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03 Juni 2010

Gute und schlechte Nachrichten über Brasilien

Die Schlechten zuerst:

Der primäre Haushaltsüberschuss der letzten Jahre wurde nicht durch Sparsamkeit erzielt, sondern durch Mehreinnahmen, d..h. die Steuerschraube wurde angezogen, denn während DER KRISE war die Geschäftstätigkeit von Handel, Industrie, Landwirtschaft und Dienstleistung ja zurückgegangen. Die Ausgaben der Regierung erreichten im April den höchsten Wert im Verhältnis zum BIP seit Beginn von Präsident Lulas Amtszeit, nämlich 20 %. Kumuliert für die letzten 12 Monate wurden 18, 6 % vom BIP "erreicht". Im letzten Amtsjahr von Lulas Vorgänger Fernando Henrique Cardoso lag der Wert bei 15,7 %.

Das vielzitierte PAC-Programm zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums läuft auf Krücken. Bisher wurden nur 46,1 % der 656,5 Mrd. R$, die bis 2010 vorgesehen waren, ausgegeben. Weit im Plan zurück sind z.B. die Baustellen der Flughäfen von Brasília und Vitória, die für die Fußballweltmeisterschaft 2014 wichtig sind.

Brasilien hat bereits 600.000 Crack - Süchtige. Die Zahl hat sich in nur 5 Jahren fast verdoppelt, vorher lag sie bei 380.000. Aber Präsident Lula macht sich mit seinem bolivianischen Kollegen über den Präsidentschaftskandidaten der Opposition, José Serra, öffentlich lustig, weil dieser sich kritisch über den Rauschgiftzustrom von Bolivien aus geäußert hatte. Die Bundesregierung will jetzt anstelle 2.500 Internierungen künftig 5.000 Abhängige in Krankenhäuser einweisen. Dazu wurde ein 410 Mio. R$ kostendes Programm in's Leben gerufen. Das sind 82.000 R$ pro Süchtigem bzw. fast 37.000 €. Man doktort also an an den Symptomen herum, anstatt das Übel an der Wurzel zu packen. Und der hart arbeitende Steuerzahler, der keine Drogen nimmt und im Mittel 1.200 R$ monatlich bzw. 530 € verdient, zahlt die Zeche. Fast 6 Jahre müsste er sein Bruttoeinkommen sparen, um auf 37.000 € zu kommen! In São Paulo (Stadt) wurden übrigens 240 Crack - Süchtige in den letzten 10 Monaten in Kliniken behandelt, der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.

Aber es gibt auch Gute:

Kindersitze für Autos sind in vielen Läden ausverkauft. Die Benutzung von Kindersitzen ist jetzt nämlich Pflicht und wer dem zuwiderhandelt, fliesst mit 191,54 R$ in die Gemeindekasse, wie es mal so schön in einer Verordnung eines bayerischen Bürgermeisters einer kleinen Gemeinde hieß.

Und Brasiliens Weltmeisterelf hat einen 2:00 - Sieg über Zimbabwe errungen! Wobei man wissen sollte, dass die gegnerische Mannschaft auf Platz 110 der Weltrangliste steht und Brasilien fünffacher Weltmeister ist.

Brasilien hat zum ersten Mal mehr als 250 Mrd. US$ Devisenreserven! Am 1. Juni waren es genau 250,35 Mrd. US$. Das Land schuldet ausländischen Gläubigern 211,6 Mrd. US$, befindet sich also in einer komfortablen Situation - wenn man die Binnenverschuldung vergisst!

In den letzten 12 Monaten per Mai 2010 ist der Verbrauch an Elektroenergie um 5,3 % gestiegen, allerdings beim Vergleich Mai - April 2010 um 1,2 % zurückgegangen. Der Vergleich Mai 2010 mit Mai 2009 ist besser, der Verbrauch stieg um 10 % an, d.h. DIE KRISE ist überwunden! Dazu passt, dass die Baugenehmigung für Angra III, unser drittes Atomkraftwerk, erteilt wurde.

Die öffentliche Nettoverschuldung Brasiliens (dívida líquida do setor público) fiel im April auf 1,37 Billionen R$. Das sind 42,2 % vom BIP, damit stehen wir besser da als die Europäer:
  • 115,8 % Italien
  • 115,1 % Griechenland
  • 96,7 % Belgien
  • 77,6 % Frankreich
  • 76,8 % Portugal
  • 73,2 % Deutschland
  • 65,5 % Österreich
  • 64,0 % Irland
  • 60,9 % Holland
  • 53,2 % Spanien

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