AWO-Wirtschaftsreport Brasilien
  • Informationen zur aktuellen wirtschaftlichen Lage
  • Brasilien - Lohn- und Lohnnebenkosten
  • Brasilien - Erdöl, Erdgas-, Petrochemische Industrie
  • Energiewirtschaft in Brasilien
  • Elektrische Energie, Erdöl, Erdgas, erneuerbare Energien
  • Brasilien - Holzindustrie
  • Eisenbahnsektor
  • Importkosten in Brasilien
  • Brasilien - Schiffbau und Zulieferindustrie

Der Basiszins bleibt bei 8,75 %

Und so sieht die aktuelle Kursentwicklung EURO - REAL aus, DIE KRISE ist wohl vorbei auf dem Devisenmarkt?! Wir sind nämlich wieder auf den Werten vor der Krise angelangt.

Spieglein, Spieglein an der Wand...

...wer ist die lukrativste im ganzen Land? Unsere mehr als halbstaatliche Petrobrás natürlich und nicht nur in Brasilien. Hier ist die Liste der Firmen beider Amerikas in der Reihenfolge ihres Nettogewinnes im zweiten Vierteljahr 2009, jeweils in Mrd. US$:
  1. Citigroup 4,279
  2. Petrobrás 3,963
  3. Exxon Mobil 3,950
  4. Goldman Sachs 3,435
  5. Birkshire Hathaway 3,295
  6. AT&T 3,276
  7. Bankamerica 3,224
  8. Johnson & Johnson 3,208
  9. Wells Fargo 3,172
  10. IBM 3,103
Interessant, dass der erste Platz von einer Finanzinstitution eingenommen wird, trotz DER KRISE. Mal sehen, wo Petrobrás landet, wenn die pré-sal - Vorkommen angegangen werden! Tiefbohren kann man ja bei Petrobrás, denn gemeinsam mit BP hat man gerade ein riesiges Ölvorkommen im Golf von Petrobrás in einer Tiefe von 10.685 Metern gefunden! Der Petrobrás-Anteil an diesem Tiber 1 genannten Projekt beträgt 20 %.

02 September 2009

Aktienmarktkapitalisierung in den BRIC-Staaten

Mit diesem schönen langen Wort wird das Produkt aus Menge der gehandelten Aktien und ihrem Wert verstanden. Und wenn man das Ergebnis dieser Rechenoperation als Kriterium für eine Rangreihenfolge nimmt, hat Brasilien gerade Indien vom Thron gestossen. Das sind die Werte am 28.8.09:
  1. Brasilien 477,90 Mrd. US$
  2. Indien 457,12 Mrd. US$
  3. China 330,57 Mrd. US$
  4. Russland 216,81 Mrd US$
Jetzt wissen Sie, wo Sie investieren müssen (bzw. investiert gehabt haben sollten - nachher ist man immer schlauer)!

Deutsch-brasilianische Zusammenarbeit

Pressestimmen zu den Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstagen in Vitória, die gerade stattfanden:

Guttenberg: "Mehr Handel mit Brasilien"


31 August 2009

Infrastruktur Brasilien baut auf Privatwirtschaft

Odebrecht, ein Gigant der brasilianischen Bauwirtschaft, hat diese "Nische" längst verlassen und widmen sich u.a. dem Petrochemiesektor. Und widmen heißt hier, dass die Firma investiert und zwar richtig, keine peanuts. Das neueste Vorhaben ist der Kauf der EMBRAPORT - Empresa Brasileira de Terminais Portuários von der privaten Coimex-Gruppe. Um dieses Hafenprojekt übernehmen zu können, hatte sich die OII - Odebrecht Investimentos em Infraestrutura mit der DP World zusammengetan. Diese hat sicher die nötigen Geldmittel, handelt es sich doch um einen Hafenbetreiber aus Dubai, der zusammen mit der OII 51,5 % des Projektes übernimmt. 33,3 % gehen an den Fundo de Investimento FI-FGTS der Caixa Econômica Federal, 15,2 % bleiben bei Coimex.

Das Unterfangen sieht eine Investition von 500 Mio. US$ vor, an seinem Ende wird eine neue Hafenanlage neben dem Hafen von Santos entstanden sein, die 2012 in Betrieb genommen werden soll. Die Bauarbeiten sollen noch in diesem Halbjahr beginnen und werden mit 350 Mio. US$ Eigenmitteln bezahlt, der Rest ist mit Hilfe der BID und der BNDES finanziert.

Odebrecht sieht diese Investition als strategisch an, man geht von einem starken Wachstum im Hafenbereich aus. Das neue Terminal wird eine Kapazität von 1,5 Mio. TEU haben, 1 TEU entspricht dem Fassungsvermögen eines 20 Fuß - Containers. Bis zu 2 Mrd. Liter Etanol können jährlich umgeschlagen werden, was der ETH Bioenergie, die zu Odebrecht gehört, zugute kommen wird. Diese Firma befasst sich mit Zucker, Ethanol und Energieerzeugung. Letzte Woche weihte sie ihre erste Produktionseinheit ein, die in Goiás 3 Mio. to Zuckerrohr verarbeiten kann. Im September werden zwei weitere Fabriken, in São Paulo und Mato Grosso do Sul, die Arbeit aufnehmen. Die drei Einheiten zusammen haben 1,5 Mrd. R$ gekostet. ETH hat bereits zwei weitere Einheiten, die schon produzieren. Das neue Terminal wird aber auch von der Braskem benutzt werden. Diese Petrochemiefirma gehört auch zur Odebrechtgruppe und ist Aktionär bei Sansuy, Brasiliens größtem Plastikplanenhersteller, Konkurrent der deutschen Mehler.

29 August 2009

IT- Bereich wuchs 2008 um 8,2 % in Brasilien

Seit dem das unsinnige Informatikgesetz das Wachstum nicht mehr behindert, ist der Informationstechnologiesektor nicht mehr zu bremsen. Seit 2002 geht es unaufhaltsam bergauf, von damals knapp 8 Mrd. US$ auf letztes Jahr 25,36 Mrd. US$ Nettoumsatz. Dieser teilt sich unter Berücksichtigung der Daten der 219 größten Branchenfirmen so auf:
  • 52 % Dienstleistung
  • 37 % Hardware
  • 11 % Software
Die Großen waren letztes Jahr (Nettoumsatz in Mrd. US$):
  • HP (2,740)
  • IBM (2,370)
  • Positivo (1,060)
  • Samsung (1,045)
  • Cisco (0,748)
  • Accenture (0,742)
  • Xerox (0,730)
  • LG (0,722)
  • Dell (0,629)
  • Microsoft (0,570)
Quelle: Jahrbuch "Anuário Informática Hoje 2009"

Aus dem Baumwoll- wird ein Pharmakrieg

Seit 7 Jahren ärgert sich Brasilien über die Subventionen, die die USA ihrer Baumwolle angedeihen lassen. Am Montag wird die Welthandelsorganisation Sanktionen gegen die USA zulassen, die trotz eines früheren Verbotes der Subventionen aufgrund einer Beschwerde Brasiliens munter weiter fördern. Brasiliens geplante Gegenmaßnahme erregt die Pharmaindustrie, denn man will bewußt Pharmapatente US-amerikanischer Firmen verletzen und Arzneimittel im Lande produzieren, die bisher importiert werden müssen. Das trifft die USA härter als etwaige Schutzzölle.

28 August 2009

Nur noch vier Wochen bis zur NRW-Delegationsreise nach Brasilien!


Bitte Bilder anklicken, um das Veranstaltungsprogramm der Reise, die Brasilien, Argentinien, Chile sowie Mexiko zum Ziel hat, ohne Brille lesen zu können.

Wenn Sie - was ich sehr empfehle - an dieser Reise noch teilnehmen wollen, sollten Sie mit Herrn Slomke von der IHK Essen Kontakt aufnehmen. Ich bin auch dabei, allerdings nur während des Aufenthaltes der Teilnehmer in Brasilien.

22 August 2009

WEG expandiert

Dem steilen Erfolgskurs eines der größten Elektromotorenherstellers der Welt hatte ich schon ein Kapitel in meinem Buch WIRTSCHAFTSBOOM AM ZUCKERHUT gewidmet. Heute gibt es wieder einen erfreulichen Anlaß, über die von deutschen Auswanderern gegründete Firma WEG zu schreiben, die in Kürze zwei Vakuumimprägnieranlagen mit je 5.000 mm Arbeitstankdurchmesser der deutschen AMS in Betrieb nehmen wird. WEG wird nämlich 2011 eine neue Fabrik im Bundesstaat Espírito Santo in Betrieb nehmen. Die Elektromotorenfabrik, die in Linhares gebaut werden soll, wird innerhalb von vier bis sechs Jahren 186 Mio. R$ kosten. Diese Fabrik wird die zehnte Einheit der Firma in Brasilien sein. Im Ausland hat die Firma Fabriken in Argentinien, Mexiko, Portugal und China. 2010 wird eine Fabrik in Indien eröffnet werden. 2008 betrug der Umsatz 4,5 Mrd. R$.

Brasilianische Flugzeugpassagiere profitieren von fallenden Preisen

Und honorieren die in den letzten 10 Jahre um 23 % gefallende Preise mit einem erhöhten Passagieraufkommen. 1998 gab es im Binnenflugverkehr "nur" 16,5 Millionen Flugpassagiere, aber 2008 bereits 50 Millionen! Und im internationalen Bereich stieg die Zahl von 7,9 auf 13,8 Millionen. Und das, obwohl es nur zwei grosse Fluglinien in Brasilien gibt, nämlich TAM und GOL. Seitdem die VARIG ausgeschieden ist, herrscht auch echter Wettbwerb, der Markt ist nicht mehr zum Nutzen einer einzigen (erfolglosen) Gesellschaft geschützt und die Richtigkeit des Sprichwortes "Wettbewerb belebt das Geschäft" sieht man daran, dass der Durchschnittswert der Flugstunden pro Maschine um 87 % anstieg und die Passagierkilometer sogar um 479 %. Das bedeutet ein Umsatzwachstum von 371 % von 1998 auf 2008.

TAM, GOL und die von ihr gekaufte VARIG besetzen 80 % des Marktes für brasilianische Inlandsflüge. VARIG, der frühere Monopolist, hatte durch diese privilegierte Position die Wettbewerbsfähigkeit komplett verloren und ist heute bedeutunglos.

Die Marktentwicklung in Brasilien hat eine glänzende Zukunft, denn wenn man heute die Anzahl der Flugpassagiere pro Jahr durch die Anzahl aller Brasilianer dividiert, kommt man auf 0,25 - in den USA betrug dieses Verhältnis in den fünfziger Jahren 0,22. Deshalb glauben Experten an eine Verdreifachung des Passagieraufkommens in den nächsten 15 Jahren. Das Wachstumspotential wird mit 9 % jährlich bis 2025 angenommen, das wären 2,5 mal mehr als das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im selben Zeitraum, welches auf 3,5 % jährlich geschätzt wird. Trotzdem gibt es deutsche Flughafenausrüster, die z.B. Kommunikationssysteme für Flughäfen bauen, die immer noch nicht aufgewacht sind und ihre Chancen verschlafen. Solchen Firmen biete ich übrigens über meine EUROLATINA eine besondere Dienstleistung an: Permanente Marktbeobachtung mit vierteljähriger Berichterstattung und "Sondermeldungen", wenn sich Aussergewöhnliches tut.

Es geht weiter!

Sie haben gemerkt, dass ich in letzter Zeit wenig zum Schreiben kam. Das lag an mehreren Familienfesten, die so unterschiedliche Gruende wie Einschulung, Promotion, Hochzeit und 85. Geburtstag hatten, ausserdem benutzte ich die Gelegenheit, die Fahne meiner Geburtsstadt am Nordseestrand hochzuhalten. Aber ab sofort koennen Sie wieder mit regelmaessigen Beitraegen von mir rechnen!

Eine brasilianische Erfolgsgeschichte und andere gute Nachrichten


Wie man mit brasilianischen Badehosen reich wird

10 August 2009

Schlagzeilen über Brasilien

Wieso die Krise Brasilien weniger schwächt
Der BRIC-Cocktail: Vier Zutaten reichen aus
Automobilindustrie steht vor immenser Wachstumsphase

27 Juli 2009

Brasilianische Börse im Aufwärtstrend

Der BOVESPA-Index stieg heute um 0,17 % und schloß mit 54.548,99 Punkten; ein Wert, der seit dem 1.9.2008 nicht mehr erreicht worden war. Damit steht die Börse da, wo sie vor der Krise, die durch den Zusammenbruch der Lehman Brothers am 15.9.08 eingeläutet wurde, war. Im Juli stieg der Index damit um 6 %, im Jahr sogar um 45,3 %. Dafür fiel der US$ weiter, der kommerzielle Kurs nahm heute um 1,11 % ab und betrug nur 1,876 R$.

26 Juli 2009

Brasilien braucht Abfälle

Und das so nötig, dass das Land seit Januar 2008 mehr als 223.000 to davon importiert und dafür 257,9 Mio. US$ ausgegeben hat. Nach Meinung von Fachleuten hätte Brasilien in dieser Zeit 12 Mrd. US$ verdienen können, wenn man den Abfall selektiv eingesammelt und wieder aufbereitet hätte. Das geschieht aber nur mit 22 % der Abfälle und deshalb dieser befremdend anmutende Müllhunger.

Ein Beispiel dafür ist die Textilindustrie, die Kunstfasern braucht. Mehr als 40 % der wiederaufbereiteten PET-Flaschen werden in Textilen verwandelt, aber da wir 50 % dieser Flaschen eher in unseren Flüssen schwimmend wiedersehen, als in einem dafür bestimmten Müllbehälter, importierten wir im vergangenen Jahr 14.000 to gebrauchte PET-Flaschen und anderes Plastikmaterial. Hier die Zahlen für das 1. HJ 2009:

Abfallart, Import 2009 per Juni (kg)
  • Aluminium 21.865.738
  • Kupfer 39.555
  • Plastik 3.919.798
  • Papier 4.311.709
  • Holz 17.294.462
  • Batterien und Elektromaterial 5.881
  • Gummi 183.698
  • Asche 30.750
  • Glas 49.350
Diese Importe nutzen skrupellose "Müllhändler" dazu, unter diese Exporte nach Brasilien toxische Abfälle zu mischen, um diese auf diesem Wege still und heimlich zu entsorgen. Ursprungsländer sind z.B. Italien, Spanien und die USA.

Die Exportschwerpunkte Brasiliens verschieben sich

Die Industrie verlor im ersten Halbjahr 2009 gegenüber dem Vorjahresvergleichsraum Terrain, während Vale auf den ersten Platz der Exporteursliste rutsche:

Exporteur, Export 1. HJ 2009 in Mrd. US$ (%uale Änderung gegenüber 1. HJ 2008):
  1. VALE 5,467 (+ 7,7)
  2. PETROBRÁS 3,823 (- 55,5)
  3. BUNGE ALIMENTOS 2,534 (+ 10,9)
  4. EMBRAER 2,023 (- 25,8)
  5. ADM 1,751 (+ 27,2)
  6. CARGILL 1,393 (+ 16,4)
  7. SADIA 0,872 (- 21,4)
  8. LOUIS DREYFUS 0,862 (- 16,4)
  9. VOLKSWAGEN 0,742 (- 22,7)
  10. BRASKEN 0,736 (+ 24,4)
  11. AMAGGI 0,694 (+ 68,7)
  12. ARCELORMITTAL 656 (+ 91,7)
  13. SAMARCO 0,598 (- 27,1)
  14. BERTIN 0,546 (- 2,5)
  15. MERCEDES-BENZ 0,538 (- 37,3)
  16. PERDIGÃO 0,534 (0)
  17. ALUNORTE 0,485 (- 14,4)
  18. SEARA 0,455 (- 16,1)
  19. ARACRUZ 0,448 (- 18,7)
  20. SUZANO 0,440 (- 21,5)
Vale wurde durch zwei Dinge begünstigt, zum einen war es der wieder erstarkende Eisenerzbedarf Chinas und zum anderen die langsamen Verhandlungen über die Lieferverträge. Denn während dieser Verhandlungen, die sich sehr in die Länge zogen, stiegen die Preise wieder an. Dadurch konnten Verträge mit 28 % niedrigeren Preisen anstelle der erwarteten - 40 % abgeschlossen werden. Petrobrás hatte dieses Glück nicht, ihre Exportgüter mußten sinkende Preise und weniger Nachfrage im Ausland verkraften. Das reichte, um die Firma vom ersten Listenplatz zu verdrängen, den sie seit 2001 einnahm.

Industriemultis wie Embraer, VW und Mercedes blieben unter der ersten 20 Exporteuren, aber mußten erhebliche Rückgänge ihres Exportes hinnehmen. Wichtig ist die Tatsache, dass nur noch drei metallverarbeitende Industrieunternehmen auf der Liste stehen, im ersten Halbjahr 2008 waren es noch sieben gewesen. Das bestärkt die Rollenverteilung unter den BRIC-Ländern, die Brasilien als Rohstofflieferanten der Welt sieht.

Ford, vorher auf Platz 19, und GM, vorher auf Platz 13, sind aus obiger Liste verschwunden und liegen irgendwo zwischen Platz 30 und 40, weil die Nachfrage nach Autos in ihren den Hauptexportmärkten extrem zurückgegangen ist:
  • - 80 % Venezuela
  • - 50 % Chile
  • - 34 % Argentinien
  • - 30 % Mexiko
Aber es wird immer wieder Morgen, also warten wir's ab!

25 Juli 2009

Neues Atomkraftwerk in Brasilien

Die brasilianische Regierung ist zwar links, aber läßt sich trotzdem nicht von deutschen "Genossen" beeinflussen, denn sie hat den Weg für Angra III freigemacht. Im September sollen die Bauarbeiten begonnen und im Dezember 2014 beendet werden. Dann kann das neueste Atomkraftwerk, welches so neu nicht ist, weil die aus Deutschland stammenden Komponenten seit vielen Jahren eingemottet sind, 1.350 MW generieren. Angra II schafft genau so viel, während Angra I nur auf 650 MW kommt. Alle drei Atomkraftwerke basieren auf einem Abkommen mit Deutschland von 1975, als die Atomkraft den deutschen Umweltaktivisten noch kein Dorn im Auge war.

Angra I und II im Bundesstaat Rio de Janeiro


23 Juli 2009

Leitzins wieder gesenkt

Gestern wurde der brasilianische Leitzins das fünfte Mal in ununterbrochener Folge gesenkt, diesmal um 0,5 Prozentpunkte. Damit ist er bei 8,75 % pro Jahr angekommen, wo er wohl bis 2010 stehen bleiben wird, obwohl Industrie und Handel auf weitere Zinssenkungen drängen. Aber um diese Realität werden zu lassen, muss den Verantwortlichen erst die Inflationsangst genommen werden. Und die sitzt tief in Brasilien, wo die die Inflation zu Zeiten, als Sarney der erste nicht militärische Präsident des Landes nach der Diktatur war, schon knapp über 80 % im Monat gelegen hat.

22 Juli 2009

Der Wechselkurs € - R$ stabilisiert sich auf Werte vor DER KRISE

Brasilien bald fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt?

Das glaubt unser Präsident und viele Industrielle Brasiliens sind seiner Meinung und arbeiten hart, um dieses Ziel zu erreichen. Laut Weltbank steht Brasilien heute auf dem achten Platz der Weltrangliste, wenn man das BIP von 2008 zum Maßstab nimmt. Der fünfte Platz wird heute von Frankreich eingenommen. Davor stehen USA, Japan, China und Deutschland.

Der Zucker versüßt Brasiliens Handelsbilanz

Denn im Gegensatz zu den meisten anderen commodities stieg sein Wert im ersten Halbjahr 2009 und trug dadurch mit 22 % zum Handelsbilanzüberschuß per Ende Juni bei. Der Zuckerexport wuchs im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 wertmäßig um 53 % und erreichte 3,18 Mrd. US$. Wenn man Ethanol und Zucker zusammenzählt, kommt man auf 27 % des Handelsbilanzüberschusses. Der Alkoholexport ist allerdings im betrachtenen Zeitraum von 1,97 Mrd. Liter per Ende Juni 2008 auf 1,45 Mrd. Liter im ersten Habjahr 2009 gefallen. Rußland war der größte Zuckerabnehmer mit 1,7 Mio. to, gefolgt von Indien mit 1,6 Mio. to, Bangladesh mit 600.000 to, sowie Vereinigte Arabische Emirate und Nigeria mit je 500.000 to. Hauptgrund für den Erfolg Brasiliens war der Produktionsrückgang Indiens von 27 Mio auf 14,5 Mio. to, das Land war auf einmal zum Import gezwungen. Deshalb wird Brasilien 42 % der aktuellen Zuckerrohrernte 2009/2010 der Produktion von Zucker widmen. Cosan, der größte Zucker- und Alkoholproduzent der Welt, wird sogar 55 % von 56 Mio. to Zuckerrohr (vorige Ernte: 44 Mio. to) zu Zucker verarbeiten.

Rekordabwertung des Dollars zum Real

Die jährliche akkumulierte Kursveränderung des Dollars zum Real hat mit - 18,52 % am 21. Juli 2009 einen neuen Rekordwert, was die Abwertung angeht, erreicht! Wer in die Zukunft schauen kann, hat hier die besten Möglichkeiten, Geld ohne Mühe zu verdienen. Da aber niemand in die Zukunft sehen kann, wird die Mühe durch Angst ersetzt, denn man sich ja auch irren! Hier sehen Sie den Kursverlauf US$ zum Real der letzten fünf Jahre:

São Paulo unter den ersten 10 Modestädten der Welt

2008 lag die Stadt noch auf dem 33. Platz, aber laut GLM - Global Language Monitor hat sie jetzt einen großen Sprung gemacht und ist auf Platz 8 gelandet:
  1. Milan
  2. New York
  3. Paris
  4. Rom
  5. London
  6. Los Angeles
  7. Hong Kong
  8. São Paulo
  9. Sidney
  10. Las Vegas
  11. Dubai
  12. Tokyo
  13. Miami
Wobei ich als gebürtiger Berliner schon etwas beleidigt bin, meine Heimatstadt in dieser Liste nicht zu finden!

Petrobrás löst Boom im Schiffsbau aus

Insgesamt wird mit Investitionen nur bis 2010 von 17 Mrd. US$ gerechnet, bis 2014 können es sogar 40 Mrd. US$ werden. Die Einzelprojekte liegen zwischen 100 Mio. US$ und 1 Mrd. US$. Noch sind die Ausschreibungen dazu nicht entschieden, aber schon heute liegt Brasilien beim Auftragsbestand auf dem 5. Platz der Weltrangliste mit bis zu 17 neuen Werften. Damit ist die lange Durststrecke von 20 Jahren endlich überwunden und die virtuellen Werften werden reale. Vor einigen Jahren wollte ein deutscher Unternehmer in den hiesigen Schiffsbau investieren und blitzte ab, man war an seinem Geld nicht interessiert, weil man nicht die Absicht hatte, Schiffe zu bauen, sondern - wie der Unternehmer verärgert verkündete - nur an billige Staatskredite heranwollte, ohne die Absicht zu haben, diese jemals zurückzuzahlen. Diese Zeiten sind vorbei, was durch die Worte des Präsidenten von Transpetro, Sérgio Machado, bekräftigt wird, der 26 neue Tanker bauen lassen will. 18 werden bereits verhandelt, 8 werden innerhalb der nächsten 60 Tage ausgeschrieben. Außerdem werden zum ersten Mal in Brasilien Bohrsonden gebaut, insgesamt 28, die in der Tiefsee eingesetzt werden sollen. Dazu kommen 146 Schiffe, die Hilfsaufgaben übernehmen, 24 werden gerade in Auftrag gegeben.

Brasilien verliert die Führung

und das ist gut so! Denn wir sind nicht mehr das Land mit den höchsten Realzinsen der Welt, die eigentlich schon irreal waren. Nachdem unsere Zentralbank sich dazu durchgerungen hat, den Leitzins zu senken und heute eine weitere Reduzierung um mindestens 0,5 Prozentpunkte erwartet wird, kämen wir auf diese Rangreihenfolge, bei der die Ersten wie in der Bibel die Letzten sein werden:
  • 7,1 % China
  • 5,6 % Ungarn
  • 5,5 % Thailand
  • 4,9 % Argentinien
  • 4,4 % Brasilien
  • 3,3 % Taiwan
  • 3,1 % Philippinen
  • 3,0 % Indonesien
  • 2,6 % Portugal
  • 2,4 % Türkei
  • 2,1 % Belgien
Quelle: Jason Vieira von UP Trend

21 Juli 2009

Schlagzeilen aus Brasilien

Brasilien: Trauriger Rekord bei toten Fußball-Fans

Boots kippt Brasilien-Deal

Recyclinganlage in Brasilien vor der Fertigstellung

USA und Brasilien sind die größten SPAM-Schleudern

Der raketenhafte Aufstieg der Schwellenländer

19 Juli 2009

1.739 Besucher der EUROLATINA - Homepage aus 43 Ländern vom 22.2.09 - 6.7.09



Germany (DE) 855
Brazil (BR) 486
Switzerland (CH) 106
Austria (AT) 88
United States (US) 61
Ireland (IE) 28
France (FR) 15
Venezuela (VE) 12
Portugal (PT) 10
Europe (EU) 7
United Kingdom (GB) 7
Italy (IT) 7
Argentina (AR) 6
Spain (ES) 5
Colombia (CO) 5
Australia (AU) 3
China (CN) 3
Netherlands (NL) 3
Turkey (TR) 3
Luxembourg (LU) 2
Belgium (BE) 2
South Africa (ZA) 2
Canada (CA) 2
Vietnam (VN) 2
Dominican Republic (DO) 1
Czech Republic (CZ) 1
Malaysia (MY) 1
India (IN) 1
Russian Federation (RU) 1
Sweden (SE) 1
Uruguay (UY) 1
Slovakia (SK) 1
Mexico (MX) 1
Liechtenstein (LI) 1
Puerto Rico (PR) 1
Croatia (HR) 1
Ecuador (EC) 1
Romania (RO) 1
Bolivia (BO) 1
Greece (GR) 1
Thailand (TH) 1
Algeria (DZ) 1
Pakistan (PK) 1

Drei Wochen war der Frosch so krank, jetzt raucht er wieder, Gott sei Dank!

Das sagte Wilhelm Busch und würde heute damit voll daneben liegen, was die politische Korrektheit angeht. Bei der Petrobrás hat es nicht drei Wochen, sondern volle fünf Monate gedauert, bis sie einen finanziellen Engpaß überwunden und wieder angefangen hat, im großen Stil zu investieren. Und Sie können GROSSEN STIL sagen, denn bis 2013 hat der halbstaatliche Erdöl- und Erdgasförderer vor, 174,4 Mrd. US$ für Investitionen auszugeben!!! Da will natürlich jeder mitmischen bzw. liefern und das geht zur Zeit nur, wenn man zu Opfern bereits ist, d.h. dem Einkäufer von Petrobrás riesige Preisnachlässe gewährt. Marcelo Veneroso, der Chef der brasilianischen Niederlassung von Neuman & Esser, dem deutschen Kompressorhersteller mit lokaler Fabrikation in Belo Horizonte seit 1997, der 1985 in São Paulo anfing, kennt diese Probleme. Ausgelöst wurden sie nicht nur durch die krisenbedingte weltweite Kreditknappheit, sondern auch durch den Preisverfall des Rohöls, der einen globalen Investitionsstopp bei den Erdölfördergesellschaften bewirkte. Trotzdem will Veneroso im August um einen Großauftrag der Petrobrás über 13 Kompressoren, die bis zu 180 Mio. R$ kosten können, kämpfen. Seine Gegenspieler kommen aus den USA und der EU, haben aber Fabriken in China und Indien, also geht es letztendlich um einen Wettstreit unter den BRIC-Staaten ohne Russland. Wie stark die Preise für Maschinen und Ausrüstungen zurückgegangen sind, zeigt diese Aufstellung (Rückgang des kg-Preises in % für importierte Güter Mai 2009 gegenüber Juli 2008):
  • - 14 %: Industrielle Ventile
  • - 33 %: Bewässerungselemente
  • - 41 %: Holzbearbeitungsmaschinen
  • - 37 %: Lastbewegungsmaschinen
  • - 32 %: Lackieranlagen
  • - 26 %: Textilmaschinen
  • - 23 %: Maschinen für die Lebensmittelindustrie
  • - 15 %: Maschinen und Ausrüstung für die Kunststoffindustrie
Wer vorher schon keine Luft mehr hatte, ist jetzt sicher ein Lieferant mit akuter Atemnot. Die kann eventuell beseitigt werden, wenn man sich mit brasilianischen Maschinenherstellern zusammentut. Denn diese leiden unter den Preisnachlässen der Exporteure und verkaufen noch weniger als früher. Im September 2008 vor dem Ausbruch DER KRISE betrug der Importanteil am Einkaufsvolumen für Maschinen der brasilianischen Industrie "nur" 39,4 %, im Mai 2009 waren es aber schon 51,4 %! Per Mai 2009 ist der Umsatz der lokalen Kapitalgüterindustrie um 19,7 % zurückgegangen.

Ein Beispiel von vielen: Der Industrieventilehersteller RTS hat einen Petrobrásauftrag im vergangenen Monat an die Konkurrenz aus Indien verloren, die 50 % billiger angeboten hatte. RTS musste 20 % der Mitarbeiter entlassen und arbeitet jetzt nur noch im Einschichtbetrieb.

Wir, d.h. meine Firma Eurolatina, haben diese Entwicklung zum Anlass genommen, unsere Kunden in Deutschland mit ihrer hiesigen Konkurrenz zusammenzubringen und dieser zu empfehlen, die eigenen Produkte aufzugeben und dafür deutsche als CKD- oder SKD-Bausätze zu beziehen und in Brasilien zu montieren.

17 Juli 2009

Hochgeschwindigkeitszug Rio - São Paulo bestätigt Erfahrung

Nämlich die, dass jeder Kostenvoranschlag für ein Regierungsgrossprojekt immer viel zu niedrig ausfällt. In diesem Fall sind im PAC, dem berühmten Wachstumsbeschleunigunsprogramm unserer Regierung, 11 Mrd. US$ vorgesehen, das sind 21,23 Mrd. R$. Kosten soll das Projekt jetzt aber 34,6 Mrd. R$, "nur" 63 % mehr. Aber in Zeiten, in denen Firmen wie GM das Handtuch werfen müssen, darf man sich nicht über mangelnden Sachverstand in einer Regierung auslassen, wenn diese als Notretter für Firmen einspringen müssen, deren Führung offensichtlich noch weniger Sachverstand aufweist. Noch dieses Jahr sollen die nötigen Gewerke ausgeschrieben werden, die Inbetriebnahme ist für 2014 (Fußballweltmeisterschaft) vorgesehen. Und dann haben wir endlich unseren eigenen Shinkansen! Und brauchen nicht mehr eine Stunde vor Abflug am Flughafen zu erscheinen und dann unnützt zu warten.

Der Hochgeschwindigkeitszug soll bereits im ersten Jahr 6,4 Mio. Passagiere zwischen São Paulo und Rio de Janeiro befördern; heute wählen jährlich 3,9 Mio. Passagiere das Flugzeug, 960.000 das Auto und 865.000 den Omnibus. Die Expressreise ohne Zwischenstopp von Campo de Marte in São Paulo nach Barão de Mauá in Rio wird 1 Stunde und 33 Minuten dauern, also fast doppelt so lange wie der Flug. Wenn man die Wartezeit am Flughafen einkalkuliert, ist die Zugfahrt allerdings eindeutig schneller. Es wird aber auch einen langsamere Verbindung von Campinas nach Rio geben, die Haltestellen an den Flughäfen Viracopos und Guarulhos vorsieht, und über Volta Redonda und Barra Mansa im Flughafen Galeão endet. Eine dritte kurze Linie ist die von Campinas nach São José dos Campos über São Paulo und den Flughafen Guarulhos.

Bei Inbetriebnahme sollen bereits 42 Züge eingesetzt werden. Der Expresszug soll in jeder Richtung alle 20 Minuten fahren.

Im Zuge der Bauarbeiten muss ein Tunnel von mindestens 16 km Länge gebaut werden, der bis zu 25 km lang sein kann, wenn die gewählte Streckenführung dies erfordert. Alleine der Tunnelbau wird bis zu 33 Mrd. R$ kosten. Eine gute Chance für deutsche Technologie, die mit einer Tunnelvortriebsmaschine (die demnächst "pensioniert" werden soll) hier schon gut vertreten ist.

14 Juli 2009

Brasilien exportiert Kraftstoffalkohol nach Japan

COSAN hat es geschafft, der erste Exportvertrag mit Japan ist unter Dach und Fach. Er sieht mehr als 80 Mio. Liter jaehrliches Exportvolumen vor. Der Partner in Japan ist Mistubishi, vielen nur als Autofabrikant bekannt.

COSAN ist die weltgroesste Zucker-Alkohol-Gruppe mit einer Produktionskapazitaet von 2,3 Mrd. Litern im Jahr. Im Erntejahr 2008/2009 (bei uns ist die heisseste Zeit waehrend des Jahreswechsels) wurden 456,4 Mio. Liter Alkohol in die USA, die EU und nach Asien verkauft. In Asien wurde der Alkohol bisher fast ausschliesslich industriell benutzt, nicht als Treibstoff fuer Fahrzeuge. Japan speziell erwartet sich eine Reduzierung des Kohlendioxidausstosses von der neuen Anwendung.

Brasilianer investieren in der Krise - aber im Ausland!

Die André Maggi - Gruppe, die nichts mit der gleichnamigen Wuerze zu tun hat, uebernahm gerade 51 % der norwegischen Denofa S/A, nachdem man 2008 bereits ein Buero in Rotterdamm eroeffnet hatte. Denofa ist ein Sojaverarbeiter mit einer Kapaziaet von 430.000 Jahrestonnen. 49 % gehoeren der Norgrain. Maggi will mit dem Firmenerwerb die Praesenz im Markt von nicht gentechnisch veraenderten Sojaprodukten erhoehen und in Europa kundennah taetig werden.

São Paulo weniger gefaehrlich


Gute Nachrichten fuer die Einwohner des Bundesstaates São Paulo und fuer leicht verschreckbare Besucher ebenso, die Mordrate geht staendig zurueck. Die linke Graphik zeigt die Anzahl der Waffenkontrollen, die staendig ansteigt, die mittlere die Anzahl der dabei beschlagnahmten Waffen. Der erwartete Effekt trat tatsaechlich ein, wie die rechte Graphik verdeutlicht, die Anzahl der Morde pro 100.000 Einwohner ging stark zurueck. Wir sind zwar immer noch nicht auf europaeischem Niveau gelandet, aber immerhin entfernen wir uns von Suedafrika oder Kolumbien. Allerdings stieg die Zahl der Morde pro 100.000 Einwohner 2009 wieder etwas und liegt per erstem Vierteljahr bei 11, was mit der Wirtschaftskrise begruendet wird. Einige Staedte haben uebrigens mit einer radikalen Massnahme grossen Erfolg bei der Bekaempfung von Kapitalverbrechen erzielt, in dem sie Jugendlichen eine abendliche Ausgangssperre verordneten und Bars und Kneipen zwangen, vor Mitternacht zu schliessen. Was nicht fuer unsere Jugend spricht und noch viel weniger fuer die Eltern und Lehrer. Es werden schon Befuerchtungen geaeussert, dass zwischen 2015 und 2025, wenn eine ueberproportional grosse Bevoelkerungsgruppe das kritische Alter von 15 bis 24 Jahren erreicht, die Verbrechenszahl wieder steigen wird. Verwunderlich, dass man trotzdem unbeirrt an der Strafmuendigkeit mit 18 Jahren festhaelt. Der Brasilianer glaubt eben doch an das Gute im Menschen. Das macht ihn sympathisch, aber weist auch ein wenig auf Weltfremdheit hin.

13 Juli 2009

Vor der Präsidentenwahl 2010 läuft nichts mehr in Brasilien?

Das wurde mir heute jedenfalls als Hinweis, nicht als Frage, aus Deutschland gesagt. Hier wird das anders gesehen und zwar nicht aufgrund "verläßlicher Informationen", sondern aufgrund von Zahlen. Und die sagen, dass die ausländischen Multis in Brasilien ihr Investitionsprogramm wieder voll aufgenommen haben. Per Mai 2009 sind bereits 11,2 Mrd. US$ in das Land geflossen, der zweithöchste Wert des Jahrzehnts. Und dieses Geld wurde nicht an der Börse angelegt, sondern in die Aktivitäten unseres Handels, des Dienstleistungssektors, der Landwirtschaft und der Industrie gesteckt. Weitere Informationen finden Sie bei der Sociedade Brasileira de Estudos de Empresas Transnacionais e da Globalozação Econômica - SOBEET, deren Präsident Luís Afonso Lima die in der Überschrift gestellte Frage vehement verneint. Aber leider auch darauf hinweisen muss, dass die 11,2 Mrd. US$ immer noch 19,7 % unter dem Vorjahresvergleichswert liegen. Das liegt aber daran, dass die lokalen Niederlassungen ihren Mütter am Jahresanfang "Unterstützungsgelder" in Form von Gewinntransfer schickten, der niedriger ausgefallen gewesen wäre, wenn diese Mütter nicht dringend Geld gebraucht hätten. Und wer lässt schon seine Mutter hängen, vor allem, wenn diese nicht bittet, sondern anordnet. SOBEET wird übrigens von Firmen wie Siemens, ThyssenKrupp und Basf unterhalten, der Präsident des Beirates ist der pensionierte Siemens - Chef in Brasilien, Hermann Wever.

Also zurück zur Überschrift. Bei den ausländischen Multis läuft alles beinahe wie gehabt, bei den brasilianischen noch nicht, die investieren tatsächlich noch zurückhaltend.