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31 Mai 2010
Wettbewerbsfähigkeit der Länder dieser Welt
Der deutsche Bundespräsident tritt zurück
und die brasilianischen Medien sehen diesen beispiellosen Vorgang auch Stunden danach nicht als bedeutend genug an, um ihm einige Zeilen auf der Titelseite ihrer Internetmedien zu widmen:


Deutsche Medien, hier stellvertretend die FAZ, sehen den Rücktritt naturgemäß in einem anderen Licht:

Die globale Internetausgabe der New York Herald Tribune sagt zum Rücktritt auf der ersten Seite nur unter "ferner liefen":
MORE NEWS
Gunmen Kill 12 at Pakistan Hospital 40 minutes ago
Toll From Tropical Storm Rises in Central America 11:56 PM ET
German President Quits Over Remarks on Military 2:03 PM ET
Das zeigt klar, wir sind nicht der Nabel der Welt!
.......................................................................................................................................................................
Eben kam dieser Kommentar herein:
Hallo Herr Naumann,
ich habe die Schlagzeilen in den brasilianischen Medien auch schon gesucht und vermisst. Lediglich bei terra (http://noticias.terra.com.br/mundo/ultimasnoticias/0,,EI294,00.html), in der Rubrik "Mundo" findet man hierzu etwas ausführlicheres:
Viele Grüsse
Torsten Lesniak
27 Mai 2010
Arbeitslosenzahl sinkt in Brasilien
Heute sagte mir ein deutscher Kunde, dass er Überstunden fahre und fragte mich nach der Situation in Brasilien. Von hier ist auch Erfreuliches zu vermelden, denn seit der Einführung der PME - Pesquisa Mensal de Emprego, also monatliche Beschäftigungserhebung durch das IBGE - Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística im März 2002 gab es in einem April noch nie so wenige Arbeitslose. "Nur" 7,3 % der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung war arbeitslos. 51 % der Beschäftigten waren in einem regulären Arbeitsverhältnis mit unterschriebenem Arbeitsbuch (carteira de trabalho assinada), zusammen mit den Angestellten des Öffentlichen Dienstes und des Militärs sind also 59,8 % der Beschäftigten regulär angestellt, der Rest arbeitet im grauen Markt. Auch die 59,8 % sind ein neuer Rekord seit März 2002.
In den letzten 12 Monaten seit April 2010 wurden 997.000 neue Arbeitsplätze geschaffen; damit wuchs die arbeitende Bevölkerung um 4,3 % auf 21,8 Millionen Personen. Bleibt die grosse Frage, was der Rest der Bevölkerung von ca. 168 Millionen Personen macht! Der kann doch nicht nur aus Kindern, Hausfrauen, Rentnern und Arbeitslosen bestehen? Zahlen tatsächlich nur ca. 60 % von 21,8 Mio. = 13 Mio. Personen Sozialversicherungsbeiträge und Steuern, unter Einbeziehung des Öffentlichen Dienstes und der Streitkräfte? Oder sind die 21,8 Mio. Beschäftigte die mit dem Arbeitsbuch? Das geht leider nicht so klar aus der Erklärung des IBGE hervor.
25 Mai 2010
Wichtiges Luftfahrtabkommen zwischen EU und Brasilien unterzeichnet
Das Abkommen war überfällig, denn heute gibt es 20 Länder der EU ohne direkte Anbindung an Brasilien. Ab dem 14.7.2010 wird sich die Anzahl der Flüge zwischen beiden Regionen steigern, denn dann kann Brasilien von jedem europäischen Flughafen aus angeflogen werden.
Ausserdem wird der Flugzeugexport Brasiliens in die EU erleichtert, denn künftig reicht die brasilianische Zulassung, sie braucht in der EU nicht noch mal gemacht zu werden.
Schade, dass die Pharma- und Kosmetikindustrie nicht ähnlich behandelt wird. Diese müssen ihre Erzeugnisse leider weiterhin bei unserer ANVISA zulassen, ein langwieriger und oft auch teurer Prozess.
Uwe Schwarz bei Karlheinz K. Naumann
Musterversand aus dem "Billiglohnland" Brasilien nach Deutschland
Das war einmal! Das Billiglohnland. Und ist nicht mehr, wie folgender E-Mail-Wechsel unserer Frau Kunze mit einem Kunden zeigt:
Sehr geehrte Herren,
die Muster (siehe Foto) sind schon eingepackt, ich warte nur noch auf den Preis von Frankfurt bis zu Spaichingen. Bis jetzt sind folgenden Kosten bekannt:
- R$ 80,00 - Motoboy (Eurolatina / Senior)
- R$ 793,00 - Packung und Service Fa Senior)
- US$ 348,80 - Fracht bis Frankurt.
Ich hoffe, alle Kosten bis morgen zusammen haben.
Mit freundlichen Grüssen
Vera Kunze
Guten Tag, sehr geehrte Frau Kunze,
ich danke für Ihre Kostenaufstellung. Bei diesen Kosten wäre es gar nicht so abwegig, selbst nach São Paulo zu fliegen, einige Flaschen als Muster mitzunehmen, evtl. ein Kontaktgespräch mit Horizonte zu führen, um dann wieder zurückzufliegen. Ein Hin-/Rückflug mit Iberia kostet zur Zeit zwischen € 700,-- und € 800,--. Die Muster-Versandkosten kommen laut Ihren Ausführungen auf ca. € 670,--. Die Alternative des „Hinfliegens“ werde ich in den nächsten Tagen prüfen.
Wir bedanken uns und wünschen Ihnen noch einen schönen Tag!
Mit freundlichen Grüßen
G. S.
21 Mai 2010
Vielleicht macht eine Schwalbe doch den Sommer? Euro-Kurs geht steil nach oben!
20 Mai 2010
Wo kann man einfach Geschäfte machen?
Leider nicht in Brasilien. Ich habe eben den Antrag für eine allgemeine Importgenehmigung an's Notariat geschickt und Sie werden es nicht glauben:
- 5 Formulare
- 3 Buchhaltungsunterlagen
- 2 Vollmachten
- 70 Seiten zu beglaubigen
Darunter der Nachweis, welche Kunden und Lieferanten man im In- und Ausland hat, welchen Umsatz man mit ihnen macht etc.
Das schweizerische Institut IMD hat wieder mal eine Rangliste von Ländern veröffentlicht, in der diese nach der Leichtigkeit, in ihnen und mit ihnen Geschäfte zu machen, bewertet sind. Hier sind die Gewinner:
- 100 Singapur
- 99 Hong Kong
- 99 USA
- 96 Schweiz
- 92 Australien
- 91 Schweden
- 90 Kanada
- 90 Taiwan
- 90 Norwegen
- 87 Malaysia
Deutschland gehört nicht zu den ersten Zehn und Brasilien landete auf Platz 38 mit knapp 57 Punkten. Wir haben Nachholbedarf bei der Infrastruktur und bei der Regierungseffizienz, auch Gesundheits- und Erziehungswesen verhinderten einen besseren Platz.
Der benutze Weltwettbewerbsfähigkeitsindex ist in einem Jahrbuch veröffentlicht. Für Details klicken Sie bitte in den Link.
19 Mai 2010
Brasilianische Importkosten
werden von den Exporteuren im Ausland oft als extrem hoch empfunden. Der erste Blick gibt Ihnen Recht, aber klicken Sie bitte links in die Tabelle und Sie können ein Beispiel im Detail ansehen. Und bedenken Sie, dass brasilianische Waren beim Verkauf durch den Hersteller auch ICMS, IPI, PIS und COFINS zahlen. Der Unterschied ist also nicht sooo groß, wie gemeinhin angenommen wird. Außerdem gibt es Zollbefreiung oder -reduzierung für Waren, die nicht in Brasilien hergestellt werden und seit kurzem auch subventionierte Finanzierung importierter Waren, für die diese Zollbefreiung bzw. -reduzierung gewährt wurde. Finanziert werden auch die reinen Importkosten, d.h. alle Steuern, Zölle und Abgaben, siehe dazu auch FINANCIAMENTO. Ich war deswegen extra in Rio bei der BNDES, um mich zu informieren. Bei dieser Gelegenheit habe ich für EUROLATINA eine Partnerschaft mit der BANCO INDUSTRIAL vereinbart, um diese Finanzierung für unsere Kunden abwickeln zu können. Zuletzt noch der Hinweis, dass man sich ähnlich wie in Deutschland die beim Einkauf in Brasilien gezahlten Steuern beim Verkauf gutschreiben lassen kann.
Liegt Klondike in Brasilien?
Natürlich nicht, aber das El Dorado scheint nahe. Denn es herrscht Goldgräberstimmung. Um vor Überraschungen sicher zu sein, hatte die Zentralbank den IBC-Br geschaffen, den Index der Wirtschaftsaktivität der Zentralbank. Und dieser wuchs im ersten Vierteljahr des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahresvergleichsraum um 9,85 %. Am 8.6. werden wir mehr wissen, wenn das IBGE - unser Statistisches Bundesamt - die BIP-Zahlen bekanntgibt. Ich bin gespannt, ob wir an den Rekordwert von 1976 herankommen, als die Wirtschaft um 10,26 % wuchs. Zwischen 1968 und 1973 hatte Brasilien sein Wirtschaftswunder und seine goldenen Jahre mit dem höchsten Wachstum seiner Geschichte, welches 1973 chinesische Dimensionen erreichte, nämlich 13,97 %.
Wer Gold in Brasilien schürfen will, hat Gelegenheit, mit mir in Deutschland und Österreich über seine Chancen zu sprechen. Vom 8. - 11.6.2010 halte ich wieder kostenlose Sprechstunden in der IHK Essen ab, Anmeldungen nimmt Herr Slomke von der Kammer für Gespräche in Essen entgegen. Die IHK Essen ist der Träger des von mir geleiteten Firmenpools Brasilien / Mercosur. Wenn Sie mir vorher eine E-Mail schicken, um mir zu sagen, was für ein Geschäft Sie betreiben und was Sie nach Brasilien treibt, wäre ich Ihnen dankbar, denn dann kann ich mich auf unser Gespräch vorbereiten. Am 14. und 15. können Sie mit mir dann in Wien sprechen, am 16. in Salzburg. Anmeldungen dazu schicken Sie bitte direkt an mich.
18 Mai 2010
Ist das die berühmte Schwalbe?
Aber die macht ja bekanntermassen keinen Sommer! Und solche Auf- und Abbewegungen hatten wir schon vorher. Zur Zeit bin ich extrem pessimistisch, was die Zukunft des € angeht, der R$ wird wohl noch lange sehr stark bleiben. Wenn nicht die Nachfrage Chinas nach Rohstoffen plötzlich zurückgeht, dann wird es auch bei uns nicht gleich zappenduster, aber dunkler!
16 Mai 2010
Was macht man mit solchen Kunden?
Am 2.3.2020 schrieb ich an einen Kunden:
"Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,
vielen Dank für Ihr letztes Schreiben. In der Zwischenzeit habe ich mich mit dem Vertriebsleiter Alexandre von Biotecnos zusammengesetzt und erörtert, was möglich und nötig ist, um Ihre Anlagen erfolgreich in Brasilien zu vermarkten."
Auf meine diversen Preis- und Leistungsangebote hat diese Firma dann mit hartnäckigem Schweigen geantwortet. Bis ich von der oben genannten brasilianischen Biotecnos erfuhr, dass mein Kunde hintenherum Kontakt aufgenommen hatte. Deshalb schrieb ich ihn am 23.4.2010 wieder an:
"Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,
Biotecnos informierte uns, dass Gesellschafter Ihrer Firma zusammen mit Reinaldo Udwald vergangene Woche einen Besuch in Brasilien gemacht haben, um über eine Kooperation zu verhandeln. Können Sie mir dazu bitte eine aufklärende Information geben?"
Auch hierauf kam keine Reaktion. Am 12.5.2010 schrieb ich wieder:
"Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,
wir haben Sie mit Biotecnos zusammengebracht. Wie stellen Sie sich unsere Vergütung vor?"
Was glauben Sie, war die Reaktion?
Genau, Schweigen im Walde. Und das bei einer honorigen deutschen Firma mit einem honorigen deutschen promovierten Geschäftsführendem Gesellschafter! O tempora, o mores!
Leider habe ich mit einer deutschen Stahlgießerei ähnliche Erfahrungen gemacht. Deshalb heisst es ab sofort bei mir: Nur noch schriftliche Vereinbarungen mit solchen Unternehmen, die ihre Rechnungen nicht zahlen und alles für lau haben wollen! Denn "Pacta sunt servanda!", Verträge müssen eingehalten werden. Eigentlich auch, wenn sie mündlich abgeschlossen wurden.
Gibt es eigentlich Ethiknachhilfeunterricht in Deutschland?
NACHTRAG VOM 20.6.2010:
Heute erhielt ich folgenden Kommentar zum Verhalten der H.A.R.M.biotec GmbH & Co.KG:
"Sehr geehrter Herr Naumann,
das ist eine Sauerei! Zermürben Sie diesen Kunden mit Anrufen, mindestens einmal täglich, dann geht er mit der Zeit in die Knie, nur damit er Ruhe hat. Vielleicht haben Sie ja auch einen deutschsprachigen Assistenten, der das übernehmen kann. Ziehen Sie alle Register! E-Mails sind viel leichter zu ignorieren, als Anrufe.
Da geht es ja wirklich ums Prinzip! Jeder soll wissen, dass Sie so etwas nicht durchgehen lassen! Ich hoffe sehr auf ein Posting von Ihnen in einiger Zeit, in dem Sie berichten können, dass der Kunde nach hartnäckigem Angriff nun doch gezahtl hat! So was regt mich wirklich auf! Es ist nur in seinem Interesse das er zahlt, denn mit solchen Methoden wird er auf Dauer keinen Erfolg haben.
Viele Grüße von Wien nach Brasilien!
PS: Ich verfolge Ihren Blog mit großen Interesse, und habe auch Ihr Buch erworben. Ich bin ein Brasilien Fan, ob wohl ich erst einmal dort wahr, und das nur im nicht sehr typischen Salvador! In 10 Jahren werde ich hin ziehen, und dort meine Geschäfte mache, doch zuvor habe ich hier noch was zu erledigen. :-)"
Dem ist nichts hinzuzufügen!
Was kauft der Brasilianer mit seinen Steuern?
Nicht viel, wenn man den Nachholbedarf bei den Investitionen im Infrastrukturbereich ansieht. Wer mehr darüber wissen will, kann am 14.6. in Wien und am 16.6. in Salzburg einen Vortrag von mir zu diesem Thema hören.
Weiss der Brasilianer überhaupt, wie viel Steuern er zahlt? Die Schattenwirtschaft soll laut dem Instituto Brasileiro de Ética Concorrencial - ETCO 30 % des BIP ausmachen, also leben wahrscheinlich viele Brasilianer in der Illusion, dass sie keine Steuern zahlen. Aber weit gefehlt, auch wem der Arbeitgeber nicht gleich die Lohnsteuer vom Bruttogehalt abzieht, zahlt Steuern, indirekte nämlich, wenn er Produkte oder Dienstleistungen einkauft. Einige Beispiele:
- Basisbrotkorb 15 %
- Licht 39,25 %
- Telefon 28,66 %
- Zucker 16,23 %
- Waschpulver 32,25 %
- Waschmaschine 55 %
Unsere Steuerlast, und sagen Sie ruhig LAST dazu, beträgt 36 % des Bruttoinlandsproduktes! Schade, dass die beim Einkauf bezahlten Steuern nicht klar und transparent auf der Rechnung vermerkt sind. Dann würden vielen Bürgern die Augen übergehen und er würde vielleicht auf dem Wahlzettel sein Kreuz anders setzen als heute.
Nebenbei bemerkt, in Brasilien gibt es schon lange keine Wahlzettel mehr. Wir hatten längst vor Deutschland und den USA elektronische Wahlurnen. Ob dies ein Vorteil ist, sei dahin gestellt. Zu diesem sehr interessanten Thema ein Wikipeda-Zitat: "Ein König für Deutschland ist ein Roman von Andreas Eschbach, der im September 2009 im Lübbe Verlag erschienen ist. Hauptthema ist die Manipulierbarkeit von Wahlcomputern." Sehr empfehlenswert, kann ich nur sagen!!!
Brasilien aus der Sicht einer ehemaligen PT-Bundesministerin
Marina Silva, Präsidentschaftskandidatin der Grünen (Partido Verde - PV) und ehemalige PT-Umweltministerin in der Regierung Lula, hat m.E. sehr vernünftige Ansichten, aber kaum Chance, gewählt zu werden. Immerhin hat sie es bis zur Senatorin gebracht. Hut ab vor diesem Werdegang und vor ihrem Mut, mit Lula zu brechen, dessen Ansichten sie heute grösstenteils nicht mehr verteidigt.
Nach ihrer Ansicht, die sie in einem in der größten Tageszeitung Brasiliens heute veröffentlichten Interview äußert, ist die prekäre Ausbildungslage Brasiliens eines seiner größten Probleme. Heute wären 18 % der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen Analphabeten, 7 Mio. davon leben im armen Nordosten, der Wählerhochburg Lulas. 55 % der Schüler schafften die Hürde der achten Serie nicht.
Als Fundament einer soliden Wirtschaft gelten ihr Inflationskontrolle, ausreichende Devisenreserven, fluktuierender Wechselkurs und eine unabhängige Zentralbank.
Für die überfälligen politischen, fiskalischen und sozialversicherungstechnischen Reformen würde sie eine spezielle Verfassungsgebende Versammlung einberufen.
Hoffen wir, dass der Gewinner der Präsidentschaftswahlen ihre Ansichten teilt.
15 Mai 2010
Brasilianische Rentabilitätsstars
Europa geht in die Knie und wächst kaum oder schrumpft sogar, während sich das Schwellenland Brasilien Sorgen machen muss, wie ein Wachstum des BIP über 7 % in diesem Jahr ohne Schaden für Land und Leute verhindert werden kann. Heute wurden im Estado de São Paulo Zahlen über die Eigenkapitalrentabilität der nach diesem Kriterium besten Unternehmen mit offenem Kapital veröffentlicht. Sie lassen die Guthabenzinsen aller Banken dieser Welt insignifikant erscheinen:
- 155,7 % AES Tietê (Elektroenergie)
- 74,4 % Natura (Kosmetik)
- 73,8 % Souza Cruz (Zigaretten)
- 47,5 % Coelba (Elektroenergie)
- 45,1 % Lojas Americanas (Einzelhandel)
- 43,5 % Elektro (Elektroenergie)
- 33,1 % Tractebel (Elektroenergie)
- 30,4 % Comgás (Gas)
- 30,1 % Cemar (Elektroenergie)
Da drängt sich einem doch die Frage auf, warum bei der Privatisierung der EVUs kein deutsches Unternehmen zugegriffen hat. Tractebel z.B. ist schweizerisch-belgisch (Suez). Übrigens gibt es weitere EVUs mit allerfeinster Rentabilität, aber mit geschlossenem Kapital, die in obiger Liste nicht erscheinen.
Der Nutzer von Elektroenergie sollte übrigens 25 % Steuern (ICMS) für dieses "Privileg" zahlen, in Wirklichkeit erheben die Bundesstaaten aber 33,3 % durch die Art der Berechnung, bei uns "von innen" und "von aussen" genannt. Wenn man "von innen" rechnet, ergibt sich der höhere Satz, weil der Hebesatz absurderweise auf den Verbrauch plus ICMS angewandt wird.
14 Mai 2010
Voswinkel auf der Mecânica 2010 in São Paulo
Voswinkel, weltbekannter Hersteller u.a. von Hydraulikkupplungen und ehemaliges Mitglied des Firmenpools Brasilien / Mercosur der IKH Essen, stellt auf der Mecânica auf dem Stand des von Eurolatina vermittelten Händlers GEPEF aus.

Mit dem Gesicht zum Betrachter gewandt der Voswinkel-Betreuer Rubens de Oliveira Prado, Mitarbeiter von Eurolatina, ganz links auf dem Bild Uldis C. G. von Fritsch von GEPEF:



Die Brasilianische Regierung reagiert zu spät
auf unseren Wirtschaftsboom, meinen Wirtschaftsanalysten. Die Budgetkürzung von 21,8 Mrd. R$ plus die gestern verkündete Massnahme, weitere 10 Mrd. R$ einzusparen - ohne Sozialprogramme und Investitionen zu beeinträchtigen - werde deshalb nicht den von Guido Mantega gewünschten Abkühleffekt haben, aber wohl dazu beitragen, die Zahlungsbilanz zu verbessern. Der Finanzminister will das BIP nämlich dieses Jahr nicht um 7 % wachsen lassen, dabei sprechen manche Auguren jetzt bereits von 10 % Wachstum. Was die Regierung hoffentlich nicht dazu verleitet, den Leitzins heraufzusetzen, denn dann strömen weiterhin die Dollar in's Land, der R$ wird stärker, der € noch schwächer und das Handelsbilanzdefizits steht schon als Schreckgespenst im Hintergrund. Währenddessen ist unser Präsident in Moskau und jetzt auf dem Weg nach Teheran. Die Heimatfront ist für ihn zur Zeit unwichtig, er möchte Sanktionen gegen den Iran vermeiden und sich m.E. nach damit auf seine künftige Aufgabe als weltweiter Friedensfürst oder was immer er nach seiner Präsidentschaft anstrebt, qualifizieren.
13 Mai 2010
Stehen wir vor einer Erhitzung der brasilianischen Volkswirtschaft?
Die Regierung glaubt es und kündigt bereits Abkühlungsmassnahmen, die "weh tuen werden", an. Die BIP-Prognosen für dieses Jahr sind schon bei 7,5 % angelangt. Am 8. Juni werden die Zahlen des ersten Vierteljahres veröffentlicht (warum eigentlich nicht des ersten Halbjahres im Zeitalter der Informatik?), dann wissen wir mehr bzw. dann wissen wir, wie die Situation vor drei Monaten aussah. Stellen Sie sich mal vor, sie fahren Auto und sehen nur, wo sie vor 3 Sekunden waren!
Der internationale Flughafen von São Paulo wird ausgebaut
Eigentlich ist es ja der internationale Flughafen unserer Nachbarstadt Guarulhos. Er heisst übrigens Cumbica, ein Wort aus der Sprache der Tupi-Indios, welches "niedrige Wolke", also auf gut Deutsch "Nebelloch" bedeutet. Ein schöner Platz für einen Flughafen. Der notorisch überfüllt ist, von den Parkplätzen angefangen bis hin zu den Schlangen an der Passkontrolle und beim Zoll. Ich habe seit einigen Monaten noch das Glück als resident, die Schlange der Brasilianer bei der Passkontrolle benutzen zu können. Bevor es diese Regelung gab, sass meine Frau oft schon draussen, passte auf unser Gepäck auf und trank eine Tasse Kaffee, während ich noch in der Schlange stand, machmal eine ganze Stunde.
Bis zum Dezember soll jetzt ein neues Terminal eingeweiht werden und soll mit einer Kapazität von 1 Million Passagiere jährlich die beiden existierenden entlasten. Zwei weitere Terminals mit einer Kapazität für 3 und 2,5 Mio. Passagiere jährlich sollen dann bis Juni 2013 hinzukommen. Diese Terminals sind aus Fertigbauteilen modulartig aufgebaut, ein Beispiel dafür liefert der Flughafen von Florianópolis. Weitere Flughäfen, die solche Moduli empfangen werden, sind Brasília, Goiânia und Vitória. Diese Moduli kosten nur 2.500 R$ pro Quadratmeter und können in 9 Monaten errichtet werden; sobald die definitiven Terminals fertig sind, werden sie abgebaut und auf kleineren Flughäfen dauerhaft eingesetzt.
Die heutigen 67 Parkpositionen für Flugzeuge sollen auf 109 erhöht werden, ausserdem werden zwischen der Start- bzw. Landepiste und der Taxipiste zwei weitere Verbindungen geschaffen, damit gelandete Flugzeuge nicht die gesamte 3,7 km lange Piste abfahren müssen, um auf die Taxipiste, die zur Endposition am Finger führt, zu gelangen.
Damit wird der Flughafen unserer 20.000.000 Einwohner - Metropole endlich an den Bedarf und die Bedeutung São Paulos angepasst.
BRASILIEN AKTUELL überschreitet die 100.000 Besucher-Grenze
12 Mai 2010
Infrastruktur
In den wegen der Militärdiktatur viel geschmähten 70er Jahren gaben Brasiliens Generäle, darunter der deutschstämmige Präsident Ernesto Geisel, dessen Amtszeit ich noch für einige Tage erlebte, 5,4 % vom BIP für die Infrastruktur des Landes aus. Aktuell sind es nur noch 2,1 %. 90 % der Infrastrukturinvestitionen kommen von der Privatwirtschaft. Die Bundesentwicklungsbank BNDES spricht von 274 Mrd. R$, die von 2010 bis 2013 für Infrastrukturmassnahmen ausgegeben werden sollen. Das sind 37 % mehr als im Zeitraum 2005 - 2008 - die Wahlen rücken näher.
HARDINGE BRIDGEPORT HAUSER KELLENBERGER TRIPET TSCHUDIN
Die Namen in der Überschrift sind wohl nur Spezialisten bekannt. Es sind die Marken der Werkzeugmaschinen, die die US-Gruppe Hardinge Inc. fertigt und vor allem in den USA, Europa und China vertreibt. In Brasilien ist der grösste Drehmaschinen- und Bearbeitungszentrumshersteller ROMI an ihm interessiert. Romi ist eine rein nationale Firma, von italienischen Auswanderern gegründet. Romi versucht Hardinge zu übernehmen, bisher erfolglos. Das neueste Angebot lautet auf 116 Mio. US$. Hardinge macht zwar Verlust und muss sinkenden Umsatz beklagen, aber der Auftragseingang ist stark gewachsen - das wird die Strategie von Romi beeinträchtigen. Aber immerhin, ein Schwellenlandfabrikant von hochwertigen selbst entwickelten Werkzeugmaschinen versucht, einen Traditionshersteller der USA zu übernehmen, Respekt!
11 Mai 2010
€ weiter auf Talfahrt - beste Chancen für Exporteure
Und als weitere gute Nachricht noch ein Bonbon: Ich war letzte Woche in Rio bei der Bundesentwicklungsbank BNDES, die seit kurzem importierte Maschinen und Anlagen zu Sonderkonditionen für brasilianische Käufer finanziert. Wer als Exporteur davon profitieren will, kann mich gerne ansprechen.
01 Mai 2010
Wer geht zuerst pleite?
Brasilien jedenfalls nicht und Deutschland schon lange nicht! Jedenfalls, wen man an den Zusammenhang des kontraktierten Wertes von CDS - CREDIT DEFAULT SWAPS und der Zahlungsunfähigkeit eines Landes glaubt. Diese CDS sind eine Art Versicherung gegen Kreditausfälle und je teuer die Prämie, desto riskanter ist es, in das betreffende Land zu investieren. Hier die für Deutsche und Brasilianer beruhigende Rangreihenfolge:
RISIKO DER ZAHLUNGSUNFÄHIGKEIT (%)
- Venezuela 48,5 %
- Argentinien 46,0 %
- Griechenland 24,4 %
- Portugal 11,7 %
- Spanien 9,8 %
- Italien 9,6 %
- Brasilien 9,0 %
- England 6,7 %
- China 5,6 %
- USA 3,6 %
- Deutschland 2,8 %
- Norwegen 1,6 %
Interessant und erschreckend für mich mit Partnern in Venezuela und Argentinien, dass diese beiden Länder die Liste anführen, noch vor dem viel gescholtenen Griechenland!
Bergbau und Erzverarbeitung investieren 54 Mrd. US$
Diese Summe soll bis 2014 dafür sorgen, dass die wieder gestiegene Rohstoffnachfrage befriedigt werden kann. So soll sie von 2010 bis 2014 verteilt werden (Mrd. US$):
- Eisenerz 36,530
- Nickel 6,716
- Alumina 1,000
- Bauxit 0,987
- Aluminium 2,200
- Phosphat 2,510
- Kupfer 2,357
- Gold 1,401
Nachzulesen beim Instituto Brasileiro de Mineração - IBRAM.
Aus den Augen, aus dem Sinn
Schön wär's, aber leider stimmt dies nicht in São Paulo, auch wenn es seit 2005 sogar Gesetz ist. Das Vergraben von Kabeln nämlich, seien es Strom-, Telefon- oder TV-Kabel. Schön sind sie bestimmt nicht und ausserdem anfällig gegen Störungen. Aber bis heute sind in der 20.000.000 - Stadt Gross-São Paulo nur 15 km unter die Erde gekommen, grösstenteils bezahlt von Privatleuten. Hätten sich die fleissigen Kabelverleger (besser -aufhänger) an das Gesetz gehalten, hätten wir schon 1.000 km unterirdischer Kabel.





Ist Lula wirklich der Superpräsident?
Nachdem er wieder mal unter die 100 einflussreichsten Führer der Welt aufgenommen wurde, ist sein Ego - wenn das möglich ist - weiter gewachsen, nach seiner jetzigen und letzten Amtsperiode will er sich um Afrika kümmern und den Kontinent nach vorne bringen. Warten wir's ab.
Hier in Brasilien ist das Land einen grossen Schritt weitergekommen, nach dem Motto: Wir stehen vor einem Abgrund, aber morgen sind wir einen Schritt weiter! Warum? Die Steuereinnahmen sprudeln wie nie und die Ausgaben werden noch stärker beschleunigt, d.h. von ordentlicher Haushaltsführung kann keine Rede sein. Eine Erklärung ist das Wahljahr, aber dies ist keine Entschuldigung dafür, dass der Staatshaushalt ein Defizit ausweist. Ohne Berücksichtigung von Schuldzinszahlungen waren wir im ersten Vierteljahr 2010 mit 16,82 Mrd. R$ im schwarzen (die Brasilianer sagen blauen) Bereich, aber wegen der exorbitanten Verschuldung und Zinszahlungen von 44,98 Mrd. R$ rutschten wir mit 28,15 Mrd. R$ in's Defizit.
Damit ist die Nettoverschuldung des Staates Ende März 2010 bei 42,4 % des BIP angelangt, im März 2009 lag sie bei 39 %.
Man kann gespannt sein, was unser Superpräsident dagegen unternehmen wird.
Porträt der brasilianischen Automobilindustrie
- Anzahl Kfz-Fabriken: 50
- Kapazität: 4.300.000 Kfz/a
- Produktion 2009: 3.180.000 Kfz
- Absatz 2009: 3.140.000 Kfz
- Export 2009: 8,2 Mrd. US$
- Direkte Mitarbeiter: 127.800
- Umsatz 2009: 86,5 Mrd. US$
- Investition 2010 - 2012: 11,2 Mrd. US$
- Zollreduzierung auf importierte Komponenten: 40 % (seit 10 Jahren)
- Probleme: hohe Transportkosten der fertigen Fahrzeuge, Wettbewerbsfähigkeit (Brasilien ist der viertgrösste Kfz-Markt, aber nur der sechstgrösste Hersteller)
29 April 2010
Ein echter Mann braucht eine Schusswaffe
Und wenn es kein echter Mann ist? Dann lieber Finger weg, sonst wird ihm die Waffe weggenommen. Was mit 21.240 der von Sicherheitsfirmen in São Paulo seit 2004 registrierten 97.549 Schusswaffen passierte. Eine von fünf Waffen ist also heute in der Hand von Banditen.
In Rio sieht es nicht besser aus. Dort wurden zehntausend Waffen zwischen 1998 und 2003 von der Zivilpolizei bei Festnahmen sichergestellt, 17 % stammten von Sicherheitsfirmen.
In Brasilien gibt es heute 1,1 Mio. Wächter, von denen 350.000 in Sicherheitsfirmen arbeiten. Allein in São Paulo sind es 128.000 Wächter.
Letztes Jahr wurden 1.256 Waffenscheine in Brasilien ausgestellt. 8,1 Mio. Waffen sind registriert und bei folgenden Gruppen:
- 41.000 Gerichte
- 145.000 Sammler, Sportschützen und Jäger
- 237.000 Privatwaffen von Angehörigen der Militärpolizei und Feuerwehr (letztere gehört in Brasilien zur Militärpolizei, die wiederum Organ der Streitkräfte ist)
- 337.000 Militärpolizei und Feuerwehr
- 7.300.000 Zivilisten, Sicherheitsfirmen, Zivilpolizei, Bundespolizei, Stadtwache; zu dieser Summe gehören auch gestohlene und sichergestellte Waffen
Also ist das Äquivalent von 41 % der Waffen aller Polizeikräfte in 26 Bundesstaaten in der Hand von Sammlern, Sportschützen und Jäger!
Hart wie Kruppstahl
sind die Brasilianer, wenn es um den Ruf des american lover geht, deshalb hat der Oberste Gerichtshof gestern entschieden, dass Viagra ab Juni als Generikum unter Missachtung des bestehenden Patenschutzes hergestellt werden darf. Der Patenthalter Pfizer war davon ausgegangen, dass sein Produkt bis Juni 2011 gelte. Aber solange können vielleicht einige der am Entscheidungsprozess Beteiligten nicht warten?
Brasilien ist wieder mal Weltmeister!
Was höchst unerfreulich ist, denn die zurückeroberte Position ist die des Landes mit dem höchsten Leitzins dieser Erde.

Gestern, am 28.4.2010, hat das Komitee der Geldpolitik - COPOM (Comitê de Política Monetária) der Zentralbank den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte von8,75 % auf 9,5 % pro Jahr angehoben. Vorher war er 8 Monate unverändert geblieben und seit 19 Monaten nicht mehr erhöht worden.
Der mächtige, aber wohl nicht allmächtige Industrieverband São Paulos, Fiesp, wirft der Zentralbank vor, sie sei Geisel bestimmter Gruppen und bezweifelt ihre Kompetenz.
Der reale Leitzins Brasiliens, d.h. unter Berücksichtigung (=Abzug) der Inflation der nächsten 12 Monate beträgt damit 4,5% im Jahr, gefolgt von Indoniesien mit 3% und China mit 2,8%. Am Schluss einer Rangliste von 40 Ländernsteht Indien mit -9,7%. Die USA haben -2,1% und stehen auf Platz 34 der Liste.
Damit kommt sicher wieder vermehrt spekulatives Geld in's Land. Und die Unternehmer, die ihre Investitionen finanzieren möchten, gucken mal wieder in die Röhre und zahlen höhere Zinsen. Und die Banken,...., nein, zu den Banken schreibe ich lieber nichts.
28 April 2010
Was hätte Karl Marx dazu gesagt?
Gestern hätte er sich gewundert, denn seine Polarisierung von Kapital und Arbeit wurde in Brasilien kurzzeitig ausser Kraft gesetzt, denn beide Seiten zogen an einem Strang - und vom selben Ende her. Beteiligte waren die Verbände für Maschinenbau (Abimaq) und Autoteilehersteller (Sindipeças) einerseits und die Gewerkschaften Força Sindical und CUT - Central Única dos Trabalhadores. Sie forderten den Minister für Entwicklung, Industrie und Aussenhandel auf, Notmaßnahmen gegen den dramatisch wachsenden Import zu ergreifen.
Der Autoteilesektor befürchtet den Verlust von fast 30.000 Arbeitsplätzen, sein sektorielles Handelsbilanzdefizit betrug letztes Jahr 2,49 Mrd. US$, 2012 könnte dieser Wert ohne Gegenmaßnahmen der Regierung auf 5 Mrd. US$ steigen. Angeprangert wird der niedrige Zollsatz, in der Praxis 8,4 bis 10,8 %. Das ist weniger als der von Stahl, dieser beträgt 15 %. Gefordert wurden gestern 35 % Zoll auf Autoteile.
Die Maschinenbauer ärgern sich über die 2009 erfolgte Liberalisierung des Importes gebrauchter Betriebsmittel. 2007 betrug der Importanteil gebrauchter Maschinen am gesamten Maschinenimport nur 7,2 %, augenblicklich liegt er schon bei 10,5 %. Letztes Jahr wurden gebrauchte Maschinen im Wert von fast 700 Mio. US$ importiert, das entspricht 8 % des Umsatzes der Branche!
27 April 2010
Der brasilianische Handelsbilanzüberschuss schrumpft
Kein Wunder, bei diesem Wechselkurs! Hier der €-Kurs, zuletzt bei 2,32 R$ gelandet:
Und der Dollar liegt augenblicklich bei 1,75 R$:
Da vergeht den Exporteuren die Lust und die Importeure können ihr Glück nicht fassen. In diesem Jahr bis zur letzten Woche importierte Brasilien für 48,59 Mrd. US$ und exportierte für 50,25 Mrd. US$, der Handelsbilnzüberschuss beträgt also nur noch magere 775 Mio. US$. Das bedeutet 69,5 % weniger als im Vorjahresvergleichsraum.
Und der Dollar liegt augenblicklich bei 1,75 R$:
Da vergeht den Exporteuren die Lust und die Importeure können ihr Glück nicht fassen. In diesem Jahr bis zur letzten Woche importierte Brasilien für 48,59 Mrd. US$ und exportierte für 50,25 Mrd. US$, der Handelsbilnzüberschuss beträgt also nur noch magere 775 Mio. US$. Das bedeutet 69,5 % weniger als im Vorjahresvergleichsraum. Der Import wuchs in diesem Zeitraum um 40,1 %, damit kann der 25,2 % Zuwachs des Exportes nicht Schritt halten. Beide Werte beziehen sich auf den täglichen Durchschnittswert. Der Tagesdurchschnitt des Handelsbilanzüberschusses ging im April 2010 gegenüber April 2009 um 72 % zurück.
Bis jetzt gibt es keinen Grund zur Besorgnis, meint die Regierung, denn der stark wachsende Import betrifft vor allem Produktionsmittel, nicht Konsumgüter. Damit wird Brasiliens industrielle Basis gestärkt. Aber auch Rohstoffe bzw. Halbfabrikate werden vermehrt importiert und hier ist das Gleichgewicht sicher noch nicht erreicht, welches alle ruhig schlafen lässt, den brasilianischen Unternehmer und seine in- und ausländischen Kunden und Lieferanten.
25 April 2010
Immobilienmarkt in São Paulo (Stadt) strebt Rekord an
Die anhaltende Nachfrage, die das Angebot übersteigt, sorgt schon steigende Preise. Der Absatz an Immobilien wuchs in einem Jahr um 80 %! Im ersten Vierteljahr 2010 wurden 14.219 neue Wohneinheiten angeboten, die Hochrechnung für dieses Jahr geht von 38.000 neuen Wohneinheiten aus. Das ist ein neuer Rekord und angesichst der anhaltenden Nachfrage immer noch ungenügend. Das die befriediegte Nachfrage so steigen konnte, liegt am leichteren Kreditzugang und am höheren Einkommen. Die meisten Wohnungen, die jetzt neu gebaut werden oder wurden, haben nur zwei Schlafzimmer – ein Hinweis auf die immer kleiner werdende Kinderzahl, die ohne drastische Massnahmen wie etwa in China erreicht wurde.
Von den im ersten Vierteljahr 2010 in der Stadt São Paulo angebotene Wohneinheiten hatten
• 6,3 % ein Schlafzimmer
• 56,7 % zwei Schlafzimmer
• 32,5 % drei Schlafzimmer
• 4,5 % vier Schlafzimmer
Der Absatz in 1.000 Wohneineinheiten in der Stadt São Paulo erreichte
• 2006: 28,3
• 2007: 36,6
• 2008: 32,8
• 2009: 35,8
• 2010: 38,0 (Hochrechnung)
Die Anzahl der Lanzierungen im ersten Vierteljahr in Gross-São Paulo, ebenfalls in 1.000 Wohneinheiten, entwicklete sich so:
• 2006: 3,5
• 2007: 6,3
• 2008: 10,7
• 2009: 4,9 (Die KRISE!)
• 2010: 14,2
Die oben erwähnten steigenden Preise sind nicht von Pappe, für eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern stieg der Preis in São Paulo beim Vergleich „erstes Vierteljahr 2009 – 2010“ um 25 %! Die Wohnungen mit drei Schlafzimmer wurden nur um 6 % und die mit vier sogar nur um 2,4 % teurer. Einige Immobilienmakler, die auch gebrauchte Immobilien verkaufen, berichten sogar von Preissteigerungen bis zu 50 %.
Vor Blasen sei gewarnt! Denn überhitzte Luft lässt solche platzen!
Noch ein Wort zum Kreditvolumen für Immobiliengeschäfte. 2002 standen den Bauträgern und Wohnungskäufern nur 5 Mrd. R$ zu Verfügung, 2009 waren es – wohl gemerkt, immer in ganz Brasilien – schon 57 Mrd. R$ und dieses Jahr soll diese Summe noch übertroffen werden. Das hört sich viel an, aber der Anteil am BIP liegt noch unter drei Prozent.
Anhaltende €-Schwäche und muskelprotzender R$

Wie man in dieser Situation Geld verdienen kann, sagt die FAZ, in einem Artikel, dem ich die obige Graphik entnommen habe.
24 April 2010
Petrobrás laut Forbes die achtzehntgrösste Firma der Welt
Unter den ersten 100 der berühmten Forbes - Liste sind 5 brasilianische Firmen, unter den 2.000 grössten dieser Welt sind es 33. Der Gewinn der ersten fünf brasilianischen Firmen betrug letztes Jahr zusammen 67,4 Mrd. R$ oder mit 2,35 R$ = 1,00 € (Asche sei dem € auf's Haupt gestreut!) stolze 28,7 Mrd. €, d.h. im Mittel über 5,7 Mrd. € pro Firma! Hier sind die wichtigsten brasilianischen Firmen mit ihrer Position auf der Forbes-Liste:
- 18 - Petrobrás
- 51 - Bradesco
- 52 - Banco do Brasil
- 80 - Vale
- 82 - Itaúsa
- 235 - Eletrobrás
- 478 - CSN
- 620 - Usiminas
- 658 - Tele Norte Leste (Oi)
- 698 - JBS
Und hier die 10 Erstplatzierten (Hoffentlich platzt keine von diesen Platzierten vor Stolz auf die erreichte Position!):
- JP Morgan Chase
- General Electric
- Bank of America
- Exxon Mobil
- ICBC (chinesische Bank)
- Santander
- Wells Fargo
- HSBC Holding
- Royal Dutch Shell
- British Petroleum
Würdigung der Leistung Lulas
Der Blogleser Heinz schickte mir am Mittwoch, den 21 April, 2010 diesen Kommentar: "Sehr geehrter Herr Naumann, da Sie in der Vergangenheit immer den Präsidenten Lula für Misserfolge in der brasilianischen Wirtschaft verantwortlich gemacht haben, gönnen Sie ihm doch jetzt mal den Erfolg. Und loben Sie ihn! Oder finden Sie wieder ein Haar in der Suppe?" Keine Angst, ich gönne ihm ja seine Meriten, durchaus, aber es gibt eben auch das erwähnte Haar in der Suppe bzw. viele Haare. Wofür der Präsident Lob verdient, ist sein striktes Verfolgen der Wirtschaftspolitik seines Vorgängers, sicher gegen etliche Widerstände in seinen eigenen Reihen.
Ich stimme Heinz auch insoweit zu, dass Brasilien sehr erfolgreich ist, aber nicht unbedingt wegen, sondern wohl trotz seines Präsidenten, der in der Opposition der damaligen Regierung die Zustimmung für lebensnotwendige Reformen verweigerte, gegen die Verfassung gestimmt hat und auch den Real nicht haben wollte. Jetzt als Präsident versucht er alles, aber wirklich alles, um an der Macht zu bleiben. Dazu folgende Zahlen:
- 2003, in seinem ersten Amtsjahr, wurden 499 Werbeträger mit Bundesmittel ausgestattet, um die grossen Taten der Regierung zu verkünden
- 2009 waren es bereits 7.047 Werbeträger, also 1.312 % mehr als im ersten Amtsjahr
- Von 2003 bis 2009 gaben die Bundesregierung und die Staatsfirmen 7,7 Mrd. R$ (heute 3,3 Mrd. €) für Werbung aus
- Allein 2009 waren es 1,17 Mrd. R$, 48 % mehr als die 2003 ausgegebenen 0,8 Mrd. R$
In seiner Amtszeit wurde keine einzige der anstehenden Reformen verwirklicht. Die Sozialversicherung ist immer noch defizitär, das Zahlungsdefizit Brasiliens mit dem Ausland beträgt zur Zeit 12 Mrd. US$ - ein unerwünschter Rekord, das öffentliche Gesundheitswesen und das Bildungswesen lassen mehr als zu wünschen übrig, die Strassen sind in einem katastrophalen Zustand und die Korruption treibt schillernde Blüten. Lula schützt diese Korruption durch Wegsehen, um sich und seine Partei an der Macht zu halten. Ein rechtskräftig wegen vierfachen Mordes verurteilter italienischer Terrorist wird mit Samthandschuhen praktisch als Staatsgast behandelt, Diktatoren mit blutbefleckten Händen wie Fidel Castro werden hofiert und ein gerade wegen eines Hungerstreikes gestorbene Regimegegner während eines Staatsbesuches in Kuba als unwesentlich und unbequem abgetan, und in Brasilien wird eine ehemalige Terroristin zur Präsidenschaftskandidatin gemacht.
Wer als Ausländer eine Firma in Brasilien gründen will, sieht sich vor bürokratischen Hindernissen, die einem die Lust dazu vergehen lassen. Und wer eine Zulassung der Gesundheitsbehörde ANVISA braucht, hört, wie es mir neulich passierte, von Brasilianern ein ernst gemeintes "das tut mir Leid". Sie brauchen hier zwei Jahre und mehr, um eine Kosmetikfirma zum Laufen zu bringen! Und müssen z.B. für das Verwaltungsbüro einer solchen Firma, das in einem Bürohaus mit anderen Firmen zusammen untergebracht ist, nachweisen, dass der Wasserkasten des Bürohauses gereinigt wird! Wenn Sie dies nicht können, bekommen Sie keine Freigabe, Ihre Kosmetika, die weder das Büro noch das Bürohaus jemals sehen, zu vertreiben!
Und in diesem Umfeld gedeihen brasilianische und ausländische Firmen, weil deren Eigentümer und Mitarbeiter an Brasilien, seine Grösse, seine Lebenskraft und seine Gegenwart und Zukunft glauben und trotz aller dieser Hindernisse, trotz exorbitanter Zinsen und Steuern, trotz der Importbürokratie und -kosten, trotz der Devisenbewirtschaftung, trotz einer arbeitgeberfeindlichen Arbeitsgesetzgebung, trotz einer von der Regierung nicht nur geduldeten, sondern sogar mit Steuergeldern geförderten Landlosenbewegung, die ungehindert produzierende landwirtschaftliche Anwesen besetzt und zerstört und dabei Todesfälle in Kauf nimmt bzw. verursacht, ihre Arbeit verrichten, und das mit grossem Erfolg.
Die aussenpolitische Situation will ich gar nicht weiter kommentieren, nur der Hinweis auf Lulas Anbandeln mit dem Iran sei genannt. Und die Tendenz Lulas, privatisierte Firmen wieder zu verstaatlichen, kann uns nur VEBs unseeligen Gedenkens einbringen, ineffizient und teuer, aber gut, um verdiente Parteigenossen zu parken.
Deswegen kann ich, der vom Balkon unserer Wohnung aus den Aufstand vom 17. Juni in Berlin gesehen habe und später in Berlin am 13. August den Bau der Mauer mitverfolgte, keinen Gefallen an einem linkspopulistischen Präsidenten Lula gewinnen, der die Wirtschaftspolitik seines Vorgängers weiter betreibt, diesen aber diffamiert und der einen Senatspräsidenten Sarney unterstützt, über dessen Sohnes Josés Geschäfte die führende Tageszeitung O Estado de São Paulo aufgrund eines richterlichen Beschlusses, erlangt von einem Freund der Familie Sarney, seit 267 Tagen nicht berichten darf! Einen solchen Maulkorb darf es in einer Demokratie nicht geben und gerade Lula, der in der Militärregierungszeit den diktatorischen Machthabern mutig entgegentrat, sollte jetzt seine Position benutzen, um die Demokratie seines Landes zu schützen. Und dazu gehört, dass es keine Pressezensur geben darf, wenn diese Skandale und Machtmissbrauch der Oligarchie anprangert.
Eine Frage zum Schluss: Hat jemals ein deutscher Regierungschef bzw. Bundespräsident seine Ehefrau bzw. Ehemann mit einem Orden ausgezeichnet? Lula hat. Was seine sichere Hand in Stilfragen verrät.
21 April 2010
D-Day
Der Tag der Entscheidung ist gekommen, O Dia da Decisão, der grosse Tag von Bispo Edir Macedo, dem Gründer der Igreja Universal do Reino de Deus. 2.000.000 Menschen werden dazu im Autódromo von Interlagos erwartet. 800 Polizisten und Verkehrstechniker passen auf, dass sie gut an- und wieder wegkommen, dazu Ärzte und Sanitäter, denn sicher gibt es Ohnmachtsanfälle bei 35 Grad und Schlimmeres. 400 chemische Toiletten wurden aufgestellt, d.h. eine für 5.000 Besucher - stellen Sie sich mal die Warteschlage vor!


Und die katholische Kirche muss sich warm anziehen, trotz tropischer Temperaturen in São Paulo, denn sie verliert immer mehr Gläubige an die Pfingstkirchen.
Und ich habe Probleme, da ich einen Kilometer unterhalb der Formel I - Rennstrecke wohne, das Haus zu verlassen, denn genau gegenüber meiner Garage parkt in meiner engen kurzen Wohnstrasse ein Reisebus, einer von 4.000, wie mir ein Verkehrstechniker sagte.
Heute feiert Brasilien ausserdem den 50. Geburtstag seiner Hauptstadt, die am 21.4.1960 feierlich eingeweiht worden war, dazu Tiradentes - deshalb ist heute Feiertag - und morgen den Tag seiner Entdeckung im Jahre 1500.
Das erste Foto hier habe ich heute auf dem Weg nach Hause aufgenommen, die beiden anderen stammen aus dem Internet, KLICKEN Sie und Sie kommen zu den Originalen.

18 April 2010
Von nun an geht‘s bergab!
Man ist geneigt, Hildegard Knef recht zu geben, wenn man sich den Verfall unseres schönen EURO ansieht. Aber unser Kunde AMS freut sich, hat dieser Verlauf ihm doch zu einem weiteren Grossauftrag in Brasilien verholfen! Denn seine Imprägnieranlagen sind zwar Spitzenklasse, aber deshalb auch nicht gerade billig zu nennen. Der schwache € half beim Verkauf. Umgekehrt sieht es aus, wenn brasilianische Firmen wie meine Eurolatina Waren oder Dienstleistungen nach Deutschland exportieren, wir müssen unsere €-Preise erhöhen, um unsere R$-Rechnungen bezahlen zu können.
Gehälter steigen, Zinsen fallen und der Konsum explodiert!
China? Nein, Brasilien! Das Durchschnittseinkommen eines Arbeiters liegt bei 1.339,90 R$, also sagen wir 1.340 R$ bzw. mit 1 € = 2,35 R$ (Wie sich die Zeiten ändern bzw. wie ist der € schwach geworden!) immerhin 570 €. Die Durchschnittszinsen für eine natürliche Person liegen bei 6,77 %, allerdings pro Monat; durch die deutsche Brille betrachtet, extrem hoch, bei uns nichts besonderes, vor einem Jahr waren es 7,4 %. Und der Einzelhandelsumsatz war im Februar 2010 immerhin 12,3 % höher als der des Februars 2009.
Im Laufe des Jahres 2010 werden die brasilianischen Familien 141 Mrd. R$ mehr ausgeben als im Vorjahr, die Öffentliche Hand kann da nicht zurückstehen und sieht Mehrausgaben von 34 Mrd. R$ vor und die Unternehmen wollen 68 Mrd. R$ mehr investieren, summa summarum 243 Mrd. R$!
Die Konsum der Haushalte steigt damit dieses Jahr um 10 %, in China erwartet man 9 %! Deshalb geht man auch nicht mehr von einem BIP-Wachstum von 5 oder 5,5 % aus, sondern wagt Prognosen von bis zu 7 %.
17 April 2010
Flugchaos
Ich beziehe mich nicht auf die Probleme, die der isländische Vulkan mit dem schwierigen Namen verursacht, die ich deshalb hautnah erlebe, weil ein deutscher Gast zur Zeit bei mir wohnt und nicht weiss, ob er den Geburtstag seiner Frau am Montag mit ihr zusammen in Deutschland feiern kann. Mit ihm flog ich in den letzten Tagen in einige brasilianische Städte. Gestern auf unserem Flug nach Belo Horizonte stand auf der Flugpassage der Flugsteig 1, auf der Anzeigetafel stand 5 und abgeflogen sind wir von der Nummer 13. Aber erst nach 45 Minuten Wartezeit in der Maschine, weil der Sicherheitsgurt des Piloten ausgetauscht werden musste. Etwas weniger Marketing wie der rote Teppich vor dem Flugzeugeingang, an seinem Ende der die zusammen mit einer Stewardess die Fluggäste begrüßende Flugkapitän, sowie die Bonbons vor dem Abflug wäre angebracht; besser mehr Sorgfalt bei den wichtigen Dingen! Und ich würde mir auch wünschen, im Flugzeug nicht ständig optisch und akustisch mit Werbung bombardiert zu werden. Und nennen Sie mich bitte nicht Fluggast, ich bin ein zahlender Passagier = KUNDE! Der keine warmen Pappbrötchen mag! Das ist das "opulente" Frühstück, welches uns ohne Butter auf unserem dreistündigen Flug nach Recife serviert wurde:
Guten Appetit! Und dass es Ihnen nicht im Halse stecken bleibt!
Guten Appetit! Und dass es Ihnen nicht im Halse stecken bleibt!Brasilienlexikon
Sehr häufig werde ich nach Dingen gefragt, die für alle Brasilieninvolvierte interessant sind. Deshalb habe ich angefangen, ein BRASILIENLEXIKON zu schreiben, welche Sie im EUROLATINA - Site finden. Ich hoffe, dass Sie es nützlich finden werden.
08 April 2010
Big brother is watching you!
Gesundheit in Brasilien
Die Brasilianer trinken immer mehr künstliche Erfrischungsgetränke wie Coca Cola, Pepsi Cola, Guaraná, mit und ohne Zucker. 24,6 % der Bevölkerung tranken 2008 mindestens fünfmal pro Woche solche Chemieprodukte, 2009 waren es schon 27,9 %. Diese Produkte enthalten Natrium, schädlich für den Blutdruck und die Nieren, und dickmachenden Zucker.
Die gesunden Bohnen hingegen, hierzulande feijão genannt, werden immer weniger gegessen. 71,9 % der Bevölkerung aß 2006 mindestens fünfmal in der Woche Bohnen, 2009 waren es nur noch 65,8 %. Aber von 2006 nach 2009 wuchs der Verbrauch an Obst und Gemüse. 2006 verzehrten nur 7,1 % der Bevölkerung diese Nahrungsmittel, 2009 hingegen bereits 18,9 %. Das ist aber immer noch viel zu wenig, vor allem, wenn man bedenkt, dass der Genuss von Vollmilch und Fleisch mit sichtbaren Fettanteil immer noch signifikant hoch ist. Und immer mehr Brasilianer bleiben sitzen - nicht in der Schule, sondern auf ihrem wachsenden Fettanteil, weil sie sich zu wenig bewegen, 2009 bezeichneten sich 16,4 % als inaktiv und nur 14,7 % der Erwachsenen treiben regelmäßig Sport oder machen Gymnastik.
Dafür wuchs die Zahl der Ärzte in Brasilien von 2000 auf 2009 um 27 %. Heute gibt es einen Arzt für 578 Menschen, die WHO empfiehlt 1.000, wir sind also deutlich besser. Aber nur in der Theorie, denn die Ärzte sind nicht gemäss der Bevölkerungsdichte verteilt, das flache Land (bzw. seine Bewohner) ist gegenüber den Großstädten deutlich benachteiligt. Es gibt ausserdem ein starkes Nord-Süd-Gefälle, im Norden beträgt das Verhältnis 1.130 Menschen pro Arzt, im Süden sind es 439. In Chile, nur zum Vergleich, beträgt die Relation 917.
07 April 2010
27 m langer Bus in São Paulo
Benzinpreise
Ostern habe ich im Bundesstaat Rio, genauer in Frade in der Nähe der brasilianischen Atomkraftwerke, getankt, Super für 3,299 R$ den Liter. In São Paulo kostet der Liter Superbenzin unter 3 R$, hier gibt es eben Konkurrenz, an jeder Ecke eine Tankstelle im Gegensatz zu Frade, wo es nur eine gibt.
Im heutigen "O Estado de São Paulo" werden internationale Preise für Normalbenzin miteinander verglichen, natürlich in US$ und nicht in €, dessen Kurs in den Abendnachrichten im Gegensatz zum Dollarkurs nicht erwähnt wird, Europa ist weit weg! Hier die Zahlen:
- 1,90 US$/l Italien
- 1,87 US$/l Frankreich
- 1,42 US$/l Brasilien
- 0,74 US$/l USA
- 0,02 US$/l Venezuela
Unter Benzinpreis finden Sie eine ziemlich komplette Tabelle internationaler Benzin- und Dieselölpreise in €. Sie bestätigt den obigen Preis für Venezuela nicht, denn dieser wird mit 0,10 €/l angegeben, was immer noch traumhaft billig ist und Hugo Chávez nicht weh tut, weil in dem von ihm "gebeutelten" Land sowieso die Wenigsten Geld für ein Auto haben.
0,85 € sei der Preis für ein Liter Super in Brasilien und 0,88 € für Normalbenzin, Diesel koste sogar 0,89 € den Liter. Mit dem Kurs von 2,40 R$ = 1,00 € würde Super also nur 2,04 R$/l kosten; leider habe ich die zugehörige Tankstelle noch nicht gefunden, wahrscheinlich liegt sie auf der Ilha da Fantasia.
Zum Vergleich zum Schluss die deutschen aktuellen mittleren Preise:
- 1,424 € Normalbenzin
- 1,416 € Superbenzin
- 1,481 € SuperPlus
- 1,197 € Diesel
31 März 2010
An den Ufern des Rio Pinheiros im Süden São Paulos
Gestern Nacht weltstädtische Kulisse:
Der Brasilianer und seine Gesundheit
Kennen Sie die Reklame: 10 Probleme im Mund? Nicht in meinem!!! Dabei waren 77,9 % aller Kinder bis 4 Jahre noch nie beim Zahnarzt, die Teil der 11,7 % der brasilianischen Bevölkerung sind, die ebenfalls noch nie in einem Behandlungsstuhl sassen. Andere Details einer Umfrage:
- Im Süden Brasilien werden Krankenversicherungen dreimal häufiger als im Norden benutzt
- 2008 rauchten 17,2% der Brasilianer
- Alleine zur Toilette zu gehen, ist für 6,7 Millionen Brasilianer eine Herausforderung - fragen Sie mich nicht nach dem Grund, ich kenne ihn nicht!
- Fast die Hälfte aller Brasilianerinnen über 25 Jahre haben noch nie eine Mammografie gemacht
- Immer weniger Brasilianer halten sich für kerngesund
- Die häufigsten chronischen Leiden sind Bluthochdruck und Rückenprobleme
- Je geringer die Schulbildung, desto mehr entfernte Gebärmuttern
- Ungefähr 73% gehen regelmäßig zum Arzt
- Weniger als die Hälfte der Haushalte nehmen am Gesundheitsprogramm für die Familie - Programa Saúde da Família - teil
Übrigens war mein brasilianischer Schwager zwar schon beim Zahnarzt, wurde aber nie behandelt - er hat völlig gesunde Zähne, ohne Karies oder sonstige Probleme, und das schon mehr als 50 Jahre! Wohl ihm und wehe den Zahnärzten!
Broken Links
Wer links unter LINKS klickt, findet einige Downloads von Aufsätzen nicht mehr. Das liegt daran, dass das Original im Eurolatinasite abgelegt ist, der Archivierungsort aber durch die Umprogrammierung des Sites geändert wurde - deshalb muss die Zugangsinformation, d.h. der LINK, neu erstellt werden. Einfacher ist es, Sie gehen zur Eurolatina-Homepage und klicken in DOWNLOADS oder LINKS, dort finden Sie die gewünschte Information.
Wenn Sie dies jetzt tun, werden Sie aber keinen Erfolg haben, denn wegen des Uploads der neuen Sitepages wurde das Kontingent von 25 GB Datenverkehr im Monat um 7,84 GB überschritten und der Zugang automatisch gesperrt. Das habe ich heute morgen bemerkt, dann gleich per Internet die gewaltige Summe von 40,16 R$ bzw. 16 € zahlen lassen, aber bis eben - 31.3.2010 / 18:07 - ist der Zugang noch gesperrt. Und dabei ist der 1. April erst morgen!
Pressestimmen über Brasilien
Daimler baut Nutzfahrzeugproduktion in Brasilien weiter aus
Mordrate in Brasilien sinkt erstmals seit langem: Interessant, dass in diesem Artikel nicht erwähnt wird, dass das Risiko eines jungen Schwarzen, ermordet zu werden, 130 % grösser als das seines weissen Altersgenossen ist. Die Anzahl der Mordopfer aller Altersstufen sank um 24,1 %, stieg aber für Schwarze um 12,2 %. Diesem Thema werde ich in den nächsten Tagen einen gesonderten Beitrag widmen.
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