19 Oktober 2019

Warum Frankreichs Präsident und nicht nur er Angst vor Brasilien haben


Dieser Güterzug hat eine ganz besondere Ladung, nämlich 83 landwirtschaftliche Maschinen. Früher fühlten sich Länder bedroht, wenn solche Güterzüge Panzer beförderten. Heute hat man vor einem anderen Krieg Angst, dem Handelskrieg. Und hier handelt es sich um den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten. Brasiliens Agrarwirtschaft ist derart fortschrittlich und produktiv und verfügt über derart viel Land und über ein Klima, was mehrere Ernten im Jahr ermöglicht, dass die europäischen Bauern nicht mithalten können und sozusagen untergebuttert werden.

Aber betrachten wir die Kehrseite der Medaille! Viele landwirtschaftliche Maschinen in Brasilien sind importiert oder werden aus importierten und lokalen Komponenten im Lande montiert. Hier zeigt sich jetzt das Primat der Europäer und der US-Amerikaner - ich nenne stellvertretend Claas und John Deere - die Maschinen wie die im Film gezeigten herstellen. Und deshalb hat die brasilianische Industrie Angst vor der ausländischen und will keine Importe, weil man nicht wettbewerbsfähig ist.

Bolsonaro will die Importzölle drastisch reduzieren und das ist der richtige Weg. Nur der Wettbewerbsdruck kann dafür sorgen, dass die brasilianische Industrie in Modernisierung investiert. Und hier liegt vieles im Argen, wie eine Umfrage der FIESP von 2018 aufzeigte. Insgesamt wurden 227 Firmen befragt, 55% kleine, 30% mittlere und 15% große.

32% wussten mit dem Begriff Industrie 4.0 nichts anzufangen. Nur 5% meinten, sie seien für diese neue industrielle Revolution gut vorbereitet. 23% fühlten sich ganz und garnicht vorbereitet. Nur 41% praktizierten lean manufacturing. Die brasilianische Industrie hat noch nicht ausreichend erkannt, welche Vorteile Industrie 4.0 für die Produktion, die Qualitätssicherung und die integrierte Entwicklung neuer Produkte und Herstellungsprozesse bringt.

Eine der Gründe für dieses Hinterherhinken ist die Abneigung der brasilianischen Jugend, Berufe der Bereiche Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik zu ergreifen - die Abbrecherquote bei technologischen Studiengängen beträgt z.B. 69%!

Um dies zu verbessern, ist die Regierung genauso gefordert, wie die Schule, die Eltern und die Industrie selbst. Und natürlich Unternehmen in hoch industrialisierten Ländern, die mit einem Technologietransfer nach Brasilien Geld verdienen können.

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