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04 Oktober 2015

Ist Export der Ausweg aus Brasiliens verfahrener Situation?

Schön wäre es! Aber Brasiliens Anteil am Weltaußenhandel liegt unter einem Prozent, da muss schon viel geschehen, um eine sichtbare Wirkung zu erzielen. Schuld haben mehrere Faktoren. Zunächst hat die brasilianische Regierung auf wirtschaftlich unbedeutende Länder Afrikas und Lateinamerikas gesetzt und aus ideologischen Gründen die USA und die EU links liegen gelassen. Was auch daran lag, dass man sich selbst mit der Mercosurmitgliedschaft ein enges Korsett geschnürt hat, aus dem man nicht herauskommt. Denn diese Zollunion verlangt, dass jedem bilateralen Handelsabkommen eines Mitgliedslandes alle anderen zustimmen müssen. Ein zweiter Grund ist die brasilianische Bürokratie. Wer Dienstleistungen oder Waren exportieren will, muss dicke Handbücher wälzen und Kurse besuchen, bis er einigermaßen weiß, was alles an Dokumenten papiermäßig und elektronisch ausgefüllt werden muss, um zu exportieren - ein langer, dornenreicher Weg, um an sein Geld zu kommen. Und dann war auch der R$ überbewertet und die brasilianischen Industrieprodukte sind - von Ausnahmen wie z.B. Flugzeugen abgesehen - nicht sehr begehrt, was dazu führte, dass der Exportmarkt keine Priorität hatte.

Das hat sich mit dem Nachfragerückgang im Binnenmarkt und dem für US$ - und € - Zahler auf einmal sehr billigen R$ etwas geändert. Aber die ergiebigen Exportmärkte Brasiliens müssen erst zurückerobert oder sogar erst erschlossen werden, was Zeit kostet. So, wie der Brasilianer beim Import lange braucht, um Vertrauen zum Exporteur zu gewinnen, denken auch die Importeure im Ausland. Und selbst wenn das Vertrauen aufgebaut ist - der Preisverfall bei den von Brasilien exportierten commodities bringt es mit sich, dass sich der Export für die Brasilianer kaum lohnt. Und bis man hier begehrenswerte Industrieprodukte auf breiter Basis herstellt, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Denn die Industrie hat sich oder wurde im großen Umfang abgeschafft und was übrig blieb, ist meist weder wettbewerbsfähig noch besonders innovativ. Und da schließe ich die hiesige Autoindustrie mit ein, die ihre Abschottung mit allen Mitteln verteidigt, angeblich sogar mit illegalen, wenn man den Zeitungsberichten über eine gekaufte Verlängerung der IPI-Reduzierung Glauben schenkt.

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