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07 März 2016

Diskussion auf hohem Niveau nach vorübergehender Festnahme von ex-Präsident Lula

Lurian Lula da Silva, filha do ex-presidente Lula, mostra o dedo, dizendo que não fala com a mídia golpista
Lumina Lula da Silva, Tochter des ehemaligen Präsidenten Brasiliens, reagiert auf Interviewversuche der  "Putschpresse"
Quelle: Wilton Junior ESTADÃO
In der Zwischenzeit haben 1.551.293 Brasilianer online für die Absetzung der amtierenden Präsidentin Dilma gestimmt.

Aber das Land ist mehrfach gespalten, nicht nur zwischen rechts und links, denn selbst die linke Landlosenbewegung MST will Dilma jetzt nicht mehr, weil sie ihr zu willfährig gegenüber den Konservativen ist. Da kann man sich unschwer vorstellen, was aus Brasilien würde, wenn diese Radikalinskis, denen Dilma nicht links genug ist, an die Macht kämen.

Getúlio Vargas gehörte im gewissen Sinn auch zu diesen, denn er regierte Brasilien diktatorisch und seine 1934 geschaffene Stimme Brasiliens - a Voz do Brasil - kann (muss) man heute noch von 19:00 bis 20:00 auf jedem Radiosender des Landes hören. Der frühere gleichgeschaltete Reichsrundfunk beglückte Deutschlands Bürger nur ab und zu mit Regierungspropaganda, in Brasilien hört man diese täglich, ohne Ausweichmöglichkeit. Diese Selbstbeweihräucherung der Regierung sollte schnellstens eingestellt werden, ebenso der Wahlzwang - die letzte Präsidentenwahl hat ja gezeigt, was die Wahlpflicht bringt, denn im zweiten Wahlgang hat ein Großteil der Brasilianer seine Stimme verweigert. Leider, muss man heute sagen. 

Denn die Folge dieser Wahlverweigerung, die Dilma an die Macht brachte, zeigt sich in einigen "Rekorden". Aber vorher möchte ich einen Kommentar wiedergeben: "Aperte o 13 e confirme... a sua ignorância, eleitor desempregado." Was auf Deutsch heißt: "Drücke die 13 und bestätige ... Deine Unwissenheit, (Du) arbeitsloser Wähler". Die 13 war die Nummer der PT bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2014. Es folgen die "Rekorde" von 2015:
  1. Sparquote, so schlecht wie seit 1995 nicht mehr; 2015 wurden 53,6 Mrd. R$ mehr abgehoben als eingezahlt, weil die Sparzinsen niedriger als die Inflation waren. Dass 1995 genannt wird, ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Zentralbank vorher die Statistik der Ein- und Auszahlungen noch nicht geführt hat.
  2. Industriearbeitsplätze, 6,2 % Rückgang in 2015, die größte Minderung seit 2002, als diese Statistik begonnen wurde.
  3. Industrieproduktion, so schlecht wie seit 2003, dem Beginn dieser Statistik, nicht mehr, alleine 2015 ein Rückgang von 8,3 %; die Krise verschonte nur einen von 26 Sektoren.
  4. Dienstleistungssektor, auch hier eine junge Statistik, begonnen 2012, und seit 2012 der erste Rückgang - inflationsbereinigt um 3,6 % weniger, angefangen bei Frisörsalons über Immobilienfirmen und Autowerkstätten bis zu Hotels.
  5. Einzelhandel, Rückgang von 4,3 % in 2015, das schlechteste Ergebnis, seitdem die Statistik in 2001 begonnen wurde und der erste Rückgang seit 2003, als der Umsatz um 3,7 % schrumpfte. Betroffen sind so wichtige Produkte wie Möbel, Weiße Ware und Treibstoffe.
  6. Zinsen, die höchsten seit 2006; seit Juli 2015 beträgt der Leitzins 14,25 % jährlich; was als Inflationsbekämpfung gedacht war, erwies sich als wirkungslos - kein Wunder, ist die brasilianische Wirtschaft doch immer noch teilweise indexiert.
  7. Börse, die BOVESPA verlor soviel wie seit 2013 nicht mehr, der Rückgang in 2015 betrug 13,31 %. Am 21.12.2015 erreichte der Aktienindex 43.199,95 Punkte, der niedrigste Wert seit dem 1.4.2009, als er 41.976,33 Punkte betrug.
  8. Dollar, die Leitwährung, die seit 2002 nicht mehr so teuer für Brasilianer war. 2015 kostete der US$ zunächst 2,659 R$, aber am Jahresende waren es dann 3,938 R$, ein Sprung von 48,49 %. Am 23.9.2015 wurde der höchste Wert des Plano Real erreicht, 4,146 R$.
  9. Sparkontozinsen, so schlecht wie seit 2002 nicht mehr. 2015 erhielt der Sparer 8,15 %, aber bei einer Inflation von 10,67 % verlor er Geld. Das erste Mal übrigens in 13 Jahren.
  10. Inflation, so hoch wie seit 2002 nicht mehr. 10,67 % betrug sie 2015, dabei hatte sich die Regierung ein Ziel von 4,5 % pro Jahr gesetzt, mit einer Toleranz von + 2 %. 2002 betrug die Inflation übrigens 12,53 %.
  11. Arbeitslosigkeit, so schlimm wie seit 2003 nicht mehr. Im Mittel betrug sie 2015 laut IBGE 6,8 %, im Jahr zuvor waren es 4,8 %. Das ist der höchste Anstieg seit Beginn der Statistik in 2003.
  12. Arbeitsplätze, die gibt es in der offiziellen und in der sogenannten Schattenwirtschaft. Die offizielle Wirtschaft verlor 1,5 Millionen Arbeitsplätze in 2015, so viel waren es seit Beginn der Statistik 1992 noch nie. 
  13. BIP, auch hier eine Katastrophe, ein Rückgang von 3,8 % in 2015, der schlechteste Wert seit 1990. Auch hier der größte Rückgang seit Beginn der Statistik in 1996. Wenn man die frühere Art der Statistik berücksichtigt, die 1948 begonnen wurde, ist es das schlechteste Ergebnis seit 25 Jahren, als 1990 zu Beginn der Regierung Collor der Rückgang 4,3 % betrug.
  14. Öffentliche Verschuldung, der höchste Anstieg seit 2008, als die Statistik begonnen wurde. Im Dezember 2015 betrug sie 66,2 % vom BIP - das Land hat im vergangenen Jahr 111,2 Mrd. R$ mehr ausgegeben als eingenommen.
  15. Steuereinnahmen, die niedrigsten seit 2010. Die brasilianische Bundesregierung nahm 5,62 % weniger in 2015 ein, wenn man die Inflation abzieht. Insgesamt betrugen sie 1,221 Billionen R$, 2010 waren es 1,191 Billionen R$.
Wie schön, wenn man sagen kann, dass man weiß, dass man nichts weiß. Dann kann man auch unbesorgt den berühmten Mittelfinger zeigen, weil man vielleicht tatsächlich annimmt, dass Papito alles richtig gemacht hat und ungerechterweise von der Elite und ihrer Presse verfolgt wird.

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