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19 April 2015

Wie man sich erfolgreich an der politisch bedingten Wirtschaftskrise vorbeischlängelt

Es sieht in der Tat kurzfristig nicht gut aus in Brasilien, wenn man die Situation aus der makroökonomischen Perspektive betrachtet:
Quelle: O Estado de São Paulo vom 19.4.2015
Wenn schon eine Betrachtung des BIP mit QUEDA LIVRO, also FREIER FALL, überschrieben wird, ist es ernst. Links sehen Sie den Vergleich der BIP-Veränderung in % eines Vierteljahres zum gleichen Vierteljahr des Vorjahres. Rechts sehen Sie die Vorhersage für die BIP-Veränderung renommierter Institutionen für das erste Vierteljahr 2015, wobei es auffällig ist, dass diese ungleicher Meinung sind; nur darüber, dass das BIP schrumpfen wird, besteht Einigkeit, aber die Prognosen variieren von -1,2 bis -3,5 Prozentpunkte.

Was kann man in einer solchen Situation machen? Die Flinte in's Korn schmeißen, resignieren oder den Kopf in den Sand stecken? In meinem Buch WIRTSCHAFTSBOOM AM ZUCKERHUT habe ich 2008 über erfolgreiche brasilianische Firmen wie HERING und WEG geschrieben. Beide sind auch heute noch Musterbeispiele für Unternehmen und Unternehmer, die sich von einer Krise nicht beeindrucken lassen. Die Betonung liegt dabei auf Unternehmer und nicht etwa Unterlasser, denn wer nur abwartet und Däumchen dreht, wird in der Krise schnell zum Opfer und kann anschließend nichts mehr unternehmen. Sie wissen ja, wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!

Zurück zur Firma WEG, deren Präsident Harry Schmelzer Jr. dem ESTADO DE SÃO PAULO ein Interview gab, welches heute am Sonntag, den 19.4.2015, publiziert wurde. WEG hat letztes Jahr 7,8 Mrd. R$ umgesetzt und wird, wenn das Ziel des Firmenchefs erreicht wird, in diesem Jahr um 17 % wachsen - letztes Jahr waren es 14,8 %. Und dass das Ziel erreicht wird, ist sehr wahrscheinlich, denn die WEG-Gruppe erzielte schon letztes Jahr 51 % des Umsatzes über ihre ausländischen Gruppenfirmen. Und Harry Schmelzer sagt dazu "Nós vamos crescer mais no exterior do que no Brasil. A Weg é uma empresa global e, para crescer, não pode produzir em um lugar só. (Wir werden im Ausland mehr als in Brasilien wachsen. WEG ist eine globale Firma und um zu wachsen, können wir nicht nur an einem Standort produzieren)".

Die Wahl, im Ausland zu produzieren, wurde nicht nur wegen der Kundennähe getroffen, sondern auch wegen der Standortvorteile - vielerorts kann man im Ausland billiger produzieren als in Brasilien. Brasilien hat höhere Produktionskosten als z.B. die WEG-Fabriken in Indien, China und Mexiko.

Den Dollarkurs sieht er nicht als ausschlaggebend an, denn keine Firma im Ausland wird nur deshalb anfangen, brasilianische Produkte zu kaufen, weil der Dollar bei 3,00 R$ steht. Dazu will der potentielle Kunde auch seinen Lieferanten kennen, sein Produkt, die Lieferfähigkeit, -treue und -zuverlässigkeit, die Qualität, die Marke - alles Dinge, die nichts mit dem Wechselkurs zu tun haben.

Die brasilianische Industrie steht augenblicklich vor großen Herausforderungen, zu deren Bewältigung die Regierung wenig beiträgt. Also muss jeder Unternehmer sich selbst helfen und seine Nische suchen, z.B. in der Energieerzeugung (Wind, Sonne, Wasser) oder Wirkungsgraderhöhung von Anlagen - neue Elektromotoren benötigen 6 % weniger Strom als 15 Jahre alte bei gleicher Leistung.

WEG hat 2014 viel investiert, 428 Mio. R$. Dieses Jahr werden es mehr sein, aber ein großer Teil wird im Ausland investiert werden, z.B. 135 Mio. US$ für die Erweiterung der Fertigung von Elektromotoren in Mexiko und 210 Mio. US$ dafür in China.

Das Interview lesen Sie hier im Original.

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