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08 Dezember 2010

Autos, Autos, Autos - Brasilien auf der Überholspur (Fortsetzung)

Zunächst einmal die schlechten Nachrichten: Die Zentralbank sorgte jüngst für knappes Geld und damit erhöhte sich der Zinssatz für Autokredite, was zu einem Rückgang der Neuwagenverkäufe bis zu 20 % führen kann. Bis September, also vor der Zentralbankmaßnahme, wurden 46 % der Neuwagen durch Kundendirektkredite finanziert, 60 % davon ohne Anzahlung. Die Zinsen für Kredite ohne Anzahlung bewegen sich zurzeit zwischen 1,6 und 2,5 % im Monat, vor der Kreditverknappung lagen die Werte zwischen 1,3 und 1,4 %. Die genaue Höhe hängt von der Laufzeit ab.

So kostet ein Celta 1 l  Bi-Kraftstoff (also Alkohol oder Benzin in einem beliebigen Mischungsverhältnis), wenn er über fünf Jahre hinweg ohne Anzahlung finanziert wird, jetzt 762 anstatt 610 R$ im Monat. Nach 60 Monaten hat der Käufer dann 9.120 R$ mehr gezahlt als vor der Geldverknappung.

Roberto Sinicio, Verkaufschef des GM-Vertragshändlers Palazzo, der diese Berechnung anstellte, nannte als Barpreis 23.900 R$. Bisher zahlte der Käufer also bei einem Kredit mit 5 Jahren Laufzeit insgesamt 36.600 R$ für sein Auto, ab sofort allerdings 45.720 R$, also mehr als den doppelten Barpreis! Gut, dass Brasilien von Sozialisten regiert wird; wenn doch mal wieder die Kapitalisten "rankommen", werden die Autos sicher unbezahlbar, oder? Wer mehr über solche Preisbildungsmechanismen wissen möchte, sollte nach Kuba fliegen, dort dürfen gebrauchte Autos jetzt privat verkauft werden, las ich neulich. Neue gibt es anscheinend nicht, jedenfalls nicht für die "normale" Bevölkerung.

Die Ratenzahlungsbedingungen änderten sich nur für Käufe ohne Anzahlung, wer 20 % bei einer Laufzeit von 36 Monaten, 30 % bei 48 Monaten und 40 % bei 60 Monaten anzahlen kann, ist von der Zinserhöhung nicht betroffen. Finanzierungen mit 24 Monaten Laufzeit erfordern keine Anzahlung, um in den "Genuss" der bisherigen Zinssätze zu kommen.

Aber jetzt kommen wir zu den guten Nachrichten: Die brasilianische Automobilindustrie rechnet damit, 2010 insgesamt 3,45 Millionen Fahrzeuge zu verkaufen, das sind 50.000 Fahrzeuge mehr als geplant. Das wäre der fünfte Jahresrekord in unmittelbarer Folge für unsere Industrie. Wenn man von den Schätzwerten für 2010 ausgeht, wird sich die Produktion um 14,4 % auf 3,64 Millionen Einheiten erhöhen. Für 2011 bis die Produktion von 3,68 Millionen Fahrzeugen geplant. Die Zulassungen stiegen gegenüber dem Vorjahr um 9,8 % auf 3,45 Millionen, 2011 sollen es 3,63 Millionen werden, eine erneute Steigerung von 5,2 %.  Der Export wird dieses Jahr auf 780.000 Einheiten geschätzt, das wären 64,2 % mehr als 2009. Für 2011 rechnet man nur mit 730.000 Einheiten, das heißt, der Export würde um 6,4 % zurückgehen.

Kopfschmerzen bereitet der lokalen Autoindustrie der hohe Importanteil, der dieses Jahr bei 18 % der Verkäufe liegen und 2011 wahrscheinlich auf 20 bis 22 % klettern wird. 2005 lag der Anteil der Importe an den Fahrzeugverkäufen nur bei 5,1 %. Wenn man die Autozulieferindustrie einbezieht, liegt das Handelsbilanzdefizit der Branche bei fast 5 Milliarden US-Dollar, letztes Jahr waren es 3 Milliarden US-Dollar. Das Gespenst der holländischen Krankheit wird also nicht grundlos an die Wand gemalt.

Dazu passt die Nachricht, dass Novelis, der weltgrößte Aluminiumblechhersteller mit Stammsitz in Kanada, seine Fabrik in Aratu bei Salvador schließt. Als Grund wird der starke Real und die hohen Energiekosten angegeben. In den letzten sechs Jahren stieg der Preis für die Elektroenergie um 51 % an. Die Fabrik in Ouro Preto wird beibehalten, weil sie 65 % ihres Energiebedarfes selbst generiert, während die geschlossene Fabrik die Energie komplett zu kaufen musste.

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