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16 Juni 2013

Geschäft mit der Angst

Toller Artikel vom 15.6.13!

"Geschäft mit der Angst: Rollende Festungen in Brasilien


Das Schwellenland Brasilien wächst, und die wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb der Gesellschaft werden immer größer. Während es immer mehr Leute aus der Mittel- und Oberschicht gibt, kämpfen die Abgehängten ums Überleben - mit allen Waffen. Dadurch ist die Zahl bewaffneter Raubüberfälle auf offener Straße in vielen brasilianischen Großstädten dramatisch gestiegen.

Die Sicherheitsbranche verfolgt diese traurige Entwicklung mit Wohlwollen, denn das Geschäft mit der Angst boomt. Spezialfirmen, die Autos zu rollenden Festungen umbauen, erzielen Rekordumsätze. Die 'Straßen-Panzer' werden mit Spezial-Scheiben aus Kevlar-Matten ausgestattet, um selbst Pistolenschüsse aus nächster Nähe standzuhalten. Rund 70 Prozent aller Panzer-Limousinen rollen durch die Millionenmetropole Sao Paolo. Denn von den rund zwanzig Millionen Einwohnern gehören Schätzungen zufolge etwa 100.000 zur Mafia.

Lies mehr über Geschäft mit der Angst: Rollende Festungen in Brasilien - RTL.de bei www.rtl.de."


Wenn Sie auf die Webseite von RTL gehen, können Sie auch noch einen Film dazu sehen. So macht RTL ein Geschäft mit der Angst bzw. mit dem wohligen Gruselgefühl, welches der Leser im entfernten Europa beim Lesen verspürt. Wirklichkeit ist, dass die wirtschaftlichen Unterschiede immer kleiner werden, denn immer mehr Einwohner Brasiliens steigen in die Mittelschicht auf. Und niemand der "Abgehängten" begeht einen Raubüberfall aus Hunger, sondern er tut dies, um Drogen zu kaufen, um nicht arbeiten zu müssen oder weil es ihm einfach Spass macht, sei es als Sadist, Psychopath oder was weiss ich - suchen Sie sich einen schönen Namen aus, der den Gutmenschen unter uns gleich die Chance gibt, die Untaten des Kriminellen mit widrigen Umständen zu erklären oder zu entschuldigen. Wobei dieser in den meisten Fällen Berufskrimineller ist und keinesfalls nach dem Motto Gelegenheit macht Diebe handelt. Und wer Mitglied der zitierten Mafia ist, ist meist auch finanziell der Mittelschicht zuzuordnen. Übrigens werden Familien von Häftlingen vom Staat finanziell (und meist auch gleichzeitig von der zitierten Mafia, die hier synonym für organisiertes Verbrechen steht, welches sich in São Paulo unter dem Namen PCC - Primeiro Comando da Capital
 ausgebreitet hat) unterstützt.

Zum xten Male nebenbei bemerkt, wir sprechen Portugiesisch und nicht Italienisch, unsere Stadt heisst als São Paulo und nicht Sao Paolo. Und der Satz "Die 'Straßen-Panzer' werden mit Spezial-Scheiben aus Kevlar-Matten ausgestattet, um selbst Pistolenschüsse aus nächster Nähe standzuhalten."  ist wohl ein Witz, Pistolenschüsse ist wohl das Wenigste, was eine Autopanzerung aushalten sollte! Oder glaubt der Autor, dass bei uns die Indios mit Blasrohren mit Curare vergiftete Pfeile auf Autofahrer abschiessen?

Wer mehr wissen will, sollte in ABRABLIN klicken, um zum Site der ASSOCIAÇÃO BRASILEIRA DE BLINDAGEM zu kommen. Dort erfährt z.B., dass 32 Firmen 75 % des Marktes für nachträgliche Panzerung von PKWs bedienen und dass 2012 in ganz Brasilien 8.384  Fahrzeuge mit einer Panzerung ausgestattet wurden, 72 % davon im Bundesstaat São Paulo, 8 % im Bundesstaat Rio de Janeiro, 6 % in Pernambuco und je 2 % in Ceará und Bahia. Die restlichen 10 % verteilen sich auf Espírito Santo, Goiás, Minas Gerais, Mato Grosso, Pará, Paraná, Rio Grande do Norte, Rio Grande do Sul und Santa Catarina.


Die Rangliste der gepanzerten Fahrzeuge wird vom VW-Tiguan angeführt, es folgen Range Rover Evoque von Land Rover, Mercedes C-180, Corolla von Toyota und VW-Jetta. Am häufigsten wird die Schutzklasse III-A gewählt, die 9 mm - Geschossen standhält sowie .44 Magnum. Um in den Genuss dieses Schutzes zu kommen, musste der PKW-Eigentümer 2012 im Mittel 47.300 R$ ausgeben, heute knapp 17 T€. 


Noch ein Hinweis zum Grund der Angst; 2011 wurden im Stadtgebiet von Gross - São Paulo (20 Mio. Einwohner) 1.069 Menschen und 1.497 in 2012 ermordet. Aber es ist alles relativ; lesen Sie doch bitte auch Gepanzerte Autos erweisen sich als Krisengeschäft, Nachfrage nimmt rasant zu - Mexiko als internationaler Umschlagplatz. Dort steht u.a. "Diese Einschätzung deckt sich vor allem mit Blick auf die aktuelle Sicherheitslage in Mexiko City. Einem aktuellen Bericht der Wirtschaftswoche zufolge existieren dort allein über 1.300 Straßenbanden. Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass es im Jahr 9.000 Entführungen gibt und die mexikanische Hauptstadt somit zu den gefährlichsten Pflastern der Welt gehört." Dazu muss ich sagen, dass ich mich in den Jahren, in denen ich dort gewohnt habe, nie unsicher gefühlt habe.


Was nicht bedeutet, dass São Paulo sicher ist, siehe Wie man sich in São Paulo verhält – ein Expat-Bericht. Hier steht u.a."4.320 registrierte Fälle von Mord und Totschlag, unglaubliche 506.654 Straßenraube und 68.582 Fälle von räuberischen Angriffen auf Kraftfahrer verzeichnete São Paulo im Jahr 2010. Wurden in São Paulo statistisch 10,5 Morde pro 100.000 Einwohner verübt, lag die Zahl für Deutschland insgesamt „nur“ bei 2,7 Morden. Auffällig auch der Unterschied bei den Straßenrauben: Pro 100.000 Einwohner wurden in Deutschland 59 Fälle angezeigt. In der Megacity waren es 1.236 Fälle. In der Häufigkeit der räuberischen Angriffe auf Kraftfahrer liegt São Paulo mit 167 Fällen sogar vor Rio de Janeiro mit 125 Fällen. Die Zahlen aus Deutschland liegen bei verschwindend geringen 0,36 Fällen pro 100.000 Einwohner." Und wenn Sie weiter oben die Zahlen der Stadt São Paulo von 2011 und 2012 mit denen von 2010 vergleichen, werden Sie sehen, dass es schon mal viel schlimmer war - aber die Sicherheitssituation ist trotzdem aktuell nicht zu tolerieren. 



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