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22 August 2016

Schwarzhören und -sehen kommt teuer zu stehen!

Und Schwarzarbeiten auch, jedenfalls in Deutschland, wo das Finanzamt (und manche Nachbarn) keinen Spaß verstehen. In Brasilien wird das lockerer gesehen, es gibt keine Rundfunk- und Fernsehgebühr, die freien Kanäle sind wirklich frei (und die meiste Zeit über wenig sehenswert). Und die anderen, die per Kabel oder Satellitensignal in's Haus kommen, werden wie in Deutschland bezahlt (wenn man kein Kabel anzapft oder ein Hacker ist).

Aber ich möchte eigentlich vom Schwarzarbeiten sprechen, welches in Brasilien nicht freiwillig neben der regulären Arbeit gemacht wird, um mal einen "schnellen €" zu verdienen, sonder weil der Schwarzarbeiter keine andere Option hat, wenn ihn niemand regulär einstellen will und er sich nicht selbständig machen kann. 

Solche "Schwarzarbeiter" findet man häufig, wenn man an einer Ampel hält und ein ambulanter Verkäufer seine Bonbons, Regenschirme, Selfiesticks, Telefonladekabel, Getränke oder geröstete Nüsse loswerden möchte. Auf 150 R$ Tagesverdienst kommen diese Verkäufer, also 3.000 R$ im Monat oder 800 €. Das reicht für das Notwendigste, aber eine Krankenversicherung kann davon nicht bezahlt werden und für das Alter vorzusorgen, geht damit auch nicht. Um so ärgerlicher ist es, wenn man sieht, wie Politiker, die vorgeben, für diese benachteiligten Menschen einzutreten, erst dafür sorgen, dass diese in eine solche oft auswegslose Situation geraten. 

Anfang dieses Jahres arbeiteten in ganz Brasilien 9,7 Mio. Menschen ohne die gesetzlichen Bedingungen eines Arbeitsverhältnisses zu genießen oder wir man hier sagt, sem carteira assinada, also ohne unterzeichnetes Arbeitsbuch, in dem der Arbeitgeber die Anstellung bestätigt und damit garantiert, dass z.B. Sozialversicherungsbeiträge abgeführt werden. Ende 2012 war es noch schlimmer, da waren es 11,2 Mio. Arbeitende, die nicht regulär beschäftigt waren. 

Im Estado de São Paulo, unserer besten Tageszeitung (meiner Meinung nach), fand ich heute diese Graphik dazu, die die Anzahl Menschen zeigen, die ohne carteira assinada arbeiten, aber immerhin arbeiten:

Denn wir dürfen bei dieser Betrachtung nicht vergessen, dass es auch noch das große Kontingent der Arbeitslosen gibt!

Die Einkommensverhältnisse insgesamt sind nicht berauschend. 10,3 Mio. Beschäftigte erhalten nur einen halben Mindestlohn, was ein monatliches Einkommen von 440 R$ bedeutet. Die 10,3 Mio. Menschen machen 10,9 % der wirtschaftlichen aktiven Bevölkerung aus, 2015 waren es 7,9 %. Aber es geht noch schlimmer, 5,5 Mio. Menschen erhalten nur 25% des Mindestlohnes, also weniger als 220 R$ monatlich. Im ersten Viertel des Vorjahres waren es "nur" 4,4 Mio. Personen, also eine eindeutige und große Verschlechterung der Verhältnisse.

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