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18 August 2016

Zur aktuellen Lage Brasiliens

gibt es Positives und Negatives zu berichten. Es ist hinreichend bekannt, dass die 13 Jahre PT-Regierung einhergehen mit einer in diesem Ausmaß vorher nie bekannten Korruption. Aber die Bundesstaatsanwaltschaft, zusammen mit der Bundespolizei und einigen Bundesrichtern, darunter hervorzuheben der mutige Sérgio Moro aus Curitiba, haben in einer ebenfalls beispiellosen Aktion mit der Bekämpfung dieser Korruption begonnen.

Das sind die Ergebnisse ihrer Arbeit per 15.7.2016 (Tabelle aus dem O ESTADO DE SÃO PAULO vom 18.8.2016):

Danach sind u.a. 106 Verurteilungen erfolgt, 37,6 Mrd. R$ zurückgefordert und 2,9 Mrd. R$ bereits erhalten worden.  Viel ist erreicht worden, aber vieles muss noch geschehen, um die Korruption an der Wurzel zu packen und ihre Auswirkungen zu reparieren. Eine Auswirkung, verstärkt durch die ideologisch beeinflusste Geschäftsführung der von Politikern und Unternehmern ausgeplünderten Petrobrás, dem größten Unternehmen Brasiliens, ist die stark gestiegene Arbeitslosigkeit:


Diese Graphik, ebenfalls aus dem O ESTADO DE SÃO PAULO vom 18.8.2016, zeigt die Arbeitslosenquote als gleitenden Dreimonatswert in % der arbeitsfähigen Bevölkerung. Dies ist aber ein Wert, der für ganz Brasilien gilt, in einigen Regionen liegt er wesentlich höher. Man denke nur daran, dass etliche Automobilhersteller zur Zeit stillstehen, u.a. VW und Mercedes, und weitere Entlassungen unvermeidbar sind. Im Baubereich sieht es nicht anders aus.

Gestern habe ich eine Engineeringfirma in Vespasiano besucht, die frühere Mannesmann Demag. Als ich dort 1990 den Engineeringbereich reorganisierte, hatte das Unternehmen 1.200 Mitarbeiter. Gestern fand ich das Bürogebäude fast verlassen vor, das Obergeschoss war komplett leergeräumt. Die Erklärung? Petrobrás vergibt kaum noch Aufträge, deshalb musste der Firmeneigentümer seine Belegschaft auf 400 Mitarbeiter reduzieren.

Anschließend war ich bei ArcelorMittal und diskutierte die Situation im Stahlsektor. Der kommerzielle Vizepräsident von Usiminas, Ascanio Merrighi de Figueiredo Silva, sieht eine kleine Steigerung der Stahlnachfrage im zweiten Halbjahr und fürchtet kein Wachsen des Stahlimportes. André Gerdau Johannpeter, Präsident von Gerdau, informierte letzte Woche, dass sich die Auslastung seiner Stahlwerkskapazität in Brasilien von 65% im ersten Vierteljahr auf jetzt 75% verbessert hat. Sein Absatz in Brasilien (ohne Spezialstähle) ist dieses Jahr um 7,7% auf 1,007 Mio. to zurückgegangen, steigerte sich aber um 12,4 % im Vergleich zum vorigen Vierteljahr. Benjamin Steinbruch, Präsident der CSN, erwartet mit der Bestätigung der Amtsenthebung der angeklagten Staatspräsidentin bessere Marktbedingungen.

Was sagt die Übergangsregierung, die hoffentlich bald mit der Verurteilung und endgültigen Amtsenthebung von Frau Rousseff fest im Sattel sitzt und den Makel des Provisorischen verliert? Sie sieht das BIP des nächsten Jahres nicht mehr um 1,2 sondern um 1,6% wachsen. Die Inflationserwartung ist bei 4,8% im Jahr, wesentlich weniger als heute, aber über dem Zielwert von 4,5%. Aber der Silberstreif am Horizont zeigt sich immer deutlicher!

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