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14 Januar 2011

Erdrutsche im Norden Rios

„Brasilien ist nicht Bangladesch – es gibt keinerlei Entschuldigung für so viele Erdrutschtote“, erklärte die UNO-Katastrophenexpertin Debarati Guha-Sapir. Die Regenfälle seien natürliche Phänomene, indessen fehle in Brasilien politischer Wille zu entsprechenden Präventivmaßnahmen. Deshalb wiederholten sich derartige Dramen Jahr für Jahr. 2010 waren in der Stadt Rio de Janeiro sowie in der Umgebung bei Erdrutschen ebenfalls Hunderte von Menschen umgekommen.
Fachleute argumentieren nicht anders als die Uno. Die Katastrophe von Mittwochnacht sei Resultat staatlicher Umwelt- und Sozialpolitik unter Präsident Lula und den Vorgängerregierungen. „Es ist nicht der Regen, der hinter Gitter muss“, titelt die Zeitung „O Globo“ in Rio de Janeiro. Zu den haarsträubendsten Fehlleistungen zählt, dass hochmoderne importierte Radaranlagen exakte Voraussagen der jüngsten saisonalen Gewitterregen lieferten, wegen fehlender Techniker die Daten jedoch nicht ausgewertet wurden. Die Zivilverteidigung des Teilstaats Rio übermittelte Stunden vor der Katastrophe den betroffenen Städten und Gemeinden entsprechende meteorologische Warnungen – diese gingen indessen allen Ernstes verloren, wurden nicht genutzt."

Den kompletten Artikel lesen Sie im Tagesspiegel vom 14.1.2011 unter der Schlagzeile

Brasilien: Nicht der Regen ist schuld

Ein weiterer Artikel der Deutschen Welle zum Thema:

Brasiliens hausgemachte Naturkatastrophe?

1 Kommentar:

  1. Weder ist in Bangladesch alles schlecht, und genauso wär's vermessen zu behaupten, es gäbe in Brasilien keinerlei Bedarf an Optimierungen. “Was da abging” war meines Erachtens ein Zusammenwirken unglücklicher Umstände. Zweifel hege ich daran, ob man dem Sachverhalt gerecht würde, indem bestimmte einzelne Personen des Fehlverhaltens bezichtigt werden – sei's nun ein scheidender Präsident oder ein Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro. Da ist die Korruption als ein vielleicht möglicher Aspekt. Dass etwa auch solche Areale eine Bebauung erfahren, welche dazu eigentlich nicht prädestiniert sind, bzw. weitere Bau-ergänzende Maßnahmen ausbleiben, durch die etwa erhöhtem Niederschlag und der Abführung von Oberflächenwasser Rechnung trügen – Aufgaben, vorwiegend angesiedelt im Zuständigkeitsbereich des jeweiligen Munizips. Zum anderen kann immer noch nicht ganz verkannt werden, dass viele vor allem sozial weniger begünstigte Bevölkerungsgruppen hinsichtlich der Wahl ihrer Unterkunft keinen ganz so leichten Stand haben (ich bitte um Nachsicht für politisch nicht korrekte Formulierungen). Oftmalig kommen für diese Menschen nur die einschlägigen Viertel in Betracht, in welchen gebaut und erweitert wird, ohne dass Baugenehmigungen sonderlich geprüft würden, ohne das Erstellen von Sachverständigen-Gutachten über eine Untergrundbeschaffenheit – Man lässt gewähren, man fragt nicht. Die schiere Anzahl an Menschen, welche eine solche schlichte Bleibe (errichten,) bewohnen (und ausbauen), wird von Behörden nicht so erfasst wie dies in Deutschland der Fall ist. Im Gespräch mit Brasilianern ergab sich dies, genauso wie beispielsweise von anderen Leuten auch in den Wochenendsiedlungen an den Stränden „sem projeto“ gebaut wird. Hin und wieder werden Einzelfälle geprüft, aber oftmals lässt man gewähren – das wiederum unabhängig von der jeweils tonangebenden Partei in Brasilia. Die mögliche, präzise Wettervorhersage, selbst wenn durch diese die unlängst bedeutsamen Regenfälle vorausgesagt worden wären: Wären die Erdrutsche ebenso prognostiziert worden? Wären wirklich Menschen, unter hohem behördlichem Aufwand (Quartier-Bereitstellung, Abstellen von Ordnungshütern zum Schutz vor Plünderungen, etc.), zuvor evakuiert worden? Wie groß wäre der Aufschrei gewesen, wenn eine vorsichtshalber angesetzte Räumung im Nachhinein nicht notwendig gewesen wäre? Vielleicht ist das Geschehene Anlass dazu, sich künftig mehr Gedanken zur Vorbeugung zu machen, ähnlich etwa dem lawinensicheren Bauen im alpinen Raum. Dahin gehend, dass künftig besonders riskante Bereiche unter genaueren Augenschein genommen werden und ggf. von einer menschlichen Besiedlung ausgenommen bleiben. Und stattdessen Maßnahmen ergriffen werden, die Hänge stabilisieren (durch Baumaßnahmen bzw. geeignete Bepflanzung) und Moränen-artige Lehmniedergänge hemmen bzw. umleiten. Die oftmalig betroffenen Bewohner können solche Dinge aus der eigenen Warte heraus allermeist kaum bewerten. Das Know-How generell hierzu ist doch vorhanden, auf wissenschaftlicher Basis und gepaart mit etwas Willen ließe sich gewiss viel bewegen. Es ist natürlich auch ein Aufwand, dessen Umsetzung langfristig gewollt werden muss. Schließlich ist es vermutlich eine beträchtliche Zahl an Menschen, welche da auf lange Sicht umgesiedelt werden müsste. Es sind über lange Jahre gewachsene Strukturen, an welchen man sich da heranwagte. Das wiederum hätte sehr viel mit Überzeugungsarbeit zu tun, auch mit finanziellem Aufwand. Aber weniger mit der Farbe des Parteibuches. Somit haben hier Lula & Dilma samt der PT für mich persönlich eine allenfalls symbolische Verantwortung.

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